Lollipops zum Vormittags-Kaffee mal langsam

von Meredith

Zum Thema Männer-Leid mal eine sachliche Liste von Gedanken aus den letzten 24 Stunden:

1. Als Feministin trete ich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Nachdem Frauen – was persönliche, körperliche, finanzielle und gesundheitliche Sicherheit betrifft – strukturell und grundsätzlich schlechter gestellt sind, setze ich mich dafür ein, dass dieser Missstand behoben wird.

2. Als Mensch und Feministin interessiere ich mich für Männer und ihre Probleme. Ich bewundere und respektiere Männer, die sich über Gleichberechtigungsfragen Gedanken machen – wenn sie dieses nicht auf Kosten der Frauen tun.

3. Ich bin der Ansicht, dass Frauen und Männer im Kontext des Feminismus und der Gleichberechtigung zusammenarbeiten können. Ich denke, es ist wichtig, dass sich Frauen für Männer einsetzen und Männer für Frauen.

4. Aber: Nur unter der Voraussetzung, dass sie dieselbe Agenda haben, nämlich eine wirklich gerechte Gesellschaft. Ein Mann, der sagt, er sei Maskulinist, ist entweder nicht Feminist oder er hat nicht verstanden, was der Unterschied ist. Ich vermisse die Männer, die sich von einer liberalen, aufgeklärten Seite öffentlich zur Gleichberechtigung bekennen. Und die anerkennen, dass es noch viel zu tun gibt. Es gibt sie. Aber es sind bisher zu wenige. Solange es nicht mehr werden, sehe ich keinerlei Veranlassung mich als Feministin um die punktuellen Gleichberechtigungsdefizite von Männern aktiv zu kümmern. Dafür reicht die Energie dann auch einfach nicht.

5. Als Feministin ist es mein Anliegen, die Rechte von Frauen zu stärken. Die Rechte der Männer sind gerade mal nicht mein Anliegen. Und ich akzeptiere es nicht, dass die feministische Debatte von dem Argument „Aber wir sollten auch mal an die Männer denken“ vereinnahmt wird. Die feministische Debatte dreht sich nun mal nicht um Männer. Männer haben in dieser Gesellschaft nach wie vor große Vorteile, was politische, persönliche und wirtschaftliche Aspekte betrifft, auf Grund ihres Geschlechts. Kein Mensch – auch nicht Meredith Haaf – denkt, dass sie aber kein Recht darauf hätten, auf ihre Probleme hinzuweisen.

6. Organisationen wie MANNdat sind nicht für mehr Gleichberechtigung. Sie manipulieren die Gleichberechtigungsdebatte, indem sie den Mann zum benachteiligten Geschlecht erklären. Sie sabotieren Diskussionen, indem sie Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen, als kryptochauvinistisch bezeichnen.

7. Es ist ein zunehmender Opferdiskurs unter Männerrechtlern zu beobachten. Dieser bezieht sich auf die vorgebliche Entrechtung durch Maßnahmen wie Elterngeld, „Girls Days“ oder durch die Präsenz von Fernsehmoderatorinnen. Er arbeitet – noch mal – mit den Instrumenten der Frauenbewegung, indem er sich auf Gleichberechtigung beruft und Frauen auffordert, sich der Gerechtigkeit halber auch die andere Seite anzuhören. Diese Männerrechtler sollen doch heulen, wenn sie denken, sie hätten Probleme.

8. Ich werde nicht aufhören, mich gegen diesen Diskurs zu wehren und mich über ihn zu mokieren. Alle anderen Frauen sollten das auch. Und ich werde mich ganz sicher nicht zum Schweigen bringen lassen von Argumenten wie „arrogant – grabenkämperisch – aggressiv“.

9. Das heißt aber nicht, dass weinende Männer nicht respektiert werden oder dass Männer an sich keine Opfer sein können oder dass die Anliegen und Sorgen von Männern an sich nachrangig sind. Ich denke prinzipiell ohne „an sich’s“ aber das kann man ja nicht riechen. Wer bloggt, schreibt schnell und ich vergesse gern mal meine „an sich’s“ zu klären.

10. Ein Bild von einem weinenden Mann ist ein Bild von einem weinenden Mann ist ein Bild von einem weinenden Mann. Auf diesem Blog ist ein Bild von einem weinenden Mann zu sehen. Eine Karikatur ist nicht zu sehen.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 23. September 2008 um 11:08 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. A.M. sagt:

    Nur, was mir da so auffällt, als gänzlich aus dem Kontext gerissene Zitate:

    „Als Feministin trete ich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein“

    „[…]interessiere ich mich für Männer und ihre Probleme“

    „Ich denke, es ist wichtig, dass sich Frauen für Männer einsetzen[…]“

    „Die Rechte der Männer sind gerade mal nicht mein Anliegen.“

    “ […] sehe ich keinerlei Veranlassung mich als Feministin um die punktuellen Gleichberechtigungsdefizite von Männern aktiv zu kümmern.“

    „[…] sollen doch heulen, wenn sie denken, sie hätten Probleme.“

    So lange die Menschen nicht begreifen, dass sich jeder um alles zu kümmern hat, wird das nichts mit der gerechten Welt. Es ist eines jeden Menschen Pflicht, wo immer Ungerechtigkeiten herrschen, diese zu bekämpfen. Alles andere ist wie die Apartheid, wo Krankenwagen nur für Weiße an verletzten Schwarzen vorbeigefahren sind, weil sie sich nur um die Belange der Weißen zu kümmern hatten. So lange Männer nur für Männerrechte gegen Frauen und Frauen nur für Frauenrechte gegen Männer kämpfen wird sich außer einer Verfestigung der Betonköpfe nichts ereignen. Erst wenn sich alle um die Belange aller kümmern wird sich etwas bewegen. Ich hoffe, das wird irgendwann endlich jemand begreifen.

  2. kousheru sagt:

    jeder hat sich für alles einzusetzen? und wie soll das gehen?
    vielleicht sollte sich die mädchenmannschaft ein pop-up zulegen, auf dem dann steht „im übrigen: rettet die wale, rassismus ist kacke, kampf dem analphabetismus, baut brunnen in indien, etc. pp.“

  3. felix sagt:

    Schöne Stellungnahme Meredith.
    Sehe ich ähnlich (als Mann).

    @AM
    Daß „alle sich um alles kümmern“ ist utopisch, wenn nicht illusorisch.
    Niemand ist auch von allem betroffen und realistisch gesehen, finde ich es gut, wenn sich Menschen schon mal über ein paar „Ungerechtigkeiten“
    ernsthaft Gedanken machen.

    Der gute alte Apartheitsvergleich ist, meiner Meinung nach, schon in der feministischen Debatte schwierig. (Auch wenn er in manchen Ländern ziehen KÖNNTE) Hier aber ÜBERzogen, denke ich.

    Schön, dass der Zynismus hier noch nicht angekommen ist.
    BITTE lasst ihn draußen!!!! Wäre super.

  4. flawed sagt:

    Der Apartheidsvergleich ist insbesondere deswegen daneben, weil die Weißen im Apartheidssystem (und auch sonst) die privilegierte Seite sind.
    Damit soll in dieser Debatte impliziert werden, dass die Frauen die Privilegierten wären. Das ist aber nicht der Fall.

  5. Antje sagt:

    Liebe Meredith
    und an alle LeserInnen,

    ich stimme in ALLEN Punkten überein!
    Die Gedanken sind sehr gut formuliert und bringen auch meine Auffassungen auf den Punkt. Danke.

    Die letzten 28 Stunden habe ich ständig an diese Diskussion hier gedacht denn ich war und bin überrascht, wie wütend ich gestern und heute wurde und dass ich mich zu teilweise nicht sehr professionellen Kommentaren hinreißen lassen ließ. (Was nicht heißt, dass ich inhaltlich ewas davon zurück nehme.)

    Analogie als Illustration:
    Früher war ich häufig in einem Jugendclub nur für Mädchen, weil der bei mir um die Ecke war. Da stand auch ein Billardtisch drin. Ich habe viel Billard gespielt in der Zeit. Irgendwann habe ich eine der Jugendclubfrauen gefragt, warum denn hier keine Jungs rein dürfen. Antwort: „Weil Du dann z. B. keine Gelegenheit mehr hättest, Billard zu spielen. Der Tisch wäre immer besetzt.“

    (Heute würde ich natürlich lieber mit Männern zusammen Billard spielen, aber leider spiele ich eigentlich gar nicht gerne Billard…was aber jetzt auch egal ist.)

    Es grüßt
    Antje

  6. Nils sagt:

    Zu 1.: Du hast dir selber den Blick verstellt, um beurteilen zu können ob Frauen summa summarum das benachteiligte Geschlecht sind.

    Zu 2.: „Nicht auf kosten der Frauen“ heißt ja dann, deinen Blickwinkel zu übernehmen

    Zu 3.: Daß sich Frauen für Männer einsetzen sollen stellst du doch gerade in Abrede

    Zu 4.: „Wirklich gerecht“ – Ohne Worte

    Zu 5.: Du widerholst dich

    Zu 6.: Aha, TAZ-Leser wissen mehr

    Zu 7.: Einseitige Weltsichten sind nun mal nicht überzeugend, da koannst du dich auf den Kopf stellen

    Zu 8.: Jau! Mit so tollen Pamphleten wie das Gestrige wirst du sicherlich Haufenweise Menschen überzeugen!

    Zu 9.: Watt denn nu? Vielleicht mal eine Entscheidung treffen?

    Zu 10.: Natürlich ist das Foto ohne Zusammenhang zum Text zu sehen – Ach wie konnte ich nur etwas anderes denken.

  7. Viktoria sagt:

    Ich finds schwierig…

    Einerseits kann ich Merediths Punkte allesamt nachvollziehen. Andererseits denke ich, dass es auch nichts bringt, sich auf die Geschlechter an sich zu versteifen, sondern dass man einen Blick darauf richten sollte, dass eben alles Menschen sind. Ob Mann oder Frau. Nicht, dass ich Meredith oder anderen unterstellen würde, dies nicht zu tun…

    Aber in gewisser Weise denke ich schon, dass A.M. Recht hat. Jeder muss für sich selbst seinen Weg finden, aber ich denke schon, dass man als Mensch Verantwortung für andere Menschen, unabhängig vom Geschlecht übernehmen sollte.

    Andererseits halte ich es auch für daneben, wenn Männer sich als Opfer einer feministischen Diktatur darstellen, denn das kann man nun wirklich nicht behaupten!

    Ich finde es auch scheiße, wenn hier in einem Artikel häusliche Gewalt gegenüber Frauen thematisiert wird und dann jemand damit ankommt, dass Männer auch geschlagen werden!

    Ein ambivalentes Thema also…