Ein Buch nach dem Anderen: Trauerspiele zum Deutschen Buchpreis und Poesie

von Charlott
Dieser Text ist Teil 83 von 121 der Serie Die Feministische Bibliothek

Ich könnte den ganzen Tag über Bücher, Autor_innen und Bibliotheken reden, aber leider ist das ja nicht immer möglich. Zu mindestens einmal im Monat werde ich jetzt hier mit euch teilen, welche Bücher ich aktuell gelesen habe (und ob ich sie euch weiterempfehlen würde), welche spannenden Texte im Netz rund um Literatur erschienen und auf welche Neuerscheinungen sich gefreut werden könnte.

Gelesen auf Papier

„Nach der Revolution kommt die Abrechnung. […] Was genau wurde erreicht, was hat sich verändert?“ Dieser Frage – mit einem weiten Blick in die Kunstszene(n) – widmet sich der Band The Reckoning: Women Artists of the New Millenium von Eleanor Heartney, Helaine Posner, Nancy Princenthal, Sue Scott. Die vorgestellten Künstlerinnen hinterfragen weiblich-konnotierte Passivität, setzen sich mit Sexualität,  dem häuslichen Alltag und weiteren aktuellen politischen Fragen auseinander. Die Autorinnen schaffen es auch für Einsteiger_innen fesselnd die unterschiedlichen Strömungen und Herangehensweisen aufzuzeigen und zu illustrieren. (Das  Buch werde ich demnächst hier noch ausführlicher besprechen.)

Vor ein paar Jahren habe ich wieder angefangen vermehrt Poesie zu lesen – und siehe da, es gibt vieles, was mich so viel mehr anspricht als jene Verse,  durch die wir im Schulunterricht gequält wurden. Den Tod von Maya Angelou habe ich zum Anlass genommen, wieder einmal Veröffentlichungen von ihr in die Hand zu nehmen.  And Still I Rise (Virago, erstmals 1986 publiziert) beinhaltet die Bände And Still  I Rise (1976) und Shaker, Why Don’t You Sing (1983). Mit Phenomenal Woman, Life Doesn’t Frighten Me und dem titelgebenden Gedicht eigentlich die perfekte Lektüre für jeden Tag wieder und wieder. Außerdem gelesen und weiter empfehlenswert: Mural von Mahmoud Darwish mit einem Vorwort von Rema Hammami und Illustrationen von John Berger (Verso) und sowie Proxy von R. Erica Doyle (Belladonna).

Wie entscheidet sich eigentlich ob eine Kurzgeschichte von Alice Munro im New Yorker gedruckt wird? Und wie werden die Vorschüsse für Autor_innen in Verlagen berechnet? Das und mehr erzählt Daniel Menaker sehr unterhaltsam in seiner Autobiographie My Mistake (Houghton Mifflin Harcourt). Als ehemalige Faktenchecker und (Literatur-)Redakteuer des New Yorkers und leitender Angestellter verschiedener Verlage bietet er einen guten Einblick in den (us-amerikanischen) Literaturbetrieb der letzten Jahrzehnte und wirft zu mindestens auch hin und wieder einen (sicher sehr ausbaufähigen) kritischen Blick auf die weiß-männliche Dominanz.

Land is the only thing that lasts life to life. Money burns like tinder, flows off like water. And as for government promises, the wind is steadier. (Tracks, S. 33)

Land ist das einzige, was von Leben zu Leben bleibt. Geld verbrennt wie Zundholz, fließt weg wie Wasser. Und zu Regierungsversprechen – der Wind ist beständiger.

Louise Erdrich (die ich hier schon einmal ausführlicher vorstellte) schreibt in ihrem dritten Roman Tracks (Harper Perennial) von 1988 auch zum dritten Mal über die gleiche Gegend in North Dakota: die kleine Stadt Argus und das in der Nähe liegende Reservat. Zwischen 1912 und 1924 verstrickt sie tragische Familiengeschichten, magischen Realismus und den Konflikt um Land zu einer fesselnden Erzählung. Im August gewann Erdrich den Dayton Literary Peace Prize.

The Long Room (In der Bibliothek des Trinity Colleges, Dublin). Funfact: Der Raum war vielleicht oder auch nicht die Vorlage für das Jedi-Archiv in Star Wars Episode II: Attack of the Clones.

The Long Room (in der Bibliothek des Trinity Colleges, Dublin). Funfact: Der Raum war vielleicht oder auch nicht die Vorlage für das Jedi-Archiv in Star Wars Episode II: Attack of the Clones.

Gelesen im Netz

Wunderhübscher Tumblr-Zufall festgehalten u.a. bei The Mary Sue: Ein Gedanken an alle Frauencharaktere, die sterben mussten, damit das Leid des Hauptprotagonisten tragischer ausgebreitet werden kann. (Englisch)

In der aktuellen Ausgabe der The Paris Review erschien die Kurzgeschichte „Big Week“ von Zadie Smith. Glücklicherweise ist sie auch kostenfrei im Netz nachlesbar. (Englisch)

Jessica Reidy hat bei VIDA zwanzig Romani Autorinnen zusammengetragen und vorgestellt. (Englisch)

„Diane di Prima war eine der einflussreichsten Frauen der Beatnik-Bewegung. An ihrem 80. Geburtstag ist sie leider so gut wie vergessen“, schreibt derFreitag. (Deutsch)

Am 06. Oktober wird der Deutsche Buchpreis vergeben. Andreas Platthaus wirft bei der FAZ einen Blick auf die Longlist und stellt fest, dass einige Bücher (gerade von AutorINNEN) schmerzlicherweise ausgelassen wurden. Insgesamt nominiert wurden eh nur fünf Frauen, darunter aber auch Marlene Streeruwitz.  „Hilft nur eine Preis-Quote?„, fragt dazu Dana Buchzik bei der Welt. (Deutsch)

Die iranische Dichterin Simin Behbahani ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Sie war Simone de Beauvoir Prize for Women’s Freedom-Preisträgerin und zweimal für den Literatur-Nobelpreis nominiert. (Englisch)

Hoffentlich bald zu lesen

Im August herausgekommen: Roxanne Gays Bad Feminist (Harper Perennial). Die Essay-Sammlung steht ganz oben auf meiner Wunschliste. (Englisch)

Im September erscheint Synchronicity von Sharon Dodua Otoo im Verlag Edition Assemblage. Schon allein, was bisher an Illustrationen (von Sita Ngoumou) zu sehen war, sah sehr bezaubernd aus. (Deutsch)

Ebenfalls bei Edition Assemblage erscheint im Oktober Let them talk. What genitals have to say about gender – a graphic survey von Yori Gagarim. (Englisch)

„Ein Buch nach dem Anderen“ ist quasi mein Anti-Lese-Motto. Meistens lese ich viele Bücher parallel, aber ich stelle sie der Reihe nach vor. Was lest ihr denn gerade? Erscheinen demnächst Bücher, auf die ihr euch ganz besonders freut?




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Eintrag geschrieben: Montag, 1. September 2014 um 15:00 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. Lea sagt:

    Was den Deutschen Buchpreis angeht… Ich persönlich halte den Bachmannpreis für die seit Jahren bessere Veranstaltung: Die Juror_Innen stellen die Werke und Autor_Innen vor, sie begründen ihre Auswahl, die Autor_Innen lesen selbst aus ihren Werken (vor Publikum) und am Ende wird auch noch offen von allen begründet, warum für X oder Y abgestimmt wurde. Die Jury setzt sich aus meist sehr fachkundigen Menschen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland zusammen (und zwar Frauen und Männer) etc. Außerdem gibt es neben dem Hauptpreis auch noch andere Auszeichnungen, wie z.B. einen Publikumspreis.