MDR Sachsen möchte freundlich über das N-Wort diskutieren

Der MDR Sachsen möchte heute Abend über Political Correctness im Radio reden, darüber ob man denn heute noch das N-Wort benutzen dürfe. Eingeladen wurden dazu vier weiße Personen. Doch damit nicht genug: Eine dieser Personen ist Frauke Petry (ehemals AfD), eine andere Peter Hahne, der bereits ein ganzes Buch der Verteidigung rassistische Begriffe benutzen zu können widmete. Im Ankündigungstext wird ein Einseits-Andererseis aufgemacht, und zu dem rassistisches Vokabular munter reproduziert.

Alles an dieser Sendung ist falsch: Die Menschlichkeit unter anderem Schwarzer Personen wird – wieder einmal – als debatierbar hergestellt. Debatiert natürlich ausschließlich von weiße Menschen. Es wird viel Raum gegeben für rechte Positionen. Rechte Positionen sind – wieder einmal – eine von vielen möglichen Positionen. Das ist sicher die vielgelobte Meinungspluralität. Eine Meinungspluralität, die die Erfahrungen und Analysen marginalisierter Personen verunsichtbart. Politische Korrektheit wird als beschreibende Formulierung verwandt – so als wäre dies nicht ein rechter Kampfbegriff gegen Interventionen in ein *istisches System. Dass die ganze „Debatte“ um Sprechverbote eine absolute Scheindebatte ist, sieht man allein daran, dass in der Ankündigung zwei rassistische Begriffe ausgeschrieben wurden – wiederholt.

Der Teaser fragt: „Trotz aller Polarisierung – welche gemeinsamen Werte können die Menschen wieder einen?“. Im MDR sucht man also lieber nach einer gemeinsamen Basis mit Nazis anstatt klar Stellung gegen Gewalt zu beziehen. Die Perspektive ist glasklar: Menschen, die tatsächlich Rassismus erfahren, kommen offenbar in der Vorstellung nicht vor. Wie sonst könnte so eine Frage überhaupt gestellt werden?

Auf Twitter hat die Ankündigung für die Sendung bereits für ordentlich Kritik gesorgt. Der MDR Sachsen Twitteraccount verweist bisher vor allem darauf, dass man a) bitte einen freundlichen Umgangston hegen solle (wie das zusammen passt mit dem Ausschreiben des N-Worts in der Ankündigung…) und b) doch in der Sendung anrufen könne. Von Rasssismus betroffenen eine Sendung mit Frauke Petry empfehlen?

 

Und nun? Beschwert euch! Die ganze Reihe unterschiedlicher Kontaktmöglichkeiten finden sich auf der Seite des MDR.

Und anstatt die Sendung zu hören, empfehle ich euch u.a. folgenden anderweitigen Medienkonsum:

Nachtrag: Mittlerweile hat der MDR die Ankündigung verändert und das N-Wort entfernt. Das Konzept und all die anderen Probleme aber bleiben.

Nachtrag 2: Nachdem Kerstin Köditz und Robert Feustel ihre Beteiligung an der Sendung absagten und die Kritik anhielt, wurde die Sendung nun gestrichen. Die Absage (ein Erfolg!) scheint aber leider nur aufgrund der Absage der beiden TeilnehmerInnen – auf Twitter schrieb der MDR dass, ein neuer Sendetermin geprüft wrde.

2 Kommentare zu „MDR Sachsen möchte freundlich über das N-Wort diskutieren

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  1. Der MDR hat zwar das N-Wort aus dem Titel entfernt, im verlinkten Ankündigungstext war aber mehrfach von Z-Schnitzel die Rede. Ich weiß nicht, ob das vorher schon da stand, weil ich den Link erst geklickt habe, nachdem das N-Wort entfernt wurde.

    Ich fände es gut, wenn das MDR Sachsenradio das Thema political correctness nochmal aufnehmen würde. Dann allerdings aus Sicht von Diskriminierten, die erklären, warum sie den Gebrauch gewisser Begriffe problematisch finden. Da darf auch gern jemand in der Runde mitdiskutieren, der das anders sieht. Aber ich sehe aus meiner alltäglichen Erfahrung als Diskriminierte Gesprächsbedarf zu diesem Thema.

  2. @lablusmi Ja, Z stand auch bereits von Anfang an drin. Sie haben also ein rassistisches Wort gestrichen und das andere drin gelassen, was ja auch noch einmal einiges zum Problembewusstsein sagt. Ich könnte mir auch viele Sendeformate vorstellen, die Erzählungen Schwarzer Personen, migratisierter Personen, PoC in den Mittelpunkt rücken…
    Die Formulierung „political correctness“ sollte aber hoffentlich nicht als Überschrift stehen, außer sie wird direkt als rechter Kampfbegriff gerahmt und erklärt.

    Der MDR hat jetzt ja angekündigt einen neuen Sendetermin zu prüfen. Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin auch das Konzept geprüft wird und nicht eine Frauke Petry oder ein Peter Hahne Raum bekommen.

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