Am Samstag ist Berlin um einen Sexshop reicher. Aber nicht um irgendeinen. Der Alternative Sexladen „Other Nature“ macht vieles anders. Was, das erzählen Anne Bonnie und Sara im Interview und laden zur großen Eröffnungssause am Samstag, 22 Oktober ein, um Laden und Produkte kennen zu lernen.
Alternativer Sexladen – was bedeutet das?
Anne: Wir unterscheiden uns eben in vielerlei Hinsicht vom Traditionellen. Wir sind feministisch, aber auch queer. Wir sind ökologisch und besitzen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Wir schaffen auch einen Raum, in dem man sich wohlfühlen soll, über Sex zu reden. Denn es geht uns genauso um Aufklärung und sexuelle Gesundheit wie um gute, frauenemanzipierte Pornographie. Ein einziges Verb hat eben nicht ausgereicht, all unsere Ideen und unsere Philosophie unterzukriegen. Deshalb war nach langem Überlegen klar, dass wir zwar definitiv ein Sexshop sind- nur neuer und besser, eben alternativ.
Welche Kund_innen wollt ihr ansprechen?
Anne: Unsere Produkte und Themen sind für Frauen und WLT* ausgelegt. Aber willkommen sind alle, die sich und ihre Sexualität erforschen und bereichern möchten.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Anne: Ich habe vorher in einem gängigen Sexshop gearbeitet. Dort waren die Gespräche mit Frauen unvorstellbar intim und lustig, die Arbeit im Sexshop also immer positiv besetzt. Aber auf die Beratung geiler Männer hatte ich keine Lust mehr. So entstand langsam die Idee des Frauensexshops, viele Phasen der Verbesserungen und Entwicklungen inklusive.
Sara: Ich hingegen kenne die Arbeit bereits aus Kanada, ich war Managerin des Venus Enyv, ein fem Sexshop. Ich bin immer noch davon beeindruckt, was für einen positiven Einfluss ein Frauensexshop auf die Gesellschaft haben kann.
Anne: Zwei Frauen, zwei Länder und zwei Erfahrungen haben sich so zusammengeschlossen und viele Gemeinsamkeiten entdeckt.
Welche Produkte verkauft ihr?
Sara: Ausschließlich hochwertige Produkte aus körper- und umweltfreundlichen Materialien. Und alles ist vegan. Wir haben öko-freundliche Sexspielzeuge, alternative Menstruationsprodukte, und biologische Gleitmittel. Außerdem erotische Ratgeber und Literatur sowie feministische Pornos und BDSM-Ausrüstung. Und wir achten darauf, mit lokalen Erzeugern zu arbeiten, zum Beispiel führen wir Anton Blume Peitschen und einen Harness, der quasi bei uns im Hinterhof gefertigt wird.
Plant ihr auch Veranstaltungen?
Anne: Ja, sogar eine Menge. Erstmal die After Eröffnungsparty am 22. Oktober ab 22 Uhr im Monster Ronsons. Um Berlin zu vermitteln, dass Sex Spaß macht und wir unsere Eröffnung wirklich feiern. Danach geht es weiter mit Workshops, Diskussionsgruppen. Vernissagen und Lesungen. Wer eine Idee hat, darf sich übrigens immer an uns wenden.
Wäre das ein Konzept, das auch in anderen Städten als Berlin funktionieren könnte?
Sara: Dieses Konzept besteht ja bereits in vielen Ländern der Welt und ist somit Teil einer Bewegung, die sich weiter entwickeln wird.
Anne: Ich halte Berlin für einen sehr wichtigen Ort, dieses Konzept umzusetzen. In Berlin wissen viele Leute was mit queer impliziert wird. Die Stadt ist offener und toleranter. Im Bereich Handmade-Labels und von Frauen produzierter Pornographie sind wir hier genau richtig, um eine gute Community aufzubauen. In Deutschland war die Frauenbewegung nie so stark ausgeprägt wie in Kanada. Außerdem finde ich, ist Berlin der richtige Raum, weil er für die Idee, auch mit Wirkshops und Diskussionsgruppen, viel Do-It-Yourself in sich birgt.
Ihr habt auf eurer Facebook-Seite kräftig um Unterstützung gebeten bei den Vorbereitungen – wie war da das Feedback?
Anne: Die Zustimmung, das Interesse und unsere Fangemeinde wachsen. Die Leute sind interessiert, an dem was wir machen und beobachten das auch gezielt über facebook. Wenn es allerdings um Hilfe beim Renovieren oder ähnliches geht, ist facebook einfach zu unpersönlich. Es ist für uns einfach gewesen unsere Freunde zu informieren, was passiert und diese haben uns auch unglaublich geholfen. Übrigens danke an dieser Stelle an euch!!
Was muss bis Samstag noch alles erledigt werden?
Anne: Viele, viele Kleinigkeiten. Aber die sind zu schaffen. Das Schwierigste wird wohl, einen Nenner zu finden, wenn es um die Ausstellung unserer bunten und vielfältigen Toys geht. Im großen und ganzen gibt es aber noch viele Ideen, für die wir noch keine Zeit hatten, sie unseren Kund_innen zur Eröffnung zu präsentieren. So bleibt das Other Nature ein Raum, der gemütlich mit uns und euch wachsen darf. Das gefällt uns beiden gleichermaßen.
Und Samstag dann, was passiert dann?
Anne: Wir eröffnen ab 12 Uhr mit einem veganen Buffet und einer kleinen Live-Performance, wie man mit verschiedenen Peitschen und Paddeln umgeht. Es wird eine kleine Auswahl erotischer Bilder zu bestaunen geben und volle 20 Prozent Rabatt auf alle Toys! Ansonsten freuen wir uns einfach, allen zu zeigen, wo sie sich ab jetzt mit der Auseinandersetzung ihrer eigenen Sexualität wohlfühlen dürfen. Nämlich bei Sara und Anne Bonnie.
Sara: Und Abends lassen wir es noch mal richtig im Monster Ronsons krachen. Neben der Band „Alexander“ werden diverse DJs auflegen. Die wunderbare Svetlana Pall Mall führt durch den Abend, an dem es auch Speed Dating und einen Contest an der Table Dance Stange geben wird. Wir freuen uns!
Große Eröffnungsfeier am Samsatg, 22. Oktober von 12 bis 19 Uhr, Other Nature, Mehringdamm 79, 10965 Berlin

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