Die Quote nützt allen

In der jüngsten Folge der deutschen Debatte um die Frauenquote wurde meiner Meinung nach ein interessantes Argument zwar skizziert, aber nicht vollständig und prägnant genug entwickelt: Die Quote, endlich eingeführt nicht nur für die Aufsichtsräte und Vorstände der Großunternehmen, sondern auch für andere männerdominierte Institutionen, würde ein wichtiges indirektes Demo­krati­sierungs­poten­tial mit sich bringen, von dem die ganze Gesellschaft profitieren könnte.

Mit mehr Frauen in Führungspositionen könnte es tatsächlich mehr Demokratie in den wirtschaftlichen und in anderen immer noch stark hierarchisch organisierten Strukturen geben. Nicht weil Frauen a priori oder von ihrer Natur her konsens­orientierter, einfühlsamer und weniger autoritär seien, als Männer. Wer so argumentiert, egal wie wohlgemeint, öffnet den alten Stereotypen eine Hintertür. Vielmehr würde die Quote diese Strukturen einfach deshalb lockern, weil sie mehr Vielfalt bedeutet und zu einer Koexistenz unterschiedlicher Lebensprojekte zwingt.

Diese Lebensprojekte lassen sich nicht auf unterschiedliche Kombinationen der zwei klassischen Ziele, Familie und Karriere, reduzieren. Das alte Dilemma ist genauso revisionsbedürftig geworden wie seine beiden Komponenten. Die Ein­führung der Quote könnte zum Beispiel eine Chance sein, die gängige Vorstellung von Karriere als schnurgeradem Aufstieg in einer strikten Hierarchie neu zu überdenken. Der Grund liegt aber wieder nicht darin, dass Frauen „als Mütter“ unfähig seien, so Karriere zu machen, sondern eher in der einfachen Tatsache, dass diese Vorstellung der heutigen Realität in der Arbeitswelt nicht mehr entspricht. Ständige Weiterbildung, Outsourcing und unterschiedliche Arbeitsorte, flexible Arbeitszeiten und Hierarchien gehören zum Alltag einer globalisierten Wirtschaft. Allein schon diese Forderungen nach immer mehr Flexibilität lassen sich mit dem Begriff einer lückenlosen Karriere kaum vereinbaren.

Die Quote wäre also nicht nur das Richtige vom Standpunkt der Gleich­berechtigung und Gerechtigkeit. Sie könnte auch zu mehr Demokratie am Arbeitsplatz beitragen, indem sie die Machtverhältnisse neu definiert, verkrustete Hierarchien ablöst und vielleicht mehr Gestaltungsraum für selbstständige Entscheidungen der MitarbeiterInnen schafft. Von einem Abbau der veralteten Strukturen in den eher konservativen Wirtschaftsmilieus könnten nicht zuletzt auch viele Männer profitieren, die täglich mit den Launen manch eines vorgestrigen Vorgesetzten klarkommen müssen. Für andere würde eine Umgestaltung in den Führungsetagen vielleicht sogar mehr Freiheit bedeuten, mehr Emanzipation von falschen Sachzwängen, mehr Zeit für das Private.

Natürlich bietet die Quote allein noch keine absolute Garantie für eine Demo­kratisierung der Arbeitsverhältnisse. Sie wäre aber eben ein wichtiger Schritt, den die deutsche Regierung noch einmal verpasst hat. Stattdessen wurde den Bür­ger­Innen wieder das alte Märchen erzählt. Das Märchen von einem ruhigen, mono­kulturellen und sparsamen Industrieland, in dem Männer exportorientiert Karriere machen, weil nur Frauen Familie haben.

20 Kommentare zu „Die Quote nützt allen

  1. Ja als Frau lässt sich das so einfach sagen ;)

    Nein danke…die 100% Männer Wehrplichtquote hat mir schon gereicht.

  2. Sorry aber ich sehe in dem Text absolut keine nachvollziehbare Begründung für die These, dass eine Frauenquote die Arbeitswelt „Demokratisieren“ würde.

    Der Autor schreibt nur, wegen der zu erwartenden „Vielfalt „würden sich angeblich „die Strukturen lockern“. Leider erläutert er nicht, was er unter „gelockerten Strukturen“ genau versteht, noch wie das eine „Demokratisierung“ bewirken soll.

    Dafür findet der Autor aber viel Zeit zu erläutern, was er damit alles angeblich NICHT meint.

  3. @black: In vielen Großunternehmen, aber auch in anderen Institutionen, wie etwa in Unis, in der Polizei, in der Armee, in Ministerien u.s.w. haben sich seit Jahren Männergruppen etabliert, die diese Institutionen mehr oder weniger kontrollieren. Geht der eine Chef, ist sein guter Freund, sein ehemaliger Klassenkamerad oder langjähriger Kollege dran. Das ist nicht nur in Deutschland so. In Frankreich studierte z.B. die überwiegende Mehrheit der Politiker (bis auf Sarkozy) an der gleichen Uni (der ENA) in Paris.

    Wenn die Hälfte der Bevölkerung, die bisher aus diesen Kreisen implizit ausgeschlossen war, plötzlich Zugang zu Führungspositionen bekommt, dann kann sich im Prinzip schon etwas ändern – völlig unabhängig davon, wer die neuen Figuren sind oder was „die Natur der Frauen“ (die es nicht gibt) ist. Denn eines ist sicher: Die neuen Figuren stammen nicht aus diesen Altkumpelkreisen.

    Es ist natürlich möglich, dass nach der Einführung der Quote nur völlig angepasste Frauen Führungspositionen bekommen, nur jene Frauen also, die überhaupt nichts an dem alten System ändern wollen. Das ist aber m.E. eher unwahrscheinlich, denn ihre Interessen und Lebensprojekte unterschiedlich sind. Es ist unwahrscheinlich, dass sie gerne Golf spielen, den gleichen Humor, die gleichen Hobbys und die gleichen Vorstellungen von Teamarbeit haben, die Personalauswahl genauso gestalten u.s.w.

    Weil die Quote mehr Vielfalt bedeutet, müssen die Entscheidungen demokratischer getroffen werden.

  4. @Silviu: Wieso sollten Frauen nicht gerne Golf spielen? ;) Das Problem ist ja eher, dass hinter dem „Phänomen Golf“ noch viel mehr steckt als das bloße Spiel- bzw. Sportkonzept, aber vllt. kann sich ja auch in der Richtung etwas bewegen?

  5. @Silviu:
    Wieso sollten Frauen nicht gerne Golf spielen? ;) Das Problem ist ja eher, dass hinter dem “Phänomen Golf” noch viel mehr steckt als das bloße Spiel- bzw. Sportkonzept, aber vllt. kann sich ja auch in der Richtung etwas bewegen?

  6. @Paula: Frauen können natürlich gerne Golf spielen und überhaupt alles machen (oder lernen), was sie nur wollen. Es gibt m.E., wie gesagt, keine „Natur der Frauen“ und es macht also keinen Sinn, allgemein zu behaupten, dass Frauen so-und-so seien und Männer so-und-so. Deshalb halte ich auch viele einfache Argumente in der Quoten-Debatte für falsch: Die funktionieren immer nach dem Motto „Frauen sind so-und-so, deswegen ist es gut / nicht gut, Frauen in Führungspositionen zu haben“. In meinem Artikel habe ich versucht, solche Argumente zu vermeiden. Das macht alles einigermaßen abstrakt (s. die Reaktion von black), aber ich glaube, wir müssen konsequent der Versuchung widerstehen, Menschen in rigide oder vordefinierte Kategorien zu packen.

    Andererseits lässt sich doch pauschal behaupten, dass Frauen die Kultur und die Praktiken der jetzigen Führungsetagen nicht / nicht unbedingt teilen. Eben weil sie bisher ausgeschlossen waren. Golf (als Statussymbol und nicht bloß als Spiel) war nur ein Beispiel dafür.

  7. @silviu

    Danke für die Antwort auf meine Anmerkung.

    Du schreibst, dass durch eine Frauenquote plötzlich „die Hälfte der Bevölkerung, die bisher aus diesen Kreisen implizit ausgeschlossen war, plötzlich Zugang zu Führungspositionen bekommt“.

    Das ist falsch. Die Bevölkerung mag zwar zu 50% aus Frauen bestehen, aber diese 50% selbst erhalten natürlich durch eine Quote nicht Zugang zu Führungspositionen. Genau wie bereits natürlich schon jetzt nicht alle Männer Zugang zu Führungspositionen haben. Was Du meinst ist eine Option vielleicht mit viel Glück (und Beziehungen) dafür vielleicht mal in Frage zu kommen.

    Gerade wenn man wie Du unterstellt, dass Führungspositionen nach dem „Kumpelprinzip“ besetzt werden, würde eine Quote natürlich nur angepasste Frauen nach oben bringen. Das mag diesen Frauen gegönnt sein, hätte aber auf die Unternehmensführung keinen Einfluss.

    Du wischst das Ganze etwas wischiwaschi vom Tisch mit der simplen These:

    „Das ist aber m.E. eher unwahrscheinlich, denn ihre Interessen und Lebensprojekte unterschiedlich sind.“

    Bemerkenswert ist dabei insbesondere, dass Du Frauen zwar völlig andere Interessen und Lebensweisen unterstellst ud gleichzeitig aber betonst es gäbe keine „Natur der Frauen“, die sich von den Männern unterscheiden würde.

  8. „Quoten gibts schon im Öffentlichen Dienst und dort führte sie auch nicht zu mehr Demokratie.“

    Stimmt. Dort führten Sie dazu, dass in einigen Bereichen bis zum mittleren Management praktisch nur noch Frauen vorhanden sind – also zu einer Verdrängung von Männern.

  9. @black:

    „Bemerkenswert ist dabei insbesondere, dass Du Frauen zwar völlig andere Interessen und Lebensweisen unterstellst und gleichzeitig aber betonst, es gäbe keine “Natur der Frauen”, die sich von den Männern unterscheiden würde.“

    Das ist doch kein Widerspruch. Frauen hatten bisher nur selten Zugang zu den besagten Kumpelkreisen. Deswegen sind ihre Erfahrungen oft unterschiedlich von denen der Insider. Das gleiche gilt übrigens für andere Gruppen, z.B. für Migranten. Und es gibt selbstverständlich keine „Natur der Migranten“.

    Inwiefern bei der Einführung der Quote nur völlig angepasste Frauen eine reale Chance bekommen würden, hängt m.E. davon ab, wie das (zukünftige / hypothetische) Gesetz konkret aussehen wird. Bei einer raschen Einführung einer relativ hoher Quote scheint mir dieses Szenario unwahrscheinlich. Bei einem miesen Kompromiss à la CDU, nach dem Motto „heute eine Quote von 1% und eine Quote von 20% erst im Jahr 2050“, hast Du sehr wahrscheinlich recht. So ein Kompromiss würde zu keiner Demokratisierung führen.

  10. Ich habe in diesem Artikel leider keinen nachvollziehbaren Grund gefunden, der die aufgestellten Behauptungen belegen würde. Schade, eure Artikel könnten echt mal wieder besser werden!

  11. @Kommentiert
    Zustimmung.

    Zum „Demokratisieren“: Ich kann mir viele Maßnahmen vorstellen die ich dafür für wesentlich wirkungsvoller halte.
    – Begrenzung der Anzahl der Führungspositionen pro Person
    – Begrenzung der Amtszeit in verschiedensten Führungsposition
    – „Trennung von Amt und Mandat“ wie es die Grünen mal hatten
    – Bessere Teilhabe der Arbeitnehmerschaft an Führungsaufgaben (möglichst mit Rotationssystem)
    – …

    Unabhängig davon dass für „nützt allen“ keine wirklichen Argumente im Text kommen bin ich davon nicht wirklich überzeugt. „… schadet niemandem“ sicher, aber die Diskussion darüber empfinde ich manchmal als „nicht hilfreich“. Besonders ärgerlich wenn dann „Quote = Quote in Aufsichtsräten“ und „die Hälfte der Bevölkerung = die Hälfte der AbsolventInnen von Eliteunis“ implizit gleichgesetzt wird.

  12. @Silviu : Ich habe den Beitrag gerade durchgelesen und kann nur sagen : BINGO !

    Genauso sehe ich es auch.

    Geschlechterdemokratische Strukturen zeichnen sich nachgewisenermaßen durch flachere Hierarchiestrukturen aus, wo Führungskompetenzen und Mitbestimmung vor Inszenierungen gehen.

    „..die Machtverhältnisse neu definiert, verkrustete Hierarchien ablöst und vielleicht mehr Gestaltungsraum für selbstständige Entscheidungen der MitarbeiterInnen schafft.“

    Hier sehe ich die Vorteile der Einbringung der weiblichen Sozialisation in die Entscheidungsprozesse.

    Hier fand ich eine interessante Auseinandersetzung, zwar sehr auf Geschlechterunterschiedlichkeit focussiert (m.E. Folge vorwiegend soziokultureller Prozesse), aber seis drum. Die Frage ist m.E. nur noch akademisch relevant und Ausgrenzungsprozesse konservativer verkrusteter Unternehmenskulturen sind nicht zu rechtfertigen :

    http://www.system-und-kommunikation.de/files/frauen_und_fuehrung.pdf

    „Frauen passen sich nicht jeder Kultur an, sondern ziehen ihre Konsequenzen,
    wenn negative Tendenzen sich durchsetzen. Sie stellen die
    Arbeitszufriedenheit und die (eigenen) Qualitäts- und Sinnansprüche an die
    Arbeit über die Aspekte Karriere und Sicherheit.“ (S. 17).

    Relativiert man Feststellungen wie „die Frauen“ einfach durch beobachtbare Verhaltens-Häufungen, macht die Auseinandersetzung Sinn.

    „Wer dagegen nicht primär aufgaben- sondern
    aufstiegsorientiert ist und seine eigene Perspektive zum Maßstab macht,
    wird logischer Weise Konkurrenz und nicht Kooperation zum Prinzip erheben
    – tut er dies nicht offen, sondern predigt gleichzeitig „Teamwork“, wird er
    seine Glaubwürdigkeit verlieren.“ (S. 19)

    http://www.die-akademie.de/servlet/servlet.FileDownload?file=0152000000102Cl

    „So hat jede in ihrem Berufsleben Widerstände erlebt, wenn sie sich als Führungskraft..“ (S.5)

    Dass in Unternehmen mit flacheren Hierarchien eher weibliche Präsenzen in Führungsetagen anzutreffen sind, bestätigt den positiven Effekt des Diversity-Gedankens auf die Unternehmenskultur und Arbeitszufriedenheit.

    Und davon profitieren eben auch „die Männer“ in den Unternehmen, da Ausfälle durch Arbeitsüberlastungen minimiert werden.

  13. Und es ist schön zu sehen, dass sich hierfür mehr und mehr männliche Loyalitäten finden – aus gutem Grund :

    „Denn die Zeit, da Männer glaubten in Spitzenpositionen unter sich zu bleiben, ist unwiderruflich vorbei.“

    (Quelle : KOMPAKT Nr. 3, S.11, „Mehr Frauen in Spitzenpositionen“, Michael Wassiliadis, Vorsitzender der IG BCE)

    „Es schadet nicht zuletzt dem ökonimischen Erfolg, fähigen Frauen Führung zu vwerweigern.“ (ebd.)

    Auch Tochter-Väter fühlen sich vermehrt angesprochen :

    „Meinen beiden Töchtern ist sicherlich auch eine persönliche Aufmerksamkeit für Fragen der Gleichstellung geschuldet. Die Vorstellung, dass sie schlechter bezahlt werden könnten oder dass ihnen Karrierechancen nur wg. ihres Geschlechts verweigert werden können, lässt den Vater natürlich nicht unberührt. Deshalb sei gerade uns Männern als Lesestoff empfohlen, was sich dazu im neuen Mitgliedermagazin findet (S.11,27,31-33) (ebd., S.3, Hr. Christian Hülsmeier, Chefredakteur)

    Der Diversity-Zug wird kommen – sehr zum Leidwesen hierarchisch-autoritärer-verkrusteter Unternehmenskulturen, die ihre alteingesessenen Inszenierungen ungestört weiterbetreiben wollen und so manche „innere Kündigung“ mit Hierarchieinszenierungen erzeugen.

  14. Aktuell :

    http://www.news.de/politik/855139397/spitzentreffen-zur-frauenquote-am-30-maerz/1/

    „Politik und Wirtschaft wollen im Streit um die Frauenquote in Chefetagen am 30. März ihre Positionen austauschen. Dann ist ein Spitzentreffen mit Vertretern der 30 im DAX notierten Konzerne geplant.“

    http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/koch-mehrin-droht-mit-bruesseler-quote/

    „Koch-Mehrin droht mit Brüsseler Quote: Die EU-weite Quote wird kommen wie das Amen in der Kirche“, sagt FDP-Spitzeneuropäerin Silvana Koch-Mehrin. Merkel droht der Wirtschaft ein bisschen, lehnt eine Quote aber weiter ab.“

    Ich persönlich halte die EU-Keule für wirksamer als die üppigen zeitversetzten Diskussionen hierzulande nach dem Motto : Schön dass wir darüber mal so offen gesprochen haben.

    Schaun mer mal.

  15. danke, habe ich gerne gelesen.

    und für mich mal weiterrecherchiert.

    – verfassungsrechtlich : eine sog. frauenquote in sog. aufsichtsräten ist in dld. verfassungswidrig – wie ich es selbst vermutete und diese diskussion darum daher für mich eine sog. scheindiskussion ist, um „vom eigentlichen“ abzulenken :

    http://notizen.duslaw.eu/geschlechterproporz-und-unternehmensverfassung/

    – wer ist eigentlich dieser sog. Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) ?
    „Nebenbei sei angemerkt, dass die Kommission Deutscher Corporate Governance Kodex aus 12 Mitgliedern besteht, worunter sich eine Frau befindet.“ zitiert aus hier :

    http://blog.beck.de/2010/02/17/frauenquote-fuer-den-aufsichtsrat

    mein fazit für mich :

    1. wenn sog. frauenquote dann bitte überall. und damit gäbe es dann automatisch auch eine sog. männerquote.

    2. als feministin/emanze ist mein einziges interesse wenn dann bitte „mehr feministinnen“.

    hierzu hat Antje Schrupp geschrieben :

    http://antjeschrupp.com/2010/10/31/deutschland-im-quotenfieber/

  16. Für die Leute, die Bedenken bzgl. der Verfassung u.ä. haben, hätte ich ein nettes Entgegenkommen / Argument unter Wahrung der oft zitierten „unternehmerischen Freiheit“

    http://maedchenmannschaft.net/reden-wir-doch-mal-ueber-die-maennerquote/#comment-37122

    „Der Zusammenschluß von Pax World, Calvert und Walden Asset Management, die über eine Gesamt-Fond-Verfügungsmasse von 73 Milliarden $ verfügen, nutzen ihre Macht entsprechend :
    Vergangenen Herbst forderten Sie 54 Konzerne nachdrücklich auf, für eine bessere Geschlechterbilanz in ihren Organisationen zu sorgen.« (ebd.,
    Quelle : Manager Magazin, 03/2011, S. 106)“

    Wenn also reine liberale ökonomische Überlegungen angestrengt werden, dann ist diese Geschlechterbilanzforderung ein Schritt in die 50% Forderung und nicht die noch etwas softigen 30% Quoten-Forderungen, die eigentlich als Katalysator zeitlich befristet eingesetzt werden sollen. Eine ausgewogene Geschlechterbilanz ist ja wirtschaftlich sinnvoll und die Forderung ökonomisch belegt.

    Wie dann diese Forderungen der Investorinnen und Investoren umgesetzt werden „bis zum…“, das bleibt den Unternehmensvorständen dann ja im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Freiheit ganz allein überlassen. Allerdings unter der Konsequenz, wenn es ein Unternehmen nicht schafft, dann ist es leider kein global-player, veraltet, out-of-the-game und für Investor_innen uninteressant.

    Ich würde also dazu neigen mit dem Argument die verfassungsorientierten Bedenkenträger vor die Wahl zu stellen :

    30 % Frauenquote in Aufsichtsräten UND Vorständen oder wird doch lieber die liberale Finanzökonomie unter Berücksichtigung der „unternehmerischen Freiheit“ bevorzugt ?

    Ich bin mal gespannt, was mir ein Fond auf meine Anfrage antwortet.

  17. p.s. zu meinem o.g. vom 8.3.:
    und weil bei mir im hintergrund immer noch die frage grummelte „warum jetzt wieder eine (frauen-)quoten-debatte ?!“ qua politik i.d. öffentlichkeit transportiert, fand ich dann hier „(…) – Ein taktisch geschicktes Ablenkungsmanöver“ auch lesenswert

    http://www.fau.org/artikel/art_110201-161748

  18. Die Antwort auf die Erstmaßnahme war etwas ernüchternd :

    Sinngemäß in Auszügen :

    „Der Fondak legt in deutsche Standardwerte an, so dass mit Sicherheit irgendwo auf die Geschlechterbilanz geschaut wird, aber vor allem versucht wird,…
    Auch die von Ihnen benannten 3 Fonds versuchen lediglich..54 Konzerne werden aufgefordert, die Geschlechterbilanz ausgewogen zu halten. Ob das jedoch letztendlich auch umgesetzt wird, ist nicht bekannt…kann ich Ihnen nichts empfehlen, was diesen Grundsätzen gerecht werden kann.“

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