Hacking social media – Feminist_innen im Web 2.0

von Helga

Auf der rp:11 gibt es zu diesem Thema von Kathrin Ganz und mir das Panel „Shitstorm? You can do it!“, am 13. April um 12 Uhr. Dort werden wir außerdem das neue Projekt Hatr vorstellen.

Was offline die Insiderwitze sind, sind im Internet die Memes: sog. Inter­­net­phäno­­mene. Ob per Video oder Bild, mehr oder weniger witzige Sachen werden per Mail, Facebook oder Twitter versendet. Spätestens wenn jede_r seine eigene Ver­sion erstellt hat, ist das Kultmeme perfekt. Leider sind viele Memes all das, was auch schon im realen Leben scheiße ist (Triggerwarnung!): be­hin­der­ten­feind­lich, rassistisch, homophob oder einfach nur brutal frauen­ver­ach­tend.

Schon fast legendär ist eines der ältesten Gegenmittel von Feminist_innen und anderen Aktivist_innen: Die Bingo-Karte. Hier werden die häufigsten Aussagen von Trollen und die einschlägigen Abwertungen in Diskussionen gesammelt. Ob sexualisierte Übergriffe (inzwischen auch in der Assange-Edition) oder Rassismus, Goo­­gle findet für alles eine Bingo-Karte.

Nach dem Vorbild der LOLcats gibt es inzwischen eine Reihe an Memes, bei denen die verschiedensten Bilder von Internetuser_innen mit noch unterschiedlicheren Be­schriftungen versehen werden. Das erste berühmte feministisch inspirierte Meme war dann der “Privilege Denying White Dude”, das abschätzig schauende weiße junge Männer zeigte. Dazu die besten Mansplainersprüche, denn schließlich wissen weiße, heterosexuelle Männer am besten, welche Probleme Frauen und Minderheiten wirklich plagen und wie sie am besten gelöst werden können. Hier ließ das Gegenmeme nicht lange auf sich warten. Schon der Name, “Feminist Cunt” (Feministische Fotze), war so hasserfüllt und beleidigend, wie einschlägige Kom­men­tare es erwarten lassen.

Auch auf Twitter haben Feminist_innen mit eigenen Kampagnen schon viel er­reicht. Wichtig sind dabei vor allem die Hashtags – Stichwörter, die mit einem # ver­sehen für Aufmerksamkeit sorgen und alle Tweets zusammenbringen. So gab es im Zuge der Diskussionen um Julian Assange die schwedische #prataomdet (Sprich darüber)-Kampagne, die es weltweit in die Medien brachte. Auch wir be­richteten, wie sich immer mehr Schwedinnen und Schweden zu Grenz­­ver­letzungen in intimen Beziehungen äußerten. Die massive, direkte An­sprache an Filmemacher Michael Moore und Talkshowmasterin Rachel Maddow war ebenfalls erstmal dank Twitter möglich. Sie brachte den #MooreandMe-Twitter­_innen eine öffentliche Klarstellung, in der Moore mehr Vertrauen und Respekt gegenüber Ver­gewalti­gungs­opfern forderte. In den letzten Wochen haben türkische Aktivist­_innen mit #defnejoy eine Diskussion über ihre sexistischen, rassistischen und homophoben Medien angestoßen. Ein Kolumnist hatte impliziert, der Tod der Fern­seh­moderatorin Defne Joy Foster sei aufgrund ihres angeblich unmoralischen Verhaltens verdient gewesen. Die Petition zur Kampagne haben bereits fast 8.000 Menschen unterschrieben.

Schließlich lässt sich auch Formspring anders als von den Macher_innen geplant verwenden. Statt als Frage-Antwort-Seite benutzt die 3.000 campaign es als Möglichkeit, anonym von sexualisierter Gewalt zu berichten. Ziel der Kampagne ist es dabei, Aufmerksamkeit auf dieses große Problem im US-Universitätssystem zu richten; Vor allem, weil die meisten Übergriffe niemals angezeigt werden. 3000 bezieht sich dabei auf die Anzahl der Student_innen, die an der George Wash­ing­ton University, von der die Initiative ausgeht, vermutlich sexuelle Gewalt erfahren.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 8. April 2011 um 10:32 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Roseli sagt:

    Danke für diese gute Übersicht. Geil ist natürlich, dass Ihr zwei auf der re:publica-Seite als „beteiligte Sprecher“ bezeichnet werdet: http://re-publica.de/11/blog/panel/shitstorm-you-can-do-it/

    Liebe Grüsse,
    Roseli

  2. Katrin sagt:

    sehe jetzt erst, dass ich da leider nicht dabei sein kann :( ist zu früh. schade. das ist wirklich ein faszinierendes Thema. und mir twitter-nixblickerin hätts gut getan ;)
    viel freude jedenfalls!

  3. lasterfahrer sagt:

    Der Begriff Meme ist nicht unbedingt auf solche Phänomeme wie Bilderweiterverschickung beschränkt, kommt eigentlich ganz woanders her. Generelle vererbung von ideen war damit ursprünglich gemeint.

  4. Sammelmappe sagt:

    Bingo! Ihr habt das Thema gut ausgewählt.

  5. kirschdieb sagt:

    Ich glaube nicht, dass hatr „trolling“ mindert (ich hoffe mal das ist die absicht). Input is input.

  6. alex sagt:

    hah! sehr sehr cool! das hatr meine ich… konnte gerade auf derstandard sehen, wie sehr seine existenz die gemüter doch bewegt, ist ja auch eine frechheit, dass man hass so einfach als hass kenntlich macht ohne die möglichkeit zu geben, noch weiter hass zu verbreiten;)

    warum ich glaube, dass das schon was bringt:
    wenn ich solche kommentare dort lese (die ja so oder in ähnlicher form nahezu auf jeder plattform anzutreffen sind, wo auch nur mal das wort „frau“ erwähnt wird) und durch ihr erscheinen auf hatr schon klar ist, das empfindet noch jemand anderes genauso verletzend und herabwürdigend wie ich, macht das das ganze schon gleich nicht mehr schmerzhaft sondern amüsant. diese seite ist quasi eine art psychohygiene.

    @kirschdieb: warten wirs ab. es ist irrsinnig kräftezehrend und ermüdend, gegen solche hasskommentare anzuschreiben und ich glaube, dass hier gesellschaftlich gesehen etwas gröberes im argen liegt, das sichtbar gemacht werden muss, hatr trägt dazu bei.

  7. Nandoo sagt:

    @lasterfahrer:
    Im digitalen Bereich aber weit besser anwendbar da ein Bild eine Einheit mit hoher exaktheit in der Replikation ist wie ein Gen, ein Gedanke, eine Idee aber nicht. Dawkins hat eigentlich ein Konzept begründet was damals falsch war und erst mit dem Internet sinnvoll wurde.

  8. […] im Netz nicht genug be­kommen kann, dem_der seien auch folgende Panels wärmstens empfohlen: Social Media Hacking mit Helga und Kathrin Ganz sowie das Gespräch mit Cyberfeministinnen, moderiert von Anne […]