Kackscheiße des Monats: das N.-Wort auf dem Slutwalk

von Magda

In diesem Sommer bestimmten die SlutWalks die feministische Berichterstattung – vorbei sind sie noch nicht, denn die nächsten Demonstrationen stehen in Bielefeld, Leipzig und Münster, sowie in Wien (Österreich) an. Dass feministische For­derungen wieder massen­medial rezipiert werden und tausende von solidarischen Menschen in zahl­reichen Städten weltweit auf die Straße gehen, lässt zahlreiche feministische Herzen höher schlagen. Eine Mischung aus einer Sehnsucht nach feministischer Sichtbarkeit, erstarktem Selbst­bewusstsein und einer gehörigen Portion Wut schwappte durch das Internet bis auf die Straße, begleitet von konstruktiver, aber auch ver­­nichtender Kritik.

Auf US-amerikanischer Seite war einer der größten Kritik­punkte das unmarkierte Weißsein der Bewegung und die teils unkritische Verwendung des Wortes “Slut” (wir berichteten, aktuellster Debattenbeitrag: “Open Letter from Black Women to the SlutWalk“). Auch in Deutschland kritisierten Aktivist_innen von LesMigraS und Hydra die hiesigen SlutWalks und forderten eine komplexere Aus­einandersetzung mit Mehrfach­diskriminierungen und dem unkritischen Aneigungs­gedanken des Begriffs, sowie einen selbst­kritischen Umgang mit den inhärenten klassistischen und rassistischen Ausschluss­mechanismen der Bewegung.

Mitten in die anhaltenden Debatten zu (An-)Sprache und Ausschlüssen der SlutWalk Bewegung tauchte letzte Woche folgendes Bild einer Demonstrantin beim SlutWalk in New York City auf:

Triggerwarnung: Rassistische Sprache nach dem Klick

Zu lesen auf dem Schild war: Woman Is the N. of the World (zu deutsch: “Frauen sind die N. dieser Welt”), eine bekannte Textzeile aus einem Song von John Lennon und Yoko Ono aus dem Jahre 1972. Da es mehrere Fotos mit diesem Schild an unter­schiedlichen Orten gibt, kann mensch davon ausgehen, dass das N.-Wort eine ganze Weile gut sichtbar auf der Demo zu sehen war. Letzt­endlich forderte eine der Organisatorinnen des SlutWalks die Demonstrantin dazu auf, das Schild weg­zu­packen.

Die Autor_innen von Racialicious, Crunk Feminist Collective, Mad Gastronomer und Afrolez sind von diesem Vorfall wenig überrascht: Die SlutWalks seien weiß-dominierte Ver­anstaltungen, auf der Rassismus kaum bis gar kein Thema sei, so die Kritik. Dies fange beim viel diskutierten Namen an und gipfele in einem Schild, welches nicht nur rassistische Sprache, sondern auch eine völlig indiskutable inhalt­liche Aus­sage transportiert und von einer weißen (!) Frau auf einer feministischen (!) Demo in die Höhe gehalten wurde. Zurecht bemängelt wird auch, dass sich offen­sichtlich keine_r der (weißen) Demonstrant_innen zuständig fühlte, die Frau auf ihr Plakat an­zusprechen.

Auf der Facebook Seite von SlutWalk NYC brach ein Sturm der Empörung los, leider auch inklusive zahlreicher rassistischer Kommentare. SlutWalk NYC reagierte prompt auf den Vorfall und veröffentlichte eine Stellungnahme, in der das Plakat auf’s Schärfste verurteilt wird. Be­dauert wird die Tatsache, dass der SlutWalk offen­sichtlich kein safe(r) space für alle Beteiligten sein konnte. Die völlig un­reflektierte Botschaft des Plakats verdeutlicht (wieder einmal), dass sich feministische Initiativen (selbst-)kritischer mit Rassismen in den eigenen Reihen aus­einander setzen müssen.

Für dieses konkrete Beispiel bedeutet das, Sprecher_innenpostitionen und gesell­schaftliche Rahmen­bedingungen stärker in den Fokus zu rücken: Wer ist von Be­griffen in welcher Art und Weise betroffen, welche Geschichte(n) sind mit (diskriminierenden) Begriffen – in diesem Fall dem N.-Wort – ver­bun­den? Wer beansprucht für sich oder eine Gruppe von Menschen diskriminierende Wörter aus­zusprechen, sich anzueignen oder umzudeuten? In welchem Kontext passiert das?

Das N.-Wort ist nur in wenigen Ausnahmen eine Selbst­bezeichnung; historisch betrachtet ist es eine rassistische Fremd­bezeichnung von weißen Menschen über Schwarze Menschen (mehr dazu bei der braune mob). Auch der historische Vergleich, der in diesem Spruch konstruiert wird, ist absurd – denn weder Frauen, noch die Menschen­gruppe, die unter dem rassistischen Label “N.” subsumiert werden soll, sind eine homogene Gruppe (mehr dazu hat Womanist Musings). Hier wird sichtbar, dass “Frauenrechte” eben die von weißen Frauen sind, während alle Schwarzen mit dem N.-Wort als Nichtfrauen markiert werden. Es ist darüber hinaus absolut indiskutabel, dass sich eine weiße Frau anmaßt, ihr erfahrenes Unrecht über das von Schwarzen zu stellen – auch bekannt als “Oppression Olympics“.

Kurz gesagt: Eine weiße Frau, die auf einer feministischen Demo mit einem Schild herum­spaziert, welches das N.-Wort bein­haltet, ist sich über die komplizierten und mit­einander ver­strickten -ismen und die komplexen Selbst- und Fremd-Benennungs­praxen nicht im Klaren. Die Diskussion, die beim SlutWalk in New York City geführt wird, war längst überfällig.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 11. Oktober 2011 um 9:00 Uhr unter Aktivismus, Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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37 Kommentare

  1. Katharina sagt:

    Hm. Ich sehe das Problem, bin aber unsicher, was ich davon halten soll. Ich kann nicht erkennen, dass mit diesem Schild Frauen das an ihnen begangene Unrecht über das von Schwarzen stellen. Vielmehr wird es diesem *gleichgestellt* – worüber man sicher diskutieren kann, was aber nicht von vornherein völlig abwegig ist, und was auch historisch durchaus Thema war. Ich erinnere mich dunkel (ohne jetzt drauf schwören zu können,und ohne ein Jahr sagen zu können), dass in den USA Frauenrechte und die Rechte von Schwarzen gleichzeitig ein gesellschaftliches Thema waren. Soweit ich weiß, gab es sogar Bestrebungen der beiden Bewegungen, sich gegenseitig zu unterstützen. Insofern finde ich nicht, dass man die beiden Anliegen (Rechte der Frauen, Rechte der Nicht-Weißen) grundsätzlich getrennt betrachten und nicht miteinander vergleichen darf.

    Dass das Plakat etwas grob daher kommt, will ich allerdings nicht bestreiten. Über die Angemessenheit einer dermaßen plakativen (hm) Aussage kann man sich sicher unterhalten. Aber nein, so eindeutig schlimm und verachtenswert finde ich die Sache nicht.

  2. Terry sagt:

    Ich unterschreibe die große Empörung ob dieses Plakats, schon allein aus einem einfachen Grund: Das N. Wort ist eine der verwerlichsten Zuschreibungen überhaupt, allein der historische Kontext (sogenannten Selbstzuschreibungen einiger Menschen außen vor gelassen) verbietet die Verwendung.
    Alles andere wurde in dem Beitrag schon gesagt, aber bei Verwendung eines solchen Plakates stelle ich mir die Frage, ob eine ausreichende Information vorliegt, ob verstanden wurde, was linker Feminismus bedeutet, ob sich je mit der Rassismusproblematik auseinandergesetzt wurde und wenn nicht – warum?
    Das mag ich zu bezweifeln, denn ansonsten wäre eine solche Anmanßung (den Ausdruck “etwas grob” finde ich zu euphemistisch) nicht geschehen.
    Aber vielleicht liegt dem auch ein generelles Problem zugrunde, vielleicht gibt es zu wenig Aufklärung über Rassismus und darüber, wie Weiße mit Rassismus gegen Schwarze umzugehen haben, vielleicht fehlt Aufklärung, wie auf den Seiten von “Der braune Mob”, vielleicht besteht eine zu große Unwissenheit (auch im Beitrag von Katharina fällt mir das, duch die Verwendung des Terminus “nicht-Weißer” auf).

  3. Galumpine sagt:

    Also ich find durch das Abheben auf einzelne Wörter spielt ihr dem rechtspopulistischen AntiPC-Diskurs in die Hände. Hab jetzt noch nicht geschaut, wie das in den USA diskutiert wird, aber problematisch ist doch in erster Linie, dass hier Aufmerksamkeit für Sexismus durch (externalisierende) Gleichsetzung mit Rassismus erzielt werden soll. Wenn da jetzt auf nem deutschen Plakat stehen würde “Die Frau ist der Jude der Welt.” wäre das ja auch bescheuert, und würde den Antisemitismus verharmlosen, aber nicht vordergründig, weil das Wort Jude drin vorkommt. Das kommt da nur wieder als Retourkutsche von rechts: “Haha, ihr seid total lächerlich, weil euch Wörte wichtiger sind als Inhalte. Ich sag jetzt einfach mal X… und Y….hahaha.”
    Das ändert natürlich nichts daran, dass es rassistische Sprache ist, wenn eine als weiß* passende Person andere Leute andere Leute so bezeichnet, und dass Kritik hier angebracht ist. Aber man sollte sich bewusst sein, dass dieser Diskurs über eine konservative Hegemonie verfügt, die dafür sorgt, dass linke Sprachkritik bei einem Großteil der normalen Menschen als lächerlicher Tugendterror verstanden wird. Da können wir alle wenig für, aber man muss damit umgehen, wenn man sich an diesem Diskurs beteiligt.

  4. Larissa sagt:

    Schwarze Menschen werden diskriminiert und Weiße Menschen diskutieren mal wieder ob es in Ordnung sei das N-Wort zu benutzen.
    Die Mehrheit der schwarzen Menschen die sich dazu geäußert haben, haben doch unmissverständlich ihre Meinung dazu gesagt warum muss man das jetzt in Frage stellen?
    Es ist falsch und zeigt mal wieder das Problem von Rassismus im Feminismus und das Nichtbeachten von mehrfacher Diskriminierung.

  5. Magda sagt:

    @Katharina,

    Ich glaube, dass sich dieser Dualismus “Frauenrecht” vs. “Schwarzenrechte” in den USA historisch so entwickelt hat, weil es – wie du ansprichst – Mitte/Ende des 19.Jh. vergleichbare Forderungen (z.B. Erlangung des Wahlrechts) gab. (Dieser Dualismus setzt sich übrigens fort: Als Hillary Clinton z.B. als Präsidentschaftskandidatin gegen Obama antrat, wurde in den Medien oft auf die Konstellation “Frau” gegen “Schwarzer” verwiesen.)

    Schon z.B. Sojourner Truth machte allerdings darauf aufmerksam, dass das ein falscher Dualismus sei: Sie deckte auf, dass der Begriff “Frau” und der Ruf nach “Frauenbefreiung” versklavte, Schwarze und arme Frauen in den damaligen Kämpfen nicht miteinbezog. Und auch heute hat sich das so festgesetzt: Also schon allein von “Frauenrechten” und “Schwarzenrechten” zu sprechen, baut falsche Assoziationen auf: Mit “Frauenrechten” waren (und häufig sind noch immer) weiße Frauen gemeint, mit “Schwarzenrechten” Schwarze Männer.

    Warum ist das wichtig? Weil es folgendes Problem aufzeigt: Es ist nicht einfach, die Bestrebungen der beiden (wie oben) sozial konstruierten Gruppen als künstlich getrennt miteinander zu vergleichen, weil die spezifisischen Kontexte, die sich in einer sexistischen und rassistischen Gesellschaft für Menschen mit unterschiedlich gelagerten sozialen Positionierungen ergeben, nun auch mal komplexer sind, als es in einem einfachen Dualismus auszudrücken.

    Es geht also nicht darum, die Kämpfe getrennt voneinander zu betrachten (ganz im Gegenteil), sondern diese als ineinander verschränkt anzuerkennen: Ein direkter Vergleich ist daher unangebracht, weil dann verkürzte Dualismen aufgemacht werden, wie sie oben auf dem Schild zu sehen sind.

  6. Magda sagt:

    @Galumpine

    Also ich find durch das Abheben auf einzelne Wörter spielt ihr dem rechtspopulistischen AntiPC-Diskurs in die Hände.

    Deshalb schreibe ich ja nicht einfach nur, dass es scheiße ist, das N.-Wort zu nutzen, sondern auch, warum es scheiße ist. Genau das würde ich linke Sprachkritik nennen. Es muss Raum für solche Kritiken geben – auch, wenn ein konservativer Diskurs das ins Lächerliche ziehen mag. Hast du einen Vorschlag, wie mensch dieses Thema anders behandeln könnte?

    Wenn da jetzt auf nem deutschen Plakat stehen würde “Die Frau ist der Jude der Welt.” wäre das ja auch bescheuert, und würde den Antisemitismus verharmlosen, aber nicht vordergründig, weil das Wort Jude drin vorkommt.

    Das N.-Wort ist nicht mit dem Wort Jude zu vergleichen. Das erste ist eine rassistische Fremdbezeichnung. Dein Beispiel würde aber ähnliche Fragen aufwerfen: Was wäre hier mit Frau gemeint (wohl die christliche Frau) und was soll Jude hier bedeuten (wohl eher der männliche Jude).

    @Larissa

    Word!

  7. Galumpine sagt:

    Ich find das auch ein extrem schwieriges Problem, wo ich keine wirkliche Lösung für weiß… Und im Nachhinein glaub ich, dass mein Judenbeispiel entsprechende Diskurse noch mehr füttert als eure Überschrift… Ich finds aber extrem wichtig, da Strategien zu finden. Bei Sarrazin zum Beispiel hat dieses Ablenkungsmanöver dazu geführt, dass sich sogar die Qualitätsmedien nicht dazu durchringen konnten sein Buch rassistisch zu nennen, was wissenschaftlich völlig unumstritten ist.

  8. Sven sagt:

    Bzgl. dieser Frage, wie man Anti-Pc-Aktivisten nicht in die Hände spielt… ich empfinde die von Magda benutze Umschreibung “N.-Wort” sehr seltsam. Einfaches Schreiben in Anführungsstrichen genügt doch, oder müssen rassistische Schimpfworte jetzt zu Worten werden, die nicht genannt werden dürfen?

    Solange die Unterscheidung zwischen Gebrauch und Nennung klar ist, kann man ‘N.’ (Anm. d. Red.: abgekürzt) auch schreiben. Und wenn man das nicht kann, dann wäre es hilfreich die praktizierte Form der Sprachkritik auch zu erläutern (ja, der Text gibt den Grund an, warum das Wort weder Selbstbezeichnung, noch neutrale Fremdbezeichnung ist, aber nicht, warum man das Wort nicht mal nennen sollte).

    Wikipedia verrät, dass der Song, auf den das Plakat zurückgeht, umstritten ist. Es ist, wie Worte es an sich haben, interpretationsbedürftig. Hier eine eindeutige Interpretation eines umstittenen Songtitels einfach anzunehmen, erleichtert die Diskussion auch nicht und macht es denjenigen, die Sprachkritik ohnehin ablehnen, zu einfach…

  9. Magda sagt:

    @Galumpine

    Ich verstehe gerade nicht so ganz: Welche Diskurse füttert meine Überschrift? Den konservativen PC-ist-so-kleinkariert-Diskurs? Oder was meinst du?

    @Sven

    Ich finde es absolut inakzeptabel, dass N.-Wort hier auszuschreiben (mit hier meine ich: weiß dominierter Raum, deshalb habe ich es in deinem Beitrag auch redigiert). Das N.Wort ist kein interpretationsbedürftiges Wort (siehe die Links, die ich dazu in den Text eingepflegt habe). Zu deinen Fragen: Der Link vom braunen mob hat da mehr Infos.

  10. Larissa sagt:

    Weil uns das “N-Wort” eher dazu bringt die starke Wirkung zu begreifen.
    Zudem gibt es genug Menschen die mit dieser Argumentation rassistische Witze oder sogar Meinungen verteilen.
    Man hat es ja nicht zu jemandem Bestimmten gesagt sondern nur allgemein was ausführen wollen. Dann rutscht man ganz schnell von einem zum anderen und wenn eh keine schwarze Person dabei ist kann man es ja mal benutzen…..
    Sprache ist ein Schwert, das sollte man nicht unterschätzen.
    Und das Selbstbennungsrecht von schwarzen Menschen sollte nicht angzweifelt werden. Gibt ja leider genug die dieses Recht mit lächerlichen Gründen anzweifeln das ja bald nur noch “stark pigmentiert” erlaubt sei.
    Was quatsch ist da genug einfache Bezeichnungen gibt ,die in jedem noch so ungebildeten Wortschatz vorkommen.

    @sven
    Das war eine allgemeine Meinung zu dem Thema und der Problematik der Benutzung des “N-Wortes”.
    Die Wörter,rassistich und ungebildet waren nicht auf dich bezogen.

  11. Sven sagt:

    @Magda:

    Warum ist es inakzeptabel, solange Nennung deutlich gemacht wird, zum Beispiel durch Anführungsstriche? Es gibt ja nicht ohne Grund einen Unterschied zwischen Gebrauch und Nennung, bei dem N-Wort ist erstes eine (Fremd-)Bezeichnung, während letzteres eine Diskussion über die darunterliegende Verwendung überhaupt erst ermöglicht.
    In zweierlei Hinsicht verunmöglicht deine Abkürzung die Diskussion (die aber angesichts der sprachlichen Realität wohl notwendig ist): a) dieser Diskussion kommt ihr Gegenstand abhanden, b) die Diskussion wird vorentschieden.

    Wenn Sprachkritik keine ‘-kritik’ im eigentlichen Sinne ist, also über den ethischen Gebrauch von Sprache reflektiert, sondern nur eine alternative Form von Sprachverwendung darstellt, die sich als unter bestimmten Voraussetzungen als zwingend betrachtet, dann haben es die Gegner der Sprachkritik, egal, welcher Form zu einfach.

    Und für im engeren Sinne interpretationswürdig halte ich den Songtitel, weil es zu ihm keine mehrheitlich geteilte Interpretation gibt. Sprache ist aber trotzdem generell interpretationsbedürftig (das ist dann aber eine Frage der Sprachphilosophie und -wissenschaft), sonst haben wir ja nur ein paar sinnlose Zeichen auf dem Bildschirm. Bzgl. des N-Worts mag sich eine Mehrheitsinterpretation durchgesetzt haben – selbstverständlich ist diese deshalb noch lange nicht, weshalb Sprachkritik ja auch ein kontinuierliches Unterfangen darstellt.

  12. heidrun sagt:

    In irgendeiner Form “interpretationsbedürftig” sind sowohl Song als auch Spruch nur von Leuten, die keine schwarzen Frauen sind.
    Viele kluge schwarze Frauen haben seit Erscheinen dieses Songs (was ja auch schon ne Weile her ist) schon genug gesagt und geschrieben, damit man auch als privilegiertere Person erkennen kann, dass sowohl Spruch als auch Song beschissene Rassismusreproduktionen sind. Da gibt es überhaupt gar nichts zu diskutieren, sondern vor allem mal zuzuhören.

  13. Sven sagt:

    @heidrun:

    Alles okay. Aber kann man dieses Wissen aus den 70ern voraussetzen? Das war vor meiner Geburt, da wäre eine kurze Zusammenfassung (oder wenigstens ein Link) schon hilfreich…

  14. Magda sagt:

    @ Sven

    Du verlierst dich in analytischem Geschwurbel, um… ja, was willst du eigentlich sagen?: Dass wir hier doch mal diskutieren können, ob das N.-Wort benutzt werden darf oder nicht? Erst einmal: Es muss nicht ausgeschrieben werden, damit es Teil einer Diskussion wird. Und zweitens stelle ich hier nicht das Wort zur Diskussion (auch hier verweise ich wieder auf die verlinkten Texte, die sich bereits eingehend mit dem Wort befassen – sowohl linguistisch, als auch aus politischer und historischer Perspektive), sondern weise darauf hin, dass neben der Benutzung eines rassistischen Wortes historisch inadäquate Vergleiche aufgemacht werden.

    Es wäre toll, wenn du die Definitionsmacht derer anerkennst, die direkt von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind und hier nicht versuchst, Sprache generell als frei von gesellschaftlichen Verhältnissen zu analysieren. Und: Der Text bietet eine Reihe von Links, in die du dich mal reinlesen kannst.

    und: was @heidrun sagt.

  15. heidrun sagt:

    @ Sven: Die Links lesen hilft, wie Magda schon sagte.
    Wenn Du über diesen Satz diskutieren willst, dann könntest Du Dich ja fragen, wieso Du noch nicht selber auf die Idee gekommen bist, nachzulesen, was die von diesem Satz in erster Linie Betroffenen dazu zu sagen haben bzw. warum “man” dieses Wissen offenbar nicht voraussetzen kann. Schwarzen Frauen wird eben meistens nicht so gerne zugehört.
    Und mit jeder Diskussion von Weißen darüber, wann man nun das N-Wort gebrauchen darf oder nicht (denn irgendwie scheinen verdammt viele Weiße nicht ohne dieses Wort auszukommen, warum auch immer), wird die rassistische “Deutungshoheit” von Weißen über die Marginalisierten weiter reproduziert.

  16. Sven sagt:

    Die Links helfen. Aber die in Anspruch genommenen Selbstverständlichkeiten im Artikel zeigen mir, dass ich offenbar nur eingeschränkt zu angestrebten Publikum gehöre…

    Wir müssen das ja nicht großartig diskutieren, ich akzeptiere das Hausrecht von BloggerInnen und halte mich gerne zurück, da das nicht 100%ig mein Thema ist, aber die Art von Sprachkritik wie sie mit dem N-Wort praktiziert wird, finde ich schwierig. Trotzdem ist das gezeigte Plakat diskriminierend, wegen der vorgenommenen Gleichsetzung. Dass Worte allein, egal in welchem Kontext und egal in welcher Intention geäußert, eine Form von Gewalt darstellen sollen, halte ich für einen ziemlich weitgehenden Schluss, dessen praktische Auswirkungen dem wechselseitigen Verständnis nicht unbedingt förderlich sind.
    Anders ausgedrückt: Die hier geäußerten Kritik an der Ausschreibung sind in der abgekürzten Variante nicht eingeschrieben, weswegen ich mir nicht sicher bin, ob diese Sprachkritik anschlussfähig an breitere Diskurse bleibt.

  17. peter sagt:

    warum darf die N-Bombe im Bild geworfen werden, im text aber nicht? ich seh da keinen unterschied. auf dem bild ist das böse wort eindeutig zu identifizieren. kein schwarzer balken schützt meine augen davor es zu sehen.

  18. [...] Aktion auf die weiße Mittelklasse. Anlass ist diesmal ein Schild auf dem Slutwalk, auf dem N(…) steht. Oder, wie die Mädchenmannschaft es beschreibt, das [...]

  19. Magda sagt:

    @Sven

    Dass Worte allein, egal in welchem Kontext und egal in welcher Intention geäußert, eine Form von Gewalt darstellen sollen, halte ich für einen ziemlich weitgehenden Schluss, dessen praktische Auswirkungen dem wechselseitigen Verständnis nicht unbedingt förderlich sind.

    Das habe ich so nicht gesagt: Ich stelle nur fest, dass dies für weiße Menschen gilt, die dieses Wort benutzen. Deine weitere Kritik zu den angenommen “Selbstverständlichkeiten” kann ich nur bedingt verstehen: Wenn du Nachfragen hast, kannst du die hier stellen – dazu haben wir die Kommentarfunktion. Du hast aber bisher nur wenige Fragen gehabt (bzw. wurden diese, wie mehrmals gesagt, in den verlinkten Artikeln beantwortet), sondern eigenartige Thesen aufgestellt, die du selbst wenig erklärst, sondern in verschwurbelter Art und Weise niederschreibst, um – ich weiß es wohl immer noch nicht – dafür zu plädieren, dass es doch ok ist, rassistische Wörter zu schreiben, oder wie?

    @peter

    Stimmt, auf dem Bild ist das Wort sichtbar, das ist beschissen genug. Das brauche ich im Text deshalb nicht zu wiederholen. Und du hast recht, ich hätte das Wort auf dem Bild unkenntlich machen können. Dein Argument ist allerdings trotzdem nicht nachvollziehbar: Also hätte ich das Wort dann auch im Text hätte verwenden können, nur weil ich es auf dem Originalbild nicht unkenntlich gemacht habe? Wie gesagt: Nö.

  20. Patrick sagt:

    Ich finde, die Diskussion um das N-Wort ist hier ein Nebenschauplatz, der vom eigentlichen ablenkt (darum habe ich das auch anderswo aufgegriffen ;-)).

    Das für mich eigentliche ist die Fortschreibung hierarchisierender Gedanken auch in marginalisierten Diskursen: Dass gerade auf so einer Bewegung wie dam Slutwalk so ein Schild mitgebracht wird, ist nicht auszuschließen (die Teilnehmer rekrutieren sich ja nicht nur in feministisch geprägten Gruppen) – aber wieso kann das so lange und so prominent gezeigt werden, ohne dass jemand schaltet? So, wie man bei aller Freude um das Ende von Don”t ask, don”t tell auch nicht vergessen darf, dass diese Regel noch immer für TG gilt, muss doch bei aller Sympathie für die Slutwalks klar werden, wie weiß das alles ist…

  21. Patrick sagt:

    Oh. Ich passe den Text mal an, damit das Wort nicht im Trackback erscheint… Sorry!

  22. chibi sagt:

    Ich glaube das Problem gründet einfach darin, dass die Walk-Proteste eben nicht von einer politisierten Szene getragen werden, sieht mensch ja bereits an der Größe der Bewegung. Es sind eben nicht ein paar linke Feministinnen, die da auf die Straße gehen und sich noch nicht genügend informiert haben. In der Berichterstattung kommen häufig Leute zu Wort, die selbst sagen, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Demonstration teilnehmen und sich zuvor mit dem Feminismus nicht beschäftigt haben, weil sie irgendwelchen Vorurteilen aufgesessen sind.
    Ich würde das Problem tatsächlich in der Breite des Protestes verorten. Wenn daran Leute aus der “gesellschaftlichen Mitte” teilnehmen, die sich noch nie für Kritik an gesellschaftlichen Zustäden interessiert haben, verwundert ein solches Plakat kaum. Dass die jahrzehntelang geführten Auseinandersetzungen im “Mainstream” nie angekommen sind, kenn doch jede_r aus Diskussionen mit “unpolitischen” Menschen.
    Wie damit umgegangen werden soll, weiß ich selbst nicht. Entsolidarisieren oder teilnehmen und versuchen Inhalte reinzubringen? Jedenfalls bleibt das Problem immer das gleiche, entweder mensch protestiert mit paar hundert Szenelinken (die wenigstens einigermaßen die Diskussionen kennen) oder es wird breiter und mensch muss mit der Unreflektiertheit der meisten Leute umgehen…

  23. Sven sagt:

    Also zumindest meine Vorstellung von Gewalt, egal, welcher Art, beinhaltet Absicht. Bei diskriminierender Sprache ist diese Absicht in der Kontext eingebunden. Ein einzelnes Wort in Anführungsstrichen, ist ja gerade seinem ursprünglichen Kontext enthoben und ermöglicht es den Sprechenden, sich negativ auf diesen zu beziehen (daraus muss jetzt nicht mal eine neue Verwendung wie bei ‘slut’ werden).
    Darüber kann man vielleicht unterschiedlicher Ansicht sein, verschwurbelt ist daran nichts.

    Du schreibst, dass die Absicht egal ist. Bedeutet das für dich auch, dass Männer vor fünf bis zehn Jahren (vor seiner Umdeutung/Erweiterung durch Aktionen wie den Slutwalk) das Wort ‘Schlampe’ besser durch das Wort ‘Sch.-Wort’ ersetzt hätten?
    Wohlgemerkt, ich will keine Aufrechnung oder ähnliches betreiben, ich will nur wissen, ob du diese Ausdrucksart auch auf andere Fälle diskriminierender Sprache übertragen möchtest.

    Letztlich müssen das zwar die Opfer selber entscheiden, aber ich glaube nicht, dass sie es einfacher haben, ihre Position bzgl. des Ausdrucks darzustellen, wenn ihre Kommunikationspartner den nicht einmal nennen sollen.

  24. Magda sagt:

    @ Sven

    Ich denke nicht, dass es eine fertige Antwort gibt, die für alle diskriminierenden Wörter gleich gelten. An erster Stelle stehen bei mir immer die Fragen: Wer benutzt diese Wörter? Warum? Was will er_sie damit bezwecken? Hilft eine Aneignung? Und wem? Wie ist das Wort geschichtlich eingebettet?

    Da können bei dem oben diskutierten Wort andere Antworten resultieren, als z.B. bei dem Wort “Schlampe”. Auch Schlampe steht ja in einer gewissen sexistischen Tradition und ich frage mich schon, was z.B. cis Männer damit bezwecken, wenn sie solche Wörter benutzen. Auch hier gilt: Definitionsmacht haben diejenigen, die mit einem Wort belegt werden.

    Und noch einmal kurz zu deinem Gewaltverständnis: Meine Vorstellung von Gewalt beinhaltet nicht Absicht. Du kannst einen Menschen diskriminieren und mit Zuschreibungen belegen, ohne dass du das absichtlich machst. Trotzdem sind das Resultate eines gewaltförmigen (sexistischen, rassistischen) Verhältnisses.

  25. heidrun sagt:

    Sven, es gäbe keine Opfer, wenn es das Wort nicht gäbe. Deswegen täte man ganz gut daran, es abzuschaffen.

  26. Sven sagt:

    @Magda:

    Ich meine Absicht in einem weiteren Sinne: Nicht diejenige des Individuums, sondern diejenige, die in die Kontexte eingeschrieben ist. Wer einen frauenfeindlichen Witz erzählt, diskriminiert, wer einen Text über frauenfeindliche Witze, deren Motive, Wirkungen, Wortwahl, was-auch-immer, schreibt und dabei nicht umhinkommt, diese aufzuführen, diskriminiert nach meinem Verständnis nicht. Auch, wenn er ein Mann ist.
    Wenn wir das in Frage stellen, verschwindet die Meta-Ebene, die es uns normalerweise ermöglicht, überhaupt so etwas wie eine diskriminierende Sprache festzustellen und an ihr zu arbeiten. Dein Artikel ist dafür ein gutes Beispiel: So bleibt die Überschrift für die Nicht-Eingeweihten ohne das Bild unverständlich.

    Der Artikel vom braunen Mob, der deine Position bisher am besten dargestellt hat, kommt in seiner Erklärung ja auch nicht ohne die Ausschreibung aus. Und die Erklärung selbst ist doch nicht diskriminierend, oder willst du das behaupten?

    @heidrun:
    Das Problem an sprachlichen Ausdrücken ist, dass niemand sie im Alleingang abschaffen kann. Dass solche Ausdrücke aus der Verwendung verschwinden, ist zudem auch immer selbst ein kommunikativer Prozess. So ist das Wort ‘Fräulein’ zum Beispiel (in Anlehnung an den kürzlich erschienen Artikel) nach und nach verschwunden. Wahrscheinlich gab es erst in der Frauenbewegung eine kritische Diskussion, die eine Identifikation ausschloss. Aber irgendwie mussten die übrigen Menschen außerhalb der Bewegung überzeugt werden, sicherlich werden auch progressive Männer dafür geworben haben. Am Ende wissen wir alle noch, was ‘Fräulein’ bedeutet, wir können darüber sprechen, aber niemand wird mehr so angeredet.

  27. Keks sagt:

    “Am Ende wissen wir alle noch, was ‘Fräulein’ bedeutet, wir können darüber sprechen, aber niemand wird mehr so angeredet.”

    –> Ist jetzt wirklich nur nebensächlich, aber …. du kennst keine Kellnerinnen, oder?

    @Topic:
    Wie jemand dieses Plakat für eine gute Idee halten konnte, ist mir tatsächlich schleierhaft. Auch rein von der Logik her … (Was natürlich nicht das größte Problem des Plakats ist.)

  28. Magda sagt:

    @Sven

    wir drehen uns hier langsam im Kreis, aber gerne noch letztes Mal: Du vergleichst völlig unterschiedliche Begriffe miteinander. Fräulein ist was anderes als Schlampe ist was anderes als N. Ich habe in mehreren Beiträgen hier deutliche gemacht, wie ich an diskriminierende Begriffe rangehe. Sicher kann die Erklärung vom braunen mob, eine anti-rassistische Organisation von Afro-Deutschen und Schwarzen (!), diese Wörter enthalten. Ein Beitrag auf einem feministischen Blog, der überwiegend von weißen Menschen gelesen wird, allerdings (meiner Meinung nach) nicht.

    Tu tust so, als ob das N.-Wort völlig unverständliche Sprache ist. Sorry, aber das ist echt Humbug. Auch ohne das Bild wäre das Thema des Artikels klar gewesen, denn ich habe mehr als ein halbes dutzend deutsche und englische Links zur Verfügung gestellt.

    Ich bitte dich, meine Herangehensweise an das Thema und die Sprache zu respektieren. Du hast deine Perspektive hinreichend geäußert. Weiter kommen wir wohl nicht mehr.

  29. Patrick sagt:

    Sven: wie stehst du denn zum Inhalt den Beitrags, oder surfst du so rum und suchst Blogs, die das N–Wort nicht ausschreiben, um dich da einzubringen?

  30. Jan sagt:

    Ich habe kürzlich an mir festgestellt, dass ich das N-Wort nicht mehr automatisch mit einem weißen Schmähwort assoziiere, sondern mit einem schwarzen Synonym für “Kumpel”. Die Aneignungsstrategien, die sich im weißen Mainstream durch den Hiphop artikulierten, sind erfolgreich gewesen – zumindest bei mir. Ich selbst würde das Wort natürlich nicht gebrauchen. Aber auch so offenbart sich der Graben.

  31. Faye sagt:

    Vielleicht habe ich gerade eine völlig falsche Sichtweise, aber auf mich wirkt der Satz auf dem Plakat sogar eher wie eine Einbeziehung von Frauen aus sämtlichen Kulturkreisen (off the world) anstatt einer Ausgrenzung bestimmter Gruppen. Es mag falsch sein, die Erfahrung von weisen Frauen in Amerika mit der von Schwarzen Frauen in Amerika gleichzustellen, es ist gar keine Frage, dass es da eine Riesenlücke gibt. Ich verstehe den Spruch aber in erster Linie so, dass er deutlich machen soll, dass Frauen in vielen (allen natürlich nicht) Gesellschaften der Welt einen ähnlichen Status haben, wie Schwarze in Amerika, oder sogar wie einst die Sklaven. Da gibt es leider auch keinen Grund, von einer Verharmlosung zu sprechen. Die Begriffe habe ich sogar im ersten Moment als Parodie auf die erwähnte Fremdbenennung verstanden.
    Vielleicht war das nicht die Intention der Demonstrantin und ich schätze mal, dass es gute Gründe gibt, in den USA mit der Verwendung solcher Begriffe vorsichtig zu sein. Letztenendes hätte sie auch etwas unmissverständlicheres auf ihr Plakat schreiben können und hat es vielleicht bewusst nicht getan. Insofern ist die negative Reaktion ja auch mehr als gerechtfertigt. Ich frage mich nur, ob man das vielleicht auch anders interpretieren könnte.

  32. Anna-Sarah sagt:

    @Faye:

    Ich verstehe den Spruch aber in erster Linie so, dass er deutlich machen soll, dass Frauen in vielen (allen natürlich nicht) Gesellschaften der Welt einen ähnlichen Status haben, wie Schwarze in Amerika, oder sogar wie einst die Sklaven.

    Wenn “Schwarze” und “Frauen” unterschiedliche Gruppen bilden: Was ist denn dann mit Schwarzen Frauen? Schon allein deshalb haut diese Kategorisierung daneben. Und wie du schon selbst sagst: Für längst nicht alle Frauen – schon gar nicht das Gros der Slutwalk-Teilnehmerinnen in den USA oder auch Europa – gilt, dass sich ihr Status mit dem rassistisch diskriminierter Menschen oder gar Sklav_innen vergleichen ließe – in ganz vielen Fällen ist dieser Vergleich indiskutabel, anmaßend und unverschämt. Rassismus ist etwas anderes als Sexismus (nicht “schlimmer” oder “weniger schlimm”, etwas anderes), und sehr viele Menschen sind von BEIDEM betroffen.

    Im diesem Kontext hier, also als Slogan geschrieben auf ein Schild einer weißen, mutmaßlich US-amerikanischen Slutwalkerin gibt es da keinen “Interpretationsspielraum” – jedenfalls nicht für Menschen, die an sich selbst den Anspruch haben, gegen Diskriminierung sein zu wollen. Und selbst wenn es verschiedene Verständnismöglichkeiten gibt: Die ziemlich einhellige Reaktion von Expertinnen in dieser Angelegenheit, nämlich Women of Color, auf den Umgang mit diesem Slogan gibt eine ganz klare Interpretationshilfe – die Umdeutungsarbeit können wir uns also eigentlich direkt mal sparen…

    Faye, ich verstehe deinen Kommentar schon eher fragend als definierend und möchte mit dem folgenden nicht dich persönlich angreifen. Ich habe aber insgesamt stark den Eindruck, dass viele Stimmen, die jetzt im Zuge der Diskussion dieses Bildes bzw. der Problematik, die sich darin ausdrückt, auf “unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten” pochen, in Wahrheit vor allem dafür argumentieren, selbst die Definitionsmacht behalten zu dürfen. Die Deutungshoheit darüber, was nicht rassistisch ist, liegt aber nicht bei weißen Personen. Und wenn Weiße sich rassistischer Ausdrücke bedienen, bleibt das eine rassistische Handlung, auch wenn es in “guter Absicht” (z.B. als vermeintliche Parodie) geschieht.

    Eigentlich haben das alles aber auch schon andere hier gesagt.

  33. Katharina sagt:

    @Anna-Sarah: “Wenn “Schwarze” und “Frauen” unterschiedliche Gruppen bilden: Was ist denn dann mit Schwarzen Frauen? Schon allein deshalb haut diese Kategorisierung daneben.”

    Ohne jetzt vertieft inhaltlich einzusteigen: Die Kategorisierung funktioniert. Schwarze Frauen sind einfach in beiden Gruppen und deshalb doppelt angeschissen. Sie bekommen alle Nachteile mit, die man aufgrund seiner Weiblichkeit hat, und alle, die man aufgrund dunkler Hautfarbe hat.

    Dass es innerhalb dieser Kategorien (also z.B.: zwischen weißen und schwarzen Frauen) wieder Abgrenzungen gibt, die auch zu sozusagen ‘interner’ Diskriminierung und Kämpfen führen können, ist zweifellos richtig. Ich finde, das sollte aber nicht in einem Denkverbot resultieren der Art: Wir dürfen nicht über die Parallelen zwischen der Gruppe ‘Frauen’ und der Gruppe ‘Schwarze’ nachdenken, weil es innerhalb dieser Gruppe auch Konflikte gibt. Ich denke, aus einem Vergleich kann man sehr viel darüber lernen, was Diskriminierung ausmacht, welche Stadien es durchläuft und wie man am besten dagegen angeht.

    Um das klarzustellen: Ich würde solche Worte nicht auf Plakate schreiben, weil ich befürchten müsste, jemanden zu beleidigen. Aber da es nun mal da steht und wir drüber reden, sollten wir das machen, ohne uns gegenseitig ständig ‘Du Rassist!’ an den Kopf zu werfen.

  34. Anna-Sarah sagt:

    @Katharina: Wenn du über eventuelle

    Parallelen zwischen der Gruppe ‘Frauen’ und der Gruppe ‘Schwarze’

    sprichst und damit zwei verschiedene Kategorien konstruierst, blendest du sprachlich aus, dass zu der Gruppe der Schwarzen Menschen auch Frauen gehören. Mehrfachdiskriminierungen fallen so unter den Tisch.

    Ich habe nicht gesagt, dass über Parallelen zwischen den Situationen, in denen sich verschiedene Bevölkerungsgruppen befinden, nicht nachgedacht oder geredet werden dürfte (abgesehen davon, dass alle immer über alles nachdenken und reden dürfen – sie müssen aber damit rechnen und leben, dass dieses Reden Reaktionen hervorruft). Nur ist in diesem Fall ein direkter Vergleich, der dann auch noch Mehrfachdiskriminierungen außer acht lässt, wie in dem hier behandelten Plakatslogan indiskutabel.

    Ich habe in diesem Thread hier auch noch nicht wahrgenommen, dass sich Leute gegenseitig als Rassist_innen beschimpft hätten – aber rassistisches Verhalten nicht als das zu benennen, was es ist, ist unehrlich und verschleiert existierende Problemlagen.

  35. Keks sagt:

    @Katharina:
    Logisch gesehen finde ich da zwei Ebenen seltsam: Erstens – wie Anna-Sarah schon gesagt hat – gibt es schwarze Frauen, die hier wegfallen. (Und … äh, was passiert hier? Stellen wir die “Welt” als Männerwelt dar?)
    Und zweitens: Wieso “of the world”? Rassistische Diskriminierung gibt es genug “auf der Welt”.

    Ich glaube nicht, dass es hier darum geht, Leuten “Du Rassist!” an den Kopf zu werfen, sondern über unüberlegte privilegierte Sichtweisen nachzudenken, die eine_n so einen Spruch auf ein Plakat schreiben lassen. Und das ist, gerade bei einer Bewegung, die sich als integrativ versteht, aber letztlich doch sehr weiß ist, wichtig.

  36. Anna-Sarah sagt:

    Beitrag zum Thema im Blog Racialicious – race, identity and pop culture in a colorstruck world, heute erschienen (auf Englisch): http://www.racialicious.com/2011/10/12/its-not-just-about-the-word/

    Apparently, it’s easier to be mad that some people aren’t entitled to some words, than to engage with a heavy discussion of the requirements of solidarity.

  37. [...] dem motto: ich als weiße frau schreibe 3x das n.-wort in meinen text oder halte ein buntes plakat in die höhe, um ein bisschen zu schockieren. fragt sich nur, wer davon geschockt [...]