Väter ohne Zeit

von Adele

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

60% der Männer geben laut Familienreport des Familienministeriums an in Elternzeit gehen zu wollen, wenn sie Kinder haben. 18,5% tun es wirklich, ¾ davon nur die minimal notwendigen 2 Monate um Elterngeld zu beziehen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie es Väter gibt. Irgendwo müssen die 67% der elternzeitwilligen aber nicht-Elternzeit-nehmenden Männer ja abbleiben.
Ich habe mich in meinem Umfeld mal Ursachenforschung betrieben und festgestellt, dass es immer wieder individuell sehr nachvollziehbare Argumente gab, die die Absprachen, die vor der Zeugung/Geburt bezüglich Vätermonaten getroffen wurden, plötzlich obsolet machten.

Und auch ich musste feststellen, dass meine klaren Vorstellungen von der 50/50 Aufteilung der Elternzeit durch äußere Umstände auf 90/10 verschoben wurde. Nach 7 Monaten Mutterzeit hatte ich leider noch keinen Job, so dass die Vätermonate immer weniger wurden. Kann mein Mann nichts dafür und er war es auch, der mich dann gedrängt hat, deutschlandweit nach Jobs zu schauen. Im Endeffekt bin ich 13 Monate nach der Geburt zu Hause geblieben, mein Mann macht 2 Monate Elternzeit. allerdings kann ich ihm aber zu Gute halten, dass er seit September alleinerziehend ist, während ich 5 Tage in der Woche 400 km weit weg arbeite. Man kann aber auch die Frage stellen, warum er nicht genauso ein Jahr Elternzeit nimmt und wir gemeinsam in einer Stadt leben, finanziell wäre das sogar möglich. Ihr erratet sicher, mit welchem Argument diese Möglichkeit verworfen wurde: „In meinem Job kann ich es mir nicht leisten, ein Jahr auszusteigen.“

Bei einer anderen Familie gab es pünktlich, als das Kind 9 Monate alt war, ein Jobangebot, welches der Vater auf keinen Fall ablehnen konnte und sofort annehmen musste, weshalb die vereinbarten 2 Vätermonate, die dazu dienen sollten, dass die Frau stressfrei wieder in ihren Job einsteigen kann, natürlich auf keinen Fall drin sind. Stattdessen kann er sich voll auf seine Einarbeitung konzentrieren und die Frau steigt nun in Halbzeit wieder ein. Das perfide an der Situation: Ihr fehlen noch ein paar wenige Arbeiten, um eine bestimmte Qualifikation zu erlangen, die notwendig ist, um in ihrem Job weiterzukommen. Er hat diese Qualifikation bereits, weshalb er auch diesen neuen tollen Job angeboten bekommen hat. Einfach nur, weil er ein bisschen weiter in der Ausbildung und nicht schwanger war (während der Schwangerschaft darf man diese Arbeiten, die noch fehlen, nicht machen) ist er jetzt in der Lage, ihr die berufliche Laufbahn noch schwerer zu machen. Die Verantwortung eine Kinderbetreuung zu finden, liegt natürlich zu 100% bei ihr, schließlich will sie wieder anfangen zu arbeiten.

Beides individuelle Beispiele, die zeigen, dass es IMMER gute Gründe geben wird, warum die Männer weniger Elternzeit nehmen als die Frauen




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 28. September 2010 um 15:06 Uhr unter Familien_politik, Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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74 Kommentare

  1. Keks sagt:

    Dicker Applaus.

    Was ich immer in meinem Bekanntenkreis höre: „Natürlich, wenn meine Frau/Freundin ihren Traumjob hat und ich in irgendeiner herzlosen Firma ackere, dann nehme ich die Elternzeit.“
    Was ist, wenn beide ihren Traumjob haben? Oder beide in einer herzlosen Firma ackern? Irgendwie ist es dann doch immer wieder die Frau, denn die „muss ja ohnehin mindestens sechs Wochen allein aus gesundheitlichen Gründen“.

    *seufz*

  2. Ms Pink sagt:

    Die Frage, die sich hier ja stellt, ist, warum es für die Frau offensichtlich meist einfacher ist, oder auch von beiden Eltern als mit weniger „Opfern“ verbunden gesehen wird, wenn die Frau Nachteile in beruflicher Hinsicht in Kauf nimmt, also länger nicht arbeitet.
    Aus meiner Sicht kann es nur auf die Ausgungsbedingungen zurück geführt werden, die dafür sorgen, dass Frauen tendenziell nicht in führende Positionen aufsteigen können/sollen und weniger Einkommen haben. Dann ist es natürlich logisch und nachvollziehbar, dass derjenige (in diesem Fall eben der Mann), der mehr verdient weiterarbeitet. Es sei denn mensch ist in der beneidenswerten Lage nicht auf das Geld angewiesen zu sein.
    Daher wäre aus meiner Sicht die einzige Lösung, die Aufteilung der Elternzeit auf 50/50 zu setzen. Dann muss mensch auch nicht auf die schrecklich pragmatische Überlegung und „individuell nachvollziehbare“ Gründe zurück greifen, welcher Partner jetzt wie viel Elternzeit nimmt, damit genug Geld in die Kasse kommt.

  3. Neeva sagt:

    „In meinem Job kann ich es mir nicht leisten, ein Jahr auszusteigen.“ habe ich mir auch schon angehört, zum Glück in einer noch theoretischen Diskussion.
    Leider ist mir die Antwort, woher er die Arroganz nimmt, anzunehmen ein Jahr Pause wäre in _meinem_ Job kein Problem, zwei Tage zu spät eingefallen.

    Ich frage mich, ob es bei der Frage Kinder oder nicht etwas bringt, vorher ganz klare Forderungen an den potentiellen Vater zu stellen. Ich denke mir, mindestens müsste er dann über bestimmte Probleme mal nachdenken statt sich auf „Erstmal zeugen und dann findet sich schon alles“ zu verlassen.

    An die Mütter und Väter: Was meint ihr?

    Mein größter Horror ist die Vorstellung, dass er erst nach Baby jault, „weil das ja dazugehört“, und dann nach Konfrontation mit der Realität (bayerische Krippensituation, keine ausbeutbaren Großeltern) sich schnellstens in die klassische Geldabgeberrolle zurückziehen will.

  4. Ich glaube Männer sind einfach nicht ganz ehrlich in der Geschichte. Für mich war immer klar, daß ich keine Elternzeit nehmen würde. Punkt. Es ist einfach total out sich nicht zur Elternzeit als Mann zu bekennen. Wer möchte schon gern als verbohrt und rückständig und uncool gelten. Darum gibt es auch diese 60% die laut sagen sie würden es tun. Ich bin mir ziemlich das von diesen 60% mindestens zwei drittel nicht wirklich lust dazu haben. Selbst von den 18.5% die es dann machen ist wahrscheinlich noch ein Teil dabei, der es lieber nicht täte. Mir jedenfalls geht es so. Ich finde Elternzeit für Männer und Frauen sinnvoll, zeitgemäß und im Zeitalter der Gleichberechtigung absolut korrekt. Im Speziellen (also meinem eigenen Fall) würde ich das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschliessen (ausser harte wirtschaftliche Zwänge machten es zur einzig sinnvollen Option). Nicht weil ich Sexist oder Macho bin (ich bin durchaus haushaltstauglich und haushaltsaktiv) sondern einfach weil ich das tief in mir drinnen nicht besonders spannend fände. Und ein kleines Stück aus der Überzeugung ich könnte es nicht so gut wie meine Frau.

  5. Sonja sagt:

    Auch von Arbeitgebern ist die Elternzeit lange nicht so akzeptiert, wie sie gerne tun. Ein Beispiel: Er war selbstständig, dann ein Jahr in Elternzeit und wird in jedem Vorstellungsgespräch jetzt gefragt, wieso er das denn gemacht hat. (Antwort: Weil wir ein Kind bekommen haben. Kommt oft nicht besonders gut an.)

  6. Mel sagt:

    Danke, Einmannblogger! Wie wunderbar erfrischend (Achtung: KEINE Ironie), dass endlich ein Mann Klartext formuliert.

    Auf den anderen Seite, liebe (werdende) Mütter, auch wenn euer Angebeteter sagt, er müsse diesen oder jenen Job unbedingt annehmen oder könne in seinem Job nicht ein Jahr fehlen, es seid immernoch IHR, die dazu ihr Ja-und-Amen geben. Oder sehe ich das falsch?
    In einer Zeit, in der jede zweite Ehe geschieden wird und noch mehr Beziehungen einfach irgendwann aufgegeben werden, liegt es da mehr als in der eigenen Verantwortung, für die eigene finanzielle Sicherheit (und/oder die des Kindes, falls der Kindsvater doch kein Bock auf zahlen hat) und das eigene Vorankommen auf der Karriereleiter zu sorgen.

    Also, allez hop! :)

  7. Mel sagt:

    @Sonja

    Naja, im Gegenzug haben Mütter, die länger ausgeschieden sind, auch nicht die besten Ausgangsbedingungen, oder?

  8. Smith sagt:

    Frauen wollen keine sorgenden Väter. Und Männer sollen keine Väter sein wollen.
    Bei den matriarchalisch organisierten Mosuo ist die Frage nach dem Vater einfach mal tabu.

    „Eine Frau wollte ein Kind von mir haben. Ich sagte ihr, nein, ich kann kein Kind mit dir haben, du lebst hier in China und ich in Argentinien. ‚Na und?‘, war die Reaktion. Die Kinder bleiben ohnehin bei der Mutter. Ich sagte, ich kann keine Kinder haben, die ich nie sehen kann. Sie hat nur gelacht, als nähme ich die Sache zu ernst. Wenn sie Kinder haben, sind es ihre Kinder – der Mann spielt dabei keine Rolle.“

    Alleiniges Sorgerecht…

    Zudem:

    „Jede erwachsene Frau wohnt dort in einem kleinen Häuschen. Die Männer wohnen zusammen in einem größeren Haus.

    Für Frauen sind Frauen die effektiveren und verlässlicheren Menschen. Dennoch sagen sie: Die „ganz großen“ Entscheidungen, also etwa eine Maschine oder ein Haus zu kaufen oder eine Kuh zu verkaufen, die treffen die Männer. Männer taugen für diese Art von Entscheidungsfindung und für körperlich harte Arbeit.“

    Sie taugen … Tsss.
    Also Männer = nützliche Sklaven? Keineswegs, denn so heißt es
    „Männer leben besser, wo die Frauen das Sagen haben: Du bist für fast nichts verantwortlich, du arbeitest viel weniger und du bist den ganzen Tag mit deinen Freunden zusammen. Jede Nacht bist du mit einer anderen Frau zusammen. Und obendrein kannst du für immer bei deiner Mutter leben.“

    Und Verhütung ist so gar kein Thema. Staun.

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,627103,00.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mosuo

  9. maria sagt:

    ja vielen dank einmannblogger. ich muss sagen, das ist der punkt, der auch mich bisher davon abgehalten hat kinder zu bekommen. erstens will ich zuvor finanziell für ein baby gut gewappnet sein und zweitens habe ich auch so gar keinen bock drauf das kind alleine zu betreuen. wieso denn auch? es ist doch unsinn, dass zwei menschen daran beteiligt sind ein lebendes wesen herzustellen, jedoch nur eine/r dafür verantwortlich sein soll wie es lernt feste nahrung zu sich zu nehmen. wenn ich eine person neben mir hätte die die elternzeit annehmen würde wäre ich sofort dabei!
    ich finds aber traurigerweise fast nur halb so spannend ohne einen mann der mir sagt wie ich den feminisus eigentlich maskuli(ni)stisch richtig zu deuten hätte. schade. wo seid ihr freunde?

  10. maria sagt:

    oh smithi!!! da isser ja endlich. hach bin ich froh. das hätte mich eine schlaflose nacht gekostet!

  11. Mel sagt:

    @Smith

    Das gefällt mir mit den Mosuo :)

  12. maria sagt:

    das stimmt übrigens, die mosuo stehen für alle frauen auf der ganzen welt! toll, smith, dass du das erkannt hast!

  13. Smith sagt:

    Was gefällt dir, Mel? Dass Väter tabu sind?

  14. maria sagt:

    moment, sie leben im im Südwesten der Volksrepublik china was genau macht es nötig sie mit uns zu vergleichen?

  15. Smith sagt:

    maria, „die mosuo stehen für alle frauen auf der ganzen welt“. do you remember?

  16. maria sagt:

    ist ja auch egal, ich finde wir sollten es jetzt endlich mal schaffen, dass kein troll, kein/e antifeminist/in uns irgendwelche steine in die wege legt. haben wir das nötig? nein. denn wir streben eine gleichberechtigung der geschlechter an und jede/r die/der uns nicht zuhören will lässt es eben.
    vergleiche, die derart hinken als hätte jemand mir soeben mein raucherbein entfernt, dürfen nicht so eine aufmerksamkeit bekommen als hätte john williams soeben einen hausbesuch bei allen trollen dieser seite angekündigt. also bitte mädels, wenn ihr euch so nennen müsst, (denn eigentlich seid ihr selbstbewusste frauen) seht darüber hinweg und besprecht weite die für euch wichtigen themen.

  17. maria sagt:

    sagt wer, smithi? du etwa?

  18. maria sagt:

    achso und “die mosuo stehen für alle frauen auf der ganzen welt“ kann ich beim besten willen nicht finden, weder so noch in einer anderen form. welches google benutzt du denn eigentlich schatz?

  19. Smith sagt:

    maria sagt:
    28. September 2010 um 21:32

    das stimmt übrigens, die mosuo stehen für alle frauen auf der ganzen welt! toll, smith, dass du das erkannt hast!

    Ohne Kommentar.
    Tschüss

  20. maria sagt:

    traurig, so wenig kampfgeist diesmal…

  21. maria sagt:

    aber für einen kurzen zeitraum hatte ich zumindest spaß… also danke trotzdem!

  22. Magda sagt:

    @ Smith @ maria

    Danke für den kleinen amüsanten Exkurs. Bitte wieder zurück zum Thema. Danke.

  23. Neeva sagt:

    Was die Arbeitgeber angeht, ist Elternzeit sowieso böööse. Ich glaube gar nicht mal, dass da so große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden.
    Frauen wird von Anfang an unterstellt, dass sie sobald sie können schwanger werden, natürlich nur um dem Arbeitgeber Scherereien und Kosten zu verursachen. Männer kriegen das Misstrauen dann halt konzentriert zu spüren, sobald sie es gewagt haben, Elternzeit zu nehmen (oder auch nur die Möglichkeit anzudeuten.)

  24. Mary sagt:

    Das allgegenwärtige Mutterkreuz (die insgeheime Annahme, die Frau könnte es besser; Frauen die schnell die „Ausreden“ akzeptieren) wird mich irgendwann mal noch meine Kinder kosten.

  25. frau zauder sagt:

    @Neeva

    gerade wieder erlebt: elterzeitanspruch angemeldet und behandelt worden als wäre es ein affront gegen die personalleitung, ach was: gegen den ganzen laden und das nach sechs jahren knuffen als gäbs kein morgen: http://zauderei.blogspot.com/2010/09/die-praxis-der-lage.html

    und ansonsten: genau, es sind immer individuelle gründe, die die strukturen bestätigen. die möglichkeit in betracht zu ziehen, dass man eben auch eine zeitlang nachteile in kauf nehmen könnte, fällt vielen männern offensichtlich sehr schwer. während ich schon in der schwangerschaft nicht mehr so einsatzfähig bin und die qualifikation abschreiben kann, gehts für den gatten munter weiter. trotz: ich will unbedingt so ein guter vater sein. na und dann klappts halt nicht, weil der entscheidende karriereschritt ansteht und sich dann doch anbietet (und es gibt nur den einen). da stecke ich natürlich zurück, eingelullt von dem versprechen, dass ich schon auch noch drankommen werden. und irgendwann will ich dann gar nicht mehr drankommen, weil ich sowieso nicht drankomme. schwierig, sich als paar darüber zu verständigen, über die angeblich so individuelle situation.

    deshalb mein vorschlag: männer sprecht miteinander! bestärkt euch, nehmt euch die ängste und übernehmt aktiv die erziehungsaufgabe. dazu gehört eben auch eine zeit lang: kind an erster stelle. wer nicht weiß, was vatersein sein kann, der will auch keine erziehungszeit. deshalb: bildet banden. es gibt nichts schöneres als vom vater der kinder zu hören: ich will das, ich mach das und ich schaff das. ihr habt unsere volle unterstützung!

  26. Lori sagt:

    Ich kenne das vielen jungen Männern aus meinem Altern, dass sie sagen. „Klar, teile ich später die Erziehung mit meiner Frau und bleibe auch mal zuhause.“ So toll ich das auch finde, dass sie dies sagen und ich niemanden von ihnen etwas böses unterstellen möchte, bin ich da meistens eher skeptisch. Mal schauen, jetzt kommt für uns alle erstmal Studium/Auslandsjahr/Zivi/Bund usw. … in 10 Jahren beim Klassentreffen, schauen wir dann mal wie die Lage sich entwickelt hat.

  27. Tja die persönlich Nachvollziehbahren Gründe …

    So wie ich das sehe gehört zu jeder Entscheidung für etwas auch immer die Entscheidung gegen das andere.
    Wenn ich Kinder bekommen will und mich um sie kümmern möchte (und beides will ich) dann entscheide ich mich auch gegen bestimmte „Notwendigkeiten“ die eine berufliche Kariere einfordert.
    Emanzipation ist nur für den Preis zu haben das die die Privilegien haben genau auf diese verzichten.
    Ich entscheide mich als Vater nicht für eine Elternzeit wenn es keine guten Gründe gibt die dagegensprechen sondern, trotz guter Gründe die dagegensprechen. Denn dieselben guten Gründe hat auch meine Partnerin.

    Hoffentlich bekomme ich das hin wenn für mich das Vaterwerden ansteht.

  28. Ilse sagt:

    darf ich provozieren?
    Warum muss eigentlich jede Frau Kinder haben, und warum in einer Kleinfamilie?
    (damit oute ich mich als eine von diesen schrecklichen weltfremden 68erinnen die sowieso an allem schuld sind).

  29. Helga sagt:

    @Ilse: Keine Frau muss Kinder haben, die Serie „Muttiblog“ dreht sich aber um Mütter.

  30. MaxG sagt:

    Es ist auch ein großer Unterschied für Arbeitgeber, ob ein Mann oder eine Frau Elternzeit nimmt.

    Jeder findet es vollkommen normal, wenn eine Frau natürlicher Weise die ersten Jahre ein Kind betreut und danach wieder in den Job einsteigt, da fragt und wundert sich keiner. Der Wiedereinstieg wird von Frauenbeauftragten-Heerscharen u.ä. gefördert.

    Bei einem Mann sieht das ganz anders aus und natürlich ist es eine Karrierehürde für ihn, wenn er als Exot schief angesehen wird, nicht nur vom sozialen Umfeld. Hat der kinderbetreuende Mann gleichwertige Konkurrenz um einen Job, wird er ihn kaum bekommen. Um den Anschluss des Mannes im Job kümmert sich keine extra dafür allimentierte verständnisvolle Gleichstellungsbeauftragte.

    Also, Mädels, wenn zwei das gleiche tun, ist es trotzdem nicht das gleiche. Für Männer ist der Karriereknick sehr viel deutlicher, aber das kümmert euch wohl nicht.

  31. Neeva sagt:

    Das ist Bullshit. Die Gleichstellungsbeauftragten gibt es wenn, dann nur im öffentlichen Dienst und vielleicht noch in irgendwelchen Großkonzernen.

    Und wenn der Karriereknick für Männer deutlicher ist, dann liegt das daran, dass Frauen wegen des „Elternzeitrisikos“ von Anfang an schlechter dastehen.

  32. Neeva sagt:

    Ich entschuldige mich für den Ton. Die Aussage behalte ich aber bei. Zu der Frage wie „vollkommen normal“ es für Frauen ist Elternzeit zu nehmen, empfehle ich Frau Zauders Text.

  33. freundchen sagt:

    Warum ging das freundchen nicht in elternzeit? Gute Frage… es gab Gründe. Der erste war das meine ehemalige Firma mich mit Bekanntgabe der baldigen Vaterschaft kündigte. Das Geld wurde so ein bisschen arg knapp und der Daddy in spe ging, um überhaupt Kohle zu erwirtschaften in die Fremde…

    Der andere Grund, auch nicht nicht repräsentativ, weil auch Frauen oftmals gar nicht diese „heilige“ Zeit den Männern überlassen wollen. Vergisst man aber gern in der Debatte. ;o)
    Wenn du als Mann deiner Frau sagst „Aber ich will auch“ ist die Wahrscheinlichkeit ein dummes Grinsen zu ernten, und den Spruch „du bist ein Mann… du kannst das eh nicht“ relativ hoch. … Immer noch… Leider.
    Und schau ich in den Kreis der erlauchten Kollegen, kann ich behaupten… oft sind es die Frauen die es sich gar nicht vorstellen können… Komisch oder?

  34. GwenDragon sagt:

    @freunchen

    Und schau ich in den Kreis der erlauchten Kollegen, kann ich behaupten… oft sind es die Frauen die es sich gar nicht vorstellen können… Komisch oder?

    Wenn die Frauen dort so denken, fällt mir dazu ganz frauenfeindlich nur ein: Bescheuerte Weiber!

    Welche Branche ist das?

  35. freundchen sagt:

    luftfahrt und noch dazu ein großes unternehmen,dass durchaus väterfreundlich ist. zumindest auf der grossen Ebene. Abteilungsebene sieht ab und an anders aus. je nach chef.
    Hauptsächlich sehe ich hier das ‚Problem‘, das viele Frauen durchaus die Elternzeit für sich beanspruchen möchten, als Teil ihres öhm Lebensgefühls. Die Alleinschuld hier dem Mann zu weisen zu wollen ist doof. ;) An der Bereitschaft der Frau muss ebenso gearbeitet werden… Dank Glorifizierung der Mutterrolle wohl ein schwerer Weg. Naja, ich wär reich würd ich 1euro pro Satz ‚ich bekomm kein kind ums dann abzuschieben!‘ bekommen. anderes Thema ;)

  36. Adele sagt:

    Wenn du als Mann deiner Frau sagst “Aber ich will auch” ist die Wahrscheinlichkeit ein dummes Grinsen zu ernten, und den Spruch “du bist ein Mann… du kannst das eh nicht” relativ hoch. … Immer noch… Leider.

    Ein Teil der elternzeitwilligen Männer wird sicher von ihren Frauen daran gehindert. Aber meine Beobachtung ist eben auch, dass getroffene Absprachen plötzlich obsolet sind und zwar zum Nachteil der Frauen. Schlecht vorstellbar, dass die Frau den Mann aufgefordert hat, sich nicht an Absprachen zu halten.

    Und mein eigenes Beispiel zeigt, wie ich finde, dass selbst dann Strukturen bestätigt werden, wenn beide Partner ehrlich gleichberechtigt Elternzeit nehmen wollen. Ich habe mir nicht plötzlich überlegt, dass ich gerne noch länger mein Kind betreuen will statt wieder in meinem erlernten Beruf zu arbeiten. Genausowenig hat mein Mann plötzlich festgestellt, dass er nun doch besser was für seine Karriere tun muss anstatt 7 Monate Elternzeit zu nehmen. Aber alles erklären nützt nichts, Fakt bleibt, dass wir schlussendlichdie klassische Aufteilung gewählt haben: 13 Monate ich, 2 Monate er. Der Statistik ist egal, ob das so gewollt war.
    Gut für mein feministisches Ego: Gerade machen wir es entgegen der klassischen Aufteilung. Ich bin nur am Wochenende zu Hause, er hat die Doppelbelastung Job und Kind.

  37. thomas sagt:

    Ich muss leider ebenfalls widersprechen:

    Frauen haben auch in meinem Bekanntenkreis oft gar kein Interesse, die Elternzeit mit dem Vater zu teilen. Die genießen auch in meiner Branche die allseits akzeptierte Möglichkeit nach ausgiebiger Elternzeit in den Job zurückzukehren.

    Und so erklären sich auch die 67 % !

  38. Adele sagt:

    Ja, Thomas, diese Frauen gibt es. Um die geht es in diesem Beitrag aber nicht. Hier geht es um Frauen, die mit ihrem Partner besprochen haben, dass sich die Elternzeit geteilt wird und es trotzdem nicht dazu kommt, dass diese Absprachen eingehalten werden. Zum Nachteil der Frauen.

  39. Adele sagt:

    Naja, ich wär reich würd ich 1euro pro Satz ‘ich bekomm kein kind ums dann abzuschieben!’ bekommen.

    Ganz besonders gerne höre ich diesen Satz von Vollzeit arbeitenden Männern, die ihr Kind zu ihrer Frau abgeschoben haben. Dazu mehr in 2 Wochen…

  40. Mary sagt:

    Aber wieso soll man das Problem, dass viele Frauen wirklich glauben, sie könnten die Kinder besser erziehen, nicht anfügen können – denn genau das ist ja ein wichtiger Motor für die beklagten 67%.
    Ich kenne das aus meinem direkten Umfeld, das sowieso wenig Kinder bekommt, auch nicht, aber im Umfeld meiner Mutter – die biologistische Annahme, Mütter hätten einen besseren Draht zu ihren Kindern wiegt sehr sehr schwer. Wenn das nicht aufgeweicht wird, dann kann man den Männern lange Vorwürfe machen, passieren wird nichts.

  41. Adele sagt:

    Aber diese Tatsache darf keine Entschuldigung für die Männer sein, die sich nicht an Absprachen halten. Die Frauen, die nicht der Meinung sind, dass sie die besseren BetreuerInnen der Kinder seien, werden da ganz übel ausgebremst. Diese Frauen sind schon weiter als ein Großteil der Gesellschaft und dann werden die auch noch so ausgebremst. An der Stelle halte ich es nicht für sinnvoll, das Verhalten der Männer bzw. die Bestätigung der Strukturen damit zu entschuldigen, dass andere Frauen anderen Männern die Kinderbetreuung nicht zutrauen.

  42. Mary sagt:

    ich glaube nicht, dass es dabei um eine Entschuldigung geht – aber es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass das Problem einfach sehr viel komplexer ist.

  43. Neeva sagt:

    Wieso? Die Frauen, die der Meinung sind, sie könnten das eh besser oder denen die „allseits akzeptierte Möglichkeit nach ausgiebiger Elternzeit“ ganz recht kommt, werden doch erst gar keine Vereinbarungen treffen, dass die Männer Elternzeit nehmen.

  44. onyx sagt:

    Danke, @ Eismannblogger!
    Du bestätigst genau das, was ich schon jahrelang denke.
    Männer- und Väterrechtler positionieren sich nach außen mit Standpunkten und Forderungen, die sich mit feministischen Forderungen durchaus vereinbaren lassen. Nämlich dass Väter Väter sein wollen, sich an der Erziehung beteiligen wollen, Elternzeit nehmen wollen. Alle halten es für wichtig, richtig und nötig, Väter stärker in die Familienarbeit einzubinden. Aber wenn es konkret wird, oh Wunder, da finden sich schnell 100 Gründe, warum Papi doch auf keinen Fall beruflich kürzer treten kann. Ich erlebe und beobachte Männer großteils als ganz wunderbare und engagierte Väter und fleißige Hausmänner, und ich finde das großartig (obwohl es eher eine Schande ist, dass man das extra betonen muß, normalerweise sollte das selbstverständlich sein) aber Männer, die freiwillig und konsequent die Karriere gegen Windeln und Babybrei eintauschen, sind nach wie vor Mangelware.

  45. Mary sagt:

    @neeva, aber am anfang des Artikels heißt es doch
    „Die Gründe dafür sind so vielfältig wie es Väter gibt. Irgendwo müssen die 67% der elternzeitwilligen aber nicht-Elternzeit-nehmenden Männer ja abbleiben.“

    Und ich finde man müsste es ergänzen um:
    „Die Gründe dafür sind so vielfältig wie es Väter und Mütter gibt.“ Dieser Aspekt soll ja die Verantwortung der Väter nicht kleinreden, aber durchaus zeigen, dass es nicht nur an ihnen liegt.

  46. Neeva sagt:

    OK, das stimmt.
    Wobei ich nicht finde, dass die Gründe so vielfältig sind.
    Bis jetzt hatten wir „Kann ich mir nicht leisten“ und „Frauen können das eh besser“.

  47. Adele sagt:

    Aber jeder versucht, es eben nicht auf diese 2 Gründe zu reduzieren, sondern mit vielen schönen individuell nachvollziehbaren Begründungen sich selbst abzuheben von diesen 2 gängigen Begründungen.

  48. MaxG sagt:

    Die Diskussion ist wie oft sehr einseitig, das Problem wird nur einseitig angegangen. Ok, das mag verständlich sein bei einer Seite, die nur die Sichtweise einiger Frauen vertreten möchte.

    Wenn ich meinen Freundes und Bekanntenkreis durchgehen, dann fällt vor allem eines auf: Die Frauen sind Erzieher, Lehrer, Goldschmied, eine Künstlerin ist auch dabei – ehrbare Jobs, aber alles andere als MINT o.ä.. Alle sind mehr oder weniger „frauenbewegt“, alle emanzipiert, soweit wie sie es möchten. Ihre Männer sind Ingenieure, Informatiker, Wirtschaftsjuristen, Selbständige.

    Nun, wer sich halbwegs im Leben auskennt, der kennt sicher die jeweils durchschnittlich zuzuordnenden Einkommen, ja, für Kindergartenbetreuung gibt es deutlich weniger als für den Wirtschaftsjuristen mit 60h Woche (Wie schlimm!), und vor allem, hier wichtiger, die in diesen Jobs gegebene Möglichkeit „mal eben nen Jährchen oder zwei“ auszusetzen. Es ist meines Erachtens recht albern diese Gegebenheiten zu ignorieren und als „Ausreden der Männer“ zu deklarieren. Es ist sehr einfach mal eben in der Erziehung (Kindergarten, Schule) für 3-4 Jährchen auszusteigen, probier das mal als Selbständiger mit Unternehmen oder leitender Ingenieur in der Entwicklungsabteilung – Viel Spaß.

    Die Autorin macht es sich viel zu einfach. Das von ihr skizzierte „Versprechen nicht gehalten“-Problem dürfte hier wohl höchstens geringen Anteil aufweisen.

  49. Mary sagt:

    also das ist doch jetzt wirklich nicht angemessen, in der diskussion wurde doch mehrfach darauf hingewiesen, dass es im einzelfall eben immer wieder auf solche argumente zurück zu führen ist. auch schon erklärt wurde, dass sich bei so ner denke die katze in den schwanz beißt und sich das ganze nie auflösen wird.
    was ist denn außerdem schon dabei, mal 6 monate auf das bombengehalt (zu teilen) zu verzichten, wenn es dazu führt, dass beide partner in den genuß der elternzeit kommen?

  50. Helga sagt:

    @MaxG: Hast Du die anderen Kolumnen von Adele gelesen? Sie kommt nämlich aus dem MINT-Bereich. Das mit den verschiedenen Branchen ist am Ende auch ne Ausrede. Wenn jemand Wirtschaftsjurist in einer Kanzlei ist, sollte es doch kein Problem sein, eine Weile keine neuen Fälle anzunehmen. Klar sollte er dann wichtige Gesetzesänderungen weiter verfolgen, aber „Weiterbilden!“ wird heute auch Frauen eingehämmert, die den Wiedereinstieg versuchen. Gerade Erzieherinnen und Lehrerinnen sollten dagegen nicht aus dem Beruf aussteigen, da es doch auch für Kindergarten- und Schulkinder wichtig ist, möglichst feste Bezugspersonen zu haben.

    Kenne übrigens nur Goldschmiedinnen, die ebenfalls selbstständig sind, Künstlerinnen sind es wahrscheinlich auch überwiegend.

    In einer Untersuchung in den USA haben sie mal zwei Paare gefunden, mit jeweils einem Arzt und einer Uniprofessorin, bzw. anders herum. Bei beiden Paaren hat die Frau beruflich ausgesetzt, beide Male hieß es, ihr Beruf sei eben flexibler. Ähem?

  51. freundchen sagt:

    @Neeva & Adele:

    Ich find es generell falsch in dieser DEbatte eine künstliche Trennung der Gründe zu suchen. Genauso wie eine Verallgemeinerung nicht sinnvoll sein kann.

    Faktum ist, in der Elternschaft ist eine „Ich will aber“- Attitüde fehl am Platz.
    Ob es nun der Mann ist, der Absprachen nicht einhält oder die Frau die ungeahnte Glückseeligkeit in der Mutterrolle findet. Es ist und bleibt ein Problem des jeweiligen Paares.

    Natürlich versteh ich die Frau (Mann hält sich nicht an Absprache) die mosert, weil sie sich das anders vorgestellt hat. Wenn sie aber nur jammert (sorry für die Polemik), anstatt ernsthaft zu hinterfragen warum er sich umentschieden hat… dann macht sie einen Fehler. (in meinen Augen)
    Der Druck der Arbeitswelt auf Männern, gerade im mittleren Management ist enorm eine Aufstiegschance sehr oft einmalig. Hier ändern sich massgebliche Kriterien der ursprünglichen Vereinbarung und man MUSS dann eben neu verhandeln. Ob man einen Kompromiss findet, sich einer querstellt und man sich trennt – ist mit verlaub nicht gesellschaftlich zu sanktionieren sondern die Suppe der 3 Betroffenen.
    Vielleicht, so kann ich es mir vorstellen, merkt Mann das er der Aufgabe „Hausmann“ nicht gewachsen wäre… auch das finde ich legitim, nur sollte er dann so ehrlich sein und ihr das sagen.

    Gleiches gilt auch für Frauen… natürlich ist es statthaft (wenn auch genauso egoistisch wie der Mann oben) die Elternschaft im quasi- Alleingang zu absolvieren. Es muss nur feststehen und beide sich selbst und dem anderen gegenüber kritisch und ehrlich genug sein.
    Natürlich „darf“ auch eine Frau trotzt der Absprache, dass sie nach einem Jahr wieder arbeiten geht, für sich festlegen sie will 3 Jahre Elternzeit nehmen. Nur muss er das finanziell unterstützen wollen, und man kann ihm dann nicht mit der Moralkeule kommen—auch er wollte Kinder, jetzt hat er gefälligst das Geld zu liefern.

    Diese Diskussion kann von uns Eltern geführt werden, immer… sobald aber nur die eine Erfahrung verpauschalisiert auf alle angewand wird ist was falsch.

    Ob eine Ausrede eine Ausrede ist, oder doch vielleicht dahinter eine Wahrheit steckt, die das Gegenüber nicht wissen kann (und manchmal auch nicht sehen will) ist schwer zu ermitteln.

    Und meine Erfahrung im Umkreis ist recht einfach. Beide Parteien (im Sinne Mann/Frau) sind grundsätzlich egoistisch in der Grundhaltung und oft genug sind die Kinder erwachsener als die GROSSEN. Die nämlich mit ihrer sturen „ich will aber“…“du hast aber“ Haltung komplett den Bezug verlieren zu dem was wichtig ist… dem Kind. Da wird gestritten und getobt… gejammert und geheult… aber woran es wirklich happert ist die Kommunikation miteinander.
    Schuldzuweisungen… und „Ausreden der Männer“ ist nichts anderes…. sind da allenfalls Anheizer für Debatten, als Themeneröffnungen zu gebrauchen… zu etwas anderem aber auch nicht.

  52. Mary sagt:

    ich finde es aber genauso falsch das jetzt auf absolut private probleme runterzubrechen, die im einzelfall gelöst werden müssen.

  53. freundchen sagt:

    @Mary: Ist es auch nicht … die Gesellschaft muss dahin geführt werden, dass Ausreden nicht mehr nötig sind.
    Aber die Bewertung der „Ausreden“ sind ein privates Problem und der Umgang miteinander auch.
    Wenn man es ausschliessen will… vielleicht „erfindet“ ja jmd. einen Elternzeitvertrag…

  54. Neeva sagt:

    @freundchen
    Du sprichst da mit der Kommunikation einen wichtigen Punkt an. Ich bin absolut dafür _vorher_ über solche Fragen wie die Verteilung der Elternzeit zu sprechen, die gegenseitigen Standpunkte klarzumachen und klare Vereinbarungen zu treffen. Immer unter der Maßgabe, dass zu einer Vereinbarung auch die Umgebungsbedingungen gehören, soll heißen wenn sich die Bedingungen ändern, muss auch die Vereinbarung geprüft und ggfs. abgeändert werden.
    Diese Strategie fusst natürlich darauf, dass beide sich mit dem Problem befassen und ehrlich zu sich und zum Partner sind. Ich denke mal nicht, dass viele Männer mit voller Absicht lügen, also sagen sie würden Elternzeit machen, während sie genau wissen, dass sie es nicht tun werden. Allerdings halte ich es für möglich, dass viele Männer sich vorher nicht sehr genau mit dem Thema Elternzeit befassen und dann einen Rückzieher machen, wenn es ernst wird und sie den scharfen Gegenwind spüren. Die Idee, dass Väter zuhausebleiben, ist noch nicht so lange großflächig verbreitet, dass die damit verbundenen Probleme im kollektiven Unterbewusstsein angekommen sind.
    Und ich finde die Auffassung „Zeugen und anschließend so viel Geld wie möglich ranschaffen, die Frau ist für den Rest verantwortlich“ ist im allgemeinen männlichen Unterbewusstsein noch sehr fest verankert. Eventuell sogar so fest, dass ein Abweichen davon den Männern das Gefühl gibt verantwortungslos zu sein?
    Es haben ja auch erstaunlich viele berufstätige Mütter ein schlechtes Gewissen, selbst wenn ihr Verdienst objektiv gebraucht wird.

  55. freundchen sagt:

    @Neeva:

    Ich denke sowohl Männer als auch Frauen beschäftigen sich mit dem Thema nicht so genau. Sonst gäbe es nicht so viele mißverständisse.
    Ich drücke es mal so aus, beide Seiten haben eine gewisse Erwartungshaltung die anfangs oder nach langen Gesprächen sicherlich sogar recht ähnlich ist.
    Aber, während Frauen in Bezug auf Schwangerschaft, Elternzeit gesetzliche und oft betriebliche Unterstützung erfahren trifft Mann auf leeren Raum. Ich kenne wenige Firmen die Programme für Väter und werdende Väter anbieten… mit Mutterschaftskursen und Back to Buisinessinitiativen wird man überrollt.

    Väter in spe müssen und wollen auf die Rolle vorbereitet werden, aber dabei hilft kein Hechelkurs….
    und es geht weiter… im Kreissaal sind die ersten Sprüche die Mann hört.. „Wenn sie umkippen, legen sie sich nicht in den Weg. Wir werden uns nicht um sie kümmern.“ Das klingt unglaublich… passierte mir aber und ich bin nicht der einzige. Weiterhin ist die Vorbereitung auf die Geburt selber völlig unzureichend… und vorallem auch auf die Rolle die wir spielen. Nämlich keine. Wir sind da… das wars. Und nur da sein muss man lernen… das liegt den wenigsten. Und dieses Dilemma zieht sich durch bis… keine ahnung wann.

    Wir Väter kennen weder unsere Rechte, noch sind die Kündigungsschutzregeln für werdende Väter überhaupt vorhanden. Wie mir passiert, können Arbeitgeber den Arbeitnehmer bei Bekanntgabe der baldigen Vaterschaft kündigen… erst recht wenn sie annehmen müssen das derjenige in Elternzeit gehen könnte. (wie bei mir geplant… wenn auch 2005)

    Das Versorgerproblem ist für uns ja wesentlich differenzierter… aber egal an der stelle. Hauptproblem seh ich hier das weder Frau die doppelbelastung „guter vater“ & „guter ernährer“ anerkennen noch Männer die Belastung als „Mutter & Hausfrau“. Was hab ich mit meiner Frau gestritten und diskutiert deswegen….*augenleier*

    Egal, wir brauchen Programme die Männer vollumfänglich auf die Vaterschaft vorbereiten. und wir brauchen eine Gesetzgebung die werdende Väter und seiende schützt. Unbeachtet jetzt mal was wir für Frauen brauchen ;o) da gibts auch ne menge

  56. Smith sagt:

    @freundchen

    Da sprechen Sie wahre Worte.

    Überdies, was kann ein Mann denn bsw. im Hinblick auf verkürzte Arbeitszeiten tun, wenn er zum dritten mal Vater wird, jedoch ungeachtet dessen weiterhin zwei Kinder aus vorhergehender Beziehung qua gesetzlich „erhöhter Erwerbsobligenheitspflicht“ zu alimentieren hat? Hierbei kennt der Gesetzgeber exekutiv das Jugendamt kein Pardon und untersagt jede Auszeit die dazu führen würde, dass weniger Barunterhalt fließt. Ein Ausnahmefall ist solches in unserer Patchwork-Gesellschaft mit seiner Familien- und Sozialgesetzgebung a la klassischer Versorger beileibe nicht.

  57. Smith sagt:

    … mit ihrer Familien- und Sozialgesetzgebung a la klassischer Versorger beileibe nicht.

  58. Adele sagt:

    @ Freundchen: Volle Zustimmung, habe ich auch schonmal angerissen, dieses Thema.

  59. Adele sagt:

    Ich finde, diese Diskussion zeigt mal wieder sehr schön, wie Diskriminierung wahrgenommen wird. Die Diskutierenden hier scheinen die Erfahrung gemacht zu haben, dass Männer im Schnitt in Berufen arbeiten, wo es strukturell schwieriger ist, Elternzeit zu nehmen (wobei ich mich da immer frage, wieviel Menschen eigentlich wirklich im mittleren Management arbeiten, noch dazu in einem Alter, wo unter 3-jährige Kinder üblich sind, wenn das 1% der Männer sind, dann ist das schon verdammt viel!). Definitiv ist es so, dass Männer mit dem Wunsch nach Elternzeit eher auf Unverständnis stoßen. Dass dieses Unverständnis aber einen instantanen Reflex des Rückzugs auslöst, und sofort Diskriminerung vermutet wird, finde ich sehr entlarvend. Frauen haben ihr Leben lang gelernt, dass sie mit diesem Stigma „Die kann schwanger werden!“ leben müssen. Wenn sich der Feminismus darüber beklagt, dann heißt es sofort: Das sind nun mal die biologischen Realitäten. Wenn ein Mann sich der biologischen Realität, dass er Vater ist, stellen möchte (was bedeutet, dass ein Kind gefüttert, getragen, nachts getröstet und gewickelt werden muss), und auch nur den kleinsten Gegenwind verspürt, entzieht er sich dieser biologischen Realität und zementiert damit die gesellschaftlichen Verhältnisse, die dazu führen, dass die nachvollziehbaren individuellen Entscheidungen bezüglich Elternzeit im Normalfall zu Lasten der Frauen fallen.

  60. Adele sagt:

    @MaxG

    oder leitender Ingenieur in der Entwicklungsabteilung – Viel Spaß.

    Guter Witz… Zufällig bin ich genau das… Und mein Mann ist Gruppenleiter in einem Forschungsinstitut. Und trotzdem schaffen wir es, dass die Kinderbetreuung einigermaßen gerecht aufgeteilt ist. Die Elternzeit war es nicht, aber dafür ist er jetzt alleine dafür verantwortlich, Kind und Beruf zu vereinbaren. Geht alles! Ist zwar anstrengend, aber wir haben tatsächlich auch Spaß dabei, stell‘ dir vor…
    Ich hab übrigens noch einen Kollegen, der demnächst Elternteilzeit macht, wenn seine Vertreterin aus der eigenen Elternzeit zurück ist. Alles leitende IngenieurInnen in der Entwicklungsabteilung. Es geht, wenn man einen vernünftigen Chef hat und man Mann genug ist, es anders zu machen als der überwiegende Teil der Kollegen. Damit verbaut man sich auch nicht den Weg nach oben. Mal ganz ehrlich, wie oft wird folgende Situation vorkommen: Chef sagt „Lasst uns mal Herrn X befördern, ach Mist, der ist ja gerade 2 Monate in Elternzeit, ja dann nehmen wir lieber Y, der arbeitet trotz 1-jährigem Kind 14 Stunden am Tag“. Wie häufig müsste dann befördert werden, damit sowas statistisch signifikant passiert. Und wenn nach so schwachsinnigen Kriterien befördert wird, dann kann das Management nicht besonders nach Kompetenzkriterien besetzt sein und die Firma müsste dem Untergang geweiht sein.

  61. Smith sagt:

    „Wenn ein Mann sich der biologischen Realität, dass er Vater ist, stellen möchte (was bedeutet, dass ein Kind gefüttert, getragen, nachts getröstet und gewickelt werden muss), und auch nur den kleinsten Gegenwind verspürt, entzieht er sich dieser biologischen Realität und zementiert damit die gesellschaftlichen Verhältnisse, die dazu führen, dass die nachvollziehbaren individuellen Entscheidungen bezüglich Elternzeit im Normalfall zu Lasten der Frauen fallen.“

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die gesellschaftlichen Verhältnisse zwingen den Mann in die versorgenden Positionen. Wir wollen an der Stelle mal nicht spekulieren, ob diese „vermutete Diskriminierung“ mit sich bringt, dass er, der Mann, einer um sechs Jahre geringeren Lebenserwartung entgegen sieht, als die Frau mit ihren Lasten. Insofern sei wieder auf Marx verwiesen. Seine Idee scheiterte letzthin am Menschen – egal welchen Geschlechts.

  62. freundchen sagt:

    @Adele:

    Also in meiner Firma wird nicht nach Kompetenz befördert, sondern nach kriechen… zumindest so meine selektive Wahrnehmung.*hehe
    Ich kann ja immer nur für mich und paar Kollegen sprechen. Hier arbeiten eine Menge Leiharbeitskräfte, wenn die Elternzeit nehmen sind wir weg vom Fenster. Die Stelle wird schneller neu besetzt als man „gutschiiiigutschiiigu“ sagen kann, und die Kündigung der Zeitarbeitsfirma folgt stehenden Fusses.

    @smith: gesteigerte Erwerbsobliegenheit ist so ein tolles Wort… dann darfst du als werdender Vater kein Erziehungsurlaub nehmen. Es sei denn man kann den Umfang voll umfänglich weiterzahlen…
    Sieht bei werdenden Müttern allerdings anders aus, die kann man dann nicht zwingen den unterhalt für Kind1 weiterzuleisten…

    empfinde ich schon diskrimminierend… so rein persönlich jedenfalls.

  63. freundchen sagt:

    nicht umfang..unterhalt war gemeint

  64. Smith sagt:

    @freundchen

    „biologische Realitäten“ eben …

  65. Neeva sagt:

    @freundchen
    Es gibt Kündigungsschutzregeln auch für Väter.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Elternzeit#Schutz_vor_K.C3.BCndigung_in_der_Elternzeit

    Allerdings haben alle Eltern anscheinend die unglaubliche Zeit von einer Woche, in der der Kündigungssschutz schon gilt und in der sie Elternzeit beantragen können.

    Gesetz und Reale Umsetzung sind vermutlich wie immer zwei paar Schuhe.

  66. Adele sagt:

    freundchen sagt:
    1. Oktober 2010 um 17:32

    Der Druck der Arbeitswelt auf Männern, gerade im mittleren Management ist enorm eine Aufstiegschance sehr oft einmalig.

    freundchen sagt:
    2. Oktober 2010 um 09:14

    Hier arbeiten eine Menge Leiharbeitskräfte,

    Das ist ja gerade das absurde an der Situation: Viele Männer fühlen sich durch die Leiharbeitskräfte bedroht, die einen ersetzbar machen. Im Prinzip eigentlich eine tolle Vorraussetzung, um Elternzeit zu nehmen, die Firma hat überhaupt keinen Nachteil dadurch, schließlich kann sie die Position temporär mit einer Leiharbeitskraft besetzen. Stattdessen setzt man den permanenten Mitarbeiter genau mit dieser Situation unter Druck.
    Es ist also wahrscheinlich in den meisten Fällen problemlos möglich, die Arbeit so zu organisieren, dass für die Zeit der Elternzeit eine Vertretung eingestellt wird, ohne den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmes zu gefährden oder den Arbeitnehmer mit Rausschmiss zu drohen.
    Das mittlere Management ist sicher nicht mit Leiharbeitskräften besetzt. Trotzdem seltsam, dass Männer in diesem Zusammenhang erstmal übers mittlere Management diskutieren, obwohl es darum eigentlich eher selten geht…

    Ich stimme dir aber vollkommen zu, Freundchen, dass es für die Leiharbeitskräfte bzw. befristet Angestellte verdammt schwierig ist, Elternzeit zu nehmen, aber das gilt für Frauen ebenso wie für Männer, denn auch für Frauen wird der befristete Arbeitsvertrag nicht verlängert, wenn er in der Elternzeit ausläuft.

  67. Adele sagt:

    Ansonsten kann ich auch noch diesen Spiegel-Artikel empfehlen, am Anfang der Diskussion wurde ja auch mal die wilde These aufgestellt, dass nur Männer diskriminiert werden, wenn sie Elternzeit beantragen…

  68. frau zauder sagt:

    ich finde aber nach wie vor und das zeigen ja eigentlich alle beiträge auch, dass die probleme eben nicht individuell (zu lösen) sind, sondern strukturell. eine sensibilisierung hier ist doch der erste schritt zu einer „vätergesetzgebung“. aber sie muss eben auch von vätern, resp. männern überhaupt eingefordert werden und da kann man sich, finde ich, nicht darauf zurück ziehen, dass es eben nicht so ist und deshab so bleiben muss und mann und frau sich dann (z.B. in eine „traditionelle“ Variante) fügen. meiner erfahrung nach haben dort, wo männern für ihre rechte und pflichten eingetreten sind, immer dinge funktioniert, nach denen fraue lange schreien konnten. als der erste vater in einer sitzung ansagte, dass er aber keinen termin nach 16 uhr wahrnehmen könne, weil er da seine kinder abholen müsse, fanden plötzlich keine sitzungen mehr nach 16 uhr statt. vorher hatten die frauen, auch wenn sie eine andere regelung wollten, einfach pech. gehört zwar nicht direkt zum thema, soll aber verdeutlichen, dass einsatz sich lohnt. und es gibt ja auch väter programme und kurse usw. in berlin kann man crashkurse für werdende väter für 20 euro in diversen krankenhäusern besuchen:http://vaeterzentrum-berlin.de/pages/2-Papaladen – zusätzlich zum „hechelkurs“ (@freundchen: finde ich übrigens diskriminierend, die wortwahl und trifft ja auch nicht die realität eines geburtsvorbereitungskurses, oder?!), der im übrigen bei der paarverständigung auch hilft – und es gibt auch andere orte und räume für väter. ich bin schon fast neidisch, wie viel da extra geht, während bei mir alles selbstverständlich sein soll. wer fragt mich denn man, wie das so ist, mutter zu werden? aber das ist auch ein anderes thema.

  69. thomas70 sagt:

    und es gibt auch andere orte und räume für väter. ich bin schon fast neidisch, wie viel da extra geht, während bei mir alles selbstverständlich sein soll. wer fragt mich denn man, wie das so ist, mutter zu werden?

    Aber Frau Zauder. Bitte blättern Sie im Programm der Volkshochschule ihrer Stadt mal. Sie werden vielleicht eine Seite mit Angeboten finden, die sich an Männer oder Väter richten.
    Und wenn dann die Frauen und Mütterangebote wenige als 8 Seiten sind, gebe ich einen Kaffee aus !

  70. frau zauder sagt:

    @thomas 70

    genau, mütter dürfen massieren, pekipen, stricken, schwimmen und die finanzielle lage klären – alles zum kindeswohl, aber in gemütlichen runden über probleme der mutterschaft reden oder mit dem sohnemann fußball gucken, eisenbahn bauen und so weiter, das bleibt – engagierten – vätern vorenthalten. nein, ich will hier gar keine mauer ziehen und ich lebe außerdem privilegiert in der größten großstadt, da gibt es alles und viel. aber ich habe trotzdem im programm der vhs geblättert und weder für väter noch für mütter was gefunden, dafür als einziges familienangebot eine „elterschule“, das ist doch was. aber keine haarspalterein bitte, ich bleibe zumindest dabei: in erster linie müssen sich männer/väter für männer/väter einsetzen. das ist sicher auch im kleinsten winkel der republik möglich. was ich aber meinte war, dass über das, was muttersein, vatersein, ja elternsein sein soll und kann besser verhandelt wird – auch öffentlich und auch in Form von neuen Strukturen -, als sich auf „traditionelle“ Modelle zurückzuziehen oder zu jammern, wenns dann nicht so klappt und sich gegenseitig vorzuwerfen, dass männer nicht wollen und frauen nicht wollen lassen. dafür gibt es genug beispiele, nur die anderen, die fehlen oft und wären doch zur orientierung so wichtig. also: mal ins programm des „papaladens“ gucken (siehe mein letzter kommentar – link) und nachmachen…

  71. freundchen sagt:

    @Frau Zander:

    Ja die bieten einiges. Sinn und Unsinn der angebotenen Mütter-„kurse“ sei dahingestellt… es ging mir in erster Linie um die Masse. Oder anders, bevor Frauen/Mütter rummeckern und jammern, gäbe es auch hier die Möglichkeit selber aktiv zu werden in der Kursgestaltung.
    Nur gefühlt ist es scheinbar so, dass Väter die Angebote suchen müssen (oder Glück haben), während man Mütter förmlich dahin prügelt… beides irgendwie unschön.

    Im übrigen gibts sogar wiedereingliederungskurse für Muttis bei der Arge— stellte ich fest. Find ich schön.
    Kann es sein das wir abschweifen und von hinten durch die Brust schiessen?

  72. freundchen sagt:

    PS: Hechelkurs find ich persönlich gar nicht so diskriminierend… Beschreibt teilweise die Kurse recht gut… vielleicht war ich aber auch im falschen.

  73. frau zauder sagt:

    machen wir doch einen punkt. und treffen uns im nächsten muttiblog.