Einträge mit dem Tag ‘Männer und Feminismus’


Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

22. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 207 von 365 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche „Kurz verlinkt“ gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: „Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.“

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, „Orange Is The New Black“, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst – vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs „Lean In“-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].


Facebook | |


Internationale Perspektiven und Musik – kurz verlinkt

21. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 206 von 365 der Serie Kurz notiert

In den vergangenen Tagen haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche „Kurz verlinkt“ gleich zweimal. Hier Teil 1.

Die Musikerin Almut Klotz, u.a. Mitberünderin der legendären Lassie Singers, ist gestorben. Im Missy Magazine gibt es einen Nachruf.

Die Initiatorin des Hashtags #SolidarityIsForWhiteWomen, Mikki Kendall, erklärt im Guardian nochmal, warum die Aktion so wichtig war und ist. Auch bei Ebony schreibt sie über die Aktion und über Solidarität und Gemeinschaft zwischen Feministinnen of Color und weißen Feministinnen [beide Texte auf Englisch].

Großes Gelächter, aber auch berechtigter Ärger in der feministischen US-Medienwelt: Typ zeigt mal, wie eine feministische Website geht, dafür werden 6,5 Millionen Dollar  lockergemacht [auf Englisch] .

Und die 14jährige kanadische Aktivistin Rachel Parent zeigt der Welt, wie mit überheblichen, herablassenden TV-Interviewern fertig zu werden ist [Text und Video auf Englisch].

Über die Finanzierung eines Fonds für betroffene von sexualisierter Gewalt in der Familie gibt es weiterhin Streit, so Die Welt, weil die Länder nicht wie vereinbart zahlen wollen.

Powerful: Bei Body Love Wellness gibt es eine Auswahl körperpositiver Spoken-Word-Performances [Text und Videos auf Englisch].

Am 25. Juli demonstrierten Zehntausende in Chiles Hauptstadt Santiago für das Recht auf weibliche Selbstbestimmung und Abtreibung. Die Jungle World sprach mit den Feministinnen Lelya Troncoso Pérez und Hillary Hiner über die Proteste und die Abtreibungsdebatte in Chile.

FEMEN – wer steckt dahinter, wer finanziert sie? Bei Marie Rioux gibt es Hintergrundinfos [auf Englisch].

Eine neue Studie zeigt, dass Bildung und Einkommen einen großen Einfluss auf die Frage hat, ob einer Frau aus medizinischen Gründen die Gebärmutter entfernt wird, so DieStandard.

Ebenfalls bei DieStandard ein Interview mit der Anti-FGM-Aktivistin Bogaletch Gebre: „Unser Elend ist zum Geschäft geworden“.

Außerdem schreibt DieStandard über eine fundamentale Gesetzesänderung in Deutschland: Das neue Personenstandsrecht gesteht intersexuellen Babys erstmals ein unbestimmtes Geschlecht vor dem Gesetz zu. Warum damit allerdings längst nicht alles in Butter ist, ist bei OII-Deutschland nachzulesen.

Großartige Ressource: die Oberlin Alumni Association hat eine Liste von Büchern, darunter viele „Klassiker_innen“, über ‚Race‘, Gender, Sexualität, Klasse und Kultur zusammen gestellt, die als Gratis-PDFs im Netz verfügbar sind [auf Englisch].

440hz – bald auch in deiner Stadt! Lad sie jetzt ein!

 

Termine in Berlin und Frankfurt/Main (mehr …)


Facebook | |


Dustin weint, Welt jubelt

11. Juli 2013 von Anna-Sarah

…oder auch:

Studien bestätigen: Bei jedem an 1 Feminist_in gerichtetes genervtes Ächzen, Augenrollen, „Man kann’s auch übertreiben“, „Ihr wollt ja nur Unterdrückung umkehren“ und „Du willst dich aber auch partout über irgendwas aufregen, ne?“ wird irgendwo auf der Welt 1 Typ unter einer Kekslawine begraben, weil er „Ich finde das nicht so gut, dass Frauen manchmal benachteiligt sind“ gesagt hat.

Ein als Mann* markierter Mensch, am liebsten berühmt, muss eigentlich nur öffentlich sagen, dass er Frauendiskriminierung nicht so cool findet, und zack: Props und Anerkennung, und wenn dabei sogar das Wort Feminismus vorkommt, gibt es kein Halten mehr und der Champagner fließt in Strömen – so altbekannt wie nervig. OK, ich spitze zu, aber zumindest was Social Media angeht, staune ich immer wieder, für welche schlichten bis empörend aneignerischen und fauxministischen Statements und Handlungen Männer* mit geradezu euphorischem Lob (manchmal auch direkt mal mit Kolumnen in feministischen Zeitschriften) bedacht werden.  Aktuell zu beobachten bei einem offenbar schon älteren Video, das eine Interviewszene mit Dustin Hoffman zeigt. Der berühmte Schauspieler äußert sich dort über seine aus der Arbeit am Film „Tootsie“ gewonnene Erkenntnis, dass Schönheitsstandards Frauen bisweilen hart zu schaffen machen und vergießt ein paar Tränchen angesichts all der durch den eigenen Tunnelblick verpassten Chancen, noch mehr tolle Frauen kennzulernen.

Aber nicht alle freuen sich darüber. Wie Tyler Coates gestern auf Flavorwire schrieb (ja, auch die Mädchenmannschaft rückt zuweilen mal einen Male-Ally-Cookie raus einself, wobei es wegen der normalisierenden Verwendung der Formulierungen „good looks“ und „male genitalia“ leider keine bunten Streusel oben drauf gibt):

Pardon me for not wanting to jump on the Dustin Hoffman Appreciation bandwagon all of a sudden; I tend not to get my hard-hitting analyses of gender inequality from the straight white dudes who have pretty much profited from the pervading culture that rewards good looks and, well, male genitalia. When men come to great conclusions about how sexism exists (usually too late and with great amounts of self-satisfaction), they’re granted hero status; when a woman does it, she’s bitter, sensitive, angry, man-hating, etc.

Entschuldigt, dass ich nicht Knall auf Fall  in die Dustin-Hoffman-Jubelchöre einstimmen mag, aber ich neige nicht unbedingt dazu,  weiße Heterotypen, die bisher ordentlich profitiert haben von dieser alles durchdringenden Kultur, die gutes Aussehen und, tja, männliche Genitalien belohnt, als bevorzugte Quelle für pointierte Analysen über Geschlechterungerechtigkeiten anzusehen. Wenn Männer zu der großartigen Einsicht gelangen, dass Sexismus existiert (üblicherweise zu spät und mit einer Riesenportion Selbstgefälligkeit), wird ihnen der Heldenstatus zugebilligt; wenn eine Frau das macht, ist sie verbittert, empfindlich, wütend, männerfeindlich usw.

Ich möchte – wie nett von mir ;)  – niemandem verbieten, sich über einen vor Rührung über sich selbst weinenden Hollywoodstar zu freuen oder sich davon empowert zu fühlen, aber manchmal wünsche ich mir bei sowas schon mehr Kontextualisierung. Besonders in feministischen Zusammenhängen. Und mindestens dasselbe, nein: noch eine Kelle mehr Cheerleading für nichttypisierte Sexismuskritiker_innen. Und für Leute, die  nicht aufhören gegen Sexismus zu kämpfen, obwohl es täglich rauhen Gegenwind anstatt Applaus gibt.


Facebook | |


Gegen den Backlash – kurz verlinkt

24. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft

Was verleitet Menschen dazu, Verfasserinnen von Social-Media-Beiträgen zu beleidigen? Wie gehen die betreffenden Frauen damit um und welche Maßnahmen für einen besseren Kommunikationsstil im Netz werden als sinnvoll erachtet? diestandard weiß mehr.

Ein Antrag einer der beiden inhaftierten Frauen der Punkband Pussy Riot auf Haftaufschub ist am Mittwoch von einem russischen Gericht abgelehnt worden.

Pola Kinski hat ihr Buch bei Talkmaster Reinhold Beckmann vorgestellt. Der Spiegel berichtet. Malestreammedialer Raum für Überlebende sexualisierter Gewalt ist selten – daher (mit entsprechender Contentwarnung) hier verlinkt.

Rosa Parks wird die erste afro-amerikanische Frau sein, die mit einer Statue im US-amerikanischen Kapitol vertreten ist (Text auf Englisch).

Teilnehmerinnen gesucht:Im Rahmen des aktuellen AVIVA-Projektes Lokale Geschichte(n) können jüdische und muslimische Frauen, insbesondere aus Berlin-Kreuzberg,  die Biographien jüdischer bzw. muslimischer Frauen (optimalerweise gegenseitig) aus dem Bezirk recherchieren und ihre eigene Reportage zu „ihrer“ Frau verfassen.

DIE LINKE lobt anlässlich des Internationalen Frauentages 2013 zum dritten Mal den Clara-Zetkin-Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Die Mädchenmannschaft war letztes Jahr nominiert, gewonnen hatte das ebenfalls sehr tolle Projekt STAY.

Im Tagesspiegel schreibt Simone Dede Ayivi gegen den rassistischen Backlash in den Feuilletons an.

A propos Bücher: 21 Autorinnen, die mensch kennen sollte (hauptsächlich englischsprachig), stellt afriPOP vor (Text auf Englsich).

Typen, die sich selbst als „good guy“ (einer von den Guten) bezeichnen, können s.e. smith gestohlen bleiben – bei xojane erklärt sie, warum (Text auf Englisch).

An Berliner Schulen ist Homophobie stark verbreitet, so eine aktuelle Studie.

Über den „empathy gender gap“, also das unterschiedlich ausgeprägte gegenseitige Einfühlunsgvermögen von männlich und weiblich sozialisierten Menschen, schreibt Maya Dusenbery bei Feministing. Und was das Problem dabei ist (Text auf Englisch).

Hip Hop ist eine reine Männerwelt und Frauen, die rappen, kann man an einer Hand abzählen? World Hip Hop Women: From The Sound Up beweist das Gegenteil, und stellt ein Mixtape kostenlos zum Download zur Verfügung.

Termine:

Am 25.1. in Düsseldorf: Becoming Queer Party im Rahmen des Togetherfests (hier das Facebook-Event)

Am 6.2. in Essen: Fortbildung Bitches, Quings und Mackertum: Geschlechterbilder vs. Gleichberechtigung im Hip Hop (hier das Facebook-Event)

Facebook | |


Lesen, tanzen, essen – kurz verlinkt

9. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 184 von 365 der Serie Kurz notiert

Gute Nachricht für eifrige Netsurfer_innen: Da sich zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, allerhand Lesenswertes bei uns eingefunden hat, gibt es diese Woche  „Kurz verlinkt“ gleich zweimal. Hier Teil 1.

Das Rosa-Mayreder-College stand stets an der Schnittstelle von akademischem und aktivistischem Feminismus. Warum die Einrichtung nun schließt und wie es weitergeht, erklärt Gründerin Ursula Kubes-Hofmann.

Der Jahresbericht von Hollaback! International ist da und informiert über Street Harrassment, also Belästigung und Übergriffigkeiten im öffentlichen Raum (Text auf Englisch).

MALMOE und Migrazine nehmen in einem gemeinsamen Schwerpunkt die bereits seit den 1990er-Jahren geführte und stark polarisierte Debatte um Homophobie und Sexismus der Dancehall-Szene genauer unter die Lupe, um ein differenzierteres Bild zu zeichnen.

Profeministische Männerbewegungen? Klingt erstmal gut, hat aber mächtige Haken. Amanda Marcotte analysiert, was das Problem ist (Text auf Englisch).

A Propos Männerprobleme: Männer essen einem US-amerikanischen Psychologen zufolge nicht nur mehr Fleisch als Frauen, sie begründen ihr Verhalten auch anders: Der Fleischkonsum mache sie männlich.

Um Schönheitswahn nach der Geburt geht es in der Berliner Zeitung.

Die taz führte ein Interview mit einer Autorin und dem Mitbegründer des NoNo Verlags für nicht normative Kinderbücher.  Ebenfalls in der taz: „Kotzen vor Wut“ darüber, dass sexualisierte Gewalt in Deutschland und überall auf der Welt noch zu wenig Empörung hervorruft.

Südkorea hat mit Park Geun-hye seine erste Präsidentin gewählt. In ihrem Wahlkampf kündigte Park an, im Falle ihrer Präsidentinschaft eine „Revolution der Frauen“ in Gang zu setzen, versprach finanzielle Unterstützung für Kinderbetreuung und Anreize für Firmen, mehr Frauen einzustellen. Man darf gespannt sein.

Termine:

Das Team von Slutwalk Münster ist in einem Neuausrichtugnsprozess. Welche_r dabei mitmachen will, kann sich auf Facebook über die weiteren Treffen informieren.

Am 10. Januar im Südblock, Berlin: Rosa Radikale – Visionäres und Impulse aus der Schwulenbewegung der 1970er. Buchvorstellung, Diskussion und tanzbare Tuntenlounge

Am 13. Januar im Jubez, Karlsruhe: Tagung / Konferenz Die Care-Seite der Krise. Gesellschaftliche Hintergründe und politische Strategien.

 


Facebook | |



Anzeige