Auch dieses Jahr fand und findet in diversen deutschen Hochschulen das Festival Contre le Racisme statt, so auch in Fulda. Über den AStA der dortigen Uni war die Autorin, Aktivistin und Musikerin Noah Sow eingeladen worden, im Rahmen der Aktionstage eine Lesung aus ihrem Buch Deutschland Schwarz Weiß abzuhalten. Als Noah Sow jedoch dann vorgestern von der Organisatorin empfangen und zum geplanten Ort der Veranstaltung gebracht wurde, spielte sich folgende unfassbare Begebenheit ab, die Noah Sow auf ihrem Blog schildert:
27.10. Ich werde von der Organisatorin des Festival Contre le Racisme’ (!) zur Location gebracht. Sie ist eine weiße Studierende, anfangmitte Zwanzig, schwarz gekleideter antifaesker Look, Mitglied bei der Grünen Jugend, duzt mich, entschuldigt sich dafür, duzt mich weiter. Sie sagt mir wie wichtig es ihr gewesen sei, diese Lesung gegen Rassismus zu organisieren.
S: leider ist heute auch noch ne andere Veranstaltung, zu Abschiebung, genau gegenüber. Das ist schade, hab ich erst letzte Woche mitgekriegt.
<ein Wüstengrasbüschel rollt vorbei>
Ich: Wieviele PoC sind denn an der Uni hier?
S: PoC? was ist das? Kenn ich nicht.
<noch ein Wüstengrasbüschel rollt vorbei>
S: vielleicht erklärst du’s mir ja?
Ich: <fröstel>
Wir kommen ins Café Chaos der Uni Fulda.
Dort steht auf dem Lesepodest diese Lampe [Achtung; Bild nicht gewaltfrei]Ich: <- – – >
Hier lese ich nicht.
S: wieso?
Ich: Bitte? Die Lampe da!
S: und?
Ich: blöd stellen hilft hier auch nicht weiter.
S: was? warum?
Ich: wollt ihr mich verarschen?
S: sollen wir die wegstellen?
Ich: ich geh jetzt. aber vorher mache ich noch ein Foto.
S: das können wir doch lösen. Ich kannte ja das Café vorher gar nicht.
Ich: <mache noch ein Foto>
S: und jetzt?
Ich: Ihr holt eine Frau aus Hamburg um gegen Rassismus was vorzulesen und präsentiert diese Scheiße hier, ihr habt ja sperrangelweit den – -<führe den Satz nicht zuende>Wie gewaltvoll das für die PoC Studierenden hier ist, ach so, du weißt ja nicht, was das ist, ihr seid ja nicht mehr ganz dicht.
S: also, inhaltlich hast du völlig recht
Ich: das kannst du gar nicht beurteilen und auch nicht kontextualisieren.
S: das ist jetzt aber ignorant von dir! Du kennst mich doch gar nicht!
Ich: <gehe raus und fahre nach Hamburg zurück.
Sie schließt mit folgendem Aufruf:
Liebe weiße Antiras und Organisator_innen des Festival Contre Le Racisme in anderen Städten!
Bitte erklärt diesen Menschen, was ihr Problem ist, denn ich bin zu müde dazu und muss mich damit beschäftigen, den Terror zu verdauen.
Bitte erklärt doch auch präventiv dazu, warum die AStA meine Fahrt und Übernachtung trotzdem bezahlen muss.
Inzwischen ist zumindest letzteres zugesagt und stand angeblich auch nie zur Debatte (wäre ja auch noch schöner gewesen), es gab anscheinend auch eine Entschuldigung der Organisatorin und andere Blogs haben den Vorfall bereits aufgegriffen und entsprechend kommentiert. Unglaublich – zusätzlich zu den o.g. Zumutungen als solchen – erscheint hingegen die hohe Anzahl der Kommentare, die Noah Sow für ihre Weigerung, die Lesung unter den gegebenen Umständen abzuhalten, angreifen und Schuldumkehr wie aus dem Lehrbuch der Dominanzreproduktion betreiben. Da all diese Kommentare dokumentiert werden sollen, ohne den eigentlichen Kommentarthread zu zerschießen, hat Noah Sow sie à la hatr.org in ein separates Dokument ausgelagert – dort können wir einiges darüber lernen, wie es mit unseren weißdeutschen Abwehrreflexen und der Bereitschaft zur einer Antirassimusarbeit, die diesen Namen wirklich verdient, bestellt ist.
Update: Hier eine weiterer deutlicher Kommentar zum Vorfall und die Reaktionen darauf.

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