…oder auch:
Studien bestätigen: Bei jedem an 1 Feminist_in gerichtetes genervtes Ächzen, Augenrollen, „Man kann’s auch übertreiben“, „Ihr wollt ja nur Unterdrückung umkehren“ und „Du willst dich aber auch partout über irgendwas aufregen, ne?“ wird irgendwo auf der Welt 1 Typ unter einer Kekslawine begraben, weil er „Ich finde das nicht so gut, dass Frauen manchmal benachteiligt sind“ gesagt hat.
Ein als Mann* markierter Mensch, am liebsten berühmt, muss eigentlich nur öffentlich sagen, dass er Frauendiskriminierung nicht so cool findet, und zack: Props und Anerkennung, und wenn dabei sogar das Wort Feminismus vorkommt, gibt es kein Halten mehr und der Champagner fließt in Strömen – so altbekannt wie nervig. OK, ich spitze zu, aber zumindest was Social Media angeht, staune ich immer wieder, für welche schlichten bis empörend aneignerischen und fauxministischen Statements und Handlungen Männer* mit geradezu euphorischem Lob (manchmal auch direkt mal mit Kolumnen in feministischen Zeitschriften) bedacht werden. Aktuell zu beobachten bei einem offenbar schon älteren Video, das eine Interviewszene mit Dustin Hoffman zeigt. Der berühmte Schauspieler äußert sich dort über seine aus der Arbeit am Film „Tootsie“ gewonnene Erkenntnis, dass Schönheitsstandards Frauen bisweilen hart zu schaffen machen und vergießt ein paar Tränchen angesichts all der durch den eigenen Tunnelblick verpassten Chancen, noch mehr tolle Frauen kennzulernen.
Aber nicht alle freuen sich darüber. Wie Tyler Coates gestern auf Flavorwire schrieb (ja, auch die Mädchenmannschaft rückt zuweilen mal einen Male-Ally-Cookie raus einself, wobei es wegen der normalisierenden Verwendung der Formulierungen „good looks“ und „male genitalia“ leider keine bunten Streusel oben drauf gibt):
Pardon me for not wanting to jump on the Dustin Hoffman Appreciation bandwagon all of a sudden; I tend not to get my hard-hitting analyses of gender inequality from the straight white dudes who have pretty much profited from the pervading culture that rewards good looks and, well, male genitalia. When men come to great conclusions about how sexism exists (usually too late and with great amounts of self-satisfaction), they’re granted hero status; when a woman does it, she’s bitter, sensitive, angry, man-hating, etc.
Entschuldigt, dass ich nicht Knall auf Fall in die Dustin-Hoffman-Jubelchöre einstimmen mag, aber ich neige nicht unbedingt dazu, weiße Heterotypen, die bisher ordentlich profitiert haben von dieser alles durchdringenden Kultur, die gutes Aussehen und, tja, männliche Genitalien belohnt, als bevorzugte Quelle für pointierte Analysen über Geschlechterungerechtigkeiten anzusehen. Wenn Männer zu der großartigen Einsicht gelangen, dass Sexismus existiert (üblicherweise zu spät und mit einer Riesenportion Selbstgefälligkeit), wird ihnen der Heldenstatus zugebilligt; wenn eine Frau das macht, ist sie verbittert, empfindlich, wütend, männerfeindlich usw.
Ich möchte – wie nett von mir ;) – niemandem verbieten, sich über einen vor Rührung über sich selbst weinenden Hollywoodstar zu freuen oder sich davon empowert zu fühlen, aber manchmal wünsche ich mir bei sowas schon mehr Kontextualisierung. Besonders in feministischen Zusammenhängen. Und mindestens dasselbe, nein: noch eine Kelle mehr Cheerleading für nichttypisierte Sexismuskritiker_innen. Und für Leute, die nicht aufhören gegen Sexismus zu kämpfen, obwohl es täglich rauhen Gegenwind anstatt Applaus gibt.

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