Emma Goldman war eine russisch-amerikanische Anarchistin, die am 27. Juni 1869 im heutigen Litauen (damals Russisches Reich) als Tochter eines jüdischen Theaterdirektors geboren wurde.

Als Emma 13 Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg. Dort arbeitete sie in einer Fabrik als Korsettmacherin und kam erstmals mit revolutionär gesinnten Kreisen in Berührung.
Mit 17 emigrierte Goldman mit ihrer älteren Schwester Helene in die USA nach New York, wo sie einige Jahre in einer Textilfabrik arbeitete und so die Lebensverhältnisse der amerikanischen Arbeiter_innen kennenlernte. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt sie durch die Heirat mit einem Arbeitskollegen, von dem sie sich im Jahr darauf scheiden ließ. Nach der Hinrichtung von vier Anarchisten nach der Haymarket Affäre radikalisierte sich Goldman und begann auf Demonstrationen und Veranstaltungen zu sprechen.
Ihre Themen, die sie auf unzähligen Vortragsreisen durch sämtliche Bundesstaaten vortrug, waren der Kampf für die Redefreiheit, für die damals illegale Geburtenkontrolle, für sexuelle Freiheit, gegen Nationalismus und kapitalistische Ausbeutung, ab 1914 auch gegen Militarismus und den Kriegseintritt der USA. (Antje Schrupp)
Goldman wurde mehrere Male in ihrem Leben verhaftete, u.a. wegen „Anstiftung zur Aufruhr“ oder wegen Verteilung von Information zur Geburtenkontrolle. Sie befürwortete Abtreibung, da viele Frauen auf Grund ihrer prekären Situation keine andere Wahl bliebe.
Mit 20 Jahren lernte Goldman den militanten russischen Anarchisten Alexander Berkman kennen, der wegen eines Mordanschlags auf den Industriellen Henry Clay Frick zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. In Vorträgen und Veröffentlichungen verteidigte sie Berkmans Tat, fing aber langsam an, den Sinn gewalttätiger Anschläge im Namen des Anarchismus anzuzweifeln. Nach der Ermordung des damaligen US-amerikanischen Präsident William McKinley durch einen Anarchisten wurde Goldman mit der Tat in Verbindung gebracht, ihre Mittäterinnenschaft aber nie nachgewiesen. Im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung favorisierte Goldman in ihren späteren Jahren zunehmend Bildung – und nicht Gewalt – als politisches Mittel. Dennoch sah Goldman Gewalt in Situationen von repressiver Staatsgewalt als notwendiges Übel an.
1919 wurde Goldman zusammen mit Berkman nach Russland ausgewiesen, ihre amerikanische Staatsbürgerschaft war schon Jahre vorher widerrufen worden. Nach zwei Jahren verließen die beiden Russland desillusioniert, da sie die repressiven Methoden der Bolschewist_innen ablehnten. Goldman lebte bis zum Zeitpunkt ihres Todes in England (wo sie wiederholt heiratete, um die britische Staatsbürgerschaft zu bekommen), Spanien, Frankreich und zuletzt in Kanada, wo sie am 14. Mai 1940 in Toronto verstarb.
Auf ihrem Grabstein steht geschrieben: „Freiheit wird nicht zu einem Volk herabsteigen; ein Volk muss sich selbst zur Freiheit erheben“. In ihrer Autobiographie „Living My Life“ schildert Goldman ihr ereignisreiches Leben. Auf der Mädchenmannschaft ebenfalls erschienen: Für den langen Winterabend: Die Autobiographie von Emma Goldman.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.