Jetzt bleib mal auf dem Rücken, Baby

von Verena

Das SZ-Magazin widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Feminismus. Das freut uns. Nur die kugelrunde Silikonbrust auf dem Titel verwirrt uns etwas. Und die Beunruhigung wächst beim Lesen des Vorspanns:

Was ist da bloß schiefgelaufen? Es gab mal die tolle Idee des Feminismus, dann wurde daraus Girlpower, dann Narzissmus. Die Frauenbewegung des beginnenden 21. Jahrhunderts ist der Femizissmus.

„Femizissmus“, das ist eine Wortschöpfung aus Feminismus und Narzissmus und bedeutet so viel wie weibliche Gefallsucht, die sich als Selbstbewusstsein tarnt. Hm, wie macht man den Feminismus unattraktiv? Man schlägt ihm ein blaues Auge. Das tut Guardian-Autorin Charlotte Raven (Kann sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten?), indem sie per se der Meinung ist, weibliches Selbstbewusstsein stöckele gegenwärtig völlig oberflächlich auf High Heels.

Eine Ursache dieser Entwicklung ist, dass sich intellektuelle Frauen vom Feminismus abgewandt haben. Irgendwann in den Neunzigerjahren fanden mit einem Mal auch die Frauen, dass Feminismus unglamourös sei, uns verkrampft wirken lasse und, was noch schlimmer war – uns vom Shoppen abhalte. Redakteurinnen ermutigten ihre Leserinnen nun, zu ihrer »inneren Tussi« zu stehen, und verfassten Lobgesänge auf Haarpflegeprodukte und sexy Unterwäsche.

Raven bezieht sich damit auf die Thesen Natasha Walters, deren aktuelles Buch  „Living Dolls: The Return of Sexism“, dem vermeintlich sexuellen Selbstbewusstsein aufmotzter Frauen die Luft aus den aufgeblasenen Brüsten lässt. Ihre These: Es sei unmodern, Sexismus zu verurteilen, weil es so aussieht, als inszenierten sich die jungen Frauen derart aufgedonnert als Zeichen sexueller Befreiung. Dabei sei die männlich hofierte Freizügigkeit absolut das Gegenteil von weiblichem Selbstvertrauen. Aber das würde eben niemand zu geben.

Walters möchte ich gar nicht widersprechen und auch wenn Raven genau auf den letzten Punkt hinaus will, dass diese Frauen den feministischen Handlungsbedarf nicht zugäben, wie bitte kann sie derart eindimensional argumentieren, wenn sie sagt, der Feminismus hätte „sich seiner Verantwortung entledigt, unbequeme Wahrheiten ans Licht zu zerren.“ Da wirft sie einfach alle Frauen auf denselben aufgebrezelten Haufen. Denn genau, wir hier bei der Mädchenmannschaft unterhalten uns auch nur den ganzen Tag übers Schuhe kaufen und das Mädchenblog plant eine neue Kosmetiklinie fürs Merchandising…geht’s noch?!

Aber am schönsten wird es im letzten Absatz. Ich leg mich dann schon mal auf den Rücken für den Menschen neben mir und werde auch nie, nie wieder hier im Blog über Sex schreiben:

Die Dinge, die uns verletzen, würden niemals »auch Spaß machen« können. Wir würden keine albernen Schuhe mehr tragen oder einen Blog über unser Sexleben schreiben. Vor allem aber würden wir der Verlockung widerstehen, Karikaturen unserer selbst zu sein. Wir würden auf die falschen Wimpern einer Katie Price pfeifen. Wir würden unsere Lust an der Missionarsstellung mit dem Menschen neben uns im Bett wiederentdecken. In jeder Sphäre unseres Lebens wären wir frei genug, uns für die Normalität zu entscheiden.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 8. Juni 2010 um 9:08 Uhr unter Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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39 Kommentare

  1. Mary sagt:

    ja, ja – die sehnsucht nach normalität und einfachheit, wenn’s mir draußen einfach zu komplex wird.

  2. Nadine sagt:

    Uuuh, der letzte Absatz ist wirklich Zucker. Noch trauriger, dass Raven selbst Feministin ist (war?) Vielleicht verschließen die Vertreter_innen der älteren Garde sich einfach vor neueren Entwicklungen?

  3. Ich hab mich auch gewundert darüber, dass es ein Artikel mit so einer schlichten Argumentation und so wenig Kenntnis und Differenzierung zum Thema Feminismus es an so prominente Stelle ins SZ-Magazin schafft. #strange

  4. drikkes sagt:

    Sorry, aber danach

    „Kann sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten?“

    habe ich nicht mehr weitergelesen. Widme ich mich lieber diesem Buch.

  5. bosch sagt:

    „Kann sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten?“ – wäre dies ein Kommentar gewesen, verstieße er wohl gegen eure eigene Netiquette.

  6. Helga sagt:

    Dieser Text ist so ein einziger riesiger Facepalm, es ist unglaublich. „Oh mein Gott, Sex and the City hat die Frauen ruiniert nun haben sie alle Sex obwohl sie Sex heimlich scheiße finden und kaufen nur noch ein.“ Eine Kombination von tiefstem Mittelalter und völliger Lebensferne. Wer hat denn Zeit und Geld, exzessiv zu shoppen? Und könnte das *wirklich* jeden Tag machen? Mal abgesehen davon, dass es nur Statistiken gibt, nach denen wir heute weniger Sex haben als noch in den Siegzigern – die Vorstellung, dass Frauen Sex heimlich scheiße finden und gerade mal die Missionarsstellung mitmachen, ist das beste Beispiel für internalisierten Sexismus, mit dem auch Frauen benutzt werden, um die weibliche Sexualität zu kontrollieren. m(

  7. Helga sagt:

    @bosch Wie meinen?

  8. […] Titel des SZ-Magazins beschäftigt sich mit Feminismus. DEM (!) Feminismus. Natürlich ist dieser schuld an der Bitchyness aller (!) […]

  9. tessa sagt:

    Die Brust auf dem Cover hat mich auch sehr irritiert, bzw. empfinde ich sie nicht als klare Illustration für den Text. Das ist mir zu platt.

  10. Adrian Lang sagt:

    Eigentlich schade, dass mit solchen Texten an sich bedenkenswerte Befürchtungen völlig disqualifiziert werden … „für die Normalität entscheiden“ my ass.

  11. Nadine sagt:

    @Tessa

    Nun ja, den Tenor des Textes gibt die Silikonbrust sehr gut wieder :) Natürlich dient sie aber in erster Linie zum „an den Mann bringen“. Würg

    @drikkes und bosch

    Wenn man bedenkt, dass der Umgang mit Sex in Großbritannien ein anderer ist als hierzulande und Beispiele wie Katie Price (und sie ist die Vorlage für Ravens Text) benannt werden um fragwürdige Thesen zu verargumentieren, kann man sich schon fragen, warum dieser Text es auf den Titel des SZ-Magazins geschafft hat. Hinzu kommt, dass es in Deutschland eine ganze Reihe Feminist_innen gibt, die dem ganzen einen anderen Tenor verpasst hätten. Dieser passt jedoch wahrscheinlich gar nicht in das Motiv der Macher_innen. Ich erinnere mich an Susan Pinker, der SZ und FAZ unreflektiert großen Raum gegeben haben und am Ende die Message hängen blieb (so wie das bei Raven auch der Fall sein wird): Na wenn das altgediente Feministinnen sagen, dann muss es ja stimmen. Hier werden andere Meinungen und neuere Theorien/Erkenntnisse unsichtbar gemacht zugunsten alter Geschlechterbilder. Ziemlich perfide.

  12. Kantorka sagt:

    Mir persönlich reicht schon das „Frauenezeitschriften“-mäßige „Wir“. Ansonsten möchte ich Helga u.a. einfach zustimmen.

  13. Lisa sagt:

    Und da sage mal einer, dass die Bilder, die die Medien transportieren, keinen Einfluss haben. Ich habe auch den Eindruck, dass die Autorin zuviel „Sex and the City“ geschaut hat. Warum soll das nun wieder die Schuld des Feminismus sein? Eher sehe ich die Verantwortung bei den Medien, weil anscheinend auch so scheinbar seriöse Medien wie die SZ einfach unhinterfragt „Informationen“ raushauen, damit sie im Ringen um Auflage und Aufmerksamkeit nicht abgehängt werden.

  14. p* sagt:

    „Kann sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten?“

    @nadine: …auch mit dem verweis auf unterschiedliche debatten in gb und d bleibt dieser satz komisch. denn wenn ich versuche nicht das zu verstehen was die formulierung mir suggeriert, weiß ich gar nicht mehr was der satz sagen soll.

  15. Mel sagt:

    habe gerade den SZ-artikel gelesen. ich bin etwas verwirrt, weil es sich wie „hetze“ liest auf der einen seite, auf der anderen seite sind mir die genannten punkte aus meinen eigenen beobachtungen im alltag nicht fremd.

    der letzte kommentar hat mich dann aber doch etwas friedlich gestimmt:

    Charlotte Raven, …] Heute sieht sie, immerhin, ein paar positive Anzeichen, dass der Feminismus sich wieder weg vom Narzissmus entwickeln könnte, hin zu einem feministischen Bewusstsein, aber noch sei das Pflänzchen zu zart, um es greifen zu können.

    ohne den artikel in seine einzelheiten zerteilen zu wollen, will ich einfach nur wiedergeben, welcher eindruck bei mir entstanden ist.
    ich lese eine feministin, die enttäuscht ist. sehr sogar. die sich einen „öffentlichen“ feminismus anders wünscht.
    mit sicherheit, und das zeigt der letzte kommentar, differenziert sie auch bei feminismus, nur eben nicht in diesem artikel. meiner meinung nach soll der artikel polarisieren und somit eine öffentliche diskussion anfachen, so dass diejenigen feministinnen, die in der öffentlichkeit wenig sichbtar sind, dies werden, weil sie empört auf diesen artikel reagieren.

    im grunde greift charlotte raven die art von feminismusbild an, die feministische inhalte zweckdienlich für die weiterhin existente sexistische gedankenwelt zu funktionalisieren versucht.
    als platitüte: „die frauen wollen sexuelle freiheit? das wird den männern nicht schaden. aber sie sollen dabei bitte die fantasien der männer bedienen und denken es wären ihre eigenen bedürfnisse.“ der weiblich körper wird weiterhin ausgebeutet, nur eben in einer anderen form; mit dem etikett „ist doch feminismus. das ist es doch, was ihr wollt.“

    und da „sex sells“ ist dieses feminimusbild medial sehr präsent. und wird häufig als angenehmes gegenstück zum verbittert, verkrampften (ernsten) feminismus bevorzugt. als ob es nur scharz-weiss gäbe.

    raven unterstellt (vielleicht auch sogar zurecht), dass immer mehr junge frauen, lebens- und alltagsentscheidungen treffen, die deren meinung nach für ein selbstbestimmtes leben stehen, aber in wirklichkeit durch sexistische erwartungserfüllung deformiert sei.

    ich habe verständnis für ravens kritik. finde es aber schwierig, zu veruteilen. dass junge frauen, die der männerwelt gefallen wollen, dabei die rolle einnehmen, die sie scheinbar von der männerwelt vorgegeben bekommen, ist für mich in teilen verständlich. welche vorbilder haben diese jungen mädchen denn? der feminismus ist doch erst in den kinderschuhen. patriarchale strukturen nicht so einfach und kurzfristig wegzureden.

    wichtig finde ich deswegen, dass auch immer (attraktive) alternativen sichtbar sind. für mich ist es immer erfrischend, zu sehen, wie in teilweise heute existierenden matriarchalen gesellschaften mit sexualität und selbstbestimmung umgegangen wird. und das sind die alternativen, die ich meine.
    junge frauen können sich doch nur dafür entscheiden, was sie als wahlmöglichkeit kennen. wenn sie nur alternativen der patriarchalen welt kennen, ist es wahrscheinlicher, dass sie sich auch für diese entscheiden. schließlich sind wir menschen ja soziale wesen, die stark getrieben werden von den bedürfnissen „desire to be liked“ und „desire to be right“.

  16. Verena sagt:

    @p* und bosch – der Satz, ob sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten kann, impliziert genau das, was Nadine schon gesagt hat – ich wundere mich, warum keine hiesige Feministin beauftragt wird, die möglicherweise ein anderes Bild entwerfen würde, als es Raven tut
    + Verstoß gegen die Netiquette?! Ne, mit Sicherheit nicht!

  17. let sagt:

    @Verena
    Also ich sehe da schon einen leicht xenophoben Unterton in dem Satz. „Kann sich das SZ-Magazin keine deutschen Journalistinnen leisten?“ impliziert die britischen Journalistinnen seien billig oder schlecht, die deutschen auf jeden Fall „wertvoller“. Den von Nadine beschriebenen Zweck hätte auch das wesentlich unverfänglichere „Hat das SZ-Magazin keine deutsche Journalistin zu dem Thema gefunden?“ erfüllt

    Prinzipiell denke ich aber, dass eine deutsche Zeitschrift auch ausländische Menschen zu Wort kommen lassen darf und wenn man ja sachliche Gegenargumente hat kann man ja die bringen. Hast Du ja auch getan. Aber ich sehe eigentlich keinen Grund hier einen kulturellen Isolationismus zu propagieren.

  18. drikkes sagt:

    Was @let sagt.

  19. Verena sagt:

    @let – ach jetzt komme ich erst dahinter, worauf ihr hinaus wollt… die Betonung liegt auf „deutsch“, weil freie JournalIstinnen hierzulande zunehmend von den Verlagen durch miese Verträge und schlechte Bezahlung drangsaliert werden, worauf sich natürlich langsam Widerstand regt. Deshalb meine – durchaus spitz formulierte – Frage, ob man dann lieber im Ausland einkauft. Also xenophob ist das absolut nicht gemeint! Sorry für das Missverständnis!

  20. Thomas_duesseldorf sagt:

    @ Verena: ich glaube mit deinem letzten Satz machst du es nicht besser. Du bringst sogar einen ausländerfeindlichen Klassiker. Die ausländische Billigarbeitskraft näme der deutschen (sowieso besser geeigneten, wie vorher beschrieben) Journalistin den Arbeitsplatz weg…
    Ich glaube dir, das das nicht xenophob gemeint ist, aber auch beim antirassistischen Arbeiten kommt es darauf an, wie etwas ankommt, nicht wie es gemeint ist.

    Mal abgesehen davon ist der verlinkte Artikel wirklich grottig.

  21. Verena sagt:

    So, um weiteren Missverständnissen und political-correct-Diskussionen entgegen zu kommen, ist der Satz jetzt gestrichen. Denn in dem Posting sollte es ja um etwas anderes gehen, daher raus damit!

  22. steve, the pirate sagt:

    „…Wir würden unsere Lust an der Missionarsstellung mit dem Menschen neben uns im Bett wiederentdecken. ..“

    .. was ist eigentlich so schlimm an der Missionarsstellung? Warum darf man nicht mal liegen bleiben und den anderen „die Arbeit“ machen lassen?
    Warum muss ich um weiblich-selbstbewußt zu sein auf Teufel komm raus die Super-Nymphomanin sein?

  23. Lori sagt:

    @steve: Ne, Missionarstellung ist überhaupt nicht schlimm, mich hat allerdings der Artikel von Raven auch sehr irritiert, ich hatte das Gefühl, dass gleich jeder Sexblog, jede Sado-Masochistin, also kurz, dass jede Frau, dessen Sexualität sich außerhalb der Definition von „normal“ abspielt, gleich abgestempelt wurde nach dem Motto „Das machen, die nur um den Männern zu gefallen.“
    Sexuelle Vielfalt bedeutet ja, dass die/der eine sagen kann, ich mag eher die Missionarstellung und habe gerne nur Sex mit einer Person, während die andere sagt, ich probiere gerne das Kamasutra aus und zwar mit möglichst vielen Leuten – jede_R muss ja seine Form von Sexualität finden, in der er/sie sich wohlfühlt und ohne dass man/frau dafür gleich schief angeguckt wird.

  24. Helga sagt:

    @steve, the pirate: An der Missionarsstellung ist an sich nichts schlimmes (höchstens, dass dabei die wenigsten Frauen zum Orgasmus kommen und die meisten andere bevorzugen). Wobei der Sprung von Nicht-Missionarsstellung zu Super-Nymphomanin mir sehr gewagt erscheint.

    Schlimm finde ich, dass Raven damit so tut, als hätten Frauen gerade alle Sex, den sie eigentlich nicht wollen. Beim Versuch den Frauen zu raten, sich nicht neuen Klischees zu unterwerfen, hält sie die alten wieder hoch. Endlich sind wir an einem Punkt, an dem Frauen selbstbewußt dazu stehen können, dass sie Sex mögen und das nicht nur im Dunkeln und dann sowas?!

    Je mehr ich darüber nachdenke umso schlimmer wird der Artikel. Sie setzt Prostitution mit Missbrauch gleich und spricht damit allen Sexarbeiter_innen die Selbstbestimmung ab. Sie spricht auch allen jungen Mädchen die Selbstbestimmung ab und erschafft einen Graubereich, in dem Frauen tun, was sie *eigentlich* nicht wollen. Wenn junge Frauen sich gezwungen sehen Dinge zu tun, die sie nicht wollen, nennen Feminist_innen das rape culture. Da hätte Raven auch klar sagen können, dass es zu Vergewaltigungen kommt und dass es zur Bekämpfung einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz braucht, anstatt die Schuld nur den Frauen in die Schuhe zu schieben.

  25. blockhouse sagt:

    bei dem besprochenen artikel handelt es sich unzweifelhaft 1. um einen kommentar 2. mit hang zur glosse und 3. um klar erkennbare polemik. ganz offensichtlich ist also eine gewisse pointierung und übertreibung gewollt. politisch korrekte, differenzierte betrachtung aller seiten und globaler konsens ist dagegen nicht beabsichtigt.

  26. arte povera sagt:

    @ Verena
    „So, um weiteren Missverständnissen und political-correct-Diskussionen entgegen zu kommen, ist der Satz jetzt gestrichen. Denn in dem Posting sollte es ja um etwas anderes gehen, daher raus damit!“

    Danke :). Ich will auch nicht noch mehr nerven, aber warum der Satz problematisch wirkt, sieht man z.B., wenn man sich vorstellt, statt eines englischen Namens stünde dort ein mit klar afrikanischem Ursprung.

    Und Achtung, niemand führt hier eine „political correct“ Diskussion. Der Begriff hat sowas abwertendes, als ginge es nur um Formalita. Wenn man auf eine GenderGap oder ein Binnen-I oder sowas besteht, bekommt man ja auch oft political correctnes „vorgehalten“. Hier geht´s schon um was substantielles, wie auch bei Debatten um gegenderte Sprache.
    Siehe Wikipedia: „Seit Beginn der 1990er-Jahre wandelte sich der Begriff von einer Eigenbeschreibung zu einem pejorativ gebrauchten Kampfbegriff der politischen Rechten.[2] Konservative Studenten, Akademiker und Journalisten übernahmen den Ausdruck und wandelten ihn in eine Chiffre zur Ablehnung linker Antidiskriminierungsbemühungen. “

    Sorry, ich weiß, du hast es nicht so gemeint, aber das musste ich doch noch anmerken.

    Liebe Grüße!

  27. Nadine sagt:

    @arte povera

    Danke für das nette Belehren, obwohl Verena nie political correctness angeprangert hat. Eher im Gegenteil. Vielleicht achtest du in Zukunft selbst auch auf deine rassistische/kolonisierende Sprache?

    „statt eines englischen Namens stünde dort ein mit klar afrikanischem Ursprung“

    „Sorry, ich weiß, du hast es nicht so gemeint, aber das musste ich doch noch anmerken.

    Liebe Grüße!“

  28. arte povera sagt:

    Dritter Versuch, so zu zitieren, dass nicht ein Teil des Postings gelöscht wird. Entschuldigung!

    @Nadine:

    „Danke für das nette Belehren, obwohl Verena nie political correctness angeprangert hat.“

    Sie schrieb, sie habe den Satz gestrichen, um weiteren „political-correct-Diskussionen“ zu begegnen. Es tut mir leid, wenn ich etwas missverstanden habe – was sollte der Satz d.E. denn bedeuten?
    Ich weiß halt, in welchen Debatten der Begriff oft verwendet wird und gegen wen, darauf wollte ich gern aufmerksam machen.
    Ich schrieb auch, dass ich davon ausgehe, dass sie es nicht so gemeint hat.

    „Eher im Gegenteil. Vielleicht achtest du in Zukunft selbst auch auf deine rassistische/kolonisierende Sprache?
    “statt eines englischen Namens stünde dort ein mit klar afrikanischem Ursprung”“

    Da ich mich ggf. gern bessern würde, wüsste ich gern, was an dem Satz falsch ist.
    Wahrscheinlich hast du mich missverstanden, deshalb erläutere ich´s gern: Wenn Raven nicht Raven hieße, sondern z.B. Manga-Onguene, wäre wahrscheinlich jedem aufgefallen, warum der Satz dahinter problematisch war.

    Ich bin jetzt ehrlich gesagt ein bisschen erschrocken über den Tonfall hier.

  29. Helga sagt:

    @blockhouse: Na wenn das ne Glosse sein soll, hat das ja wunderbar funktioniert. Nicht.

  30. Nadine sagt:

    @arte povera

    Ich hab mal deine anderen beiden Kommentare wegen der Dopplung herausgenommen, wenn das okay ist.

    Es gibt weder Afrikaner_innen, sowie es afrikanische Namen gibt, zumal du hier vermeintlich typische „afrikanische“ Namen ansprichst. Ich wüsste keinen. Und würde dein Beispiel auch nicht als solchen erkennen. Und wer sagt mir, dass Charlotte Raven ein englischer Name ist? Nur der Hinweis auf den Guardian lässt es vermuten.

    Du sprichst privat und öffentlich auch nicht von Europäer_innen, europäischen Namen oder? Dasselbe Problem haben „Asiat_innen“, bei denen sich der/die Weiße nie die Mühe macht, die Nation anzugeben oder zu recherchieren. Dieses Homogenisieren von Nicht-Weißen zu einer einheitlichen Kultur (Sprache gehört bekanntlich dazu), das Abstellen auf phänotypische Merkmale ist Kolonisierung und Rassismus. Afrika ist ein Kontinent und kein Land. Schön, dass du dich mit ein paar Hilfestellungen in Sachen Rassismus „ggf. bessern würdest“.

    Zum Thema PC: Die Mädchenmannschaft spricht sich selbstverständlich _für_ political correctness aus. Sonst wäre dieses Blog wohl ziemlich überflüssig. Wenn die Mehrheit der Leser_innen den Satz beanstanden aus diversen Gründen und es aber um eine ganz andere Diskussion geht, ist schon abzuwägen, ob der kritisierte Satz der Autor_in soviel wert ist, ihn stehen zu lassen. Zumal er inhaltlich ganz anders angedacht war (siehe Diskussion dazu hier).

    Weswegen ich hier einen anderen Ton an den Tag lege, ist dieser Paternalismus in deinem Kommentar. Nett gemeinte Belehrungen über PC, die Wikipedia zitieren und dabei selbst…s.o.

  31. arte povera sagt:

    @ Nadine.

    Danke für deine Antwort.
    Du hast Recht, dass Homogenisierungen zu vermeiden sind. Meine Formulierung sollte natürlich nicht implizieren, dass es eine sprachliche Homogenität in Afrika gebe. Das ist für das Funktionieren des Satzes aber auch nicht notwendig, es war nur wichtig, exemplarisch einen geographischen Raum zu nehmen, auf den Rassisten negativ anspringen würden, wenn sie einem Namen begegnen würden, der dort seinen Ursprung hätte. Nur das sollte der Satz implizieren und daher der Bezug auf alle Länder des gesamten Kontinents.

    Das Posting war auch nicht paternalistisch gemeint. Ich wollte freundlich und mit Quellen formulieren, das ist blöde, wenn das falsch rüberkommt – aber ich finde Quellen eigtl. eine gute Sache.

    Soll ich unseren kleinen Wettstreit weiterführen und dir sagen, dass du besser nicht von „Weißen“ reden solltest oder es wenigstens klein und kursiv schreiben? Sinnvolle Sprachregelung aus dem AntiRabereich, um Konstruiertheit sichtbar zu machen.

    Dass du nicht mehr darüber redest, es sei nie um Political Correctness gegangen, sehe ich mal als Hinweis darauf, dass du mir geantwortet hast, ohne die Kommentare vorher gelesen zu haben.

    Ich würde vorschlagen, wir brechen die Debatte an dieser Stelle ab. Ich glaube, wir werden beide nur verärgert sein. Ich glaube auch, dass wir uns mögen würden und die ganze Sache in 5 Minuten erledigt wäre, wenn wir das hier nicht online, anonym und öffentlich abhandeln würden.

    Also einigen wir uns darauf, dass hier wohl niemand rassistisch ist, wir alle manchmal sprachlich unsensibel sind und nutzen die Zeit wieder, um was für feministische und AntiRa-Arbeit zu tun :).

  32. hn sagt:

    Um nochmal kurz dem „deutsche Journalisten leisten können“ hinterherzuschieben: das ist auch korrekt so, weil eben das einfache Übersetzen eines Guardian-Artikels billiger ist, als einen neuen Text zu kaufen.
    (Weshalb freitag das ja z.B. auch bei einem großen Teil macht, da es günstiger „Content“ ist, weil man ja nicht alles mit Leserblogs füllen kann)

  33. Nadine sagt:

    @arte povera

    auch vielen Dank für deine Antwort, die nicht weniger paternalistisch, kolonisierend und mit Absicht falsch verstehend war, als die vorherigen. Du hast Recht, mein Kommentar war umsonst.

    Eine sonnige Woche.

  34. Morjanne sagt:

    Okay, vielleicht stelle ich mich blöd an, aber WAS GENAU hat die Missionarsstellung mit dem zu tun, worüber die Autorin schreibt???

    Ich hab ja nichts dagegen, meinetwegen kann sich jeder im Bett drehen und wenden wie’s gefällt, aber wieso sollte es mich zu einem besseren Menschen – bzw ja offensichtlich zu einer besseren Feministin – machen, wenn ich nur noch auf dem Rücken liegend Sex habe?

  35. hm sagt:

    hallo hn, lass dir versichert sein, dass ein guardian-artikel nicht billiger ist als ein selbst in auftrag gegebener. der kostet nur das autorenhonorar. im anderen fall müssen erst die rechte vom guardian gekauft werden, was ungefähr allein schon aufs gleiche rauskommt, und dann muss noch ein übersetzer bezahlt werden. wo der freitag seine texte kauft, weiß ich allerdings nicht, vielleicht irgendwo, wo es billige gibt.

  36. Thomas sagt:

    Ich würde gerne auf diesen kleinen m.E. hochzentralen Satz aufmerksam machen :

    „Dass die Girlpower, die wir alle so toll fanden, in Wirklichkeit ein Marketingkniff war, der junge Leute zum Plattenkaufen animieren sollte, erkannten wir nicht. “

    Es haben einige Leute seinerzeit am Marketing des Feminismus scheinbar recht gut verdient. Ein paar Nebeneffekte werden
    billigend in Kauf genommen, Misandrie und „böse Mädchen“ werden kommerzialisiert und gibt Raum zum „Dampf ablassen“, dann alte Klischees
    über Weiblichkeit wiederbelebt und dann kommt man/frau irgendwann nostalgisch zu dem Schluß, früher wars ja eigentlich
    gar nicht so schlecht.

    So kann man die Idee für ein freies selbstbestimmtes Lebens politisch und – was wesentlich gefährlicher, subtiler und
    wirkungsvoller ist – ökonomisch totinstitutionalisieren.

    Ich sehe für die 70`er Bewegung und den Folgen leisen Korrekturbedarf und Bedarf für ein paar neue Impulse, nur wenn
    dann lediglich der Weg in der Zeit zurück angetreten wird? Zustimmen kann ich dem Gedanken, nicht so verbissen und
    verbittert, wie es in den 80`ern rüberkam und mit mehr fun-faktor – also so wie es seit 2008 präsentiert.

    Vielleicht sollte der moderne Feminismus sich nicht von einer patriarchal geprägten Wirtschaft funktionalisieren lassen,
    sondern umgekehrt. Das wäre doch mal ein Gag. M.E. bei der medialen Dauerberieselung mit an die Massen transportierten
    „Werten“ sicherlich nicht einfach.

    Ein Beispiel : Wenn ich das hier sehe, was unter dem Werbespot lief „Frauen können immer“ oder Sätze wie „Frauen sind sowohl als
    auch“, da kann frau sich doch eigentlich nur ziemlich veräppelt vorkommen. Dominanz wird suggeriert, Anpassung und
    Klischees transportiert.

    http://www.fem.com/index.html

    Ein Mann ist auch dabei – ein Astrologe :

    http://www.fem.com/redaktion/index.html

    Die „Immanenz des Ewigweiblichen“, wie Simone de Beauvoir schrieb?

    Einen Werteunterschied zwischen männlich/weiblich, der subtil über eine Negativ-Abgrenzungs-Männlichkeit und
    Weiblichkeitsabwertung von Frauen und Männern verinnerlicht wird, sehe ich nach wie vor zwar etwas vermindert, aber wirksam.

    M.E. der Kernprozeß patriarchaler Gesellschaftsformen mit den damit verbundenen Folgen – und Schäden.

    Die Veränderungen damals waren affektgeladen und effektvoll, aber wenig tiefenwirksam und scheinbar auch nicht nachhaltig,
    scheinbar auch nicht ernsthaft gewollt.

  37. blockhouse sagt:

    @blockhouse: Na wenn das ne Glosse sein soll, hat das ja wunderbar funktioniert. Nicht.

    „Das Wesen der Dinge hat die Angewohnheit, sich zu verbergen.“ (Heraklit)

  38. Helga sagt:

    @blockhouse Die Aufgabe von Journalist_innen ist es, Themen für alle verständlich aufzuarbeiten. Das ist deutlich schwerer, als sich verschwurbelt und unverständlich auszudrücken. Wer also so schreibt, dass es nur Wenige verstehen, hat seinen/ihren Job verfehlt. Und damit zurück zum Thema.

  39. Andreas sagt:

    ..bezeichnend, dass dieser ihr letzter Absatz hier zerpflueckt wird: hier scheint sich gar furchtbar die entsetzliche Pruederie der anglo-amerikanischen Sphaere zu zeigen, das ist es doch, was man hier dachte, oder nicht: jetzt faengt diese Raven auch noch mit der Missionarsstellung an. Dass Raven weniger die Missionarsstellung als eine von Leistungsdruck und Normierung gerade FREIE Sexualitaet interessiert (ja, auch der Zwang zur sexuellen Originalitaet, ‚Unverklemmtheit‘ und Leistung ist ein Zwang und eine Normierung), scheint hier niemandem aufzugehen, aber ja, befreite Sexualitaet ist die Befreiung von der Missionarsstellung, das wird hier posaunt in jedem zweiten Kommentar, wie peinlich, deutsch und spiessig.