Seit 10 Tagen weisen wir darauf hin, heute ist es soweit: Der Equal Pay Day. Bereits zum dritten Mal macht das Aktionsbündnis von Frauenbüros, Gleichstellungsstellen und Wirtschaftsverbänden so auf die Unterschiede bei der Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam. Der Termin hängt dabei jedes Jahr vom Unterschied des letzten Jahres ab und setzt diesen in Zeit um. 2009 lag der Unterschied bei 23% – bis zum 26. März arbeiteten Frauen quasi ohne Entlohnung. Neben dem Aufruf, heute eine rote Tasche zu tragen, sind wieder viele Aktionen in Deutschland geplant und auf der Aktionslandkarte 2010 verzeichnet.

Und auch in der Blogosphäre wird viel diskutiert:
Beim Genderblog erklärt Rocchus Wolff eine der Kontroversen um den Gender Pay Gap: Die fehlende Berücksichtigung von Teilzeitarbeit, verschiedenen Tätigkeitsprofilen bei der Berechnung.
Selbst bei unterschiedlichen “Präferenzen” in Ausbildung und Berufswahl sowie durchschnittlich kürzerer Arbeitszeiten – alles Phänomene, die keineswegs unabhängig von geschlechterpolitischen Fragen zu sehen sind – besteht also doch immer noch eine Form von Ungleichbehandlung, bei der Frauen trotz gleichwertiger Qualifikationen und gleichwertiger Arbeitskraft weniger verdienen.
Piratenweib denkt auf Mit piratigen Grüßen die Frage nach der Entlohnung in den verschiedenen Branchen weiter:
Nicht begründet ist aber, warum Berufe, die vornehmlich von Männern ausgeübt werden, im Schnitt wesentlich besser bezahlt werden, als Berufe, die vorwiegend Frauen ausüben. Es gibt keine gesellschaftliche Rechtfertigung dafür, dass z.B. Betreuung und Pflege von Kindern oder alten Menschen weniger “wert” ist als z.B. Unternehmensberatung oder Autoreparatur.
Tatsächlich sind viele Mechanismen äußerst subtil. Nele Tabler berichet auf Karnele von älteren und aktuellen Beispielen:
Es ist schon beinah zwanzig Jahre her, da wurde mit den Worten: »Im Gegensatz zu Ihren männlichen Kollegen tragen Sie keine Verantwortung für eine Familie. Und überhaupt, als Frau können Sie doch nicht solche Ansprüche stellen«, die Forderung der Liebsten nach einer Gehaltserhöhung abgeschmettert. […]
Auf meine naive Annahme, wenigstens im Pflegebereich verdienten Frauen dasselbe wie Männer, reagierten zwei Krankenschwestern aus unserem Freundinnenkreis mit höhnischem Lachen. »Männer werden automatisch zum ‚Gerätebeauftragten‘ der Station ernannt, selbst wenn sie nicht mal einen Schraubenzieher beim Namen nennen können«, nannten sie als eines von vielen Beispielen und erzählten, damit verbunden sei automatisch eine bessere Tarifeinstufung.
Wenig beachtet bleibt häufig auch die Tatsache, dass bereits Berufseinsteigerinnen weniger verdienen als ihre ehemaligen Studienkollegen – selbst wenn sie das gleiche Fach studiert haben. Nur die Absolvent_innen eines Studiengangs werden gleich bezahlt: Jurist_innen.
Daher zum Schluß noch ein bißchen Optimismus von der zauberhaften Elv:
Ich merke im Job ist es schwer zwischen zickiger Bürobitch und angreifbarem Emotionsklumpen zu wandern, wenn man etwas erreichen möchte, ohne seine Mädchenhaftigkeit zu verlieren. Verstellen sollte sich niemand, aber genauso wenig auch unterbuttern lassen. Es ist ein ständiges Ausprobieren, Lernen und an Grenzen geraten, aber liebe Mädels, nur weil es uns etwas schwerer gemacht wird, heißt es nicht, dass wir es nicht auch schaffen.
Wie habt Ihr, liebe Leserinnen und Leser den heutigen Tag bisher erlebt? Habt Ihr Frauen mit roten Taschen getroffen, selbst eine getragen (meine liegen schon bereit) oder vielleicht eine Veranstaltung besucht? Habt Ihr selbst schon einmal Ungerechtigkeit auf dem Lohnzettel erlebt?

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