Das Guttmacher Institute* hat eine Vergleichsstudie von 197 Ländern herausgebracht, aus der hervorgeht, wie viele Abtreibungen weltweit und anteilig auf den einzelnen Kontinenten vorgenommen werden. Die aktuellen Vergleichszahlen (pdf) vom Oktober 2009 stammen aus den Jahren 1995 mit 45.5 Millionen und 2003 mit insgesamt 41.6 Millionen Abtreibungen weltweit. Obwohl die Weltbevölkerung in dieser Zeit anwuchs, gab es 2003 vier Millionen weniger Abtreibungen.
Auf der folgenden Abbildung steht der jeweils erste Balken für 1995, der zweite Balken für 2003. Dunkelgelb gekennzeichent sind die sicheren (und in der Regel legalen) Abtreibungen, der beige Balken zeigt lebensgefährliche Abtreibungen (meist illegal). Mit den unglücklich gewählten Begriffen „höher“ bzw. „weniger entwickelten Ländern“ sieht man einen direkten Vergleich von all den Ländern, die in der Regel liberale Gesetze zur Abtreibung haben und jenen Ländern, die restriktive Abtreibungsgesetze haben.
In allen Teilen der Welt sind die Abtreibungsraten zurückgegangen – sowohl die Abtreibungen, die legal durchgeführt wurden und – noch erfreulicher – auch jene, die unsichere Schwangerschaftsabbrüche betreffen.
Der Rückgang der Abtreibungsraten korreliert mit der in den letzten zehn Jahren erfolgten Liberalisierung von Abtreibungsgesetzen auf fast allen Kontinenten:
- Afrika: Benin, Mali, Niger, Togo, Guinea, Aethiopien, Swasiland und Tschad
- Asien: Bhutan, Kambodscha, Nepal, Thailand, Iran
- Europa: Portugal, Schweiz
- Süd- und Mittelamerika: Kolumbien, im Mexico Federal District in Mexiko
- Australien: die drei Bundesstaaten Capital Territory, Victoria, Tasmanien und Western Australia.
Im Kontrast dazu haben El Salvador und Nicaragua Abtreibung ganz verboten und Polen seine Abtreibungsgesetze verschärft (sozio-ökonomische Gründe reichen nun nicht mehr aus als Grund, um abzutreiben).
Eine der wichtigsten Erkenntnisse – zwar nicht neu, aber immer wieder wichtig, zu betonen – ist, dass das Verbot von Abtreibung keinesfalls zu niedrigeren Abtreibungszahlen führen. Sie führen allerdings zwangsläufig zu einer anteilig höheren Rate an unsicheren Abtreibungen: Terpentin, Bleiche oder Tee mit Tierdünger trinken, sich die Treppen runterwerfen, Gegenstände wie Stöcker oder Kleiderbügel in den Uterus einführen – all dies sind Methoden, die Frauen sich antun, weil Abtreibungen in etlichen Ländern noch immer gesetzeswidrig sind.
Abtreibungsverbote führen demnach weder zu höheren Geburtenraten, noch tun sie den Frauen irgendeinen Gefallen. Ganz im Gegenteil: Sie schädigen die Frauen und ihre Familien nachhaltig. Unsichere Abtreibungen führen zu körperlichen und seelischen Schmerzen – und in manchen Fällen sogar zum Tode. Jedes Jahr sterben geschätzt 70.000 Frauen an verpfuschten Schwangerschaftsabbrüchen.
Aber auch in Ländern, in denen Abtreibung theoretisch zugänglich ist, gibt es häufig Gründe, warum Frauen in die Illegalität flüchten – oder ein unerwünschtes Kind bekommen. Hohe Kosten, familiärer und/oder religiöser Druck oder ein Mangel an ausreichenden Kliniken, die wie z.B. in den USA auch noch von AbtreibungsgegnerInnen belagert werden, sind oft kaum überwindbare Barrieren für viele Frauen.
Mehr Informationen unterteilt nach einzelnen Kontinenten gibt es auf guttmacher.org (englisch).
*Das Guttmacher Institute ist eine pro choice und non-profit Organization, die vordergründig zu Gesundheitsfragen in Reproduktion und Sexualität forscht und aufklärt.


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