Diesen Satz, der mit nur aus dummen Witzen bekannt war, bekam eine Freundin von mir wirklich von ihrem kondomfaulen One-Night-Stand zu hören. Der Herr wurde daraufhin freundlich aber bestimmt aus Bett und Wohnung komplimentiert.
Ich weiß nicht genau, was mich dabei mehr ärgert: Die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die mit jemandem, den sie gerade erst kennengelernt haben, ohne Kondom schlafen würden. Oder die Tatsache, dass wie selbstverständlich angenommen wird, dass jede Frau die Pille nimmt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Was die Sache mit dem Kondom angeht, scheint es inzwischen wirklich so zu sein, dass die Wirkung des großen AIDS Schocks verflogen ist. Zu „der wird schon nichts haben“ kommt „AIDS kann man ja fast heilen inzwischen“ und das ergibt gemeinsam eine tödliche Mischung. Und geht es ja nicht nur um AIDS, es gibt noch zig andere Krankheiten, die wir uns beim Sex holen können. Diese reichen von fies bis gefährlich und alle gemeinsam sind gute Gründe, niemals auf ein Kondom zu verzichten! Nein, auch nicht beim Sex mit einem neuen festen Partner. Denn ja, wir trauen dem Partner, glauben ihm auch, dass er nie fremd gegangen ist und außerhalb von Beziehungen immer ein Gummi verwendet hat. Aber vertrauen wir auch seinen zwei Ex-Freundinnen? Und deren Ex-Freunden und wiederum deren One-Night-Stands? Wenn man nur mal kurz innehält um sich die Fickpyramide vorzustellen, an deren Spitze der eigene Partner (oder auch man selbst) steht, ja, dann fällt zumindest mir der Griff zum Kondom wirklich nicht mehr schwer.
Leider scheint für viele Menschen das schlimmste Problem, das sich aus spontanem Sex ergeben könnte ein Kind zu sein. Was mich zu meinem zweiten Punkt bringt: Wo zur Hölle steht eigentlich geschrieben, dass alle Frauen ab der Geschlechtsreife die Pille nehmen? Gab es da einen Gesetzeserlass, von dem ich nichts weiß?
Die Pille hat sich immer mehr zum Lifestyle-Accessoire entwickelt. Wer mit 16 sein Blister auffällig unauffällig im Badezimmer drapiert hatte, die signalisierte wie nebenbei und doch sehr klar: „Ich habe Sex, ich bin erwachsen!“ Je älter man wurde, desto normaler wurde die Pille. Eigentlich alle nahmen sie, oft egal ob in einer Beziehung oder nicht.
Pille schlucken gehört schließlich dazu, man kann die Periode verschieben, sie macht gute Haut und schöne Haare. Oft wird weder darüber nachgedacht, dass es sich hierbei um ein Medikament handelt, noch darüber, dass es zu dessen Wirkungszweck – Verhütung – durchaus gangbare Alternativen gibt. Begünstigt wird diese Haltung durch die meisten FrauenärztInnen. Die Pille zu bekommen ist hierzulande ungefähr so schwer wie eine Packung Smarties zu kaufen. Wird sie verschrieben findet oft nicht mal ein wirkliches Beratungsgespräch statt, es wird weder über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten noch über Nebenwirkungen aufgeklärt. Aber ach was, Nebenwirkungen, über die muss ja auch nicht aufgeklärt werden. Denn die kommen bei der Pille ja nicht vor! Egal mit was eine Frau zum Frauenarzt kommt, sei es Migräne, vermehrte Pilzinfektionen, Hautausschläge, Schmerzen beim Sex (oder vielleicht gar kein Sex mehr wegen verschwundener Libido), all das kann an allem liegen, aber an der Pille? Niemals! Und wenn, dann nur an diesem einen speziellen Präparat, müssen wir eben ein paar ausprobieren, das richtige wird schon dabei sein.
Sowohl in meinem Freundeskreis als auch in diversen Internetforen finden sich solche Leidenswege zu Hauf. Und nur selten höre oder lese ich von Frauenärzten, die angesichts diverser Beschwerden den Betroffenen den Gedanken ans Herz legen, dass eine hormonelle Verhütung vielleicht nicht die passende für diese Frau sein könnte. Von Frauenärztinnen, die über Alternativen aufklären, die beraten und die Symptome der Frauen ernst nehmen (und sie nicht im schlimmsten Fall wegen Depressionen in eine Therapie weiter reichen wollen).
Setzt eine Frau dann wirklich die Pille ab, behält sie das am besten für sich, denn sonst bekommt sie wahrscheinlich bald die ersten Strampler geschenkt. Denn die Pille nicht vertragen, nein, das gibt es doch nicht, genauso wie es anscheinend keine andere mögliche Verhütung als Hormone zu geben scheint.
Ja, viele Frauen kommen mit der Pille wunderbar zu recht, für viele ist sie das beste Verhütungsmittel. Trotzdem wünsche ich mir, dass die Pille auch wieder als das wahr genommen wird, was sie ist: Ein Medikament. Ein Medikament, das man vielleicht nicht verträgt. Wenn ich auf Penicillin allergisch reagiere glaubt man mir das auch und der Arzt sucht dann nach einer Alternative dazu. Warum geht das bei der Pille nicht?

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