May Ayim Tag

25. April 2014 von Charlott

Vom 02.-04. Mai finden in Berlin anlässlich des 54. Geburtstags, den die Dichterin, Wissenschaftlerin und Aktivistin May Ayim dieses Jahr begehen würde, eine Reihe von Veranstaltungen statt. Organisiert haben diese ADEFRA, ISD, Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, Berlin Postkolonial und AfricAvenir. Am 02. Mai wird es eine Eröffnungsveranstaltung geben und am 04. Mai ein kritischer Rundgang durch das “Afrikanische Viertel”. Im Fokus steht aber natürlich das eigentliche Geburtstagsdatum 03.Mai, der May Ayim Tag.

An diesem Tag wird es im Spreeraum (May-Ayim Ufer 9) Lesungen, Musik, Performances und Diskussionen geben – ergänzt durch ein Kinderprogramm. Die genauen Details lassen sich in der Broschüre online nachlesen.

Zur Einstimmung könntet ihr euch ein Video aus dem letzten Jahr zur Performance I Step on Air anschauen (Generalprobe im Rroma Aether Klub Theater). Die von Oxana Chi konzipierte Performance wird auch am 03. Mai um 15 Uhr aufgeführt. In der Beschreibung zum Video hieß es:

Die zeitgenössische feministische Schriftstellerin May Ayim (geb. 1960 – gest. 1996) schrieb in ihren Gedichten, was viele Schwarze Menschen und PoCs fühlen, denken und erleben. Sie gab dem oft Unsagbaren eine Stimme und setzte diesen Buchstabe für Buchstabe in die Öffentlichkeit. Schwungvoll einen Augenblick ihrer Persönlichkeit – zwischen außergewöhnlicher Stärke und Offenheit und schmerzender Gefangenschaft – zu erhaschen, berührt die Tänzerin mit ihrem Fuß die Luft und setzt entschlossen die erste Spur auf den Boden. Die Bewegungsstruktur den Betrachtenden ohne Bevormundung und Belehrungen näher zu bringen, ist der Ausgangspunkt, aus dem die Tänzerin Oxana Chi federleicht hinaus springen wird.

I Step on Air – Oxana Chi from oxanachi on Vimeo.




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Ein Chelsea Manning-Statement und Twitter-Feminismus – Kurz Verlinkt

24. April 2014 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links:

Die queere Punk Band Friend Crush aus Berlin hat einige Songs online gestellt.

Diskriminierungssensible Zusammenarbeit jenseits von Öffnungsprozessen: LesMigraS veröffentlichte Gedanken und Anregungen zum Thema.

In dieStandard ging es darum, wie die Debatte um Gleichberechtigung unter anderem durch Mainstream-Publikationen (“Tussikratie”) immer wieder auf ein niedriges Niveau gebracht wird.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin und das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. (apabiz) haben den achten  Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus veröffentlicht; hier könnt Ihr ihn downloaden.

Englischsprachige Links:

Twitter als zentrales Tool für feministische Bewegungen: Yay or nay? Dazu könnt Ihr auf The Nation einen interessanten Artikel lesen.

Juhu, die Eisner-Nominierungen (quasi die Oscars der der Comic-Welt) sind draußen! 30 Kategorien, 160 Nominierte, davon… 35 Frauen… Tja. Aber die sollten erst recht gefeiert werden, findet autostraddle!

What genitals have to say about gender? Yori Gagarim hat sie gefragt und ein ganzes Comicbuch dazu fabriziert.

Chelsea Manning hat ein Statement zu ihrem Namenswechsel geschrieben.

Termine:

Vom 23. April bis 9. Juli findet an der Humboldt-Universität zu Berlin das Afrikakolloquium: Rwanda Beyond ’94 statt; jeweils von 18:00 bis 19:30 Uhr, mittwochs, im 2-wöchigen Abstand.

Am Samstag planen die NPD und andere extrem rechte Gruppierungen durch Berlin-Kreuzberg (und am 1. Mai durch Neukölln) zu marschieren. Protestaktionen des Bündnisses “Berlin Nazifrei” findet ihr hier (Facebook-Link) und hier.




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Blau ist eine warme Farbe

23. April 2014 von Magda

Eine Begegnung, ein Lächeln – um die Schülerin Clementine ist es geschehen. Doch wer eine kitschige Liebes­geschichte mit flatternden rosa Herzen erwartet, wird von “Blau ist eine warme Farbe” auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

blau ist eine warme farbe

Die Graphic Novel der französischen Zeichnerin Julie Maroh ist düster und beklemmend. Nur ab und zu sticht das Blau durch die sonst farblich gedeckten Zeichnungen – die blauen Haare von Emma, das blaue Tage­buch von Clementine. Die Kunst­studentin Emma wird zu Clementines großer, einziger Liebe; die Tage­buch­einträge führen durch ihre Geschichte, die rück­blickend erzählt wird. Als Emma am Anfang der Erzählung Clementines Tage­buch in der Hand hält, sind bereits viele Jahre seit der ersten Begegnung ver­gangen und Clementine bereits gestorben.

Das Original “Le Bleu est une couleur chaude” wurde 2010 ver­öffentlicht und seitdem in elf Sprachen übersetzt. Es ist eine einfühlsame, ehrliche Erzählung über zwei junge Frauen, die ohne beschönigende Schnörkel auskommt: Unsicher­heiten, Verzweiflung, kurze Momente des Glücks, Verletzungen, Erwachsen­werden und Homofeindlichkeit. Im Mittelpunkt steht der Alltag junger Menschen, die jenseits von hetero begehren, inklusive der harten Realität des Verstoßen­werdens von den eigenen Eltern, Mobbing in der Schule. Aber da sind auch die wichtigen Momente des Zusammen­halts, der Freund­schaft.

Ich habe die englisch­sprachige Version des Buches in wenigen Stunden verschlungen. Es ist ein bedrückendes Buch, weil der Tod und der Schmerz so dominieren. Aber es berührt, gerade weil Zuneigung in diesem Buch so komplex, so ehrlich beschrieben wird.

Die Graphic Novel unterscheidet sich im übrigen sehr vom gleich­namigen Film, der im letzten Jahr in Cannes die goldene Palme gewann. Julie Maroh, die in ihrem knapp 160-seitigem Werk nur auf wenigen Seiten explizite sexuelle Handlungen darstellt, kritisiert auf ihrem Blog die heteronormative Ästhetik der wohl an ein hetero-Publikum gerichteten langen und ausgiebigen lesbischen Sex­szenen im Film.




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Selbermach-Sonntag (20.4.2013)

20. April 2014 von Nadine

Wer nicht mit dem Eier-Suchen beschäftigt ist, hat hier und heute die Gelegenheit, die faulen Eier der letzten Woche zu kommentieren. Oder tolle Videos und Podcasts zu verlinken oder auf eigene Texte oder Texte von anderen zu verweisen, die euch begeistert haben. Die Mädchenmannschaft wünscht entspannende freie Tage.




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Fetter Flashmob 2014!

19. April 2014 von Magda

Eine ganz fett_astische Idee hatte die US-amerikanische Burlesque-Performerin und Schauspielerin Juicy D. Light: Ein fröhlicher fetter Flashmob, inklusive Mitmach-Anleitung als Video. Am 3. Mai heißt es dann: Fetter Tanz, fette Freude, fette Selbstliebe, so wie du kannst, so wie du magst.

Klingt spannend? Juicy freut sich über Flashmob-Organisator_innen auf der ganzen Welt, schreibe einfach an: ms.juicydlight(AT)gmail.com .

Und hier geht’s zur ausführlichen Anleitung der Choreographie.




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Pinkstinks, deutsche Geschichtsverdrängung und tödliche Folgen rassistischer Gesetze – die Blogschau

19. April 2014 von Nadine

Danger! Bananas veröffentlichen auf ihrem Blog ein Update zum Heimathafen Neukölln in Berlin. Der Ort war durch ein rassistisches Ausstellungsmotiv, auf dem die Geschäftsführerin des Heimathafens abgebildet ist, in die Kritik geraten. Ein breites Aktionsbündnis hat erreicht, dass es nun wenigstens eine offizielle Stellungnahme der Verantwortlichen gibt. Eine Aufarbeitung des Vorfalls steht allerdings weiterhin aus.

Distelfliege hat sich den vergangene Woche auf Buzzfeed.com veröffentlichten Privilegientest vorgeknöpft und kommt zu dem Ergebnis: “Billiges Punktezählen statt Nachdenken über Privilegien“.

Women in Exile berichten über die lebensgefährlichen Folgen des Asylbewerberleistungsgesetzes, nachdem erneut einer asylsuchenden Mutter medizinische Versorgung für ihr ein Monate altes Baby versagt wurde, weil sie keinen Behandlungsschein des Sozialamtes vorzeigen konnte. Das Baby verstarb daraufhin.

Merle Stöver hat was gegen die sexistische Aufladung der Farbe Pink. Und gegen die Aktionen der Organisation, die der sogenannten “Pinkifizierung” den Kampf angesagt haben: Pinkstinks. Merle arbeitet in ihrem Text die sexistischen Grundhaltungen von Pinkstinks heraus. (Der Beitrag ist zur Zeit offline.)

Migazin analysiert und kritisiert das ominöse Zeugensterben im Rahmen der NSU-Ermittlungen und des Prozesses selbst. NSU-Tatort Hamburg hat ein Interview mit einer Nebenklägerin des Prozesses geführt.

A++ Ranting nimmt die geschichtsvergessene Petition von BILD und BZ, die ein sowjetisches Ehrenmal am Brandenburger Tor entfernen lassen wollen, auseinander: “Der Wunsch nach Beseitigung von Erinnerungen an die Niederschlagung des Nationalsozialismus ist Symptom des deutschen Zeitgeistes des Vergessens und Verdrängens.”

Hannah C. Rosenblatt schreibt über eines der üblichen Dinge, die Feminist_innen, Anti-Gewalt-Aktivist_innen und Betroffene von sexualisierter Gewalt auch dank der Berichterstattung der Mainstreammedien täglich hinnehmen müssen: Fortschreibung einer Vergewaltigungskultur, Verharmlosung von Gewalt und die Fokussierung auf Täter_innen und ausübende Personen von sexualisierter Gewalt.




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Steigt die politische Beteiligung von Frauen in Afrika wirklich an?

18. April 2014 von Gastautor_in

Minna Salami schreibt, spricht und engagiert sich zu Themen rund um Afrika, Diaspora und Feminismus. Sie betreibt den preisgekrönten Blog, MsAfropolitan, und gehört dem Duke University Educator Network sowie dem Guardian’s (UK) Africa Network an. Minna hat einen Master of Arts in Gender Studies von der University of London, School of Oriental and African Studies (SOAS). Ihr könnt ihr auf Twitter folgen: @MsAfropolitan. Der Text erschien im Orginal auf Englisch.

Letzten Monat traf eine Gruppe von etwa vierzig Frauen in Banjul, Gambia, für einen Workshop zu transformativer feministischer Führung, organisiert durch die Organisation Women Living Under Muslim Law (WLUML), zusammen. Ich war eine der Trainer_innen bei dem einwöchigen Workshop. Meine Sitzung handelte vom Einsatz von Kommunikation für feministische Advocacy.

Während der Woche haben wir unter anderem über Gewalt gegen Frauen, die kulturell gerechtfertigt wird, den Anstieg eines politischen Islams, der Beteiligung von Frauen im Gesetz- und Verfassungs-Entwurfsprozess und natürlich über politische Führung gesprochen. Die feministischen Aktivist_innen – Trainer_innen sowie Teilnehmer_innen – haben bei mir keinen Zeifel darüber gelassen, dass afrikanische Frauen für Aufruhr sorgen im 21. Jahrhundert! Sich heute als afrikanische Feministin zu sehen, bedeutet, Teil einer starken, entschlossenen und schwesterlichen Macht zu sein.

Doch obwohl der WLUML Workshop ein Beispiel dafür war, dass es ganz sicher keinen Mangel an Mut bei potentiellen weiblichen politischen Leitfiguren  in Afrika gibt, stellt sich mir die Frage, ob die politische Beteiligung von Frauen in Afrika wirklich ansteigt, wie viele suggerieren? Klar, wenn es jemals eine Zeit der afrikanischen Spitzenpolitikerinnen gab, dann jetzt. In Ruanda, beispielsweise, sind unglaubliche 64 Prozent der Abgeordneten Frauen, und allgemein werden in Afrika Quoten in Parlamenten gut eingesetzt. Derzeitig gibt es drei weibliche Staatsoberhäupter in Afrika (Ellen Sirleaf-Johnson, Joyce Banda und Catherine Samba-Panza) und den Vorsitz der AU (Afrikanische Union) hat mit Nkosazana Dlamini-Zuma ebenfalls eine Frau inne.

Trotzdem zeigt Studie nach Studie, dass Frauen weiterhin große Nachteile gegenüber Männern haben, nicht nur in Führungspositionen, sondern auch in allen Insititutionen, die zu Führungspositionen führen. Es gibt ein breites Gender Gap in Bildung, am Arbeitsplatz, in ‘traditionellen’ Institutionen, im Einkommen und der privaten Sphäre. Frauen stehen strukturellen Hindernissen gegenüber, sowie Kapazitätsgrenzen, die sie daran hindern, am politischen Leben zu partizipieren. Sie nehmen nicht im selben Maße am politischen Leben Teil wie Männer – weder als Leitfiguren noch als Wähler_innen. Sogar noch schlimmer: Unterstützung für Frauen in politischen Führungspositionen ist tatsächlich in den meisten Ländern von 2005 zu 2012 gesunken , wie eine aktuelle Studie von Afrobarometer zeigt, und nur neun afrikanischen Parlamente haben die 30%-Marke an Frauen in Parlamenten erreicht.

Um noch etwas Salz in die Wunde zu streuen: Im Jahr 2012 zeigte eine detaillierte globale Analyse zu Gender Equality, dass Frauen in den Ländern Sub-Sahara-Afrikas die stärkste Diskriminierung erfuhren. Ob es um Angelegenheiten in der privaten Sphäre wie häuslicher Gewalt, Erbschaft und FGM ging oder in der öffentlichen Sphäre um mangelnden Zugang zu Gesundheitsversorgung, öffentlichen Räumen und politischer Macht, Frauen in Afrika sahen sich dem Bericht nach mit großen Hausforderungen hinsichtlich Geschlechter-Ungerechtigkeit konfrontiert. Dem kann eine_r noch hinzufügen, dass die Gesetzgebung in vielen Ländern mehr und mehr mit Religion vermischt wird, was ebenfalls negative Effekte für die Leben von Frauen hat. Einige Beispiele sind Steinigungen von Frauen in Nigeria, das Gesetz zu unzüchtiger Kleidung in Uganda und dass FGM in vielen Ländern immer noch nicht illegal ist.

Es ist nicht mein Ziel, den signifikanten Zugewinn an weiblichen Leitfiguren auf dem ganzen Kontinent abzuwerten. (Und das ist auch kein “afrikanisches” Problem allein.) Aber auch wenn die positiven Entwicklungen es verdient haben, gefeiert zu werden, wäre ich doch verhalten, ob wir uns nicht zu schnell siegessicher fühlen, wenn es gleichzeitig ein Revival von alten, unglaublich patriarchalen Werten und einen Backlash gegen Frauenrechte gibt, die es schwierig machen sich an politischer Führung zu beteiligen.




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Acht Prozent

17. April 2014 von accalmie

[Inhaltshinweis: Rape Culture]

…entspricht der Zahl derjenigen, die nach einer Anzeige wegen Vergewaltigung auch tatsächlich verurteilt wurden im Jahr 2012. Wie Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut in einem tagesschau-Interview berichtete, sei es vor 20 Jahren noch in knapp 22 Prozent der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungsfälle zu einer Verurteilung  gekommen. Mit anderen Worten: Im Jahr 2012 gab es bei 92 Prozent aller angezeigten sexuellen Übergriffe keine rechtlichen Konsequenzen für den oder die potentiellen Täter. Das muss also dieses “Opferabo” sein, von dem Kachelmann und Fans sprachen.

Pfeiffer begründet diesen Umstand zum einen mit der “Überlastung von Polizei und Staatsanwaltschaft”, zum anderen mit der vermehrten Anzahl von Vergewaltigungen im familiären Umfeld, die schwieriger zu beweisen seien. Darüber hinaus spricht Pfeiffer von “gesteigerter Anzeigebereitschaft” von Frauen, die sich – so Pfeiffer – “nichts mehr gefallen lassen” würden. Die Ironie, dass die Basis für die Normalisierung einer Kultur, in der Vergewaltigung nur dann als Straftat gilt, wenn das Vergewaltigungsopfer einen ganzen Katalog an Voraussetzungen erfüllt, die sich mit dem zuerst einsetzenden Victim Blaming vereinbaren lassen (Fragen nach Kleidung, nach persönlichem Verhältnis, nach Ort, nach Alkohol-/Drogeneinnahme, nach Grad und Darstellung der Verweigerungshaltung, nach vermeintlich “zweideutigen” Signalen, nach Grad der Gewaltanwendung, nach Ausformung der Abwehrmaßnahmen, nach persönlichem Ruf, nach gesellschaftlichem Status des Täters, nach Verhalten des Opfers nach der Tat, nach Kontostand, nach Partner_innengeschichte, etc., um eine Tat zu verharmlosen, zu entschuldigen und dem Opfer die oder einen Teil der Schuld zu geben), auch in diesem Interview aufrecht erhalten wurde, blieb Pfeiffer dabei leider verborgen.

Man weiß gar nicht, wo man beginnen soll – mit der Frage nach Prioritäten bei Polizei und Staatsanwaltschaft? Damit, dass sowohl Polizei als auch Staatswanwaltschaft Kompliz_innen sein oder selbst eine Gefahr darstellen können? Mit dem – von Pfeiffer zumindest erwähnten – Umstand, dass die Zahl von Vergewaltigungen im Bekannten- oder Familienkreis nicht gestiegen sein muss, sondern z.B. in der Ausformung von Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 überhaupt zum Straftatbestand wurde? Mit dem Fakt, dass genau die fiktive “Grauzone” nicht vorhandenen Einverständnisses, die Vergewaltiger bewusst instrumentalisieren, indem sie die Tat zwar zugeben, aber von “Einvernehmlichkeit” phantasieren und in ihrer kalkulierten Annahme gesellschaftlich unterstützt werden, dass ein “Nein” (oder das Fehlen eines klar und freiwillig kommunizierten “Ja”) nicht genug ist, keine neue oder erstaunliche Erkenntnis, gar Entschuldigung ist für die niedrigen Verurteilungsraten?

Dass selbst gestiegene Anzeigebereitschaft in keinem Verhältnis zur Dunkelziffer steht – unter anderem veranschaulicht durch die Aktion “Ich habe nicht angezeigt”? Dass ohne Wimpernzucken zu skandieren, dass Frauen sich heute “nichts mehr gefallen lassen” würden, der massen­wei­sen Miss­achtung des Grund­rechts auf kör­per­liche Selbst­be­stim­mung und Un­ver­sehrt­heit nicht nur wi­der­spricht, son­dern se­xu­elle Über­grif­fe als Privat­problem von Frauen, sich kör­per­lich zu wehren und_oder An­zei­ge zu er­stat­ten als Fra­ge des eigenen Selbst­bewusst­seins, des persönlichen Willens und der rei­nen Eigen­ver­ant­wor­tung tri­via­li­siert und indi­viduali­siert, und da­bei sowohl Täter_innen als auch kulturelle Nor­mier­ungen von (hetero­norma­tiv und ge­schlechts­essentia­list­isch prä­sentier­ter) Sex­uali­tät, Konsens/Ein­ver­nehm­lich­keit/Zu­stim­mung aussen vor lässt – wir also wieder beim Victim Blaming angekommen sind? Weiterlesen »




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Feminist Bore-Out

17. April 2014 von Nadia

Dieser Text erschien zuerst bei Shehadistan.

Über das Feminist Burn-Out wurde ja schon viel geredet. Ich erhöhe heute und sage: Zusätzlich dazu gibt es auch das Feminist Bore-Out. Und ich glaube es hat mich erwischt. Doch wie kam ich zu dieser Erkenntnis? Vor allem durch dieses neue Büchlein da von neulich: “Tussikratie”. Und das noch ohne es zu lesen!

Es verhielt sich aber vorher so, dass ich mich dabei ertappte, dass ich seit Wochen, Monaten, alles Mögliche viel lieber tat, als mich im Internet an irgendwelchen Debatten zu beteiligen, geschweige denn diese Debatten zu verfolgen. Nehmen wir der Einfachheit halber also zum Beispiel das letzte Wochenende: Mal wieder frönte ich meinem Eskapismus in einer dem Netz-Aktivismus fernen Internet-Parallelwelt, diesmal dem YouTube-Channel einer sehr aufmerksamen und freundlichen Person, die die komplette Staffel “The Secret World of Polly Flint” hochgeladen hatte. (Den dazugehörigen Roman schrieb Helen Cresswell, und mit Polly Flint schuf sie eine Mädchenfigur, die in einem langweiligen aber recht heimeligen Kaff Dorf, dessen größtest Highlight ein Jahrzehnte alter Mai-Baum ist, als Ein-Mann-Kämpferin mit zersauster Pony-Frisur Zeitreisende eines lange verschollenen Dorfes vor dem Sensemann beschützt, während sie zwischendurch immer wieder von einem nervenden Nachbarsjungen geärgert wird. Sozusagen die Vor-Metapher zum Sumpf “Internet”.)

Mit halbem Auge verfolgte ich dabei das Treiben in den diversen sozialen Netzwerken, und so stach mir irgendwann ein Hinweis auf ein neues Magnum Opus des Laber-Rhabarbers ins Auge: Ein Buch namens “Tussikratie” sei nun erschienen, geschrieben von Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, und das Brigitte-Magazin fragte dazu ganz aufgekratzt: “Übertreiben wir es mit dem Feminismus?” Hui, wie aufregend! Nicht.

Ich konnte besagten Artikel nur 20 Sekunden lang überfliegen, und dann entschied ich mich, dass ich mich anstatt auf den ewiggestrigen Null-Acht-Fuffzehn-Content zu “Tussikratie” (O-Ton: Gelaber über Geschlecht-Gedöns verursacht noch mehr Probleme. Männer sind auch arm dran. Frauen haben mehr Möglichkeiten, zum Beispiel in der Mode, bunte Kleider und so. Männer sind auch arm dran, weil sie keine Männerbewegung haben. Diskurspolizei. Und überhaupt, es gibt ja auch noch den armen Hausmann. Über den lachen ja auch alle, wenn er mal Kuchen in den Kindergarten trägt. Schnarchschnarchschnarch.) doch eher lieber wieder auf die mittlerweile Tauben fütternde Polly Flint konzentrieren wollte. Klick und weg. Ich schaffte es, noch bevor mir mein Arm eingeschlafen war. Juchheissassa!

Stunden später. Ich hatte inzwischen Pollys Umzug ins Haus der strengen Tante begleitet, mich von einem sehr geschätzten Menschen im Quiz-Duell abziehen lassen, irgendwelche Papiere geordnet, den Müll rausgetragen und eventuell sogar Blumen gegossen, da fiel mir “Tussikratie” wieder mit halbem Auge in den Radar: Dieses Mal auf Twitter, wo das neue Buch und eine der beiden Autorinnen streng-kritisch beäugt wurden und erste Rückmeldungen (nicht besonders euphorisch, selbstredend) formuliert wurden. Weiterlesen »




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Akif Pirinçcis Hass, Abtreibungen auf dem Meer und ein Gedicht von June Jordan – kurz verlinkt

16. April 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Nadia schreibt beim Gunda Werner Institut zu Akif Pirinçcis neuem Buch “Deutschland von Sinnen” und meint, der “Buch-Erfolg [sei] zwar ärgerlich und höchst bedenklich, als psycho-soziales Dokument deutscher (oder: eingedeutschter) Hegemonie jedoch auch wieder ein aufschlussreiches Barometer”.

Hinz&Kunzt berichtet über Shila Begum, eine der überlebenden Näher_innen des Rana-Plaza-Unglücks in Bangladesch, und ihren Einsatz für Entschädigungen.

In Berlin wurde bei der Überparteilichen Fraueninitiative ein Beirat für die Vorbereitung einer Fachtagung zur Situation obdachloser Frauen gegründet.

Racial Profiling trifft auf Sexual Profiling im Kontext des “Kampfs gegen Prostitution” – menschenhandel heute berichtet.

englischsprachige Links

[Inhaltshinweis: Gewaltbeschreibungen] Auf Salon.com schreibt Brittney Cooper über die vielen Formen von Gewalt, der Schwarze Mädchen und Frauen besonders augsesetzt sind – und wie diese kaum besprochen und bekämpft werden.

Bitch Magazine bespricht den neuen Dokumentarfilm “Vessel” über die Organisation “Women on Waves”, die Abtreibungen auf Schiffen durchführt, um so Verbote zu umgehen. (Ein Interview mit der Gründerin der Organisation gibt es auf deutsch bei der an.schläge.)

“Sometimes, when this happens, when a thin person realizes that they’ve just disgorged a bunch of rank fat hatred right into my fat face, they apologize. Often in a way that exacerbates the offense. But mostly, they try to convince me that they’re not talking about me. That those other fat people were gross in a way that I’m not.” – Shakesville schreibt zu fat hatred, Vorurteilen und Raumeinnahme.

In den USA wird gerade National Poetry Month begangen. Feministing postet aus diesem Anlass täglich feministische Gedichte, gestern zum Beispiel June Jordans “Poem About my Rights”. [Inhaltshinweis: Beschreibung (sexualisierter) Gewalt]

Ein #TwitterEthics Manifesto wurde bei Model View Culture veröffentlicht.




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