Feminismus mit oder ohne Männer? Falsche Frage!

6. Oktober 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 17 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Ich wohnte neulich als Diskussionsteilnehmerin einer Veranstaltung bei, auf der unter anderem die Frage vor feministischem Publikum erörtert wurde, ob sich Feminismus mit Männern organisieren bzw. solidarisieren solle. Eine ziemlich alte Streitfrage, an der sich auch heutzutage die feministischen Geister scheiden. Je nach feministischer Politik wird sie sich mit guten Argumenten anders beantworten lassen. Ob Männer feministisch aktiv sein sollen, steht dabei nicht zur Debatte. Richtig so, denn der Kampf gegen (Hetero)Sexismus, Trans*phobie, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse ist einer, der alle angeht, auch wenn Menschen unterschiedlich von unterdrückerischen Strukturen betroffen sind.

Vielmehr ging es während der Veranstaltung darum, Erfahrungen über feministischen Aktivismus, seine Organisierung und die Arbeit einzelner Gruppen auszutauschen. Dabei gilt es zunächst zu unterscheiden, von welcher Position diese Frage gestellt wird. Während der Slutwalks war von Journalist_innen öfter die gleiche Frage zu hören. Die Implikation ist relativ eindeutig: Antifeministische Klischees der “männerhassenden Emanzen” sollen bitte nicht gefüttert werden. Feminismus heute muss sexy sein und männerfreundlich (was viele wohl unter “modern” verstehen). Aber warum eigentlich?

Spannend an dieser Fragestellung, die der zuweilen antifeministische oder feministisch uninformierte Mainstream an Feminist_innen richtet, ist das zu Grunde liegende männerzentrierte (und gleichermaßen heteronormative) Denken. Die Gunst der Männer als Norm, an der sich der Erfolgsgrad feministischer Bewegungen messen ließe?! Mal abgesehen davon, dass Feminismus noch immer mit Politik von Frauen für Frauen gleichgesetzt wird, verwundert es angesichts fortwährender feministischer Kämpfe, warum gerade die Männerfrage immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Als ob es im Feminismus nichts Wichtigeres gäbe, als die Befindlichkeiten einer dominanten Gruppe zu berücksichtigen.

In feministischen Kontexten diskutiert es sich da schon auf ganz anderem Niveau. Hier geht es darum, Frauen/Lesben/Trans*-Schutzräume (FLT*) neben offenen Gruppen zu etablieren, Netzwerke auf- bzw. auszubauen, auf bestehende (autonome) Strukturen zurückzugreifen und diese womöglich von innen heraus zu verändern, um feministischen Aktivismus auf breitere Füße zu stellen. Dennoch machte es auf der Veranstaltung den Eindruck, als sei es “cooler” in männeroffenen Gruppen zu arbeiten, als seien Schutzräume für FLT* überkommen, unnötig und teilweise einer breiten Solidarität sogar hinderlich.

Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass es reichlich zynisch ist, darüber zu diskutieren, ob Männer mitmachen sollen/dürfen, solange feministischer Aktivismus nach wie vor anderen marginalisierten Gruppen den Zugang verwehrt oder die eigene homogene Zusammensetzung nicht mal bemerkt. Zumal es sich in einer männeroffenen Gruppe als Feminist_in auch nicht immer leicht arbeitet, wie feministische Aktivist_innen aus Wien vor kurzem mit scharfen Worten anprangerten.

Sollte nicht vielmehr darüber diskutiert werden, wie Feminismus möglichst inklusiv gestaltet werden kann unter besonderer Berücksichtigung der Repräsentation verschiedenster Gruppen und entgegen etablierter Machtstrukturen? Dann ließe sich nämlich sehr leicht feststellen, dass die Männerfrage nach wie vor unter weißen, heterosexuellen, cis- (und anderen normgerechten) Maßstäben besprochen wird und es nicht um die Bekämpfung der mitunter eigenen Dominanzkultur geht. Die Männerfrage positiv zu beantworten, bedeutet für Feminismus also nicht, per se selbstkritisch zu sein, sondern sich (auch) unter mehrheitsgesellschaftliche Erwartungen zu assimilieren.


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Wann ist ein Mann ein Mann?

10. Juni 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 16 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Mother Jones hatte vor einiger Zeit ein interessantes Photo Essay: 13 Männer öffneten sich und teilweise ihre Knopfleisten und erzählten, wann sie sich männlich fühlen. Herausgekommen sind vielfältige Antworten. DRadio Wissen hat dazu noch einige wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser Frage parat:

Eine psychologische Studie der Universität South Florida hat ergeben, dass Männer darum kämpfen, als männlich wahrgenommen zu werden – und agressiv werden, wenn sie diese Wahrnehmung bedroht sehen. […] Aus einem anderen Test schlussfolgern sie, dass viele Menschen dazu tendieren, Männlichkeit als sozialen Status anzusehen, den man sich erarbeitet. Weiblichkeit sehen sie dagegen eher als biologischen Status an, der durch Geburt erlangt wird.

Also liebe Kommentator_innen, wann ist ein Mann ein Mann?

In der Rubrik „Grundsatzfragen“ diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Wer bestimmt, wann wir Feminist_innen sind?

1. Oktober 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 15 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Am Mittwoch habe ich in der DRadio Wissen Redaktionskonferenz eine Sendung zum Thema „Muslimische Feministinnen“ gehört. Nachdem ich meine Gedanken dazu aufgeschrieben hatte, fiel mir noch etwas auf.

Im Ausblick auf die Redaktionskonferenz heißt es:

Sie tragen Kopftuch und nennen sich Feministinnen.

Den Trend, (auch nicht-muslimischen) Feminist_innen die Selbstbezeichnung als solche vorzuhalten, habe ich nun schon öfter gesehen und gehört, verstehen tue ich es nicht.

Ist Feminismus wie Emanze heute ein Schimpfwort und es kaum verständlich, warum sich Menschen selbst beschimpfen sollten? Oder verbirgt sich dahinter der Wunsch, selbst zu urteilen, zuzuschreiben und erstmal schauen zu wollen, ob diese Personen der eigenen Definition von Feminismus entsprechen? Sind nur männerhassende, lila Latzhosen-tragende Lesben, die ihren BH verbrannt haben, echte Feministinnen, die sich so nennen dürfen?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an post(at)maedchenmannschaft.net


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Frauentag abschaffen?

8. März 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 14 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Anlässlich zum Internationalen Frauentag schreibt Alice Schwarzer: “Schafft den 8. März ab!” Mit gewohnt spitzer Feder geht sie der Geschichte des Frauentages auf den Grund und konstatiert, dass dieser in einer frauenfeindlichen Tradition stehe – und deshalb abgeschafft werden sollte.

Der 8. März ist eine sozialistische Erfindung, die auf einen Streik von tapferen Textilarbeiterinnen zurück geht und 1910 auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen in aller Form beschlossen wurde. „Genossinnen! Arbeitende Frauen und Mädchen!“ schrieb Clara Zetkin 1911 in der (k)Gleichheit, „der 19. März (der später zum 8. März wurde, Anm.d.Red.) ist euer Tag. Er gilt eurem Recht!“

Doch gerade die Frauenbewegung entstand bekanntermaßen Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke. Eine Linke, die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ. Und die realsozialistischen Länder waren in den obersten Etagen bekanntermaßen auch frauenfrei. Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als „unser Frauentag“ für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn.

Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.

Was denkt ihr? Ist die von Schwarzer konstatierte frauenfeindliche Tradition ein Grund, diesen abzuschaffen oder ist es wichtig, einen Internationalen Frauentag als Symbol für den Kampf um die Gleichberechtigung zu behalten?

In der Rubrik “Grundsatzfragen” diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.


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Wer diskriminiert wen auf Lesbenpartys?

10. September 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 14 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Wer schon mal auf einer Lesbenparty war, weiß: Rein kommt nicht jede_r. Auf den Flyern oder den Hinweisen auf entsprechenden Websites steht meistens dazu, für wen diese Partys gedacht sind: Frauen, Lesben, Queer. Ab und zu noch ein weitere Anmerkung: Männer in weiblicher Begleitung erwünscht (Ob Männer nicht auch Queer sein können, sei mal dahingestellt).

Beim Besuch dieser Partys habe ich des öfteren erlebt, dass kleine Gruppen von Männern beim Vorbeigehen am Club stehen blieben und sich wunderten, woher denn die vielen Frauen kämen und was das wohl für eine Party sei, bei der sich überproportional viele Frauen vor den Türen versammeln. Nachdem man sie am Einlass auf die Veranstaltung hinwies, gingen die meisten wieder. Ein paar ließen es sich jedoch nicht nehmen und wollten unbedingt in den Club. Dieselbe Situation ereignete sich vergangene Woche, als ich gerade mit Freundinnen die Party verließ. Zwei offensichtlich stark angetrunkene junge Männer wurden abgewiesen mit dem Argument, diese Party sei ausschließlich für diese und jene Gruppe und heterosexuelle Männer seien unerwünscht. Während der eine seinen Unmut darüber mit “Ich fühle mich diskriminiert” zum Ausdruck brachte, wurde der andere deutlich: “Scheiß Lesben”. Es dauerte keine fünf Sekunden und die Frau, die u.a. für den Einlass zuständig war, packte ihn an der Gurgel. Sogleich gesellten sich andere Verantwortliche dazu und es kam zu Tumulten. Zwei Männer, die offenbar zu den Veranstalter_innen gehörten, gingen auf die beiden Abgewiesenen los und beschimpften sie. Die Situation löste sich zum Glück relativ glimpflich auf und die beiden Betrunkenen zogen überrumpelt und fassungslos weiter.

Auf dem Weg nach Hause ließ ich noch einmal Revue passieren, was gerade vor sich gegangen war und kam zu dem Entschluss, dass ich das Verhalten der Veranstalter_innen absolut unangemessen und unprofessionell fand. Selbstredend, dass es den beiden offenbar nicht darum ging, auf diese Party zu kommen, sondern um zu provozieren. Selbstredend, dass niemand eine Lesbenparty besuchen wird, der/die am Eingang schon mit diskriminierenden Sprüchen um sich wirft. Sich allerdings provozieren zu lassen und eine Schlägerei anzufangen, wird der ganzen Sache noch weniger gerecht.

Die wesentlich spannendere Frage für mich ist allerdings: Ist die berechtigte Angst vor (Hetero)Sexismus und Homophobie ein Argument, männlichen Heterosexuellen den Zutritt zu verwehren? Wie werden männliche Heterosexuelle überhaupt als solche erkannt?

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Fehlen uns die Symbole?

17. Februar 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 13 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, wie sich junge Feministinnen heute gegenseitig als solche erkennen würden – und auch darüber, ob sie das überhaupt wollten. Wir stellten nämlich beide fest, dass es in den früheren feministischen Hochzeiten stets solche Symbole gab:

Während der Ersten Frauenbewegung war es ein ganz klares Zeichen von radikalem Emanzentum, eine Hose zu tragen. Das hatte es bis dahin nicht gegeben, Frauen hatten Röcke anzuziehen und all die Unbequemlichkeiten, die diese so mit sich brachten, in Kauf zu nehmen. Während der Zweiten Frauenbewegung zogen sich viele Frauen tatsächlich die viel zitierte lila Latzhose an, um sich gegenseitig ein Zeichen zu geben, dass man es mit einer feministischen Schwester zu tun hatte. Doch heute gibt es diese klaren Symbole nicht mehr. Oder?

Das Einzige, was dem vielleicht noch nahekommt, überlegten wir, könnte der rote Lippenstift sein. Mir geht es jedenfalls so: Wenn ich eine junge Frau mit knallroten Lippen treffe, dann tendiere ich dazu, sie in die Schublade “sehr selbstbewusste, selbstbestimmte Frau mit Tendenz zur Provokation” zu stecken und lag bisher gar nicht so oft falsch damit. Auch wenn er selbst im feministischen Diskurs teilweise als Zeichen sexueller Bereitschaft verteufelt wurde (was heute eher dem Lipgloss nachgesagt wird), fordert er doch auch von seiner Trägerin ein ganzes Maß an Mut. Und mutige Frauen: immer gut.

Also, kann der Lippenstift ein Symbol sein? Oder haben mein Kumpel und ich beim Nachdenken über ein Erkennungszeichen unter jungen Feminstinnen einfach ein anderes übersehen? Oder: Fehlen uns etwa die Symbole? Sollten wir uns eines suchen? Denn wäre es nicht ziemlich toll, sich auf der Straße gegenseitig zu erkennen? Oder brauchen wir das nicht?

(In der Rubrik “Grundsatzfragen” diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.)


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Feministische Theorie im Alltag

13. Oktober 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 12 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Nach der This Is What a Feminist Looks Like Initiative, über die wir bereits hier und hier berichteten, hat die Autorin des US-amerikanischen feministischen Mütterblogs blue milk unter der Leitfrage What does a feminist mother look like? Fragen für feministische Mütter entworfen. Unter anderem fragte die Autorin nach den feministischen Einstellungen von Müttern vor und nach der Geburt eines Kindes, inwiefern Kinder diese Einstellung verändern (oder auch nicht), wie die Befragten die Beziehung von Feminismus zu Erziehung, Familie und Mutterschaft einschätzen und wie/ob sich eine feministische Erziehung von einer nicht-feministischen unterscheidet. Zahlreiche Mütter – und auch Väter – haben darauf geantwortet und viele von ihnen eint die Aussage, dass feministische Ideale im Alltag häufig auf Barrieren trifft – struktureller oder persönlicher Art.

Auf die Frage, ob sie glaube, jemals als feministische Mutter versagt zu haben, antwortet die Autorin des Blogs dirt and rocks, sie glaubte damals, die perfekte feministische Mutter zu sein, da sie arbeitete und die gesamte Kindererziehung inklusive Haushalt übernahm. Obwohl sie Vollzeit arbeitete, übernahm sie trotzalledem wie selbstverständlich die Aufgaben, die gesellschaftlich von ihr als Frau erwartet würden. Heute wünsche sie sich, sie hätte den Vater ihrer Kinder damals mehr in die Verantwortung genommen.

Daddy Dialectic

Auf seinem Blog Daddy Dialectic schreibt Adam Smith von den Problemen, die bei der feministischen Erziehung seines Sohnes Liko auftraten:

(…) he likes to wear dresses to birthday parties, and we let him. The other parents, even here in San Francisco, raise their eyebrows, and I wonder what they’re thinking, and if we’ll be invited to next year’s birthday party, and I wonder how that will affect Liko. And I feel ashamed and cowardly for wondering. I know I’m not the first, but that’s cold comfort.

(zu deutsch: “(…) er mag es, zu Geburtstagsfeiern Kleider zu tragen und wir lassen ihn gewähren. Die anderen Eltern, selbst hier in San Francisco, runzeln ihre Stirn und ich frage mich, was sie wohl denken und ob wir nächstes Jahr noch einmal zu einer Geburtstagsfeier eingeladen werden und wie das wohl Liko beeinflussen wird. Und ich schäme mich und fühle mich feige, dass ich mir solche Fragen stelle. Ich weiß, dass ich nicht der/die Einzige bin, aber das ist ein mäßiger Trost.”)

Also: Wie schwer ist es, Theorie in die Praxis umzusetzen? Wo hört der eigene feministische Idealismus auf?

Mehr Antworten von feministischen Müttern und Vätern: Kemps Creative Happiness Blog, scribblette, inastrangeland.

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Können Männer Feministen sein?

21. Oktober 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 11 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Diese Frage stellt heute der österreichische Standard und lässt sie in einem Pro- und einem Contra-Text beantworten. Der Pro-Text gefällt mir gut, denn da steht:

Einmal abgesehen von der Sex-Gender-Debatte, die die strenge Unterteilung von Männern und Frauen in sozialer, biologischer und sexueller Hinsicht verwischt hat, sind es zunehmend auch dezitierte “Männlichkeitsentwürfe”, die ehemals weibliche Eigenschaften und Rollenmuster, wie zum Bespiel die Bereitschaft zur Übernahme von Betreuungspflichten, integrieren.

Genauso wenig wie Frauen einem Anforderungskatalog entsprechen müssen, um sich selbst Feministinnen nennen zu können, sollte es einen für Männer geben. Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung sind Erfahrungen, die auch Männer machen können und vieles deutet darauf hin, dass diese sich zunehmend an der Achse arm-reich auftun. Warum sollte sich der Feminismus, der Gleichberechtigung für die Geschlechter aber auch eine bessere Welt für alle fordert, einer potentiellen Mitglieder-Vermehrung verwehren?

Der Contra-Text dagegen macht mich dagegen recht wütend, weil ich das Gefühl habe, dass die Haltung, die da rübergebracht wird, eines der zentralen Probleme des Feminismus war und leider an vielen Ecken immer noch ist.

Kennen Sie einen Mann, der freien Willens seiner “Verweichlichung” zustimmt? In diesem Sinne wurde nämlich bis in die 1970er-Jahre der Begriff “Feminismus” in deutschen Wörterbüchern übersetzt: als “Verweichlichung oder Verweiblichung des Mannes”! Ein Zustand,  den die Männer – als Gegenteil ihres Mannseins – gemeinhin auf das Härteste zu vermeiden trachten. Und so ein möglicher Feminist wäre dann ja sofort auf die andere Seite katapultiert. Ins feindliche Lager geschleudert. Entmannt. Eine Be-Drohung seines Geschlechts ersten Ranges also.

Und darum, wenn auch nicht nur deshalb, erscheint mir nichts suspekter als die Spezies der selbst ernannten Feministen. Jene Sorte Männer, die mit treuem, ja nahezu flehentlichem Blick bekennt, wie gut sie es mit uns Frauen meinen. (…) Denn auch wenn diese Männer theoretisches Wissen über Feminismus, Frauenbewegung & Co angehäuft haben, eines werden sie nie erfahren (müssen): wie es ist, Frausein an Leib und Seele zu merken, zu denken und zu fühlen.

Die Autorin hält da krampfhaft an Klischees fest, die nicht nur überholt sind, sondern uns allen das Leben ein bisschen beschränkter machen: Wieso soll ein Mann “weich” sein, wenn er sich für die Probleme von Frauen interessiert? Wieso soll überhaupt noch eine Definition gelten, die vor der zweiten Frauenbewegung geschrieben wurde? Wieso soll die weibliche Denke so einzigartig, so leib- und seelenzentriert sein? Sind wir hier im Yoga-Kurs? Oder bin ich da zu empfindlich oder übersehe irgendetwas und die Contra-Autorin hat doch Recht?

Also: Können Männer denn nun Feministen sein oder nicht?

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Verlangt der Feminismus absolute Konsequenz?

18. August 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 10 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Es ist doch so: Wer Ideale hat, dessen Leben ist nicht immer einfacher – weil so ein Ideal auch immer Konsequenz verlangt. Soll heißen: Wenn ich Feministin bin und gleichzeitig sehr gern “Germany’s Next Topmodel” schaue, dann habe ich ein sogenanntes Konsistenzproblem, meine eine Handlung widerspricht also irgendwie meiner anderen Handlung.

Oder: Eine Bekannte von mir kämpft wo sie nur kann gegen Sexismus und stupide Rollenbilder, auch in ihrem Beruf als Journalistin. Jetzt kam aber ein gscheites Wurschtblättle für Frauen daher und will einen ihrer Texte nachdrucken. Für viel Geld. Das sie gut gebrauchen könnte. Hm, soll sie also – wegen der Notwendigkeit, ihr Leben bezahlen zu müssen – oder soll sie lieber nicht – weil das ja entgegen all dem wäre, wofür sie ansonsten so steht?

Und die grundsätzliche Frage neben diesem konkreten Dilemma ist ja dann immer noch: Kann und muss man als Feministin oder Feminist immer immer immer “richtig”, also feministisch handeln?

Klappt das bei euch? Oder habt ihr kleine dunkle Ecken, die für “kopflose” Entscheidungen reserviert sind? Und wie rechtfertigt ihr das dann? Muss man das überhaupt rechtfertigen?

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Bringt das Anerkennen von Autoritäten den Feminismus voran?

23. Juli 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 9 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Gestern Abend auf der Feminismus-Veranstaltung des Zündfunks sagte die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken die interessanteste Sache des Abends: Frauen müssten überhaupt erst einmal andere Frauen als Autoritäten anerkennen lernen, wenn der Feminismus überhaupt etwas bringen solle.

Soll heißen:
Zu Zeiten der französischen Revolution, als die Idee einer Republik aufkam, wurde die Welt in eine männliche und eine weibliche Sphäre geteilt. Die männliche war die Welt da draußen, die mit Macht, Konkurrenz und so weiter; die weibliche war durch die häuslichen Wände beschränkt und sollte vor allem durch Liebe und Gefühl erfüllt sein. Von dieser Teilung versuchen sich Frauen schon seit ebenjenen Zeiten zu befreien, seit einigen Jahrzehnten haben sie nun auch tatsächlich schon weite Teile des öffentlichen Lebens erobert. Aber, so Barbara Vinken, dabei machen sie den entscheidenen Fehlern, dass sie davon ausgehen, dass alle Frauen gleich sind und dass sie also auch weibliche Autorität nicht anerkennen wollen. Simpelste Folge: die klassische Stutenbissigkeit. Komplexe Folge: Frauen bauen nur schwer Machtstrukturen aus; die Netzwerke, die es gibt, bleiben oft auf der gleichen Ebene.

Also:
Müssen der Feminismus und jede einzelne Feministin vor allem auch bei sich selbst anfangen und ihren Blick auf andere Frauen ändern? Müssen wir lernen, andere Frauen überhaupt als Vorbilder oder Expertinnen zu akzeptieren? Fällt euch das schwer oder seid ihr schon weiter und habt kein Problem mit weiblichen Autoritäten?

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