Jo jo, Frau Lau, what’s crackin‘? Was geht ab? Ich hab da jetzt Ihren komischen Text über „Feminismus“ in der ZEIT gelesen. Saß da so davor und dachte die ganze Zeit: „Check ich alles nicht, was die Mariam Lau da sagt.“ Geht ja auch schon so verpeilt bei Ihnen los: „Der Feminismus ist nicht tot, aber traurig.“

Ich so: „Hä?“ Kapier ich nicht, wie sie darauf kommen. Ich meine, mag Ihnen so vorkommen wegen virtueller Verzerrung oder sonstwas, aber ich kann Ihnen sagen, traurig ist Feminismus kein bisschen. Meistens auf jeden Fall. Aber manchmal natürlich auch nicht. Zum Beispiel, wenn mensch sich mit dem ganzen diskriminierenden oder gewaltbegünstigenden Scheiß auseinandersetzen muss. Oder mit schlecht recherchierten Texten von Menschen, die selbst noch nicht durch feministische Arbeit aufgefallen sind.
Gecheckt habe ich dann auch nicht, warum Sie Ihre These mit einem Buch von Eva Illouz untermauern, in dem es ja nicht um Feminismus, sondern um Paarbeziehungen und Konstruktionen von romantischer Liebe und Gefühlsleben in Zeiten des Kapitalismus und so Kram geht. Ist mir alles zu hoch was sie da erzählen. Ich meine, sie zitieren da ja auch noch: Es geht um „[d]ie heterosexuellen Frauen der Mittelschicht“ in dem Teil, und ganz ehrlich, da konnte ich mich nur mal wieder so am Kopf kratzen als ich das gelesen hab. Also, heterosexuelle Frauen der Mittelschicht, da gehen Sie irgendwie immer direkt von Korrelation mit Feminismus aus? Häää? Also, ich möchte Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber es gibt genug heterosexuelle Frauen aus der Mittelschicht, die mit Anti-Feminismus liebäugeln, oder die Feminismus nicht verstehen (wollen), und/oder die immer auf Abwehrstrategien setzen wenn es darum geht, sich mit Feminismus zu beschäftigen.
Und dann dieser Schmerzensmannkram: „Auch Männer haben dabei verloren.“
Sie meinen das, glaube ich, in Bezug auf Feminismus und so. Hab ich mir aber nur deswegen mal so zusammen gereimt, weil es ja einige kognitiv benachteiligte Exemplare Mensch gibt, die immer Schiss haben dass keine_r mehr die Toilette zuhause putzt, wenn der Feminismus noch mehr Erfolg hat, oder sich keine_r mehr die Haare kämmt, oder Männer alle in eine Schlucht gejagt werden. Oder, noch schlimmer, Frausein und Mannsein irgendwie aufhört und deswegen dann niemand mehr Sex oder Beziehungen hat. Oder dass der Planet dann explodiert. Und, ich will ja nix sagen, aber da gibt’s auch genug Männer, die das bestimmt anders sehen als Sie. Aber auch genug Antifeminist_innen, die das ähnlich sehen wie Sie.
Ganz merkwürdig auch Ihr Rekurrieren auf die Slutwalks („Was dem frühen Feminismus die Amazone, ist dem neuen Feminismus – die Schlampe. „). Dabei waren die Slutwalks ja gar nicht dem „A“ wie „Amazone“ gewidmet, sondern mehr so dem „Arschloch sexualisierte Gewalt“. Zumindest hab ich das letztes Jahr so verstanden. Haben auch alle hunderttausendmal gesagt. Aber vielleicht ist meine Leitung zu lang. Vielleicht aber sind die politischen Botschaften nicht bis in die männlich-dominierten ZEIT-Büros gelangt. Wer weiß das schon so genau.
Und dann sagen Sie, dass „der jüngere Feminismus“ halt voll auf der Welle des Sozialkonstruktivismus reitet. Peile ich auch nicht. Ich meine, nur vorsichtshalber, ich hab jetzt auch nochmal bei Wikipedia nachgeguckt, das hilft ja manchmal schon wenn mensch das eine Minute macht, aber da steht es ja auch nochmal: Das können ja immer verschiedene Ansätze sein die unter „Feminismus“ subsumiert werden. Will sagen: Nur weil andere und ich das mal so machen, dann gilt das natürlich nicht für alle Feminist_innen, denn da gibt’s ja auch Nuancen. Und verschiedene Denkschulen undsoweiter. Und dass damit die „Sprachlosigkeit“ verlängert wurde, „an der schon die Frauenbewegung der sechziger Jahre krankte“, also, das geht mir auch nicht in die Birne wie sie darauf kommen. Weil, Frau Lau, ist ja so, wir sind so un-sprachlos dass wir ganz oft einen auf den Deckel kriegen dafür, denn, „gibt ja viel wichtigere Probleme!!!“ als die hundertzwanzigtausend die wir immer grad gleichzeitig beackern. Das sagen halt immer voll viele, und ernsthaft, Sie wundern sich bestimmt, aber gibt halt auch nicht wenige Menschen die uns oft sagen, wir sollten einfach mal die Fresse halten. Kein Quatsch, ist so.
Komisch aber auch das hier: „(…) dass man für das, was Frauen wirklich anders macht – das Mutter-sein-Können“. Ich meine, okay, vielleicht meinen Sie das so Mutter-Natur-mäßig, wobei, das erschließt sich mir auch nicht, weil, ganz ehrlich, erstens können nicht alle Frauen Kinder bekommen, zweitens weiß ich auch nicht was Sie mit „Muttersein“ meinen: Schwangerschaft oder dann das, was danach kommt oder irgendwas im Sinne von „liegt im Bereich des Möglichen“? Ganz ominös kommt mir das alles vor was Sie da erzählen, da wird mir echt ganz schwindelig. Und dann dissen Sie die coolen Fuckermothers, weil die ja Ihrer Meinung nach irgendwie unter Paranoia leiden, weil Missstände… Äh. Also, ich weiß echt nicht ob ich Sie da richtig verstanden habe, aber sagen Sie in Bezug auf das Anprangern von Missständen wirklich so Sachen wie: „Wer um alles in der Welt hat das Diktat in Umlauf gebracht, man solle sich gut fühlen?“ Wenn ja: Hammer.
Und dann auch das:
„Der Feminismus hat, wie die Studentenbewegung, aus der er hervorging, ein Problem mit der Freiwilligkeit der angeblich Unterdrückten.“
Da musste ich ein bisschen lachen. Echt mal, und ‚tschuldigung Frau Lau, aber das ist halt so voll alter und falscher Käse! Also, quasi gedachter Analogkäse, dreimal eingefroren und fünfmal wieder aufgetaut. Erstens ging der Feminismus nicht aus der Studentenbewegung hervor, nech, und zweitens, dass Feminismus immer schon primär ein Beschäftigungsfeld der Privilegierten ist, das ist schon seit eh und je bekannt und wird immer wieder wie beknackt problematisiert, mindestens seit 30 Jahren, aber danke, dass Sie’s nochmal aufwärmen für das wirklich kraaaaaas feministische ZEIT-Publikum.
Sie schreiben weiter:
„Ein mutiger Feminismus müsste sich jetzt mit den Widersprüchen des eigenen Erfolgs quälen. Frauen haben ein großes Stück der Macht erobert. Was wollen sie nun damit machen? Warum schrecken sie so oft davor zurück, durch Türen, die sie selber aufgestoßen haben, hindurchzugehen?“
Ja, aber welche Frauen meinen Sie denn? Und wie groß ist das Stück der Macht, dass die Frauen da angeblich in der Hand haben? Ich frag echt nur interessemäßig, also, so eher 50/50 oder mehr oder weniger? Peil ich nämlich nicht. Lesen Sie den Satz nochmal, dann würde ich sagen: „Merkense selbst, ne?“
Und am Ende, da loben Sie dann ja auch noch uns!!!
„Wer die Melancholie abschütteln möchte, die einen aus feministischen Texten der Gegenwart anweht, der werfe einen Blick in das Blog Mädchenmannschaft. Dort wird nicht nur gut gelaunt für Frauenwitze, für »das andere Geschlecht« oder Gleitcremes geworben.“
Also, und da muss ich sagen, weil ich Ihren ganzen Text vorher schon nicht so nachvollziehen konnte… Weiß ich auch nicht so recht, was ich jetzt davon halten soll. Weil, will Ihnen nicht zu nahe treten, aber das ist halt echt irgendwie nur so halbgar. Also, nicht, dass Sie traurig sind, aber wir werben nicht für Frauenwitze. No, no. Und das mit der Werbung für Gleitcreme hat mich auch erstmal durcheinander gebracht. Hab dann auch nochmal vorsichtshalber gegooglet. Und dann kam das hier raus: Bäm. Naja, und was soll ich sagen, tut mir leid, wenn Sie denken dass ich hier doof rumfrage, aber ich hab mir gedacht: Da Sie Ihren Text ja irgendwie auch ganz schwurbelig-orakelnd geschrieben haben, dachte ich, ich mache das jetzt auch mal so. Wobei Ihnen natürlich auch schon andere kompetente Menschen geantwortet haben, und zwar einfach nur formvollendet: Sanczny zum Beispiel, und die Fuckermothers natürlich auch.
Zum Schluss bin ich jetzt nochmal voll nett, weil – so hab ich mir das gedacht – vielleicht fanden Sie unseren Blog auch nur cool, weil Sie mal draufgeguckt haben und dachten: „Ah, geil, das ist ja bunt und mit Bildern!“ Deswegen hab ich Ihnen mal ein Kuchenbild hier reingebaut. Da oben links. Nur für Sie. Voll schön, oder?
[Edit: Irony off. Ich habe mich wenig amüsiert über diesen ZEIT-Feminismus-Text, und ich fand es kein bisschen hilfreich, dass Frau Lau mit so ziemlich jedem antifeministischem Klischee spielt, dass ihr unter die Tippfinger kommt. Ich habe auch nicht alle Schwachstellen passgenau aufgezeigt – dafür empfehle ich aber nochmal die oben verlinkten Texte zum Weiterlesen]

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