Frauen scheinen nicht in der politischen Öffentlichkeit stehen zu können, ohne dass ihr Frausein Thema ist. Immer wieder wird darüber verhandelt, ob sie zu weiblich oder vielleicht nicht weiblich genug sind (wofür eigentlich? Um als Frau anerkannt zu werden oder um vernünftige Politik zu machen?), und generell scheint ihren Körpern viel mehr Beachtung zuzukommen, als das bei ihren männlichen Kollegen der Fall ist.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat all dies bereits am eigenen Leib erfahren müssen; von unzähligen Dikussionen im Bezug auf ihren Haarschnitt über den Medienrummel um ihr Dekolleté bei einem Opernbesuch bis hin zu der Frage, was ihr denn nur einfällt, ein und dasselbe Kleid gleich zweimal (!) in der Öffentlichkeit zu tragen.
Katja Kipping, Vorsitzende der Linkspartei, muss gerade ähnliche Erfahrungen machen, wenn auch auf einer anderen Ebene. Bei ihr ist es nicht das Outfit, über das diskutiert wird, sondern die bestimmte Art und Weise, auf die ihr Frausein in Medienberichten herausgestellt und inszeniert wird. „Linken-Spitze flirtet mit SPD“ titelt Spiegel Online, „Linke und Piraten: Geht das was?“ fragt die Deutsche Welle (übrigens mit Vermerk auf ihre „hochhackigen roten Schuhe“) und der Freitag ist der Meinung, dass es eine gute Idee wäre, wenn die beiden Parteien sich „näher kommen“ würden, und wirft deshalb ein: „Willst du mit mir gehen?“ in den Raum.
Katja Kipping ist aber nicht Parteivorsitzende geworden, um mit Politikern zu flirten, sondern – mensch staune! – um Politik zu machen. Und vertritt dabei konsequentere und radikalere Forderungen als so manche ihrer Parteigenossen. Zum Glück wirkt sie nicht wie eine, die sich schnell unterkriegen lassen würde – und dass sie Sexismen gut zu kontern weiß, hat sie in der Vergangenheit ebenfalls bereits bewiesen (Minute 03:19).

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