“Jede Frau muss für sich herausfinden, was sie am stärksten erregt”

May 12th, 2008 von Susanne

In der Mai-Ausgabe des Psychologie-Magazins Emotion gibt es ein sehr gutes Interview mit der Sexualforscherin Beverly Whipple. Sie spricht über weiblichen Sex, Orgasmen und über die Erforschung der weiblichen Sexualität, die erst Anfang der Achtziger(!) richtig in Gang kam.

Arbeit in Zukunft: Digital. Flexibel. Individuell.

May 12th, 2008 von Susanne

Zeit Online und Tagesspiegel.de berichten über die Empfehlung von Bevölkerungsexperten, wie die Mittelschicht zu “retten” sei und beziehen sich dabei auf die Studie der Deutschen Bank:

Mehr Frauen - auch Mütter - müssten in anspruchsvollere Berufe gelangen. Die Gestaltung der Arbeitsplätze, Karrierechancen und Bezahlung müssten dies unterstützen. (…) Das Schlüsselwort der Zukunft lautet “Projektwirtschaft”. Neue, flexible Formen der Zusammenarbeit, digital unterstützte Arbeitsplätze, mehr Teilzeitarbeit, ein gleitender Wechsel zwischen Beruf und Privatleben werden vor allem den Interessen berufstätiger Frauen entgegenkommen.

Spannend an dieser Veröffentlichung ist vor allem (abgesehen davon, dass sich die Daten nicht so grauenvoll naiv lesen wie in der Originalstudie), dass hier mal das klassische Modell eines erfolgreichen Berufslebens beiseite gelassen wird. Sonst ist das ja die Grundlage jeglicher Diskussionen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Einstieg in den Beruf mit Mitte, Ende Zwanzig, dann die Karriereleiter Schritt für Schritt hoch und zwischendurch Kinder kriegen und aus dem Karrierezug aussteigen oder eben auf Kinder verzichten.

Tatsächlich zeichnet sich ja aber schon heute in unserer Generation ab, dass Karrieren nicht mehr so linear verlaufen werden und dass wir auch etwas ganz anderes unter “Karriere” verstehen: mehr Selbstverwirklichung von eigenen Ideen, weniger Maloche für ein Großunternehmen. Und das ist nicht nur bei den Frauen so, sondern auch unter Männern ändert sich der Karrierebegriff. Profitieren wird davon vor allem das Familienleben.

Muttertag

May 11th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 1 von 1 der Serie auf einen Kaffee mit Anna

Gestern sah ich im Fernsehen einen Bericht, der ein wenig an Asterix erinnerte.

Es ging darum, dass ein kleiner Ort in Baden-Württemberg sich gegen das Blumenverkaufsverbot zu Wehr setzt, denn es sei wegen Pfingsten nur im Ländle verboten, die Blumenläden zu öffnen.

Ich war einigermaßen verwirrt: Ist es an einem Sonntag und gleichzeitig Feiertag nicht in ganz Deutschland - quasi doppelt - untersagt, irgendwas zu verkaufen?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Eine kurze Internetrecherche belehrte mich eines Besseren: Tatsache, es gibt eine Ausnahmeregelung für diesen Tag, Blumenläden dürfen an Muttertag auch am Sonntag geöffnet haben.

Diese kleine Episode zeigt sehr gut, wie viel ich über den Muttertag weiß und was ich damit verbinde: absolut nichts.

Bei uns zu Hause fand und findet Muttertag nicht statt.

Im Kindergarten war ich natürlich noch mit selbst gebastelten Geschenken aufgelaufen. Die nahm meine Mutter zwar dankend entgegen, aber mir wurde auch sofort erklärt, warum sie eigentlich nichts bekommen wollte an diesem Tag. Denn den haben die Nazis erfunden und das waren sehr böse Menschen und sie möchte nicht an einem Tag Geschenke bekommen, den sich böse Menschen ausgedacht haben.

(Heute weiß ich, dass nicht die Nazis diesen Tag erfunden haben, sondern schon die alten Römer und Griechen die Mütter in Festen ehrten. In neuerer Zeit wurde die Idee Mitte/ Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika aufgegriffen, und hat, tadaaa, ihre Ursprünge in der anglo-amerikanischen Frauenbewegung! Wirklichen Auftrieb bekam der Muttertag dann in Deutschland in den 20ern durch die Blumenhändler und ja, durch die Nazis. Dann eben doch.)

Die Argumente meiner Mutter leuchteten ein, auch wenn ich nicht so ganz verstand, warum alle anderen Mütter damit wohl kein Problem hatten. Ab dem Moment, in dem ich nicht mehr zum Basteln gezwungen wurde, geriet dieser Tag dann komplett in Vergessenheit und hat mir nie gefehlt.

Der Muttertag hat sich allerdings indirekt wieder in mein Leben geschlichen und zwar durch meine Beziehung. Freundes Mutter freut sich nämlich wie (fast) jede andere Mutter über Blumen oder mindestens einen Anruf und wäre wohl auch ein wenig enttäuscht, wenn die Kinder sie komplett vergessen würden. Ich beobachte das mit einer gewissen Faszination, ähnlich wie früher beim Schüleraustausch, wenn die Gastfamilie ganz andere Rituale pflegte als man sie von zu Hause kannte. Es bleibt mir völlig fremd.

Aber vielleicht rufe ich meine Mutter heute doch mal an. Um sie zu ärgern.

Selbermach-Sonntag (11.5.08)

May 11th, 2008 von Susanne

Was gab es diese Woche an Themen und Artikeln, die ihr teilen wollt? Und: Irgendwelche Termine in der nächsten Woche, von denen alle wissen sollten? Einen schönen Sonntag euch allen!

Lenker und Gestalter

May 10th, 2008 von Barbara

Die Zeit hat in diesen Tagen eine neue Edition veröffentlicht, die Rede ist von “Lenker und Gestalter”, den Menschen, die die Bundesrepublik prägen und geprägt haben: “Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, von Alice Schwarzer bis Günter Grass. Die Zeit präsentiert zwölf große Politiker, Denker und Unternehmer, die das Land bewegten.” Unter diesen zwölf befinden sich zwei Frauen, Alice Schwarzer und Marion Dönhoff. Zwei aus zwölf ist eine magere Quote - welche Frauen fehlen hier? Zur Einstimmung noch mal die Vorrede der Herausgeber:

“Wer macht Geschichte? Diese Frage beschäftigt auch Historiker immer wieder von Neuem. Längst befassen sie sich dabei nicht mehr nur mit den großen Herrschern, Lenkern und Gestaltern, sondern betrachten historische Ereignisse auch von unten, untersuchen Ideen, Mentalitäten und Überzeugungen. …”

“Dumm gelaufen”

May 10th, 2008 von Susanne

Chris vom Missy Magazine kommentiert die Debatte der vergangenen Woche, die in der Öffentlichkeit viel zu oft als Konflikt zwischen Alt- und Jungfeministinnen wahrgenommen werde. Sie schreibt, wir sollten alle unbedingt aus den Fehlern der amerikanischen Feministinnen lernen und mit gegenseitigen Vorwürfen unter den Feministinnen besser gar nicht erst anfangen. Denn was zählt, ist: die Sache, um die es uns allen geht.

Vom Liebesglück zweier Schweine

May 10th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 8 von 8 der Serie Die Feministische Bibliothek

Mit guten Büchern kann man nicht zu früh anfangen und deshalb ist es diesmal Zeit, ein wunderbares Kinderbuch vorzustellen. Eigentlich ist es auch gar nicht nur für Kinder, für Erwachsene steht auch eine Menge drin: “Trüffel liebt Rosalie” oder “Rosalie liebt Trüffel”. Das Buch hat beide Titel, es lässt sich von vorn nach hinten oder auch von hinten nach vorn lesen - einmal die Geschichte von Rosalie, einmal die von Trüffel. Und das Tolle an diesem Buch: Es erzählt sehr viel über Rollenerwartungen und Kommunikationsstörungen. Ja, tatsächlich. Am Beispiel von Schweinen.

Rosalies Geschichte beginnt unter einem Apfelbaum:

Rosalie ist verliebt.
In wen?
In Trüffel. Wen sonst?
“Verliebt waren wir alle mal”, sagt Rosalies Mutter. (…)
“Was kann der Kerl dir denn bieten außer den üblichen Schweinereien?”
“Sein Herz”, sagt Rosalie.
Also nichts.
Die Eltern schütteln betrübt die Köpfe.

Trüffels Geschichte beginnt unter demselben Apfelbaum:

Trüffel ist verliebt.
In wen?
In Rosalie. Wen sonst?
“Binde dich bloß nicht zu früh!”, sagt Trüffels Mutter.
“Genieße erst mal dein Leben”, sagt Trüffels Vater.
“Aber das tue ich!”, ruft Trüffel, “ich -”
“Später ist keine Zeit mehr dafür”, sagt Trüffels Vater.
Trüffels Mutter nickt.

Die beiden halten zueinander, müssen lernen, dass jeder Mensch anders funktioniert und dass sie über all das auch reden müssen, um nicht wieder getrennte Wege gehen zu müssen. Doch ihre Freunde leben ihnen etwas anderes vor. Rosalies Freundin Clara zum Beispiel liebt Carlo und sagt, sie liebe an ihm

“Sein Styling, sein Auto, seine Wohnung, …”
Und dass er eben ein richtiges Schwein ist.
Den Rest werde sie sich schon noch zurecht biegen.
Meint Clara.
Ach so! Rosalie staunt.
Sie selber liebe einfach alles an Trüffel:
“Wie er lacht wie er küsst wie er geht wie er steht wie er spricht
wie er liegt wie er träumt wie er tanzt wie er singt wie er -!”

Und Trüffels Freund Carlo ist genau so ein wandelndes Klischee wie Rosalies Freundin Clara. Er liebt an ihr

“Ihre Haxen, ihre Schenkel, ihre Wiederborstigkeit, …”

Das Buch stellt die gesamte “Frauen sind so, Männer anders”-Idiotie bloß, auf eine wahnsinnig charmante Art, und lässt am Ende natürlich Rosalie und Trüffel auch wieder zueinanderfinden. Unter dem Apfelbaum.

Sexualstrafrecht: der Fall Amstetten

May 9th, 2008 von Barbara

Ein Vater missbraucht und schwängert seine Tochter über Jahrzehnte, sperrt sie im Keller ein, wo sie ihre Kinder bekommt und zum Teil großzieht. Dieser Fall der Familie F. aus dem österreichischen Amstetten ist in einem Ausmaß entsetzlich, das meine Vorstellungskraft übersteigt. Derzeit steht der 73-jährige Vater, Josef F., vor Gericht. Wie die österreichische Regierung meldete, gibt es in Österreich Überlegungen, das Sexualstrafrecht zu reformieren: Die Verjährung von Straftaten etwa soll von 15 auf 30 Jahre hochgesetzt werden, Strafen sollen drastischer ausfallen - und Sexualstraftäter dürfen keine Kinder adoptieren. Hintergrund sind die Sexualstraftaten, die Josef F. in den 1960er Jahren begangen hat, nach geltendem Recht sind sie heute verjährt. Deshalb konnte F. die Kinder, die seine Tochter im Keller zur Welt gebracht hat, adoptieren.

Welcher Mittel soll sich ein moderner Feminismus bedienen?

May 8th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 1 von 1 der Serie Grundsatzfragen

In der Rubrik “Grundsatzfragen” werden wir ab sofort, ja genau, ganz grundsätzliche Fragen zur Diskussion stellen. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Die Einstiegsfrage da oben geht mir momentan im Kopf herum, heraufbeschworen durch die öffentliche Diskussion, in der immer mal wieder anklingt, dass gar nicht so richtig klar ist, wie junge Frauen und Männer für mehr Gleichberechtigung kämpfen können. Ich habe schon recht früh für mich beschlossen, meinen Beruf auch immer für gesellschaftliche Themen zu nutzen; zum Beispiel für den Feminismus.

Aber das ist natürlich nur eine Form der Meinungsäußerung. Mit welchen anderen kann heute etwas erreicht werden? Was bringen “klassische” Protestformen wie Demos, Proteste, Petitionen und Arbeitszirkel? Für welche Aktionen könntet ihr euch begeistern? Was macht ihr schon?

Baby-Antibabypille

May 8th, 2008 von Barbara

Foto: Feuillu / Flickr

Warum erst als Teenager die Pille nehmen, wenn es auch schon früher geht? Vorgestern berichtete die Techniker Krankenkasse über den Pillenkonsum von Elfjährigen in Bayern.

Immer mehr junge Mädchen aus Bayern schlucken die Antibabypille: Jedes dritte Mädchen im Alter zwischen elf und 20 Jahren bekommt mittlerweile die Pille verschrieben. Vor sieben Jahren war es noch jedes vierte Mädchen, so eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) unter ihren Versicherten. Die Anzahl der abgegebenen Packungen stieg laut TK-Statistik zwischen 2000 und 2007 um 54 Prozent.

Bis zum 20. Geburtstag übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Pille. Doch es wird nicht jedem Mädchen dazu geraten:

Wer beispielsweise die Pille nimmt und gleichzeitig raucht, hat ein höheres Risiko für Embolien, die auch schon in jüngeren Jahren auftreten können. Auch wenn ein Mädchen familiär belastet ist, sollte sie sich über ihr persönliches Risiko genau beraten lassen.

Ein Grund für den frühen Hormonkonsom sei das frühe und offensive Umgehen mit Sexualthemen. Die Mädchen wollen keinesfalls ungewollt schwanger werden. Dabei vergessen sie aber, dass die Pille erstens weder vor HIV noch vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krankheiten schützt, und dass die Pille zweitens den Körper mit Hormonen vollpumpt. Und noch was: Sex vor 14 ist strafbar; vgl. § 176 des Strafgesetzbuches.

Hurra, die Chefs finden Elternzeit super!

May 8th, 2008 von Susanne

Mensch, momentan jagen sich die guten Nachrichten aus der Wirtschaft ja beinahe täglich. Gerade noch sagte uns eine Untersuchung der Deutschen Bank die rosigste aller rosigen Zukünfte voraus, jetzt legt Familienministerin Ursula von der Leyen nach und verkündet:

“Elterngeld in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft voll akzeptiert” - Allensbach-Umfrage belegt große Unterstützung der Personalverantwortlichen für Männer, die Vätermonate und Elternzeit nehmen

Die Kurzzusammenfassung liest sich dann so:

  • Mehr als 80 Prozent der Personalverantwortlichen halten das Elterngeld für eine gute Sache - vor seiner Einführung im Jahr 2006 waren es 61 Prozent.
  • 61 Prozent befürworten die Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Väter - gegenüber 48 Prozent vor zwei Jahren. 65 Prozent bewerten die Verringerung der Arbeitszeit durch Väter positiv - gegenüber 59 Prozent vor zwei Jahren.
  • 71 Prozent sind davon überzeugt, dass sie eine Mitverantwortung haben, ihren Beschäftigten die Entscheidung für Kinder zu erleichtern.
  • In rund 40 Prozent der Betriebe, in denen Mitarbeiter nach Einführung des Elterngeldes Vater geworden sind, haben Väter ihre Berufstätigkeit unterbrochen. 37 Prozent der Unternehmensverantwortlichen erwarten, dass in Zukunft mehr Männer Elternzeit beanspruchen.

Sowas nannte der Soziologe Ulrich Beck mal sehr schön “verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre”.