Unsere Welt soll offener werden

31. Oktober 2014 von Gastautor_in

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Ich liebe Vorher-Nachher. Ob persönliches Umstyling, die Wohnung umdekorieren, Depressionen überwinden oder aber sich endlich selbst akzeptieren: Von positiven Veränderungsprozessen kann ich nicht genug bekommen. Aus diesem Grund liebe ich Social Media, denn gerade auf Twitter und Tumblr kann man wie bei wenigen anderen Plattformen Leuten beim Denken zusehen. Und unter Umständen beobachten, wie sich Denkprozesse langsam wandeln. Aber von vorn.

Neulich schrieb jemand auf Twitter über ihre Unzufriedenheit mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit und mangelnden Toleranz. Obwohl sie als Deutsche mit türkischen Wurzeln selbst von Rassismus betroffen ist, stellte sie fest, dass sie selbst hin und wieder noch in rassistischen Kategorien denkt. Die Machtverhältnisse und die Verteilung von Privilegien, die um uns herum existieren, reproduzieren wir bisweilen in unseren Köpfen – internalisierte -*ismen ist hier das Stichwort. Es ist ziemlich zerknirschend, wenn man offenbar keinen Deut offener oder respektvoller ist als die Leute, die man kritisiert.

Das Gefühl, eine Hochstaplerin oder Heuchlerin zu sein, kenne ich von mir selbst: Natürlich bin ich selbst Opfer von sexistischen oder rassistischen Gesellschaftsstrukturen, doch ich bin gleichzeitig in vielen anderen Aspekten Täterin, durch mir gewährte Privilegien in dieser Welt: Körperlich nicht behindert, cis, noch nicht alt, heterosexuell, im “Westen” aufgewachsen. Gehe ich wirklich immer respektvoll mit anderen um, etwa wenn sie eine Behinderung haben, nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, queer sind oder trans oder alt? Gucke ich nicht manchmal von oben herab auf Leute, die keinen Zugang zu Bildung haben/hatten? Und was denke ich tatsächlich über die Menschen, die nicht das Glück hatten, im “Westen” aufzuwachsen, und gnadenlos ausgebeutet werden? Weiterlesen »




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„Mein Fett ist Politisch“ – Vortrag & Workshop Tour

30. Oktober 2014 von Magda

Ui, ist das aufregend: In den nächsten Monaten werde ich mit meinem Vortrag „Mein Fett ist Politisch“ und einem Fat Empowerment Workshop ein wenig durchs Land reisen und treffe dann hoffentlich… euch!

In dem Vortrag diskutiere ich Körper- und Gesundheits­mythen, die politische Dimension des Body Mass Index und stelle einige inspirierende Fat Aktivist_innen vor. Beim Vortrag sind alle willkommen, die sich kritisch mit gängigen Schönheits- und Schlankheits­normen auseinander­setzen wollen. Der Workshop richtet sich an Frauen_Lesben_Trans*, in deren Leben Dick_Fettsein und die damit ver­bundenen Erfahrungen und Diskriminierungen eine Rolle spiel(t)en. Der Workshop in Kiel richtet sich speziell an Jugendliche. Alle Infos (inklusive Hinweise zu Barrierefreiheit) findet ihr auf der Terminseite der Mädchenmannschaft. Falls ihr Fragen habt, schreibt mich einfach an: magda[at]maedchenmannschaft[punkt]net – ich frrreue mich auf euch <3.

Flyer

Flyer – Mein Fett ist politisch (zur Großansicht: Klick!)

Kein Bock auf Vorträge oder Workshops? Vielleicht interessieren dich Artikel aus der Reihe „Mein Fett ist Politisch“.




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Zerbrechliche, programmierende, nackte Frauen – kurz verlinkt

29. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

Lust auf Theater? In Berlin werden Afro-Deutsche/ Schwarze deutsche Jugendliche für ein Theaterprojekt gesucht!

Den Vortrag “Die zerbrechliche Frau – Kritik an der Psychopathologie in feministischen Räumen” gibt’s zum Anhören auf freie-radios.net.

feministische studien haben nun einen Blog! Im zweimonatigen Wechsel werden Autor*innen-Duos “ihren Blick auf die Welt und was sich in ihr ereignet” mit uns allen teilen. Den Anfang machen Gudrun Axeli Knapp und Maureen Maisha Eggers.

Chronik eines angekündigten Exzesses“. In der FAZ schreibt Olaf Sundermayer über die Nazi-Demonstration in Köln und wie die “Hoologans” systematisch unterschätzt wurden.

Englischsprachige Links

Bis in die 80er Jahre war der Frauenanteil beim Programmieren wesentlich höher als jetzt. Doch was passierte dann? NPR zeigt auf wie die ersten Computer in private Haushalte zogen, diese ausschließlich für Jungs und Männer beworben wurden und sich eine Frauen ausschließende Geek-Kultur herausbildete.

Autostraddle stellt zwei junge trans Frauen vor. Eine von ihnen hat gerade ein Kinderbuch über ihre frühe Kindheit geschrieben: I am Jazz.

“If there is a lesson for white artists and the institutions that host their work from these recent imbroglios, it is that the intention behind a work is secondary to its impact. And that means they’re responsible for engaging with those who object on the grounds that a piece of work is racist, or bigoted in some other way.”, T. O. Molefe bei der New York Times über Kunst und Rassismus.

Im Essay “How many licks” schreibt Janani Balasubramanian eine kurze Dekonstruktion des Blowjobs, nennt wichtige Akteur_innen der Geschichte und Kunst (Monica Lewinsky, Linda Lovelace, Nao Bustamante) und weist darauf hin, dass ein Blowjob von allen Körperteilen ausgeführt und entgegen genommen werden kann.

Aleah Chapin fabriziert riesige Gemälde, auf denen nackte Frauen dargestellt sind. Im Telegraph erzählt sie, was sie bei ihrer Arbeit über Körper und Unsicherheiten lernte.

Termine in Berlin, Bielefeld und Bonn:

29.10. in Berlin: Solikonzert und Kundgebung für die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule.

06.11. in Bonn: Wohn(t)räume – Junge Migrantinnen stellen aus.

13.11. in Berlin: Spoken Word mit Moona Moon, Azadê, Sarah Mouwani und Bahati. (Hier auch bei Facebook.)

14.11.-24.11. in Bielefeld: Aktionstage Gesellschaft_Macht_Geschlecht (Facebook-Link)

15.11. in Berlin: Ausstellungseröffnung “WIR SIND ALLE BERLINER: 1884-2014. A Commemoration of the Berlin Congo Conference” (Facebook-Link)




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Wann nimmt der deutsche Journalismus endlich die Ängste der Bevölkerung vor Rassismus ernst?

28. Oktober 2014 von Nadine

Wenn 4500 Nazis, unbehelligt von Polizei_Gewalt, durch Köln prügeln, drohen und wüten können und den Medien nichts besseres zur Kommentierung dieser Lage einfällt, als herumzudefinieren, wer von diesen 4500 Terroristen nun Nazi, Hooligan, Randalierer oder Fußballfan war, als wieder einmal zu betonen, dass Deutschland kein Hort von Rassisten ist, sondern von Salafisten, Dschihadisten, Islamisten, als wieder einmal hervor zu heben, dass Hooliganszene und Rechtsradikalismus sich zwar nahe stehen, doch Muslime diesen “-ISten” noch ein bisschen näher, die wir nicht haben kommen sehen, weil bei Waffenexporten und Neokolonialismus und westlichen Großmachtfantasien unser Geschichtsverständnis und unser kritisches Denken aufhört, dann frage ich mich: WTF?!! Solange wir ein bisschen Mitleid für die Toten in Syrien und Irak aufbringen können, wird ein bisschen Verständnis für die verwirrten “Fußballfans”, die sich gestern plötzlich mit den “richtigen” Nazis vereint gegen die “richtige” Sache sahen, wohl erlaubt sein?

Sich selbst als vierte Gewalt im Staat begreifend (wohl wahr!) waren sogenannte Leit- und Qualitätsmedien in Deutschland noch nie etwas anderes als das Sprachrohr einer durch und durch rassistischen und rechtspopulistischen Mitte, die sich immer dann fein vom militanten rechten Rand abzugrenzen und überrascht zu geben weiß, wenn ihre Verantwortung als intervenierende und kritische Zunft am gefragtesten wäre. Sie, die die Meinungsfreiheit und Zensurfreiheit hochhalten, aber in Sachen Meinung eben diejenigen gleicher als andere behandelt werden, die diskriminierenden Müll auf tarifvertraglicher Basis unbehelligt von sich geben können. Diese wenigen selten gewordenen Einwürfe von Aktivist_innen und Wissenschaftler_innen sind doch reine Makulatur. Kritische, linke, feministische und antirassistische Perspektiven werden seit je her wegzensiert und unsichtbar gemacht.

Es muss stutzig machen, solange die Medienbranche zu den homogensten Berufsfeldern Deutschlands gehört, kritische Journalist_innen rausgemobbt und rausgeschrieben werden, wenn Meinungsfreiheit Diskurshoheit von weißdeutschen Besitzstandswahrern bedeutet, Redakteur_innen nicht willens sind, Recherche außerhalb von Wirtschaft, Spitzenpolitiker_innen und Gewaltmonopolizisten zu betreiben, weil es ihrem eigenen Gedankengut widersprechen würde. Wenn Quellen als glaubwürdig und Perspektiven als objektiv gelten, die nichts anderes sind als die Reproduktion von Unterdrückung.

Wenn 4500 Nazis, unbehelligt von Polizei_Gewalt, durch Köln prügeln, drohen und wüten können, ohne dass die Presselandschaft vehement verurteilt und Stellung bezieht und sich selbst in der Verantwortung wähnt, weil sie jeden Tag aufs Neue entscheidet, ob sie das ideologische Futter für diese Scheiße liefern will oder nicht.

Worte sind Waffen. Wann setzt der deutsche Journalismus sie endlich mal für Gerechtigkeit und Verantwortungsübernahme ein?




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Triggerwarnungen, Skinhead-Looks und Anti-Homo-Demo in Stuttgart – die Blogschau

27. Oktober 2014 von Sabine

Nele Tabler schreibt für das Magazin Vice ihre Erfahrungen mit den Bildungsplan-Gegnern auf der Anti-Homo-Demo in Stuttgart auf. Die Aussagen der sogenannten Bildungsplan-Gegner sind homophob, heteronormativ und beinhalten auch eine NS-Rhetorik.

Warum Triggerwarnungen problematisch sind und auch die Vorstellung von schwachen, fragilen Gewaltopfern reproduziert lest ihr auf Identitätskritik.

“Jetzt bewohne ich einen Zwischenort mit der Sammeladresse ‘non-binary’, und das ist erst mal okay so.” Bluespunk über W_ortfindungsstörungen beim Benennen des eigenen Körpers und den Erfahrungen damit.

In Nina LaGrandes Kurzgeschichte geht es um das Innenleben einer “internetaffinen”-Protagonistin beim Bewerbungsgespräch.

Auf Queer Vanity thematisiert Heng die Problematiken hinter Skinhead-Looks, die von weißen Menschen getragen werden.

In der aktuellen Progress erklärt Anne Pohl am Beispiel des #gamergate (wir berichteten), wie stereotype Rollen und organisierte Hasskampagnen miteinander zu tun haben.

Über (Netz)Feminismus als Selbstinszenierung schreibt Nadine auf ihrem Blog Medienelite.

Deutschsprachige Kinder- und Jugendbücher, die queer sindqueerdenke_n mit einem Überblick.

Auf die rassistisch motivierte Frage “Woher kommst du?” kontert Heng auf Tea-Riffic mit witzigen Antworten.




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Selbermach-Sonntag (26.10.2014)

26. Oktober 2014 von Charlott

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Hier ist es unglaublich grau und regnerisch und alles in allem Heiße-Schokolade-Wetter. Beste Zeit, um viele Texte zu lesen, selbst etwas zu verfassen, zu basteln und zu diskutieren. Welche Themen waren in der letzten Woche wichtig? Was hat euch beschäftigt? Worüber würdet ihr gern reden?




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Samstagabendbeat mit Brandy, Yo Yo, MC Lyte and Queen Latifah

25. Oktober 2014 von Anna-Sarah

Vier legendäre Künstlerinnen in einer gemeinsamen Performance anlässlich der BET Hip Hop Awards vor zwei Wochen.




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Zwei Jahre Refugee Protest – Morgen Demo in Berlin

24. Oktober 2014 von Charlott

Morgen, am 25.10.2014, findet in Berlin ab 12 Uhr eine Demonstration unter dem Motto “2 Years Refugee Protest – Enough is enough! We are angry!” (Zwei Jahre Geflüchteten Protest – Genug ist genug! Wir sind wütend!) statt. Die Demonstration starten am Oranienplatz und zieht zur Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauerstraße. Im Aufruf heißt es:

Der Berliner Senat ist zynisch! Während im Kanzleramt mit Frau Merkel am 23.10.2014 über Kosten für Unterkünfte gesprochen wird, werden in Berlin fast 100 Menschen auf die Straße gesetzt. Zwangsgeräumt ohne Ankündigung! Alle waren Teil des Abkommens vom Oranienplatz. Der Senat wiederholt seinen Wortbruch und die Politik der Polizeigewalt. Alles passiert zu einem Zeitpunkt, wo der Winter naht und EU-weit unter dem Titel „Mos Maiorum“ mit tausenden von Polizisten nach Refugees gefahndet wird.

Ende Oktober soll auch noch die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauerstraße erneut geräumt werden. Im Juni/Juli 2014 ist die Räumung trotz 10 Tage Belagerung durch die Polizei gescheitert. Niemand löst sich in Luft auf. Eine Bewegung lässt sich nicht räumen. Die Politik des Wortbruchs und der Abschreckung von Senat und Bezirk funktioniert nicht. Wir werden die Schule nicht verlassen, wir werden weiter um unsere Rechte kämpfen. Wir haben viele Projekte begonnen, von einer Druckerei, einem Café, einer Fahrradwerkstatt über den International Women Space bis zu Theater und Musik. Unsere NachbarInnen stehen an unserer Seite.

Berlin muss sich endlich öffnen! Wir wollen in der Stadt leben, nicht außerhalb in Lagern. Containerdörfer mit Betreiberfirmen, die durch schlechte Lebensbedingungen für Refugees viel Geld verdienen sind keine Lösungen. Sie sind Menschenunwürdig! Die bekannt gewordenen Misshandlungen und Folter in Unterkünften, zuletzt in NRW sind keine Einzelfälle.

Alle haben das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und auf eine Perspektive.
Die Solidarität und Entschlossenheit unserer Bewegung ist riesig!
We say, we stay!
Residenzpflicht und Lager abschaffen!
Abschiebungen stoppen!
Zugang zu Arbeit und Bildung!
Bewegungsfreiheit für alle Menschen!
My right is your right!

Im Anschluss wollen die Teilnehmer_innen gemeinsam zum Brandenburger Tor, wo ab 14 Uhr eine Kundgebung zu „10 Jahre FRONTEX – Kein Grund zum Feiern!“ stattfindet. Auf der Seite von Asylstrike Berlin findet ihr auch den oben zitierten Aufruf auf Englisch, sowie weitere Aufrufe zur Unterstützung (beispielsweise mit Schlafplätzen).

Zum Weiterlesen: Unser Dossier zu Flucht, Asyl und Protest.




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Wurst, Waffen, Weihnachtsgeld – Wie sind die Deutschen?

23. Oktober 2014 von Gastautor_in

Wir freuen uns über einen Gastbeitrag von Pelitan (kurdisch für Schmetterling). Pelitan kommt aus einem kurdischen Umfeld, was x Leben sehr beeinflusst, studiert und ist in antirassistischen Zusammenhängen politisch aktiv. Pelitan beschreibt in ihrem_seinen Text Erfahrungen als Nicht_Deutsche.

Im Waschsalon meines Wohnheimes fragte mich ein französischer Student, wie die Deutschen seien? Wie sie beschrieben werden könnten? Wie sie denn im Gegensatz zu den Französ*innen seien?

Ich war überfordert über diese typische Frage. Oft hatte ich sie schon gehört und doch weiß ich jedes Mal nicht, was ich antworten soll. Mal versuche ich zu erklären, dass ich keine “richtige” Deutsche sei. Vielleicht komme ich damit leichter weg und sie bohren nicht weiter nach bzw. wir reden dann über das andere Ich von mir. Ich würde ja auch sonst was falsches vorspielen, wenn ich mich einfach als stinknormale Deutsche ausgebe, oder?…Dann versuche ich es mal mit der Vielfältigkeit der Deutschen, dass es halt freundliche gibt und welche, die eher verschlossen sind. Die älteren Deutschen sind nicht wie die jungen. Und so weiter… Ich drücke mich um die Antwort herum, aber was soll die Frage eigentlich überhaupt?

Ja, die Deutschen sind vielfältig, ich kann sie wie alle anderen Staatsgemeinschaften nicht in eine Schublade stecken. Auch wenn ich mein ganzes Leben in Deutschland verbracht habe, habe ich keine konkrete Antwort. In der Schule war ich von Anfang an immer in einer Klasse, in der es fast alle Jahre durchgängig mehr nicht “Ur-Deutsche” gab. Musste wohl an meinem Viertel liegen. Sind sie, sowie ich über mich beschrieb, nicht “richtige” Deutsche? Erst im Studium habe ich gemerkt, wie viele Deutsche es wirklich gibt. Und ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die nicht wissen, dass Hassan und Sergej nicht in jeden Club kommen. Oder, dass nicht alle Menschen in Deutschland automatisch die gleichen Rechte haben.

Wann ist jemand Deutsch? Ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit, aber Alltagserfahrungen haben mir gezeigt, dass ich trotzdem nicht dazu gezählt werde? Sie loben mich dafür, dass ich so gut deutsch spreche? Oder fragen mich, wie das und jenes denn bei “uns” sei, also bei mir und meinesgleichen? Ich werde Deutsche mit Migrationshintergrund genannt, um zu betonen, dass ich Deutsche bin, aber halt nicht richtig. Der Einfluss meiner wirklich migrantischen Flüchtlings-Eltern haftet noch zu sehr an mir. Ich bin ja erst die zweite Generation hier. Das türkische kurdisch sunnitisch-muslimische Blut fließt doch in mir, egal wie oft ich Ostereier in der Schule angemalt habe? Für welches Land schlägt mein Herz mehr? Eine Frage, die selbstverständlich gestellt wird, da ich ja von meinem äußeren Erscheinungsbild irgendeine andere Herkunft, Heimat, Nationalität, Universum, Galaxy haben muss. Auch wenn das aus Generationen vorher stammt. Ich kann gar keine richtige Deutsche sein.

Also was soll ich denn nun antworten, wie sind die Deutschen?

Naja, manchmal zünden sie Asylbewerber*innenheime an. Oder sie bezahlen die Waffen, die im Ausland Menschen töten. Sie fragen dich beim Einkauf manchmal: Darf es noch etwas sein?
Manchmal halten sie dir die Tür auf und manchmal nicht. Manche fahren jeden Sommer in den Urlaub, vielleicht nach Südfrankreich, wenn sie das Weihnachtsgeld gespart haben oder vielleicht nach Italien. Wenn es hoch kommt, fahren sie Ski fahren in den Alpen. Wenn sie nicht in Urlaub fahren können, haben sie wenigstens ein Auto. Das ist wie Urlaub. Viele fliegen oder vielmehr fahren oft in die Türkei. Manchmal gehen manche freitags in so etwas wie eine Moschee, wo sie die muslimische Gemeinschaft treffen. Andere aber freuen sich einfach nur, dass es Wochenende ist. Viele haben einen Gemüsewarenladen oder eine Imbissbude, wo es Döner gibt, das Nationalgericht der BRD.

In Kleingartenvereinen siehst du manchmal viel Rauch vom Grillen und große Familien oder ältere Menschen, die Gemüse anpflanzen. Manchmal heiraten sie ganz groß mit von überall angereisten Verwandten in gemieteten Hallen für die sie eigentlich kein Geld haben oder sie gehen in die Kirche, um sich zu sagen, “bis dass der Tod uns scheidet”. Aber dann scheiden sie sich doch vorher. Manchmal arbeiten sie zu wenig und manchmal zu viel. Manchmal haben sie viele Kinder, aber meistens wenig. Manchmal sollen die Kinder Klavier spielen, doch manchmal gucken sie lieber zu viel Fernsehen. Manchmal studieren sie BWL oder sie machen eine Lehre zur Zahnarztassistentin. Manchmal kaufen sie sich ein Iphone und manchmal abonnieren sie die “Bild am Sonntag”. Manchmal essen sie viel Fleisch, vor allem Wurst und manchmal essen sie überhaupt kein Fleisch. Manchmal mögen sie leider Schwule nicht und manchmal mögen Schwule leider leider lilablassblauneonkarierte Bügeleisenbretter nicht.

Manchmal reisen sie nach dem Abitur nach Afrika, muss ja einmal im Leben wieder alles gut gemacht werden. Manchmal trinken sie ein Feierabendbier oder gehen in anderen Häusern putzen. Manchmal ist ihnen das Geld wichtiger als Familie zu haben und manchmal ist Familie wichtiger als das Gesetz. Wenn Spanien gewinnt, freuen sich manche und andere nicht. Manchmal sprechen sie hessisch, badisch oder sächsisch. Manche können auch Mandarin und Berberisch. Manche mögen Stuttgart viel lieber als Berlin.

Sie sind wie du und ich. Oder halt nicht.




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Falsche Körper? Falsche Welt! – kurz verlinkt

22. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Charlotte Wiedemann schreibt in der taz über den Wert weißen Lebens vor dem Hintergrund internationaler Geflüchtetenbewegungen, IS, Syrien, Irak, Ebola und den Weltkriegen: “Syrien und Irak: Die Toten in ein und derselben Region sind von ganz unterschiedlicher Wertigkeit – je nachdem, welches Verhältnis der Westen zu den Mördern hat. [...] Wer auf einer Weltkarte sieht, welche Länder die meisten Flüchtlinge aufnehmen, könnte glauben: Der Wert des Lebens gilt mehr außerhalb von Europa.”

“Polemiken gegen den „Genderismus“ und „political correctness“ sind nicht neu, zeugen aktuell jedoch davon, wie ein aggressiver Antifeminismus versucht, politisch an Einfluss zu gewinnen”: Der Beitrag “Antifeministische Allianzen” des Antifaschistischen Infoblatts ist nun auch online verfügbar.

Den Aktivist_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin droht wieder eine Räumung, berichtet heute ganz aktuell die taz. Eine Pressemitteilung der Bewohner_innen findet ihr auf asylstrikeberlin.

englischsprachige Links

Alok Vaid-Menon schreibt bei MTV über das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nur genau zwei Geschlechter zu lässt, wenn eine_r selbst keinem dieser Geschlechter angehört: “This is not a story about being born in the wrong body. This is the story of being born in the wrong world. This is the story of being told who we are without our consent.”

Die US-amerikanische Spielentwicklerin Brianna Wu schreibt über die Hass- und Mobbingkampagne #gamergate gegen sie und andere profilierte Gamerinnen – und beschreibt, welche massiven Anstrengungen die Hater unternehmen, um diese Frauen persönlich zu schädigen, nicht “nur online”, sondern auch im “realen Leben”.

Bei Dazed gibt es ein Interview mit der finnischen Fotokünstlerin Liu Susiraja.

Mae Carol Jemison, die erste afroamerikanische Astronautin, hatte vorige Woche Geburtstag. Zu diesem Anlass twitterte Afropunk das Video der Keynote, die Jemison im Frühjahr auf der Women of Color Task Force Conference gehalten hatte.

Jezebel berichtet über “die erste und bisher einzige” Trans*frau bei der New Yorker Feuerwehr, Brooke Guinan, und ihren Einsatz gegen Diskriminierung.

Anlässlich der australischen National Week of Deaf People (nationalen Woche der gehörlosen Menschen) berichtet Sarah Kienbort im Guardian über die Vorteile von Gebärdensprachen und die Erfahrungen, die sie als hörende Mutter einer gehörlosen Tochter macht.

In Dänemark, so ist bei Gay As Us nachzulesen,  haben neue Richtlinien die medizinische Situation für trans Personen verschlechtert.

Beim Guardian schreibt Chimamanda Ngozi Adichie über ihren Weg zu einem feministischen Selbstverständnis.

Termine in Berlin, Mannheim

Berlin: Elektronischer Donnerstag im Schwuz – your local girl gang! (Facebook-Link)

Mannheim: Am 25.November findet die Protestkundgebung “Reclaim the Night – Wir fordern die Nacht zurück” (Facebook-Link) statt.




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