Ein Buch nach dem anderen: Maskulisten in Frankreich und lesbisches Leben in Südafrika

von Charlott
Dieser Text ist Teil 105 von 121 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen
Das Collectif Stop Masculinisme analysiert in Contre le masculinisme. Guide d’autodéfense intellectuelle (2013, Bambule) die aktuelle Maskulisten-Szene Frankreichs (mit Bezügen auf Franko-Kanada), deren Argumentationen und wie sie Einfluss nehmen. Dabei gibt es einen Überblick über die entscheidenen Akteure und eben jene Themenfelder, die diese fokussieren: Väterrechte, sexualisierte Gewalt, Gewalt gegen Männer, Männlichkeitskrise. Das Kollektiv versucht dabei jeweils die Mythen der Maskulisten zu entlarven und Gegenargumente bereitzustellen. So lässt sich das Buch auch einerseits als Information zur Situation in Frankreich lesen, aber auch als Argumentationsbuch für Diskussionen, die im deutschsprachigen Raum äußerst ähnlich verlaufen.

Passend zum Internationalen Zine Monat: Zines! Volume 1 (1996, Re/Search Publications) von V. Vale bietet einen historischen Blick auf die Entstehung von Zines, um dann in ausführlichen Interviews Zine-Macher_innen und ihre Projekte vorzustellen. Zu dem ist das Buch selbst, nun fast 20 Jahre alt, ein Stück Geschichte. Letzteres zeigt sich besonders eindrücklich an der Thematisierung von Computern und diesem Internet, wie beispielsweise in der Etiquette, die besagt, dass Zines bitte immer mit hanschriftlichen und nicht etwa Computer-verfassten Briefen zu bestellen sind. Spannend ist das Buch aber vor allem auch aufgrund der tiefgehenden Interviews über Ideen, Beweggründe, aber auch die praktischen Umsetzungen beim Zine-Erstellen und Vertreiben. Dabei fand ich nicht alle Zine-Macher_innen gleich interessant (um genau zu sein habe ich zwei dann letzten Endes ganz überblättert), aber viele sind verankert in feministischen, queeren, anti-rassistischen, fat_empowerenden aktivistischen und künstlerischen Strukturen. Allein für die ebenfalls abgedruckten Ausschnitte dieser Zines lohnt es sich reinzugucken.

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Reclaiming the L-Word. Sappho’s Daughters Out in Africa (2011, Modjaji Books) trägt herausgegeben von Alleyn Diesel Erzählungen, Fotografien, Gedichte und Essays von südafrikanischen Lesben zusammen. Die hier wahrscheinlich am bekanntesten von den Beitragenden ist Zanele Muholi, deren Fotografien in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum gezeigt wurde. Insgesamt gelingt es dem Buch einer ganzen Reihe von Lebensrealitäten Raum zu geben und Thematiken wie race, Klasse, unterschiedliche Geschlechterperformances u.s.w. in den Blick zu nehmen. Dabei geschieht dies nicht ausschließlich in den Texten, sondern kann (muss) auch durch die Leser_innen geschehen, die diese durchaus sehr disparaten Texte nebeneinander vorliegen hat.

Lee Maracle ist eine wichtige First Nation Aktivistin und Autorin. In ihrem Buch I Am Woman: A Native Perspective on Sociology and Feminism (überarbeitete Auflage 2002, Raincoast Books, Press Gang Publishers) liefert sie eine Analyse und Annäherung an Fragen der Mehrfachdiskriminierungen und spezifischen Lebensrealitäten von First Nation Frauen. Auf weniger als 150 Seiten, wo sie zwischen Erzählungen, Lyrik und Analysen wechselt, schneidet sie so umfangreiche Themengebiete wie Begehren(sformen), Liebe, sexualisierte und andere physische Gewalt, Landfragen, Spiritualität, Kommunismus und Ökologie. Verbunden wird dies alles durch ihren sehr lyrischen Erzählstil, ihre klare Perspektive und dem Rückgriff auf (Lebens)Erzählungen anderer Frauen in ihrem Leben.

Zu guter Letzt habe ich den großartigen Lyrikband Hold Your Own von Kate Tempest gelesen. Aufmerksamen Mädchenmannschafts-Leser_innen könnte sie aus einem Samstagabendbeat bekannt sein, doch macht sie nicht ausschließlich Musik, sondern schreibt auch Lyrik und Theaterstücke. ‚Hold Your Own‘ ist ihr zweiter Lyrikband und besteht aus einer Vielzahl von Gedichten, die sich zum einen einzeln lesen lassen, zum anderen aber auch eingewoben sind in ein größeres Narrativ, welches griechische Mythen und zeitgenössisches britisches Leben; Götter und Geschlechterspiele verbindet.

Im Netz gelesen

Milena Jesenská wird häufig vor allem als „Geliebte von Kafka“ benannt (vor allem auch durch die Veröffentlichung seiner Briefe an sie), doch war sie vor allem auch Journalistin, Autorin, Fluchthelferin, Widerständige und starb 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück. In der Literaturzeitschrift „Neue Rundschau“ wurden nun Briefe von ihr, die sie in der Gefangenschaft geschrieben hatte, publiziert und annotiert. Die Welt hat aus diesem Anlass über ihr Leben geschrieben und ebenfalls Briefauszüge veröffentlicht.

Die ‚Kilroys‘ eine us-amerikanische Gruppe von Theater-Autori_innen und -Produzent_innen hat eine neue Liste veröffentlicht mit Theaterstücken, die Frauen geschrieben haben, die bisher nicht oder sehr wenig umgesetzt wurden. American Theatre berichtet über die Hintergründe und die Auswahl.

Beim Podcast Magwood on Books spricht Henrietta Rose-Innes über ihren neusten Roman, Green Lion.

Moderiert von Hoa Nguyen gibt es bei VIDA ein Roundtable-Gespräch zum Thema „Policing The Other in The Literary World“ nachzulesen. Beteiligt waren: Natalie Diaz, Bhanu Kapil, Sarah Gambito, Lee Ann Roripaugh, Metta Sáma, giovanni singleton und Carmen Giménez Smith.

Kweens geben Tipps für die queere Urlaubs/Strand/Freibad-Lektüre.

http://bitch-media.tumblr.com/post/122772863779/good-news-sci-fi-nerds-author-zadie-smith-has

Autostraddle stellt „Hidden Gems of Queer Lit“ vor. Dieses Mal: In Her I Am von Chrystos.

Der Bachmann-Preis wurde verliehen und gewonnen hat Nora Gomringer. Die taz schreibt über das Gewinnerinnenstück, wie es denn mit Ideen des Literaturbetriebs spielt und die Verleihung.

Und weiter mit Literaturpreisen: Als erste Schrifstellerin aus Sambia hat Namwali Serpell den prestigeträchtigen Caine Preis erhalten. Books Live schreibt über ihre Geschichte ‚The Sack‘ und darüber, dass sie das Preisgeld mit den anderen Autor_innen der Short List teilen wird, denn, so sagt Serpell: „I Don’t Think Writing is a Competitive Sport„.

Teilnehmer_innen des Africa Writes Literatur- und Buch-Festivals zeigen Buzzfeed, welche afrikanische Autor_innen sie empfehlen würden.

Casey the Canadian Lesbrarian wurde gefragt, ob es denn Bücher gebe die magischen Realismus und LGBT-Charactere verbinden (und möglichst keine Young Adult-Werke sind) und natürlich hat sie eine Antwort und gleich einen ganzen Stapel an Buchvorschlägen!

Für die Paris Review verfasste die Autorin Sheila Heti einen Artikel über die Autorin, Künstlerin, Moomin-Erfinderin Tove Jansson: „A Right-Size Dream„.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 17. Juli 2015 um 14:00 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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