Der mädchenblogverlinkte gerade einen Artikel über die Situation der Komikerinnen in Österreich. In Deutschland wird die Situation ähnlich sein – obwohl es durchaus viele Texterinnen gibt, sind diejenigen, die auftreten, männlich. Die Führungsetagen sind weiterhin von Männern besetzt, die auch nur Männer empfehlen, bis hin zum konkreten Limitieren der Teilnehmerinnenanzahl. Und entgegen dem Klischee „Frauen sind nicht witzig” seien humoristische Auftritte von Frauen gesellschaftlich einfach nicht akzeptiert, so Kabarettistin Susanne Pöchacker:
„Kollegen bei ‚Was gibt es Neues‘ [können] durchaus von ‚Orschbudern‘ reden, und wenn ich einmal das Wort ‚Tampon‘ nenne, werden’s alle komplett weiß – als hätte ich auf den Tisch gekotzt. Das ist ein Unterschied!”
Wenn dann doch mal eine Frau ins Rampenlicht gerückt wird, dann auch nur in ebendieser Eigenschaft¹:
Die Journalistin Bettina Eibel-Steiner wurde von ihrem Chefredakteur gefragt, ob sie eine humoristische Kolumne in Anlehnung an „Das Tagebuch der Bridget Jones” schreiben möchte. Es sollte kein Kommentar im klassischen Sinn sein (nicht tagesaktuell), sondern das „weibliche Lebensumfeld” behandeln: „Es ging darum, dass einmal eine Frau schreibt”, sagt Eibel-Steiner.
¹ vgl. Sarah Haskins‘ Qualifikation in Target Woman: Woman.
In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von gestern schreibt der Feuilleton-Redakteur Jörg Thomann über das Phänomen sich selbst entblößender Mädchen und junger Frauen. Anlass für seinen Text ist das neue Buch von Natasha Walter, “Living Dolls. The Return of Sexism”.
Von den Castingshows, kritisiert Natasha Walter, lernten Frauen, das Aussehen und das Verhalten anderer Frauen permanent zu bewerten – und sie erlebten, dass jene, die dem vermeintlich objektiven Anspruch an weibliche Attraktivität nicht genügen, aussortiert werden. Ein gesundes Selbstbild entsteht so nicht. Laut der „Bravo“-Studie 2009 sind nur noch 56 Prozent der befragten Mädchen zwischen elf und 17 Jahren mit ihrem Aussehen zufrieden und nur 54 Prozent mit ihrem Gewicht.
Nun empfinde ich das Sichzurschaustellen in dummen Casting- oder Reality-Shows nicht als typisch weibliches Phänomen – lassen wir mal Singwettbewerbe außen vor, denn da geht es ja tatsächlich um so was wie Können. Auch männliche Big Brother-Bewohner oder Bachelorette-Kandidaten fallen nicht unbedingt durch ihre Scharfsinnigkeit oder durch sonstige besondere Talente auf. Da geht es dann auch eher um die schnittigere Frisur oder den größeren Bizeps als um den höheren Bildungsabschluss.
Natasha Walters Befürchtung allerdings, das Frauenbild reduziere sich durch mediale Eintönigkeit auf Attraktivität und Wohlgeformtheit des weiblichen Körpers, die teile ich. Es ist nichts Neues, dass Frauen nach ihrem Aussehen bewertet werden, das passierte Dagmar Berghoff in ihren Anfangsjahren als Nachrichtensprecherin sicherlich genauso. Der große und vor allem schwerwiegende Unterschied ist nun allerdings, dass viele junge Frauen – und auch ältere, siehe Simone Thomalla, Madonna und viele andere – nach ihrem Äußeren bewertet werden wollen. Und zwar nicht nur im TV, sondern auch im Internet.
Sie definieren so weiblichen Erfolg selbst und aktiv als eine Sache von Attraktivität, geringem Körpergewicht, schönen Haaren, prallen Brüsten, flachen Bäuchen um. Und das ist tatsächlich ein erschreckender und massiver Rückschritt in der Emanzipation von Frauen.
Hopp, Hopp – raus aus den Federn und ran an den Selbermach-Sonntag. Schreibt auf, was euch diese Woche -abgesehen von den Temperaturen – hat bibbern lassen.
Hintergrund ist das Vorhaben des Studierendenparlaments der Justus-Liebig-Universität Gießen, sich eine neue Satzung zu geben – in dieser sollen die autonomen Referate zwar erwähnt werden, aber ihr Stimmrecht soll gravierend eingeschränkt werden. Bisher durften die Referentinnen (für das autonome Frauenreferat sind derzeit drei Referentinnen aktiv) noch mit einer Stimme pro Person an Abstimmungen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) teilnehmen, nun soll sich jedes Referat mit einer Stimme begnügen. (…)
Daher ruft das autonome Frauenreferat der JLU Gießen zur Unterstützung auf: „Wir wollen uns nicht geschlagen geben und auf ein Wunder hoffen, wir brauchen Menschen, die zur Sitzung am 11.02. kommen, wir brauchen Presse, die vor Ort und/oder breit darüber berichtet, wir brauchen euch für alles, was euch zur Unterstützung einfällt. Denn wir wollen keine Unterdrückung mehr für Frauen, die sich selbst vertreten wollen!“ so Karoline Klamp-Gretschel, autonome Frauenreferentin im AStA der JLU. (…)
Der Autonome Frauenrat macht darauf aufmerksam, dass die Beschneidung des Stimmrechts nur der “erste Schritt auf dem Weg zur Abschaffung der autonomen Referate” sei. Neben dem Frauenreferat zählen dazu auch das Schwulenreferat und das Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende. “Die weitere Marginalisierung dieser Gruppen wäre ein Skandal und muss verhindert werden” so Sarah Rögl, AStA-Frauenreferentin seit 2007.
Eine kleine Beobachtung für diejenigen, die ihren Blick auch mal vom Rechner weg bewegen: Die Tage werden wieder länger! Deshalb, ein erhellender Blick auf die Blogs in dieser Woche:
Antje Schrupp schlägt den Bogen von Haiti, wo just nur noch Frauen an den Verteilstationen Lebensmittel erhalten sollen, zu unserer Kultur und der Forderung nach mehr Frauen in verantwortlichen Positionen. Ob wir Frauen diese Verantwortung besser zu nutzen wüßten…
L-Talk berichtet über die Firmenidee zweier Investmentbanker, Anlagenfonds und Vermögensverwaltung speziell für eine lesbische, schwule, bi- oder transsexuelle Unternehmens-Zielgruppe anzubieten.
Auf ihren Artikel “Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten. queerende Perspektiven auf ökonomische Praxen der Transformation” auf der neuen arranca!-Seite weistI heart Digital Life hin. Im neuen Webauftritt können außerdem alle seit 1993 erschienen arranca!-Artikel eingesehen werden.
Der Väter-Blog gibt einen Buch-Tipp ab: Das Papa-Handbuch erklärt unter anderem, wie sich das Sex-Leben junger Eltern wieder aktivieren lässt.
inFemme ist die Missy-Gastbloggerin des Monats. In ihrem ersten Beitrag schreibt sie über das Humankapital “Promi” und freut sich über Kommentare und Anregungen.
diestandard.atnennt erschreckende Zuwachsraten im hirnlosen Trend der Intim-OP: Allein in Deutschland ist der Anteil um 30 Prozent gestiegen. Kostet auch bloß 6.000 Euro so ein Eingriff.
Für mehr Selbstbewusstsein im Unterleib empfehle ich Beckenbodentraining. Da kommt der Hinweis des Mädchenblogs, dass die Feministischen Studien Artikel zum Thema “Sport” suchen, doch genau richtig. Außerdem zeigt das Autorinnen-Kollektiv folgenden Spot – Hintergründe lest ihr im Mädchenblog
Heute, am 6. Februar, ist der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Er wurde 2003 von der First Lady Nigerias, Stella Obasanjo, ins Leben gerufen. Genitalverstümmelung wird bis heute durchgeführt, wie dieStandard.at berichtet:
155 Millionen Frauen haben diesen grausamen Eingriff in ihrer Kindheit erleiden müssen und man geht davon aus, dass täglich weitere 7000 Mädchen – vor allem in west- und nordafrikanischen Ländern – Opfer dieses “Rituals” werden. Rund drei Millionen Mädchen sterben laut Schätzungen des internationalen Kinderhilfswerks UNICEF an den Folgen.
Terre des Femmes setzt sich in diesem Jahr dafür ein, dass Genitalverstümmelung in Deutschland in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen wird, damit die Krankenkassen die Kosten für medizinische Behandlungen und umfassende Beratungsgespräche übernehmen.
Gerade schließe ich mein Studium ab und beginne somit, eine Arbeitsstelle zu suchen. Nach den ersten drei Ablehnungen kann ich definitiv sagen: Es gab schon erbaulichere Phasen in meinem Leben, aber keine Angst, ich bin fest davon überzeugt, dass das schon noch wird.
Ob es an den ArbeitgeberInnen liegt, bei denen ich mich bewerbe, oder ob es sich wirklich schon flächendeckend so eingebürgert hat, weiß ich nicht, aber den Spruch „… bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt …“ finde ich in jeder Stellenausschreibung. Und ich muss sagen, ich finde das gut – selbst wenn ich dadurch einen Job mal nicht bekommen sollte. Lustig finde ich aber schon, dass ich schon von mehreren Seiten auf diese Tatsache angesprochen wurde – und dies meist im Brustton der Empörung.
Ich kann mich dem nicht anschließen und das hat auch seinen Grund. Gehen wir doch einmal davon aus, dass beide wirklich gleich qualifiziert sind, warum dann den Mann bevorzugen? Frauen wurden und werden in unserer Gesellschaft und explizit auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt und diskriminiert, diese Benachteiligung schrittweise abbauen zu wollen, finde ich mehr als nur fair. Und wenn beide „gleich“ sind, muss ja einer bevorzugt werden.
Das Morden hört nicht auf. Wie der Guardianberichtet, ist in Kahta, einer Kleinstadt im Süd-Osten der Türkei, eine 16-Jährige von ihren eigenen Verwandten bei lebendigem Leib begraben worden. Begründung: die Ehre der Familie.
Offenbar hatte das Mädchen, eines von neun Kindern, den Zorn des “Familien-Rats” auf sich gezogen, weil sie mit jungen Männern Kontakt hatte. Das Mädchen war im November vermisst gemeldet worden. Die Polizei fand ihre Leiche im Dezember, scheinbar auf Hinweis durch einen Informanten, in einem zwei Meter tiefen Grab im Garten der Familie. Ihr Vater wurde verhaftet, genau wie ihr Großvater, der sie offenbar schon öfter wegen ihrer Frendschaften mit Jungs geschlagen hatte.
Die Leiche war an den Händen gefesselt und in sitzender Position; in ihrem Bauch und in ihrer Lunge wurden große Mengen Erde gefunden, was bedeutet, dass sie noch am Leben und bei Bewusstsein war, während sie von ihrer Familie hingerichtet wurde.
Bei einem derartigen Hass und einer solch klaffenden Abwesenheit von Liebe, Fürsorge oder Respekt ist es schwer, auf irgendeine Form von Verbesserung der Situation von Frauen in dieser Region zu hoffen. Ich weiß nicht, ob man eine ganze Region in Massentherapie schicken kann, ob Bildung, Aufklärung oder sonst irgendwelche Veränderungen der Rahmenbedingungen hier überhaupt etwas ändern können. Gesetze tun es ja offenbar nicht, denn immerhin sind so genannte Ehrenmorde in der Türkei ja mittlerweile strafbar. Und trotzdem werden sie dort um die 200 Mal im Jahr verübt.
Die US-amerikanische Publizistin, Mitbegründerin und erste Präsidentin der amerikanischen Frauenorganisation National Organization for Women (NOW) wurde am 4. Februar 1921 geboren und verstarb vor vier Jahren an ihrem 85. Geburtstag an Herzversagen.
Betty Friedan / Quelle: womenshistory.about.com
In den 1960ern und 1970ern, in denen sich feministische Theorien in der amerikanischen akademischen Welt etablierten, kritisierten viele FeministInnen wie Betty Friedan die auf der öffentlich/privaten Sphäre basierenden Ideologie, welche die Frau auf die Rolle der Hausfrau und Mutter und den Mann auf die Rolle des Familienernährers und Verdieners reduzierten. Obwohl Frauen seit mehreren Jahrzehnten wählen konnten, Zugang zu Universitäten und den meisten Berufen hatten, konnte man noch nicht von Gleichberechtigung der Geschlechter sprechen. Friedan erforschte mit ihrem Bestseller The Feminine Mystique (1963, “Der Weiblichkeitswahn”) das “Problem, das keinen Namen hat” und resümierte, dass gleiche Ausbildungschanchen und berufliche bzw. ökonomische Eigenständigkeit der Schlüssel zur weiblichen Unabhängigkeit sei und somit die Gleichstellung von Mann und Frau gewährleiste.
KritikerInnen warfen Friedan vor, die Situation von wohlhabenden und weißen (Haus-)Frauen verallgemeinernd als Situation aller Frauen zu beschreiben. Probleme armer und/oder women of color und ihre Erlebnisse mit der Arbeitswelt und/oder Rassismus thematisierte sie kaum. Auch stand sie dem Einfluss lesbischer Frauen auf die Organisation NOW kritisch gegenüber.
Trotz der Kritik gilt Friedan als eine der wichtigsten TheoretikerInnen der akademischen und politischen Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre.