Zum 20. Geburtstag schenkt sich das Magazin „Focus“ einen ganz besonderen Titel: „Wir wollen keine Frauenquote!“. Und da es natürlich nicht so fein ist, wenn Männer das herausposaunen, hat die Redaktion eine Reihe von „starken Frauen“ ™ aufgetan, die Stellung beziehen.
Die erzählte Geschichte hören wir ständig. (Und wurde von Feminist_innen schon genau so häufig auseinandergenommen und kritisiert.) Frauen seien „die Gewinner am Arbeitsmarkt“, schließlich ist die Erwerbstätigkeit auf 72% gestiegen. Warum sich das nicht auch in den Führungsetagen widerspiegelt? Frauen studieren eben das Falsche (meint: nicht Arbeitsmarktkonform genug). Und da das Versagen eindeutig bei den Frauen liegt, ist eine Quote auch unnütz. Schließlich wollen die „erfolgreichen Frauen“ ™ nicht „vom Leistungsprinzip lassen“. Katharina Wagner gibt sich sicher:
Die Mädels meiner Generation haben eine solche Quote überhaupt nicht nötig.
Ganz vorn mit dabei, also auch auf dem Titel: Kristina Schröder. Dass diese keine Befürworterin einer Quote ist, hat sie schon häufig und gern an prominenter Stelle kundgetan. Da lässt sie auch diese Gelegenheit nicht aus. Egal wie obskur es wirkt, wenn eine Ministerin, die entscheidenen Einfluss hat, neben einem Untertitel prangt, der ankündigt: „Starke Frauen rebellieren gegen Staatsdiktat und Gleichmacherei“. Zu den anderen Frauen stellte Lara Fritzsche bei Twitter fest:
12 Frauen sprechen sich im Focus gegen die Quote aus: Fünf davon sind Erbinnen des Unternehmens, dem sie vorstehen. twitter.com/larafritzsche/…
— lara fritzsche (@larafritzsche) Januar 13, 2013
Im Innenteil merkt dann noch Veronica Ferres an, die übrigens Germanistik, Theaterwissenschaft und Psychologie studiert hat:
Die Quote diskriminiert Männer und schadet uns Frauen.
Davon abgesehen, dass ich ja ganz heimlich glaube, dass es eine Veronika-Ferres-Quote in deutschen Fernsehproduktionen gibt, bin ich angenervt von der Debatte. Immer wieder die gleichen „Argumente“, immer wieder Energie die reingesteckt wird um dagegen zu argumentieren. Auch von mir. Dabei bin ich nicht einmal die größte Freundin einer Quote, so wie sie derzeitig diskutiert wird, bleibt doch die Frage, welche Frauen überhaupt unter welchen Bedingungen profitieren und in welchem System, zu sehr am Rande. Viel lieber würde ich mich mit weitergehenden Ideen auseinandersetzen, denn gerade feministische Ökonomiekritik macht sehr viel mehr als Quotendiskussionen.
Doch die Bilder, die re_produziert werden, mit jedem neuen Artikel, mit jedem Titelbild, welches aus all den Zeitungskiosken entgegenstrahlt, sind mächtig. Darum noch einmal ganz klar: Diskriminierung hat immer etwas mit Macht zu tun. Die aktuelle Wirtschaft funktioniert auch jetzt nicht nach dem/ einem Leistungsprinzip – eine Quote könnte das also auch gar nicht ändern. Aber es bleibt auch bezeichnend wie groß der Widerstand ist und wieviel Raum dieser einnimmt gegen Forderungen, die nicht einmal sonderlich radikal sind.

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