Wurst, Waffen, Weihnachtsgeld – Wie sind die Deutschen?

23. Oktober 2014 von Gastautor_in

Wir freuen uns über einen Gastbeitrag von Pelitan (kurdisch für Schmetterling). Pelitan kommt aus einem kurdischen Umfeld, was x Leben sehr beeinflusst, studiert und ist in antirassistischen Zusammenhängen politisch aktiv. Pelitan beschreibt in ihrem_seinen Text Erfahrungen als Nicht_Deutsche.

Im Waschsalon meines Wohnheimes fragte mich ein französischer Student, wie die Deutschen seien? Wie sie beschrieben werden könnten? Wie sie denn im Gegensatz zu den Französ*innen seien?

Ich war überfordert über diese typische Frage. Oft hatte ich sie schon gehört und doch weiß ich jedes Mal nicht, was ich antworten soll. Mal versuche ich zu erklären, dass ich keine “richtige” Deutsche sei. Vielleicht komme ich damit leichter weg und sie bohren nicht weiter nach bzw. wir reden dann über das andere Ich von mir. Ich würde ja auch sonst was falsches vorspielen, wenn ich mich einfach als stinknormale Deutsche ausgebe, oder?…Dann versuche ich es mal mit der Vielfältigkeit der Deutschen, dass es halt freundliche gibt und welche, die eher verschlossen sind. Die älteren Deutschen sind nicht wie die jungen. Und so weiter… Ich drücke mich um die Antwort herum, aber was soll die Frage eigentlich überhaupt?

Ja, die Deutschen sind vielfältig, ich kann sie wie alle anderen Staatsgemeinschaften nicht in eine Schublade stecken. Auch wenn ich mein ganzes Leben in Deutschland verbracht habe, habe ich keine konkrete Antwort. In der Schule war ich von Anfang an immer in einer Klasse, in der es fast alle Jahre durchgängig mehr nicht “Ur-Deutsche” gab. Musste wohl an meinem Viertel liegen. Sind sie, sowie ich über mich beschrieb, nicht “richtige” Deutsche? Erst im Studium habe ich gemerkt, wie viele Deutsche es wirklich gibt. Und ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die nicht wissen, dass Hassan und Sergej nicht in jeden Club kommen. Oder, dass nicht alle Menschen in Deutschland automatisch die gleichen Rechte haben.

Wann ist jemand Deutsch? Ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit, aber Alltagserfahrungen haben mir gezeigt, dass ich trotzdem nicht dazu gezählt werde? Sie loben mich dafür, dass ich so gut deutsch spreche? Oder fragen mich, wie das und jenes denn bei “uns” sei, also bei mir und meinesgleichen? Ich werde Deutsche mit Migrationshintergrund genannt, um zu betonen, dass ich Deutsche bin, aber halt nicht richtig. Der Einfluss meiner wirklich migrantischen Flüchtlings-Eltern haftet noch zu sehr an mir. Ich bin ja erst die zweite Generation hier. Das türkische kurdisch sunnitisch-muslimische Blut fließt doch in mir, egal wie oft ich Ostereier in der Schule angemalt habe? Für welches Land schlägt mein Herz mehr? Eine Frage, die selbstverständlich gestellt wird, da ich ja von meinem äußeren Erscheinungsbild irgendeine andere Herkunft, Heimat, Nationalität, Universum, Galaxy haben muss. Auch wenn das aus Generationen vorher stammt. Ich kann gar keine richtige Deutsche sein.

Also was soll ich denn nun antworten, wie sind die Deutschen?

Naja, manchmal zünden sie Asylbewerber*innenheime an. Oder sie bezahlen die Waffen, die im Ausland Menschen töten. Sie fragen dich beim Einkauf manchmal: Darf es noch etwas sein?
Manchmal halten sie dir die Tür auf und manchmal nicht. Manche fahren jeden Sommer in den Urlaub, vielleicht nach Südfrankreich, wenn sie das Weihnachtsgeld gespart haben oder vielleicht nach Italien. Wenn es hoch kommt, fahren sie Ski fahren in den Alpen. Wenn sie nicht in Urlaub fahren können, haben sie wenigstens ein Auto. Das ist wie Urlaub. Viele fliegen oder vielmehr fahren oft in die Türkei. Manchmal gehen manche freitags in so etwas wie eine Moschee, wo sie die muslimische Gemeinschaft treffen. Andere aber freuen sich einfach nur, dass es Wochenende ist. Viele haben einen Gemüsewarenladen oder eine Imbissbude, wo es Döner gibt, das Nationalgericht der BRD.

In Kleingartenvereinen siehst du manchmal viel Rauch vom Grillen und große Familien oder ältere Menschen, die Gemüse anpflanzen. Manchmal heiraten sie ganz groß mit von überall angereisten Verwandten in gemieteten Hallen für die sie eigentlich kein Geld haben oder sie gehen in die Kirche, um sich zu sagen, “bis dass der Tod uns scheidet”. Aber dann scheiden sie sich doch vorher. Manchmal arbeiten sie zu wenig und manchmal zu viel. Manchmal haben sie viele Kinder, aber meistens wenig. Manchmal sollen die Kinder Klavier spielen, doch manchmal gucken sie lieber zu viel Fernsehen. Manchmal studieren sie BWL oder sie machen eine Lehre zur Zahnarztassistentin. Manchmal kaufen sie sich ein Iphone und manchmal abonnieren sie die “Bild am Sonntag”. Manchmal essen sie viel Fleisch, vor allem Wurst und manchmal essen sie überhaupt kein Fleisch. Manchmal mögen sie leider Schwule nicht und manchmal mögen Schwule leider leider lilablassblauneonkarierte Bügeleisenbretter nicht.

Manchmal reisen sie nach dem Abitur nach Afrika, muss ja einmal im Leben wieder alles gut gemacht werden. Manchmal trinken sie ein Feierabendbier oder gehen in anderen Häusern putzen. Manchmal ist ihnen das Geld wichtiger als Familie zu haben und manchmal ist Familie wichtiger als das Gesetz. Wenn Spanien gewinnt, freuen sich manche und andere nicht. Manchmal sprechen sie hessisch, badisch oder sächsisch. Manche können auch Mandarin und Berberisch. Manche mögen Stuttgart viel lieber als Berlin.

Sie sind wie du und ich. Oder halt nicht.




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Falsche Körper? Falsche Welt! – kurz verlinkt

22. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Charlotte Wiedemann schreibt in der taz über den Wert weißen Lebens vor dem Hintergrund internationaler Geflüchtetenbewegungen, IS, Syrien, Irak, Ebola und den Weltkriegen: “Syrien und Irak: Die Toten in ein und derselben Region sind von ganz unterschiedlicher Wertigkeit – je nachdem, welches Verhältnis der Westen zu den Mördern hat. [...] Wer auf einer Weltkarte sieht, welche Länder die meisten Flüchtlinge aufnehmen, könnte glauben: Der Wert des Lebens gilt mehr außerhalb von Europa.”

“Polemiken gegen den „Genderismus“ und „political correctness“ sind nicht neu, zeugen aktuell jedoch davon, wie ein aggressiver Antifeminismus versucht, politisch an Einfluss zu gewinnen”: Der Beitrag “Antifeministische Allianzen” des Antifaschistischen Infoblatts ist nun auch online verfügbar.

Den Aktivist_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin droht wieder eine Räumung, berichtet heute ganz aktuell die taz. Eine Pressemitteilung der Bewohner_innen findet ihr auf asylstrikeberlin.

englischsprachige Links

Alok Vaid-Menon schreibt bei MTV über das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nur genau zwei Geschlechter zu lässt, wenn eine_r selbst keinem dieser Geschlechter angehört: “This is not a story about being born in the wrong body. This is the story of being born in the wrong world. This is the story of being told who we are without our consent.”

Die US-amerikanische Spielentwicklerin Brianna Wu schreibt über die Hass- und Mobbingkampagne #gamergate gegen sie und andere profilierte Gamerinnen – und beschreibt, welche massiven Anstrengungen die Hater unternehmen, um diese Frauen persönlich zu schädigen, nicht “nur online”, sondern auch im “realen Leben”.

Bei Dazed gibt es ein Interview mit der finnischen Fotokünstlerin Liu Susiraja.

Mae Carol Jemison, die erste afroamerikanische Astronautin, hatte vorige Woche Geburtstag. Zu diesem Anlass twitterte Afropunk das Video der Keynote, die Jemison im Frühjahr auf der Women of Color Task Force Conference gehalten hatte.

Jezebel berichtet über “die erste und bisher einzige” Trans*frau bei der New Yorker Feuerwehr, Brooke Guinan, und ihren Einsatz gegen Diskriminierung.

Anlässlich der australischen National Week of Deaf People (nationalen Woche der gehörlosen Menschen) berichtet Sarah Kienbort im Guardian über die Vorteile von Gebärdensprachen und die Erfahrungen, die sie als hörende Mutter einer gehörlosen Tochter macht.

In Dänemark, so ist bei Gay As Us nachzulesen,  haben neue Richtlinien die medizinische Situation für trans Personen verschlechtert.

Beim Guardian schreibt Chimamanda Ngozi Adichie über ihren Weg zu einem feministischen Selbstverständnis.

Termine in Berlin, Mannheim

Berlin: Elektronischer Donnerstag im Schwuz – your local girl gang! (Facebook-Link)

Mannheim: Am 25.November findet die Protestkundgebung “Reclaim the Night – Wir fordern die Nacht zurück” (Facebook-Link) statt.




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Weltweite Umfrage zu Alltäglicher Belästigung/Street Harassment

22. Oktober 2014 von Charlott

Seit einigen Jahren gibt es die Hollaback! (“Brüll zurück”)-Bewegung. Auf den Webseiten der Ortsgruppen können Menschen ihre alltäglichen Erfahrungen mit Belästigung und Übergriffen und ihre Umgänge mit diesen berichten, es gibt Informationen zu den zugrundeliegenden Strukturen und Zusammenstellungen von Beratungs- und Unterstützungsorganisationen. Auch Workshops werden veranstaltet. Mittlerweile gibt es Gruppen in 79 Städten auf 26 Länder verteilt.

Von Beginn an gehörte auch die wissenschaftliche Aufarbeitung, das Erstellen von Studien und die Recherche von bereits vorhandenen Informationen zum Tätigkeitsfeld von Hollaback!. Am 15. Oktober startete nun eine Online-Umfrage in Ländern auf sechs Kontinenten gemeinsam mit der ILR School an der Cornell Universität. Ziel ist es “Erfahrungen und Auswirkungen von alltäglicher Belästigung/street harassment international” zu erforschen. Die Umfrage auf deutsch und englisch (inklusive der Hinweise auf alle anderen Umfragen) findet ihr zum Beispiel auf der Homepage von Hollaback! Berlin.




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Applaus für… die Bremer Poetry Slammerin Rita Apel!

21. Oktober 2014 von Magda

In Göttingen sind am Wochenende die besten Poetry Slammer_innen aus Niedersachsen und Bremen angetreten und kämpften um den Titel der Landesmeister_in. Einen tosenden Applaus für Rita Apel aus Bremen, die mit ihrem bewegenden Spoken Word den ersten Platz belegte:

Screenshot von ndr.de (Klick, klick, um das Video zu sehen)

Screenshot von ndr.de (Klick, klick, um das Video zu sehen)

Dritte wurde übrigens die großartige Ninia La Grande!




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iZelle und “social freezing” – Plötzliches Interesse an reproduktiven Rechten im Kapitalismus

21. Oktober 2014 von Charlott

Mitarbeiter_innen von Google und Facebook in den USA sollen bei den Kosten für das Einfrieren von Eizellen unterstützt werden (“Social Egg Freezing”). Letzte Woche löste diese Tatsache eine große Debatte auch in deutschsprachigen Medien aus. Bei der Süddeutschen wurde getitelt “Gefrierschrank macht noch keine Gleichberechtigung” und durchaus etwas differenzierter die Tatsachen betrachtet, bei Spiegel Online wurde in einem Kommentar verkündet “Warum ich den Eizellen-Plan von Apple und Facebook pervers finde“. Bei der Zeit wurde mit “Ein Hoch auf die Produktivität” plötzlich so etwas wie Kapitalismuskritik geübt und dann nur zwei Stunden später biologistisch-ätzend und androzentrisch von der “Herstellung des Menschen” gefaselt. Der Medienkompass des Spiegels zeigt, dass sich die Berichte der größeren deutschsprachigen Medien irgendwo einpendeln zwischen “Angebot schafft keine Gleichberechtigung” und “es ist eh eine risikoreiche Technik”.

Sicher ist eine Verknüpfung von (finanziellem) Zugang zu reproduktiven Technologien und dem eigenen Arbeitgeber keine großartige Lösung. Aber als vor einigen Monaten in den USA Gerichtsurteile gefällt wurden, die Firmen zugestanden, aus “Gewissensgründen” ihren Mitarbeiter_innen den Zugang zu bestimmten Verhütungsmitteln zu verwehren, da fiel das Medienecho doch bedeutend verhaltener aus und die wenigsten Journalist_innen stürzten sich auf das grundlegende Problem der Verbindung zwischen Arbeitgeber und reproduktiven Rechten. Ich möchte keine Lobeshymnen auf die Firmen, um die es hier geht, singen  – Angestelltenstruktur, Datenschutz u.ä. geben ja genug Anlässe zur Kritik. Aber die finanzielle Unterstützung beim Einfrieren der Eizellen ist nicht die einzige Maßnahme, die es dort hinsichtlich des Komplexes “Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie” gibt. Sie bieten u.a. bezahlte Elternzeiten, finanzielle Boni oder Unterstützungen bei Adoptionen.

Fakt ist auch, dass diese reproduktive Technik kein Garantie dafür ist, dass Menschen zu einem späteren Zeiptunkt im Leben Kinder bekommen können (und es natürlich auch ein für viele unangenehmer medizinischer Eingriff bleibt) – in Medienberichten wird das manchmal so verkündet, als wüssten die betroffenen Personen dies nicht. Für einige aber mag es trotzdem eine gute Option und manchmal gar die einzige sein (beispielsweise bei Erkrankungen). Dann ist es doch gut, wenigstens nicht auf den (nicht zu unterschätzenden!) Kosten allein sitzen zu bleiben.

“Social Egg Freezing” ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Das hat aber meines Erachtens tatsächlich auch niemand behauptet. Worum geht es also wirklich? Auffällig ist, dass die Debatte gerade an dem Punkt ausbricht, wo es plötzlich um reproduktive Technologien geht. Und nicht nur in den Mainstreammedien,  auch bei einigen Feminist_innen schwingen da Vorstellungen mit von “natürlicher (=richtiger) Schwangerschaft” und damit einhergehend auch implizit darüber, welche Familienmodelle als richtig und möglich erachtet werden. Es werden zum einen besonders Frauen (andere Möglichkeiten potentiell schwangerer Menschen werden ausgeblendet) angegriffen für Entscheidungen über ihren Körper (natürlich auch nichts Neues), aber zum anderen wird in der Debatte auch außen vor gelassen, für wen reproduktive Technologien eine der wenigen Optionen überhaupt sein können. Nämlich für Menschen, die gerade weil sie keine ableisierten Cis-Hetero-Paare mit dem nötigen finanziellen Polster sind, eh vielerorts keinerlei Zugang haben. Und sicher ließen sich auch bestimmte Praxen reproduktiver Techniken komplexer diskutieren, aber wenn sie unter dem (sehr dünnen) Mäntelchen der Kapitalismuskritik pauschal abgewertet werden, lohnt sich schon der genauere Blick, wer hier angegriffen und augeschlossen wird.




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Zehn Minuten Schmerz – Eine Bienenschwarm-Untersuchung

20. Oktober 2014 von Gastautor_in

Der nachfolgende Text stammt u.a. von Frederik, der diesen als Herrmann Herman zusammen mit Bumsy LaBoum auf dem Festival Femme Hive, einem Ort für queere Femmes und Femme-inismus, performt hat. Er wird hier veröffentlicht, weil er die Strukturen und Hierarchien hinter diesem Event kritisiert, die unter anderem zu sexistischen, rassistischen Zuschreibungen und Erwartungshaltungen führen. In der Performance setzten wir uns mit Harmoniebedürfnissen, Partykultur und Silencing auseinander.

Wir richteten unsere Performance kritisch an die Veranstaltung Femme Hive, aber wenden dieselbe Kritik auf viele feministische Gruppen und Events an. Wir wollen den Femme Hive nicht mit unserer Kritik einzeln hervorheben, sondern haben seine Bühne genutzt, um den Bienenschwarm des Diversity-Feminismus zu untersuchen.

Bumsy LaBoum & Herrmann Herman:

was bist du

wo kommst du her

kann ich mal anfassen

Herrmann Herman:

ich heiße

ich heiße euch willkommen

ich heiße Jörg

ich heiße Björk

ja, manchmal auch Björk

ich bin das Maß

ich bin das Fass ohne Boden

ich schlucke

ich sperre meinen Mund auf

ich sperre dich in meinen Mund ein

Bumsy LaBoum:

was bist du

wo kommst du her

kann ich mal anfassen

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Selbermach-Sonntag (19.10.2014)

19. Oktober 2014 von Charlott

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Neue Woche, neues Glück: Was hat euch in den letzten Tagen beschäftigt? Habt ihr Texte verfasst? Oder besonders treffende gelesen? Welche Veranstaltungen stehen in eurer Gegend demnächst an?




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Samstagabendbeat mit Lily & Madeleine

18. Oktober 2014 von Charlott

Für alle, die bereits First Aid Kit und ähnliches lieben, hier ein weiteres Schwestern-Duo: Lily & Madeleine sind gerade einmal 17 und 19 Jahre alt, haben diese Woche aber mit “Fumes” bereits ihr zweites Album herausgebracht. Thema dieser Platte sei Empowerment, sich Weiterentwickeln, Erwachsenwerden und dabei eigene Entscheidungen zu treffen, sagt Madeleine in einem Interview mit Rookie.




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Rassismus historisch betrachten, Star Trek und Trans*-Musiker_innen – die Blogschau

18. Oktober 2014 von Nadine

Nadia stellt auf Shehadistan die Künstlerin Tascha Parkinson vor.

Lightsneeze hat einen weiteren Text zu Unterstützungsarbeit bei Gewalt in Beziehungen übersetzt. Hinweis: Der Text benutzt Begriffe wie “Opfer” und “Missbrauch/Abuse”, ebenso steht im Original wie in der Übersetzung Gewalt in Hetero-Beziehungen im Vordergrund (an einer Stelle wird impliziert, dass Gewalt in diesen Beziehungen häufiger vorkommt, weil die gewaltausübenden Personen Typen sind). Ich finde Sprache (weil entmenschlichend) und Perspektive (weil heteronormativ/eindimensional) kritikwürdig, denke aber, dass die dortigen Hilfestellungen und Angebote trotzdem für viele Menschen wertvoll sind.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. haben auf ihrem Blog einen umfangreichen Bericht zum Schwarzen Kulturfestival in Hamburg veröffentlicht. Desweiteren fordert der Verein eine verstärkte Einbeziehung der historischen Bedingungen von Rassismus in Deutschland, um gegenwärtige rassistische Reproduktionen z.B. in der Kultur- und Medienlandschaft besser zu verstehen.

Ein neuer Nrrrdz-Podcast zum Thema “Räume gestalten” ist online!

Und noch ein Podcast! Bei Steintofu geht es um Star Trek aus queerfeministischer Perspektive.

Salma Multidoze mit einem starken Spoken Word zu (sexualisierter) Gewalt.

Ordentlich Modestoff gab es in den vergangenen Tagen auf Queer Vanity und Reizende Rundungen.

Anlässlich des Berliner Trans*March ging diese Woche noch einmal die Trans*-Musiker_innen-Liste von Jayrôme durch die digitalen Kanäle (Teil 1, Teil 2). Wenn ihr weitere kennt, könnt ihr sie dort in den Kommentaren ergänzen. In diesem Zusammenhang stellte Jayrôme vor ein paar Tagen eine_r der Organisator_innen – AnouchK – vor.

Zusammenschnitt der diesjährigen Proteste gegen den Marsch für das Leben (Bündnis von fundamentalistischen Abtreibungsgegnern)

via No218NoFundis

Hannah C. Rosenblatt macht sich Gedanken zum Begriff “Überlebende” als Bezeichnung für Betroffene von Gewalt.

Termine:

Am 26. Oktober findet wieder ein Schreibworkshop für Mädchen und junge Frauen in Berlin statt. Workshopleiterin ist Dichterin, Kanakaktivistin, Empowerment-Trainerin, Sozialpädagogin und lebenslange Lernerin Moona Moon. Der Schreibworkshop ist Teil des intergenerationellen Multimediaprojekts “Voicing HerStories” zu Biografiearbeit mit Mädchen und Frauen in Neukölln, um die eigene Geschichte in Bezug auf Familie, Community und Kiez zu teilen, zu reflektieren, und sich durch gemeinsames lernen zu solidarisieren.

Am 8. November wird in Wien das 30-jährige Bestehen des feministischen Monatsmagazins Anschläge gefeiert! Wir gratulieren und wünschen eine fette Party!




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Rechter “Feminismus”

17. Oktober 2014 von Charlott

In früheren Artikeln der Serie “Gender und Rechtsextremismus” hat accalmie unterschiedliche Rollen autonom organisierter rechten Frauen aufgezeigt (Teil 1/ Teil 2). Eine Frage, die sich daran anschließt: Kann es einen “rechten Feminismus” geben?

Geschlecht und insbesondere Vorstellungen zur Rollenausgestaltung von Männern und Frauen sind wichtiger Pfeiler (extrem) rechter Ideologien. Dabei steht die Vorstellung im Mittelpunkt, dass es genau zwei Geschlechter gibt und dass Frauen und Männer jeweils spezifische Rollen, die in „ihrer Natur“ lägen, zu erfüllen hätten. Diese geschlechteressentialistischen Annahmen halten starke, gewaltbereite Männer hoch und verweisen Frauen in die Küche, auf den Spielplatz zur Kinderbetreuung und an die aktionistische Seitenlinie. Auch diese Betätigungsfelder „im Hintergrund“ sollten natürlich nicht unterschätzt werden: Die nationalistische Erziehung der Kinder, direkter Einfluss in Schulen und Sportvereinen, und andere Tätigkeiten halten die  rechten Gemeinschaften zusammen und üben darüberhinaus “unauffällig” gesellschaftlichen Einfluss.

“Emanzipation” im Nationalsozialismus

Aber auch in der extremen Rechten gibt es Frauen, die sich nicht  auf die vorgeschriebenen Rollen festlegen lassen wollen oder diese für sich anders ideologisch ausgestalten. Dies ist kein neues Phänomen. Birgit Rommelspacher zeigte solche Tendenzen bereits für die NS-Zeit auf:

Auch im Nationalsozialismus gab es Frauen, die gleiche Rechte und gleiche Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen forderten; man sprach von den »oppositionellen Faschistinnen« (Korotin 1994). Ihr Argument lautete, im Kampf um die deutsche Vormacht werde jeder Mann und jede Frau gebraucht. Die Organisation und ihre Zeitschrift, »Die deutsche Kämpferin«, wurden relativ schnell verboten. Dennoch weist der Fall der »oppositionellen Faschistinnen« darauf hin, dass Frauen sich durchaus Chancen ausrechneten, im NS-System aufzusteigen. In den Interviews, die Claudia Koonz mit einigen dieser Frauen geführt hat, sagten viele von ihnen auch im Nachhinein, sie hätten im NS-Deutschland eine gute Zeit gehabt. (Koonz 1986)

Rommelspacher zeigt auch wie die Konstruktion der „emanzipierten“ rechten Frau, an rassistische Begründungen geknüpft war (und ist). So wurde und wird unter anderem mit Rückbezug auf Germanen oder Wikinger argumentiert, bei denen es „Geschlechtergleichheit“ gegeben hätte. Die Einführung des Patriarchats wird nach “außen” verlagert und beispielsweise während der NS-Zeit konkret an das Judentum gebunden. „Emanzipation“ ist dabei untrennbar an die Vorstellungen einer überlegenen Nation und „Rasse“ gebunden, die es wiederherzustellen, zu stärken und zu schützen gilt. Rommelspacher sieht dabei zwei unterschiedliche Formen der Ausfüllung von Frauen: „Das gilt für den beziehungsorientierten und den individualistischen Frauentyp gleichermaßen. Die Mutter ist nicht mehr nur die Mutter für ihre Kinder, sondern Mutter für ihre ganze Nation oder Rasse. Die Individualistin sieht in Nation und Rasse eine Herausforderung, ihre eigene Überlegenheit zu beweisen, und zwar als Auswirkung und als Verkörperung der Überlegenheit des Kollektivs.“ Das Sprechen von „Emanzipation“ aber war und blieb ein Randphänomen. So schrieb accalmie hier zu aktuelleren Entwicklungen:

Weib­liche* Selbst­ver­wirklichung liegt für die Mehrheit extrem rechter Frauen­gruppen in der Mutter­schaft. Die Idee zur Emanzipation komme im „natürlichen Denken“ der “deutschen Frau” nicht vor, schrieb zum Beispiel die GDF 2008 mithilfe schlecht verhohlener antisemitischer Codewörter, sondern sei eine “von außen” in die deutsche Ge­sell­schaft hin­ein­ge­tragene, “frem­de Lehre”. Erneut wird eine Bi­polar­ität von Männern und Frauen stilisiert: Diese seien zwar “gleich­wertig“, aber nicht “gleich­artig”.

“Nationaler Feminismus” der 2000er

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