Einträge mit dem Tag ‘Bücher’


Nationalsozialismus im TV, Freiwilligkeit in Behörden – die Blogschau

5. Juli 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 251 von 254 der Serie Die Blogschau

In der vergangenen Woche waren viele von uns viel außerhalb des Internets beschäftigt, daher heute nur eine kleine Blogschau – falls ihr mehr Blogfundstücke habt, gern in die Kommentare!

Renée Winter befasst sich in ihrem Buch Geschichtspolitiken und Fernsehen mit der frühen Geschichte des ORF und untersucht, wie der Nationalsozialismus von 1955 bis 1970 in unterschiedlichen Fernsehformaten verhandelt wurde. Fernseher kaputt berichtet.

Christel T. schreibt bei Jobcenteraktivistin über “Freiwilligkeit” im Kontext von Jobcenter, Ausländerbehörden und #ohlauer.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


Facebook | |


Büchertipps für den nächsten Parkbesuch

29. April 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 79 von 82 der Serie Die Feministische Bibliothek

Eigentlich findet ihr an dieser Stelle eher Besprechungen von Büchern. Heute aber werfe ich einfach mal fünf Titel in den Raum, die ich bisher auch noch nicht (vollständig) gelesen habe, die es sich aber entweder schon auf meinem Lese-ich-aktuell-Stapel gemütlich eingerichtet haben, oder die ganz oben auf meiner sonstigen Leseliste stehen. Schließlich schreit das Wetter danach sich ein paar Bücher zu schnappen und in den Park/ ans Wasser zu legen. Jedenfalls in meiner idealen Welt.

Die Romane an sich sind nicht unbedingt explizit feministisch. Diese Auflistung hier möchte aber einen Teil dazu beitragen Schriftstellerinnen in den Fokus zu rücken; den Kanon etwas aufzurütteln, der bis heute ja vorangig aus weißen europäischen und nord-amerikanischen Männern besteht.

Helen Oyeyemi – Mr Fox (2011) Oyeyemi ist erst 1984 geboren – Mr. Fox allerdings schon ihr vierter veröffentlichter Roman. Das Buch dreht sich um einen Autor, der seinen Heldinnen meist kein “Happy End” verpasst, sich dann aber in eine seiner Figuren verliebt. Klassische Liebesgeschichten interessieren mich meistens weniger, Bücher über Bücher mit Buchfiguren, die zu Leben erweckt werden, haben aber immer gleich mal mein Interesse. Ich bin gespannt, wie Oyeyemi diesen Stoff verarbeitet hat und ob sie an den gefährlich nahenden Klischees vorbeischiffen kann.

Noch nicht auf deutsch erschienen. Aber es gibt die Vorgänger-Romane “Das Ikarus-Mädchen” und “Das Irgendwo-Haus”.

Maaza Mengiste – Beneath the Lion’s Gaze (2010) Der Roman setzt ein im Jahr 1974. Kurz vor der äthiopischen Revolution. Die Brüder Yonas und Dawit reagieren ganz unterschiedlich auf diese Ereignisse – der eine sitzt im Gebetsraum und bettet für Frieden und ein Ende der Gewalt, der andere hat sich der Widerstandsbewegung angeschlossen. Und dann ist da auch noch der Vater, der einem Opfer staatlicher Folter hilft und dafür ins Gefängnis soll. Mengiste spinnt eine Familiengeschichte, die mich bereits auf den ersten Seiten aufgrund der Anlage vieler spannender Figuren begeisterte.

Auf deutsch als “Unter den Augen des Löwen” 2013 im Verlag das Wunderhorn erschienen.

Tayie Selasi – Ghana Must Go (2013) Stefanie hat auf Afrika Wissen Schaft bereits eine Rezension zu dem Buch veröffentlicht und war ziemlich begeistert. Auch hier handelt es sich um eine Familiengeschichte, in der der Vater, wie in Mengistes Roman, Arzt ist. Selasi beschreibt das Auseinanderbrechen und Zusammenfinden einer Familie, Fragen von Migration und Anerkennung.  Ich bin mit dem Beginn zu mindestens noch nicht ganz warm geworden: Einerseits will ich – wenn ich am Buch sitze – wirklich gern wissen, was passiert und finde die Schreibweise interessant. Aber wenn ich das Buch nicht in der Hand habe, reizt mich auch nicht so viel es wieder in die Hand zu nehmen. Es steht trotz allem oben auf meiner Liste.

Auf deutsch als “Diese Dinge geschehen nicht einfach so” 2013 bei Fischer erschienen.

NoViolet Bulawayo – We Need New Names (2013) Shortlist beim Man Booker Prize, Shortlist beim Guardian First Book Award und dann Gewinner des Etisalat Prize for Literature. Das sind nur einige der Auszeichnungen, die die simbabwische Autorin Bulawayo mit ihrem Debüt-Roman bisher sammeln konnte. Eine Coming-of-Age-Geschichte im Kontext von Migration, die ich schon seit Monaten auf meinem Lesestappel liegen habe: “We hid our real names, gave false ones when asked. We built mountains between us and them, we dug rivers, we planted thorns- we had paid so much to be in America and we did not want to lose it all.“ ["Wir haben unsere echten Namen versteckt, gaben falsche an, wenn wir gefragt wurden. Wir haben Berge zwischen uns und sie gebaut, wir haben Flüsse gegraben, wir haben Dornen gepflanzt - Wir hatten soviel bezahlt, um in Amerika zu sein und wir wollten nicht alles verlieren."]

Bisher leider noch nichts in deutscher Übersetzung erschienen.

Adaobi Tricia Nwaubani – I Do Not Come To You By Chance (2009) Eine Thema, welches ich bisher kaum in der Literatur behandelt gesehen habe: Scam Emails. Spontan fällt mir nur Petina Gappahs Kurzgeschichte “Our Man in Geneva” ein, aber dort ging es um einen Protagonisten, der auf eine Scam-Mail reinfiel. In dem Roman von Nwaubani wird die andere Seite beleuchtet: Eine junger Nigerianer mit Problemen seine Familie finanziell zu unterstützen ruscht in das Scam-Mail-Geschäft. Der Roman wurde 2010 als bester afrikanischer Debüt-Roman mit dem Commenwealth Writers’ Prize ausgezeichnet.

Auf deutsch als “Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy” 2011 beim dtv erschienen.

Der Text wurde bereits in etwas anderer Form bei Afrika Wissen Schaft veröffentlicht.


Facebook | |


Nervige Gleichberechtigung, gläserne Decken, geschlechtsneutrale Menstruationskalender – kurz notiert

3. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 206 von 244 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine “Studie: Jeden vierten Mann nervt Gleichberechtigung“. Eine repräsentative Umfrage bei mir hingegen hat ergeben: Mich nervt jeder vierte Mann (konservative Schätzung).

Außerdem vermeldet die Süddeutsche: “Uni Potsdam führt weibliche Sammelbegriffe ein“. Die Begründung für diese Neuerung ist allerdings ziemlich mies.

Bei arte Yourope gab es kürzlich einen (leider nicht ohne sexistische Re_produktionen auskommenden) Beitrag über Sexismus im Alltag. Welche_r heute morgen um 1:45 die Wiederholung nicht anschauen konnte, aber trotzdem interessiert ist: Der Beitrag befindet sich derzeit noch in der arte-Mediathek.

“Ein lesbischer, poetischer, erotischer Roman voller Intrigen und intimer Details” – das neue Buch “Küss mich, Libussa” von Sophie Strohmeier. Auf youtube gibt es den Buchtrailer.

Ein Forschungsteam aus der Schweiz untersucht die Geschlechterungleichheiten in Ausbildungs- und Berufsverläufen.  Ein Befund:  “Krankenpfleger und Kapitäninnen sind weiterhin eine Rarität”. Ein Interview dazu mit Andrea Maihofer, Forscherin und Leiterin des Zentrum Gender Studies, und Sandra Hupka-Brunner, Forscherin am Institut für Soziologie in Basel, gibt es hier.

“Wir wissen alle, dass Gletscher schneller schmelzen als Frauen in Führungspositionen kommen” – auch im Journalismus. Bei dieStandard erklären Expert_innen wie Vina Yun, u.a. Redakteurin der an.schläge, was sich ändern muss.

Die Stadt Nürnberg hat letzten Sonntag den 10. Internationalen Menschenrechtspreis an Kasha Jacqueline Nabagesera verliehen. Sie setzt sich “für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen in Uganda” ein.

Im Tagesspiegel erzählt ein 15jähriger Berliner, wie Alltagsrassismus seit jeher sein Leben begleitet: “Afrodeutsche stehen in Berlin immer unter Verdacht”.

Im vergangenen Winter haben wir in mehreren Beiträgen über die Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren” berichtet. Nun ist das gleichnamige Buch erschienen. Es beleuchtet die Zusammenhänge zwischen aktuellen ökonomischen Entwicklungen und privaten Lebensbedingungen aus feministischer Perspektive. Übrigens: Auf der Infoseite zum Buch gibt’s auch ein Video.

Beiträge auf Englisch

Gegen Genitalverstümmelungen an Kindern: Die Gründer_innen von zwischengeschlecht.org rufen anlässlich eines anstehenden internationalen Ärzt_innenkonkress in Berlin zu Aktionen auf.

Hier kann man eine Petition an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterzeichnen, die den weltweiten Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen fordert. Initiatorin ist die Kampagne My Body is Mine.

In einem Interview wurde die Musikerin Janelle Monaé nach ihrer “sexuellen Orientierung” befragt. Was sie antwortete, ist in diesem Video zu sehen, welches sich bei Colorlines findet.

Was sich aus der bisher umfangreichsten UN-Studie über Vergewaltigung lernen lässt, fasst Tara Culp-Ressler auf Thinkprogress zusammen. Der Punkt der faktischen Straflosigkeit gilt übrigens genauso wie die anderen auch für “hier”.

Über Fluch und Segen staatlicher Förderung berichten kanadische Aktivistinnen, die eine Datenbank zur Dokumentation von Morden an indigenen Frauen ins Leben gerufen haben.

Discipline and Anarchy fragt: Brauchen soziale Bewegungen ein mainstreamgerechtes Image? Und liefert eine überzeugende Antwort gleich mit.

Für alle die Android-Devices nutzen, gibt es nun eine geschlechtsneutrale Menstruationskalender-App. Die Entwicklung einer IOS-Version (für iPhones) soll demnächst per Crowdfunding angegangen werden.

Im Sommer wurde in Tiflis die erste georgischsprachige Produktion von Eve Enslers “The Vagina Monologues” aufgeführt. Im New Statesman berichten Beteiligte von den lokalen Kontroversen um das Theaterstück.

Das bitch magazine hat JD Samson interviewt, ehemaliges Mitglied von Le Tigre und nun bei der Band MEN.

Warum sie das Wort “Ally” (Verbündete_r) künftig nicht mehr verwenden wird, erklärt Mia McKenzie von Black Girl Dangerous:  “Taten zählen. Etiketten zählen nicht.”

Kelly Rose Pflug-Back beschreibt bei The Feminist Wire, warum sexuelle Befriedigung kein zuverlässiger Gradmesser für “sexuelle Befreiung” ist [Content note: grafische Selbstverletzungsfantasien].

Muslimah Media Watch fragt: Wie sieht eigentlich eine Terroristin aus?

Weitgehend unbeachtet von globalwestlichen feministischen Bewegungen erlangen in afrikanischen Ländern immer mehr Frauen einflussreiche Positionen, schreibt Minna Salami im Guardian.

Ebenfalls im Guardian: Lauren Mayberry, Sängerin der Band CHVRCHES, über ihren Umgang mit Online-Misogynie.

Der Modedesigner Rick Owens erhielt für die Präsentation seiner kommenden Frühjahrkollektion  ziemlich viel Jubel aus progressiven Kreisen. Tamara Winfrey Harris fragt bei Racialicious: Zu recht?

Termine in Basel, Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main, Hüll, Karlsruhe, Wien: (mehr …)


Facebook | |


Buchvorstellung: queer_feminismus – label & lebensrealität

18. September 2013 von Nadine
Dieser Text ist Teil 71 von 82 der Serie Die Feministische Bibliothek

Ende März ist im Unrast-Verlag queer_feminismus – label & lebensrealität erschienen, das ich zusammen mit Leah Bretz verfasst habe. Mittlerweile hatten wir einige Gelegenheiten das Buch vorzustellen und mit Interessierten über Thesen und Themen aus dem Buch zu diskutieren. Uns erreichte über Mails, in Gesprächen mit Freund_innen und auf den Veranstaltungen selbst viel positives Feedback und konstruktive Kritik. Wir arbeiten in dem Buch mit Interventionen auch auf schriftsprachlicher Ebene, um auszuprobieren, wie sich Bedeutungen von Inhalten verschieben oder andere Bedeutungsebenen wahrnehmbar werden. Wir rücken Themen in den Fokus, die vielleicht nicht jede_r beim Lesen eines Buches zu Queer_Feminismus erwarten würde. Lassen allerdings auch Umgänge außen vor, die für andere ganz selbstverständlich zu ihrer queer_feministischen Praxis dazugehören.

978-3-89771-123-5

Obwohl es toll wäre, wenn Leah und ich die Gelegenheit bekämen, in einer neuen Auflage Anmerkungen und Kritikpunkte einzuarbeiten, kann es doch nie ein einziges Buch geben, das alles in Sachen Queer_Feminismus mitdenkt oder bespricht/analysiert (mal unabhängig von der Frage, ob sowas überhaupt innerhalb einer schriftsprachlichen Publikation passieren muss). Uns war es wichtig, von unserer eigenen Praxis ausgehend zu schreiben, unsere Verantwortlichkeiten zu w_orten und hier und da Sachen einfach lückenhaft stehen zu lassen, um Räume zu eröffnen für weiterführende Diskussionen, die ein einziges Buch gar nicht leisten kann.

Der Austausch über unsere Texte mit vielen Menschen und meine eigene politische Arbeit seit der Veröffentlichung hat mich darüber hinaus nochmal an ganz andere Punkte gebracht oder Bestehendes überdenken lassen, neue Perspektiven kamen dazu, andere wurden verkompliziert, so dass ich heute, knapp ein Jahr nach Textproduktion gar nicht mehr in der Lage ware, deckungsgleiche Perspektiven in deckungsgleiche Worte zu packen. So ist das Buch auch als Momentaufnahme von Prozessen zu verstehen, nicht im Sinne von: Heute sind wir viel weiter, sondern im Sinne von: Ein Versuch zu beschreiben, was uns zu dem Zeitpunkt des Schreibens wichtig und wertvoll an und mit unserer politischen Praxis war.

Eine Übersicht über bisher erschienene Rezensionen gibt es auf der Seite des Unrast-Verlags (unter Presse). Eine weitere Rezension ist in der aktuellen Ausgabe von Queerulant_in erschienen (PDF). Mit der taz habe ich vor einer Weile ein Interview über “queer_feminismus. label & lebensrealität geführt”

Das Einführungskapitel könnt ihr auf unserer kleinen, aber feinen Webseite nachlesen. Auf dieser werden wir hoffentlich demnächst die bisherigen Feedbacks sammeln und konkreter besprechen.

Glücklicherweise haben wir auch in der nächsten Zeit viele Gelegenheiten, uns mit anderen über unsere queer_feministischen Perspektiven und Formen von Aktivismus auszutauschen, andere und neue kennenzulernen. Wir freuen uns, wenn ihr vorbeischauen mögt.

21.09. – 20 Uhr, Frauenraum der Reitschule Bern Reitschule Bern (CH)

03.10. – 18 Uhr, im Rahmen von Q. (kju_point), Halle (Saale).

11.10. – 20 Uhr im chicklit Wien (A)

16.10. – 19 Uhr, im Rahmen des Leipziger Lesbentreffen

02.11. – 15 Uhr, im Rahmen des (Pro)Feministischen Theorie-, Kultur- und Praxiswochenendes im Nexus Braunschweig

06.12. – Bochum (Infos folgen)

Falls ihr Interesse an einer Buchpräsentation in eurer Stadt oder Umgebung habt, schreibt uns eine E-Mail an info@queerfeministische-praxis.de


Facebook | |


FEMBooks – Internetbuchhandlung für feministische und emanzipatorische Literatur

16. September 2013 von der Mädchenmannschaft

Die Mädchenmannschaft freut sich sehr, euch FEMBooks vorzustellen. FEMBooks richtet sich an alle, die an Gender und Queer Themen interessiert sind und/oder vor allem von Frauen verfasste Bücher suchen. Bildschirmfoto 2013-09-15 um 11.25.01Damit wird das Publikum der zahlreichen in den 70er und 80er Jahren entstandenen „Frauenbuchläden“ mit einem neuen digitalen Angebot abgedeckt. FEMBooks wurde gegründet von Doreen Heide, die selbst schon seit vielen Jahren feministisch-politisch aktiv ist – u.a. bei Attac (feminist Attac + Gender AG). Weitere Frauen und Lesben steigen nach und nach mit ein. FEMBooks gibt es auch auf facebook.

Wer hat sich nicht schon mal darüber geärgert, beim Suchen eines Buches zu „Feminismus“ im Internet auch lauter antifeministische Pamphlete angezeigt zu bekommen? Wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass in normalen – und selbst manchen linken -Buchhandlungen von Frauen geschriebene, lesbische oder queere Bücher nur mühsam aufzufinden sind oder gar gänzlich fehlen? Wer stört sich nicht auch daran, dass Kinderbücher in der Regel extrem geschlechtsrollenkonservativ sind?

Mit FEMBooks gibt es seit März 2013 eine auf feministische und emanzipatorische Literatur spezialisierte Internetbuchhandlung. Vorzugsweise werden feministische und/oder von Frauen geschriebene Bücher angeboten und damit weiblichen sowie lesbischen und queeren Perspektiven auf privates und öffentliches Leben Priorität eingeräumt. Hier findet sich z.B. eine breite Auswahl an Biografien und Autobiografien von Frauen, Bücher zur Frauen- und Lesbenbewegung, Liebe und Sexualität - heterosexueller wie lesbischer - oder und von Frauen verfasste Reisebücher. Eine eigene Kategorie zu Queer Politik listet alle queer-politischen und lesbischen Sachbücher gesondert auf.

Zudem finden sich bei FEMBooks mittlerweile an die 200 Fachbücher aus dem Bereich der Gender und Queer Studies. Ab Juni 2013 kam noch die Belletristik hinzu. Bei den Romanen, Erzählungen und Krimis wurden auch hier Unterkategorien zu lesbischen Romanen, lesbischen Erzählungen und Lesbenkrimis eingerichtet, damit diese leichter heraus gefiltert werden können.

Bei den Kinderbüchern werden neben vielen Büchern mit starken und klugen Mädchenfiguren (Hexen, Piratinnen etc.) , die es zum Glück mittlerweile gibt, auch solche zu Einelternfamilien, Regenbogen- und Patchworkfamilien sowie zu einem äußerst reflektiertem Umgang mit kindlichen Geschlechtsidentitäten gesondert aufgelistet. Die Neuerscheinungen vor allem zu letzterem sind besonders rar, was in auffallendem Kontrast zu einer stetig wachsenden Queer Szene steht.


Facebook | |


Chelsea Manning, Graphic Novels, ‘Orange is the New Black’ – die Blogschau

24. August 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 213 von 254 der Serie Die Blogschau

Bei High on Clichés gibt es ein paar Perspektiven und Hintergründe zum weit beachteten Gesetz zum offenen Gechlechtseintrag in der Geburtsurkunde.  Auch Zwischengeschlecht.org erklärt, warum das Gesetz unter Betroffenen sicher keine Jubelstürme auslöst.

Die Denkwerkstatt hat Lesetipps für euch! Anna von Different Needs hat Rutu Modans Graphic Novel “Das Erbe” rezensiert. Und Carlott stellt bei Femgeeks gleich drei tolle Graphic Novels vor.

Die Femgeeks haben außerdem ein schönes interaktives Mixtape zusammengestellt – Motto: Städte.

Und Helga fragt: Wann hört die unwürdige Behandlung von Chelsea Manning auf?

Impressionen vom diesjährigen Christopher Street Day in Frankfurt/Main gibt es bei queerfeministisch biertrinken.

Rassismus hat nichts mit vermeintlich mangelnder Intelligenz zu tun, auch wenn das immer wieder behauptet wird – Metalust erklärt, warum derartige Argumentationen hervorragend an genau jene White-Supremacy-Diskurse, die sie eigentlich kritisieren wollen, anschlussfähig sind.

In der dokumentarischen neuen Webserie Lez Build a Family geht es um die Darstellung von lesbischen Familien mit Kindern. Phenomenelle ruft zur Unterstützung des Projekts auf.

Lucie von kleinerdrei hat sich “Orange Is The New Black” angeschaut und eine ausführliche Besprechung verfasst.

Christiane von Graham’N Graham hat sich die Verfilmung von Charlotte Roches “Feuchtgebiete” angesehen.

Es gibt Neuigkeiten von der Petition an die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, “Klärt endlich angemessen über den Sexismus in unserer Gesellschaft auf!” – nachzulesen bei ProChange.

Einen Erfahrungsbericht über Arbeitslosigkeit und die abstrusen Erfahrungen in der damit zusammenhängenden Bürokratie gibt es bei Kasonze.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Internationale Perspektiven und Musik – kurz verlinkt

21. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 199 von 244 der Serie Kurz notiert

In den vergangenen Tagen haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 1.

Die Musikerin Almut Klotz, u.a. Mitberünderin der legendären Lassie Singers, ist gestorben. Im Missy Magazine gibt es einen Nachruf.

Die Initiatorin des Hashtags #SolidarityIsForWhiteWomen, Mikki Kendall, erklärt im Guardian nochmal, warum die Aktion so wichtig war und ist. Auch bei Ebony schreibt sie über die Aktion und über Solidarität und Gemeinschaft zwischen Feministinnen of Color und weißen Feministinnen [beide Texte auf Englisch].

Großes Gelächter, aber auch berechtigter Ärger in der feministischen US-Medienwelt: Typ zeigt mal, wie eine feministische Website geht, dafür werden 6,5 Millionen Dollar  lockergemacht [auf Englisch] .

Und die 14jährige kanadische Aktivistin Rachel Parent zeigt der Welt, wie mit überheblichen, herablassenden TV-Interviewern fertig zu werden ist [Text und Video auf Englisch].

Über die Finanzierung eines Fonds für betroffene von sexualisierter Gewalt in der Familie gibt es weiterhin Streit, so Die Welt, weil die Länder nicht wie vereinbart zahlen wollen.

Powerful: Bei Body Love Wellness gibt es eine Auswahl körperpositiver Spoken-Word-Performances [Text und Videos auf Englisch].

Am 25. Juli demonstrierten Zehntausende in Chiles Hauptstadt Santiago für das Recht auf weibliche Selbstbestimmung und Abtreibung. Die Jungle World sprach mit den Feministinnen Lelya Troncoso Pérez und Hillary Hiner über die Proteste und die Abtreibungsdebatte in Chile.

FEMEN – wer steckt dahinter, wer finanziert sie? Bei Marie Rioux gibt es Hintergrundinfos [auf Englisch].

Eine neue Studie zeigt, dass Bildung und Einkommen einen großen Einfluss auf die Frage hat, ob einer Frau aus medizinischen Gründen die Gebärmutter entfernt wird, so DieStandard.

Ebenfalls bei DieStandard ein Interview mit der Anti-FGM-Aktivistin Bogaletch Gebre: “Unser Elend ist zum Geschäft geworden”.

Außerdem schreibt DieStandard über eine fundamentale Gesetzesänderung in Deutschland: Das neue Personenstandsrecht gesteht intersexuellen Babys erstmals ein unbestimmtes Geschlecht vor dem Gesetz zu. Warum damit allerdings längst nicht alles in Butter ist, ist bei OII-Deutschland nachzulesen.

Großartige Ressource: die Oberlin Alumni Association hat eine Liste von Büchern, darunter viele “Klassiker_innen”, über ‘Race’, Gender, Sexualität, Klasse und Kultur zusammen gestellt, die als Gratis-PDFs im Netz verfügbar sind [auf Englisch].

440hz – bald auch in deiner Stadt! Lad sie jetzt ein!

 

Termine in Berlin und Frankfurt/Main (mehr …)


Facebook | |


Fat Empowerment und internationale LGBT-News – kurz verlinkt

28. Juni 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 195 von 244 der Serie Kurz notiert

Wortwörtlich rape culture wie sie im Buche steht, powered by Kickstarter (Contentwarnung) – nach massiven Protesten gegen ein dort finanziertes “Pick-Up”-Buch hat die Crowdfunding-Platform sich entschuldigt und Maßnahmen der Wiedergutmachung angekündigt (verlinkte Texte auf Englisch).

Die American Medical Association hat “Übergewicht” (sic) zur Krankheit erklärt. Fat Aktivist_innen wie Fat Heffalump und Virgie Tovar stellen klar, dass dick_fett nicht gleich auch krank bedeutet und befürchten, dass solche Pathologisierungen in der Praxis zu noch mehr Fat Shaming und Stigmatisierung von dicken_fetten Menschen führt. Es gibt eine Petition, die ihr unterschreiben könnt (englischsprachig). Und auf La Respuesta gibt es ein hinreißenedes empowerndes E-Zine: “A Resource Guide To Fatphobia”

“Sprache ordnet die Welt, konstruiert und kategorisiert. Deshalb ist die Auseinandersetzung um abwertende Begriffe wichtig”, stellt Hadija Haruna in der taz klar.

Am 7. Juni 2013 fand in Österreich die 3. Frauenenquete der Frauenministerin in Kooperation mit der Plattform 20000frauen statt. Die Keynote sprach Elisabeth Klaus: “Zwischen Antifeminismus und Elitefeminismus: Der Geschlechterdiskurs im medialen Mainstream”.

Die European Women’s Lobby (EWL), größte Dachorganisation für Frauenvereinigungen in den Europäischen Union, stellt sich hier online vor (Englisch).

Spektakulär: Die christlich-konservative Organisation Exodus, die u.a. “Konversionstherapien gegen Schwulsein” durchgeführt hat, hat sich bei der LGBT-Community für ihr “unbliblisches und unehrerbietiges Weltbild” entschuldigt (Englisch).

Die NGO Pink Armenia berichtet über die Menschenrechtssituation für LGBT in Armenien (Englisch).

In der Türkei endet an diesem Wochenende die Istanbul Pride Week – Thema dieses Jahr: “Widerstand” (Englisch).

Wie Engagement für das Recht auf lesbische und schwule Ehen aus wertkonservativer Perspektive aussieht, lässt sich bei queer.de nachlesen.

Eine in Schweden asylsuchende Trans*frau und LGBT-Aktivistin soll nach Russland abgeschoben werden. Eine Petition wendet sich dagegen (Englisch).

Auf Jezebel erklärt Dodai Stewart anhand des neuen Videos von Miley Cyrus, wo Inspiration zu kultureller Aneignung wird und was daran problematisch ist (Englisch).

Es hat sich immer noch nicht zu allen durchgesprochen: Seriöser Journalismus kommt nicht nur aus der Feder von weißen Männern – xojane erinnert daran (Englisch).

Die 17jährige Jinan Younis wollte an ihrer Schule eine feministische Gruppe gründen – was dann passierte, berichtet sie im Guardian (Englisch).

Der FOCUS berichtet über die massiv hohen Zahlen von Gewalt gegen Frauen – die WHO hat die Zahlen nun veröffentlicht, nachdem sie bereits bei anderen UN-Organisationen/Abteilungen und NGOs zu erfahren waren und  u.a. die Aktion One Billion Rising im Februar ageregt hatten.

Die in den USA sehr populäre Fernsehköchin Paula Deen steht  wegen wiederholter rassistischer Handlungen in der Kritik. Daraus ging nun das Hashtag #paulasbestdishes (Paulas beste Rezepte) hervor, welches satirisch auf Deens aktuelle Ausfälle Bezug nimmt (Englisch).

In der Münchner Innenstadt ist eine Gruppe Geflüchteter in den Hungerstreik getreten. Mit einer Erklärung zu ihren Forderungen wenden sie sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes.

In Berlin läuft derzeit und noch bis zum 18. August die Veranstaltung re.act.feminism #2, die sich um feministische Performancekunst dreht – unter anderem mit Ausstellungen, Workshops, Performances und Vorträgen.

Heute Abend in Wien, als Startveranstaltung zur Frauen-Fußball-EM: Diskussion und Party bei Frauen. Fussball. Medien.


Facebook | |


Tipps für gestresste Aktivist_innen

26. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 17 von 27 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung von San Francisco Chronicle

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körper­bilder. Sie ist Heraus­geberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Im ersten Teil dieses Inter­views sprachen wir über ihr aktuelles Buch und den politischen Back­lash gegen Fat Positivity. In diesem zweiten Teil gibt Virgie viele hilf­reiche Tipps für gestresste (Fat) Aktivist_innen. Das englische Originalinterview findet ihr unten. 

Du erwähntest im ersten Teil des Interviews, dass viele Aktivist_innen bei an­strengenden aktivistischen Kämpfen auf der Strecke bleiben, ins­besondere jene mit weniger Privilegien. Wie kommst du mit dem emotionalen Stress klar? Hast du hilf­reiche Tipps für gestresste (Fat) Aktivist_innen?

Früher habe ich viel Aktivismus gemacht, der sehr anstrengend und stressig für mich war – heute nicht mehr. Ich bin ver­schiedenen Diskriminierungen aus­gesetzt und realisierte, dass ich eine Form des Aktivismus finden muss, die für mich funktioniert, sonst würde ich nicht über­leben. Also hörte ich auf mit Aktivismus, der mir schadete, mich stresste oder wehtat, um mich jenen Formen des Wider­stands zu widmen, die mich wieder aufbauen, mich empowern und mich glück­lich machen. Ich finde die Sicht­barkeit meines Aktivismus sehr stärkend, und nicht anstrengend. Ich denke, dass Menschen sich zu unter­schiedlichen Formen von Wider­stand hin­gezogen fühlen und daraus etwas ziehen können oder eben nicht.

Meine Persönlichkeit passt genau zu dem Aktivismus, den ich tue. Ich rede gerne, bin meinungs­stark und ich liebe Aufmerk­samkeit. Ich fühle mich von Sicht­barkeit regel­recht angezogen und finde das empowernd, gar nicht stressig. Für eine, die früher komplett un­sichtbar sein wollte, weil ich fett bin, ist es für mich heute heilsam, so viel Aufmerk­samkeit zu bekommen. Ich weiß aber, dass die Sicht­barkeit, die mich stärkt, für andere, die ebenfalls von Mehr­fach­diskriminierung betroffen sind, kräfte­zehrend oder gar schädlich sein kann. Und ich weiß ebenso, dass die Fat Bewegung darunter leidet, weil diese Stimmen abwesend sind.

Für gestresste Aktivist_innen habe ich aber ein paar Tipps!  (mehr …)


Facebook | |


Mein Fett ist politisch

20. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 27 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körperbilder. Sie hat einen Bachelor in Politikwissenschaften und einen Master in Human Sexuality mit Fokus auf Gender, Race und Körper. Sie ist Herausgeberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Über E-Mail sprachen wir in diesem ersten Teil des Interviews über ihr aktuelles Buch und den politischen Backlash gegen Fat Positivity. Das ungekürzte englische Originalinterview findet ihr unten. Ihr findet Virgie auf Facebook und Twitter.

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung vom San Francisco Chronicle

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung vom San Francisco Chronicle

Letztes Jahr kam dein aktuelles Buch “Hot & Heavy. Fierce Fat Girls on Life, Love & Fashion” raus, eine Sammlung von 31 Essays von fabelhaften Frauen, die sich als dick_fett identifizieren. Wie bist du auf die drei Aspekte “Leben, Liebe und Mode” gekommen?

Diese drei Aspekte repräsentieren definitiv ziemlich wichtige Themen innerhalb fat positiver Communities und spiegelten auch die Einsendungen wider, die ich für mein Buch bekam.

“Leben” ist der erste Aspekt, weil fat shaming und Dickenfeindlichkeit dazu beitragen, uns unser Recht auf Leben abzusprechen – und wir fordern dieses Recht zurück.

“Liebe” ist meiner Meinung nach der Kern des Radikalen: Selbstliebe und die Liebe, die wir in unserer Community kreieren, lässt uns leben und kämpfen. Ich interpretiere Liebe sehr weit. Das zeigt sich auch im Buch, in dem Erzählungen von platonischer wie auch romantischer und sexueller Liebe ihren Platz finden. Mir kommt es so vor, als würden die Texte über dicke_fette Frauen, die Sex haben, von einigen als sehr empowernd und sexy und von anderen als eher unangenehm eingeordnet werden. Es war sehr wichtig für mich, Erzählungen zu dicker_fetter Sexualität in diesem Buch zu haben. Mein fetter Körper und die Liebe zu meinem Körper wurden in vielerlei Hinsicht von meinen Erfahrungen während des Sex beeinflusst, und ich denke, dass Sexualität ein sehr mächtiges, aber oftmals totgeschwiegenes Thema ist.

Seal Press, 2012

“Mode” ist so etwas wie der Eintrittspunkt, das Schlachtfeld, und das Mittel zum Radikalen für so viele dicke_fette Menschen. Bevor ich überhaupt anfing, das Buch zu bearbeiten, habe ich zu dicken_fetten Frauen in der Universität geforscht. Diese haben sehr oft über Mode gesprochen und wie mittels Kleidung ihr Gender, ihre Identität performt wird. Ich liebe z.B. Kirsty Fives Worte in ihrem Kapital: “… für dich ist es vielleicht nur ein Outfit, aber für mich ist es eine Performance, ein Spiel, Fürsorge, Unterstützung, Widerstand, Überleben und ein Kampf.” Genau das ist es, was Mode für viele dicke_fette Menschen ist. Mode ist eine feierliche und wie ich sagen würde affektierte Art und Weise aktivistisch tätig zu sein. Ich denke, dass fat fashion (“plus size” Mode) einer der interessantesten Dinge sind, die gerade passieren. Ich sehe die Wurzeln von fat fashion in queeren Communities, in femme Communities (und da beziehe ich auch queens mit ein), und in Communities of Color.

Ich bekomme ab und zu die Rückmeldung, dass der Titel meines Buches zu lang ist, aber ich mag das: es ist zu lang, es ist zu viel! Genau so wie die Frauen in diesem Buch, genauso wie die fat positive Bewegung selbst.

Mein Fett ist politisch, weil es Leute so richtig sauer macht, wenn ich es zeige. Mein Fett ist politisch, weil ich es behalte. Mein Fett ist politisch, weil es verdammt sexy ist. Mein Fett ist meine Flagge, mein Anspruch auf Ruhm, meine “Kriegsnarbe”, mein geheimes Fat Girl Club-Abzeichen. (Virgie Tovar: Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion, S. 7. 2012.)

In den USA hat die fat positive-Bewegung und auch die akademische Beschäftigung mit Diskriminierung auf Grund von Körpergewicht eine längere Geschichte – zumindest verglichen mit Deutschland. Glaubst du, dass es heute eine andere Qualität innerhalb fat acceptance-Diskursen in den USA gibt verglichen mit der Zeit, in der du anfingst, dich mit solchen Themen zu beschäftigen? Oder würdest du eher sagen, dass der Backlash gegen Fat Positivity fruchtbare Diskussionen eher verhindern (Beispiele sind der aktuelle Abercrombie & Fitch-Fall oder der auf vielen falschen Informationen beruhende Diskurs zur so genannten “Fettsuchtsepidemie“)?

Ich habe erst ca. 2010 in meinem zweiten Jahr im Masterstudium ernsthaft angefangen mich mit diesen Themen zu beschäftigen. Das war das Jahr, in dem ich dann anfing mich als fat-Aktivistin zu bezeichnen. Ich kann also nur über diesen Zeitraum etwas sagen. Auffällig war, dass mein erster noch als einzelne Autorin konzipierter Buchvorschlag mit dem Titel „Fette auf der Welt vereinigt euch“ damals abgelehnt wurde, weil es seiner Zeit voraus war. Nur zwei Jahre später schlug ich „Hot & Heavy“ als Anthologie vor und mein_e Lektor_in meinte, dass es nun definitiv an der Zeit sei für dieses Buch. Diese Diskurse haben also in einer recht kurzen Zeit an Sichtbarkeit gewonnen.

Seitdem ich anfing im Feld Fat Studies/Poltiken zu recherchieren und mich politisch zu beteiligen habe ich das Gefühl, dass die Debatten viel reichhaltiger geworden sind. Dabei spielen queere, radikale, multi-racial und feministische Fat Communities eine Vorreiter_innenrolle für die Komplexität der Diskussionen (logisch, nicht?).

Meiner Meinung nach trägt ein Backlash gegen fat positivity trotzdem auch zum Wachsen und zur Sichtbarkeit von fat positiven Communities und Diskursen bei. Das hat natürlich seinen Preis. Der Backlash stellt eine enorme emotionale Belastung für die Bewegung und die Menschen dar. Eine der größten Risiken von Backlash-inspiriertem Wachstum ist, dass Menschen auf der Strecke bleiben, für die der Kampf, der Stress und die Sichtbarkeit viel zu viel werden (meist diejenigen mit weniger/keinen Klassen- und race-Privilegien).

… Teil 2 des Interviews mit vielen Tipps für gestresste Aktivist_innen kommt nächste Woche. (mehr …)


Facebook | |



Anzeige