Selbermach-Sommer

1. August 2014 von der Mädchenmannschaft

Wir gehen in die Sommerpause! Für einen Monat verabschieden wir uns von euch und sind am 1. September wieder frisch und sommergebadet zurück. Mit neuen Gedanken von neuen Autor_innen im MM-Team! Whheeee!!! Aber mehr verraten wir noch nicht. Ihr könnt die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag 31 Tage lang für Austausch, Feedback, Links und Hinweise nutzen. Gelegentlich schalten wir sogar Kommentare frei ;) Wir wünschen euch einen sahneeisvollen August. Als kleines Abschiedsgeschenk haben wir euch unsere Sommerplaylist zusammengestellt. Videos nach dem Gif!

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Nur ein Wort

31. Juli 2014 von accalmie

Da muss man doch drüber stehen. Nein, wirklich, es ist doch nur ein Wort. Es ist doch gar nicht so gemeint, und damals (TM) war es ganz normal, Menschen so bezeichnen – da hat sich niemand etwas dabei gedacht. Sag es einfach mal ganz oft hintereinander, dann wirst du sehen, wie dieser Ausdruck an Bedeutung verliert. Man kann auch echt überreagieren. Das muss man im historischen Kontext sehen. Auch Kinderliteratur ist Literatur. Irgendwas mit Zensur und Political-Correctness-Terror. Diese Fokussierung auf Sprache und Kultur verschleiert das eigentlich Wichtige in der Debatte. Immer diese Emotionalität dieser Minderheiten. Man kann sich auch über alles aufregen. Wenn das das geringste Problem ist, dann ist doch eigentlich alles gut. Ich habe das als Kind auch gesagt/gelesen, und bin trotzdem kein_e Rassist_in geworden. Mein_e Freund_in X ist auch Y und findet Z trotzdem OK. Es ist doch nur ein Wort.

So, wie du “Hete” sagst, klingt das total abwertend. “Hetero” ist ein Schimpfwort bei dir. So wird das nichts mit der Gleichberechtigung. Wir sind doch alle Menschen, warum müssen wir das dann so herausstellen mit diesem Wort? “Kartoffeln” ist aber ein pejorativer Terminus. Ich bin auch gegen Nationalismus, aber ich finde es unfreundlich, wenn weiße Deutsche als “Kartoffeln” bezeichnet werden. Das schert auch alle über den gleichen Kamm. OK, Diskriminierung wird durch solche Bezeichnungen nicht vorgenommen, weil das Machtgefälle anders ausfällt – aber es muss trotzdem nicht sein. Lächle mal mehr dabei, wenn du schon “Hete” sagen willst. Ich sehe schon, du magst ohne Provokationen nicht auskommen – na dann, viel Spaß weiterhin mit diesem Aktivismus der Randgruppen. Mein_e Freund_in X ist auch Y und findet Z trotzdem nicht OK. Unterlasse dieses Wort.

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© drinks machine: alphabet street

Die De­bat­ten ver­lau­fen er­müdend ähn­lich. Sei es Ras­sis­mus in Kin­der­bü­chern, Hetero­­norma­­tivi­­tät, die den All­tag durch­dringt oder Nationa­lis­mus und “Schland” – ver­meint­liche “Min­der­hei­ten” be­reits sprach­lich als abweichend zu markieren ist eine akzepta­ble Pra­xis; der Wi­der­stand da­ge­gen ist lächer­lich. Sprach­­li­che Mar­­kier­­ungen des “An­deren” sind zu­­läs­sig – sie sind ja auch nicht bö­se ge­­meint. Wenn “das Andere” aber die Nor­­ma­­li­­tät der ver­­meint­­li­­chen Mehr­­heit in Fra­­ge stellt und deren un­­be­­nan­­nte Iden­ti­­tä­ten (und jenen zu­­grun­­de lie­­gen­­de Macht­ver­­hält­­nis­­se) be­­nen­nt: Ze­ter und Mor­­dio! Dann ist ein Wort auf ei­n­mal nicht mehr nur ein Wort, son­­dern ei­ne Be­­lei­­di­­gung, gar eine Agen­­da. Dann sind auf einmal die Ge­füh­le der Be­trof­fenen nicht mehr nur Ge­jammer, son­dern ein legi­ti­mer Ein­wand. Dann ist sich die un­be­nan­nte, selbst­stili­sier­te Uni­ver­sali­tät ihrer unmarkierten Selbstverständlichkeit selbst gar nicht mehr so sicher und re-etabliert sich besonders laut. Und dann ist es sogar egal, dass Diskriminierung kein individueller Akt jenseits gesellschaftlicher Strukturen und Machtgefälle ist – die persönlichen Befindlichkeiten derjenigen, die es nicht ertragen können, nur ein einziges Mal nicht in einer als Mehrheit stilisierten Gruppe unidentifiziert zu leben, haben Vorrang vor jedweder Analyse. Da kommt er, der Diskriminierungsneid: eine Mischung aus Aufmerksamkeitsgeheische und der Unfähigkeit es nur einmal aushalten zu können, sich in irgendeiner community aussen vor wähnen zu müssen – ein Zustand, den von Rassismus, Sexismus, Heterosexismus und anderen Diskriminierungsformen Betroffene zwangsweise leben. Selbst in die Reaktionen auf und Kompensationen für systematische Diskriminierung muss man sich hineindrängen, alles andere wäre ja Diskriminierung. Wir sind doch alle Menschen. Der gute Wille zählt.

Was in den Debatten um vermeintlich einfache, unbedeutende Worte tatsächlich “zum Ausdruck” kommt, sind strukturelle Machtverhältnisse, die sich in die tiefsten, persönlichen Ebenen verzweigen. Die mentale Gymnastik, die kognitive Dissonanz, die zur Schau gestellt werden, wenn einerseits zum Beispiel N* als “nur ein Wort” verteidigt oder abgetan wird, und gleichzeitig Wut und Ungläubigkeit herrscht, tatsächlich als “Hete” bezeichnet zu werden in Debatten um Heterosexismus und Heteronormativität, ist das Anschauungsmaterial für jene. Das Wort gehört zum Machtverhältnis. Es ist nicht der einzige, aber ein bedeutsamer Teil dessen. Das Wort spiegelt das Machtverhältnis wider. Das Wort reproduziert das Machtverhältnis. Und die Empörung, nicht als “Kartoffel” oder “Hete” bezeichnet werden zu wollen – und zwar von niemandem, nirgendwo, niemals – illustriert, um wen (und was) es in solchen Auseinandersetzungen wirklich geht.




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Bücher, Bewegungsarbeit und das Bewerten von Essverhalten – kurz verlinkt

31. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Beiträge

Bücherfans aufgepasst: Ab September bietet das Spinnboden Lesbenarchiv in Berlin einen Lesekreis zu Büchern aus den Bereichen Belletristik und Kriminalliteratur an (für Lesben, Bisexuelle und Trans*).

Support your local activists: Die ISD-Vorstandsfrau Jamie Schearer ist neue Bewegungsarbeiterin.

Es gibt einen Aufruf zur dritten Ausgabe des Zines rund um Asexualität “Wer A sagt, muss nicht B sagen” – mit dem Schwerpunkt Liebe in Freund_innenschaften und Fürsorge jenseits sexueller_romantischer Beziehungen.

Englischsprachige Beiträge

Nicht alle können entspannt in der Öffentlichkeit essen. Virgie Tovar schreibt über Food Policing (das wertende Kommentieren und Reglementieren von Essverhalten) als Form von Street Harassment.

Sexismus und Misogynie in der Technikbranche – bei Wired berichtet Issie Lapowsky von ihren Erlebnissen (und dem dahinterstehenden System).

Antifeministische Watch-Blogs haben den einzigen Sinn, bloggende Feminist_innen zu belästigen, einzuschüchtern und letztlich zum Schweigen zu bringen (notfalls auch mit persönlichen Drohungen). Bei Shakesville illustriert Melissa McEwan einen besonders hartnäckigen Fall.

Termine

Das Ladyfest Berlin findet statt vom 1. bis 3. August, Infos findet Ihr hier.

Der MAD Tresen im faq in Berlin findet statt, und zwar am 1. August ab 23 Uhr.

Voicing herstories ist ein Projekt für Frauen und Mädchen in Neukölln dass mit verschiedenen Projektarbeiten ein gemeinsames Buch erarbeitet. Vom 18. bis 2. August findet der erste Workshop statt.

Im September startet die Queerulant_in-Lesetour: Hier findet Ihr alle Stationen.




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Ganz bewusst und aktivistisch shoppen gehen?

30. Juli 2014 von Charlott

Jeden Tag treffen die meisten von uns – mal mehr mal weniger bewusst, mal mehr mal weniger frei – Konsumentscheidungen. Der Kaffee zum Frühstück: Bio? Fairtrade? Oder lieber ein günstigerer, der den Weg in die roten Zahlen nicht auch noch beschleunigt? Und sonst auf den Teller: Vegane Kost oder doch ein bißchen Hackfleisch? Im Kleiderschrank: Textilien von Primark oder Zara? Und wo bekomm ich eigentlich Kleidung in meiner Größe her?

In der letzten Woche erschienen ein paar Texte, die sich kritisch mit Konsumkritik auseinandersetzen und auch fragen, an wen diese Kritik denn häufig gerichtet wird. So heißt es bei RiotMango unter dem Titel “pseudo konsumkritik, my fat ass!“: “und ja, ich finde eine kapitalismus- und konsumkritische perspektive auch wichtig. aber ich finde es auch auffällig, dass… 1.) konsumkritik vor allen dingen an menschen gerichtet wird, die im kapitalismus häufig nicht mal mitgedacht werden #klassismus #fatshaming 2.) und konsumkritik sich fast nie auf zigaretten, alkohol oder drogen bezieht (würde wohl auch das linke selbstverständnis zerstören)”. Puzzlestücke fokussiert sich in ihrem Beitrag auf das beliebte Argument, dass Menschen mit weniger ökonomischen Ressourcen eben Second Hand Kleidung kaufen sollten anstatt bei billigen Bekleidungsketten wie Primark. Sie macht deutlich, dass nicht alle Menschen überhaupt Zugang zu solchen Läden haben, dort passende Kleidung finden und gleichermaßen anerkannt werden für ihren Second Hand Style.

Gerügt für ihre Konsumentscheidungen werden meistens jene, die eh schon beschränktere Auswahlmöglichkeiten haben. Menschen, deren dicke_fette Körper von der Bekleidungsindustrie selten mitgedacht werden. Die aber gerade deswegen durch gut sitzende, bequeme, schöne Mode auch Empowerment erfahren. Oder_und Personen, die aufgrund ihrer Ressourcen (ökonomischen, zeitlichen etc.) ebenfalls nicht aus dem vollen Angebot des glitzernden Kapitalismus schöpfen können. Neben empowernden Momenten, die Mode auch mit sich bringen kann (siehe auch dieses Interview zu Kleidung für Menschen, die sich außerhalb der dominanten Geschlechterbinarität bewegen), wird in solchen Diskussionen gern übersehen, dass es für Menschen (über)lebenswichtig sein kann, die “richtige” Kleidung zu tragen, das “Styling” zu perfektionieren.

Neben Kleidung wird “guter” vs. “schlechter” Konsum oft am Beispiel von Ernährung ausgetragen – vegan, bio, Fairtrade, lokal (nicht unbedingt in der Kombination, gern auch als einzelne Themen). Die Problematiken, die dabei häufig außer Acht gelassen werden, sind auch hier mannigfaltig:  Unverträglichkeiten und andere körperliche Voraussetzungen, die bestimmte Ernährungsweisen bestimmen_ausschließen. (Ökonomischer und sonstiger) Zugang zu Nahrungsmitteln (Stichwort beispielsweise: Essensmarken für asylsuchende Menschen in Deutschland). Anbauauswirkungen und -umstände bestimmter (Trend-)Ernährungsmittel. Dass nicht immer alles gleichzeitig im Blick ist, liegt auch daran, dass diese Fragen komplex sind, aber nur allzuhäufig wird trotzdem “guter Konsum” als einfache Antwort angeboten.

Eine ähnlich “einfache” Antwort scheint mir ein starker Fokus auf Kritik an Werbung. Natürlich prägen große Plakate und Werbespots im TV und Kino unsere Umwelt. Sie re_produzieren und normalisieren Gewalt und_oder *Ismen am laufenden Band, bzw. im laufenden Bild. Dies einzuschränken ist wichtig. Doch sollte bei diesen konkreten Auseinandersetzungen der Kontext nicht aus dem Blick geraten. Sonst stehen wir irgendwann mit weniger *istischen Werbungen aber immer noch ausbeuterischem Kapitalismus da. Und wem ist da am Ende geholfen? Jenen, die auch jetzt schon ihre Kaufkraft (die ja auch häufig auf privilegierten Positionen in einer rassistischen_hetero_sexistischen_ableistischen Gesellschaft beruht) für den Wandel ™ einsetzen können?

Die Veränderung von Konsumgewohnheiten wird an allen möglichen Orten beschworen, von feministischen Kreise bis hin zur FAZ. In letzterer wird aber wenigstens gar nicht erst so getan, als ob es sich um eine Option für alle handelt, heißt es dort doch: ” Sie leben in einem der reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß am Leben und finden sich ganz gut.” Konsum kann schnell zum Ablasshandel werden: Wer mehr zahlt, die besseren ™ Produkte wählt, kann mit guten Gewissen durch unsere kapitalistische, zerstörerische Welt gehen. (Das Auto bleibt natürlich in der Garage.)

Ich habe kein Problem mit “bewusstem Konsum” – wie auch immer dieser dann aussehen mag. Ich finde es aber problematisch, wenn dieser quasi zu Aktivismus deklariert wird und ein Lebensstil, den eine_r sich eben auch erst einmal (auf verschiedenen Ebenen) leisten können muss, zur moralischen Selbstüberhöhung instrumentalisiert wird. (Weniger/Anders) Shoppen gehen als Aktivismus-Ersatzhandlung. Eigentlich ist natürlich “bei sich selbst anfangen” ein guter Start für Veränderungen. Das Konsumverhalten zu ändern, kann gerade auch die Vorstellung (Illusion?) geben, im kleinen Rahmen etwas zu ändern. Schließlich wird doch immer wieder betont, dass die (Nicht-)Nachfrage auf den Markt wirkt. Doch wenn die Systemkritik ausbleibt, stattdessen die (Konsum)Handlungen weniger privilegierter Personen zu den Ursachen von Ausbeutung erklärt werden, dann fehlt dem “bei sich selbst anfangen” noch eine ordentliche Prise (selbst)kritischer Betrachtung.




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So grölen die Deutschen: Warum Nationalismus nicht harmlos ist.

29. Juli 2014 von Gastautor_in

Sandra Charlotte Reichert (*1979) wohnt seit 1986 mit Pausen in Berlin. Da sie seit ihrer Kindheit schreibt und an die Macht von Worten und Sprache glaubt, gibt sie bis heute gern und ungefragt ihren Senf dazu. Bevorzugt dann, wenn BiedermeierMenschen unter dem Deckmantel von Redefreiheit ihr rassistisches Öl nebst hetero-sexistischen Streichhölzern auspacken, um einmal mehr ihr Kartoffelsüppchen auf dem Feuer von Nationalismus zu köcheln. Aufgrund von SprachLeidenSchaft, Englisch- und Amerikanistik-Studium sowie neuseeländischen Auslandsaufenthalten, erzählt, dichtet und denkt sie auf Deutsch und Englisch. Dieser Beitrag ist ein Crosspost von Sandras Blog.

Kreuzberger Kiezkneipe; meine Kreuzberger Stamm-Kiezkneipe; Nachts, halb zwei. Der Barmann, zwei Frauen, eine davon deutsche Kartoffel (ich). Zwei Kartoffelmänner, die irgendwann befinden, sie müssten zum zweiten Mal am Abend den viel diskutierten, völlig bescheuerten Herrenfußballnationalelf-Deutschlandsong anstimmen. Dabei äffen sie nicht nur bekannte Zeilen nach; sie wiederholen – zu meinem besonderen Missmut – die gebückte Haltung versus der vermeintlich geraden: Brust raus, Rücken gestreckt. Erhaben ist jedoch rein gar nichts daran. Doch diesmal sag ich was. „Jungs es reicht jetz, einmal is zuviel, zweimal geht gar nicht. Schluss jetz.“ Die Reaktion: Eine Mischung aus Gelächter und den Worten „Political Correctness Scheiße“, „Ne Studierte“, „Bist du hier die Tresenqueen oder was?!“ und anderer Mist. Allerdings ohne mich dabei anzuschauen. Feige sind sie nämlich, diese Herren. Laut aber feige auf eine Art, die mir den Magen umdreht und Wut und Übelkeit in mir erzeugt; auch weil ich weiß, was diese Feigheit möglich macht.

Der erste Satz, der dann tatsächlich direkt in meine Richtung geht, ist dieser: „Wir sind Weltmeister, darauf wird man ja wohl stolz sein dürfen.“ Dabei schaut der Sprechende, als hätte er tatsächlich etwas dazu beigetragen. Als erwarte er Dank und Anerkennung für seine Leistung. „Wenn mann sonst nix hat,“ ist meine Antwort. Wieder höhnisches Gelächter, und weitere Sätze deutschen Nationalstolzes. Darauf ich: „Jaja, die deutsche Herrenrasse singt wieder.“ Der Barmann wirft ein, dass nun „alle ihre Aggressionen sein lassen sollten,“ schaut dabei aber vor allem in meine Richtung. Die Herren fühlen sich bestätigt. Einer von ihnen steht auf, und bevor er zur Toilette geht ruft er laut in den Saal: „Deutschland über alles!“ Nun werde ich wieder laut: „Was für ne Nazikacke!“ Grinsend verpisst er sich, und sein Kollege will er mir erzählen, dass ich keine Ahnung hätte wovon ich rede und lieber den Mund halten sollte. Woraufhin ich ihn frage ob er ernsthaft behaupten möchte, dass der Spruch seines Begleiters nix mit Nazideutschland zu tun hätte. Er rudert zurück und versteckt sich hinter dem Verweis darauf, dass er diesen Satz ja nicht gesagt hätte, was der Barmann bestätigt. Nun erinnere ich ihn daran, dass er bis eben noch darüber und dazu gegrinst und sich gut amüsiert hätte. Frage, wie es mit Konsequenz und Konsistenz wäre. Wieder dummes Gegrinse und Worte, die wohl mich meinen, die er aber seinem Drink erzählt. Schließlich gehen beide. Doch bevor sie endlich die Bar verlassen, der erste bereits vor der Tür ist, der zweite noch die Klinke in der Hand hält macht dieser nochmal deutlich, wie distanziert er vom Ausruf seines Kollegen ist. Er guckt kurz in meine Richtung und sagt dann: „Zwangssterilisation“. Mit diesem Wort nimmt er den Schritt aus der Tür. Meinen Ausruf „F*** Dich!“ hört er sicher, erspart mir aber weiteren Dreck. Bis dahin war der Tag schön.

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Der Angriff der Killer-Heten – unsere feministischen Lieblingstweets!

28. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft

Schon eine Weile ist es her, dass wir euch ein paar Perlen der queer-feministischen Twitteria vorgestellt haben, hier sind unsere aktuellen heißen Favoriten der Reihe “Feminist_innen zwitschern

 

 

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Selbermach-Sonntag (27.07.14)

27. Juli 2014 von Nadine

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Im Selbermach-Sonntag ist Platz für eure Themen. Egal, was euch in dieser Woche beschäftigt hat, postet es gerne in die Kommentare. Falls ihr Mitstreiter_innen für eure Projekte sucht oder auf interessante Blogeinträge hinweisen wollt, ist der Selbermach-Sonntag ebenfalls der Ort dafür. Ein schönes Rest-Wochenende!




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Konsumkritik-Kritik und Kinder kriegen – die Blogschau

26. Juli 2014 von Nadine

Aktivistinnen von Women in Exile sind gerade mit einem Floß auf Aktionstour (Interview mit der Mädchenmannschaft). Auf ihrem Blog berichten sie mehrmals die Woche von ihren Eindrücken.

Miss Temple schreibt zur Kommerzialisierung von Modeblogs.

Auf Reizende Rundungen begründet Katrin, warum sie Fat Acceptance wichtig findet.

Puzzlestücke hat in den letzten Tagen gegen verkürzte Konsumkritik gerantet, die häufig klassistische Diskriminierung nicht mitdenkt. Ihre Twitter-Rants hat sie in ihrem Blog zusammengefasst.

Riotmango schließt sich an und erweitert die Konsumkritik-Kritik um dicke_fette Perspektiven.

Ryuu schreibt einen persönlichen Text über Kinder kriegen und haben: “Ich will keine Kinder. Und zwar weil die Bedingungen, unter denen ich eigene Kinder überhaupt als Möglichkeit in Betracht ziehen würde, nie in meinem Leben erfüllt waren und nach wie vor nicht sind.”

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.




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Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde, feministische Sprachinterventionen und Women in Exile – kurz verlinkt

24. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Über die in Österreich “fehlenden Töchter in der Forschung” schreibt dieStandard.  Dort wird zum einen aufgezeigt, wie lange Frauen wissenschaftliche Karrieren verunmöglicht wurden und die, die sich trotzdem durchsetzten, nachträglich unsichtbar gemacht wurden. Darüberhinaus ein wichtiger Aspekt: Viele der wissenschaftlichen Vorreiterinnen waren Jüdinnen, die verfolgt und ermordet wurden.

Vor 150 Jahren wurde Ricarda Huch geboren. Das Deutschlandradio Kultur erinnert an die Historikerin und Schriftstellerin.

Die taz findet, wer sich an “Babyspinat-Mangold-Smoothies gewöhnen [kann], [wird] sich mit der Zeit auch an neue Sprachformen gewöhnen”. Und auch bei derStandard geht es um feministische Sprachinterventionen und den Widerstand gegen diese. Im Interview spricht Sprachwissenschaftlerin Claudia Posch über (un)ästhetische Binnen-I-s und Sprachnormierungen.

Ein kurzes Interview mit der Modebloggerin und Aktivistin Alexandra Sandkühler zu Fat Empowerment und Fat Acceptance beim Freien Radio.

Dritte Option berichtet, dass am 28. Juli 2014 soll ein Antrag auf Änderung einer Geburtsurkunde eingereicht werden, die den Geschlechtseintrag “inter*/divers” enthalten soll.

Die taz schreibt über die Arbeit von Women in Exile und stellt dabei auch drei der Aktvistinnen vor: Damarice Okore, Elisabeth Ngari und Fatuma Musa.

Termine in Berlin und Hamburg:

1. bis 3. August in Berlin: LAD.I.Y.FEST Berlin 2014. (FB-Link)

2. August in Hamburg: Queer Flora Party.

8. bis 10. August in Hamburg: MISSY-Konferenz: Fantasies that matter. Images of Sexwork in Media and Art.

 




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Warum der BMI scheiße ist (und ich kein Sellerie mag)

23. Juli 2014 von Magda

Adipös. Mein Resultat grinste mich dick und fett (ha!) an. Schnell Google angeschmissen und mal gecheckt: Adipös heißt „fettleibig“ und „fettsüchtig“. Ich lese weiter und lerne, dass ich einen „krankhaft erhöhten Körper­fettanteil“ habe. Da staunst du nicht schlecht, was? Ja. Ich auch. An einem regnerischen Nachmittag hatte ich nämlich mal meinen BMI ausgerechnet und vor Schreck fiel mir gleich der Lolli aus dem Mund (Verzeihung, Sellerie­stangen! Selbst­verständlich Sellerie­stangen. Mit low-fat-low-carb-low-anything Quark. Ohne Salz.) Da stand es schwarz auf weiß: Krankhaft fettleibig. KRANKHAFTFETTLEIBIG.

Ich atmete schwer und tief ein (klar, bei dem schweren Körper). Und mein Recherche-Instinkt wurde geweckt. Was ist denn dieser BMI? Und welcher Sellerie­stangen kauende Nervmensch hat sich denn so einen Quatsch ausgedacht?

Hallo BMI, wer oder was bist du?

Der BMI soll uns angeblich verraten, ob wir „unter­gewichtig“, „normal­gewichtig“, „über­gewichtig“, „adipös“ oder „stark adipös“ sind. Der BMI errechnet sich aus dem Gewicht, geteilt durch die Größe im Quadrat, was uns schon mal einen ersten Hinweis darauf gibt, wie wenig aussage­kräftig diese Rechnung sein kann. Unterteilt wird außerdem fein säuberlich in „Mann“ und „Frau“ – als wären alle Menschen in den jeweiligen Kategorien „Mann“ bzw. „Frau“ gleich – als gäbe es nur Männer und Frauen. Manchmal findet eine Unterteilung in Alters­gruppen statt.

Von einer wirklichen Differenzierung beim BMI kann also kaum gesprochen werden. Andere Lebensumstände und Faktoren, die ebenfalls Einfluss auf Körpergewicht haben, bleiben unerwähnt: Wo, wie viel und was arbeite ich? Wo und wie wohne ich? Wie ist mein Zugang zu unterschiedlichen Nahrungs­mitteln und Sport­möglichkeiten? Wie viel Stress und Diskriminierung erlebe ich? Und nur, damit ich nicht missverstanden werde: Ja, soziale Faktoren haben Einfluss auf Körper(-gewicht). Und trotzdem werden Menschen immer unter­schiedliche Körper haben, auch wenn sie sich in ähnlichen Lebens­umständen befinden. Warum? Weil Körper unter­schiedlich auf Essen, Sport, Stress, Diskriminierung oder andere Einflüsse reagieren. Weil mein Körper nicht dein Körper ist.

Nehmen wir zum Beispiel Sellerie. Schon allein bei der Vorstellung Sellerie essen zu müssen, bekomme ich Pickel. Irgendwie bitter, viel zu fad. Und man kann’s nur schwer mit Käse überbacken… Müsste ich das essen, hätten ich und mein Magen keinen Spaß – obwohl Sellerie landläufig als „gesund“ gilt. Ich glaube aber an folgende Gleichung: Was mir nicht schmeckt, tut mir nicht gut – egal wie gesund. Was für die einen gesund und wohl­schmeckend ist, schmeckt für andere nun mal wie eingeschlafene Füße. Ich glaube auch an folgendes: Dicke Menschen verdienen es, so zu essen, wie sie möchten – genau wie alle anderen. Ohne scheiß Kommentare, ohne nervige Blicke. Was für eine radikale Forderung!

Schoko- und Himbeertörtchen

Dinge, die mir besser als Sellerie schmecken: Schoko- und Himbeertörtchen.

Ich fasse zusammen: Menschen und ihre Leben (und: ihre Geschmäcker) sind halt verschieden und komplex (d’oh!). Shit’s complicated. Es gibt nicht das „gesunde“ Essen auf der einen und das „ungesunde“ Essen auf der anderen Seite. Genauso wenig ist es sinnvoll, auf irgendwelche Rechnungen zu vertrauen, wenn es darum geht, Körper in „gesund_normal“ (BMI 20 – 25) und „risikobehaftet_krank“ (BMI ab 25) einzuteilen. Körper überhaupt in diese Kategorien einzuteilen ist, pardonnez-moi, kackscheiße!

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