Ist Feminismus das neue Must-Have?

von Verena

Ob Lady Gaga Feministin ist, oder nicht wird ja immer wieder heiß diskutiert. Aber wer so zielstrebig seine eigene Karriere verfolgt, Gender zum Thema von Videos und Magazintiteln macht und auch sonst eine eigene – vom Mainstream abweichende – Meinung zu formulieren weiß, der muss doch irgendwie dazu gehören. Anders sieht es bei Beyoncé aus, über deren feministisches Potential hier auch schon mal die Meinungen auseinander gingen.
Jetzt hat der Popstar der Dailymail ein Interview gegeben, in dem sich auch folgende Sätze finden:

‘I think I am a feminist in a way. It’s not something I consciously decided I was going to be; perhaps it’s because I grew up in a singing group with other women, and that was so helpful to me. It kept me out of so much trouble and out of bad relationships. My friendships with my girls are just so much a part of me that there are things I am never going to do that would upset that bond. I never want to betray that friendship because I love being a woman and I love being a friend to other women.

(Übersetzung: Ich denke schon, dass ich auf eine bestimmte Art Feministin bin. Das ist nichts, was ich bewusst entschieden haben; vielleicht liegt es daran, dass ich in einer Girlgroup aufgewachsen bin und mir das sehr geholfen hat. Es hat mich vor einer Menge Ärger und schlechten Beziehungen bewahrt. Die Freundschaft zu meinen Mädels ist so sehr ein Teil von mir, dass ich bestimmte Dinge nie tun würde, die diesen Bund gefährden könnten. Ich würde diese Freundschaft niemals hintergehen, denn ich liebe es, eine Frau zu sein und liebe es, die Freundin anderer Frauen zu sein.)

Nun, da scheint es doch mehr um Frauenfreundschaft und Solidarität zu gehen als um Feminismus. Sieht so aus, als würde das F-Wort nicht länger als absolutes No-Go betrachtet sondern als neues Must-Have, mit dem es schick ist, sich zu schmücken. (So wie jüngst Sarah Palin) Nur sollte Mrs. Knowles (oder heißt sie jetzt Mrs. Jay-Z) dann auch wissen, dass es beim Feminismus um mehr geht als bloß darum nice zu anderen girls zu sein und gemeinsam den jüngsten Verlobungsring zu bejubeln.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 31. August 2010 um 9:15 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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14 Kommentare

  1. Hallo Verena, ich würd das nicht so negativ sehen. Die Beziehungen zu anderen Frauen ins Zentrum zu stellen und wichtig zu halten, ist keine Nebensächlichkeit in einer Gesellschaft, die sich völlig rund um das „Mann-Frau-Paar“ organisiert hat und deren patriarchale Tradition vor allem darin bestand, den Frauen zu sagen, dass ihre wichtigste Beziehung die zu einem Mann zu sein hat. Außerdem würde ich es für falschhalten, von Feministinnen bestimmte Meinungen zu erwarten und bestimmte inhaltliche Kriterien aufzustellen ab wann eine als Feministin gelten kann.
    Wobei ich deine Beobachtung, dass „Feminismus“ heute wieder nicht mehr No-Go, sondern Must-Have zu sein scheint, interessant finde. Für eine inhaltliche feministische Diskussion finde ich das eher hilfreich, weil man sich nicht pro-contra-Begriff streiten muss, sondern gleich mit dem Streit über verschiedene feministische Vorstellungen anfangen kann…

  2. Nadine sagt:

    Verena,

    ich sehe das genauso wie Antje. Denn ging/geht es bei Feminismus nicht _auch_ um Frauenfreundschaft und Solidarität? Die Frage, ab wann etwas feministisch sei oder nicht, finde ich nicht relevant. Solche „Negativbeispiele“ wie Palin kommen für sowas viel zu selten vor.
    Ich erinnere mich gerade an den Artikel im Freitag, wo davon die Rede war, dass mehr Frauen dazu stehen sollten, dass ihre politischen Einstellungen feministisch sind. http://www.freitag.de/alltag/1014-feminismus-gender-identifikation

    Also warum dann Beyoncé Feminismus absprechen? Selbstbezeichnungen in Frage zu stellen halte ich darüber hinaus nicht für konstruktiv. Zumal zu Destiny’s Child Zeiten feministische Inhalte keine Seltenheit waren in deren Texten.

  3. Verena sagt:

    Liebe Antje, liebe Nadine – ihr könnte mir gerne widersprechen! Finde ich deshalb gut, weil ich auf Widerspruch zu diesem Thema gewartet habe, und ich eure Argumente nachvollziehen kann. Trotzdem fällt mir auf, dass eine Frau wie Beyoncé vor einiger Zeit bei der Frage, ob sie sich als Feministin sehe, sicherlich entrüstet den Kopf geschüttelt hätte. Genauso wie wir vor Freude im Dreieck gehüpft sind, wenn ein Popstar oder eine Schauspielerin unserer Generation und dem Mainstream entsprungen, sich als Feministin bezeichnet hätte… und nun tun sie es alle nase lang…

    Außerdem würde ich es für falschhalten, von Feministinnen bestimmte Meinungen zu erwarten und bestimmte inhaltliche Kriterien aufzustellen ab wann eine als Feministin gelten kann.

    @Antje – stimmt, das verlange ich für meine Person auch; war wohl etwas vorurteilsbeladen…

  4. Nadine sagt:

    Trotzdem fällt mir auf, dass eine Frau wie Beyoncé vor einiger Zeit bei der Frage, ob sie sich als Feministin sehe, sicherlich entrüstet den Kopf geschüttelt hätte.

    Wie kommst du zu der Aussage?

  5. Andrea Krug sagt:

    Liebe Antje, liebe Nadine, ich schließe mich Eurer Meinung an. Und Beyoncés Aussagen sind doch schon mal ein guter Anfang, der noch jede Menge hoffen lässt …

  6. Sina sagt:

    Falls Feminismus das neue must-have ist, haben viele meiner so trendbewussten Kommillitoninnen noch nichts davon gehört. Sie stöhnen in Vorlesungen immer noch generft auf, wenn es um Genderfragen geht..

  7. Ben sagt:

    Positiv ist sicher, dass Feminismus aufzuhören scheint, ein Feindbild zu sein. Aber warum aus der Wertschätzung von Frauenfreundschaften Feminismus erwachsen soll, erschließt sich mir nicht. In „Hanni & Nanni“ geht es auch um Frauen-(ok, Mädchen-)Freundschaften und das ist ja wohl keine feministische Literatur.

    @Antje
    „Außerdem würde ich es für falschhalten, von Feministinnen bestimmte Meinungen zu erwarten und bestimmte inhaltliche Kriterien aufzustellen ab wann eine als Feministin gelten kann.“
    Es tut mir ja leid, aber das ist nicht falsch, sondern notwendig. Wenn es keine Kriterien für den Begriff Feminismus gibt, hat der Begriff keinen Wert. Nicht jede/r ist FeministIn, nur weil er/sie sich so bezeichnet. Ich behaupte einer Selbstbezeichnung als Feminist durch Benedikt XVI. würdest auch Du widersprechen.

  8. Nadine sagt:

    @Ben

    bleiben wir doch mal bei Beyoncé und ziehen keine Vergleich zu Benedikt bzw. Hanni und Nanni: Es gibt nicht „den“ Feminismus, auch wenn ich dir Recht geben muss, dass Begriffe Kriterien benötigen. Ich verstehe nur nicht, warum Frauenfreundschaften, Solidarität unter Frauen nichts mit Feminismus zu tun hätten.
    Zumal wir Beyoncés feministische Einstellung nicht genauer kennen, als die Aussage, die sie in dem Interview tätigt. Und ich frage mich, wer als Instanz in Frage käme darüber zu urteilen, was jetzt genau feministisch ist und was nicht.

  9. Red Riding Hood sagt:

    man muss ja keine unfehlbare instanz sein, aber darüber diskutieren was feminismus ist und eine meinung dazu haben darf man doch wohl, gäbe sonst ja auch keinen blog dieser art wenn alles dermaßen vage wäre. man kann zwar nicht genau sagen wer feministIn ist oder nicht, aber ob eine handlung feministisch ist oder eben nicht lässt sich schon etwas einfacher beurteilen. schließe mich deshalb bens kommentar an. es gibt numal kritieren. die kann man diskutieren aber nicht einfach ignorieren.

  10. Nadine sagt:

    @red riding hood

    d’accord. allerdings habe ich nicht gesagt, dass die frage, was feministisch ist und was nicht, nicht diskussionswürdig sei. sondern die _entscheidung_, obliegt nicht anhänger_innen dieser oder dieser feministischen strömung, sondern ist verhandlungssache.

    nun kam allerdings noch immer keine antwort auf meine frage, was an beyoncés aussage eigentlich nicht feministisch sein soll.

  11. E. sagt:

    @Nadine
    „Ich verstehe nur nicht, warum Frauenfreundschaften, Solidarität unter Frauen nichts mit Feminismus zu tun hätten.“

    Das hat niemand behauptet, lediglich dass das alleine noch keine Feministin macht.

    Wenn du nicht bis Benedikt oder Hanni und Nanni gehen möchtest, bleiben wir halt bei Beyonce, wie feministisch kann eine Person sein, die Songs wie Single Ladies singt?

    Du kannst Beyonce doch nicht nur auf diese Aussage reduzieren.

  12. Nadine sagt:

    @E.

    Nein das tue ich nicht, obwohl ich hier „Independent Women“ und „Bills, Bills, Bills,“ nicht unerwähnt lassen möchte. ;-) Aber Spaß beiseite.

    Natürlich macht diese Aussage, die Verena oben erwähnt hat, aus Beyoncé noch keine Feministin, frage mich aber trotzdem, was genau ich vertreten muss, um feministisch zu sein. Darüber gibt es ja viele Ansichten. Wir können Beyoncé schließlich auch nicht auf das Zitat dort oben reduzieren. Ich diskutiere lieber über Inhalte, statt darüber, wer jetzt „zum Kreis“ gehört und wer (noch) nicht.

  13. Verena sagt:

    @ Nadine: Aber gerade weil ich Beyoncé nicht auf diese Aussage reduziere, bezweilfe ich ihr feministisches Potential. Weiter oben hast du gefragt, worauf ich mich in der Annahme beziehe. B. hätte bis vor kurzem sicherlich noch hefitg mit dem Kopf geschüttelt, hätte man sie gefragt. ob sie sich als Feministin sehe. Ich habe zwar kein entsprechendes Zitat zur Hand, aber ich sehe ihre Auftritte – und zwar nach der Destiny’s Child Zeit, die ich außerdem auch nicht als sonderlich feministisch auftretende Truppe in Erinnerung habe; zumindest wurde sie auch sonst nicht so wahrgenommen – und dort sehe ich lange Zeit eine Künstlerin, die sich privat als schüchtern und anschmiegsam darstellte, aber für ihre sexy Bühnenperformance ein Alter Ego braucht – das konnte dann den dreckigen Stöhn-job übernehmen, den ein braves, wohlerzogenes Mädchen eben nicht macht. Hallo Doppelmoral. Dass B. eine erfolgreiche Karrierefrau ist, die ihr Privatleben nicht durch die Gossenblätter zerrt, willl ich ihr gar nicht absprechen, genauso wenig, dass ihre Musik tanzbar ist – es hat mich einfach überrascht, dass sie sich als Feministin sieht und das dann ausschließlich an ihren Girls-Freundschaften fest macht… und das es eben häufiger vorzukommen scheint, dass weibliche Mainstreampopstars sich positiv über Feminismus äußern – was ja durchaus begrüßenswert ist… solange sie nicht im nächsten Atemzug das Glück jeder Frau vom Datum ihres Hochzeitstags abhängig macht… jaja, hat Beyoncé nicht getan, aber das ist durchaus ein Frauenbild, dass sie in ihren Songs auch vermittelt…

  14. Bright sagt:

    Hmmm…ich weiß nicht ob ich Beyoncé wirklich als Feministin ansehen kann, vielleicht ist sie das, ich kenne sie ja nicht persönlich, aber der bisherige Eindruck hat mich nicht unbedingt überzeugt. Sie ist ja auch jemand der dazu steht das Buch „The Rules“ (von Ellen Fein und Sherrie Schneider) zu lieben und wer das Buch kennt, weiß das es wohl weit vom Feminismus entfernt ist.
    Christina Aguilera mit ihrem Song „Can’t Hold Us Down“ finde ich um einiges Feministischer.