All On My Own

Immer wieder und von allen Seite heißt es, uns Frauen ständen doch alle Wege offen. Wir können frei entscheiden, Kinder zu bekommen oder nicht; arbeiten zu gehen, oder zu Hause zu bleiben; Single, mono,- oder polygam zu existieren. Aber oft geht es dabei nicht nur darum, was wir tun könnten, sondern wie wir dabei angesehen werden, wenn wir es tun. Und dafür reicht es manchmal schon, als Frau alleine unterwegs zu sein und Spaß zu haben. Willkommen im wilden Alltag!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Allein auf der Straße hat eine Frau nur etwas zu suchen, wenn sie von a nach b unterwegs ist, ihren Hund ausführt oder durch den Park joggt. Und klar, wie konnte ich das bloß vergessen, wenn sie shoppt…

Oft genug werde ich überrascht angeguckt, dass ich allein ins Kino oder Kaffee trinken gehe. Völlig baff sind die meisten, wenn ich noch eins drauf setze: Ja, ich ziehe am Wochenende auch allein durch Clubs oder Bars. Oder sitze mal abends an irgendeiner Theke bei Bier oder Rotwein. Oft mit Lektüre, manchmal aber auch einfach nur so. Und nein, ich bin dabei nicht auf Männerfang. Obwohl genau die Vermutung zum Anlass genommen wird, näher an mich ranzurücken oder sich direkt außer Reichweite zu platzieren. Eine Frau kann nur auf der Suche nach einem Mann sein, sonst bleibt sie doch zuhause und kuschelt mit ein paar Duftkerzen.

Unabhängigkeit fängt nicht erst beim Konto oder der eigenen Wohnung an. Oft zeigt sie sich viel subtiler darin, dass wir die eigenen Pläne verfolgen, ohne sie von anderen abhängig zu machen. Wenn meine Freunde am Wochenende lieber zuhause abhängen wollen, ich aber ausgehen möchte, ok, dann ziehe ich halt alleine los. Gibt es niemanden, der mit mir in den Urlaub fahren kann, ok, traue ich mir einen Solotrip zu. Egal, wie selbstbewusst unser Auftreten im Job oder sonstigen Alltag ist, es kann ganz schön schrumpfen, wenn es mit Dekolletee als einzigem Anhang dort unterwegs ist, wo es als ungewöhnlich auffällt.

Dabei sehe ich aber Massen an männlichen Alleingängern, die mehr oder weniger gelangweilt an Tanzflächen oder Theken rumlungern. Schief angesehen werden die bloß, wenn ihr Rumlungern einen bedenklichen Alkoholspiegel aufweist. Und auch in Restaurants, ist ein Mann sicherlich auf Geschäftsreise, dafür muss er nicht mal nen Anzug tragen. Als Frau bekommt man selbst im Business-Look oftmals noch mitleidige Blicke. Ist es tatsächlich so, dass es für erwachsene Frauen ein Problem ist, alleine „rauszugehen“?!

Ich habe schließlich auch alleine Sex, wenn gerade keiner zum Mitspielen verfügbar ist. Aber der findet auch zu Hause, nicht sichtbar für die Außenwelt statt. Vermutlich gibt es für alleinstehende Frauen eine Ausgehsperre nach 22 Uhr, die ich noch nicht bemerkt habe.

Dabei ist doch total schade, auf ein tolles Konzert, einen Kinofilm, eine Ausstellung oder die Party im Club zu verzichten, nur weil niemand mitgeht. Und was bleibt mir übrig, wenn die Freunde keine Zeit haben, der Partner entweder die Kinder hütet oder als Rockstar irgendeinen Club am anderen Ende der Welt füllt, oder ich eben Single bin? Die Option, zu Hause zu bleiben kann es jedenfalls nicht sein.

77 Kommentare zu „All On My Own

  1. Kommt mir leider sehr bekannt vor. Ich war auch schon einige male alleine an einem Konzert. Männer, die alleine unterwegs sind gibt es dort in grossen Mengen, ich hatte jedoch auch das Gefühl mitleidiger Blicke (oder habe ich mir das nur eingebildet weil ich mich als einzige Solofrau unwohl fühlte?). Da kommen mir die Parallelen zu gewissen Ländern im Orient in den Sinn, wo Frauen ohne männliche Begleitung nicht aus dem Haus dürfen.. natürlich ist es dort um viele Stufen krasser, aber die gleiche Mentalität spielt mit.

  2. „oder habe ich mir das nur eingebildet weil ich mich als einzige Solofrau unwohl fühlte?“

    Jepp. Anders lässt es sich gar nicht erklären dass es mir als Mann auch so geht – obwohl sowohl der Beitrag als auch der Kommentar deutlich sagen, dass ich nicht schief angesehen werde ;-)

  3. Ha, endlich jemand, der das ganze Alleine-Ausgehen genau so sieht wie ich! Die meisten Menschen, denen ich erzähle, ich sei allein tanzen, ins Kino oder auch nur Shoppen (?!) gegangen, halten das für „traurig“, ja manchmal sogar „erbärmlich“. Aber ist es nicht viel erbärmlicher, allein zu Hause zu sitzen, nur weil man keine Begleitung gefunden hat, die Zeit hat?

    Es wird einem so oft unterstellt, einsam zu sein, obwohl man sich gar nicht einsam fühlt. Aber meiner Meinung nach gehört zu einem selbstbestimmten Leben auch, dass man spätestens in der siebenten Klasse aufhört, in Grüppchen zur Toilette zu gehen.

    Großes Lob für den Beitrag ;)

  4. du sprichst mir aus der seele!!
    seit ich mit 18 den führerschein gemacht habe, zieh ich dieses „na, dann geh ich halt allein“ durch. und es hat mir meistens ne menge spaß eingebracht!

    was auch nervt, sind diese paternalistischen typen, die automatisch denken, ich sei versetzt worden, und die mich dann mit ihrer gesellschaft „aus meiner not erretten“ wollen. ähmja…danke auch…pfff.

  5. Ich bin früher auch gern ab und zu mal alleine weggegangen und verreist bin ich vorzugsweise ohne Begleitung, weil man dann schneller andere Menschen kennenlernt und offener ist für das, was man erlebt.
    Mitleidige Blicke habe ich eigentlich nicht so wahrgenommen, aber es stimmt schon, man wird schneller angebaggert.

  6. Super Text! Spricht mir genau aus der Seele!

    Was mir noch dazu einfällt. Außer den mitleidigen Blicken kommt oft der Spruch, dass man ja wahnsinnig mutig sei alleine wohin zu gehen. Eine Frau alleine unterwergs ist ja in den Augen vieler Leute ein absolut hilfloses Wesen, was sofort, wenn sie außerhalb ihres normalen Lebensraumes anzutreffen ist (d.h. Supermarkt, beim Shoppen, beim Yoga…) sofort überfallen und vergewaltigt wird. :(

  7. Naja, das man dann mehr angebaggert wird verwundert mich nicht, schliesslich ist es angenehmer jemanden anzusprechen der nicht von einer Horde von Freunden umgeben ist.

  8. Passt zwar nicht ganz genau zum Thema, aber ein bisschen eben doch: es gibt viele Dinge, die ich als Frau nicht alleine tue – obwohl ich gerne würde – aus schlichter Angst. Beispielsweise Abends oder gar Nachts ein einsames Industriegelände zu fotografieren oder alleine im Wald spazieren gehen. Ich kenne auch Frauen, die gehen nichtmal tagsüber alleine im Wald joggen.
    Und bei vielen solchen Dingen, wenn ich sie dann doch tue, begleitet mich im Hinterkopf der Gedanke: wenn dir jetzt was passiert, bist du selbst schuld, sowas macht man ja als Frau nicht.

  9. > Ich habe schließlich auch alleine Sex, wenn gerade keiner zum Mitspielen verfügbar ist.

    Schreib doch mal deine Telefonnummer unter den Beitrag.

  10. @Verena: Nun ja, aber Kai bestätigt doch deine Aussage: „Wenn eine Frau alleine Sex hat, meinen viele Leute, dass das nur sei, weil sie nicht *irgend einen* Partner hat.“

    Und diese Aussage gilt ebenso für Männer – so, wie die meisten anderen Aussagen in deinem Artikel auch (ja, wenn man als Mann alleine in ner Disco ist, fühlt man sich auch beobachtet und als „nicht normal“ angesehen).

    Dass man allein unterwegs seiende Menschen als „normal“ ansehen sollte, finde ich (als häufig betroffener) natürlich grundsätzlich voll und ganz knorke und super!

  11. Also, alleine Backpacken ist doch echt eher die Regel als die Ausnahme, obwohl man ja eigentlich nie lange „allein“ bleibt. Was das allein in Clubs gehen betrifft, ist das für beide Seiten normalerweise kein Spass. Frauen hätten es wohl einfacher mit dem Ansprechen tun’s aber nicht, Männer stehen mit Bier in der Hand an der Theke in der „line of death“. Noch nie gehört? Welche Singlefrau würde denn freiwillig mit einem von den Typen, die am Rand der Tanzfläche stehen und ihr Bier wärmen, ein Gespräch anfangen. Ist alles dysfunktional, so oder so.

  12. >>Was das allein in Clubs gehen betrifft, ist das für beide Seiten normalerweise kein Spass.

    hm, also ich geh da schon zum Spass hin und zwar zum Tanzen – funktioniert halt nur, wenn man den Club kennt und genau weiss, dass die was spielen, was einem garantiert gefällt, so dass man nicht lange doof rumstehen muss.

    Wenn man genau weiss, was man will, muss man auf nix warten (angesprochen zu werden ;), weil man es darauf ja eh nicht abgesehen hat.

  13. x,

    „weil man es darauf ja eh nicht abgesehen hat.“

    also, ganz ehrlich, Leute die ausschließlich zum Tanzen weggehen (und nicht zum Socializing und potentielle Partner/innen kennenlernen), kenne ich eigentlich fast gar nicht.

  14. Naja, aber das war ja der Punkt: Wenn du weisst, dass das mit dem Socializing nix wird, weil keiner mitkommt….,
    dann kannst / solltest du trotzdem alleine weggehen können, ohne mitleidig angeschaut zu werden — vorausgesetzt du gehst eben nicht alleine in der Hoffnung weg zu socializen und bist betrübt, wenn es nicht klappt.

  15. aber wieso sollte man eigentlich allein dorthin gehen, wo sich normalerweise nur gruppen oder paare aufhalten? der sinn erschließt sich mir irgendwie nicht. ohne kind geht man nicht auf den spielplatz, will man nichts kaufen, geht man nicht in den supermarkt.

    wieso geht man allein und ohne jemanden kennenlernen zu wollen in eine veranstaltung, die weder explizit für einzelne ausgelegt ist, und auch nicht dafür bekannt ist, dass dort keine amache stattfindet???

  16. Oder auch: WARUM NICHT?
    Und wenn ich nur zum Tanzen weggehe, also nicht zum „socialisen“ oder gar angemacht werden, hat das doch Sinn: Nämlich, dass ich Musik höre, die mir idealerweise gefällt und tanze.

    P.S. Seit wann sind denn Clubs etc explizit auf Paare ausgelegt?

  17. Ich gehe meist auch zum „nur Tanzen“ weg. Fast alle Frauen die ich kenne tun das. Nur einige Männer nicht. Und Die meisten Paare lernen sich auf Privatparties oder über Freunde kennen.

  18. morjanne, ich schrieb da oben ja audrücklich: gruppen oder paare. also meine ich damit AUCH gruppen ubd nicht nur „explizit paare“. so eine gruppe können mehrere männer sein, mehrere frauen oder mehrere frauen und männer, wobei diese gemischten gruppen paare beinhalten können. natürlich können auch in reinen frauen- oder männergruppen paare vorhanden sein. das wollen wir ja nicht unter den tisch fallen lassen.

    wäre dem nicht so, wären clubs also nicht primär für gruppen oder paare ausgelegt, sondern für leute, die explizit allein unterwegs sind und auch niemanden kennenlernen wollen, dann würden diejenigen, die dort allein sind, schließlich nicht seltsam angeschaut und wir würden diese diskussion hier gar nicht führen.

    musikhören in kombination mit tanzen kann man auch allein zu hause – muss man nicht, natürich. aber wenn du dir mal ansiehst, wann menschen musizieren/musikhören und dazu tanzen, dann findet das meistens (achtung, meistens, nicht immer) in geselligkeit statt. tanzen tut man historisch betrachtet in gruppen oder zu zweit. remember? gruppen oder paare. natürlich gibts es in verschiedenen formen des tanzes auch soli, aber davon ist hier ja nicht die rede.

    und da liegt m.e. eben der grund dafür, dass leute, die dort allein unterwegs sind, wo man gewöhnlich nicht allein unterwegs ist, komisch angeschaut werden. auf einem bahnhof wird z.b. niemand, der allein unterwegs ist, komisch angeschaut, weil es auf einem bahnhof üblich ist, auch allein unterwges zu sein.

    hab ich mich einigermaßen verständlich machen können?

  19. Ich persönlich würde nicht alleine in einen Club gehen, nur um zu tanzen. Wenn ich einfach nur tanzen will, stöpsel ich meinen MP3-Player rein und mache das zu Hause. Da wird nur die Musik gespielt, die ich auch mag, und es ist eindeutig billiger. Wenn ich weggehe, dann mit Freunden oder um jemanden kennen zu lernen
    Kino und Konzert sind für mich was anderes, da will ich ja den Film bzw. die Band sehen. Shoppen auch. Aber sonst… Nicht mein Ding.
    Aber das sollte natürlich jeder für sich entscheiden. Und was die komischen Blicke angeht: Einfach ignorieren. Idioten wird es immer geben, man kann nur lernen mit ihnen umzugehen.

  20. hach auch mir spricht der Post aus der Seele. *_*

    Ich bin vor 2 Jahren für 2 Wochen alleine nach Japan gefahren und ALLE haben mich komisch von der Seite angeguckt „Wie du fährst da alleine hin??“ „Und das hätten wir dir ja gar nicht zugetraut“ „Wie mutig von dir!“
    Richtig ätzend.

    Jemandem dem ich erzählt habe das ich gerade aus Japan wieder da war und noch etwas mehr, hat mich als ERSTE Frage gleich gefragt „Und wo war dein Freund?? bzw. was hält dein Freund davon“
    Als wäre mein URlaub abhängig von jemandem O_O

    Ich gehe zwar nicht alleine in Clubs aber bin auch so jemand der gerne alleine auf Konzerte geht ^_^
    Seitdem ich das mache, kommt es mir total lächerlich vor, dass ich bevor ich das gemacht hab so eine Angst davor hatte irgendwo alleine hinzugehen. Irgendwie ist das total lächerlich ^^

  21. @ jj: Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, scheint sich ja aber bei dir generell sehr viel um den Aspekt socialising zu drehen. Auch beim Thema Quote ist ja dein Erklärungsansatz für das Ungleichgewicht das Flirt- und Paarungsverhalten von Frauen und Männern. Das finde ich schon erstaunlich.

  22. Susanne,

    „Das finde ich schon erstaunlich.“

    Du darfst Dir die Bemerkung erlauben ;). Aber wieso erstaunlich?

  23. Susanne,

    nein, nicht die ganze Welt, klar. Aber ich finde es halt immer wieder erstaunlich, wie sehr ein für uns alle so fundamentaler zugrundeliegender und oft unbewußter Motivationsfaktor („Sex“ als Sex und Sex als „potentielle Fortpflanzung“) immer wieder ignoriert wird. Vielleicht überbetone ich das daher auch etwas.

    Aber wenn ich nur *einen* einzigen Faktor zur Erklärung der sozialen Wirklichkeit nehmen dürfte – dann wäre das ganz sicher Sex. Welchen würdest Du denn nehmen?

  24. Als ich Beiträge der Mädels und Jungs gelesen haben, die so viel allein unterwegs sind, habe ich offen gestanden auch sofort gedacht: wow, mutig. Und zwar nicht wegen der Gefahr der doofen Anmache oder Vergewaltigung (dafür bin ich Beides: zu naiv und zu schlagfertig), sondern weil es eben eine gewisse Courage erfordert, den inneren Schweinehund plattzutrampeln und loszulaufen. Ich habe mich das bislang leider nur sehr selten getraut.
    Also Hut ab und weiter so!
    (Ich verspreche auch, dass ich auch weiterhin keinen, der allein unterwegs ist, komisch ankieke.)

  25. @ jj: Ich würde dem, der mich zwingt, mich auf einen einzigen Faktor festzulegen, einen Vogel zeigen. Weil die Welt viel zu komplex für ein solches Gedankenexperiment ist. Aber wir schweifen vom Thema ab, hier soll es ja weiter ums Ausgehen gehen. Vielleicht gibt es ja bei uns irgendwann mal einen Philosophie-Thread, dann können wir das vertiefen.

  26. Susanne,

    „Weil die Welt viel zu komplex für ein solches Gedankenexperiment ist.“

    Sicher, aber es zeigt halt schon, welchen Faktoren man den größten Erklärungsanteil zugesteht…

  27. ja wirklich, warum sollte man auf etwas verzichten, bloß weil kein anderer zeit oder lust hat mitzukommen?
    und wenn man will kann man dort ja noch jemand neues treffen, da sind die chancen auch größer als wenn man schon in der gruppe ist
    und wenn man allein unterwegs ist kann man sich zeit nehmen alles genau zu betrachten, man ist unabhängig von anderen…
    man muss ja nicht immer allein unterwegs sein, aber wenn man generell nict den mut dazu hat, sondern sich lieber zu hause langweilt, nur weil man sich sonst nicht traut, zeugt das doch von ziemlicher unselbstständigkeit
    wenigstens KÖNNEN sollte man es allein
    ob man es dann auch will ist jedem selbst überlassen…

  28. Jap, gehe aus den gleichen Gründen auch gelegentlich alleine aus. Klar ist es mit Bekannten und Freunden immer witzig, aber wenn keiner Zeit hat und ich unbändige Lust zu tanzen, dann gehe ich einfach. Anfangs habe ich auch überlegt, was andere wohl denken könnten… Aber letztlich ist es einfach die eigene innere Einstellung mit der man da auf der Tanzfläche, im Konzertsaal oder sonstwo erscheint.

  29. Vielleicht rechnet „Mann“ auch nicht damit, dass „Frau“ niemanden hat, der Zeit hat. Als Mann ist man es gewohnt, dass nicht immer einer Zeit hat. Aber alle Männer, Machismo oder nicht, die ich kenne, würden für Frauen auch als Freunde gerne mit ihnen den Abend verbringen.
    Wenn Männer alleine sind, sind sie entweder traurig und wollen sich die Erinnerung wegsaufen oder haben keine Wahl.
    Man geht davon aus, dass Frauen diesen Mangel nicht haben. Niemanden „verfügbar“ zu haben.. Deshalb sind die Männer auch mitleidig. Was man selbst nicht will, will man nicht noch den schönen Geschöpfen zumuten… Aber Männer „müssen“ das ja aushalten[tm].

  30. Immer wieder und von allen Seite heißt es, uns Frauen ständen doch alle Wege offen. Wir können frei entscheiden, Kinder zu bekommen oder nicht; arbeiten zu gehen, oder zu Hause zu bleiben; Single, mono,- oder polygam zu existieren.

    Darum beneide ich die Frauen. Ich sags ehrlich, wenn ich solche Artikel lese, denke ich mir: „Haben die’s gut, ich wäre auch gern Frau.“

    Und nein, ich bin dabei nicht auf Männerfang. Obwohl genau die Vermutung zum Anlass genommen wird, näher an mich ranzurücken oder sich direkt außer Reichweite zu platzieren.

    Und da frisst mich schon wieder der Neid. Mal so ohne eigenes Zutun Interesse signalisiert zu bekommen, davon träume ich. Und die Frauen jammern drüber, dass ihnen das zu oft passiert. Das nenne ich mal Luxusproblem.

    Und ich beneide die Frauen wirklich um ihre sexuelle Freiheit. Einfach rausgehen und so viele Interessenten vorzufinden, dass es schon nervt. Wahnsinn. Dass „mal gerade keiner zum Mitspielen verfügbar ist“, ist für Frauen ja wohl eine Ausnahmesituation.

    Ehrlich, ich beneide Euch Frauen.

  31. Da ist nicht, wofür man uns beneiden könnte. Es heißt, uns stünde alles offen, aber in Wirklichkeit müssen wir uns für jede(!) Entscheidung rechtfertigen und es ist immer die falsche. Wir kriegen keine Kinder, wir lassen die Gesellschaft sprich Rentenkasse im Stich. Dass jede Menge Männer nie Kinder in die Welt setzen – geschenkt. Wir kriegen Kinder und gehen arbeiten und sind Rabenmütter. Bei Männern ist das normal. Wir kriegen Kinder und bleiben zu Hause und sind zu faul, „richtig“ arbeiten zu gehen (und inzwischen auch noch dumm, seit dem neuen Unterhaltsrecht). Hausmänner werden tatsächlich mal schief angeguckt, sind aber irgendwo auch exotische Helden.

    Und verdammt noch mal, wir haben NICHT die freie Wahl im Club. Es nervt nicht, dass man „zuviele Möglichkeiten“ hat. Es nervt, dass so viele Männer für einen schon eine Entscheidung teffen. Und es ist kein Luxusproblem, dass einem vielen Männer Interesse signalisieren, denn das passiert eher selten. (Die eine Hälfte ist ja eh schon „geflüchtet“) Was häufiger passiert sind total betrunkene Männer, die einen eklig anmachen. Da kriegt man eher Angst, dass die einen nicht mehr in Ruhe lassen und antatschen oder mehr versuchen. Plus: Ich gehe eben nicht in Clubs, um jemanden kennenzulernen.

  32. Es heißt, uns stünde alles offen, aber in Wirklichkeit müssen wir uns für jede(!) Entscheidung rechtfertigen und es ist immer die falsche.

    Da geht es Männern nicht anders. Es gibt bei jeder Entscheidung, die man trifft irgendwo jemanden, der daran rummeckert. Bleibt man als Mann unverheiratet, wird man von den einen schief angeschaut, ernährt man eine Familie, sagen die anderen, wie patriarchisch man doch sei, tritt man beruflich kürzer, falls einem das überhaupt gelingt, muss man sich vor dem Chef rechtfertigen uswusw. Da muss man halt zu seiner Entscheidung stehen.

    Frauen haben aber wenigstens die Entscheidungsmöglichkeiten. Das Bild von Barbara hier im Blog zeigt es deutlich. Frauen haben Wegweiser in beide Richtungen und können sich entscheiden, welchem sie folgen wollen. Männer haben de facto nur einen den einen der beiden Wegweiser.

    Und verdammt noch mal, wir haben NICHT die freie Wahl im Club.

    Dass ihr nicht die freie Wahl unter den Männern habt ist klar, aber es gibt doch immer einige passable Kandidaten, die sofort verfügbar wären?

    Es nervt, dass so viele Männer für einen schon eine Entscheidung teffen.

    Welche Männer treffen für Euch welche Entscheidung?

    (Die eine Hälfte ist ja eh schon “geflüchtet”)

    Welche Hälfte ist das, die schon geflüchtet ist? Wovor geflüchtet?

    Was häufiger passiert sind total betrunkene Männer, die einen eklig anmachen.

    Das ist wirklich kein beneidenswertes Szenario. Da hast du Recht.

  33. Es nervt, dass so viele Männer für einen schon eine Entscheidung teffen.

    Welche Männer treffen für Euch welche Entscheidung?

    SoE meint die Männer, die nicht deinem Gedankengang „Ich spreche sie jetzt an und sie entscheidet, ob sie ablehnt oder annimmt“ folgen.
    Diese Männer handeln nach dem Gedanken „Eine Frau allein in der Disko ist etwas, das sich jeder Interessierte nehmen kann. Klar sagt sie erstmal nein, aber das ist nicht so gemeint.“ Sie wollen also sozusagen die Entscheidung der Frau vorwegnehmen. Die Denkart ist leider immer noch nicht ausgestorben.
    Diese ätzenden Typen sind meiner Meinung nach eine Minderheit unter allen Männern, allerdings stellen sie unter den Diskokontakten der meisten Frauen die Mehrheit. Meine Theorie zu den Wahrnehmungsunterschieden.

  34. SoE meint die Männer, die nicht deinem Gedankengang “Ich spreche sie jetzt an und sie entscheidet, ob sie ablehnt oder annimmt” folgen.

    Interessanterweise folge ich diesem Gedankengang auch nicht. Ich spreche keine unbekannten Frauen an, weil ich das Spiel nach diesen Regeln „Mann legt sich ins Zeug und Frau zeigt mit dem Daumen nach unten oder nach oben“ nicht spielen will. Ich gehe noch nicht einmal in Diskos oder Clubs, weil ich einfach nicht weiß, was ich da soll.

    Gehöre ich zu der Hälfte der Männer, die „schon geflüchtet“ sind?

  35. @Johannes (um 9:32 und 11:15):
    Herrje, ich habe selten so naive Ansichten über die „traumhaften“ Möglichkeiten von Frauen gelesen/gehört.
    Ist dir nicht die Ironie im Artikel (ich vermute du meinst Verena und nicht Barbara) aufgefallen?
    Ich glaube, das was du machst nennt man (bestenfalls) selektive Wahrnehmung.

    Die Krux ist ja gerade, dass frau von aussen suggeriert bekommt, sie hätte ja sämtliche Möglichkeiten offen stehen. Wenn es dann an die Umsetzung geht, hapert es aber doch sehr…

    Ein paar Beispiele:
    Wenn ich als Frau gerne Mutter werden möchte, brauche ich (sofern ich nicht alleinerziehend sein möchte) genauso erstmal einen Partner der das selbe möchte, wie man als potentieller Vater das braucht.
    Erschwerend kommt aber z.B. hinzu, dass frau nur ein begrenztes Zeitfenster dafür zur Verfügung hat, und dass von einer Frau eher die Mutter-/Hausfrau-Rolle erwartet wird (Stichwort Rabenmutter, siehe SoE) als von einem Mann.

    Wenn ich gerne Karierre machen möchte, muss ich erstmal ein Unternehmen finden, dass auch in den oberen Etagen für Frauen durchlässig genug ist, bzw. Frauen für diese Posten tatsächlich einstellt. Und ggf. auch flexible Arbeitszeiten/einen Kinderhort etc. anbietet…

    Was das alleine Weggehen angeht: Ich hatte des öfteren das Gefühl, dass weit mehr Männer alleine in Discos, auf Konzerten, in Kneipen unterwegs sind, als Frauen, und daher auch viel seltener „komisch angeguckt“ werden, als wenn ich als Frau mich dort alleine aufhalte.
    Wenn ich dies aber nicht möchte, und auch nicht von mehr-oder-weniger besoffenen/plumpen Typen „belästigt“ werden will… Ja, dann habe ich die tolle Altenativmöglichkeit, einfach alleine zu Hause zu bleiben.

    Und wieso sollte eine Frau im Gegensatz zu einem Mann immer jemand „passablen verfügbar“ haben? (Egal ob jetzt für sonstige Aktivitäten oder für Sex.)
    Und für meine bisherigen Männerbekanntschaften/Beziehungen bzw. die „Anbahnungen“ dazu habe ich eindeutig mehr getan, als der jeweilige Mann. Soviel dazu, dass die Frauen ja nur abwarten und den Daumen heben/senken bräuchten…

  36. @Noomi

    Ist dir nicht die Ironie im Artikel (ich vermute du meinst Verena und nicht Barbara) aufgefallen?

    Ich meinte schon Barbara. Und zwar dieses Bild von Barbara auf der Vorstellungsseite der Mädchenmannschaft. Männer haben eben nur den Pfeil nach links. Frauen haben beide.

    Und wieso sollte eine Frau im Gegensatz zu einem Mann immer jemand “passablen verfügbar” haben?

    Für Sex haben Frauen immer jemanden passablen verfügbar, weil es viel mehr Männer gibt, die unverbindlichen Sex wollen als Frauen. Was unverbindlichen Sex angeht, müssen Frauen doch wirklich nur Daumen heben oder senken.

  37. Ich will mich gerade mal selbst kommentieren, weil ich das etwas platt formuliert habe. Das, was ich im letzten Absatz schrieb, entspricht so meinem Eindruck, den ich bis jetzt in meinem Leben gewonnen habe.
    Auch immer wieder, wenn ich hier im Blog lese, verstärkt sich dieser Eindruck. Das Problem der Frauen mit unverbindlichem Sex scheint mir nicht der Mangel an potentiellen Partnern zu sein, sondern die befürchtete Reaktion des Umfeldes. Bei Männern kommt zu der befürchteten Reaktion des Umfeldes eben noch der Mangel an potentiellen Partnerinnen dazu. Und ferner habe ich den Eindruck, dass die negative Reaktion des Umfeldes auf sexuell umtriebeige Frauen abnimmt, während sie für Männer zunimmt.

    Bestimmt ist das subjektiv und deshalb würde ich gerne mal hören, was Frauen dazu zu sagen haben.

  38. Johannes, ich musste gerade grinsen. Ja, dein Eindruck ist richtig. Die allgemeine Auffassung war vor gar nicht so langer Zeit, dass Männer „nun mal nicht anders können“, „echte Kerle sich die Hörner abstoßen müssen“ während Frauen „sich nicht verschenken sollen“ bzw. „gefallene Mädchen“ sind.
    Von diesem Ausgangspunkt ändert sich die vorherrschende Meinung allmählich zu einem allgemeinen „unverbindlicher Sex kann gefährlich und unbefriedigend sein, aber auch Spaß machen“.
    Selbstverständlich nimmt ie negative Reaktion des Umfeldes auf sexuell umtriebeige Frauen ab, während sie für ür Männer zunimmt. Man ist gerade dabei, sich in der Mitte zu treffen.

  39. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum so viele Leute denken, Männer wollten unverbindlichen Sex. Ich kenne mehr junge Männer, die eine ernsthafte Beziehung suchen als Frauen. Unter denen, die keine Beziehung suchen, wollen vllt (ich weiß es nicht) mehr Männer unverbindlichen Sex. Auch kein Wunder, wenn man sich einerseits überlegt, dass Frauen an jeder Ecke davor gewarnt werden, andererseits die (mir bekannten) Erfahrungen damit wirklich nicht so toll sind. One Night Stands bei denen dann doch nichts läuft oder die unbefriedigend enden, längere Geschichten haben meist das Problem, dass ein Partner mehr will als der andere…

  40. @SoE:

    Auch kein Wunder, wenn man sich einerseits überlegt, dass Frauen an jeder Ecke [vor unverbindlichem Sex] gewarnt werden,

    Inwieweit werden Frauen mehr gewarnt als Männer? Was ist die konkrete Gefahr, vor der gewarnt wird? Sorry für die vielleicht blöde Frage, aber mir fehlt da wohl einfach die Frauenperspektive.

  41. @SoE: „Ich kenne mehr junge Männer, die eine ernsthafte Beziehung suchen als Frauen“
    Geht mir genau so. Die Burschen hätten durchaus Gelegenheiten für One Night Stand, wollen das aber nicht.

  42. @ Johannes
    Schwangerschaft? Deutlich höheres Risiko als Männer, sich mit unschönen Dingen anzustecken? Date Rape? Und irgendwann der Ruf als Schlampe.

  43. @Neeva: Danke.

    @Steve: Du bringst ja regelrecht mein Weltbild ins Wanken ;-)

    Nein, ernsthaft: Sagen „die Burschen“, dass sie Gelegenheiten für ONS hätten? Oder weißt du von anderer Seite von den Gelegenheiten, die sie hätten. Wissen die Jungs auch um die Gelegenheiten und haben sie sie bewusst ausgelassen?

  44. @Johannes: Nein, ich weiß dass sie Gelegenheit hatten:
    In einem Fall wurde ich nämlich zuvor von der Frau gefagt, ob er denn zu mir gehört und sie hat ihn dann schon sehr direkt gefragt.
    In einem anderen Fall hat ein Mädel einen Kumpel von mir angesprochen udn sich mit ihm unterhalten. Er wollte dann auch ihre Nummer und sie wollte aber wirklich nur einmal mit ihm in die Kiste steigen und da hat er tatsächlich nein gesagt.
    Okay, in einem Fall war es nicht One night stand sondern Angebot zur reinen unverbindlichen Sexbeziehung. (Habe die Geschichte von beiden Seiten gehört)

  45. Faszinierend ;-)

    Ist es vielleicht so, dass es nur eine kleine äußerlich attraktive Minderheit von Männern sind, die oft von Frauen Interesse an Sexkontatkt signalisiert bekommen? Ich kenne persönlich nur einen, dem das schon passiert ist. Und dem passiert es dann aber auch andauernd.

  46. @Johannes: Das könnte tatsächlich sein.. ich habe auch einen Kumpel der früher ( jetzt ist er in einer festen Beziehung) jedes Wochenende eine andere hatte, an eindeutigem Interesse hat es nicht gemangelt. Auf der anderen Seite beschweren sich männliche Bekannte oft, wie schwierig es sei eine Frau zu finden, ob für eine feste Beziehung oder unverbindlichem Sex.

  47. Und gehe ich dann noch recht in der Annahme, dass diese Ungleichverteilung des sexuellen Interesses bei Frauen nicht so ausgeprägt ist? Meinem Eindruck nach bekommt auch die durchschnittlich attraktive Frau hinreichend viel Interesse entegegen gebracht, dass sie jedes Wochenende einen anderen haben könnte.

    Meine Vorstellung ist wirklich die, dass eine Frau, die sich (freitags oder samstags) abends entschließt, rauszugehen und einen Mann für die Nacht zu holen, in 100% der Versuche einen findet und dabei noch aus mehreren Interessenten wählen kann. Mir selbst und den meisten Männern würde ich zutrauen in vielleicht 2-3% der Versuche überhaupt eine einzige Interessentin zu finden.

  48. Na wenn du deine Vorstellung auf eine vielleicht etwas größere, äußerlich attraktive Minderheit einschränkst …
    Allerdings muss ich zugeben, dass ich dieses Experiment noch nicht gemacht habe.

  49. Ich würde die Vorstellung auf alle Frauen bis auf die aus dem sagen wir unteren Achtel der Attraktivitätsskala einschränken. Männern, denen ähnliches gelingt, sind vielleicht die oberen fünf Prozent. Meiner Vorstellung nach…

  50. Warum muss man eigentlich unbedingt einen One night stand haben? Wenn der Sex bei einem One Night Stand doch sooo toll ist, dann würde man doch öfter mit der Person schlafen wollen.
    Okay, bei einer unverbindlichen Sexbeziehung, die ein wenig länger läuft glaube ich dass man Spaß hat.
    Von denen, die ich kenne die siche gerne mit One night stands brüsten (mit solchen Leuten kommt man ja auch immer mal wieder in Kontakt) hört sich das ganze eher immer nach 08/15-Sex an, mit dem das Ego aufpoliert wird und man sich der eigenen Attraktivität versichert. (besonders wenn ich darüber nachdenke mit Johannes Aussagen im Hinterkopf)

  51. Sich seiner Attraktivität per ONS vergewissern zu können ist ja durchaus schonmal was wert. Und 08/15-Sex ist für Männer auch schon mal nicht schlecht, besser als gar kein Sex. Frauen können 08/15-Sex anscheindend nach belieben haben und wollen deshalb nur die absoluten Leckerlis. Oder drastischer Ausgedrückt: Männer sind froh, wenn sie mal irgendwo ein Stück Brotrinde finden, Frauen sind so satt, dass sie nur noch die Rosinen wollen.

    Und was ich hier über schreibe ONS schreibe, gilt analog auch für unverbindliche Sexbeziehungen.

  52. Johannes,

    die Realität ist vermutlich ein Stück komplizierter – und eines der wesentlichsten Probleme dürfte sein, daß Frauen nicht die männliche Perspektive und Männer nicht die weibliche Perspektive wirklich erkennen können. Männern fehlt oft schlicht das Bewußtsein, auch sexuell attraktiv zu sein.

    Als mir zum ersten Mal eine Frau gesagt hat, sie fände mich „heiß“, war ich mir nicht sicher, ob ich ihr glauben sollte: Das war schlicht keine Kategorie, in der ich mich wahrgenommen habe. Und genau das ist für mich hier so ein wenig das Problem: Wir (Männer) kapieren nicht, was Frauen dagegen haben, diese Art von Aufmerksamkeit zu bekommen, weil wir diese Art von Komplimenten so selten bekommen. Unser sexuelles Selbstbewußtsein stützt sich vielleicht auf Performance, aber nicht auf Aussehen.

    Da fehlt uns die Kommunikation „des weiblichen Blickes“ vielleicht mehr als allen anderen. Hätten wir mehr sexuelles Selbstbewußtsein, hätten wir auch nicht das Gefühl, daß *weibliche Sexualität mehr wert ist* als unsere, daß wir „lucky“ sind, wenn wir mal randürfen, während es aus unserer Sicht eigentlich nichts besonderes ist wenn wir sie ranlassen – schlicht: WIR haben eigentlich nicht das Gefühl, daß WIR ein ausreichender Grund dafür sind, mit uns Sex zu haben – und WIR können uns schlicht nicht vorstellen, daß Frauen das anders sehen (auch wenn wir das natürlich rational wissen, sonst wären die Frauen ja lesbisch).

    Ich denke auch, daß es Frauen einfacher haben würden, sich *irgendeinen* Typ zu suchen als Männer. Wollen sie aber halt nicht. Und auch Frauen haben Probleme mit ihrem Selbstbewußtsein, man sollte es kaum für möglich halten ;).

    Männer haben allerdings mehr als Frauen die Möglichkeit, ihre Attraktivität für das andere Geschlecht zu erhöhen – vor allem durch das Erlernen von einer gewissen Sozialkompetenz in diesen Dingen, Offenheit, Körpersprache lernen, etc, da gibt es eine ganze Menge. Eine sehr unattraktive Frau wird dagegen eher selten die Möglichkeit haben – und das ist mitunter ein hartes Schicksal: Letzte Woche habe ich eine Gruppe Junggesellinnen kennengelernt, die alle, bis auf eine, sehr attraktiv waren. Wie muß sie sich gefühlt haben in der Situation, in der die Aufmerksamkeit der Bar von ihren Freundinnen absorbiert wurde und sich für sie keiner interessiert? Ich bin da immer zwiegespalten, wie ich da vorgehen soll, denn ich habe mich ja (sexuell) auch nicht für sie interessiert. Und so tun als ob, nur um nett zu sein, ist schließlich in jeder Hinsicht daneben.

    Wenn Du aber nicht so aussiehst wie George Clooney kannst Du das als Mann besser kompensieren – also ich würde in diesem Zusammenhang nicht mit ihr tauschen wollen.

    Ich glaube mit den 5% liegst Du vielleicht etwas niedrig, aber generell, würde ich Dir zustimmen, daß die Sexualität zumindest auf männlicher Seite nicht gleichverteilt ist: das klingt ein wenig nach Houellebecq, aber es ist sicher was dran. Liegt aber meines Erachtens nicht (nur) am Aussehen, sondern am Auftreten und an der Fähigkeit, Gelegenheiten auch tatsächlich wahrzunehmen.

    Ich habe im Verhältnis zu vielen anderen Männern vermutlich recht häufig Gelegenheiten zu ONS, und es ist auch nicht so, daß ich nicht wollen würde, aber oft bin es doch am Ende ich, der den Rückzieher macht, weil ich – selbst ohne notwendigerweise eine Beziehung zu wollen – zumeist das Bedürfnis nach einer gewissen über das rein körperliche hinausgehenden gegenseitigen Verständnis-/Gefühls-/Verbindungsebene haben muß, bevor ich die Hosen runterlasse. Und die herzustellen, dauert oft länger als zwei Stunden bei lauter Musik. Aber – das ist sicher ein Luxus, den ich mir leiste, weil ich ihn mir leisten kann – während ich nicht das Gefühl habe, daß sich viele andere Jungs den Luxus leisten (können?).

  53. Na, ja zum Teil sind die Frauen satt und zum überwiegenden Teil wurden sie sehr, sehr erfolgreich vor den Gefahren verdorbener Brotrinde gewarnt. Um mal die Metapher weiterzuverwenden.
    Ganz so schwarz-weiß ist es nicht, und die Auswahlmöglichkeiten der ONS-interessierten Frauen sind ja nur deshalb so groß, weil es nicht so viele solcher Frauen gibt. Der Rest beteiligt sich gar nicht erst.

  54. Naja, an sich kann jeder soviel Sex haben wie er/sie will – vor allem mit einer Person, mit der man weiß, dass sie einen echt gerne hat und genau weiß was man will und einem nichts vorspielt.

    .. wie oben schon gesagt: Ich kenne Männer, die keine One Night Stands ablehnen auch weil sie auch die 08/15-Vöglerei nicht mögen.

  55. Neeva,

    „Der Rest beteiligt sich gar nicht erst.“

    Also, das *kann* doch eigentlich nicht nur am „slut shaming“ liegen.

  56. Steve,

    ja klar. Das Problem ergibt sich doch aus den unterschiedlichen relativen Häufigkeiten der verschiedenen Strategien, nicht daraus, jede/r alles darf, sogar als Mann „nein“ sagen ;)

  57. Frauen und satt? Ich würde lachen, wenn das nicht eigentlich so traurig wäre, denn: Genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn für Männer 08/15 noch meist Orgasmus bedeutet, ist für Frauen 08/15 eher „war ganz nett, aber gekommen bin ich nicht“. Gerade mit neuen Partnern und damit auch bei ONS klappt nicht immer alles sofort. Wenn doch, wäre es echt schade, auf mehr zu verzichten ^^

    Ich erinnere da mal an die Szene in Sex and the City, als die Damen sich über Orgasmen unterhalten und total überrascht sind, dass Samantha immer einen hat.

  58. SoE,

    „Gerade mit neuen Partnern und damit auch bei ONS klappt nicht immer alles sofort. Wenn doch, wäre es echt schade, auf mehr zu verzichten ^^“

    Also die Suchstrategie wäre bei der Argumentation doch a) Orgasmus spielt bei der Partnersuche keine Rolle oder b) auch wenn’s beim ersten Mal nicht geklappt hat, den biege ich mir zurecht. Impliziert, daß (c.p.) die erwarteten Suchkosten für einen Orgasmus mit einem neuen ONS Partner größer sind als Kosten für das Zurechtbiegen des einmal Ausprobierten Partners. Ist das so? Und impliziert das nicht, daß Frauen davon ausgehen, daß die Chance an einen Partner mit „Technik“ zu kommen, so gering sind, daß es keinen Sinn macht, weiter zu suchen? Oder – anders formuliert – wieder mal: Sex spielt für Frauen bei der Partnerwahl eben keine Rolle, selbst wenn’s um Sex geht?

  59. @jj: Ausprobieren und darüber Reden was dem neuen Partner im Bett Spaß macht würde ich jetzt nicht als „Zurechtbiegen“ beschreiben.

    Angenommen du hast jemanden das erste mal zum Essen eingeladen weißt du auch nicht was der Person am besten schmeckt während du, wen du die Person besser kennst und ein paar mal mit der zusammen gekocht hast weißt, was ihr beide gerne mögt und womit ihr beide dann eingenussvolles Essen zaubern könnt.

  60. Steve,

    schon klar, aber das impliziert eben auch, daß das Investment in das gemeinsame Kochen als lohnender angesehen wird, als ein neues Restaurant auszuprobieren, in der Hoffnung, dort direkt die richtige Mischung zu finden.

  61. Naja, direkt auf die richtige Mischung zu stossen, heisst meines Erachtens nach, dass man das Glück hatte, dass der Gegenüber zufällig vorher einen Partner mit denselben Vorlieben hatte wie man selber….. Sich darauf zu verlassen, hiesse viele Partner NUR wegen des nicht sofort optimalen Sex auszusortieren. Was ebenso bescheuert wäre.

    Ich hatte auch schon einen quasi One-Night Stand, wo ich klargemacht hatte, dass ich nicht mit dem Typen schlafen wollte, aber alles andere wäre ok. Das ganze endete damit, dass er mich alle 3 Minuten fragte, ob ich nicht doch mit ihm schlafen wolle. Das war mehr als irritierend und stimmungstötend. Und hat garantiert, dass ich es mir nicht nochmal anders überlegt habe – weil wenn der noch nicht mal ein bisschen am Stück knutschen oder rummachen kann, wird alles andere auch nicht besser.

    Und ich hab schon den Eindruck, dass es bei ONS eben mehr um die Befriedigung eigener Bedürfnisse geht, als wirklich um gemeinsamen Spass….

    Und selbst wenn ich es theoretisch wollte, ich glaube nicht, dass mit 100% Trefferquote einen passablen Partner abschleppen könnte, jedes Mal, wenn ich ausgehe. (Und ich würde mich nicht gerade zu den untersten 10% in der Attraktivitätsskala zählen). Betonung liegt auf passabel / Männer, die mich tatsächlich interessieren würden. Also, ich glaube, dass man dieses „Frauen haben es so einfach“ nicht gilt. Ich werde selten von Typen angesprochen, die mich interessieren.

  62. @jj

    Neeva,

    “Der Rest beteiligt sich gar nicht erst.”

    Also, das *kann* doch eigentlich nicht nur am “slut shaming” liegen.

    Na ja, dazu muss man wissen, dass ein Großteil des „slut shamings“ treffender „slut scaring“ heißen müsste.

    Ein reines „Wenn du das machst, erfüllst du aber nicht unsere moralischen Standards“ hat keine großen Auswirkungen auf die Handlungsweise von Menschen. (Siehe die ganzen Leute, die sich als Katholiken bezeichnen aber null Problem mit dem Zusammenleben / Kinderkriegen ohne Trauschein haben.)

    Was den Frauen zum Thema freizügige Sexualität im Hinterkopf herumspukt, geht aber weit darüber hinaus und lässt sich am ehesten damit zusammenfassen, dass eine sich freizügig gebärdende Frau Gefahr läuft zum Freiwild zu werden und das Recht verliert sich keusch und unnahbar zu verhalten.

    Also so Sachen wie
    „Wenn du dich sexy kleidest, hast du kein Recht mehr dich zu beschweren, wenn der Typ dich anglotzt, als wärest du ein Stück Fleisch“

    „Wenn du innerhalb kurzer Zeit mit mehreren verschiedenen Männern geschlafen hast, wird der nächste Interessent dein Nein vielleicht nicht akzeptieren und niemand wird dir glauben, dass du Nein gesagt hast.“

    Diese Botschaften, sich bloß nicht „missverständlich“ zu benehmen werden jedem heranwachsenden Mädchen – oft schlicht aus Sorge um ihre Sicherheit – täglich eingehämmert. Das heißt, dass viele Frauen schlicht Angst haben, sich offen auf die Suche nach Sexpartnern zu begeben, weil sie dann den „Schutz“ des zurückhaltenden Benehmens verlieren.

    Außer dem „slut scaring“ gibt es natürlich noch andere Gründe, warum Frauen weniger Sexartner haben (wollen?).

    Nicht ganz unwichtig ist die von dir gern angesprochene biologische Asymmetrie. Männer sind, derb gesagt, nach einem ONS eine Hand voll Glibber los. Bei Frauen besteht die Möglichkeit schwanger zu werden. Die Anstrengung durch eine Schwangerschaft wird mit einem Marathonlauf verglichen, körperliche Veränderungen und mit etwas Pech körperliche Schäden sind einzukalkulieren.

    Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen einer Schwangerschaft können ebenfalls verheerend sein.

  63. x,

    „Das ganze endete damit, dass er mich alle 3 Minuten fragte, ob ich nicht doch mit ihm schlafen wolle.“

    Selbst schuld. Andererseits – ich war auch schon mal in so einer ähnlichen Situation auf die ich mir bis heute keinen wirklichen Reim machen kann – war keine ideale Logistik, auf einer Party, weit weg von ihr und mir, wir hatten uns zum zweiten Mal gesehen und da war schon eine ziemliche gegenseitige Faszination und Anziehung, sie fragte mich irgendwann beim (von ihr initiierten) Knutschen „was wir machen sollten damit ich heute noch zum Schuß käme“, sagte mir aber gleichzeitig, daß sie eigentlich keinen Sex wolle, weil sie am Nachmittag mit ihrem Ex geschlafen hatte. WTF? Ich frage mich bis heute, was sie mir *eigentlich* sagen wollte, ob das irgendein Test war, denn wer erzählt jemandem, dem sie gerade erzählt hat, daß er das Beste sei, das ihr seit einer Ewigkeit passiert ist, daß sie keinen Sex will, weil sie vor ein paar Stunden mit ihrem Ex geschlafen hat. Ich war zwar komplett irritiert, aber mir war das zu dem Zeitpunkt ziemlich egal, ich war happy mit ihr und mit dem Rummachen, sie schien begeistert über meine Reaktion, und so habe das Thema auch im Verlauf der nächsten Stunden auf der Party nicht mehr angesprochen. Aber ich frage mich bis heute, was das sollte. Wir sind noch gut befreundet, aber ich habe mich bisher noch nicht getraut, noch mal zu fragen, was das in der Situation egentlich sollte, ob sie mich eifersüchtige machen wollte, ob sie mehr Nachdruck oder Nachfragen wollte. Keine Ahnung. Manche Dinge werden wohl ewig ein Geheimnis bleiben ;)

    „Ich werde selten von Typen angesprochen, die mich interessieren.“

    Das ist ja der Punkt, den Johannes angesprochen hat und irgendwie als „Luxusproblem“ betrachtet, was ja klar ist, wenn er davon ausgeht, daß die meisten Männer eben NIE die Wahl haben, „nein“ zu sagen, weil sie nicht sicher sein können, in absehbarer Zeit wieder in die Situation zu kommen. Ich weiß nicht, wie das prozentual genau aussieht, aber der Mangel an sexuellem Selbstbewußtsein, den ich oben so beschrieben habe –

    „WIR (Männer) haben eigentlich nicht das Gefühl, daß WIR ein ausreichender Grund für ein Wesen, das wir begehren, sein könnten, mit uns Sex zu haben – und WIR können uns schlicht nicht vorstellen, daß Frauen das anders sehen (auch wenn wir das natürlich rational wissen, sonst wären die Frauen ja lesbisch).

    – ist schon weit verbreitet. Schon mal „you got lucky“ in Bezug auf eine Frau gehört? Vermutlich eher nicht.

    Neeva,

    „dass eine sich freizügig gebärdende Frau Gefahr läuft zum Freiwild zu werden und das Recht verliert sich keusch und unnahbar zu verhalten.“

    Freiwild ist was anderes als unnahbar, und freizügig und unnahbar schließen sich schon irgendwie aus – nacheinander geht das, aber nicht gleichzeitig.

    “Wenn du innerhalb kurzer Zeit mit mehreren verschiedenen Männern geschlafen hast, wird der nächste Interessent dein Nein vielleicht nicht akzeptieren und niemand wird dir glauben, dass du Nein gesagt hast.”

    Hmm. Das ist so ein Punkt, den ich eigentlich nicht gelten lassen will, weil er impliziert, daß ein Mann aufgrund weiblichen Verhaltens zum Vergewaltiger wird/werden kann. Und das glaube ich nicht. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann sollten wir unsere Kleiderordnungen und die Koedukation wirklich nochmal überdenken. Ich glaube aber nicht, daß es in Deutschland mehr Vergewaltigungen gibt, als z.B. in Afghanistan, wo die Frauen definitiv nicht mit mehreren Männern schlafen. Gerade wenn man dem feministischen Argument folgt, daß Männer eben keine Tiere sind, sollte man das Argument aus meiner Sicht eher nicht verwenden.

    Und was die biologische Asymmetrie betrifft: Einverstanden. Aber ich hab’s nicht zuerst gesagt ;)

  64. x,

    “Das ganze endete damit, dass er mich alle 3 Minuten fragte, ob ich nicht doch mit ihm schlafen wolle.”

    Selbst schuld.

    Nein und der nächste Kommentar in diese Richtung (slut shaming/slut scaring) wird gelöscht.

    “Wenn du innerhalb kurzer Zeit mit mehreren verschiedenen Männern geschlafen hast, wird der nächste Interessent dein Nein vielleicht nicht akzeptieren und niemand wird dir glauben, dass du Nein gesagt hast.”

    Hmm. Das ist so ein Punkt, den ich eigentlich nicht gelten lassen will, weil er impliziert, daß ein Mann aufgrund weiblichen Verhaltens zum Vergewaltiger wird/werden kann.

    Die meisten hier sind der Meinung, Männer werden nicht automatisch zu Vergewaltigern, die gesellschaftliche Botschaft geht trotzdem in diese Richtung. Das ist ein Unterschied!

  65. Helga,

    „Nein und der nächste Kommentar in diese Richtung (slut shaming/slut scaring) wird gelöscht.“

    Er ist selbst schuld, nicht sie. Ich fand das offensichtlich. Hier muß man aber wirklich aufpassen…

  66. Das „Selbst schuld“ ist einfach missverständlich. Und mir ist es lieber, dass wir alle vor einem Kommentar nachdenken, als immer wild drauflos zu schreiben.

  67. „Und mir ist es lieber, dass wir alle vor einem Kommentar nachdenken, als immer wild drauflos zu schreiben.“

    Jo. Das „immer“ ist aber unfair ;)

  68. OH mein Gott, ich hätte den Disclaimer doch dazuschreiben sollen.

    Die Sätze in Anführungszeichen stellen NICHT meine Meinung dar, noch halte ich sie für legitime Ansichten. Ich hatte versucht, möglichst prägnant darzustellen, wie die Propaganda für „braves Verhalten“ funktioniert und warum viele Frauen Angst haben, als „Schlampe“ identifiziert zu werden. Ich wollte erklären, was der eigentlich machtvolle Teil des „slut shamings“ ist, nicht etwa diese Ansichten unterstützen.

    Mir ist bewusst, dass der beschriebenen Denkweise ein äußerst negatives und problematisches Männerbild zugrunde liegt, das ich ebenfalls für falsch (und gefährlich) halte.

    Es tut mir wirklich leid, wenn das nicht klar wurde.

  69. @ Helga
    Äh …, jetzt habe ich deinen Kommentar noch mal genauer gelesen, ich hab ihn wohl beim ersten Lesen etwas in den falschen Hals bekommen.

    Die Klarstellung ist vielleicht trotzdem nicht am falschen Platz und ich gelobe zukünftiges Nachdenken vor dem Schreiben.

  70. @Neeva: Ich fand sehr klar, was du geschrieben hast. „Slut scaring“ ist ein echt guter Ausdruck dafür.

    Nochmal On-Topic: Im Text kommt es mir, beim zweiten mal durchlese, durchaus so vor, als ob alleine etwas unternehmen eher die Notlösung ist und es eigentlich doch besser ist jemanden dabei zu haben. In Ausstellungen oder so gehe ich zum Beispiel bewusst lieber alleine, weil ich dann solange brauchen kann wie ich will und das ganze in meinen Tempo machen kann…

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