Einträge mit dem Tag ‘Bücher’


Bionade, feministische “Humorlosigkeit” und die nächste Löschdebatte bei Wikipedia – kurz verlinkt

15. Mai 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 190 von 191 der Serie Kurz notiert

Wir berichteten letzte Woche über den trans*feindlichen Werbespot von Bionade. Durch eure vielen Beschwerden reagierte Bionade mit einem Statement (Facebook-Link), welches weder eine Auseinandersetzung mit den Kritiken, noch eine Entschuldigung beinhaltet (sondern sogar behauptet, bei Bionade gäbe es gar keine Diskriminierung!). Falls ihr noch die Kraft habt, lasst Bionade weiterhin wissen, dass Diskriminierung kein Verkaufsschlager sein darf. Für die Zukunft kann folgendes gelten: Das schöne an (trans*feindlicher) Bionade – mensch kann sie auch weglassen!

In dem Band “Aufstand aus der Küche” von Silvia Federici wird neben zwei neuen Beiträgen auch die bereits 1974 verfasste feministisch-marxistische Ökonomiekritik „Counter-Planning from the Kitchen“ erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.

Die US-amerikanische Satirezeitschrift The Onion ist mal wieder vorn mit dabei, was sexistische Gewalt angeht. (englisch)

The New Yorker berichtet über einen Fall in Cleveland, nach dem drei Frauen, die ein Jahrzehnt als vermisst galten und zum Teil bereits für tot erklärt wurden, aus dem Haus, in dem sie festgehalten worden waren, befreit werden konnten. Ein Mann hatte eine der Frauen dabei beobachtet, wie sie vergeblich versuchte, die Tür von innen aufzubrechen. Er ordnete das Gesehene sofort als häusliche Gewalt ein und half ihr die Tür zu zerstören. (englisch)

Bei Shakesville erklärt Melissa McEwan noch einmal, was es mit feministischer “Humorlosigkeit” bezüglich *istischer “Comedy” auf sich hat (englisch).

CosmoTV berichtet über einen Dokumentarfilm von Mirza Odabaşi zum rassistischen Brandanschlag auf ein Solinger Wohnhaus vor 20 Jahren, bei dem fünf Menschen getötet worden sind. Der Film wird Ende Mai in Solingen uraufgeführt.

DieStandard.at würdigt die kürzlich verstorbene Frauenrechtlerin Hannelore Mabry.

The feminist wire analysiert die Karrieren und Selbst_Repräsentationen von Beyoncé und Lauryn Hill und entdeckt trotz der Unterschiede nicht wenige Gemeinsamkeiten. (englisch)

Ms.Magazine veröffentlicht einen Nachruf auf Brustkrebsaktivistin Barbara Brenner (englisch)

Angelina Jolie hat sich angesichts ihres genetisch stark erhöhten Brustkrebsrisikos für eine präventive Mastektomie entschieden. In der NY Times berichtet sie darüber – politisch brisante Punkte wie die Debatte um körperliche Selbstbestimmung, Gesundheitsrisiken, Gesundheitsindustrie und damit in Verbindung stehende finanzielle Faktoren werden zwar lediglich angerissen, dennoch ist das Öffentlichmachen dieser Entscheidung per se bereits als politischer Akt zu werten. (englisch)

der verein xart splitta gestaltet raum_rahmen für trans_x_ende, trans_xend empowernde kreative anwesende konkrete visionäre künstlxsche aktionen_ideen_politiken. aktuell gibt es zwei aufrufe für spoken word, kurzfilme, performances, tanz, musikstücke,… für einen performanceabend sowie fotos, gemaltes, collagen, gezeichnetes, geschriebenes … für ein printprojekt.

La Voix du Yemen interviewt Alaa Al-Eryani, die kürzlich die Initiative The Yemeni Feminist Movement startete.

with WINGS and ROOTS, ein Dokumentarfilmprojekt, das die Geschichten und Visionen fünf junger Menschen in Berlin und in New York erzählt, braucht eure Unterstützung!

Rassistischer Polizei-Alltag in Deutschland: Weil eine Frau, die auf offener Straße zusammengebrochen war, sich nicht ausweisen konnte und kein für die Beamten verständliches Deutsch sprach, wurde sie in Gewahrsam genommen, anstatt notärztliche Versorgung einzuleiten. Erst als ihr Mann sie als vermisst meldete und wenig später schließlich vor Ort war, reagierte die Polizei.

Der aktuelle Löschantrag für den Begriff “Femizid” heizt die Debatte über die Macht der Maskulisten auf der Wissensplattform an, schreibt dieStandard.at.

Termine in Berlin, Bochum, Göttingen, Braunschweig und deutschlandweit anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie gibt es nach dem Klick!

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Lesestoff zum revolutionären 1. Mai

1. Mai 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 188 von 191 der Serie Kurz notiert

Kübra Gümüşay spricht in einem Interview mit dieStandard über Femen und muslimische Feminist_innen.

dieStandard berichtet auch darüber, dass es nun in Wien mehr Beratungsstellen für arbeitslose Frauen geben soll.

Bei Black Girl Dangerous schreibt Mia McKenzie anlässlich des Anschlags in Boston zur Konstruktion von “unschuldigen Kindern” und welche Kinder dort mitgedacht werden und welche gerade nicht. [Englisch]

Die nigeranische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hat ein neues Buch (“Americanah”) herausgebracht. Beim Independent spricht sie über race, Afrikabilder in den USA und Europa, Darstellungen von WoC und die Verfilmung ihres zweiten Buches. [Englisch]

In Berlin gibt es die Kita “Kwetu”, die vor allem von Schwarzen Kindern besucht wird und wo ein Augenmerk darauf gelegt wird, dass sich alle Kinder auch bei Spielzeug und in Büchern wiederfinden. Migazin war zu Besuch und hat sich mit Eltern u.a. über alltäglichen Rassismus unterhalten.

Ebenfalls beim Migazin schreibt Gabriele Boos-Niazy unter dem wunderbaren Titel “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte die betroffenen Frauen und Mädchen.” zum Thema Kopftuchverbot.

Letzte Woche wiesen wir bereits auf das deutsche Äquivalent hin, hier aber auch noch die englische Variante: 100 Percent Men. [Englisch]

Das Blog des Zentrums für transdisziplinäre Genderstudien veröffentlicht einen Offenen Brief, der sich aus fem-me-inistischer Perspektive mit der Trans*Tagung Berlin 2012 auseinandersetzt.

Bei konkret geht es um Klassendiskriminierung unter Linken.

White Male Bingo: fasst die letzten Debatten zu Rassismus und Sexismus nochmal schön zusammen. [Englisch]

Claire Horst  hat bei der Jungle World schon vor zwei Wochen zur BarbieDreamHouse-Debatte geschrieben und stellt die größere Frage: “Wie politisch ist Spielzeug?“.

“I’m a 34-year-old NBA center. I’m black. And I’m gay.”, schrieb Jason Collins. Der New Yorker schreibt darüber und kontextualisiert.[Englisch]

Pussy Riot Aktivistin Tolokonnikova stand wieder vor Gericht. Es ging um ihre beantragte Haftauslassung. Dieser wurde – nicht überraschend – nicht zugestimmt. Sie durfte nicht einmal ihr Schlussstatement vortragen. Bei The Russian Reader wurde aber eine Übersetzung veröffentlicht. [Englisch]

In Kiel fand das Transgender Film Festival statt. Auf der Webseite könnt ihr nun auch sehen, an wen Preise vergeben wurden.

Eine neue an.schläge-Ausgabe ist erschienen. Titelthema ist dieses mal “Psychatrie &Geschlecht“. Wie immer gibt es auch eine ganze Reihe von Texten online zu lesen.

Ihr wollt Bücher bestellen? Seit März gibt es nun eine “Internetbuchhandlung für feministische & emanzipatorische Bücher und Medien“, nämlich fembooks.

Die Lesbenberatung in Berlin hat nun eine Facebook-Seite.

Nach dem Klick Termine in Bonn, Marburg, München und Wien:

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‘Wir sind die Früchte des Zorns’ – eine weibliche Genealogie

24. April 2013 von Lisa
Dieser Text ist Teil 70 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

“Als Odysseus die Unterwelt aufsucht, zählen für ihn nur die Helden. Über die Töchter und Mütter der heroischen Helden weiß er nicht viel. Leerstellen hinter der bloßen Nennung ihrer Namen. Mehr ist nicht bekannt. Die Frauen sind Trägerkörper, Wirtsmenschen, Geburts- und Stillgeräte, die ausleiern, schadhaft sind und entsorgt werden. Ich schlüpfe in Odysseus’ Haut, um ihre Geschichten zu entdecken. Sonst kann ich nichts ausrichten gegen das Verschwinden und die Angst davor. Ich fülle blinde Flecken.” (S. 61)

Sabine Scholl: Wir sind die Früchte des Zorns (Foto: Fuckermothers)

“Ich lasse meiner Zunge freien Lauf. Ich stehe die Worte der anderen, um zu überleben. Ich nähe sie zusammen, stopfe die Lücken. (…) Aber die Schrift ist der Tod. Und Kinder sind das Gegenteil. Und deshalb bin ich froh. Für die Kinder habe ich leben gelernt. Fingern und fädeln. Wort ist Faden und Faden macht Welt.” (S. 182)

Sabine Scholl hat ein neues Buch geschrieben. ‘Wir sind die Früchte des Zorns’ heißt es. Das Buch handelt von vier Frauengenerationen: der Schwiegermutter, den zwei Großmüttern, der Mutter und der Tochter der Ich-Erzählerin (die große Nähe zur Autorin selbst aufweist). Wie einen Flickenteppich näht sie dabei kurze Szenen aus den jeweiligen Leben aneinander. Von der Vergangenheit in die Gegenwart geht es, vom Aufwachsen als Bauernmagdt in Österreich über das Wohnen im Glanz des herrschaftlichen Versailles, das problemreiche Stillen der ersten Tochter, bis zum nächtlichen Schwimmen in französischen Pools. Das Buch handelt vom Sammeln von Waldfrüchten gegen den Hunger, dem Leben in einem Haus, das nah an für Tiere und Kinder tödlichen Bahngleisen liegt, über Kindergeburtstage in Chicago, nächtliche Einbrüche und den silber lackierten Fingernägeln der ‘Germanys next Topmodel’-schauenden Tochter.

Zwei Dinge habe ich mich beim Lesen gefragt; zum einen, warum der Titel sich so prominent auf ein anderes Werk bezieht, nämlich auf John Steinbecks ‘Die Früchte des Zorns‘, das ich nie gelesen habe. Eine klare Antwort fand ich nicht. An einer Stelle liest die Protagonistin als junges Mädchen dieses neben vielen anderen Büchern. Wie Steinbecks Roman handelt es sich um eine Familiengeschichte und es kann wohl ebenfalls als Parabel verstanden werden – in diesem Fall als Parabel auf das Mutter-Sein in westlichen Gesellschaften, auf Lebensmöglichkeiten und auf weibliche Kreativität. Sabine Scholl setzt sich dabei klar mit feministische Positionen auseinander. Eine ‘Parabel’ allerdings hört sich nach trockenen Lehrstück an und wird dieser fesselndem, in kurzer, kraftvoller Sprache geschriebenen Geschichte nicht ganz gerecht.

Zum anderen habe ich mich gefragt, ob eine Geschichte aus rein weiblicher Perspektive, die so sehr sich mit Familienverbindungen und Mutterschaft befasst, nicht Gefahr läuft, eine spezifische ‘Wesenhaftigkeit der Frau’ zu bestimmen. Und ob die Gleichsetzung von Kindern mit Leben nicht schnell konventionelle Positionen bestätigt. Das Buch tappt jedoch nicht in diese Falle. Es entwirft keinem Familienstammbaum mit festen Ursprüngen und klaren Identitäten, sondern eine lose Genealogie der Überschneidungen, Vermischungen und Wiederhohlungen. Statt einen zeitübergreifenden ‘Geschlechtscharakter’ zu formulieren beschäftigt es sich mit verschiedenen weiblichen Lebensrealitäten. Es schreibt seine Protagonistinnen nicht fest, sondern lässt ihnen ihre Ambivalenz. Und stellt mehr Fragen als es beantwortet.

(Dieser Text erschien bereits auf Fuckermothers)

Scholl, S. (2013). Wir sind die Früchte des Zorns. Zürich: Secession.


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Unterstützung zum anrufen, Sexismus zum anziehen – die Blogschau

9. März 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 193 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Mehr Monoagapanie und die Möglichkeit diese zu genießen!  Moment: Monowas?  Don’t degrade Debs, Darling! erklärt, was es damit auf sich hat und welcher Zusammenhang zur allgegenwärtigen Paarnormativität besteht: “Ich habe Liebeskummer, weil die Liebe wie sie in unserer Gesellschaft verlangt und erwartet wird, in mir diesen Kummer verursacht!”

Zwei algerische Feministinnen im Dialog über Solidarität, Bündnismöglichkeiten, weiße Dominanzen und Aneignungen: Global sisterhood – work in progress.

Selbstfürsorge: Kniffs & Tricks & Tipps – Melanie schreibt bei den femgeeks über feministisches Burnout und aktivistische Erschöpfung.

A propos: Eine praktische Idee, wie sich Menschen in Online-Debatten gegenseitig unterstützen und Kräfte gespart werden könnten, baldowert derzeit Dr. Indie aus. Wer macht mit?

In einer Pressemitteilung anlässlich des gestrigen Internationalen Frauen(kampf)tags ergeht vom Netzwerk female:pressure ein dringender Appell: Mehr Raum für Frauen in elektronischer Musik und digitaler Kunst! Die Initiative:  “Nach der kürzlich entbrannten Sexismusdebatte ruft female:pressure zur gründlichen Revision weiblicher Beteiligung in elektronischer Musik und digitaler Kunst auf. Dazu wollen wir mit einer Analyse unserer Arbeitsbedingungen beitragen.”

Dr. Daniele Daude hat für kritisch-lesen.de eine Rezension zu bell hooks’  Standardwerk Black Looks verfasst.

OTTO? Find ich nicht gut. Mit einem sexistischen Kinder(!)-T-Shirt begibt sich der bekannte Versand gepflegt ins Stereotypen-Aus.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Gegen den Backlash – kurz verlinkt

24. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft

Was verleitet Menschen dazu, Verfasserinnen von Social-Media-Beiträgen zu beleidigen? Wie gehen die betreffenden Frauen damit um und welche Maßnahmen für einen besseren Kommunikationsstil im Netz werden als sinnvoll erachtet? diestandard weiß mehr.

Ein Antrag einer der beiden inhaftierten Frauen der Punkband Pussy Riot auf Haftaufschub ist am Mittwoch von einem russischen Gericht abgelehnt worden.

Pola Kinski hat ihr Buch bei Talkmaster Reinhold Beckmann vorgestellt. Der Spiegel berichtet. Malestreammedialer Raum für Überlebende sexualisierter Gewalt ist selten – daher (mit entsprechender Contentwarnung) hier verlinkt.

Rosa Parks wird die erste afro-amerikanische Frau sein, die mit einer Statue im US-amerikanischen Kapitol vertreten ist (Text auf Englisch).

Teilnehmerinnen gesucht:Im Rahmen des aktuellen AVIVA-Projektes Lokale Geschichte(n) können jüdische und muslimische Frauen, insbesondere aus Berlin-Kreuzberg,  die Biographien jüdischer bzw. muslimischer Frauen (optimalerweise gegenseitig) aus dem Bezirk recherchieren und ihre eigene Reportage zu “ihrer” Frau verfassen.

DIE LINKE lobt anlässlich des Internationalen Frauentages 2013 zum dritten Mal den Clara-Zetkin-Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Die Mädchenmannschaft war letztes Jahr nominiert, gewonnen hatte das ebenfalls sehr tolle Projekt STAY.

Im Tagesspiegel schreibt Simone Dede Ayivi gegen den rassistischen Backlash in den Feuilletons an.

A propos Bücher: 21 Autorinnen, die mensch kennen sollte (hauptsächlich englischsprachig), stellt afriPOP vor (Text auf Englsich).

Typen, die sich selbst als “good guy” (einer von den Guten) bezeichnen, können s.e. smith gestohlen bleiben – bei xojane erklärt sie, warum (Text auf Englisch).

An Berliner Schulen ist Homophobie stark verbreitet, so eine aktuelle Studie.

Über den “empathy gender gap”, also das unterschiedlich ausgeprägte gegenseitige Einfühlunsgvermögen von männlich und weiblich sozialisierten Menschen, schreibt Maya Dusenbery bei Feministing. Und was das Problem dabei ist (Text auf Englisch).

Hip Hop ist eine reine Männerwelt und Frauen, die rappen, kann man an einer Hand abzählen? World Hip Hop Women: From The Sound Up beweist das Gegenteil, und stellt ein Mixtape kostenlos zum Download zur Verfügung.

Termine:

Am 25.1. in Düsseldorf: Becoming Queer Party im Rahmen des Togetherfests (hier das Facebook-Event)

Am 6.2. in Essen: Fortbildung Bitches, Quings und Mackertum: Geschlechterbilder vs. Gleichberechtigung im Hip Hop (hier das Facebook-Event)

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Keine Rezension, sondern eine Liebeserklärung: Beth Ditto’s Autobiographie

24. Januar 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 69 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Dies ist keine Rezension, sondern eine Liebeserklärung. Kann Spuren von grenzen­loser Bewunderung ent­halten.

Beth Ditto AutobiographieBeth Ditto hat gemeinsam mit  Michelle Tea ihr Leben auf­ge­schrieben. Als Gossip und Beth Ditto Fan-Grrrl habe ich selbst­ver­ständlich jede Zeile dieses Buches in mein Herz tätowiert und plädiere stark dafür, dieses Werk zur Pflicht­lektüre für alle Acht­klässler_innen zu machen.

Leichte locker-flockige Lektüre ist es allerdings nicht. Beth Ditto nimmt uns mit auf ihre teils schmerz­hafte Reise in die Vergangen­heit. Wir befinden uns in den Südstaaten, dem so genannten „Bibelgürtel“ der USA: irgendein christlich-konservatives Kaff im Bundes­staat Arkansas, mitten im gefühlten und real­existierenden Nirgendwo. 1970? 1980? Egal. Die Unter­schiede merkt mensch nicht, laut Ditto.

Auf ziemlich bedrückende Weise schildert Ditto ihr Leben als junges Mädchen und Teenager in einer Gesell­schaft, in der Gewalt weg­geschwiegen und jede Abweichung von der Norm aufs Brutalste geahndet wird. 1981 wurde Ditto in diese Welt hinein­geboren. Armut, körperliche und sexualisierte Gewalt, Sexismen und Homo­feind­lichkeit gehören zu Dittos Alltag. Die klaren Worte, mit denen diese Grausam­keiten beschrieben werden, sind einge­bettet in knall­harte Analysen: Ditto individualisiert nicht, sondern benennt klar Diskriminierung und gesell­schaftliche Strukturen.

Als sie sich mit dem späteren Gossip-Gitarristen Nathan und der ersten Gossip-Schlagzeugerin Kathy in der High School an­freundet, entdeckt sie die Liebe zu Riot Grrrl, Musik, Fat Acceptance Zines, Haare färben und Feminismus. Als es nach der High School nach Olympia (Washington) geht, ist das wie eine andere Welt. Dort kämpfen sich die Musiker_innen von einem zum nächsten schlecht bezahlten Job, machen Musik, klauen sich ihr Essen zusammen, spielen oder gehen auf Konzerte. Ditto kämpft mit einer seltenen Krank­heit, entdeckt die femme in sich, erste längere Beziehungen. Irgend­wann wird die erste Platte auf­genommen, die alte Schlag­zeugerin geht, Hannah Blilie steigt ein. Es geht auf Tour mit Sleater Kinney, später Le Tigre. Beim Lesen komme ich öfter durch­einander, weil das Buch nicht chronologisch erzählt. Für mich, die alles wissen will und jede Info aufsaugt, wird das zur echten Konzentrations­arbeit.

Ab 2006 wird es dann weird, also komisch, wie Ditto sagt. Standing in the Way of Control wird zum Hit in Großbritannien, Gossip startet durch und steigt in diverse Charts in Europa ein. Hier endet das Buch dann langsam, nicht ohne noch mal Bezug auf feministischen Aktivismus zu nehmen: Ditto erzählt von den Girls Rock Camps und wie sehr ihr Empowerment von Mädchen und jungen Frauen am Herzen liegt.

Die ersten Entzugs­erscheinungen zeigen sich: es soll schon zu Ende sein? Ich hätte mir sehr ge­wünscht, mehr zu er­fahren. Wie geht die Band mit ihrem Erfolg um? Wieso arbeitet Ditto mit einem wie Karl Lagerfeld zusammen? Wie schreibt die Band Songs? Erfahren tun wir’s nicht, aber ich bin trotz­dem selig. Auf einer Skala von eins bis zehn vergebe ich elf Punkte.

Das Buch ist auf Deutsch, Englisch und Französisch erschienen. Ich las die englische Original­fassung. Die deutsch­sprachige Version hat mehrere Seiten Bilder, die die englisch­sprachige nicht hat. Ich empfehle aller­dings allen, die gut Englisch lesen können, das Original zu lesen. Wer linke Projekte unterstützen möchte, bestellt das Buch einfach über links-lesen.de.


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Lesetipp: Kinder reden über Sex – vielleicht sogar mit Erwachsenen

21. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 68 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Bücher zum Thema Sexualität, die sich an Kinder richten, gibt es inzwischen einige.  Ein Buch wie DAS machen?, das vierte gemeinsame Bilderbuch von Christine Aebi (Illustrationen) und Lilly Axster (Text), ist mir bisher allerdings noch nicht begegnet. Das liegt vor allem hieran: Das Buch erzählt über von Kindern gesetzte Themen und stellt in erster Linie Fragen – und zwar Fragen, die real existierende Kinder zu verschiedenen Aspekten von Sexualität tatsächlich hatten – anstatt Fragen zu beantworten, von denen erwachsene Büchermacher_innen glauben, dass Kinder sie spannend finden oder weil man meint, dass Kinder diese oder jene Auskunft benötigen:

“[Die meisten Bücher zum Thema] stellen nach unserem Wissen ausnahmslos den Informationsaspekt ins Zentrum. Das bedeutet immer auch einen Gestus des Erklärens und Vermittelns von erwachsenen ExpertInnen an mehr oder weniger unwissende kindliche LeserInnen. Wir sprechen die Kinder als ExpertInnen in Sachen kindliche Sexualität an”

Im Interview mit diestandard sagt Autorin Lilly Axster, die auch als Mitarbeiterin der Wiener Beratungsstelle “Selbstlaut” gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche tätig ist:

“Fast alle Aufklärungsbücher gehen von zwei Themen aus: erstens Geschlechtsverkehr und Kinderkriegen – das ist natürlich auch sehr interessant, aber trotzdem weit weg von der eigenen kindlichen Sexualität. Und zweitens wollen sie den Kindern sagen, wie aus ihrer Sicht Sexualität für die Kinder später, wenn sie erwachsen sind, sein wird. Es gibt wenige Bücher, die sich damit auseinandersetzen, was Kinder in ihrer Sexualität tatsächlich beschäftigt: Von Neugierde, Intimität, Schamgrenzen, Geschlechterrollen und Sich-Selbst-Berühren bis hin zur Frage, welche Kleidung und Frisur ich trage.”

Zum Aspekt des Ernst nehmens gehört auch, dass Sexualität hier nicht pseudo-locker mit anbiederndem Hey-wir-können-doch-ganz-easy-über-alles-reden!-Gestus “verkauft” wird. (weiterlesen …)


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Feste, Filme, Fails und Forschung – kurz notiert

6. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 176 von 191 der Serie Kurz notiert

Das Missy Magazine hat letztens ein fulminantes Fest gefeiert. Die Musik dazu kam von Jolly Goods und Peaches. Hier ein paar Impressionen.

Ebenfalls zum Gucken und Hören: Im Film Familie trans*formieren erzählen mehrere Trans*leute davon, wie sie Elternschaft (er)leben.

Viel zu lesen haben wir mal wieder in der österreichischen diestandard gefunden:

So betrachtet sie den medialen Umgang mit den Musikstars Rihanna und Chris Brown und sieht Rihanna in der Kritik wegen ihrer Weigerung, das “perfekte Opfer” zu geben  (Hinweis: Beschreibung körperlicher Gewalt).

Welche_r noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, wird von diestandard  mit  Buchtipps versorgt.

Einer Studie nach sind in Deutschland Frauen vom Pflegerisiko und der damit zusammenhängenden Altersarmut deutlich stärker betroffen als Männer.

“Die Kriminalisierung von Aufenthaltsehen ist für die Fremdenpolizei ein mächtiges Mittel, um binationale Ehen und deren Lebensumfeld zu kontrollieren”, sagt die Politkwissenschaftlerin Irene Messinger.

Die Einführung der “anonymen Entbindung” in Österreich war offenbar eine sinnvolle Maßnahme: Kindestötungen in Österreich nach der Geburt im letzten Jahrzehnt um die Hälfte gesunken, Babyklappen werden viel seltener in Anspruch genommen.

Mehr aus Österreich: Mitte Oktober wurde im brut Wien das Stück „Assassinate Assange“ aufgeführt, das Julian Assange als Opfer einer Verschwörung darstellt. Agate S. kommt in der Malmoe zu einem klaren Urteil:  “Die Aufregung um Angela Richters Assange-Stück förderte abermals die üblichen Abwehrmechanismen und Verharmlosungsstrategien [bezüglich sexualisierter Gewalt] zu Tage und soll hier als Beispiel für die Widerwärtigkeit des gesamtgesellschaftlichen Verharmlosungsdiskurses dienen.”

Spektakuläre Aktion *gegen* rape culture: Facebook-User_innen kaperten die Social Media-Auftritte der bekannten  Unterwäschefirma Victoria’s Secret, um für das Konsenskonzept zu werben und damit Vergewaltigungen entgegen zu treten.  Quintessenz der Aktion:  “While we can’t expect a message that is empowering for women to come from a brand like Victoria’s Secret, we can make it come from their hashtag. This campaign has only begun.”

Jutta Hartmann erklärt am Beispiel Schule, wie Heteronormativität wirkt_hergestellt wird.

Stellenausschreibung: Das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) sucht eine Systemadminstratorin!

Termine:

Am kommenden Samstag in Berlin: Lookism & fat Empowerment Tagesworkshop (flt* only). Los geht es um 12 Uhr im Projektraum H48,  Hermannstr.48 Berlin Neukölln, 2.Hinterhof 2.Stock (barrierefrei). Anmelden könnt ihr euch unter sabberglibberflutsch@googlemail.com. Hier der Link zum Facebook-Event.

Damit es nicht still wird um die inhaftierten russischen Aktivistinnen: Am 12.12. soll eine weltweite Lesung für Pussy Riot stattfinden.

Buchpremiere von “Frauenkörper neu gesehen” am 14.12. um 19.30 Uhr in der Urania, Berlin: Laura Méritt und Autorinnen reden und diskutieren über Weiblichkeit, Geschlechtervielfalt, Körpernormierungen und mehr.


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Mach’s Selbst – Do it Yourself für Mädchen

7. September 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 65 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Beim Lesen des Buches habe ich eine Menge Beiß­reflexe ent­wickelt: Als ich es bestellte, dachte ich mir, dass das ja ein tolles Buch zum Weiter­ver­schenken sei. Nun muss ich leider sagen: Nee, das gebe ich nicht mehr her!

Das gerade bei Beltz erschienene Buch „Mach’s Selbst – Do it Yourself für Mädchen“ der Missy Magazine-Macherinnen Sonja Eismann und Chris Köver gibt nicht nur die Grund­lagen für’s Selber­machen zur Hand, sondern be­sticht auch durch die liebe­volle Ge­staltung der Grafikerin Daniela Burger.

Die neun Kategorien „Musik Machen“, „Senden und Schreiben“, „Crafting“, „Protestieren und Organisieren”, „Ver­­kabeln und Sichern“,  „Kochen”, „Reparieren und Bauen“, „Pflanzen“ und „Reagieren und Analysieren“ be­handeln die ganze Band­breite des Selber­machens. Ob mit grünem Daumen aus­ge­stattet, technisch interessiert oder politische en­gagiert, in diesem Buch ist für fast jede etwas dabei: Hier lernst du, wie du ein WLAN sicher machst, eine Milch­karton-Vase bastelt, im Alltag gegen Rassismus kämpfst oder Ohrringe aus Computer­teilen baust. Dahinter steckt die einfache Idee, durch das Selber­machen ein Stückchen Autonomie zu be­wahren.

In ihrer Rezension fasst Anna von different needs diese Idee sehr schön zusammen:

Die DIY-Kultur wird hier wieder in einen politischen Zusammen­hang gerückt, der bei bloßen Etsy- und DaWanda-Einkäufen wohl eher außen vor bleibt, wenn auch da oft mit einem DIY-Begriff hantiert wird. Chris Köver und Sonja Eismann ver­suchen, gemeinsam mit Daniela Burger und all den Beiträger_innen, ein Bewusst­sein für gestalterische und letzt­lich eben auch politische Autonomie zu schaffen. All das nie mit dem berühmten er­hobenen Zeige­finger, sondern ermutigend und kooperativ.

Auch wenn der Titel es suggeriert: Für dieses Buch gibt es weder eine Altersbeschränkung noch eine Eingrenzung hinsichtlich des Genders. Strengstens empfohlen zum Selberschmökern und Verschenken.


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Begegnungen auf der Trans*fläche

17. Juli 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 63 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Ich muss ja gestehen, dass mich nicht nur der kreative Titel „Begegnungen auf der Trans*fläche” ansprach, sondern auch das tolle Coverbild des aktuell im edition assemblage-Verlag erschienenen Buches: Eine Glitzerkugel!

In einem kurzen kurzen Vorwort des Herausgeber_innen-Kollektivs Titelbild des Buches: Begegnungen auf der Trans*flächekollektiv sternchen & steine, welches aus Trans*­Leuten und Freund­_innen aus autonomen, anarchistischen und_oder queer-feministischen Zusammenhängen besteht, heißt es, dass die „Begegnungen in unserem Trans*Alltag oft echt absurd [sind]. Reale Begebenheiten bilden daher die Grundlage zu den Kurzgeschichten in diesem Buch.“

Echt absurd ist eine treffende Beschreibung für die „76 queere[n] Momente des transnormalen All­tags“, über die die Autor­_innen berichten. In kurzen Essays, Anekdoten oder Comics berichten sie, wie es ist als Trans*person in einer hetero­nor­ma­tiven Gesellschaft zu leben, die als Geschlechter nur „Mann“ und „Frau“ kennt und wenig Platz und Phantasie hat für geschlechtliche Uneindeutigen und Ambivalenzen. Oder was es bedeutet, immer wieder pathologisiert und in komische Schubladen gesteckt zu werden – von Ärzt_innen, Bekannten und auch von der eigenen Familie.

Für mich als cis-Frau boten viele der Geschichten die Möglichkeit, eigene Selbst­ver­ständl­ich­keiten zu hinterfragen. (“Cis“ bedeutet, dass mein mir bei der Geburt zugeschriebenes Geschlecht mit meinem sozialen Geschlecht übereinstimmt. Ich fühle mich als Frau und werde auch von anderen als Frau erkannt).

Beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich mir um viele Dinge im Alltag keine Ge­danken machen muss: Ich werde nie gefragt, ob ich denn nun eine „Sie“ oder ein „Er“ bin (als gäbe es nur diese beiden Kategorien). In der Dusche im Schwimm­bad bin ich zwar auch ungern, aber immerhin werde ich nicht von anderen angestarrt oder belästigt, weil Leute denken, dass ich z.B. in der falschen Umkleidekabine bin.

Insgesamt war dieses Buch für mich eine echte Bereicherung, weil das ver­meint­lich „Normale“ konsequent hinterfragt wird und es mir die Gelegenheit bot, selbst­kritisch auf mein eigenes Verhalten zu gucken: Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich das falsche Pro­nomen für eine Person verwendet habe? Wie oft habe ich Menschen schon vorschnell in die Schubladen „männlich“ und „weiblich“ ein­ge­ordnet und nach welchen Kriterien habe ich das ent­schieden?

Lediglich ein Beitrag hat mich etwas befremdet, weil er für meinen Geschmack Herr­schafts­kritik mit einem Rund­um­schlag gegen „die Akademie“ und „die queere Szene“ ver­wechselt.

Nichtsdesotrotz lege ich dieses Buch allen Menschen ans Herz, die einen leicht verständlichen Einblick in queere Trans*perspektiven möchten. Neben der leicht zugänglichen Sprache hilft auch ein Glossar mit Begriffen wie „Anarchie“, „Passing“ oder „Zwei­ge­schlecht­lich­keit“.

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Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.
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