„Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!“

23. Februar 2010 von Anna
Dieser Text ist Teil 26 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Ich seufze und drücke „löschen“. Es ist kurz nach Mitternacht und eigentlich wollte ich gerade ins Bett gehen. Das muss jetzt aber noch einen Moment warten, denn inzwischen weiß ich: wo ein Fotzen-Kommentar ist, da lauern auch noch andere und gerade zu nächtlicher Stunde fallen die Hemmungen besonders schnell.

       (C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Als ich begann, im Internet feministische Texte zu veröffentlichen, war mir nicht klar, welch offener Hass Frauen und Feministinnen im Netz an manchen Stellen entgegen schlägt. Dabei gibt es natürlich immer wieder Kommentare, die nichts weiter als Herumgetrolle sind, das wirklich keinen weiteren Hintergrund hat.

Die meisten dieser Beiträge jedoch sind klar feminismus- und frauenfeindlich motiviert (das eine lässt sich da nicht mehr so leicht vom anderen trennen). Sie lassen sich grob in drei verschiedene Typen unterteilen:

Da wäre der einzelne Irre. Dieser stößt oft eher zufällig auf feministische Seiten und Blogs und versucht seiner ganzen aufgestauten Wut in einem deftigen Kommentar Raum zu geben. Meist gelingt ihm das nur mit wüsten Schimpfwörtern, manchmal sind auch nur relativ harmlose Einwürfe wie „geht kochen“ oder „macht euch doch mal locker“. In diese Kategorie würde ich auch den Klassiker „ihr gehört einfach mal wieder ordentlich durchgebumst“ einordnen. Diesen hielt ich persönlich übrigens lange für eine altfeministische Saga, bis er mir tatsächlich selber im Rahmen einer Diskussion in einer Community das erste Mal begegnete. Man muss also nicht unbedingt auf einer explizit feministischen Plattform schreiben, um solchen Sprüchen ausgesetzt zu werden – das reine Äußern gleichberechtigter Gedanken reicht völlig aus, um bei manchen Menschen einen Schalter umzulegen.
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Vaterfreuden

12. August 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 25 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Neulich auf dem Weg zur Arbeit ist mir folgendes passiert:
Ein Vater stand mit Kinderwagen oben an der U-Bahn-Treppe. Ich bot an, ihm tragen zu helfen, was er dankend annahm. Mein „Soll ich helfen?“ hatte jedoch auch ein Mann gehört, der samt weiblicher Begleitung die Treppe schon ein Stück unten war. Dieser kam dann wieder nach oben, sich wortreich entschuldigend, dass er keine Hilfe angeboten sondern einfach vorbei gegangen war. Dabei versuchte er, mir den Kinderwagen aus der Hand zu nehmen (was ich abwehrte). Es war ihm sichtlich unangenehm, dass er die Situation übersehen hatte und in seiner ausschweifenden Erklärung fiel schließlich auch der Satz: „Bei einer Frau bleibt man eher mal stehen, an einem Mann geht man irgendwie vorbei“.
Inzwischen hatten wir den U-Bahn-Steig erreicht und der junge Vater suchte sichtlich genervt schnell das Weite.

Ich kann den Vater gut verstehen, dass er genervt war. Meine Großmutter erzählt gerne, dass mein Opa Mitte der 50er als meine Mutter auf die Welt kam der erste Mann war, der im ganzen Wohngebiet einen Kinderwagen geschoben habe und wie viele schiefe Blicke und Sprüche er dafür kassierte. Manchmal habe ich den Eindruck, was den Umgang mit Vätern angeht, hat sich seit dem nicht so viel verändert.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Mir kommt es so vor, dass kaum jemand mit einem engagierten Vater neutral umgeht. Das geht schon mit der Formulierung los, hat schon mal jemand von einer engagierten Mutter gehört? Eben. Wenn ein Mann alleine mit seinen Kindern unterwegs ist, weiß, welche Windelgröße gerade die aktuelle ist und welcher der Lieblingsrock der Tochter, dann ist er gleich ein engagierter Vater. Und als dieser wird er permanent von seiner Umwelt beobachtet und bewertet. Das kann natürlich positiv geschehen, von sehr freundlich bis hin zu überschwänglicher Begeisterung. Oder der Vater hat mit abwertenden, misstrauischen oder gar beleidigenden Kommentaren zu kämpfen. So bekam ein befreundeter Vater von den Arbeitern einer Baustelle zu hören, das mit dem Tragetuch sei ja bei einer Frau gerade noch okay, aber bei einem Mann ginge das mal so gar nicht. Der gleiche Vater berichtete mir auch, dass wenn er mit beiden Kindern alleine unterwegs sei, er sich immer wie auf dem Präsentierteller fühlen würde. Blicke und Bemerkungen würden bei kaum einer Straßenbahnfahrt ausbleiben. Und auch positive Kommentare können ganz schön nerven und sind letztendlich nicht weniger sexistisch als die abfälligen – wenn auch nicht so böse gemeint. Denn es ist ziemlich herablassend, wenn fremde Menschen es für besonders erwähnenswert halten, dass man(n) ja – erstaunlicherweise! – total gut zurecht kommen würde mit den Kindern. Kommt irgendwer auf die Idee, so was einer Mutter zu sagen, die einfach nur mit ihrem Kind einkaufen geht? Nicht zu vergessen natürlich die Passanten, die mit Argusaugen über den Umgang mit den Kindern wachen, denn einem Vater muss wohl rund um die Uhr auf die Finger gesehen werden, ob er auch alles richtig macht.

Männer, die ihre Vaterrolle aktiv ausüben sind anscheinend immer noch nicht in den Köpfen angekommen, Männer mit Kinderwagen immer noch ein Phänomen. Die Gründe dafür sind sicherlich vielschichtig. Gewiss hängt viel mit der Überhöhung der Mutter(rolle) vor allem in Deutschland zusammen, welche sowohl in der Politik als auch im Privaten immer wieder betont und manifestiert wird. In entsprechenden Internetforen liest man zuhauf von Frauen, die ihrem eigenen Mann nicht mal zutrauen, die Windeln des gemeinsamen Kindes zu wechseln. Geht ein Mann länger als zwei Monate in Elternzeit, kann er sich je nach Arbeitgeber und Kollegenkreis auf blöde bis beleidigende Sprüche einstellen. Ein mir bekannter Vater musste den Arbeitgeber wechseln, weil der alte ihm sehr deutlich zu verstehen gab, dass er über die gesetzliche Verpflichtung hinaus nicht bereit sei, sich auf Vätermonate oder familienfreundliche Arbeitszeitmodelle einzulassen. Der einzige gesellschaftliche Bereich, in dem Väter inzwischen allgemein akzeptiert zu sein scheinen, sind diverse mäßige Werbespots für Kaffee oder Fertigkuchen (richtig backen kann der arme Mann natürlich nicht).

Väter, bitte, traut und zeigt euch! Bindet euch die Kinder auf Bauch und Rücken und erobert die Spielplätze! Lasst euch bitte von den blöden Kollegensprüchen nicht entmutigen und bleibt auch mal daheim, wenn euer Kind krank ist und ihr euch kümmern wollt.

Wir brauchen wirklich dringend eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Vätern, sei es in der Straßenbahn, auf dem Spielplatz oder im Job. Ich trag auch gerne weiter die Kinderwagen.


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Alice und ich

26. Mai 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 24 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

lange habe ich überlegt, ob ich Ihnen überhaupt schreiben soll. Doch es gibt einfach ein paar Dinge, über die ich mit Ihnen gerne mal reden würde und Fragen, die ich stellen möchte.

Als Tochter einer Mitte der 50er geborenen westdeutschen Feministin bin ich quasi mit Ihnen aufgewachsen. Noch vor ein paar Jahren hätte ich kein Problem damit gehabt, diesen Brief mit einem lockeren „Du, Alice, wir müssen mal reden“ zu beginnen. Doch diese Vertraulichkeit scheint mir nicht mehr angebracht. Eines der Zeichen dafür, wie sich mein Verhältnis zu Ihnen verändert hat.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wann Sie in mein Leben traten, weiß ich nicht mehr. Genauso wenig, wie ich weiß, wann ich Feministin wurde. Ich war es einfach irgendwie schon immer. Und so, wie ich schon immer Feministin war, waren auch Sie immer da. Lange wusste ich nicht viel über Sie, wohl aber, dass Sie irgendwie zu den Guten gehörten. Dass Sie viel für die Frauen getan hatten. Meine Mutter schaffte es immer wieder anschaulich, mir zu erzählen, wie die Zeiten so waren, als sie jünger war. Es ging dabei natürlich oft um die großen Probleme wie Abtreibung oder Vergewaltigung in der Ehe, aber auch um den kleinen Alltagssexismus (man suche z.B. nur bei youtube nach alten „Der 7. Sinn“ – Folgen). Alles Themen, die mir teilweise kalte Schauer über den Rücken jagen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als mir klar wurde, wie viele meiner Freundinnen nichts von solchen Dingen wussten. Wie vielen nicht klar war, was Sie, Frau Schwarzer, und ihre Mitstreiterinnen für uns erreicht und getan hatten. Sie waren unbequem, „eine Nervensäge“. Für uns! Ich bin bis heute voller Unverständnis für die Frauen (und Männer) meiner Generation, die das nicht anerkennen.

So war das also. Ich war Feministin, aber fühlte mich damit recht alleine auf weiter Flur, zumindest was Frauen in meinem Alter anging. Ich freute mich, als Charlotte Roche und Judith Holofernes in der Emma auftauchten und wunderte mich, dass das auf einmal nicht mehr passierte. Doch dann wurde das Internet immer populärer und ich fand dort schließlich auch Frauen meiner Generation, die so dachten und empfanden wie ich. Was für eine Erleichterung! Und dann, ja, dann schwappte die so genannte Dritte Welle endgültig zu uns.
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Ick hab die Schürze um, ick dreh die Würschte rum!*

28. April 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 23 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Es wird warm, es wird Sommer. Zusammen mit den T-Shirts, kurzen Hosen und Flip Flops wird ein weiteres Gimmick aus dem Winterschlaf geholt, ohne dass der Sommer nicht möglich ist:

Der Grill. Mit ihm zusammen wird auch das schon lang abgesetzt geglaubte Theaterstück „Frauen- und Männerklischees leicht gemacht“ jede Spielsaison wieder neu ins Programm genommen.

Ich weiß, die Witze über die Männer, die sich um das Grillfeuer scharen und die Frauen, die parallel den Salat noch mal umrühren, lassen sich wohl kaum zählen. Trotzdem oder auch vielleicht gerade deswegen bin ich immer wieder baff, wenn ich Grillrituale beobachten darf.
Es wirkt aber auch ein wenig steinzeitlich, gerade, wenn sich größere Gruppen treffen: Die Männer stehen (mit Bier in der Hand) um den Grill, geben gute Ratschläge und üben sich insgesamt in Männlichkeit. Die Frauen sitzen daneben auf einer Decke, unterhalten sich, schneiden Brot und Gemüse und verteilen schon mal die Teller.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Warum sind die Grillrollen dermaßen zementiert? Ist das die heimische Grillsozialisation, Papa grillt, Mama bereitet die Salate vor? Aber selbst wenn dem so wäre: Wir schaffen es doch auch, uns in anderen Bereichen von den vorgelebten Rollenmustern zu lösen, sie mindestens kritisch zu hinterfragen und nicht einfach als gegeben hinzunehmen. Wenn es ans Grillen geht, scheint dieser versammelte kritische Geist auf einmal hinfällig.

Was würde passieren, würde jemand die Rollen durchbrechen?
Was wäre, würde sich einer der Männer zu den Frauen setzen und mit ihnen Servietten verteilen, während die anderen Kerle sinnieren, ob man nun mit Bier ablöschen sollte und dass sie im Internet gelesen haben, dass Eierkartons wirklich der beste Anzünder seien? Wie würden die anderen Männer reagieren und wie vor allem die Frauen? Und was ist, wenn eine der Frauen lieber über Steakgarzeiten fachsimpeln würde, anstatt mit den anderen auf dem Boden zu sitzen und noch vor der ersten Wurst einen eingeschlafenen Fuß zu haben? Oder wenn gar eine der Damen Lust hätte, selbst den Grill anzuschmeißen?

Es scheint der Umgang mit Feuer und Fleisch zu sein, der den Grill auf besonders archaische Weise als eindeutig männlich kennzeichnen und dieser Umstand wird warum auch immer von niemand in Frage gestellt.

Oder ist das alles ganz anders und es steckt viel mehr hinter den Grillritualen, als in – diesem Fall – frau auf den ersten Blick vermutet?

Kann es sein, dass wir Feministinnen uns vielleicht auf die falschen, ja, Brandherde konzentriert haben? Waren Chefetagen, Elternzeit und Lohngleichheit nur geschickte Ablenkungsmanöver, während die Kerle von uns allen völlig unbemerkt den Grill wie nebenbei und ohne Probleme als letzte männliche Domäne erhalten haben? Sind die Fachsimpeleien über den neuen Kugelgrill und die eine Szene bei den Simpsons, als Homer Simpson den ganze Spiritus in den Grill … nur vorgetäuschte Themen um in Wirklichkeit ungestört von den Frauen weiterhin die eigentliche Macht unter sich auszumachen?

Sollten wir uns vielleicht weniger auf die DAX-Vorstände und mehr auf diese modernen Feuerstellen konzentrieren? Ich sage: Ja!
Mädels, vergesst die gläserne Decke und erobert die Grills dieser Welt! Wenn meine Theorie stimmt, dann wird sich, wenn wir erst diese Hoheit errungen haben, der Rest schon von selber regeln!

*Hier wird die Überschrift erklärt.


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Erdbeerwochen

31. März 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 22 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Samstagabend, „Genial Daneben“. Sie wusste hinterher selber nicht mehr, wie sie darauf gekommen war, aber auf einmal referierte Hella von Sinnen über Tampons, abgerissene blaue Fädchen, Empfindlichkeiten im Genitalbereich und Menstassen. Insgesamt sprang da zumindest für mich mehr als ein guter Lacher heraus.
Allgemeiner gesehen wurde da allerdings ein Themenbereich berührt, bei dem ich wie so oft recht zwigespalten bin. Und was liegt bei einem untenrum-Thema näher, als erstmal zu hören, was Charlotte Roche dazu zu sagen hat? Vor ein paar Jahren war Charlotte bei „Zimmer Frei!“, und sprach im Interview darüber, dass sie es ganz furchtbar fände, dass Frauen, wenn sie um einen Tampon bitten („Du, hast du mal ’nen Tampon?“) das nur geflüstert in einem Ton tun, als hätten sie etwas sehr schlimmes verbrochen („Du, ich hab gerade ein Kind umgebracht!“).
Wo sie Recht hat, hat sie Recht! Allerdings, und das ist der Knackpunkt, habe ich manchmal die Befürchtung, ich gehöre doch eher zur Kindstöter-Fraktion.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich würde mich wirklich nicht als verklemmt betrachten. Aber es gibt gewissen Themen, die ich mit niemandem teilen möchte. Dazu gehört meine Menstruation.
Natürlich, als es damit los ging, da wurde vieles ausführlich mit den Freundinnen besprochen. Wir warteten gemeinsam auf die Menarche und gemeinsam trauten wir uns auch, Tampons zu kaufen. Irgendwann trat aber auch in diesem Punkt Normalität ein. Heutzutage sehe ich selten bis nie Anlass, über meine Regel zu sprechen. Umso irritierter bin ich, wenn Frauen um mich herum mit diesem Thema anders umgehen. Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich eine der wenigen bin, die sich in der Kaffeepause nicht über Blutungsstärken unterhalten möchte? Ich habe den Eindruck, es gibt Frauen, die gegen einen obligatorischen Aufenthalt in einer Menstruationshütte wirklich nichts einzuwenden hätten.

Woher kommt meine Abneigung, mich zu diesem Thema ausführlich zu äußern? Nun, zum einen finde ich schlicht und einfach, dass das prinzipiell keinen was angeht. Dieses Gefühl resultiert nicht aus irgendeinem Klemmschwester-Impetus heraus, nein, ich lege schlicht und einfach Wert auf meine Intimsphäre.

Allerdings spielt noch ein anderer Aspekt hinein:
Oft habe ich den Eindruck, Frauen, die so ausführlich über ihre Regel sprechen, tun dies, um Mitleid und vor allem vermehrte Toleranz für ihr Verhalten einzufordern.
Ich finde es, mit Verlaub, schlicht und einfach unangebracht, Äußerungen oder Handlungen, die man tätigt mit „ach, ich hatte da meine Tage, weißt ja, wie wir Frauen da sind“ oder „uhhh, das lag nur am PMS, dass ich da so drauf war“ zu rechtfertigen. Viele Frauen erwarten in diesen Punkten gerade von anderen Frauen totales Entgegenkommen. Nein, ich bin nicht bereit, das zu geben. Versteht das nicht falsch: wer sich mir Wärmeflasche ins Bett verkrümeln will, soll das tun. Wirklich, ich habe Verständnis und ich kann auch gerne Schmerztabletten vorbei bringen und einen Tee kochen.
Mein Verständnis hört aber dann auf, wenn Frauen sich daneben benehmen, unkonzentriert oder gar aggressiv sind und so ein Verhalten mit einem einfachen Hinweis auf ihre Tage oder ihr PMS beiseite wischen wollen.

Auch aus diesem Grund behalte ich meinen aktuellen Zyklusstand meist für mich: Ich möchte ernst genommen werden. Wenn ich sauer oder genervt bin, dann bin ich das nicht, weil ich meine Tage habe oder bekomme, sondern weil es einen Anlass gab. Ich möchte respektiert werden und habe den dringenden Eindruck, Frauen verschenken durch den Hinweis auf ihren Zyklus oft eine Menge an Respekt.

Es kann nicht sein, dass wir ein „die hat/bekommt wohl ihre Tage“ als zutiefst diskriminierend empfinden und uns gleichzeitig selber diskriminieren, so tun, als seien wir Sklavinnen unserer Hormone, die die gesamte Kontrolle über unser Verhalten übernommen haben. Mal ehrlich, würden wir bei einem Mann unangebrachtes Verhalten mit dem achselzuckenden Hinweis auf „das war eben das Testosteron, ich kann einfach nicht anders“ akzeptieren?

– Eben!


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„Was zieh ich an, was zieh ich an…

16. März 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 21 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

… damit man mich auch gut sehen kann? Gelb leuchtet hell, rot sieht man schnell, grau oder braun das sieht man kaum. Ja wie kann man da noch fragen, was sollte ich wohl tragen?“

Soweit das Kinderlied. Eines, das uns Erwachsenen bei dieser Frage weiter hilft, habe ich bisher nicht finden können.

Es ist inzwischen schon eine Weile her, dass ich meinen aktuellen Job antrat. Dieser ist nominell zwar ein Studentenjob, ist aber von den Aufgabenbereichen her so gestaltet, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen gar nicht wissen, dass ich „nur“ eine Studentin bin. Und obwohl man bei meinem Arbeitgeber eher leger unterwegs ist, war ich nach der ersten „Juhu, ich hab die Stelle!“-Euphorie doch ein wenig verunsichert: Mein Kleiderschrank, im klassischen „Jeans mit alten Shirts und ausgelatschten Turnschuh“-Stil bestückt, war dieser neuen Aufgabe meiner Meinung nach nicht gewachsen. Für die Uni oder auch das ein oder andere Praktikum völlig ausreichend, für die kommenden Aufgaben aber eher ungeeignet. Denn nein, ich war nicht mehr die Praktikantin und wollte auch nicht so aussehen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die nächste Phase war recht schwierig. Wer sich in Hosen und Chucks zu Hause fühlt, trägt nicht auf einmal Röcke und Stiefel. Ich unternahm also Streifzüge durch verschiedene Klamottenläden und versuchte, mit mir selber auf eine Linie zu kommen. Meine Lösung bestand am Ende aus etwas besseren Jeans und ein paar normalen Hosen, einem Stapel unifarbenen T-Shirts ohne wilde Aufdrucke, und der Cardigan mit Loch wurde gegen einen Pulli mit V-Ausschnitt getauscht. Schuhe gab’s auch neue, unter anderem Modelle mit Absatz. Nichts hohes und auch nicht total ungewohnt für mich, aber trotzdem als täglicher Schuh irgendwie fremd. Alles in allem also kein übertriebenes, bestimmt aber auch kein besonders spannendes Outfit.

Doch so unspektakulär das Ergebnis, so schwierig der Prozess dort hin. Ich habe viel mit mir gerungen, posierte mit Kleidung vor dem Spiegel, die einfach „nicht ich“ war oder versuchte mich zu erinnern, was eigentlich die Leute, die ich beim Bewerbungsgespräch gesehen hatte, so anhatten. Auch auf die Frage, wo die Grenze zwischen „Ver-“ und „angemessener Kleidung“ verläuft, versuchte ich eine Antwort zu bekommen. Nicht nur von mir, sondern von meinen Freundinnen.

Dort gehen die Ansichten zu diesem Thema erstaunlich weit auseinander. Da gibt es die, die um das Kostüm zur Arbeit nicht herum kommen, weil der Arbeitgeber es nicht zulässt, aber auch die, die diese Uniform brauchen, um Privates und Arbeit zu trennen. Da ist die Sozialpädagogin, die sich bei ihrer Jugendarbeit von den zu betreuenden quasi nicht unterscheidet. Dann einige Stimmen in der Mitte, die sich auf einem ähnlichen Weg wie ich befunden haben und noch befinden. Und da war die Freundin, die sich überhaupt nicht vorstellen konnte, ihre Kleidung jemals anzupassen, „sich zu verbiegen“, wie sie es nannte.

Sie als Freiberuflerin wird vielleicht Glück haben. Doch ich habe die Beobachtung gemacht, dass es um ernst genommen zu werden unerlässlich zu sein scheint, „richtig“ gekleidet zu sein. Natürlich ist diese „richtige Kleidung“ im Musikbusiness vielleicht eine andere als im Wirtschaftsunternehmen. Nun, für das Musikbusiness kann ich leider nicht sprechen, aber die Erfahrung, die ich bei meiner Arbeit gemacht habe, ist die:
Um zu erkennen, wann wichtige Termine anstehen, muss ich nicht in den Kalender schauen. Wichtige Termine stehen immer an den Tagen an, an denen die Kolleginnen und Kollegen, die sonst in Chucks und Strickjacke zur Arbeit kommen, auf einmal in schicken Schuhen und mit Blazer morgens in der Kaffeeküche stehen.

Und meistens kann ich dann mit einem Lächeln im Gesicht auf leisen Turnschuhsohlen in meinem Büro verschwinden.


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Ein bisschen Sehnsucht …

16. Februar 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 20 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Vor so ungefähr zwei Jahren hatte ich Besuch von meiner Cousine. Die war damals 12 Jahre alt und ein fast fertiger Teenie. Bei einer der obligatorischen Shoppingtouren kaufte sie unter anderem das gerade erschienene neuste Buch einer bestimmten Reihe und außerdem das Hörbuch zum ersten Band. Ab da versank sie fast jede freie Minute in besagtem Wälzer. Natürlich wollte ich wissen, worum es in diesen Büchern ging. Vampirgeschichten seien das, meinte sie, und zwar sehr spannende.

Aufmerksame LeserInnen werden vielleicht ahnen, worum es ging: Richtig, dieser Cousinenbesuch war mein erster Kontakt mit der Twilight-Saga.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich lieh mir damals das Hörbuch aus, um einen Eindruck zu bekommen. Twilight war sowohl mir als auch den Menschen um mich herum völlig unbekannt. Meine Cousine hatte noch andere Teenager-Bücher dabei, bei denen es um Vampire und Liebe ging, ich meinte also einen neuen Trend zu erkennen. Ich selber habe sämtliche Grundschulfaschingsfeiern im Vampirkostüm verbracht, fremd war mir diese Welt also nicht. Nur bei mir hatte sich das alles dann recht schnell verwachsen, außer „Der Kleinen Vampir“ gab es nichts wirklich altersgerechtes zu dieser Zeit.

Jetzt, zwei Jahre später, ist Twilight wohl fast jedem und vor allem jeder ein Begriff! Das liegt natürlich auch an der Promo für den entsprechenden Film. Aber nicht nur. Denn es ist nicht der Film, der Freundinnen tagelang quasi nicht ansprechbar macht, es ist nicht der Film, der Kolleginnen in wilde Diskussionen in der Kantine ausbrechen lässt und es ist nicht der Film, der seitenlange Diskussionen in Internetforen – wohl gemerkt keine reinen Fanforen – hervorruft. Nein, es sind die Bücher, die im Moment reihenweise um mich herum verschlungen werden.

Obwohl ich sowohl eine Affinität zum Thema selber als auch zu leichter Unterhaltung habe, stehe ich sehr ratlos vor diesem Phänomen. Ich kenne nur den ersten Band und diesen auch nur als Hörbuch. Als ich jedoch bei amazon die empörten Rezensionen las, dass dieses leicht gekürzt sei, war ich ein wenig erleichtert, denn gegen Ende war ich dieser doch recht simplen Boy meets Girl-Story ein bisschen müde gewesen. Daran konnten auch die ganzen spannenden Abenteuerelemente nichts mehr ändern, sowohl sprachlich als auch von den Handlungssträngen her hatte ich zwar einen interessanten Einblick gewonnen, aber begeistert war ich nicht.

Ich fand es seltsam, dass Bella, die eigentlich als sehr klug und taff geschildert wird, immer wieder in „bitte rette mich“-Szenen geschrieben wurde, man fragt sich irgendwann, wie sie überhaupt 17 Jahre alt werden konnte ohne ein tödliches Unglück oder mindestens ein Leben im Rollstuhl. Dann Auftritt des starken und tapferen Helden Edward, der sie unerschrocken aus der Gefahr holt und natürlich hinterher eindringlich-väterlich ermahnt, besser auf sich aufzupassen. Bis zur nächsten Rettung. Szenen nach diesem Muster wiederholten sich immer wieder und das wohl auch in den anderen Büchern, wie mir in Blick in die Zusammenfassungen verriet. Natürlich verlieben sich Edward und Bella, Bella will mehr als nur Händchenhalten, doch Edward, der unnahbare Held, muss stark bleiben. Ja, nicht mal richtig küssen kann er sie, aus Angst, sich nicht „beherrschen“ zu können. Dies ist in meinen Augen allerdings ein guter Kniff der Mormonin Stephenie Meyer: Denn die Frage „Sex vor der Ehe“ stellt sich so gar nicht, aus Edwards Angst heraus, im Überschwang der Gefühle die Kontrolle zu verlieren. Bella, das unvernünftige, höchst emotionale Ding, möchte jedoch nichts mehr, als gebissen werden, aber der gewissenhafte Edward widersteht. Natürlich. Die Leserin „Bidisha“ nennt in einer Onlinerezension auf independent.co.uk den letzten Teil der Reihe „sick-makingly sexist“.

So weit, so schön das Teenie-Buch. Was aber macht die Faszination dieser Bücher für erwachsene Frauen aus? Was bringt gestandene Endzwanzigerinnen (und nach den amazon-Rezensionen auch diverse Mütter) dazu, sich mit Bella zu identifizieren („Bidisha“: „Bella Swan lives to serve men and suffer”) und wenigstens ein paar Tage lang ein wenig für Edward zu schwärmen? Der einzige Unterschied zu Millionen Teenagern scheint nur zu sein, dass diese sich wohl kaum so explizit ausmalen, was sie alles mit Edward machen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten…

Ist das nur Eskapismus? Oder haben wir, allem Feminismus zum Trotz, in uns doch eine tiefe Sehnsucht nach einem Beschützer, einem, der immer da ist, um uns – im Wortsinne – aufzufangen? Der immer das richtige tut und sagt, uns körperlich und charakterlich überlegen ist und das auch immer wieder demonstriert? Nach einem, der vernünftig genug für uns beide ist, so dass wir emotional und unvernünftig sein dürften und der nebenbei noch total geheimnisvoll ist, ein Mann, den man erstmal „knacken“ muss? Wenn nein, woher kommt diese Begeisterung dann? Und wenn ja, sagt das nicht mehr über unsere Emanzipation aus als das jahrelange Emma-Abo?

Mädels, erklärt’s mir bitte!

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Bonustrack


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„Ich dachte, du nimmst die Pille!?“

2. Februar 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 19 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Diesen Satz, der mit nur aus dummen Witzen bekannt war, bekam eine Freundin von mir wirklich von ihrem kondomfaulen One-Night-Stand zu hören. Der Herr wurde daraufhin freundlich aber bestimmt aus Bett und Wohnung komplimentiert.

Ich weiß nicht genau, was mich dabei mehr ärgert: Die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die mit jemandem, den sie gerade erst kennengelernt haben, ohne Kondom schlafen würden. Oder die Tatsache, dass wie selbstverständlich angenommen wird, dass jede Frau die Pille nimmt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Was die Sache mit dem Kondom angeht, scheint es inzwischen wirklich so zu sein, dass die Wirkung des großen AIDS Schocks verflogen ist. Zu „der wird schon nichts haben“ kommt „AIDS kann man ja fast heilen inzwischen“ und das ergibt gemeinsam eine tödliche Mischung. Und geht es ja nicht nur um AIDS, es gibt noch zig andere Krankheiten, die wir uns beim Sex holen können. Diese reichen von fies bis gefährlich und alle gemeinsam sind gute Gründe, niemals auf ein Kondom zu verzichten! Nein, auch nicht beim Sex mit einem neuen festen Partner. Denn ja, wir trauen dem Partner, glauben ihm auch, dass er nie fremd gegangen ist und außerhalb von Beziehungen immer ein Gummi verwendet hat. Aber vertrauen wir auch seinen zwei Ex-Freundinnen? Und deren Ex-Freunden und wiederum deren One-Night-Stands? Wenn man nur mal kurz innehält um sich die Fickpyramide vorzustellen, an deren Spitze der eigene Partner (oder auch man selbst) steht, ja, dann fällt zumindest mir der Griff zum Kondom wirklich nicht mehr schwer.

Leider scheint für viele Menschen das schlimmste Problem, das sich aus spontanem Sex ergeben könnte ein Kind zu sein. Was mich zu meinem zweiten Punkt bringt: Wo zur Hölle steht eigentlich geschrieben, dass alle Frauen ab der Geschlechtsreife die Pille nehmen? Gab es da einen Gesetzeserlass, von dem ich nichts weiß?
Die Pille hat sich immer mehr zum Lifestyle-Accessoire entwickelt. Wer mit 16 sein Blister auffällig unauffällig im Badezimmer drapiert hatte, die signalisierte wie nebenbei und doch sehr klar: „Ich habe Sex, ich bin erwachsen!“ Je älter man wurde, desto normaler wurde die Pille. Eigentlich alle nahmen sie, oft egal ob in einer Beziehung oder nicht.

Pille schlucken gehört schließlich dazu, man kann die Periode verschieben, sie macht gute Haut und schöne Haare. Oft wird weder darüber nachgedacht, dass es sich hierbei um ein Medikament handelt, noch darüber, dass es zu dessen Wirkungszweck – Verhütung – durchaus gangbare Alternativen gibt. Begünstigt wird diese Haltung durch die meisten FrauenärztInnen. Die Pille zu bekommen ist hierzulande ungefähr so schwer wie eine Packung Smarties zu kaufen. Wird sie verschrieben findet oft nicht mal ein wirkliches Beratungsgespräch statt, es wird weder über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten noch über Nebenwirkungen aufgeklärt. Aber ach was, Nebenwirkungen, über die muss ja auch nicht aufgeklärt werden. Denn die kommen bei der Pille ja nicht vor! Egal mit was eine Frau zum Frauenarzt kommt, sei es Migräne, vermehrte Pilzinfektionen, Hautausschläge, Schmerzen beim Sex (oder vielleicht gar kein Sex mehr wegen verschwundener Libido), all das kann an allem liegen, aber an der Pille? Niemals! Und wenn, dann nur an diesem einen speziellen Präparat, müssen wir eben ein paar ausprobieren, das richtige wird schon dabei sein.

Sowohl in meinem Freundeskreis als auch in diversen Internetforen finden sich solche Leidenswege zu Hauf. Und nur selten höre oder lese ich von Frauenärzten, die angesichts diverser Beschwerden den Betroffenen den Gedanken ans Herz legen, dass eine hormonelle Verhütung vielleicht nicht die passende für diese Frau sein könnte. Von Frauenärztinnen, die über Alternativen aufklären, die beraten und die Symptome der Frauen ernst nehmen (und sie nicht im schlimmsten Fall wegen Depressionen in eine Therapie weiter reichen wollen).
Setzt eine Frau dann wirklich die Pille ab, behält sie das am besten für sich, denn sonst bekommt sie wahrscheinlich bald die ersten Strampler geschenkt. Denn die Pille nicht vertragen, nein, das gibt es doch nicht, genauso wie es anscheinend keine andere mögliche Verhütung als Hormone zu geben scheint.

Ja, viele Frauen kommen mit der Pille wunderbar zu recht, für viele ist sie das beste Verhütungsmittel. Trotzdem wünsche ich mir, dass die Pille auch wieder als das wahr genommen wird, was sie ist: Ein Medikament. Ein Medikament, das man vielleicht nicht verträgt. Wenn ich auf Penicillin allergisch reagiere glaubt man mir das auch und der Arzt sucht dann nach einer Alternative dazu. Warum geht das bei der Pille nicht?


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Das Leben ist kein Ponyhof!

5. Januar 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 18 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Heute nutze ich die Gelegenheit einer eigenen Kolumne dafür, ein Kindheitstrauma zu verarbeiten. Es geht um meinen Geburtstag in der dritten Klasse, ich wurde neun.
Wie jedes normale Kind freute ich mich sehr auf meinen Geburtstag, ganz besonders auf die Feier mit den anderen Kindern. Und natürlich auf die Geschenke! Ich bekam an diesem Geburtstag vor allem eines: Bücher! Und zwar nicht irgendwelche Bücher sondern: Pferdebücher!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich kann mir im Nachhinein gut vorstellen, wie das zustande kam. Meine Mitschülerinnen liebten Pferde, mit allem, was dazu gehörte. Pferdebücher, Pferdeposter (MediZini!), Schulsachen voll mit Pferden und „My Little Pony“. Ich war quasi in einer Pferdemädchenklasse gefangen. Was lag für die Geschenke kaufenden Mütter also näher, als auch für mich Pferdebücher zu besorgen? Wie konnten sie auch ahnen, dass ausgerechnet diese 9jährige keine Pferde mochte?
Ich habe es versucht! „Kiki rettet den Ponyhof“ bekam noch eine Chance, „Das Glück dieser Erde“ (oder ein ähnlicher Pilcher-Titel) flog nach 20 Seiten in die Ecke, zusammen mit den anderen Pferdebüchern. Mein Frust war groß! Was für blöde Geschenke!

Ich weiß bis heute nicht, warum ich kein Pferdemädchen* war, entsprach ich doch sonst zumindest in Sachen Spielzeug wirklich jedem gängigen Stereotyp!

Alles fing recht harmlos an mit gefärbten Stoffwindeln und unbehandelten Holzbauklötzen, von denen meine Mutter heute noch schwärmt. Beides meines Erachtens recht gender-neutral. Was man von meiner enormen Barbie-Sammlung (von der meine Mutter selten schwärmt) nicht mehr sagen kann. Eines meiner tollsten Weihnachtsgeschenke war ein Barbiehaus (leider nicht das echte, sondern ein stabiles aus Holz). Ich denke, ich muss nicht näher erwähnen, dass das Haus nach und nach mit Himmelbett, Bad, Schminktisch, Küche etc voll eingerichtet wurde. Das einzige Produkt des Barbie Universums, das keinerlei Reiz auf mich ausübte waren die – richtig – Pferde! Allerdings spielte ich mit Barbie nie das klassische Mama-Papa-Kind-Szenario, sondern Barbie ging täglich arbeiten bei mir. Immerhin das! Außerdem besaß ich natürlich (teilweise sprechende) Puppen, mit Kinderwagen und was man sonst noch so braucht. Später kam tatsächlich noch einer dieser Köpfe dazu, die man schminken und frisieren kann.

Man sieht: Spielzeugtechnisch war ich ein wandelndes Klischee.

Ich erinnere mich allerdings auch an einen Korb voller Matchbox-Autos. Nur kann ich mich nicht erinnern, damit wirklich gespielt zu haben. Später landeten sie dann bei meinem Bruder. Außerdem sollte man der Vollständigkeit halber noch Playmobil und eine große Lego-Sammlung erwähnen.

Was lernen wir daraus? Auch eine feministische Erziehung schützt nicht vor der Barbie Invasion im Kinderzimmer. War es Peer-Pressure oder doch eher wohl meinende Verwandte, die Barbie und andere Puppen in mein Kinderzimmer brachten? Ich weiß es nicht. Meiner Mutter wird nicht immer wohl gewesen sein beim Blick in meine Spielsachen.

Es muss allerdings erwähnt werden, dass mein Bruder, als er sich – ebenfalls zu Weihnachten – eine Barbie samt Ferrari wünschte, diese anstandslos bekam. Warum genau Barbie allerdings als erstes nackt ausgezogen wurde und die Feiertage damit verbrachte, im FKK-Look durch den Flur zu brausen, das kann er heute nicht mehr erklären. Angeblich erinnert er sich nicht.

*Ich wurde von einer Reihe ehemaliger Pferdemädchen darauf aufmerksam gemacht, dass „echte Pferdemädchen“ nicht so sind, wie es das Klischee vermuten lässt! Echte Pferdemädchen sind den ganzen Tag im Stall und riechen entsprechend, echte Pferdemädchen machen sich ohne Murren dreckig beim Ausmisten, echte Pferdemädchen sind hart im Nehmen und echte Pferdemädchen schrecken auch vor Pferdeapfelschlachten nicht zurück.
Liebe echte Pferdemädchen, ich finde es sehr schade, dass ich euch nicht früher begegnet bin!


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Glühwein mit Anna

23. Dezember 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 17 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich wollte ich in dieser Woche eine Weihnachtskolumne schreiben. Über Traditionen und Weihnachtsbäume, über Glühwein und Geschenke und über gutes Essen. Und darüber, warum Loriot und Familie Heinz Becker nicht fehlen dürfen am Heiligabend.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Leider bin ich seit ein paar Tagen so stark erkältet, dass die Kolumne deswegen leider ausfallen muss.

Mir bleibt also nur, euch allen wunderbare Feiertage zu wünschen, mit vielleicht noch ein wenig Schnee, mit einem schönen Weihnachtsmenü und mit wenig Familienknatsch!

Den nächsten Kaffee gibt’s dann 2009!


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