Wer war… May Ayim?

von Magda
Dieser Text ist Teil 14 von 50 der Serie Wer war eigentlich …

May Ayim wurde am 3. Mai 1960 als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers in Hamburg geboren. Sie lebte zunächst in einem Heim und wurde dann von einer Pflegefamilie in Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Ayim studierte Pädagogik und ließ sich in Berlin zur Logopädin ausbilden, war Dichterin, Schriftstellerin, Aktivistin in der anti-rassistischen und feministischen Bewegung in Deutschland und gilt als eine der Begründer_innen der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Ihre Gedichte und Texte erzählen u.a. von ihren Kindheitserlebnissen als Schwarzes Mädchen und den damit verknüpften Erfahrungen mit Rassismus und Sexismus in Deutschland.

Quelle: homestorydeutschland. blogspot.com/

Die 1984 im Rahmen ihres Studiums der Pädagogik verfasste Diplomarbeit gilt als eine der ersten Forschungsarbeiten, die sich intensiv mit der Geschichte von Afro-Deutschen befasst und zum Grundlagenwerk in Deutschland und auch den USA wurde. Ihre Arbeit wurde im Buch „Farbe bekennen – Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ veröffentlicht.

Ayim war 1985 eine der Gründer_innen der inzwischen bundesweiten Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland und 1989 des LiteraturFrauen e.V., ein Verein von und für Schriftstellerinnen in Berlin. Außerdem arbeitete sie jahrelang als Lehrbeauftragte, Sprachtherapeutin und Studienberaterin an verschiedenen Berliner Hochschulen. Ayim unternahm im Laufe ihres Lebens mehrere Reisen nach Ghana, in die USA, sprach auf verschiedenen Konferenzen u.a. in London oder in Toronto und hielt eine enge Freundschaft mit der Dichterin Audre Lorde. In dieser Zeit wählte sie den Namen ihres Vaters und nannte sich fortan May Ayim.

Kurz nach ihrer Diagnose der Multiplen Sklerose beendete Ayim am 9. August 1996 ihr Leben. May Ayim wäre heute 50 Jahre alt geworden.

Im Februar 2010 wurde das bis dato nach dem brandenburgischen Kolonialherren Otto Friedrich von der Gröben benannte Gröbenufer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in May-Ayim-Ufer umbenannt.

May Ayim: „exotik“ (1985)

nachdem sie mich erst anschwärzten
zogen sie mich dann durch den kakao
um mir schließlich weiß machen zu wollen
es sei vollkommen unangebracht
– schwarz zu sehen

(„Blues in Schwarz Weiss“, Orlanda Frauenverlag)

Weiterführende Lesetipps und Ressourcen:




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Eintrag geschrieben: Montag, 3. Mai 2010 um 8:11 Uhr unter Geschichte, Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. Halfjill sagt:

    Wie schön, dass es einen Beitrag zu May Ayim gibt :) Ich kann nur jedem empfehlen das Buch „Farbe bekennen“ zu lesen. Außerdem hat mich der Band „Blues in Schwarz-Weiß“ stark berührt und tut es heute noch. Wer mal sehen möchte, wie May Ayim berformt hat (und das ist sehenswert!): Es gibt den ganz wunderbaren Film „Hoffnung im Herz“, der May Ayim vorstellt und sie unter anderem in Südafrika (wenn mich nicht alles täuscht) beim Vortragen ihrer Gedichte zeigt.

  2. […] Hill Collins, keine Alice Walker, keine Noah Sow, keinen Kobena Mercer, keine May Ayim, keineBessie Head, keinen Achille Mbembe, keine Audre Lorde, keinen Chinua Achebe, […]

  3. […] und Slam: Mit “SOUL SISTER” widmet Natasha A. Kelly May Ayim einen Abend mit Gedichten, Essays und Gesang. Danach wird der Film „May Ayim. Hoffnung im Herz“ […]

  4. […] May Ayim schrieb schon vor fast zwanzig Jahren über ihr Erstaunen und ihre Empörung als sie erst spät (bei der Recherche für ihrer Diplomarbeit zur Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland) erfuhr, […]