Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

von der Mädchenmannschaft

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche „Kurz verlinkt“ gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: „Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.“

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, „Orange Is The New Black“, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst – vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs „Lean In“-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 22. August 2013 um 10:30 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. outa sagt:

    Ergänzung: In Bramsche-Hesepe wird Geflüchteten der Zutritt zu einem Supermarkt mittels Wachdienst verwehrt: http://www.ndr.de/regional/dossiers/der_norden_schaut_hin/schauplaetze/fluechtlinge389.html

    Und die beiden russischen Athletinnen, die sich geküsst haben, waren anscheinend doch garnicht so aktivistisch: http://www.pinknews.co.uk/2013/08/20/russian-athletes-insulted-by-the-idea-that-same-sex-kiss-was-meant-in-protest-against-anti-gay-laws/

  2. Anna-Sarah sagt:

    @outa: Danke für die Links, werde den Pink-News-Artikel oben ergänzen!

  3. Milla sagt:

    In Hamburg wiederum gefallen sich die mehrheitlich weißen Bürger dieser Stadt als paternalistische „Wohltäter“, nur weil sie ausnahmsweise mal auf offen rassistische Sprüche gegenüber den Lampedusaflüchtlingen enthalten. Die hanseatischen Bürger möchten doch so gerne als „Humanisten“ etc. gelesen werden. Da werden dann alte, ranzige Turnschuhe gesammelt, und das, was der normalrassistische weiße Wohlstandsbürger in Hamburg bereitwillig zu entbehren bereit ist. Alte, vertrockente Brötchen, gammelige Kleider, kurzum die Dinge, die gerne mal entsorgt werden. Viel ist es also nicht. Gemessen an diesen ausgerechnet als Hilfeleistungen dargereichten Verlogenheiten, welche die zutiefst verankerte koloniale und rassistische Struktur der Hanseaten zudecken sollen, ist den offen rassistischen Handlungen in Berlin Hellersdorf jedenfalls Ehrlichkeit zuzubilligen. Rassismus ist aber beides. Ob nun in der übergriffig paternalistischen Art und Weise, wie sie von weißen Hamburgern gepflegt wird, die den Flüchtlingen dann auch gleich „Deutsch“ beibringen wollen, oder in der in seiner Ehrlichkeit etwas unbeholfeneren Form, wie sie von NPD-Funktionären in Hellersdorf zur Schau gestellt wird. Das sind zwei Seiten ganz genau der gleichen Medaille!