Samstagabendbeat mit Little Simz

18. April 2015 von Charlott

Einen wunderbaren Samstagabend mit der Londoner Rapperin Little Simz! Im letzten Jahr veröffentlichte die 20-jährige ihre Debut-EP E.D.G.E auf ihrem eigenen Label AGE 101 und zu dem drei Mini-EPs ihrer AGE 101: DROP Reihe. Letzten Monat spielte sie beim SXSW-Festival, derzeitig tourt sie durch Großbritannien und bald Frankreich.




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“Masters of Sex” – oder wie Sex emanzipieren kann

16. April 2015 von Gastautor_in

Inna studiert Philosophie und Soziologie in Rostock und versucht dabei Philosophinnen zu entdecken, anstatt sich von der Männerdominanz in beiden Fachrichtungen entmutigen zu lassen. Am liebsten schreibst sie über Serien, Filme und Menschen, die sie auf verschiedenste Weise bewegen. Der folgende Beitrag erscheint demnächst auch im Rostocker Studierendenmagazin Heuler.

„Frauen denken oft, dass Sex und Liebe dasselbe sind, aber das muss nicht so sein, das kann man auch voneinander trennen“, sagt die emanzipierte und selbstbewusste Virginia Johnson (Lizzy Caplan) zu Beginn der TV-Serie Masters of Sex. Als  Forschungsassistentin, die durch ihr besonders unkonventionelles Denken im Jahr 1956 für diesen Posten geeignet erscheint, erforscht sie mit dem renommierten Gynäkologen William Masters (Michael Sheen) das menschliche Sexualverhalten.

Basierend auf den realen Leben von William Masters und Virginia Johnson, spielen Michael Sheen und Lizzy Caplan die Geschichte zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch gemeinsam jegliche Erkenntnisse über  menschliches Sexualverhalten revolutionieren. Eine wichtige Feststellung dabei lautet, dass es keinen Unterschied gibt zwischen vaginalen und klitoralen Orgasmen. Es zeugt von einer gewissen Ironie und ist auch gleichzeitig paradox, dass es letzten Endes ein Mann ist, der den Frauen sagt, dass sie sich auch selbst befriedigen können.

Die Serie ist von gegensätzlichen Verhältnissen geprägt. William Masters, ein Mann, der beweisen will, dass Frauen sich auch ohne Männer gut und gerne befriedigen können, ist gleichzeitig ein frauenfeindlicher, ignoranter Kontrollfreak mit einem gigantischen Ego. Dabei ist der Gipfel der fragilen Verflechtungen von Paradoxien die Tatsache, dass er aus Stolz seiner Frau Libby (Caitlin Fitzgerald) nicht sagen kann, dass nicht sie der Grund ist, weshalb sie (bislang) kein Kind bekommen konnte, sondern er.

Virginia ist hingegen ihrer Zeit weit voraus. Den Höhepunkt stellt dabei ihr überaus erfülltes Sexleben dar, was in Kombination mit der Tatsache, dass sie eine zweifache, alleinerziehende, unverheiratete Mutter und Sexualforscherin in den 60er Jahren ist, nur skandalös sein kann. Es geht bei dieser Serie offensichtlich um mehr als nur Sex oder das Beobachten von Menschen beim Masturbieren oder Koitus, während sie mit Aufzeichnungsgeräten verkabelt sind. Rollenbilder werden hinterfragt, Vorreiter_innen geschaffen und Sex auf eine Art und Weise emanzipiert, auf die es auch tatsächlich allen Beteiligten Spaß machen darf und kann!

„Der Sex war immer eine Art Vehikel, um Diskussionen über wirklich schwierige Themen führen zu können“, sagt Produzentin Michelle Ashford in einem Interview. Es gibt in der Serie zwei weitere zentrale Themen: Die zu diesem Zeitpunkt in den USA vorherrschende Segregation zwischen Schwarzen und weißen Menschen und der Kampf dagegen, den Masters Frau Libby – bis dato unscheinbar und naiv – beginnt zu unterstützen. Zum anderen spielt das Thema Homosexualität beispielsweise für die ehemalige Prostituierte Betty DiMello (Annaleigh Ashford) eine Rolle, da sie sich mit einer Gesetzeslage konfrontiert sieht, die sog. Homosexualität bis 1962 in allen Staaten unter Strafe setzte. Auch danach wurden homosexuell lebende Personen in der Gesellschaft weder akzeptiert, noch gleichwertig behandelt.

2015 hat die Serie kaum an Aktualität verloren. In Zeiten von rassistischen Spaziergängen, sexueller Gewalt in Werbungen und Videos, die als witzig und harmlos empfunden wird, und homophoben Regierungen kann ich die Serie als kurzen Wink mit dem Zaunpfahl gar nicht genug empfehlen.

Die zweite Staffel ist gerade auf ZDF.neo angelaufen.




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Mein Körper und ich in der Beziehungskrise. Streitthema Nummer 1: Essen.

15. April 2015 von Nadine

“Wollen wir nachher noch was essen gehen?” – Nope.
“Ich kann was kochen, wenn du kommst.” – Nope.
“Wir treffen uns zum Abendessen in XY, kommst du mit?” – Nope.
“Ich hab … gemacht, darauf hast du sicher Lust.” – Nope.
“Mmmmh das ist so lecker.” – Nope.
“Magst du nicht (noch) was essen?” – Nope.
“Ich hol mir bei XY noch was zu essen, willst du auch was?” – Nope.
“Hast du gar keinen Hunger?” – Nope.
“Du musst doch was essen.” – Nope.
“Hast du heute schon was gegessen?” – Nope.
“Was willst du essen? Worauf hast du Appetit?” – Nope. Nope. Nope. Nope.

Ich liebe essen. Vor allem viel. Es gab Zeiten, da kannte ich kein Sättigungsgefühl und schaufelte alles in mich rein, bis mir schlecht wurde. Es gab Zeiten, da wurde ich fast wahnsinnig mit dem Gefühl Appetit zu verspüren, ohne zu wissen, worauf. Es gab Zeiten, da saß ich jeden Samstagabend mit meiner Mutter vor’m Fernseher, um Alfred Biolek beim Weintrinken (und kochen) zuzusehen. Ich verschlang jede Kochsendung (und nebenbei eine große Portion eines leckeren Irgendwas). Rezepte lesen. Fotos von Essen anhimmeln und das wohlige Gefühl im Bauch spüren.

Es gab Zeiten, da hatte ich bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen. Zählte Kalorien. Führte Tagebuch über meine Essgewohnheiten (und meine Kalorienzufuhr). Schaute mich mehrfach täglich im Spiegel an und fand mich “zu dick”. Hätte heulen können, als mir meine liebsten Klamotten zu eng wurden. Verbrachte etliche Stunden pro Woche im Fitnesscenter im Glauben, es würde was bringen (aka. ich könnte abnehmen). Machte unsinnige Diäten, verlor kein einziges Gramm Körpergewicht. Wog mich mehrmals täglich. Trank so oft wie möglich so viel wie möglich Alkohol, damit mir am nächsten Tag schlecht war und ich nichts runterbekam. Einen Monat lang steckte ich mir nach jeder großen Mahlzeit den Finger in den Hals bis ich kotzen musste. Und ich kotzte. Bis der Magen leer war. War nicht so geil.

Seitdem ich aus der elterlichen Wohnung ausgezogen bin, verlor ich jedes Jahr mindestens ein Kilo. Ohne meine Essgewohnheiten zu verändern. Ohne mich im Fitnesscenter abzumühen. Ich hasse Sport. Ich brauchte allerdings ein paar Jahre, bis ich nicht mehr überlegen musste, ob der Gang zum Kühlschrank nach 20 Uhr okay ist. Oder warmes Essen kurz vor Mitternacht. Trotzdem fühlte ich mich in meinem Körper nicht wohl. Ich stand vor dem Spiegel, hielt mir meine Hüften und Oberschenkel ab, bis mein Oberkörper, Becken, Beine und Po eine gerade Linie bildeten. So wollte ich aussehen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte keine Angst vor’m “Zunehmen” gehabt. Ich hasste meine Kurven auch deshalb, weil ich damit einfach nicht aussah, wie ich aussehen wollte. Ich wollte kein Mädchen, keine Frau sein. Ich wollte aussehen wie ein Brett. Mit Muskeln, pumpenden Venen und harten Kanten.

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Verarmungsmaschine Hartz IV, Hologramm-Proteste und Hillary Clinton – kurz verlinkt

15. April 2015 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Eine neue Ausgabe der an.schläge ist erschienen. Im Mittelpunkt steht diesmal “Zehn Jahre Hart IV“. Online könnt ihr bereits das Interview “Verarmungsmaschine Hart IV” mit der Politikwissenschaftlerin Karin Lenhart lesen.

Für 2014 zählte die Polizei 162 rechts motivierte Angriffe auf Unterkünfte für Geflüchtete, fast dreimal so viele wie 2013, berichtet die tagesschau. Und 2015 wird offensichtlich nicht besser: Allein gestern schrieb die ZEIT über (bisher noch ungeklärte) Feuer in Berlin und Hamburg und die Frankfurter Rundschau schreibt über Ermittlungen nach Schüssen auf ein Geflüchteten-Unterkunft in Hofheim.

In Spanien gibt es seit Ostern hohe Geldstrafen für Proteste vor dem Regierungsgebäude, Twittern von unangemeldeten Demos und dem Fotografieren von Polizist_innen im Einsatz. Dagegen richtete sich in Madrid eine Demonstration – die aus Hologrammen bestand!

Geld von euch möchte das Missy Magazine, wofür verraten die Macher_innen bei startnext.

englischsprachige Links

Letzte Woche verwiesen wir auf einen Bericht über fünf chinesische Aktivist_innen, die festgenommen worden waren. Nun sind die “Bejing Five” nicht mehr im Gefängnis, sondern ‘frei’ unter “conditional release”. Das berichtet The Mary Sue.

Ein Webcomic zu queeren 50er-Jahre Girl-Gangs? Ja, genau! Autostraddle stellt Rock and Riot vor.

Hillary Clinton hat diese Woche verkündet wieder für das Amt der_des US-Präsident_in kandidieren zu wollen. Feministing hat erste Reaktionen zusammengetragen. Racism Review schreibt: “Hillary Clinton: Good for White Feminism, Bad for Racial Justice“.

Termine in Berlin, Bochum, Eberswalde und Kiel:

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Ein Jahr später: Immer noch 219 von Boko Haram entführte Schülerinnen verschwunden

14. April 2015 von Charlott

Heute vor einem Jahr wurden 276 Schülerinnen aus einem Internat in der nord-nigerianischen Stadt Chibok durch Boko Haram Milizen entführt. Einige der Mädchen konnten sich in den Wochen darauf selbst befreien und flohen. Doch die Mehrheit, 219 Schülerinnen, sind auch noch ein Jahr später verschwunden. Es ist nicht klar, wo sie hingebracht wurden – und ob sie noch am Leben sind.

Obiageli Ezekwesili, eine der Organisator_innen der “Bring Back Our Girls”-Bewegung (die weit mehr umfasst als den Twitter-Hashtag) sprach zu diesem traurigen Jahrestag mit dem BBC World Radio Service und betonte:

They [the government] have not said to us, that the Chibok girls are dead. As far as I am concerned, you know, that is the situation where we must respect what they are saying to us, that they will bring back our girls. What we are doing is holding on to hope. Anyone who is saying to us to stop hoping would be someone who does not understand, that hope is everything. I mean it’s only the dead that cannot hope. And so it makes us feel terrible, but we cannot exhaust hope, because hope is inexhaustible.

Sie [die Regierung] sagen uns bisher nicht, dass die Chibok Mädchen tot sind. Und für mich ist das so eine Situation, wo wir annehmen müssen, was sie uns sagen, dass sie unsere Mädchen zurückbringen werden. Wir halten an unserer Hoffnung fest. Jede_r, di_er uns sagt, dass wir aufhören sollten zu hoffen, versteht nicht, dass Hoffnung alles ist. Nur die Toten können nicht hoffen. Und so fühlen wir uns furchtbar, aber wir können die Hoffnung nicht ausschöpfen, weil Hoffnung unausschöpfbar ist.

Die Mädchen in Chibko waren nicht die ersten – und auch nicht die letzten Personen – die im Norden Nigerias entführt wurden. Auch daran erinnern heute viele. An verschiedenen Orten Nigerias und an anderen Orten weltweit haben heute Demonstrationen/ Veranstaltungen stattgefunden. Mehr Informationen gibt es auf de FB-Seite von Bring Back Our Girls, der Kampagnen-Webseite und den Hashtags #BringBackOurGirls, #ChibokGirls, #NeverToBeForgotten und #365DayOn.




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Unterstützung für das TRANS*FESTIVAL in Krakau

13. April 2015 von Charlott

Vom 28. bis 31. Mai findet in Krakau das Trans*Festival statt. Im Rahmen von diesem werden eine Reihe von Foto-Ausstellungen präsentiert, Diskussionsrunden organisiert, Workshops gegegeben und Filme gezeigt (u.a. die Dokumentation Trans-akcja über die polnische Politikerin Anna Grodzka, mit der wir hier im Februar ein Interview veröffentlichten).

Bei Indiegogo läuft nun noch bis zum 29. April eine Crowdfunding-Aktion, wo ihr das Festival unterstützen könnt und dafür sogar noch Dinge wie das extra für das Festival erstelle trans*ZINE erhaltet. Das Geld wird vor allem für die Unterstützung bei Reisekosten und dem Transport einer weiteren Ausstellung benötigt.




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Selbermach-Sonntag (12.04.2015)

12. April 2015 von der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Samstagabendbeat mit Girlpool

11. April 2015 von Charlott

Harmony Tividad and Cleo Tucker bilden die Band Girlpool. Ihr Debutalbum “Before The World Was Big” erscheint im Juni und auf Soundcloud kann bereits der erste Song von diesem, “Ideal World”, gestreamed werden.

Und ein Video aus dem letzten Jahr:




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Bereute Mutterschaft, beredeter Widerstand und beeindruckende Schlagzeugerinnen – kurz verlinkt

9. April 2015 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Radio-Feature mit drei Aktivistinnen zum Anhören: Riots not Diets? Fettaktivismus zwischen Intervention und Schutzraum.

Frauen, die ihren beruflichen Werdegang wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen unterbrochen haben, sich neu orientieren oder auf einen Wiedereinstieg vorbereiten möchten, können im Rahmen des Berliner Projekts „Medienkompetenz und Work-Life Balance – Wiedereinstieg für Frauen“ an einem Einzel-Coaching teilnehmen.

“„So genau wollten wir das gar nicht wissen“ – Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe” untersucht Charlie Kaufhold beim Feministischen Institut Hamburg.

Nicht jede Mutter ist glücklich mit ihrer Rolle und manche würden – wenn sie denn die Zeit zurückdrehen könnten – sich gegen Mutterschaft entscheiden, doch darüber sprechen ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über ein Studie der Soziologin Orna Donath.

dieStandard porträtiert Irma Schwager, eine Wiener Kommunistin, die als Teil der französischen Widerstandsbewegung Wehrmachtsoldaten durch Gespräche und Flugblätter von der Falschheit des Krieges zu überzeugen versuchte und damit ihr Leben auf das Spiel setzte.

englischsprachige Links

Charles Onyango-Obbo kommentiert in der New York Times al-Shabaabs Terrorangriff auf die Garissa-Universität in Kenya, bei der 148 Menschen getötet wurden. Bei Twitter erinnern unter dem Hashtag #147NotJustANumber (bezugnehmend auf die zuerst veröffentlichte Anzahl Ermordeter) Familien, Freund_innen und Kommiliton_innen an die Opfer.

“I’m thinking about the fat people who were able to show love to themselves and in turn, show me how to love myself”: queering the game of life plädiert für dicke_fettes, queeres Self-Empowerment und Sichtbarkeit als Protestzeichen gegen öffentlich zelebrierte Dickenfeindlichkeit.

Purvi Patel wurde nach einer Fehlgeburt zu insgesamt 41 Jahren Haftstrafe wegen Fetizids und Kindesmisshandlung verurteilt. Bei RH Reality Check findet ihr Hintergründe zu diesem Fall und könnt eine Protestpetition unterschreiben.

Bei TheToast trägt Cate Burlington Dinge zusammen, die Kollegen (in ihrem Tech Umfeld) zu ihr sagten, und kommentiert diese. Die Sprüche sind wie zu erwarten eine Ansammlung hetero_sexistischer Klischees, aber Burlingtons Anmerkungen sind so pefekt, dass man sie sofort gern zur neuen besten Freundin hätte.

Magda fragte hier bei der Mädchenmannschaft einmal “Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?“, für alle, die da immer noch lange überlegen müssen, gibt es nun den richtigen Artikel bei Grimy Goods: “The 20 Best Female Drummers — by all means, badass“.

Qualifizierst du dich für den “Fat Bitches Club“? Dances With Fat hat eine Liste erstellt.

französischsprachige Links

Am 8. März wurden in Peking neun feministische und LGBT-Aktivist_innen festgenommen, weil sie bei einer Aktion auf sexualisierte Übergriffe aufmerksam machen wollten. Fünf sind immer noch im Gefängnis, berichtet Yagg.

Termine in Berlin

10.-12. April, Berlin: Specs On – International Feminist Art Music Festival.

18. April, Berlin: Pempamsie: Ein Workshop für Schwarze Mütter mit Sharon Dodua Otoo (mit Anmeldung).




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Berufsverbot, Geldstrafen und Haft?! Frankreichs absurder Kampf gegen Schönheitsideale

8. April 2015 von Magda

Israel, Spanien und Italien haben es vorgemacht, und nun soll es ein vergleichbares Gesetz auch in Frankreich geben: Letzte Woche stimmte die französische Nationalversammlung für einen Gesetzesartikel, der Models mit einem BMI unter 18 von den Laufstegen verbannen sollte. Über das Gesetz wird in Gänze Mitte April abgestimmt. Die Tagesschau berichtet:

Die französische Gesundheitsbehörde soll dazu einen Body-Mass-Index (BMI) – eine Kennzahl für das Körpergewicht – festlegen, der von Models nicht unterschritten werden darf. Den Verantwortlichen von Modelagenturen, die extrem dürre Mannequins engagieren, sollen künftig sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von 75.000 Euro drohen.

Ferner soll die „Anstiftung zur Magersucht“ künftig als Gesundheitsgefährdung eingestuft und unter Strafe gestellt werden. Geldbußen oder gar Haft könnten dann denjenigen drohen, die zu „extremer Schlankheit“ anstacheln oder „exzessive Diäten“ propagieren (tagblatt.de). Na prima: Sendeverbot für The Biggest Loser und Weight Watchers-Werbungen und Berufsverbot für Detlef D. Soost, Attila Hildmann und all die anderen Dickenfeinde!! Nee, leider nicht. Die quälen ja dicke Menschen, das ist schon in Ordnung.

Das Gesetz wird medial als „Kampf gegen krankhaft dünne Schönheitsideale“ (Tagesschau) gefeiert. Ich frage mich, ob hier noch jemand Kopfschmerzen hat. Kopf, Tischplatte, Aua. Klar würde ich Apfelschorle für alle ausgeben, wenn Models aller Konfektionsgrößen und körperlichen Verfasstheiten auf den Laufstegen dieser Welt vertreten wären. Das hat dieses Gesetz allerdings nicht zur Folge.

Der Gesetzesentwurf ist stigmatisierend und ein unterkomplexer Versuch, die Modewelt unter dem irreführenden Deckmantel von „Gesundheit“ ein Stückchen vielfältiger zu gestalten, aber im Grunde genommen würde ein Gesetz wie dieses nichts verändern.

Solche Gesetze bewirken vielmehr das Gegenteil: Sie führen zur Stigmatisierung von dünnen Frauen (die mit oder ohne sogenannte Essstörungen und/oder Anorexie leben), ohne konkrete Strukturen bereitzustellen, die diese Frauen nutzen können, falls sie Unterstützung benötigen. Das angedrohte Berufsverbot ist besonders absurd wenn mensch bedenkt, wie teuer Unterstützungsangebote wie Therapien, Kuren und sonstige heilende/medizinische Angebote sind, sofern sie nicht von der Kasse bezahlt werden (was nicht immer der Fall ist). Wenn es also wirklich darum gehen soll, jungen Frauen Hilfsangebote zu schaffen, damit sie ein stressfreieres Verhältnis zu ihrem Körper, zu Essen und alltäglichen Belastungssituationen entwickeln können, dann sind Geldstrafen und Berufsverbote das komplette Gegenteil von Hilfe. (Update: Das Beschäftigungsverbot soll nun bereits aus dem Gesetzesvorschlag gestrichen worden sein.)

Ein weiteres Problem ist die beliebige Grenze, die für „krank“ (BMI unter 18) und „gesund“ (BMI ab 18,5 bis 25) gesetzt werden sollen. Zum Unsinn des Body Mass Index habe ich bereits ausführlich geschrieben. Ich halte den BMI als Messinstrument für Gesundheit und Wohlbefinden für komplett ungeeignet, weil er nur ein kleines Fenster für „Normalität“ lässt. Es gibt zahllose junge Menschen, die einen medizinisch perfekten BMI haben und trotzdem ein problembehaftetes Verhältnis zu ihrem Körper und zu Essen haben – so problembehaftet, dass ihr Alltag, ihre Leben eingeschränkt sind. Das Gesetz zielt allerdings nicht auf alle Menschen ab, die sogenannte Essstörungen haben, sondern wirklich nur auf die gaaanz gefährlichen™ Vorbilder, die (Achtung: kritikwürdige Aussage) auch wirklich „krank“ aussehen. Die sollen von den Laufstegen geschubst werden. Eine wirkliche empathische Strategie, um gegen Essstörungen zu kämpfen!

Der Gesetzesentwurf ist außerdem hochproblematisch, weil es sogenannte Essstörungen / Anorexie als Problem sehr schlanker Frauen konstruiert und die flächendeckende Struktur, nämlich dass Menschen jeglichen Gewichts davon betroffen sein können, verschleiert. (Im Übrigen haben auch viele dicke_fette Menschen Essstörungen: Exzessives Diäthalten und Hungern werden bei dicken Menschen allerdings eifrig beklatscht. Siehe The Biggest Loser und Weight Watchers. Abnehmen gilt traurigerweise als gesünder als lustvoll essende dicke Menschen.)

Es geht also gar nicht darum, jungen Frauen jeglichen Gewichts Unterstützung zu signalisieren, wenn sie sich so unwohl mit ihrem Körper fühlen, dass sie im Alltag nicht mehr klarkommen. Es geht vielmehr darum, einen oberflächlichen und medial perfekt inszenierten „Kampf gegen Schönheitsideale“ zu führen, der niemanden hilft und mit lächerlichen Verboten und existenzgefährdenden Strafen daherkommt: Auf den Laufstegen laufen dann weiterhin Frauen, deren Körper kaum repräsentativ für diese Gesellschaft sind, einige von ihnen haben sogenannte Essstörungen (auch wenn mensch es ihnen nicht ansieht) und werden diese auch weiterhin haben, einfach, weil der enorme Druck in der Modeindustrie bleibt, auch wenn einige sehr dünne Frauen verschwinden. Und diese Frauen, egal wie ihr Gesundheitszustand aussieht, müssen das ausbaden, was unsere Gesellschaft einfach nicht hinbekommt: Jungen Menschen ein Körpergefühl zu vermitteln, das ohne diskriminierenden Bockmist auskommt. Eine Gesellschaft, die bedürfnisorientiert und sensibel (therapeutische) Unterstützung zur Verfügung stellt, wenn mensch diese braucht. Eine Gesellschaft, wo Models Größe 38 haben, oder 42. Oder 58. Schön wär’s. Ein solches Gesetz beinhaltet all dies nicht.

Ein letztes Wort gilt den Journalist_innen, die sich in der Berichterstattung sehr betroffen zeigen, aber sprachlich unbeirrt weiter absolut respektlos über Frauenkörper schreiben: „Skelette“, „Magermodels“, „klapperdürr“ oder „Magermädchen“, begleitet von Nacktbildern von dünnen Frauen, die „schocken“ sollen, ist keine sensible Form der Berichterstattung. Das ist einfach nur ätzend. Bitte ändert das.




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