„Ich habe gelächelt und ihnen zugewunken”

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

EIN-FREMDWOERTERBUCH.blogspot.com

Wie heißt du?
Mein Blog heißt „ein fremdwörterbuch“ und ich heiße Kübra Yücel.

Seit wann bloggst du?
Seit 2008.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ein paar blöde Menschen liefen mir über den Weg. Unter anderem ein großer Glatzkopf-Haufen, den ich auf dem Hamburger Nazi-Aufmarsch am 1. Mai antraf. Das war eine schöne Begegnung, weil ich eines realisierte: Es gibt sie wirklich: Menschen, die andere Menschengruppen hassen. Einfach so, aus Prinzip. Ich war sehr verwundert und stand mit großen Augen hinter der Presse-Absperrung. Der Haufen drehte sich langsam zu mir um und starrte mich durch die dunklen Sonnenbrillen an. Ich habe dann gelächelt und ihnen zugewunken.
Und das mache ich eigentlich bis heute noch: Ich lächele und winke den Menschen zu. Schaut her, das ist mein Leben, das bin ich. Ich bin Muslimin, Studentin, Bloggerin, ich liebe World-Musik, Kunst, Fotografieren, Städte, Menschen und Lakritze. Da finden Hass, Vorurteile und Idotie keinen Platz mehr.

Worüber schreibst du?
In letzter Zeit viel über den Islam und das Leben als Muslimin, aber außerdem über: Politik, Kunst, Musik, Kultur, Kurzfilme und das Leben in London, wo ich gerade studiere.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Oh, ganz viel wäre mir ohne das Internet nicht passiert. Aber diese Geschichte mag ich besonders gerne: Eine Leserin schrieb ihrer Cousine in Oxford, dass es da ein Mädchen in London gäbe, das genauso wie sie in England Politik studiert, muslimisch ist und aus Deutschland kommt. Mit ihr müsse sie sich unbedingt treffen. Daraufhin schrieb mir die besagte Cousine eine nette E-Mail, wir telefonierten, ich zeigte ihr London, sie mir Oxford, dann reisten wir gemeinsam nach Irland und wurden Freunde.

Wovon braucht das Internet mehr:
Da fallen mir nur lauter Dinge ein, die man im Internet nicht bräuchte: Werbung, Umfragen, Kommerz. Oder Menschen, die die Anonymität des Internets ausnutzen, um Kalaschnikow-gleich sinnlos in alle Richtungen zu schießen.

Frauen im Web…
sind stärker als Männer, weil sie mit Liebe bloggen.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Ganz furchtbar: Viele, viele Nachrichtenseiten. Aber zum Ausgleich lese ich Blogs zu allen möglichen Themen: Politik, Literatur oder Mode. Toll finde ich die muslimische Mode-Bloggerinnen-Welt. So wie Hijabs High (das muslimische Pendant zum Sartorialist) oder Hijab Style. So einen Blog will ich auch für Deutschland! Na also, da fällt mir nun doch etwas ein, das wir brauchen.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.

77 Kommentare zu „„Ich habe gelächelt und ihnen zugewunken”

  1. warum wird in letzter zeit eigentlich immer so viel darüber gesprochen, dass das tragen des kopftuches eine total tolerante und emanzipierte geschichte ist, die nichts mit frauenunterdrückung, bzw damit zu tun hat, dass frauen sich, bzw einen teil von sich (ihr haar, ihre verlockung) verstecken müssen, damit männer als potentielle übeltäter nicht über sie herfallen, bzw unreine gedanken bekommen könnten? ich verstehe das alles nicht. in den meisten fällen stehen islamverbände-die den ursprünglichen islam nach ihren interessen in den meisten fällen sehr zurechtbiegen- dahinter, die den frauen indoktrinieren ihren kopf zu verhüllen (meist auch noch arme und beine, weshalb hier in neukölln ungefähr 80 % der frauen (und teilweise auch mädchen unter 10!!!) im hochsommer mit mänteln herumlaufen. was hat das mit gleichstellung oder emanzipation zu tun? ist das die emanzipation des neuen jahrhunderts? das erinnert mich ein wenig an den chefredakteur der taz, der (ungefähr wortwörtlich) sagte: naja, wenn frauen sich freiwillig den männern unterordnen wollen, dann lasst sie doch.“
    ich finde das sehr schade

  2. weil es offenbar muslima gibt, die das freiwillige tragen eines kopftuches als emanzipativen akt ansehen. oder willst du ihnen das absprechen? natürlich gibt es auch die von dir geschilderten fälle, aber die stellt doch keine_r in frage, nur weil die welt nicht schwarz/weiß ist. bitte vorsicht bei pauschalaussagen über frauen, religionen, männer und berliner bezirke.

  3. Der Islam ist total gegen Frauendiskriminierung, sagen viele Muslime. Wie das zu verstehen ist, habe ich gerade durch Kommentare zu einem Artikel bei der muslimischen Studierendengemeinde Heidelberg erfahren:

    Zwangsverheiratung hat nichts mit Diskriminierung zu tun, es geschieht ja zum Wohle der Frau, die ja nicht weiß, welcher Ehemann der richtige für sie ist, das weiß ihr Ehevormund besser:

    „Vom Propheten inspiriert“

    http://msg-heidelberg.de/wordpress/?p=123#comments

  4. Liebe Kommentator_innen,

    ich finde es anmaßend, alles von Kopftuch über Zwangsheirat in einen Topf zu werfen und hier eine völlig undifferenzierte Diskussion anzufangen. Es gibt nicht „den Islam“. Ich bitte im weiteren Diskussionsverlauf um etwas Sachlichkeit.

    Und nebenbei gesagt: Hier berichtet eine Muslimin über ihren *eigenen* Wunsch, das Kopftuch zu tragen und ihr nehmt euch das Recht herraus, ihr vorschreiben zu wollen, was Gleichberechtigung oder Emanzipation *wirklich* bedeutet. Das ist unglaublich anmaßend.

  5. @ Marti: Auch ich darf mir regelmäßig sagen lassen, was gut für mich ist, dass es meinem Kind schadet, wenn es früh in die Krippe geht, wenn ich Vollzeit arbeite, etc. Können wir im Umkehrschluss daraus schließen, dass Frauen, die drei Jahre Elternzeit nehmen und danach Teilzeit arbeiten, unterdrückt werden? Wohl kaum, oder? Wir gehen davon aus, dass das eine persönliche Entscheidung war, die es zu hinterfragen gilt, vor allem auch, weil klar ist, dass ein gewaltiger gesellschaftlicher Druck dahintersteht, aber genausowenig wie ich möchte, dass meine Entscheidung, relativ schnell nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten zu gehen, zu sehr in Frage gestellt wird, muss ich auch dazu bereit sein, die persönliche Entscheidung der Frauen zu akzeptieren, die einen anderen Weg wählen.
    Aber nach der Erfahrung aus der Diskussion um das Burka-Verbot vermute ich, dass dieser Vergleich von den KopftuchgegnerInnen wieder als „Äpfel-mit-Birnen-Vergleichen“ abgeschmettert wird…

  6. [edit] …aber genausowenig wie ich möchte, dass meine Entscheidung, relativ schnell nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten zu gehen, NICHT zu sehr in Frage gestellt wird…

  7. Autsch. In dem Interview gehts doch in keinem Wort (abgesehen von den beiden Links zu Modeblogs) um das Kopftuch. Keine Ahnung wieso deswegen hier so eine Diskussion entstehen muss.

    Das Blog ist jedenfalls toll und insbesondere Leuten die ganz und gar nicht verstehen können wieso manche Frauen freiwillig ein Kopftuch tragen zur Lektüre empfohlen.

  8. @Nadine: inwiefern kann das tragen eines kopftuchs ein emanzipatorischer akt sein? von was genau emanzipieren sich die muslima denn, wenn sie genau das tun, was schon immer von ihnen verlangt worden ist? wie kann die ausführung eines religiösen gebots überhaupt emanzipatorisch sein?

    @Magda: ist dann der *eigene wunsch* maßstab für emanzipation? sonst ist es ja so eine sache mit den ‚eigenen wünschen‘ einer frau. der wunsch nach einer schönheits-op muss also hinterfragt werden, aber der wunsch nach einem religiösen symbol nicht?
    ich finde es übrigens seltsam, dass du hier von anmaßung sprichst. du hast doch kürzlich erst darüber geschrieben, warum sarah palin keine feministin ist. war es denn anmaßend von dir palin vorzuschreiben, was feminsimus zu bedeuten hat?

  9. @ Red Riding Hood

    Lies bitte den Sarah Palin Text noch einmal durch – mein Argument ist nämlich genau das der Wahlfreiheit, die gegeben sein muss, sonst agieren Feminist_innen genauso paternalistisch wie Abtreibungsgegner_innen oder Kopftuchgegner_innen. Und wer die Wahlfreiheit von Anderen einschränkt, verhält sich meiner Meinung nach anmaßend. Noch einmal: Du kannst gegen Kopftuch oder Abtreibung sein, aber dränge deine Meinung Anderen nicht auf, erst Recht nicht in Form von Gesetzen oder bevormundenden Normierungsversuchen. Klar sollte man Zwänge diskutieren, aber einfach auch mal akzeptieren, wenn eine Frau sagt: Das will ich so. Und wenn’s ne beschissene Brust-OP ist. Das kann ich kritisieren, aber dann bitte sachlich. Das ist hier aber nicht geschehen.

  10. @Magda: ich habe schon verstanden, dass es um wahlfreiheit geht. die will ich auch niemandem absprechen. mir geht es hier darum zu sagen, dass diese wahlfreiheit nicht zur folge hat, dass ich auch eine emanzipatorische entscheidung treffe. die einhaltung eines religiösen gebots hat nichts mit emanzipation zu tun.
    klar kann und will ich niemanden meine meinung aufdrängen, ihn/sie bevormunden etc etc, aber ich muss mir auch nicht erzählen lassen wie emanzipatorisch das verhüllen seines kopfhaar ist.

  11. Ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll, aber ich finde diese verlinkten Modeblogs irgendwie … lustig. Wird das Gebot des „öffentlichen Wegsperrens“ der Frau nicht durch eine farbenfrohe Mode irgendwie verarscht? Genauso muss ich immer grinsen, wenn ich auf der Straße ein Mädchen mit Kopftuch und Minirock sehe. Dann denke ich immer: Ist das eine Art Rebellion gegen westliches und muslimisch-konservative Ansichten zu gleichen Teilen, oder hat die ihre Religion nicht verstanden? Liegt darin vielleicht eine Chance, das strenge Dogma der züchtig gekleideten Muslima aufzuweichen oder soll damit der Schleier salonfähig gemacht werden, um so junge Mädchen leichter dazu zu bringen, sich zu verhüllen? Hm. Nur ein paar Gedanken.

  12. @red riding hood

    natürlich kann mensch den wunsch einer frau auch als das produkt eines systems sehen, ein artefakt kultureller indikatoren und strukturen. selbst die freie entscheidung einer frau ein kopftuch zu tragen könnte dann in einem kausalen zusammenhang mit religiösen vorstellungen und regeln stehen, egal wie unabhängig diese entscheidung von diesen vorstellungen getroffen wurde. kein kopftuch ohne „den islam“, um es mal platt auszudrücken. okay. finde ich nachvollziehbar, sehe ich aber anders. denn einen wirklich freien willen zu haben, ganz unabhängig von allen vorstellbaren kontexten, das ist einfach unmöglich. demnach dürfte ja, denke ich deine argumentation weiter, keine entscheidung eines individuums emanzipativ sein. (dir geht es offensichtlich um die emanzipation von der religion) – deine argumentation läuft letztlich auf einen sehr agnostischen oder zumindest sehr islamkritischen standpunkt hinaus. frage mich gerade, wie mensch da jemals in deiner gegenwart die worte emanzipation und religion im selben atemzug verwenden kann und darf ;-) ok. andere menschen haben andere standpunkte und dafür bringen sie argumente, die ich nachvollziehbare erachte _und_ mich ihnen anschließen kann. bei deiner argumentation fällt letzteres weg. trotzdem ist dein einwand berechtigt und weiterhin diskussionswürdig. vielleicht wäre hier mehr respekt für die meinung der person, die das anders sieht, angebracht, statt das alles komplett zu negieren. meine meinung.

  13. @nadine: „frage mich gerade, wie mensch da jemals in deiner gegenwart die worte emanzipation und religion im selben atemzug verwenden kann und darf ;-)“

    ganz einfach, indem mensch sagt: „emanzipation und religion schließen einander aus“ ;-)

    welche argumente hälst du denn für nachvollziehbar, so dass du dich ihnen anschließen kannst?
    ich verstehe nicht wie man beim thema religion überhaupt von argumenten sprechen kann, wenn eine partei es nicht für nötig hält ihre argumente mit beweisen zu untermauern. natürlich kann jemand ewig und drei tage darauf beharren im recht zu sein, selbst wenn längst das gegenteil bewiesen ist, und das muss man letztendlich auch hinnehmen. schleierhaft ist mir allerdings, warum man vor so einer uneinsichtigkeit respekt zeigen sollte.

  14. @ Red Riding Hood:
    Das mit den vernünftigen Argumenten und der Religion ist so eine Sache. Ich kann dir nicht beweisen, dass mein Glaube „stimmt“. Du kannst mir genauso wenig wie der Verfasserin dieses wunderbaren Blogs beweisen, dass mein Glaube nicht stimmt. Du kannst auch nicht deinen Atheismus (den ich dir mal so unterstelle, korrigiere mich, wenn ich falsch liege) beweisen. Um intersubjektiv nachvollziehbare Argumente austauschen zu können, müssen wir uns auf diese agnostische Grundhaltung einigen. Wer das nicht tut, schließt sich aus dem Diskurs aus – und es gibt genug davon auf allen Seiten.
    Nur weil ich meinen Glauben nicht beweisen kann, heißt das nicht, dass ich nicht mit Vernunft nachvollziehbare subjektive Gründe nennen kann, warum ich glaube, was ich glaube.
    Ich zumindestens bin davon überzeugt, dass die Welt ein ganzes Stück besser werden würde, wenn alle Menschen, die diese agnostische Grundhaltung teilen, ernsthaft miteinander über ihre Lebenswirklichkeit, ihre Identität und ihre Beweggründe ins Gespräch kommen würden, anstatt sich immer gegenseitig die jeweils anderen Fundamentalisten zum Vorwurf zu machen.

  15. @red riding hood

    da wollte ich dir gerade antworten und dann kam die nele um die ecke :-) schließe mich ihr vollkommen an. es gibt kein richtig und kein falsch. kein schwarz / weiß. die welt ist so divers, wie „der islam“ oder andere religionen und ihre anhänger_innen für sich divers sind. das was du negierst, das worüber wir hier reden, ist alles ein ständiger aushandelungsprozess, der nie zuende sein kann. es geht um lebenswirklichkeit und darum, sie anderen transparent zu machen. und es geht darum diese lebenswirklichkeit anzuerkennen und wertzuschätzen, auch, wenn mensch sie nicht teilt oder ihr kritisch gegenüber steht.

  16. @Nele: normalerweise ist es doch so, dass der aufsteller einer these diese untermauern muss. der sinn in den spaßreligionen wie z.b. um das fliegende spaghettimonster liegt doch gerade darin, dass es absurd ist skeptikern einer these die verantwortung für die beweislieferung zu übertragen, schließlich ist es leicht etwas zu behaupten. nur bleibt eine unbewiesene these nur eine these und keine wahrheit aus der sich schlussfolgerungen ziehen lassen, schon gar keine eindeutigen wie es in religiösen schriften der fall ist.

    als atheisten würde ich mich im übrigen nicht bezeichnen. agnostiker trifft es schon eher.
    wenn jeder einfach nur für sich seinen glauben finden und leben würde wäre der diskussionsbedarf beim thema religion ja nicht dermaßen groß. religionsgemeinschaften stellen eben nicht nur unbewiesene thesen in den raum, sie bauen auf diesen unbewiesenen thesen moralische verhaltensregeln auf, bei deren verstoß strafe angedroht wird. religion war und ist ein machtinstrument. nicht mehr und nicht weniger.

    @Nadine: sicher, es geht um lebenswirklichkeit. ich bin allerdings der ansicht, dass sich wirklichkeit besser gestalten lässt, wenn man auch bei dieser bleibt.

  17. @ Red Riding Hood: Ich übertrage dir garnicht die Verantwortung für eine Beweisführung. Ich behaupte vielmehr, dass so eine Beweisführung von dir oder von mir von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.
    Eindeutige Schlussfolgerungen aus einer religiösen Offenbarungsschrift zu ziehen – und v.a. anderen zu verlangen, dass sie diese auch so ziehen, ist fundamentalistisch und definitiv nicht das, was ich hier verteidigen will.
    Ebenso wenig verteidigen möchte ich diejenigen, die ihren eigenen Glauben (oder ihre Moralvorstellungen, die sie für Glauben halten) mit Gewalt (jeder Art) anderen auferlegen möchten.
    Verteidigen möchte ich allerdings all jene, die aufgrund ihrer eigenen Biographie zu dem Schluss kommen, dass es Gott gibt und dass sie zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft gehören wollen. Also diejenigen, die es leid sind, ständig gleichzeitig zu Opfern und Täter_innen von Unterdrückungsmechanismen gemacht zu werden, die sie selbst nicht unterstützen und gegen die sie in vielen Fällen auch selbst aktiv angehen, so dass sich die Sache dann zu einem dauerhaften Zwei-Fronten-Krieg entwickelt.
    Ja, Religion ist ein Machtinstrument – aber auch ein Selbstermächtigungsinstrument.

  18. @Helga: habe ich gelesen. mir geht es auch nicht darum zu sagen, dass unter jedem kopftuch eine unterdrückte frau steckt, die befreit werden will (liegt mir sowieso fern anzunehmen man könne igrendjemanden befreien). ich finde es nur schlicht falsch die befolgung religiöser gebote als emanzipatorischen akt auszugeben.

    @Nele: jede religionsgemeinschaft ist zumindest in ihrem kern fundamentalistisch. es würde auch keinen sinn machen eine hierarchische struktur aufzubauen, wenn nicht mindestens ein teil bereit dazu ist genau das zu glauben und zu befolgen was oben gesagt wird. natürlich gibt es auch viele solcher anhänger die sich am religionsangebot bedienen wie in einem supermarkt. wozu man dann aber überhaupt teil einer religionsgemeinschaft werden muss leuchtet mir nicht ein. ein individueller glaube lässt sich auch ohne verein leben. zudem unterstützt man als nichtanhänger nicht die fundamentalistischen machenschaften.
    inwiefern ist religion ein selbstermächtigungsinstrument?

  19. „warum wird in letzter zeit eigentlich immer so viel darüber gesprochen, dass das tragen des kopftuches eine total tolerante und emanzipierte geschichte ist, die nichts mit frauenunterdrückung, bzw damit zu tun hat, dass frauen sich, bzw einen teil von sich (ihr haar, ihre verlockung) verstecken müssen, damit männer als potentielle übeltäter nicht über sie herfallen, bzw unreine gedanken bekommen könnten? ich verstehe das alles nicht.“

    Danke, maria, für diese Deine Anmerkung! Ich verstehe es auch nicht…

  20. Zum Glück muss ich hier nicht diskutieren, das macht ihr alles für mich (und ich habe gerade keine Zeit dazu), deshalb mal wieder nur ein Einwurf: Red Riding Hood, ich finde, du hast vollkommen recht.

  21. @Al: und wo genau ist dort die antwort auf meine frage zu finden? da steht „provokationsinstrument“ das auch von nicht-religiösen, also auch nicht aus religiösen gründen getragen wird. provokation muss eben keinen progressiven charakter haben.

  22. Jetzt doch noch mal zur Religion, und warum ich nicht glaube, dass ich jedem seinen Glauben unhinterfragt (!) lassen soll. Stell dir vor, jemand glaubt an Aliens, die Elvis entführt haben. Dafür gibt es auch keine Beweise, oder irgendwas, was dem nahekommt. Es gibt natürlich auch keinen Gegenbeweis, aber man kann doch ziemlich schlüssig argumentieren, dass die Wahrscheinlichkeit für so etwas vor dem Hintergrund unseres Wissens über die Welt sehr, sehr gering ist. Derjenige müsste mir nicht glauben (und wird es vermutlich auch nicht, egal wie schlüssig ich argumentiere). Aber niemand würde mir das Recht absprechen, diese Diskussion mit allen Kräften zu führen.
    Jetzt ersetze die Aliens durch Gott (welchen auch immer). Wo, bitteschön, ist der Unterschied? Warum dürfen wir nicht mal diskutieren, unsere Argumente vorbringen, Gegenargumente verlangen? Warum sollten wir etwas stehen lassen, was wir als offensichtlich falsch betrachten, wofür wir auch Argumente haben? Warum, mit welcher Begründung verlangt Religion diese Sonderstellung?

  23. Red Riding Hood, so ganz ernst gemeint war mein Einwurf nicht – so wie diese Art von Glossen, die ich verlinkt habe, ja auch nicht immer ganz ernst gemeint ist. Mir selber war allerdings der Aspekt, dass Mädchen (religiös oder nicht) das Kopftuch schon mal als Provokationsinstrument gebrauchen, neu. „Jugendirresein“ mal anders… Und das Bild dieser „Vollbild Manufactum“-Familie fand ich ganz amüsant…

  24. @Al: „jugendirresein“ scheint sich vermehrt wirklich so auszudrücken, dass gegen emanzipatorische errungenschaften protestiert wird. konservativ ist cool.

  25. Das ist halt die Frage, Red Riding Hood, ob die 15-jährige, die ihre hochprogressive Feministin-Mutter oder -Lehrerin mit einem Kopftuch auf die Palme bringt, damit tatsächlich gegen „emanzipatorische Errungenschaften“ protestiert. Was außer Frage steht, ist, dass sie zunächst einmal von diesen Errungenschaften profitiert, indem sie ausprobieren darf, wie es sich anfühlt, sich mit einem Stück Stoff gefahr- und straflos elterlicher oder pädagogischer Autorität zu widersetzen.

  26. @ mondfee, ich finde im übrigen ebenfalls den aspekt interessant, dass die ständige und unbedingte einhaltung der trennung der geschlechter, wie sie zum beispiel in der auslegung des islam bei den mullahs auf die spitze getrieben wird ( die kassiererin bei penny darf ihn bei der wechselgeldausgabe nicht berühren, frauen ihn nicht nach der uhrzeit fragen und die verschleierten ehefrauen mit den kindern müssen mit den kindern in der anderen ecke des parks sitzen wenn sie einen ausflug machen), eben auch bedeutet, dass nicht nur die frau (dadurch dass sie unrein ist- deshalb müssen mädchen ab sieben jahren auch schon kopftücher tragen) diskriminierung erfährt, sondern ebenfalls der mann herabgewürdigt wird, weil ihm unterstellt wird seinen trieb nicht unter kontrolle zu haben. dadurch wird meiner meinung nach hier nicht nur die frau sondern auch der mann diskriminiert.

  27. Katharina, RRH: Ich weiß nicht, ob das weiterhilft, aber Religionsfreiheit ist zumindest in unserer Gesellschaft ein Grund- und Menschenrecht. Das heißt für mich, dass Religion bzw. Nicht-Religion keine Sonderstellung einnimmt – nach dem Motto: da darf/kann man nicht drüber diskutieren -, sondern dass sie kompromisslos zu unserer allgemeinen Definition von Mensch sein dazugehört. Die Menschenrechte haben wir geschaffen und sie gehören uns allen. Ich halte das für wesentlicher als die Frage, ob es Gott nun gibt und ob man an ihn glauben sollte oder nicht.

    Ich finde Kübra sehr sympathisch. Ja, sie ist konservativ. Na und? Einige meiner besten Freunde (übrigens allesamt Grün-Wähler) sind die größten Spießer vor dem Herren – insbesondere seitdem sie Kinder haben. Konservativ ist ja nicht unbedingt immer das Gegenteil von emanzipatorisch. Meines Erachtens ist das Kopftuch zur Zeit ebenso eine Modeerscheinung wie das in den Großstädten omnipräsente Bionade-Buggaboo-Spießertum. Ich denke nicht, dass feministische Errungenschaften durch junge Kopftuchträgerinnen in Frage gestellt werden. Wichtig ist doch, was in der Frau steckt, was sie denkt, tut, fühlt.

    Ein Feminismus, der diverse Lebensentwürfe nicht erträgt, ist nicht meiner.

  28. @Al: eben, wenn es lediglich provokation ist wird sie früher oder später aufgegeben. nicht aber, wenn dem tragen eines religiösen symbols auch ein glaube an dieses zu grunde liegt.

    @Turbo: ich würde mal behaupten wollen dass es die religionen sind die diverse lebensentwürfe nicht ertragen und dem einzelnen die wahl einer individuellen glaubens- bzw meinungsbildung abnehmen.

  29. @Kübra Yücel : „den ich auf dem Hamburger Nazi-Aufmarsch am 1. Mai…“

    Ich persönlich empfinde es ebenfalls als eine Zumutung, daß das hierzulande überhaupt erlaubt ist.

    Auch manche derzeitigen offiziellen Äußerungen sind vollkommen unpassend. Hier wurde entsprechend reagiert :

    http://www.focus.de/politik/deutschland/rassismus-vorwurf-anzeige-gegen-sarrazin-erstattet_aid_527566.html

    Ich weiß nicht viel über den Islam. Ich bekam in Auszügen eine ZDF-Reportage mit und daß teilweise eine Hochkultur gegeben war, hinter der sich unsere damalige weit verstecken konnte :

    http://terra-x.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,8063127,00.html

    Auch habe ich von gemeinsamen Ursprüngen gelesen, die es m.E. besonders hervorzuheben wert sind :

    http://www.faz.net/s/RubBF7CD2794CEC4B87B47C719A68C59339/Doc~EF49CF82289BA491CAF9D77BC3A77E184~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    „Judentum, Christentum und Islam sind dabei in besonderer Weise aufeinander bezogen. Regional und historisch entstammen sie einem gemeinsamen Zusammenhang. Teilweise gehen sie auf die gleichen religiösen Erfahrungen und Erzähltraditionen zurück. Abraham wird von allen als Urvater des Glaubens verehrt. “

    Manche Entwicklungen gehen – wenn ich mich recht erinnere – auch auf den sog. Wahhabismus zurück.

    „Worüber schreibst du? In letzter Zeit viel über den Islam und das Leben als Muslimin.“

    Siehst Du eine Möglichkeit, dieses Wissen umfassend weiterzubringen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET_(Menschenrechtsorganisation)

    “Target rief auch die Initiative Pro-Islamische Allianz gegen Weibliche Genitalverstümmelung (PIA) ins Leben, die in der „islamischen Welt“ gegen die Genitalverstümmelung der Frauen kämpft. Sie ist ein Zusammenschluss namhafter muslimischer Autoritäten, die mit ihrer Unterschrift Targets Unvereinbarkeitsthese entschlossen mittragen:

    “Weibliche Genitalverstümmelung ist mit dem Koran und der Ethik des Islam unvereinbar. Sie ist Gottesanmaßung und eine Diskriminierung des Islam.”
    Zusammen mit einflussreichen Rechtsgelehrten des Islam möchte Target es als Dogma durchsetzen. Diese Botschaft und die des mauretanischen Großmufti Hamden Ould Tah, „Der Islam sagt Nein zur weiblichen Genitalverstümmelung. Sie ist Sünde.“, verbreitete Rüdiger Nehberg während seiner Aktion „Karawane der Hoffnung“ in Mauretanien, um so auch die entlegensten Oasen zu erreichen. Unterstützt wurde diese Aktion durch die Schirmherrschaft von Ole von Beust,…”

  30. das stimmt. in der bibel gibt es ja auch den absatz über homosexualität, in dem ein vater zwei männern, die er beim knutschen erwischt, seine eigenen minderjährigen töchter zur vergewaltigung anbietet, damit sie ihren samen nicht „sinnlos im staub zerstreuen“. wird es so von den christen gehandhabt? nun ja, nicht überall. dennoch ist homosexualität grade in auslegung der christen ein recht bigottes thema. solange der staat dahinter steht und seine gesetze durchbringen kann gibt es zumindest eine theoretische regelung. geht der staat mit religion hand in hand dann sieht man am beispiel arabische emirate sehr gut wie das abläuft; schwule männer bekommen nicht mehr die todesstrafe (das passt ja nicht so ganz zu westlichen ansichten) dennoch bekommen sie über tausend peitschenhiebe-was ja dann irgendwie aufs selbe hinausläuft. lesbische frauen gibt es übrigens dort nicht…. huch, jetzt bin ich etwas vom thema abgeschweift. unter berücksichtigung und unbedingter einhaltung der menschenrechte sollte der staat auf das wohlergehen seiner bürger achten. wenn die grenzen jedoch so verschwimmen wie es zur zeit der fall ist und menschen aufgrund ihrer religiösen herkunft von haarsträubenden verbrechen freigesprochen werden, dann frage ich mich echt wo unterdrückung hier anfängt und aufhört. aus diesem grunde bin ich tatsächlich für eine einheitliche regelung. im übrigen sind ja selbst die sunniten gegner des kopftuches. da es in der türkei in allen öffentlichen gebäuden verboten ist frage ich mich wieso hier ständig der schleier (haha) der liberalität darüber gepackt wird. in südfrankreich zum beispiel ist es den muslimischen frauen meist total egal ob da irgendwo noch ein haar raushängt. sie tragen zwar ein kopftuch, aber es hat bei weitem nicht diesen diktatorisch-dogmatischen unterton.
    wie auch immer, entschuldigt das abschweifen, es ist eindeutig zu heiß. so, ich geh jetzt meine burka bügeln ;-)

  31. ich finde es interessant, dass sarrazin immer als schwarzes schaf dargestellt wird wenn es um diese diskussion geht. das heißt nicht, dass ich seine aussage unterstütze, aber als er damals die hartz vier empfänger deratig diffamierte ging der aufschrei über die diskriminierung von menschengruppen bei weitem nicht so hohe instanzen…

  32. Liebe alle,

    dass nach einem Beitrag, der nicht einmal das Wort Kopftuch erwähnt, schließlich die Diskussion wieder bei Sarrazin landet, ist wirklich erstaunlich. Darüber hinaus finde ich es unglaublich schade, traurig und beschämend, dass muslimische Frauen hundert Mal sagen können, dass ihre Kleidung ihre freie Entscheidung ist, aber selbst Feminist_innen nur denen glauben, die kein Kopftuch tragen.

    Ich stimme Turbo zu – mein Feminismus muss auch Lebensentwürfe akzeptieren, die nicht die meinigen sind. Ich möchte keiner Frau und keinem Mann verbieten, Hausmensch zu werden und ich möchte niemandem vorschreiben, wieviel oder wie wenig Kleidung jemand tragen muss. Dass es überall Menschen und Umstände gibt, die unterdrücken, darf für mich keine Ausrede sein, meine guten Absichten mit weiterer Unterdrückung durchzusetzen.

    Für die weitere Diskussion: Es gilt wie immer die Netiquette!

  33. @Helga:

    und ich finde es unglaublich schade, dass du einfach überliest, was hier gesagt wurde.

  34. @helga: ich hatte die kommentare auch nicht so verstanden, als wolle hier irgendjemand irgendwem was verbieten. sondern es ging lediglich um die frage, ob das kopftuch empanzipatorisch ist. mir ist schurzepiepe ob sich eine frau entscheidet ihre haare zu verhüllen. aber das emanzipatorisch zu finden und es gleichzeitig (hoffentlich) falsch zu finden, wenn gesagt wird, leichtbekleidete frauen seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt/belästigt werden, ist doch heuchlerisch. das ist doch das selbe system.

  35. @Red Riding Hood/namename: Zum einen befolgen wir alle jeden Tag irgendwelche Gebote bei unserer Kleidung – ob die jetzt aus religiösem oder gesellschaftlichen Antrieb kommen, ist am Ende gleich. Mir persönlich wäre es am liebsten, wenn wir jeden Tag und überall auch die Freiheit hätten, nackt rumzulaufen, oder in Barockkleidern oder als Drag etc. Ohne dumm angemacht zu werden, ohne vergewaltigt zu werden, ohne Probleme im Job zu bekommen (dass einige Berufe z.B. Schutzkleidung etc erfordern ist eine andere Sache). Der Vergleich mit Vergewaltigungen an sich ist daneben – ich fordere Respekt für jede_n. Frauen im Minirock dürfen nicht vergewaltigt werden, Frauen mit Kopftuch muss ebenfalls Respekt für ihre Entscheidung gegeben werden.

    Emanzipation wird heute oft nur als Frauenemanzipation gesehen und da auch nur in einem begrenzten Rahmen, wenn etwa Hausfrauentätigkeit als unemanzipiert gelten. Für mich ist Emanzipation das Streben nach Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Befreiung von Diskriminierung. Darunter fällt auch, wenn eine Muslima religiöse Kleidervorschriften für sich selbst in einer bestimmten Weise auslegt und dafür kämpft, trotzdem nicht diskriminiert zu werden.

  36. danke namename.

    @Helga: „Zum einen befolgen wir alle jeden Tag irgendwelche Gebote bei unserer Kleidung – ob die jetzt aus religiösem oder gesellschaftlichen Antrieb kommen, ist am Ende gleich.“

    ich finde da besteht ein erheblicher unterschied. religiöse gebote sind im gegensatz zu gesellschaftlichen unveränderlich. wer mit den vereinsregeln nicht klarkommt, der tritt eben nicht bei.

    „Für mich ist Emanzipation das Streben nach Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Befreiung von Diskriminierung.“

    und wie kannst du emanzipation dann mit religion vereinbaren?

  37. @Red Riding Hood

    Zu deiner letzten Frage ist in diesem Thread bereits vieles gesagt worden. Vielleicht kannst du einfach akzeptieren, dass zum Thema Kopftuch und Emanzipation unterschiedliche Auffassungen herrschen, die alle ihre Berechtigung haben.

    Weitere bornierte Ausblendungen von Lebensrealitäten und -auffassungen, die deiner bipolaren Gedankenwelt widersprechen, werden gelöscht.

  38. @Nadine:

    vll willst du es nicht verstehen, es geht mir nicht zwangsläufig um das kopftuch sondern genauso um jedes andere religiöse gebot jeder anderen religion.

    dass hier meinungen, die tatsächlich lebensrealitäten und -auffassungen ausblenden, oder , schlimmer noch, bedrohen, mit totschlagargumenten verteidigt werden ist bedauerlich.

  39. @Red Riding Hood: Ob Judenemanzipation oder die Emanzipation der Katholiken – religiöse Gruppen haben sich auch stets emanzipiert. Du zielst auf eine Fundamentalkritik an Religionen ab, die hier nicht Thema ist, und das mit Trollmethoden.

  40. @Helga:
    ich würde sagen das ab dem ersten kommentar vom thema abgewichen wurde, aber erst jetzt scheint das zum problem zu werden. mir trollmethoden vorzuwerfen finde ich dreist.

  41. @ Red Riding Hood

    Exakt. Das habe ich bereits nach 5 Kommentaren angemahnt (siehe oben) – neben der Bitte um etwas Sachlichkeit. Es wäre schön, wenn diese Diskussion nun ein Ende hat – es sei denn, es kommt noch etwas Konstruktives zum oben verlinkten Blog. Danke.

  42. alles klar. vll gibt es ja irgendwann bei der mädchenmannschaft einen beirtrag zum thema religion, bei dem die diskussion nicht fehl am platz ist.

  43. @Nadine:
    „Weitere bornierte Ausblendungen von Lebensrealitäten und -auffassungen, die deiner bipolaren Gedankenwelt widersprechen, werden gelöscht.“

    Hm, und wie verträgt sich diese Aussage nun mit Eurer Netiquette???
    „Jeder auf dieser Webseite will so viel Spaß wie möglich haben, deswegen gehen gar nicht: Beleidigungen, herablassende Kommentare, persönliche Angriffe, Diffamierungen oder blöde Sprüche. (Du weißt schon, ja genau, dann wird dein Kommentar gelöscht.)“

    RRH war nicht borniert, sondern hat einfach ihre Meinung gesagt. Unter Feministinnen gibt es nunmal (glücklicherweise) auch Gegnerinnen des Kopftuchs.
    Deren Meinung könnt Ihr hier gern weiterhin löschen oder lächerlich machen, aber mich habt Ihr (nicht durch Eure Meinung, sondern vielmehr) durch die respektlosen Mod-Anmerkungen hier im Thread als Leserin verloren.

  44. @Mondfee

    das ist natürlich eine heftige reaktion auf meinen zugegebenermaßen überspitzt formulierten kommentar. es tut mir leid und ich bin ehrlich: ich war gereizt ob red riding hoods sturer haltung, nicht weil er/sie diese meinung hat. magda hat mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass anmaßende kommentare zu unterlassen sind, red riding hood hat immer wieder auf der gleichen ebene angesetzt. wir haben uns sehr oft erklärt und es hat keine veränderte diskussion ermöglicht. ich finde das für so eine treue kommentator_in wie red riding hood sehr dreist, mit uns und anderen meinungen (die gab es ja) so umzuspringen. immerhin haben wir deutlich gemacht, das seine/ihre meinung im grunde berechtigt ist. das fand keine wertschätzung.

  45. ihr zeigt toleranz bei frauen die sich mit underdrückungssymbolik bekleiden, aber feministinnen mit abweichender meinung könnt ihr nicht tolerieren?! find eich etwas strange..
    und das argument, dass viele kleidungzwänge existieren ist nicht valide, nur weil eine sache doof ist, macht das eine andere doch nicht besser.

  46. @namename:

    ich möchte dich bitten, unsere moderationshinweise und diskussionbeiträge nicht mit absicht falsch zu verstehen. das, was du unterstellst, hat keine von uns und auch keine_r der anderen kommentator_innen jemals so zum ausdruck gebracht.

    wir tolerieren jede anderslautende meinung, solange sie nicht gegen die netiquette verstößt oder klassisches derailing betreibt.

  47. Liebe Mädchenmannschaft,

    das hier war eine hitzige, aber offene Diskussion, bis zu diesem Beitrag:

    Nadine sagt:
    9. Juli 2010 um 19:37
    @Red Riding Hood

    Zu deiner letzten Frage ist in diesem Thread bereits vieles gesagt worden. Vielleicht kannst du einfach akzeptieren, dass zum Thema Kopftuch und Emanzipation unterschiedliche Auffassungen herrschen, die alle ihre Berechtigung haben.

    Weitere bornierte Ausblendungen von Lebensrealitäten und -auffassungen, die deiner bipolaren Gedankenwelt widersprechen, werden gelöscht.

    Davor wurden kontroverse Meinungen ausgetauscht, mit guten und weniger guten Argumenten auf beiden Seiten. Ab hier habt ihr eure Hausmacht benutzt, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken. Kann euch keiner verbieten, ist ja euer Blog. Aber es spricht nicht gerade für euch.

  48. @Katharina

    wir unterdrücken keine unliebsamen meinungen. bitte lies dir meine zwei letzten kommentare noch einmal durch, bevor du mit solchen unterstellungen arbeitest. vielen dank.

    edit: vielleicht noch als nachtrag – es macht einen unterschied, ob ich persönlich der meinung bin, ein kopftuch habe nichts mit emanzipation zu tun oder ob ich emanzipation solchen menschen grundsätzlich abspreche, weil sie ein kopftuch tragen. das ist respektlos und anmaßend, zumal die argumentation schlussendlich darauf hinauslief, religion als totalitäres regime zu konstruieren, das keine freiheit, pluralismus und emanzipation zulässt, einfach weil es eine religion ist. das negiert lebensrealitäten und spricht anders lautenden meinungen und auffassungen ihre existenzberechtigung ab – aus einer position heraus, die niemals halbwegs objektiv oder offen sein kann, weil sie religion gänzlich ablehnt.

    ich sehe da keinen ansatz für eine konstruktive diskussion, bei der sich alle teilnehmenden als gleichberechtigt und erwünscht sehen können. auch nicht nach mehrmaligem intervenieren von unserer seite, das komplett ignoriert wurde.

  49. Nadine, tut mir leid, aber ich habe hier nur entgegengesetzte Meinungen gesehen, keine Herabwürdigung von Personen. Es wurde die Religion als System angegriffen – zu Recht, meiner Meinung nach, aber darüber kann man sicher diskutieren. Nur, man darf offensichtlich nicht. Dieses ‚Vorurteil‘ habt ihr mal wieder sehr nett bestätigt.

    Im übrigen weiß ich nicht, wie du noch behaupten kannst, keine unliebsamen Meinungen zu unterdrücken, nach deinem oben zitierten Beitrag.

  50. @Katharina: Über den Sinn oder Unsinn von Religionen kann man gerne diskutieren, aber bitte in einem Beitrag, der sich um den Sinn oder Unsinn von Religionen dreht und dann in einem vernünftigen Umgangston. Leider ist genau das passiert, was wir hier nicht wünschen und die Diskussion ist entgleist und eskaliert. Darum geht es, nicht um das Unterdrücken unliebsamer Meinungen. Das hat auch Nadine noch einmal klargestellt. Damit würde ich das Thema an dieser Stelle gerne beenden. Wenn es weiteren Klärungsbedarf gibt, dann bitte per Email.

  51. ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nicht lange bei euch, und fan von eurer seite auf facebook bin. mir ist jedoch schon einmal aufgefallen, dass die mädchenmannschaft das burkaverbot und andere verschleiernde Dinge mit samthandschuhen anfasst. aus diesem grunde (und ich vermute mal ganz stark, dass es von mir ausging) habe ich es als bedürfnis empfunden zu formulieren, dass ich mich von der art und weise des tragens des kopftuches, von den zwängen, der dogmatisierung, der einstellung der männer die dahinterstehen und von den frauen, die diesen (religiösen) aspekt ihrer lebenseinstellung unterstützen durchaus diskriminiert fühle.
    das mag leider gottes nichts (oder auf den ersten blick nichts) mit diesem link zu tun haben. doch auch wenn die diskriminierung, die wir als frauen tagtäglich erfahren aus einem religiösen aspekt heraus geschieht, wenn ich mich nicht ernst genommen fühle von gerade den männern, die diesen aspekt als wichtig oder geradezu notwendig ansehen und wenn ich dann frauen sehe, die dieses thema so geradeheraus als überlebensnotwendig ihrem glauben gegenüber empfinden, dann fühle ich mich durchaus gedrungen dem worte zu verleihen. zumal auf einer feministischen plattform. ich fühle mich erniedrigt von männern oder halbwüchsigen die mir hinterherspucken von welcher nationalität auch immer. ich fühle mich nicht ernstgenommen von den männern, die mir sagen ich würde nur schuhe kaufen, reden oder schlecht einparken. ich fühle mich nicht gesehen von vorschriften, die mir sagen ich dürfte bestimmte sachen nicht tragen (oder müsste sie tragen) weil ich männer dadurch (oder durchs nicht-tragen) provozieren könnte.
    ich fühlte mich ehrlich gesagt… provoziert vom blog und dann auch vom thema. vielleicht war es der falsche zeitpunkt. aber keinesfalls die falsche diskussion.
    also, entschuldigung.

  52. Ich halte diese Diskussion auch für außerordentlich wichtig und es ist sicher nicht „die falsche Diskussion“. Ich finde auch, dass sie was mit dem Link zu tun hat, auch wenn ich es sehr schade finde, dass der besprochene Blog auf diese Frage reduziert wird. Die entscheidende Frage ist aber meiner Meinung nach, wie die Diskussion geführt wird.

    Maria, was ich nicht verstehe (und ich würde das wirklich gerne verstehen):
    Ich verstehe, dass du wütend bist auf Männer, die Frauen unterdrücken. Aber: Was hat das mit einer Muslimin zu tun, die freiwillig (!) ihr Kopftuch trägt? (Und dich nicht dazu auffordert, es ihr nach zu tun.) Wieso müssen wir, als „westliche“ Feministinnen, das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung sehen, wenn es die Kopftuch tragenden Frauen nicht tun?

  53. Kübra Yücel in einer ihrer „Tuch-Kolumnen“:

    „Ich war vierzehn Jahre alt, als mich eine Frau in der U-Bahn fragte: ‚Warum trägst du das Kopftuch?‘ ‚Weil ich will‘, antwortete ich, woraufhin sie ‚Willst du nicht!‘ zurückschrie.“

    ;)

  54. ich fühle mich geehrt, dass gerade Sie, frau Yücel auf meinen beitrag antworten, dennoch scheinen Sie ihn leider nicht verstanden zu haben… ich antworte demnächst, denn ich bin leider gerade ( und leider so oft) zu müde dazu.

    liebe grüße,

    maria

  55. @maria: Zunächst einmal ist das nicht Kübra Yücel die geschrieben hat, sondern ein Auszug aus einer ihrer Kolumnen, die ich bereits verlinkt hatte. Dann gibt es nicht „die” Meinung der Mädchenmannschaft, das wurde auch gerade in der Diskussion um das Burkaverbot sichtbar – jede hat eine andere Meinung und das respektieren wir, anstatt uns die Köpfe darüber einzuschlagen. Auch Du hast für Deine Meinung Gründe und es ist verständlich, dass Du sie äußern wolltest.

    Allerdings haben wir nun diverse Male auf die Netiquette hingwiesen und darauf, dass hier gerade nicht der Platz für Grundsatzdiskussionen ist. Daher ein letztes Mal dieser Hinweis. Wenn Ihr Euch weiter darüber austauschen wollt, könnt Ihr mir gerne jede eine Email (meinvorname@maedchenmannschaft.net) schicken, die ich dann weiterleite.

  56. (Wie Helga bereits postete, schrieb ich schonmal etwas zu diesem Thema.
    http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/mein-kopf-gehoert-mir/ )

    Hätte ja mal sein können, dass man einen Menschen in mir und meinem Blog sieht und nicht eine Kopftuchträgerin, die meint, sie sei frei, was sie ja aber eigentlich – wie wir alle nun wissen – gar nicht ist, weil ihr die Entscheidung, das Kopftuch zu tragen indirekt durch Eltern, Familie und Gesellschaft anerzogen wurde. Ja ja. So ist das.

    @maria und alle anderen auch:

    Genauso wie du dich anscheinend durch bestimmte Dinge angegriffen oder provoziert fühlst, fühle auch ich mich provoziert und verletzt: Von Menschen, die mich und mein Kopftuch bemitleidend ansehen, um dann erzürnt zu schimpfen, wenn ich wider Erwarten auf Deutsch und ohne Akzent erkläre, dass das Kopftuch meine eigene Entscheidung ist.

    Wie sie mir mit jedem arrogant-herablassenden Satz eigentlich nur eines sagen wollen:

    Du bist unmündig; die Entscheidungen, die du triffst, sind eigentlich gar nicht deine; du merkst gar nicht, dass du unterdrückt wirst; Wozu gab es die sexuelle Revolution? Wozu hat man und kämpft heute immernoch um Frauenemanzipation?; Man zwingt dich das Kopftuch zu tragen, du weißt es nur nicht.
    Kurz: Du bist zu dumm, um zu merken, wie schlecht es dir geht.

    Wem jetzt nicht vor Empörung und Wut der Mund schäumt, ist blind oder ignorant. Darf man so mit irgendeinem Menschen umgehen? Und warum tut es man ständig (wie ich es erlebe) mit kopftuchtragenden Frauen?
    Ist etwa eine kopftuchtragende Frau weniger Mensch als eine, die keines trägt oder einen Minirock oder eine Hornbrille, dass man sich derartig das Recht nimmt, so über sie zu urteilen und meint, mit ihr so umspringen zu dürfen?

    Mit welchem Recht wirft man mir all diese Dinge vor? Mit welchem Recht stellt sich dieser Mensch über mich und meint, mich belehren zu müssen? Mit welchem Recht werde ich wie eine Dumme behandelt, die nicht eigenständig denken kann?

    Schade, dass ich das schreiben muss:

    Ich bin nicht bescheuert.

    Ich reflektiere mein Leben, meine Entscheidungen, meine Religion, meinen Alltag, meine Umgebung und meine Beziehungen. Schade, dass ich eine solche Selbstverständlichkeit schreiben muss.

    Ich lese Bücher zu allen möglichen Themen und Theorien. Was ihr sagt und schreibt, ist mir nicht neu. Aber das ändert nichts daran, dass ich mein Kopftuch tragen möchte. Und auch werde. Schade, dass ich auch das schreiben muss. Schade, dass ich erwähnen muss, dass ich Bücher lese.

    Und ich bin es müde, es wiederholen zu müssen. Das Kopftuch ist meine Entscheidung. Punkt. Ich habe es satt, dass sich Menschen anmaßen, meinen Verstand und meine Vernunft in Frage stellen zu müssen.

    DAS finde ich diskriminierend. DArunter leide ich. Und es gibt keinen einzigen Grund auf dieser Welt, das solch ein Verhalten und solch eine Diskriminierung auf täglicher Basis rechtfertigt. Jeden Tag und überall meinen Verstand rechtfertigen zu müssen macht mich müde.

    Ich fühle mich diskriminiert. Du fühlst dich diskriminiert, Maria. Aber ich sehe die Lösung nicht darin, dir dein Leben und deine Lebensweise zu verbieten oder sie als eine Gefahr für mein Lebensweise zu sehen. Oder auch nicht herablassend, orientalistisch und diskriminierend auf dich herabzuschauen. Ich verstehe dich. Ich verstehe deinen Ärger. Weil ich einen Menschen in dir sehe.

  57. richtig—@helga… sagte ich schon was über die hitze heute?

    demnächst mehr auf diesem programm— danke für ihre geduld und außerordentliche nächstenliebe…

  58. @mods: vll eine anregung am rande: wenn ihr der meinung seid, eine begonnene diskussion hat nichts (mehr) mit dem eigentlichen thema zu tun, ist aber fortsetzungswürdig, dann wäre es doch sinnvoll einen raum zu schaffen in dem dies möglich ist ohne ständig mit dem hinweis konfrontiert zu werden, das dies hier eigentlich nichts zur sache täte. möglichkeiten wären die eröffnung eines neuen themas, oder die bereits (wenn auch etwas spät) gemachten vorschläge an die diskussionsteilnehmer entweder selbst einen artikel zur diskussion zur stellen, auf einen anderen blog zu verlinken, auf dem diskutiert werden kann, oder, was ich weniger sinnvoll finde, das ganze ins private zu verschieben.
    wenn ihr allerdings von anfang an der meinung seid, die diskussion ist fehl am platz und/oder formal und inhaltlich nicht tragbar, dann wäre es mmn besser und ehrlicher, ihr würdet sie sofort unterbinden und zwar ohne gleichzeitig einen beitrag abzugeben, der als ‚das letzte wort’ eigentlich nur anlass zur weiteren diskussion bietet.

    bisher war es unklar, warum einige kommentare plötzlich gelöscht wurden. es scheint, dass auch ihr mods euch nicht ganz einig seid, was genau ihr an der diskussion auszusetzen habt. da hieß es einerseits, die diskussion sei fehl am platz (obwohl im gelöschten kommentar von katharina darauf hingewiesen wurde, dass man sich auf den inhalt des vorgestellten blogs beziehe, in dem nun mal „viel über den Islam und das Leben als Muslimin“ geschrieben wird. nicht nur, sicher, aber es ist doch nicht verwunderlich, das gerade über kontroverse themen diskutiert wird und nicht über die dinge, in denen man sich ohnehin einig ist, bzw denen man offen bzw gleichgültig gegenüber steht). andererseits wurde angemerkt, dass einwände berechtigt und diskussionswürdig seien, aber mehr sachlichkeit und, ja was eigentlich, offenheit für die andere meinung (?) erwünscht sei und diese nicht „komplett negiert“ werden sollte.

    es mag sein dass ich leider nicht die kunst beherrsche meinen standpunkt via internet diplomatisch und konsequent zugleich zu vertreten ohne dabei beliebig oder borniert zu wirken, allerdings meine ich, dass dieses pochen auf verständnis nirgendwo so vehement verlangt wird wie in diskussionen, die religionen betreffen. deswegen bin ich der ansicht, dass es berechtig ist zu sagen, dass religion eine sonderstellung einnimmt. dass kritik mit „ist eben so“, „akzeptier das einfach“, „meinungsfreiheit“ oder „wahlfreiheit“ begegnet werden kann ohne dass das den moderatoren selbst unangenehm auffällt und ein (zugegeben stures) pochen auf antworten als „trollen“ oder „derailing“ angesehen wird, habe ich so noch bei keinen anderen diskussionsthemen bemerkt.

    ich kann mir die vorsicht, die hier an den tag gelegt wird nur dadurch erklären, dass hinter dem ausgangspunkt der diskussion die interviewte blogschreiberin kübra steht, deren gefühle man hier in schutz nehmen will, und die gefahr, die diskussion könnte islamophoben eine plattform bieten.
    zum ersten punkt: es wurde bisher kein einziges mal persönlich bezug auf die blogschreiberin genommen. dass man sich dennoch persönlich angesprochen fühlt, sobald ein thema, das einen selbst betrifft, diskutiert wird, ist nur logisch. dass kritik allerdings von einigen stets als beleidigung aufgefasst wird kann nicht zur folge haben, dass kritik nicht mehr erlaubt ist.
    zum zweiten punkt: kann ich sehr gut verstehen und ich sehe auch die problematik, dass häufig der aufschrei bei themen, die den islam betreffen, größer zu sein scheint, als es bei themen die sich mit anderen religionen befassen. das mag in vielen fällen wirklich durch islamophobie begründet sein, bei der mädchenmannschaft sehe ich das problem aber eher darin, dass man hier desöftern kritische artikel über das christentum (sei es in bezug auf homosexualität, abtreibung, ehe etc) liest, mit denen die meisten mitlesenden wohl konform gehen, über den islam aber eher neutrale bis wohlwollende artikel erscheinen, was offensichtlich diskussionswürdig erscheint. dass dabei eher eine „fundamentalkritik an religionen“ herauskommt, anstatt islambashing empfinde ich eigentlich als positiv.

    die haltung „jeder hat eben eine andere meinung, die es (ohne erklärung) zu akzeptieren gilt“ ließe sich beliebig auf alle anderen meinungen anwenden. problematisch wird es allerdings, wenn meinungen die lebensrealität anderer negativ beeinflussen.

    @alle:

    nele sprach von einer „agnostischen grundhaltung“, die sie sich für einen dialog über religion wünschen würde. wären wir allerdings in der lage diesen dialog auf diese weise zu führen wäre er bereits überflüssig. denn dann hätten wir bereits alle verstanden, dass selbst das was wir als fakten bezeichnen nichts weiter als derzeit unwiderlegte thesen sind mit denen wir nur deswegen arbeiten und nur deswegen an deren richtigkeit ‚glauben’, weil uns momentan bessere alternativen fehlen. dieser ‚faktenglaube’ bedingt aber keinen status quo, weil er sich kritik nicht enzieht und theorien auf dem prüfstand stehen und verworfen werden können, sobald sie sich als falsch herausstellen. dieses ewige infrage-stellen, die unsicherheit, das fehlen der letzten sinnstiftenden antwort, kann wohl für manche ein anlass dafür sein sich eine eigene antwort zu suchen.
    praktischerweise geben religionen antworten, theistische sogar besonders viele und besonders klare – zumindest der harte kern der religionsgemeinschaften lässt keine interpretation zu, bzw nur die eigene. natürlich können religionsanhänger nun sagen, dass sie damit nichts zu tun haben, sie sehr wohl individuell interpretieren, reflektieren, sich emanzipieren. die frage, die sich mir dabei eben stellt, und die ich die ganze zeit zu formulieren versucht habe ist:
    wenn man individuell ist, individuell glaubt, individuell lebt, reflektiert, hinterfragt, selbstbestimmt und emanzipiert ist, wozu bedarf es dann der mitgliedschaft in einer gemeinschaft, die hierarchisch strukturiert ist und deren gebote dort, wo sie ihre anhänger erreichen kann, wo sie nicht durch säkulare gesetze überflüssig, bzw beschnitten werden, eben in keinster weise individuell auslegbar sind, ja nicht einmal infrage gestellt werden dürfen?
    eine weitere frage, die sich für mich draus ergibt ist, wie es möglich ist auf der einen seite machtstrukturen anzufechten, während man auf der anderen seite selbst an den sinn einer solchen glaubt?

  59. @kübra
    Ich versuche es mal, vielleicht kommt dieser Kommentar ja wieder erwarten durch.
    Zuerst mal: Ich respektiere voll deine Entscheidung mit deinem Leben und deinem Kopf zu machen, was du willst. Ich würde niemals jemanden dumm von der Seite anmachen (wie in dem Beispiel von AI), weil der sich nicht so verhält, wie ich es für richtig halte.
    Aber das Kopftuch wird einigen Mädchen und Frauen aufgezwungen – nicht dir, schon klar! – aber es gibt sie, in Deutschland, in gar nicht so kleinen Mengen. Und deshalb muss es möglich sein, dieses Thema zu diskutieren. Es tut mir natürlich leid, dass du dich deswegen angegriffen und auf dieses Thema reduziert fühlst, und ich kann das, vor dem Hintergrund der beschriebenen Erlebnisse, auch nachfühlen. Aber ich finde, du machst es dir auch ein bisschen zu einfach. Nicht jeder, der gegen das Kopftuch ist, sieht dich als dumm und unmündig. Auch wir sind nicht bescheuert; wir können zwischen individuellen Entscheidungen und sozialem Druck unterscheiden. Man kann kein Problem mit einem selbst gewählten Kopftuch haben und trotzdem prinzipiell der Meinung sein, dass das ein ungünstiges Symbol ist, weil es an anderen Stellen eben doch eine Folge von Unterdrückung ist.
    Das ist kein einfaches Thema, das ist etwas, worüber wir uns klar werden müssen – wie wollen wir als Gesellschaft dazu stehen? Dazu müssen wir diskutieren. Es ist für die Diskussion nicht hilfreich, wenn die eine Seite als unmündig, die andere Seite als rassistisch, überheblich oder was auch immer dargestellt wird. Beide Seiten haben hier also an sich zu arbeiten.
    Mit deinem öffentlichen Eintreten für dein Recht, unbehelligt ein Kopftuch zu tragen, hast du dich in die Schusslinie dieser Diskussion begeben. Wir alle kennen diese Situation als aktive Feministinnen und können dir nachfühlen, dass das nicht immer erfreulich ist. Aber du hast es selbst gewählt, oder nicht? Dann wirst du wohl oder übel diese Diskussionen aushalten müssen. Denn sieh es mal so: wenn diese Diskussionen nicht geführt werden, bleiben wir für immer alle bei unserer Meinung, und du wirst für immer und ewig dumm von der Seite angemacht. Und ich bin mir sicher, dass keine von uns dir das wünscht.

  60. @Red Riding Hood

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, den ich gern gelesen habe. Zu deiner Kritik an der Art der Diskussion möchte ich mich jetzt nicht weiter äußern, da dazu bereits alles gesagt wurde. Ich möchte lediglich deutlich machen, dass ich deinen Ansatz durchaus teile, mir aber für zukünftigte Diskussionen zu dem Thema wünschen würde, du wärest offener für andere Meinungen, die die Kritik von subalternen Gruppen und stigmatisierten Frauen wie Muslima am weiß-westlichen Feminismus ebenfalls reflektieren (das war zumindest mein theoretischer Ansatz, in diese Diskussion reinzugehen). Das heißt nicht, dass du dich anschließen sollst, sondern sie neben deiner akzeptieren. Solche Diskussionen sind immer hitzig, da sie viele Menschen ganz konträr betreffen.

    Danke für deine Tipps (1. Absatz), auch wenn wir hier rein technisch gesehen kein Forum sind und damit sich wohl kaum eine Gelegenheit bietet, extra für eine Diskussion einen neuen Thread zu eröffnen. Da fällt mir allerdings gerade ein: Unsere Rubrik Grundsatzfragen ist schon lange nicht mehr in Anspruch genommen worden :-) Dort können sich übrigens alle gern umschauen und alte Themen mit neuen Ideen, Meinungen und Kritik füllen.

  61. @Nadine: ich bin eigentlich mit fragen in diese diskussion eingestiegen, weswegen ich nicht erkennen kann, inwiefern dies etwas anderes als offenheit für eine diskussion signalisiert. sicher, mein derzeitiger standpunkt dürfte dabei erkennbar gewesen sein, was aber ja nicht heißt, dass ich mich nicht mit einleuchtenden argumenten von einer anderen meinung überzeugen ließe. allerdings hatte ich den eindruck, dass meine meinung per se als anmaßung aufgefasst wurde und auch nur dies artikuliert wurde. mag ein missverständnis und den gefühlen geschuldet sein, die bei dem thema offenbar schnell hochkochen.
    ich sehe denn sinn einer diskussion nicht unbedingt darin, die meinung anderer zu akzeptieren, sondern sie zu hinterfragen und meine eigene mit hilfe der vorgebrachten gegenargumente. es scheint hier aber, wie ich bereits sagte, ein problem mit der sonderstellung des themas zu geben. offensichtlich wird von vornherein davon ausgegangen, dass man sich hier nur im kreis drehen könne und letztendlich keine klaren ergebnisse erzielt werden können – was eine diskussion ja nicht weniger interessant machen würde. aber hier geht es nunmal nicht um die metaphysischen fragen, die letztendlich wirklich nur jeder für sich beantworten kann, sondern darum, wie man mit machtstrukturen umgeht, die jeder religion immanent sind.

    danke für den tipp mit den grundsatzfragen. werde ich mir ansehen.

  62. @kübra : „Kurz: Du bist zu dumm, um zu merken, wie schlecht es dir geht.
    Wem jetzt nicht vor Empörung und Wut der Mund schäumt, ist blind oder ignorant.“

    Also in diesem Punkt kann ich Dich etwas beruhigen, dass es nichts mit Dir oder Deinen Wurzeln zu tun hat – abgesehen von diesen Glatzköpfen, von denen Du geschrieben hast.

    Ich kenne diesen Bevormundungseffekt auch aus mehreren anderen Lebensbereichen aus Erfahrung, weil ich auch für mich das Recht in Anspruch nehme, so zu leben wie ich es für richtig halte.

    Scheint bei manchen Menschen eine menschliche Schwäche zu sein, die eigenen Ansichten und Kleiderordnungen o.a. „Regeln“ für „die Richtigen“ zu halten, und die bei unterschiedlichen Menschen mehr oder weniger ausgeprägt ist.

    Ich denke, es ist vom Grad der persönlichen Stärke des Betreffenden abhängig.

  63. frauen, die sich durch das kopftuch als patriachalisches symbol, dass seine bedeutung nur innerhalb der geschlechterverhältnisse hat und den mann als „versorger“ grundsätzlich von der frau abspaltet diskriminiert fühlen sehe ich keineswegs als „glatzen“ an. das wurde hier auch mit keinem wort erwähnt.
    es geht nicht um erneute polarisierung in neonazistische einstellung oder auf der anderen seite völlige akkzeptanz. und eine einfache „kleiderordnung“ ist das kopftuch auch nicht.
    dies nur nochmal um es endlich zum abschluss zu bringen.

  64. Ich glaube das Problem sind nicht die Frauen mit Kopftuch.

    Sondern die Männer muselmanischen Hintergrunds die sich Kopftuch-losen Frauen wie die letzen Affen benehmen….

    Schwierig, das nicht in einen Topf zu schmeissen.

  65. Gestern war Fr. Yücel auch bei Maybril Illner im ZDF :

    http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,8125255,00.html

    „Kübra Yücel, Studentin und Bloggerin, stellt klar: „Die ganze Debatte um Deutschsein, Integration und Leitkultur ist mir absolut zuwider. Ich habe einen deutschen Pass, engagiere mich hier, spreche die Sprache und gehe wählen. Aber das reicht anscheinend nicht. Leider kann ich kein Fußball wie Mesut Özil.“

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