Das SZ-Magazin widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Feminismus. Das freut uns. Nur die kugelrunde Silikonbrust auf dem Titel verwirrt uns etwas. Und die Beunruhigung wächst beim Lesen des Vorspanns:
Was ist da bloß schiefgelaufen? Es gab mal die tolle Idee des Feminismus, dann wurde daraus Girlpower, dann Narzissmus. Die Frauenbewegung des beginnenden 21. Jahrhunderts ist der Femizissmus.
„Femizissmus“, das ist eine Wortschöpfung aus Feminismus und Narzissmus und bedeutet so viel wie weibliche Gefallsucht, die sich als Selbstbewusstsein tarnt. Hm, wie macht man den Feminismus unattraktiv? Man schlägt ihm ein blaues Auge. Das tut Guardian-Autorin Charlotte Raven (Kann sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten?), indem sie per se der Meinung ist, weibliches Selbstbewusstsein stöckele gegenwärtig völlig oberflächlich auf High Heels.
Eine Ursache dieser Entwicklung ist, dass sich intellektuelle Frauen vom Feminismus abgewandt haben. Irgendwann in den Neunzigerjahren fanden mit einem Mal auch die Frauen, dass Feminismus unglamourös sei, uns verkrampft wirken lasse und, was noch schlimmer war – uns vom Shoppen abhalte. Redakteurinnen ermutigten ihre Leserinnen nun, zu ihrer »inneren Tussi« zu stehen, und verfassten Lobgesänge auf Haarpflegeprodukte und sexy Unterwäsche.
Raven bezieht sich damit auf die Thesen Natasha Walters, deren aktuelles Buch „Living Dolls: The Return of Sexism“, dem vermeintlich sexuellen Selbstbewusstsein aufmotzter Frauen die Luft aus den aufgeblasenen Brüsten lässt. Ihre These: Es sei unmodern, Sexismus zu verurteilen, weil es so aussieht, als inszenierten sich die jungen Frauen derart aufgedonnert als Zeichen sexueller Befreiung. Dabei sei die männlich hofierte Freizügigkeit absolut das Gegenteil von weiblichem Selbstvertrauen. Aber das würde eben niemand zu geben.
Walters möchte ich gar nicht widersprechen und auch wenn Raven genau auf den letzten Punkt hinaus will, dass diese Frauen den feministischen Handlungsbedarf nicht zugäben, wie bitte kann sie derart eindimensional argumentieren, wenn sie sagt, der Feminismus hätte „sich seiner Verantwortung entledigt, unbequeme Wahrheiten ans Licht zu zerren.“ Da wirft sie einfach alle Frauen auf denselben aufgebrezelten Haufen. Denn genau, wir hier bei der Mädchenmannschaft unterhalten uns auch nur den ganzen Tag übers Schuhe kaufen und das Mädchenblog plant eine neue Kosmetiklinie fürs Merchandising…geht’s noch?!
Aber am schönsten wird es im letzten Absatz. Ich leg mich dann schon mal auf den Rücken für den Menschen neben mir und werde auch nie, nie wieder hier im Blog über Sex schreiben:
Die Dinge, die uns verletzen, würden niemals »auch Spaß machen« können. Wir würden keine albernen Schuhe mehr tragen oder einen Blog über unser Sexleben schreiben. Vor allem aber würden wir der Verlockung widerstehen, Karikaturen unserer selbst zu sein. Wir würden auf die falschen Wimpern einer Katie Price pfeifen. Wir würden unsere Lust an der Missionarsstellung mit dem Menschen neben uns im Bett wiederentdecken. In jeder Sphäre unseres Lebens wären wir frei genug, uns für die Normalität zu entscheiden.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.