Ehe abschaffen! Und bis dahin: Eheprivilegien umverteilen

1. Juli 2015 von Nadine

An diesem Wochenende feierte meine Facebook-Timeline das Ende des Pride-Month in einem Regenbogen-Fahnenmeer. Viele meiner Kontakte tauchten ihr Profilbild in bunte Streifen, hier und da wurden Artikel über die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in Deutschland, über die Entscheidung des Supreme Courts in den USA geteilt, die Aktion #Ehefüralle läuft nach wie vor viral und auch auf Twitter gibt es immer mal wieder Diskussionen darüber, ob die Ehe abgeschafft oder ausgeweitet gehört. Vor allem US-amerikanische Schwarze Aktivist_innen und Aktivist_innen of Color sind es, die dieser Tage, 46 Jahre nach den Stonewall-Riots in New York (sexarbeitende Schwarze Transfrauen und Transfrauen of Color protestierten gegen u.a. gegen Polizeigewalt), gebetsmühlenartig gegen die weiße Wand der „Out and Proud“-Euphorie von LGBT* und Heten intervenieren, mit Texten und Aktionen innerhalb und außerhalb der großen Demonstrationen.

Zwar finden in hiesigen Kontexten diese US-amerikanischen Perspektiven ebenfalls Anklang, jedoch habe ich den Eindruck, dass diese Kritik in Argumenten wie „es muss kein entweder, oder sein“, „die Forderungen schließen sich nicht aus“ bisweilen untergeht. Sicherlich bleibt immer eine zentrale Frage sozialer Bewegungen, wenn es um konkrete Forderungen geht, was umsetzbar ist und was vorerst Idee bleiben muss. Orientiert wird sich bei solchen Abwägungen an den staatlichen Regulierungsmöglichkeiten, z.B. Gesetzesänderungen, die sich positiv auf die Gruppe auswirken (sollen). Dem Staat kommt in Bezug auf die Lebensbedingungen und -realitäten derer, die innerhalb seiner Grenzen leben (wollen), ein sehr großer Machtstatus zu, dennoch ist diese Form der Macht eine, die durch ein gewaltvolles Abhängigkeitsverhältnis gekennzeichnet ist. Für die einen mehr, für die anderen weniger als ein solches spür- und wahrnehmbar. Ein weiterer Bezugsrahmen für Überlegungen ist die Gesellschaft. Diese wird allerdings häufig durchweg als privilegiertere Gruppe (als sich selbst) vorgestellt: weiß, deutsch, hetero, klassenprivilegiert, gut situiert, mit Staatsbürger_innenschaft. Diese Gruppe wird zur Solidarität aufgefordert, denn sie ist es, die die Privilegien inne hat, die mensch selbst vermeintlich bekommen will. In diesem Fall: Das Recht auf Eheschließung. Die vollständige Gleichstellung der Ehe und Gleichverteilung ehelicher Privilegien auf Heten, Schwule und Lesben.

Die Kritik, dass die Institution Ehe im Kern ein kolonialrassistisches, heterosexistisches und kapitalistisches Ordnungs- und Gewaltinstrument ist, das die staatliche Gewalt-Dynamik bis in den persönlichen Nahraum von Menschen wiederholt (siehe Links am Ende des Textes), scheint der „Why not?“ und „Tut ja keine_r weh!“-Stimmung keinen Abbruch zu tun. Manchmal werden Schwule und Lesben von den „Ehe abschaffen“-Rufen ausgenommen, weil das angeblich homofeindlich sei. Mensch würde sich damit in konservative Diskurse reinsetzen und Platz für problematische Aneignung schaffen. Ein weiteres Argument gegen die vollständige Abschaffung der Ehe samt ihrer Privilegien: Ehe ja, Privilegien nein. Gleiche Rechte für alle.

Ohne die damit einhergehenden Privilegien funktioniert die Ehe allerdings nicht. Sie wäre sinnlos. Mit der Ehe schützt und bevorteilt der Staat privilegierte Heten, die in das oben beschriebene Muster passen. Es gibt so gut wie keine Einschränkungen für diese Gruppen, was Lebensplanung und Lebensführung betrifft, Reproduktion und Familie(ngründung) ist auf vielen Wegen möglich und z.T. subventioniert (durch Staat und Krankenkassen), mit jeder Steuererklärung gibt der Staat Geldgeschenke (z.B. durch das Ehegattensplitting). Die sozialstaatlichen Transferleistungen für die weiße, deutsche, hetige Mittel- und Oberschicht mit deutscher Staatsbürger_innenschaft sind in Höhe und Umfang enorm. Sie profitieren mehr als jede andere soziale Gruppe von ihnen. Und noch einmal mehr, wenn sie untereinander verheiratet sind. Auch die Diskriminierungsbelastung in anderen Beziehungsnetzwerken und Verhältnissen wie Lohnarbeit und Freund_innenschaften ist für diese Gruppe vergleichsweise gering. Gender Pay Gap, gläserne Decke, Typenklüngel-Netzwerke, sexualisierte und häusliche Gewalt sind trotzdem Themen, die relevant sind, obwohl das keine Problematiken sind, die auf diese Gruppe begrenzt wären, im Gegenteil.

Alle großen Parteien orientieren sich mit ihren politischen Linien an diesen Heten, weil dort das Geld sitzt. Kaufkraft, Möglichkeit der steuerlichen Belastung, auf ideologischer Ebene deutsche, meritokratische Prinzipien und Werte repräsentierend. Weil die Politiker_innen genau so sind. Staatliche Antidiskriminierungspolitik ist deshalb in erster Linie an Menschen interessiert, die diese Norm widerspiegeln oder nah an diese heranreichen. Und wenn Diskriminierung in Mini-Schritten abgebaut wird, so wird im Austausch das wertekonservative Klientel samt Regierungspartner mit Zugeständnissen besänftigt. Die „Emanzipationserfolge“ bleiben oft nur Veränderungen auf symbolischer Ebene, rhetorisch modernisiert, solange Gerechtigkeit einen Preis hat und an Bedingungen geknüpft ist, die wiederum im negativen Sinne folgenreich für andere soziale Gruppen sind. Was bleibt ist, dass der Staat es wieder einmal geschafft hat, potentiell gefährliche Subjekte (in diesem Fall Schwule und Lesben) befriedet und (weiterhin) an sich zu binden. Speaking of Abhängigkeiten.

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…und wieder Mal! Gedanken zum Umgang mit queer_feministischer Selbstorganisation und Kritik

30. Juni 2015 von Gastautor_in

In Bremen hat sich im Mai eine Gruppe zusammengefunden, die ein queer_feministisches HipHop-Festival auf die Beine stellen wollen. Soweit, so Yeah! Nachdem der Einladungstext zu einem ersten größeren Treffen auch auf der Facebookseite des FemRefs Bremen gepostet wurde, entbrannte dort eine unsägliche Debatte gegen die Festival-Gruppe und das FemRef. Der folgende Text ist die Antwort der Festival-Gruppe auf diese Ereignisse. Er wurde bereits am 7. Juni auf dem Blog feministhiphop2016.blogsport.de veröffentlicht.

Wir sind eine Gruppe von ca. 15 Menschen in Bremen, die gerade anfangen ein queer_feministisches HipHop-Festival zu organisieren. Für ein erstes Treffen haben wir einen Einladungstext verfasst um auch anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, in die Orga-Crew einzusteigen. Über einen Post dieses Textes auf Facebook gab es viel Empörung. Darauf wollen wir hier reagieren. Wir werden uns im Detail nicht an dieser Diskussion beteiligen, auf der Ebene, auf der diese bisher geführt wurde macht das für uns keinen Sinn. Wir wollen aber sehr wohl öffentlich machen, was gerade passiert und unsere politische Position dazu vertreten.

Im Einladungstext haben wir in einem Satz konkret Bezug auf die Zeckenrapgala genommen, die in Bremen am 11. April 2015 stattgefunden hat. Wir haben darin auch unsere Verärgerung über die von vielen als mackrig empfundene Bühnenpräsenz zum Ausdruck gebracht. Im gesamten Rest des Textes haben wir von unserer Idee geschrieben, ein queer_feministisches HipHop-Festival in Bremen zu organisieren.

Der Verlauf der Zeckenrapgala war für uns ein Anlass, um uns auszutauschen und unseren Ärger zu teilen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Gala-Abend war sicher nicht der schlimmste unseres Lebens. Die kritisierten Acts sicher nicht die einzigen Menschen, die sich in einer patriarchalen und sexistischen Gesellschaft mackrig verhalten. Sexismus und Mackrigkeit sind für uns, gerne auch zusammen mit anderem diskriminierenden Verhalten, alltägliche Erfahrungen, gegen die wir auch in anderen Zusammenhängen kämpfen. Die Zeckenrapgala war jedoch ein Kontext, von dem wir, aufgrund des formulierten queer_feministischen Anspruchs der Organisator_innen, aufgrund von Liedtexten und persönlichen Statements der Künstler_innen, anderes erwartet hätten. Dass Worte und Umsetzung für uns so weit auseinander lagen, ist Teil des Ärgers den wir haben. Es hat uns einfach gereicht.

Wir wissen alle, dass linke Szenen keine herrschaftsfreien Räume sind. Debatten und Auseinandersetzungen um Sexismus und Mackertum in den linken Zusammenhängen – konkret auch in der linken HipHop Szene – sind seit Jahren immer wieder in verschiedenen Varianten Thema! Wenn wir einen allgemeinen Aufruf dazu geschrieben hätten, hätten wir wahrscheinlich Beifall von allen Seiten bekommen. Für unseren Ärger gab es aber einen konkreten Anlass und den haben wir sichtbar gemacht. Damit waren konkrete Personen und konkrete Zusammenhänge angesprochen und auf einmal wurde aus einer berechtigten Kritik Denunziation und Verleumdung. Wir denken: Herrschaftliche Verhältnisse und Verhaltensweisen müssen benannt, kritisiert und verändert werden. Und das lassen wir uns nicht verbieten. Nicht in der Szene und nicht anderswo.

Auf der Facebookseite des FemRefs Bremen wurde der Einladungstext wenige Stunden nach dem Post heftig kommentiert. In diesen Kommentaren wird uns unter anderem Denunziation, Verleumdung, Spalterei, unsolidarisches Verhalten, Subjektivität und Sexismus gegenüber Männern* vorgeworfen. Darüber hinaus wurden von uns mehrfach Rechtfertigungen und Erklärungen gefordert, ohne dabei aber wirklich einen Raum für eine Diskussion auf Augenhöhe zu eröffnen. So wurde uns lang und breit erklärt welchen Feminismus wir denn vertreten, warum das scheiße ist und auf welche Art und Weise wir unsere Kritik hätten formulieren sollen, damit man uns ernst nehmen könnte.

Einige, aber nicht alle, die den Einladungstext in dieser Art und Weise kommentiert haben, waren an der Zeckenrapgala auf der Bühne oder als Veranstalter_innen beteiligt. Nicht alle haben das Gleiche geschrieben. Aber unter den verschiedenen Kommentator_innen wurde in bester Facebook-Manier eifrig geliked, auch von den Beteiligten der Gala und auch die übelsten Kommentare. Eine Distanzierung oder Positionierung aus den Reihen der Orga oder dem weiteren Umfeld der Zeckenrapgala gegenüber dieser Kommentierung hat bisher nicht öffentlich stattgefunden.

Einige Aspekte aus der Diskussion haben uns besonders geärgert, weil es dieselben Mechanismen sind, mit denen queere und feministische Politiken häufig abgewertet werden. So wurde uns mehrfach gesagt, dass wir diese mackrige Bühnenpräsenz nur subjektiv wahrgenommen hätten, dass Andere das ganz anders gesehen hätten u.ä.. Klar ist das eine subjektive Wahrnehmung, so wie die von allen Menschen. Offensichtlich fanden den Abend eben nicht alle großartig. Ist unsere Meinung deshalb weniger richtig oder wichtig? Muss man sie deshalb weniger ernst nehmen? Nein! Gerade Frauen* wird ihre Wahrnehmung von Sexismus und sexualisierter Gewalt unter dem Verweis ‚das ist ja alles nur subjektiv‘ und ’sei doch nicht so empfindlich‘ oft abgesprochen. Mit solchen Phrasen aufzufahren ist wirklich dreist.

Queere und Feministische Kritik wird oft nicht angenommen, sondern abgewehrt mit dem Versuch die Kritiker_innen klein zu machen oder zu diskreditieren. Das ist auch in den Kommentaren passiert: Dadurch, dass die Festival-Organisator_innen mit einem sinngemäßen ‚Das schafft ihr eh nicht‘ belächelt wurden oder mit der Frage „Wer wird denn jetzt noch dort auftreten wollen?“ gleich das ganze Festival als No-Go für linke HipHop-Künstler_innen erklärt wird. Gerade Menschen mit einem antisexistischen Anspruch sollten entsprechende Kritik ernst nehmen und gerade dann Support geben. In vielen Kommentaren ist das genaue Gegenteil passiert.

Wie in vielen gesellschaftlichen Debatten um queere und feministische Anliegen wurde auch uns Sexismus gegenüber Männern* vorgeworfen, verbunden mit der Forderung, dass Geschlecht doch keine Rolle spielen sollte – unter völliger Ausblendung gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Als Mann* zu leben und männlich sozialisiert zu sein ist nicht der Kritikpunkt. Normative Männlichkeit und Mackertum in den eigenen Strukturen und den Bühnenperformanzen aufrecht zu erhalten sehr wohl. Das macht sich für uns am Verhalten fest und an der wenigen Präsenz von FrauenLesbenInterTrans* und ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten und Erfahrungen auf der Bühne und in den Orgastrukturen.

Von Macht- und Unterdrückungsverhältnissen betroffenen Menschen wird oft alleine die Verantwortung für ihre Nicht-Repräsentation zugeschrieben. Auch in den Kommentaren fielen Sätze wie „weil in dieser Szene schlicht weg zu wenige Frauen (dann auch noch p.c.) aktiv sind“, oder „wir können auch nichts für die gegebenen Verhältnisse“.

Wir denken, dass es anders geht. Auch jetzt und heute. Wir haben keine Lust mehr zu warten. Wir wollen HipHop und sein politisches Potenzial feiern. Das politische Potential zeigt sich für uns darin, ob und in welchem Ausmaß die verschiedenen Lebensrealitäten und Erfahrungen von FrauenLesbenInterTrans* darin Platz finden. Wir haben uns entschieden in der Vorbereitung als FrauenLesbenInterTrans*-Gruppe zu arbeiten. Das schließt kritische Auseinandersetzungen und Kooperationen mit anderen Gruppen und Zusammenhängen überhaupt nicht aus. Wir wollen uns als Orga-Gruppe austauschen, auseinandersetzen, solidarisieren, gemeinsam Strukturen schaffen in denen FrauenLesbenInterTrans* vorkommen und präsent sind. Und wir wollen auf diese Art und Weise eine Bühne und einen politischen Raum gestalten, der den herrschenden Machtverhältnissen ein Stück weit etwas entgegensetzt. In dieser Gesellschaft und auch in der Szene in der wir uns bewegen. Das Festival soll eine Bühne sein für hoffentlich viele der tollen Künstler_innen, die es gibt und die wir kennen. Es soll auch ein Raum sein um sich auszuprobieren, sich kennenzulernen und auszutauschen. Nicht nur, aber gerade auch für FrauenLesbenInterTrans*.

Wir wollen uns nicht endlos an der Zeckenrapgala oder der Facebook-Debatte abarbeiten.
 Wir wollen unsere Energie und Zeit darauf verwenden, ein queer_feministisches Festival zu organisieren.
Und damit fangen wir jetzt an!
Um auf dem Laufenden zu bleiben, checkt gerne unseren Blog:
 feministhiphop2016.blogsport.de

Nachtrag: Seit der Veröffentlichung auf unserem Blog haben sowohl Radical Hype, die an dem  Zeckenrapgala-Abend in Bremen auf der Bühne standen, wie auch das politische Musiklabel Springstoff, die mit TickTickBoom als Organisator_innen der Gala eng verbunden sind, direkt Kontakt mit uns aufgenommen.

Discussion in progress…




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Für ein gutes Teilhabegesetz

30. Juni 2015 von Hannah C.

… gibt es eine weitere Petition, die von Constantin Grosch initiiert wurde und die hier unterzeichnet werden kann.

Begründet wird die Petition damit, dass die bestehenden Regelungen zur Finanzierung einer Assistenz für Menschen mit Behinderungen nicht unterscheidet, ob ein behinderter Mensch ein Einkommen hat oder nicht.

Auf der Webseite zur Petition heißt es:

  • Sie dürfen nicht mehr als 798 € verdienen. Alles was darüber hinaus geht, wird mit mindestens 40% vom Sozialamt eingefordert. Es ist also höchst unattraktiv für diese Gruppe von behinderten Menschen einer geregelten Arbeit nachzugehen, sie würden aber gerne arbeiten.
  • Sie dürfen maximal nicht mehr als 2.600 € ansparen, dürfen keinen Bausparvertrag und keine Lebensversicherung besitzen und das Erbe wird auch einkassiert. Alles was darüber hinaus geht, wird mit mindestens 40% vom Sozialamt eingefordert.
  • Sogar deren Beziehungspartner/in, sollte man mal mit ihm/ihr zusammenleben, würde mit seinem/ihrem Einkommen und Vermögen ebenfalls herangezogen werden.

Im Sinne der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, auch was die finanzielle Absicherung und Zukunftsplanung angeht, ist dieser Punkt also wichtig für ein gutes Teilhabegesetz.




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Applaus für … Bree Newsome

29. Juni 2015 von Charlott

Am frühen Samstagmorgen kletterte die Aktivistin, Filmemacherin und Musikerin Bree Newsome den Fahnenmast vor dem South Carolina Statehouse hoch und entfernte die dort wehende Flagge der Konföderation. Dass dieses Symbol, weiterhin so eine prominente Rolle spielt, war seit dem Attentat durch Dylann Roof in Charleston in einer breiteren öffentlichen Debatte diskutiert worden.

In einem Statement verkündete Newsome:

We removed the flag today because we can’t wait any longer. We can’t continue like this another day. It’s time for a new chapter where we are sincere about dismantling white supremacy and building toward true racial justice and equality.

Wir haben die Flagge heute entfernt, weil wir nicht länger warten können. Wir können so keinen weiteren Tag weiter machen. Es ist Zeit für ein neues Kapitel, in dem wir ernsthaft die weiße Vormachtsstellung auflösen und auf wirkliche Gerechtigkeit und Gleichberichtigung hinsichtlich von race hinarbeiten.

Zum Weiterlesen:




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Selbermach-Sonntag (28.06.2015)

28. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Samstagabend-Beat mit tricot

27. Juni 2015 von Charlott

Die Math Rock Band tricot aus Kyoto besteht aus Ikkyu Nakajima (Gesang, Gitarre), Motoko “Motifour” Kida (Gitarre, Gesang) und Hiromi “Hirohiro” Sagane (Bass, Gesang). Seit 2010 machen sie gemeinsam Musik und diesen März erschien mit A N D ihr zweites Album.

Und nicht vergessen: Auf unserem Youtube-Kanal findet ihr einen Großteil der vorangegangenen Samstagabendbeats in einer Super-Playlist.




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Gewalt gegen Geflüchtete: Freital

25. Juni 2015 von Charlott

Bereits seit März formiert sich rechter Widerstand gegen eine Geflüchtetenunterkunft in Freital, in der Nähe von Dresden. Seitdem seit Anfang der Woche noch weitere Geflüchtete in die Unterkunft umgezogen werden (sollen), die bisher in provisorischen Zelten in Chemnitz untergebracht waren, werden nicht nur die Aufrufe zur Gewalt nochmals verstärkt, sondern es versammeln sich tatsächlich auch zunehmmend Rassist_innen vor dem Gebäude, bauen ein Bedrohungsszenario auf, beschimpfen ankommende Geflüchtete, werfen Flaschen etc. Unter anderem Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann ruft über soziale Medien zum Handeln („Wehrt euch!“) auf. Aktivist_innen versuchen nun sich schützend zwischen die Unterkunft und die Rechten zu stellen. (Und in den Medien wird zwar darüber berichtet, aber dabei häufig schlicht von einem ‚Konflikt‘ oder ‚Streit‘ zwischen den ‚beiden Seiten‘ geschrieben. So sind beispielsweise für die Süddeutsche auch Ausrufe wie „Nazis, haut ab!“ und „Linksfaschisten“ gleichwertige Beschimpfungen.)

Vom gestrigen Tag berichtete Dresden Nazifrei:

Auch heute haben die Aktivist_innen wieder eine Aktion angemeldet. Treffpunkt ist 18 Uhr vor dem Gebäude der Flüchtlingsunterkunft „Am Langen Rain“.

Zum Weiterlesen:

Malaika Bunzenthal / Mali_2 hat auf Twitter eine Liste zusammengestellt mit Accounts, die zu und_oder aus Freital twittern.

Auf Mut gegen Rechte Gewalt gibt eine Übersicht zu Gewalt gegen Geflüchtete. Zu letzt wurde die Liste Mitte April aktualisiert. Allein bis zu diesem Zeitpunkt wurden für das Jahr 2015 25 Angriffe auf Unterkünfte, 25 tätliche Übergriffe/Körperverletzung von Flüchtlingen und 41 Flüchtlingsfeindliche Kundgebungen/Demos gezählt.

Und allgemeine Informationen zu Flucht, Asyl und Protesten von Geflüchteten gibt es unser Dossier.




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Angela Davis, Rachel Dolezal, Miriam Schapiro – kurz verlinkt

24. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links
Angela Davis war in Berlin und hat sich u.a. mit Aktivist_innen über die aktuelle Situation von Geflüchteten und dem Aktivismus Schwarzer Frauen unterhalten. Beim Missy Magazine berichten Birke Carolin Resch und Tai Linhares über das Zusammentreffen.

Tupoka Ogette sprach beim Deutschlandradio Kultur über den Fall Rachel Dolezal.

englischsprachige Links
„The Charleston shooter killed mostly black women. This wasn’t about ‚rape'“, schreibt Rebecca Carroll beim Guardian und analysiert zum einen, wie weiße Frauen als besonders schützenswert konstruiert werden und Schwarze Frauen wegwerfbar.

In der New York Times schreibt Roxane Gay darüber, wie schnell medial ein Narrativ von Vergebung (des Anschlags von Charleston durch die Angehörigen der Opfer) aufgegriffen wurde, wie schnell für weiße Täter_innen Entschuldigungen gesucht werden und warum ihnen nicht vergeben wird.

Weitere Texte rund um den Anschlag in Charleston, z.B. zur Geschichte der Emanuel African Methodist Episcopal Church, weiteren Terrortaten weißer, christlicher Männer und der langen Tradition der Instrumentalisierung von (vermeintlichen) Vergewaltigungsbedrohungen, hat Feministing zusammengetragen.

Über Tim Hunts sexistische Bemerkungen zu Frauen in Laboren haben wir berichtet. Ms. Magazine ergriff den Anlass und stellt „5 “Disruptive” Women Scientists Who Broke the Mold“ vor.

Die feministische Künstlerin Miriam Schapiro ist verstorben. Mira Schor erinnert an sie bei Hyperallergic.

Durch ein 2013 verabschiedetes Gesetz (einem diesbezüglichen Gerichtsurteil folgend) haben zehntausende Menschen mit haitianischen Vorfahren in der dominikanischen Republik über Nacht ihre Staatsbürgerschaft verloren. Die Deportationen sollen diese Woche beginnen. Vox berichtet über die Hintergründe.

Alok Vaid-Menon (von Darkmatter) spricht in diesem Video über „The Pain & Empowerment of Choosing Your Own Gender“:

Und bei Everyday Feminism schreibt Sam Dylan Finch: „Is Your Trans Allyship Half-Baked? Here Are 6 Mistakes That Trans Allies Are Still Making“ und geht dabei Themen nach wie den Fokus auf’s Aussehen und dem „Born This Way“-Narrativ.

Termine in Berlin

26.06. in Berlin: Ab 18 Uhr findet der nächste Next Generation Adefra Stammtisch in der Begine statt. (FB-Link)

02.07. in Berlin: Konferenz in der Topographie des Terrors: „Antisemitismus heute: Erfassen, erforschen, bekämpfen“. (FB-Link)




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Über Verlust und Trauer – Bücher und Zines zu Trauer, Suizid und Unterstützung für Trauernde

23. Juni 2015 von Gastautor_in

Die Autorin ist Mitte der 1980er geboren, lebt in Berlin und hat sich mit Literatur rund um Trauer, Suizid und Unterstützung für Trauernde befasst. Im ersten Teil, der gestern erschien, beschrieb sie Gefühle und Erfahrungen mit dem Tod von Eltern. In diesem Teil geht es um konkrete Empfehlungen für Bücher, Blogartikel, Zines und Videos zum Thema Trauer, Suizid und Unterstützung für Trauernde.

Gestern schrieb ich, dass es gerade in Trauerphasen sehr wichtig ist, genau in sich hinein zu fühlen, welche Unterstützung (z.B. in Form von Büchern, Freund_innen, Trauergruppen, Therapie…) sich gut anfühlt oder nicht. Es ist total OK, die Trauergruppe nach zwei Sitzungen zu verlassen, weil du dich nicht wohl fühlst. Oder den Kontakt mit einigen Mitmenschen zu verringern, die deinen Schmerz nicht verstehen. Gerade in so einer schweren Zeit ist es enorm wichtig auf sich zu hören. In diesem Text stelle ich zwei Bücher und zwei Zines vor, die mir sehr geholfen haben. Es kann sein, dass diese für dich wenig hilfreich sind. Deshalb liste ich weiter unten weitere Bücher, (Blog)Artikel und Videos auf, die mich begleitet haben, auch wenn ich persönlich nicht alles empfehlen würde – vielleicht ist es für dich kraftspendend.

Zwei Bücher von Chris Paul möchte ich vorstellen, weil sie sehr viele Ressourcen beinhalten, zum Beispiel Übungen und Listen mit Beratungsangeboten. Chris Paul, die selbst ihre Partnerin durch Suizid verloren hat, ist Trauerbegleiterin und Autorin. Sie hat viele Bücher und Aufsätze geschrieben und bietet Seminare und Fortbildungen an.

Chris Paul: „Warum hast du uns das angetan? Ein Begleitbuch für Trauernde, wenn sich jemand das Leben genommen hat“, Goldmann, 2012, 3. Auflage

Chris Paul: „Warum hast du uns das angetan? Ein Begleitbuch für Trauernde, wenn sich jemand das Leben genommen hat“In diesem Buch thematisiert Chris Paul die Vielfalt der Gefühle und Trauerreaktionen von Menschen, die einen nahen Menschen durch Suizid verloren haben. Suizid – oder wie Paul es nennt: Selbsttötung – sei die „am stärksten tabuisierte Todesursache in unserer Gesellschaft“. Während in der Trauerforschung noch häufig Bezug auf recht starre und linear gedachte Trauerphasen-Modelle genommen wird, spricht Paul eher von „Aufgaben des Trauerns“, die sie anhand von Zeitabschnitten („Die ersten Stunden“, „Die ersten Tage und Wochen“, „Das erste Jahr“ und „Trauerjahre/Lebensjahre“) vorstellt. Paul geht also nicht davon aus, dass in bestimmten Zeitabschnitten ganz bestimmte Gefühle stattfinden oder es ein klares Ende von Trauerprozessen gibt, wenn bestimmte Phasen durchlaufen sind. Vielmehr glaubt sie, dass jeder Zeitabschnitt eine Vielzahl an Gefühlen mit sich bringen kann und folgende vier Aufgaben immer wieder bewältigt werden (mal schneller, mal langsamer): 1. Die Wirklichkeit des Todes begreifen; 2. Die Vielfalt der Gefühle durchleben; 3. Veränderungen in der Umwelt wahrnehmen und gestalten und 4. Der oder dem Toten einen neuen Platz zuweisen. Ein Extrakapitel befasst sich außerdem mit Kindern und Jugendlichen als Trauernde nach einem Suizid. Zwischendrin finden sich immer wieder Übungen, die mensch relativ leicht in den Alltag einbauen kann und die helfen können, sich zu entspannen, zu erinnern oder zu reflektieren.

Ich finde das Buch unglaublich gut, weil es ehrlich und leicht verständlich auf viele Themen eingeht, die überlebende Angehörige oftmals beschäftigen: Trauer, Wut, Schuldgefühle, Angst, Suizidgedanken, körperliche und psychische Beeinträchtigungen, aber auch bürokratische und finanzielle Hürden unmittelbar nach dem Suizid. Besonders das Kapitel zu Schuld (und deren Funktion) war für mich ein wichtiger Perspektivwechsel. Kurz nimmt Paul auch Bezug darauf, wie Angehörige von Menschen, die von gesellschaftlichen Normen abweichen (z.B. in Bezug auf Begehren, Hautfarbe, Gesundheitszustand), häufig verstärkt Ausgrenzung und Stigmatisierung erleben, weil der Suizid der Person manchmal dafür genutzt wird, Vorurteile über bestimmte gesellschaftliche Gruppen zu stärken (z.B., dass Depression automatisch Suizid nach sich zieht). Hier wäre mein einziger Kritikpunkt, dass das Thema sehr kurz kommt und ich gerne mehr dazu gelesen hätte. Weiterlesen »




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Über Verlust und Trauer

22. Juni 2015 von Gastautor_in

Die Autorin ist Mitte der 1980er geboren, lebt in Berlin und hat sich mit Literatur rund um Trauer, Suizid und Unterstützung für Trauernde befasst. In diesem Text geht es um Gefühle und Erfahrungen mit dem Tod von Eltern sowie um den Umgang mit Trauer und Trauernden (auch in queer-feministischen Kontexten). In einem zweiten Teil werden Bücher, Blogtexte, Zines und Videos zum Thema Trauer, Suizid und Unterstützung für Trauernde vorgestellt.

wolken

Ich habe mich in meinem Leben schon sehr oft mit Tod und Verlust auseinander setzen müssen. Als ich 13 war, verstarb meine Großmutter. Zusammen mit meiner Mutter und meinem Vater war sie eine zentrale Bezugsperson für mich, weil sie meine Geschwister und mich mit aufzog. Kurz nach meinem 15. Geburtstag verstarb mein Vater. Die Erlebnisse auf der Intensivstation, der Verlust zweier so wichtiger Menschen und die Trauer meiner Mutter, die innerhalb weniger Jahre ihren Mann und ihre Mutter verlor, brannten sich tief in mir ein, aber ein Sprechen darüber war kaum möglich. Meine Freundinnen waren mit sich und ihren eigenen Problemen beschäftigt. Schule und die alltäglichen Sorgen einer 15-jährigen rückten auch bei mir schnell wieder in den Vordergrund. Von Außen betrachtet kam ich sehr gut klar, abends weinte ich mein Tagebuch voll. Die Jahre vergingen, die Erinnerungen an die schmerzliche Zeit ließen nach. Ich begann auch zu vergessen. An viele Erlebnisse und Gefühle, über die ich heute in meinen Tagebüchern lese, kann ich mich nicht oder nur noch vage erinnern. An die Beerdigung meines Vaters habe ich eigentlich keine Erinnerung. Verdrängung war meine beste Freundin. Ich denke aber nicht, dass es mir permanent schlecht ging oder ich etwas unterdrücken musste, was eigentlich unbedingt raus gehörte. Verdrängungsmechanismen sind (auch) Strategien, um weiter (gut) durchs Leben zu kommen. Gefühle bahnen sich manchmal erst ihren Weg, wenn Raum und Zeit dafür da sind. Und als 15jährige gab es für mich diesen Raum nicht. Es macht mich heute zwar traurig, dass die Möglichkeit zum Trauern und Erinnern nicht da war, aber ich sehe auch, welche Funktionen es für mich hatte: Ich musste und konnte so weiterleben. Und einige meiner Träume erfüllen (zum Beispiel ins Ausland gehen).

Anfang des letzten Jahres verstarb plötzlich meine Mutter. Sie hatte keinen Lebensmut mehr, unternahm nichts gegen ihren Tod. Mir fällt es schwer, in Worte zu fassen, was das für mein Leben bedeutet_e. Es gibt für mich nur noch ein „Davor“ und ein „Danach“. Ich glaube, dass der Tod meiner Mutter der fundamentalste und grausamste Einschnitt meines Lebens war. Da ich zu der Zeit bereits regelmäßig eine Therapeutin aufsuchte, führte für mich kein Weg an einer intensiven Auseinandersetzung vorbei. Ich blicke heute auf die letzten eineinhalb Jahre zurück und stelle fest, dass ich in einer Phase bin, in der ich mich von der intensiven Trauer, der Schlaf- und Kraftlosigkeit ein wenig erhole. Ich kann wieder durchschlafen, bin konzentrierter und nicht mehr permanent müde. Ich weine nicht mehr täglich, die wasserfeste Mascara kann immer öfter gegen wasserlösliche eingetauscht werden. Ab und zu bin ich wieder spontan und manchmal sind gesellige Runden für mich auch wieder mit Spaß verbunden. Reden über meine Gefühle fällt weiterhin schwer, aufschreiben hilft sehr.

Was bleibt, ist die Erfahrung, dass Trauer nicht „einfach mal da“ ist und dann wieder geht. Und schon gar nicht nach einem Jahr abgeschlossen und vergessen ist. Trauer hat mein Leben sehr fundamental um_strukturiert. Ich musste mich mit ihr arrangieren, weil sie wahrscheinlich sehr lange, vielleicht mein ganzes Leben lang, mit mir bleiben wird. Das war eine wichtige Erkenntnis für mich. Ich atme viel und ich wachse an und mit mir.

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