Abortion Democracy
von Barbara
Sarah Diehl, geboren 1978, ist Dokumentarfilmerin und Autorin (ihr Buch „Brüste kriegen“ wurde 2004 im Verbrecher Verlag veröffentlicht). Sie hat in Eigenregie den Film „Abortion Democracy: Poland/South Africa“ gedreht. Ein Film, der sich einerseits an das Personal in Krankenhäusern wendet, „denn nur wenn diese Menschen Abtreibung als Menschen- und Frauenrecht wahrnehmen, werden Frauen auch Zugang zu einer sicheren Versorgung haben“. Daneben will sie die Politik erreichen, deutschlandweit sowie auf EU-Ebene und bei der UNO, damit die Perspektive der betroffenen Frauen gesehen wird und nicht nur auf einer rein theoretischen Ebene über Schwangerschaftsabbruch spekuliert wird, fern von den einzelnen Schicksalen.
Die beiden Länder stehen exemplarisch dafür, wie unterschiedlich Frauenrechte in einer Demokratie beurteilt werden: Die Solidarnosc-Regierung in Polen hat Anfang der neunziger Jahre Abtreibung fast vollständig illegalisiert, da sie sich somit die Unterstützung der katholischen Kirche sichern wollte. Südafrika hat Abtreibung im Zuge der Reform des Gesundheitssystems nach dem Ende der Apartheid legalisiert, da sie die Ungerechtigkeit und Notwendigkeit gerade für arme Frauen anerkannten.
Das Interessante ist, dass die Zahl der Abtreibungen und der Zugang zu sicheren Eingriffen nicht nur damit zusammenhängen, ob Abtreibungen legal oder illegal sind. In Polen ist es etwa trotz der Strafbarkeit relativ leicht, an eine illegale aber sichere Abtreibung zu kommen: Für ein entsprechend hohes Honorar bieten viele Ärzte – die deshalb auch ein großes Interesse haben, dass Abtreibung illegal bleibt und sich auch öffentlich gegen Abtreibung aussprechen – den Eingriff an. In Südafrika, wo Abtreibungen dagegen offiziell legal sind, haben es Frauen oft schwer, Zugang zu Informationen und sicheren Eingriffen zu bekommen, weil die Mentalität des Gesundheitspersonals nach wie vor konservativ und wertend ist und die Gesundheitsversorgung allgemein sehr schlecht ist.
Bei meiner Recherche habe ich erkannt, dass nur ein fundamentaler Wandel der Einstellung zu Abtreibung und Verhütung sicherstellen kann, dass Frauen tatsächlich die Möglichkeit haben, sich für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Wenn Ärzte sich aus moralischen Gründen weigern, den Eingriff durchzuführen oder die Pille herauszugeben, hilft auch eine gesetzliche Legalität des Abbruchs nicht. Außerdem wird Abtreibung oft von politischen Parteien instrumentalisiert, um Wählerstimmen zu bekommen, – das passiert vor allem in Nord- und Südamerika ganz massiv – denn es ist immer leicht sich als „Lebensschützer“ zu inszenieren, wenn man die Perspektive und das Leiden der Frauen verschweigt.
Viele Frauen kommen in deinem Film zu Wort und sprechen vor der Kamera über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Du betonst „the importance to speak out“ – welche Öffentlichkeit hat das Thema Schwangerschaftsabbruch derzeit? Und wie vergleichst du die Öffentlichkeit in Deutschland damit?
Zwar war Abtreibung ein Hauptmotiv für die westliche Frauenbewegung in den sechziger und siebziger Jahren, aber seither ist es relativ still darum geworden. Sogar Anfang der neunziger Jahre, als in Deutschland das Gesetz im Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland zwischen den Parteien neu ausgehandelt wurde, gab es kaum feministische Mobilisierung für eine komplette Legalisierung des Abbruchs. Abtreibung ist hier immer noch illegal aber geduldet, deshalb kann der Zugang dazu willkürlich erschwert werden. Die Zwangsberatung stellt in dem Zusammenhang ein großes organisatorisches Problem gerade im ländlichen Gebiet dar. Außerdem müssen jährlich noch etwa 1300 deutsche Frauen nach Holland reisen, um eine sichere Abtreibung zu bekommen und es gibt auch hier viele Fälle, wo arme und illegalisierte Frauen versuchen, selbst einen Abbruch vorzunehmen, was schlimme gesundheitliche Risiken birgt.
Ich denke, es muss genau im Auge behalten werden, wie sich bereits international vernetzte Abtreibungsgegner auch hier organisieren und versuchen, die Diskurshoheit über Abtreibung zu gewinnen. Gerade wurde ein Urteil des Bundesgerichtshofes gefällt, das besagt, dass ein Arzt einer Abtreibungsklinik als „Tötungsspezialist für ungeborene Kinder“ bezeichnet werden darf. Eine städtische Klinik in Passau stellt Ärzte nur an, wenn diese ein Dokument unterschreiben, das besagt, dass sie niemals Abbrüche vornehmen würden. Gerade wird ein neues Gesetz zur Spätabtreibung verhandelt, das auch Abtreibung allgemein in Frage stellen wird. Und in mehreren deutschen Großstädten gibt es jedes Jahr immer größere Demonstrationen von sogenannten „Lebensschützern“.
Leider ist Abtreibung keineswegs ein Evergreenthema für Feministinnen. Auch heute ist das Thema kaum noch präsent, was meiner Vermutung nach zwei Gründe hat:
Erstens fokussieren sich feministische Gruppen oder die Gender Studies entweder auf Identitätspolitik oder auf die Dekonstruktion von Geschlecht. Dabei wurde bisher außer Acht gelassen, dass sich Themen wie Abtreibung oder Verhütung sehr wohl anbieten, Geschlechterkonstruktionen zu hinterfragen. Die Institution der Heterosexualität bezieht ihre natürliche Legitimation vor allem aus der zweigeschlechtlichen Reproduktion. Diese zu unterlaufen, die gesellschaftliche Konstruktion von Mütterlichkeit und Väterlichkeit zu hinterfragen und sich dem ‚natürlichen’ Schicksal durch einen Schwangerschaftsabbruch zu verweigern, sind für die Dekonstruktion der Kategorie Gender sehr hilfreiche Tools. Aber wenn es bei feministischen Themen um sexuelle Selbstbestimmung geht, wird der Schwangerschaftsabbruch da leider oft nicht mehr mitgedacht. Schwangerschaft und Abtreibung werden oft leider als Thema des Second Wave- und des Differenzfeminismus abgehakt. Zudem wird das unter jungen Feminist/innen populärere Queering normalerweise mit der Überschreitung der Geschlechtergrenzen zwischen männlich und weiblich und mit offen zur Schau gestellter sexueller Nonkonformität verbunden – und nicht mit einer heimlichen Verweigerung innerhalb einer Geschlechterrolle.
Zweitens glaube ich, dass Frauen suggeriert wird, dass sie nun besser mal Ruhe geben und vor allem nicht mehr auf das moralische Recht auf den Abbruch beharren sollten, so dass sie sich nicht mehr trauen, ein so tabuisiertes Thema offen anzusprechen und auf die ganzen Probleme der neutralen Informationsbeschaffung, der Organisation und des Zugangs zu Abbrüchen hinzuweisen. Die meisten westlichen Frauen denken eben, sie kriegen schon irgendwie einen Abbruch, wenn sie einen brauchen und wollen sich mit diesem stigmatisierten Thema nicht weiter befassen. Dabei vergessen wir auch gerne unsere Schwestern aus dem Süden, ebenso wie arme, ungebildete und illegalisierte Frauen: Weltweit stirbt laut WHO alle sieben Minuten eine Frau an einem unsicheren, weil illegalen Abbruch. Dies bezeugt nur, wie groß der soziale und ökonomische Druck für Frauen bei einer ungewollten Schwangerschaft ist: Die Frauen riskieren alles dafür. Sexualität lässt sich nicht vollkommen disziplinieren, vor allem nicht wenn die Verantwortung dafür immer noch auf Frauen abgewälzt wird und auch bei gewissenhafter Verhütung kann es zu Pannen kommen. Da Frauen immer der Willkür von Gesundheitspersonal und Politikern ausgesetzt sind, denke ich ist es sogar notwendig ein Recht auf Abtreibung zu formulieren und es endlich aus dem Strafgesetzbuch rauszuholen.
„Abortion Democracy: Poland/South Africa“. Deutschland 2008. Regie: Sarah Diehl. 50 Min. Infos, Bilder und Aufführungstermine unter www.abortion-democracy.de; dort gibt es auch die Möglichkeit, den Film auf DVD zu kaufen.
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Tags: Abtreibung, Film, Sarah Diehl






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Veranstaltungshinweis für alle aus dem Rhein-Main-Gebiet: Der Film wird heute Abend im Pupille-Kino an der Goethe-Uni Frankfurt gezeigt, in Anwesenheit der Regisseurin Sarah Diehl und in Kooperation mit der Ladyfestgruppe Frankfurt.
Mehr Infos unter: http://www.pupille.org/programm.php?auswahl=18
Ein sehr guter Beitrag. Ich habe den Film natürlich noch nicht gesehen.
Aber das Beispiel Polen zeigt eben, dass Abtreibung nicht ein Recht ist, das sich Frauen erkämpft haben und das ungefragt stehen bleibt. Die Gefahr von Rückschritten ist immer gegeben.
Dennoch ist die Forderung, Abtreibung ohne wenn und aber, aus dem Strafgesetzbuch zu verbannen, zu hinterfragen, da irgendwo Grenzen zu ziehen sind. Ungeregelte Abtreibung bis zur Geburt soll es nicht geben, Fristen sind notwendig. Auch wenn die momentan in Deutschland gesetzte Frist zu kurz ist – vor allem weil durch Zwangsberatung und Zwangs-Wartezeit wertvolle Tage verloren gehen. Selbst tendiere ich zu einer Frist angesiedelt in der Höhe zwischen 18 und 22 Wochen, unterhalb derer ein Abbruch eine wertneutrale medizinische Dienstleistung an Frauen, oberhalb Einschränkungen. Sowie ein Netz von Einrichtungen, welche diese Dienstleistung anbietet. Es ist ein Unding, wenn Frauen ins nächstgelegene Kreiskrankenhaus gehen, und dort von Ärzten und Schwestern schief angeguckt werden.
Sie spricht es aber sehr gut an. Frauen in Deutschland können abtreiben,wenn sie wollen, sie können, wenn sie Geld haben, auch über der Frist und ohne Beratung, dann im Ausland abtreiben. Aber ja keine schlafenden Hunde wecken, sagen sich die meisten… Von der Abtreibung erzählt man dem Erzeuger, der besten Freundin, vielleicht noch den Eltern. Sonst verschweigt man es lieber. Und erlaubt den Abtreibungsgegnern die betroffenen Frauen, zu dämonisieren.
»Leider ist Abtreibung keineswegs ein Evergreenthema für Feministinnen. Auch heute ist das Thema kaum noch präsent, was meiner Vermutung nach zwei Gründe hat:
Erstens fokussieren sich feministische Gruppen oder die Gender Studies entweder auf Identitätspolitik oder auf die Dekonstruktion von Geschlecht. Dabei wurde bisher außer Acht gelassen, dass sich Themen wie Abtreibung oder Verhütung sehr wohl anbieten, Geschlechterkonstruktionen zu hinterfragen.«
oder es ist einfach ein pragmatischer schachzug, der den feminismus vor dem moralischen »zugriff« der lebensschützer & co. zu bewahren versucht.
… oder aber das ist von mir zu optimistisch gedacht *ggg*. denn – um es mal auf den punkt zu bringen – der zwang, eine schwangerschaft auszutragen, ist das schwerwiegendste aller weiblichen handycaps.
Es ist natürlich ein Handycap, das die biologischen Zwänge uns geliefert haben. Dank der modernen Medizin ist es ein kurzer und ziemlich gefahrloser Eingriff, der es uns erlaubt, sich gegen diese Zwänge zu stemmen. Was die Medizin ermöglicht, macht aber die Moralkeule wieder kaputt.
Es ist nur scheinbar ein pragmatischer Schachzug. Die Hürden, die noch in den Weg gelegt werden, sind überwindbar. Manche sagt sich, ich nehme die Zwangsberatung auf mich, höre zu, was es für “Hilfen” gibt wenn sie das Kind bekommt, das kann man über sich ergehen lassen. Im Vergleich zu früher auf jeden Fall ein Fortschritt. Dann verschwindet sie aber wieder in der Anonymität. Es ist gesellschaftlich nicht akzeptiert, wird nur als notwendiges Übel in Notlagen gesehen. Eine Frau die abtreibt gilt als Versagerin: Sie kann nicht verhüten, ist nicht in der Lage sich um ein Kind zu kümmern und… sie wird immer noch kriminalisiert, indem der Eingriff rechtswidrig ist, wenn auch straffrei.
[...] 18, 2008 Sarah Diehl, Dokumentarfilmerin und Autorin, spricht über ihren Film Abortion Democracy und das Recht auf Abtreibung als feministisches Thema: Leider [...]
“Wenn Ärzte sich aus moralischen Gründen weigern, den Eingriff durchzuführen oder die Pille herauszugeben, hilft auch eine gesetzliche Legalität des Abbruchs nicht.”
Dabei sehe ich es als Recht der Ärzte, aus moralischen Gründen den Eingriff zu verweigern. Es bringt keiner Frau etwas, wenn ein Arzt dies gegen seinen Willen tut. Gerade deshalb plädiere ich für spezielle Zentren, in denen eine Frau ohne jeglichen ethischen Vorbehalt der Ärzte und des übrigen Personals diesen Eingriff verlangen kann. Würde das abstruse “Werbeverbot” in Deutschland wegfallen, könnte sich eine Frau direkt dorthin wenden – und landet nicht am Ende bei einem Gynäkologen, der es ohne Überzeugung, nur um einen Zuatzverdienst zu generieren tut, oder einem Chefarzt in einem Kreiskrankenhaus, der es auch nur tut, weil er bei einer Verweigerung um seinen Job zu fürchten hat – und dies bei der Patientin auch so rüberkommt.
“Dabei sehe ich es als Recht der Ärzte, aus moralischen Gründen den Eingriff zu verweigern. Es bringt keiner Frau etwas, wenn ein Arzt dies gegen seinen Willen tut.”
Wenn er es ordentlich macht, was sein Beruf ist, dann ist sie nicht mehr schwanger und trotzdem gesund. Es bringt ihr also sehr viel. Wenn ein Arzt moralische Bedenken dagegen hat, sollte er sich eine andere Spezialisierung suchen. Mit moralischen Gründen als Rechtfertigung anzufangen ist viel zu gefährlich.
Brinden Postboten demnächst auch keine Briefe mehr zu Scientology weil sie deren Treiben als Katholiken/Atheisten nicht unterstützen können? Wenn Ärzte sich auf ihre Moral berufen dürfen, warum sollten Postboten das nicht können?
Also “Abtreibungszentren”… In manchen Gegenden würden solche Zentren sicher gar nicht erst entstehen. Weil keiner dahinziehen will, keiner der dort lebt sich das traut…
Und was wenn die ersten Ärzte anfangen, auch keine Pille und Kondome zu verteilen? Gute Katholiken haben doch nur in der Ehe Sex und dann auch nur, um sich fortzupflanzen? Oder wenn Apotheker auch nen Rappel kriegen?
Sicher wird auch ein Arzt, der ungern einen Abbruch macht, gute Arbeit leisten. Aber ich kenne selbst zwei Fälle im Bekanntenkreis, in denen Frauen wirklch schlecht behandelt wurden. Beides in ländlichen Kreiskrankenhäusern.
Ist es nicht erniedrigend, wenn eine Frau, wie sie es mir erzählt hat, nach dem Eingriff im Aufwachraum liegt, die Schwester Tee bringt, das Glas hinklatscht und sie dabei scheel anschaut? Ist es da nicht menschlicher, mit 5 anderen Frauen im Zimmer zu liegen und zu sitzen, die gerade das gleiche hinter sich haben, betreut von Schwestern die wirkich vollstes Verständnis haben?
Sicher wäre es sinnlos, diese Zentren als reine Abtreibungszentren zu führen, sondern allgemein zur Reproduktionsmedizin, insbesondere Verhütung und Notfallverhütung.
Ich würde viel lieber zu einem Arzt gehen, der an dem Vormittag den fünften Abbruch durchführt, als zu einem, der es nur ab und zu und ungern macht.
Und es gibt durchaus sehr profesionnelle Zentren dazu in Deutschland. Nur, sie dürfen nicht sagen, was sie machen. Die Frauen werden so schlecht informiert. Eine Betroffene geht zum Arzt, der sich bereit erklärt den Eingriff vorzunehmen. Da er mit einem Anästhesisten zusammenarbeitet, will er auch ihn auslasten, erzählt der Frau, ein Abbruch sei nur unter Vollnarkose möglich. Und die Frau, wenn sie nicht von andern informiert worden ist, hat keine Chance zu erfahren, dass die Praxis direkt am Bahnhof ein hochmodernes Zentrum ist, in dem wöchentlich Dutzende Abbrüche durchgeführt werden, die Frau frei wählen kann, ob sie Vollnarkose, örtliche Betäubung oder einen rein medikamentösen Abbruch will.
Will jetzt nicht den Thread zuspammen.
Aber wer setzt sich eigentlich mit den konkreten Möglichkeiten eines Abbruchs auseinander? Abbruch wird mit Abbruch immer gleichgesetzt. Vielleicht unterscheidet man noch in medikamentös und operativ.
Es beginnt schon bei den Betäubungsmöglichkeiten bei einem operativen Abbruch, gibt verschiedene Varianten. Örtliche Betäubung erfordert nur zwei Spritzen – und das verlangt auch ein Können. Ein Grund, weshalb häufig auf Vollnarkose ausgewichen wird.
Medikamentös geht es bis zum 63. Tag – auch wenn noch so viele Ärzte behaupten, nur bis zum 49.
Um Verletzungen zu vermeiden, ist es bei Nullipari ratsam, den Muttermund medikamentös aufzuweichen – wird häufig auch nicht gemacht, wenn Frau unter Narkose ist, spürt sie eh nix. Man kann den operativen Abbruch als Auschhabung durchführen, indem Tage vorher Mifegyne verschrieben wird – so löst sich die Frucht einfacher.
Nur spezielle Zentren können alle Möglichkeiten anbieten und von Fall zu Fall mit der Frau entscheiden, welche Methode die beste ist.
SoE, du sagt es richtig, das Ziel eines Abbruchs ist es, nicht mehr schwanger zu sein. Aber sollte es nicht das Ziel sein, diesen Eingriff möglichst schonend und sicher durchzuführen?
vergessen wird ja auch sehr gerne die nachbetreuung.. viele frauen die einen abbruch vornehmen leiden danach psychisch sehr stark. wenn man dazu noch vom behandelden arzt stigmatisiert wird, ist das mit sicherheit auch keine hilfe..
wenn abbrüche aus dieser grauzone verschwinden würden könnte man vielen frauen ein solches trauma ersparen.
Ich sagte doch, der verflixte Job von Ärzten ist es, die Op ordentlich zu machen. Und wenn Patientinnen mies behandelt werden, weil die Ärzte und Schwestern ein moralisches Problem haben, heißt es, dass sie ihren Job scheiße machen. Dass man dagegen in Deutschland derzeit noch zu wenig machen kann, ist ein ganz anderes Problem. Es spricht aber umso mehr dafür, noch deutlicher zu machen, dass moralische Bedenken und persönliche Vorurteile wirklich nicht mit zur Arbeit gebracht werden dürfen.
Werbeverbot ist etwas anderes wieder. Aber wenn ich mir vorstelle, dass eine Klinik wirbt mit “hier behandeln wir sie ohne Vorurteile” (was ich ihm Prinzip von jeder Klinik erwarte), dann liegt das Problem nicht im Werbeverbot!
@ Erna
Häufig rühren die psychsichen Problem nach einer Abtreibung eben von der Stigmatisierung her. Den Frauen wir direkt eingeredet, sie tun was schlechtes.
@ SoE
Das bräuchte dann eine Grundsatzdiskussion, ob Abtreibung zum obligatorischen Spektrum eines Arztes gehört, insbesondere eines Gynäkologen. Angeblich sind ja gerade in Holland in den speziellen Kliniken Ärzte tätig, die gar keine Gynäkologen sind.
In Deutschland wäre das an sich kein Problem, der “freie Markt” würde es regeln.
Als ich schwanger war, ging ich zu einem Arzt, der auf der Liste war, die mir bei Pro Familia ausgehändigt worden ist. Erstens schaute der mich ganz böse an, zweitens fragte er mich hundert mal, ob ich es mir wirklich überlegt habe, drittens erklärte er so gut wie gar nichts, wie der Eingriff läuft und bestellte für mich in 10 Tagen ein Bett in der Klinik. Ja, stationär und mit Vollnarkose.
Nur durch Zufall erfuhr ich von einer Klinik, die darauf spezialisiert war. Zwar 20 Minuten Fahrt mit der Bahn, aber innerhalb 15 Minuten war das erledigt, praktisch schmerzfrei, plus zwei Stunden Aufenthalt im angenehmen Ruhezimmer.
“Wir behandeln Sie ohne Vorurteile” würde wohl niemand sagen, aber wenn eine Klinik wirbt, sie sei auf Schwangerschaftsabbrüche spezialisert (ja, man kann noch hinzufügen, die Entscheidung der Frauen werde respektiert – siehe österreichische Kliniken), dann ist zu erwarten, dass dort die Frauen wirklih nicht fertig gemacht werden.
Sicher, böse Blicke, fehlende Dialoge in einer Klinik sind immer noch der Abtreibung auf dem Küchentisch vorzuziehen. Aber über das Minimum, der Möglichkeit eines Abbruchs hinaus, soll dabei auch das menschliche Stimmen. Oder sehe ich das zu sehr von meinem eigenen Standpunkt aus?
Nehme wir mal an, du wärst ungewollt (und unerwünscht) schwanger: Was würdest vorziehen? Die Klinik um die Ecke, in der zwar sauber aber mit grimmigen Blicken und faden Bemerkungen behandelt wirst, oder in einem speziellen Zentrum, zu dem zwar eine halbe Stunde fahrens musst, in dem aber selbst besprechen kannst, welche Methode jetzt die Beste ist, die Ärztin dir nach dem Eingriff direkt in die Augen schaut und sagt es sei geschafft?
Ariane, deine Argumentation, dass es wichtig ist, nicht von Aerzten behandelt zu werden, die ihre Patienten ablehnen, ist soweit ganz einleuchtend.
Ich glaube aber, dass eine solche Spezialisierung dennoch verheerend waere, was die Behandlungsqualitaet ausserhalb der Zentren angeht. Dann wuerden sich naemlich solche selbstgerechten Arschloecher legitimiert fuehlen, weil die Frau ja in so ein Zentrum gehen kann.
Es gehoert zum Berufsbild von Frauenaerzten und Frauenaerztinnen, nicht nur Geburtshilfe zu leisten, sondern auch fuer Verhuetung und Abtreibung zu sorgen. Und man wuerde fuer einen Dammbruch sorgen, wenn man den Aerzten hier eine Wahl liesse. Sie haben ihren Job zu machen und Punkt. Nur die Andeutung, das haette was mit Moral zu tun richtet hier schon Schaden an. Du schreibst ja selber, dass die Probleme, die Frauen mit einer Abtreibung haben, zum Grossteil von der Stigmatisierung herruehren. Also muss man die Stigmatisierung bekaempfen und nicht abgesehen von speziell geschuetzten Bereichen noch beguenstigen.
Ich gratuliere dir zu der Entschlossenheit dir vernuenftige Aerzte zu suchen. Das ist durchaus bemerkenswert, erstaunlich viele Leute erstarren noch viel zu sehr in Ehrfurcht vor dem jeweiligen Halbgott in weiss und kommen nicht mal darauf nach Alternativen zu fragen. Ist mir auch schon passiert. Normalerweise bin ich keine Anhaengerin von “der Markt wirds schon richten”, aber ich hoffe doch stark, dass solche Aerzte wie der von dir beschriebene mittelfristig massiv ihre Patientinnen verlieren.
Was auf jeden Fall verbessert werden muss – uebrigens in jedem Bereich des Gesundheitswesens – ist die Information ueber Moeglichkeiten und vor allem ueber die Erfolgsquoten von Kliniken und Praxen.
Ach ja, ich hoffe, dass ich das nie brauche, aber WIE hast du von dieser spezialisierten Klinik erfahren? Internet? Mundpropaganda?
@ Neeva
Das schon, aber ich halte es für eine schlechte Lösung, nachdem lange Zeit die Wahlfreiheit von Frauen eingeschränkt war und ist, jetzt zurückzuschlagen und die Wahlfreiheit der Ärzte zu beschneiden. Gleich wie ich Vegetarier respektiere, die kein Fleisch verzehren, gleich respektiere ich, wenn jemand persönlich Abtreibung nicht vertreten kann. Es geht nicht nur um die Ärzte, sondern wenn es in einer reguläeren Klinik durchgeführt wird, auch um das übrige Personal. Ich halte es für das Recht einer vielleicht religiös gebundenen Klinik, die Durchführung von Abtreibungen zu verweigern. Nur sollte das explizit mitgeteilt werden. Gleich wie ein Arzt, eine Klinik das Recht haben sollte, auf ihrer Homepage zu werben, ob und auf welche Weise sie Schwangerschaftsabbrüche durchführt, so sollen andere das Recht haben, mitzuteilen, diese Leistung bieten sie nicht an.
Problematisch für uns Frauen wäre es erst, wenn keine Grundversorgung mehr gewährleistet wäre. Die bayerische Lösung, 2 Kliniken führen mehr als die Hälfte der Abbrüche in Bayern durch, ist sicher kein Vorbild. Der Staat sollte eine minimale Versorgung garantieren. Da wäre zu diskutieren, wie die ausfallen sollte. Ich habe jedoch das Gefühl, Qualität geht den meisten Frauen vor einer möglichst nahe gelegenen Möglichkeit.
@ Neeva
Mundpropaganda, durch viele Ecken. Schaut man sich den Internetauftritt der Klinik an, würde man unvoreingenommen nie ihm Leben darauf kommen.
das grundübel liegt in den gesellschaftlichen moralvorstellungen. es wird solange keine befriedigende lösung des problems geben, solange es keine moralische akzeptanz dafür gibt, daß frauen die entscheidung über ihre fortpflanzung obliegt.
Einerseits fordern wir Akzeptanz, andererseits verstecken sich Frauen, die abgetrieben haben, regelrecht mit ihrer Entscheidung. Da diese Frauen dann nur Zahlen in der Statistik sind, kann man sie viel leichter als gesichtslose Monster darstellen, was zu einer noch stärkeren Tabuisierung führt….
Hat sich sonst jemand mit der Debatte in den 70er Jahren auseinandergesetzt? Damals war es noch strafbar – Frauen bekannten in Zeitschriften, abgetrieben zu haben, Frauen rotteten sich in Demonstrationen zusammen, mit Transparenten “wir haben abgetrieben”, Frauen fuhren in Bussen nach Holland, klebten ebenfalls Transparente an den Bus, welche die Fahrt als Fahrt in eine Abtreibungsklinik deklarierten.
Heute hat eine Frau keine Strafverfolgung zu fürchten. Nur gesellschaftliche Ächtung. Vielleicht erscheint aber das, was man mit einem Einsatz gewinnen könnte, zu gering, weil in der Praxis, wenn auch unter erschwerten Umständen, Abbrüche möglich sind.
Alpenglühen,
das finde ich ein gutes Wort von Dir, “eine moralische akzeptanz, dass frauen die entscheidung über ihre fortpflanzung obliegt.”
Das bedeutet zugleich, volles Vertrauen zu haben, dass Frauen im jeweiligen Moment gut und verantwortlich entscheiden – für sich und für das Kind, das es ja in dem Moment auch schon gibt. Um dieses Vertrauen in Frauen geht es eigentlich im Kern. Und da bin ich mir selbst nicht ganz sicher. Und zwar wegen der unterschiedlichen Argumentationen, die gebracht werden, auch auf diesem Blog. Ich finde, es ist ein Unterschied, ob eine Frau denkt: “Ich habe es mir gut überlegt, es wäre für mein Leben und damit auch für das meines Kindes zerstörerisch, wenn ich es auf die Welt bringe” oder ob sie denkt: “Eine Panne passiert nun mal, auf etwas Neues in meinem Leben will ich mich nicht einlassen”.
Deswegen finde ich Beratung mit anderen Menschen in so einem Moment gut und bei einer völligen Aufhebung des Verbots der Abtreibung müsste eine (moralische) Kultur besonders unter Frauen da sein, die Verständnis hat, Unterstützung gibt, aber auch ein Nachdenken ermöglicht. Vielleicht wäre dann auch mehr wirkliche Hilfe für Frauen in Notsituationen da.
Es gibt in dieser Sache nicht schwarz oder weiß: es gibt die Selbstbestimmung der Frauen und es gibt die immer früher lebensfähigen Kinder.
Was ich übrigens gar nicht verstehe: sehr viele Paare möchten ein Kind adoptieren. Warum werden nicht viel mehr neugeborene Kinder zur Adoption freigegeben?
Ne, sorry, wenn man die Möglichkeit hat, dass “um die Ecke” durchführen lassen kann, dann sollen die verdammt noch mal ihren Job “non-judgemental” machen. In England verlangt die NHS diese Einstellung von ihren Angestellten und es gibt auch in Deutschland Ärzte, die so arbeiten. Dafür bin ich dankbar, denn ein solches Zentrum würde sich in einem relativ unbevölkertem Bundesland wie SH sicher nicht unbedingt rentieren.
Der letzte Arzt (ein Zahnarzt zwar), der mir doof gekommen ist, hat mich nie wiedergesehen. Und ich sehe einfach nicht ein, dass ein Arzt meinen Lebensstil aus religiösen oder moralischen Gründen missbilligt. Ich erzähle ihm oder ihr ja auch nicht ungefragt, dass ich etwa Katholizismus als frauenverachtend und rückständig ansehe und gucke die ganze Zeit, als ob ich mit “Wilden” rede.
Warum so wenig Kinder zu Adoption freigegeben werden? Weil heute unverheiratete Mütter nicht mehr zur Aufgabe gedrängt werden und ihr Baby selbst groß ziehen dürfen. Und wer weiß, dass sie kein Kind haben will, treibt meistens ab. Aber welche Frau will schon 9 Monate körperliche Beeinträchtigungen (Übelkeit, einige Berufe darf man schwanger nicht ausüben, Chemikalien etc) auf sich nehmen, dann täglich 23787 Fragen zum Baby hören, Leute, die ungefragt den Bauch antatschen, ertragen und dann das Baby wieder abgeben. Damit dann alle fragen “was ist denn passiert, warst du nicht schwanger?” und im schlimmsten Fall kommt dann “na wenn du es eh nicht wolltest, hättest du es auch abtreiben können”…
@ Cornelia
Es war eine Panne, ich will jetzt kein Kind, ist ein Grund und als solcher zu akzeptieren. Es geht nur die Frau etwas an, ob sie abtreiben will, weil sie eben kein Kind will (an einem Kind nicht zu Grunde gehen würde) oder ob sie abtreibt, weil es wirklich “schwerwiegende” Gründe sind. Die Entscheidung liegt bei der Frau, ohne Zwang zur Rechtfertigung.
Du nennst die immer früher überlebensfähige Kinder. Das ist eben ein Grund, weshalb ich eine Frist von etwa 18 Woche für sinnvoll halte. Diese würde von den Frauen aber schon nur aus Eigeninteresse in den wenigsten Fällen voll ausgeschöpft. Wäre die Zwangberatung weg, würden die meisten Abbrüche vor der 10. Woche durchgeführt.
@ SoE
Jeder Mensch hat seine Vorstellungen. Du nennst England. Aber gerade in England konzentrieren sich Abtreibungen auf entsprechende Zentren. Dein Beispiel SH: Lass dir mal vom Gesundheitsamt eine Liste geben, wie viele Ärzte in SH Abbrüche durchführen. Die wird sich über mehrere Seiten erstrecken. Das Bedürfnis besteht. Auch in SH wären Zentren, die Verhütungsberatung und Schwangerschaftsabbrüche anbieten, ausgelastet.
Ich fahre auch 100km zu meiner alten Zahnärztin, weil der “um die Ecke” mir jedesmal Vorwürfe gemacht hat, mein Zungenpiercing sei schädlich für die Zähne.
Schwangerschaftsabbruch gilt als einer der einfachsten Eingriffe. Aber um ihn möglichst schonend für die einzelne Frau durchzuführen, ist auch entprechendes Know How notwendig.
Probleme sähe ich speziell vielleicht in einigen Gegenden Bayerns, in denen ein so spezialisierter Arzt, bzw. Zentrum, Mühe hätte, sich niederlassen zu können. Deshalb bin ich auf für ein staatlich verbindliches Grundangebot.
Thema Adoption. Ist für Frauen, die moralische Vorbehalte gegen Abtreibung haben, sich aber in einer Notlage sehen, eine Alternative und die Adoption sollte erleichtert und gesellschaftlich akzeptierter werden.
Adoption würde ich aber nie gegen Abtreibung ausspielen. Denn für eine Abtreibung entscheidet sich nicht nur eine Frau, weil sie kein Kind haben will, sondern weil sie nicht schwanger sein will. Weil sie Schwanger-Sein als einen unerwünschten Zustand sieht, den sie beenden will.
»Es gibt in dieser Sache nicht schwarz oder weiß: es gibt die Selbstbestimmung der Frauen und es gibt die immer früher lebensfähigen Kinder.«
das bezieht sich wohl eher auf das gerade aktuelle thema spätabtreibung. ein 12 wochen alter fötus ist nicht lebensfähig.
»Was ich übrigens gar nicht verstehe: sehr viele Paare möchten ein Kind adoptieren. Warum werden nicht viel mehr neugeborene Kinder zur Adoption freigegeben?«
wenn eine frau kein kind will, dann wird sie auch nicht ihren körper zur verfügung stellen wollen, um es auszutragen. das ist für mich völlig nachvollziehbar.
»… und für das Kind, das es ja in dem Moment auch schon gibt.«
ja … hier wirds dann immer kompliziert. ist ein fötus oder ein embryo schon ein kind? ist eine befruchtete eizelle ein KIND? oder ist ein kind – ein mensch – ein selbstständig lebender einzelner organismus? wenn die befruchtete eizelle ein selbstständig lebendes kind wäre, dann wäre sie nicht teil des mütterlichen organismus. ok, dann nennen wir die befruchtete eizelle eben »menschliches leben«. so weit, so gut. aber vor der befruchtung war die eizelle definitiv auch menschlich und lebte. was nun? hier grätschen die lebensschützer rein mit dem argument der seele, die angebl. zum zeitpunkt der verschmelzung irgendwie rein gebeamt wird. das ist zwar spekulation, aber der dreh- und angelpunkt des themas. mit der fomulierung, es wird »ein kind« abgetrieben, ist bereits eine quasi inakzeptable tendenz gegeben.
sicher ist frage, wann ein zellhaufen beginnt, ein mensch zu sein, nicht banal zu beantworten. und man wird hier immer prioritäten setzen müssen zu gunsten des einen und zu lasten des anderen. setzen wir die prioritäten zu gunsten des zellhaufens oder zu gunsten der frau? wie gängige lesart ist bekannt.
»Ich finde, es ist ein Unterschied, ob eine Frau denkt: …«
unterschied hin oder her. wenn wir uns zu gunsten der frau entscheiden, dann muss uns deren motivation egal sein. das ist dann allein ihre sache. und was sie »denkt«, ist ohnehin nicht nachprüfbar.
Was sie “denkt” ist sowieso nur Spekulation. Eine West-Frau hätte vor 20 Jahren sicher nicht gesagt, sie hätte einen Urlaub auf Mallorca gebucht, will im Bikini nicht schwanger sein, also “weg damit”, sondern, weil es die soziale Indikation gab, schwerwiegende Gründe dargelegt. Im Osten wiederum hätte sich eine Frau eher gehütet, zu erzählen, sie treibt ab, weil die Wohnung zu klein ist, sie aber aus religiöser Überzeugung eher dagegen ist, jetzt aber nicht anders kann (damit hätte sie sich erstens als religiös geoutet und zweitens den sozialistischen Staat angeklagt, der ihr nicht genügend Wohnraum zur Verfügung stellt). Folge waren das die Thesen, im Osten treiben Frauen “leichtfertiger” ab als in Westdeutschland.
Sicher sollte man einer Frau, die zum 8. mal abtreibt, erklären, weshalb es nicht so gut ist, aus gesundheitlichen Gründen. Es entscheidet aber nur die Frau, ob sie ihren Bauch zur Verfügung stellen will, um aus einem Embryo ein Kind entwickeln zu lassen will oder nicht. Dazu hat sie das Recht, auch wenn die Moralapostel sagen, das sei egoistisch, hart, sie sei dumm, weil Verhütungsfehler gemacht u.ä.
Zur Adoption als Alternative….
ein Artikel aus der Taz, der beschreibt, dass das wohl genauso wenig akzeptiert wird
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/eine-andere-art-mutter/
Adoption wir gesellschaftlich nicht akzeptiert, Abtreibung wird gesellschaftlich nicht akzeptiert. Nur kann man Abtreibung im “Geheimen” machen.
Beides sollte erleichtert und akzeptiert werden. Dennoch hängen die Themen nur lose zusammen, denn bei einer Abtreibung geht es um die Beendigung einer Schwangerschaft, bei der Adoption um die Weggabe eines bereits existierenden Kindes.
nochmal zur motivation abzutreiben…
ich denke das ist ein sehr subjektives thema und kann tatsächlich nur der frau überlassen werden.
wenn jetzt zum beispiel ich, mitte 20, studentin, ohne partner schwanger wäre gäbe es natürlich genug möglichkeiten ein kind auszutragen und zu ernähren (sozialstaat, eltern etc…) und es würde mich sicher nicht ins verderben stürzen. das ist der objektive teil, wegen dem man sich im falle der abtreibung rechtfertigen müsste.
die subjektiven empfindungen die damit einhergehen wie z.b. zukunftsängste verspürt aber nur die frau selbst und niemand sonst. achja, und die frage ob man ein kind will kommt auch noch dazu… wer könnte darüber ein urteil fällen?
was bedeutet in diesem sinne schwerwiegend?
zur adoption…
ich denke adoption wird sogar noch weniger akzeptiert. viele menschen haben immer noch die auffassung es sei komplett unmenschlich ein kind abzugeben dass man 9 monate ausgetragen hat.
@Erna
Ohne Partner schwanger werden :-) (Ironie, klar was damit gemient ist…).
Schwerwiegend sind etwa Fälle wie: Frau hat 2 Kinder, gehen endlich in Schule, Mann hat sie verlassen, ist in der Lage wieder ihre Berufstätigkeit aufzunehmen – und wird ungewollt schwanger. Ist eigentlich aus moralischen Gründen eher gegen Abtreibung, entscheidet sich aber in dieser verzwickten Situation dafür.
Stichwort Zukunftsängste: Sicher spielt das eine Rolle. Aber verfallen mit der “Frau hat Zukunftsängste” nicht wieder der Meinung, eine Abtreibung sei eine, eben schlechte, Lösung in einer Notsituation?
Gehe ich zum Frauenarzt und verlange die Verhütungspille, dann mache ich mir dabei auch nicht über Zukunftsängste Gedanken. Es ist mein Wille, nicht schwanger zu werden. Ist die Begründung, bei einer unerwünschten Schwangerschaft (die man natürlich durch Verhütung vermeiden sollte, aber nichts und niemand ist perfekt), nicht mehr schwanger sei zu wollen und kein Kind zu gebären, nicht hinreichend? Jede Frau hat ihre eigenen Gründe, aber sie soll das Recht haben nach einer subjektiven Abwägung – dazu gehört persönlicher Stellenwert des Embryos, Risiko und Schmerzen des Eingriffs, evtl. Kosten – den Eingriff zu verlangen.
“Ich brauche einen Termin für einen Schwangerschaftsabbruch” ist das einzige, was im Vorfeld zwingend zu sagen ist. Schon das Wort “Schwangerschaftskonflikt” ist schrecklich. Es gibt Frauen, die sind in einem solchen Fall wegen der Schwangerschaft in einem Konflikt mit sich selbst. Denen sollte man auch auf freiwilliger Basis eine Beratung ermöglichen. Aber es gibt auch die, die in überhaupt keinem Konflikt sind, sondern einen möglichst schnellen und schonenden Eingriff zur Beendigung der Schwangerschaft wünschen.
Wäre es nicht am einfachste, gerade in Gebieten, in denen sich keine marktwirtschaftlich tätigen spezialiserten Kliniken festsetzen, in solche Zentren umzuwandeln, mit einer Minimalbesatzung aus:
1. Psychologin, welche Frauen, die eine Beratung wünschen, unterstützt.
2. Frauenärztin welche auf Wunsch Abbrüche durchführt, daneben aufgesucht werden kann, wenn schnell die Pille danach benötigt wird oder eine Frau ohne lange Warterei ein Verhütungsmittel bekommen will?
Wäre es denn keine gute Lösung, solche Familienplanungsstellen zu gründen?
@ ariane: genau deshalb hab ich den zusatz “und die frage ob man ein kind will kommt auch noch dazu” hinzugefügt.
ich denke dass jeder grund der für eine frau hinreichend ist auch für ihre umgebung hinreichend sein sollte. deshalb bin ich auf die subjektive empfindung eingegangen. die kann absolut niemand in frage stellen..
Ja, der Wille der Frau genügt und darf nicht in Frage gestellt werden.
Man sollte vielleicht die Gründe hinterfragen, weshalb dieses “Evergreen-Thema” heute nicht mehr zuoberst auf der Agenda der Frauenbewegung, sofern wir noch von einer Bewegung sprechen wollen, steht.
Vor 30-40 Jahren war ein Konsens unter den Frauen noch einfacher zu bewerkstelligen, da alle mit der Situation unzufrieden waren.
Wer nicht das notwendige Geld oder die Informationen hatte, war in einer verzweifelten Lage. Wie sollte frau ohne Internet erfahren, welche Kliniken es in Holland durchführen? Wieviel kostete damals die Reise? Frau konnte sich durchfragen, wenn sie Glück hatte, wurde eine Fahrt nach Holland organisiert, wenn sie Pech hatte, landete sie bei einem Pfuscher in einem Hinterhof. Das war ein unhaltbarer Zustand. Vor allem, weil eine Schwangerschaft für die Frau damals viel gefährlicher war als heute. Uneheliche Kinder konnten die Ehre der ganzen Familie gefährden. Auch war das soziale Überleben einer alleinstehenden Frau gefährdet, wenn sie ein Kind bekommen hatte. Berufstätige Frauen, erst noch mit Kind gab es wenige. Der Staat verbot aber den Ausweg der Abtreibung.
Der Konsens, diesen unhaltbaren Zustand zu ändern war da viel einfacher. Egal ob man der Meinung war, Abtreibung sei unter den “genannten” schwerwiegenden Gründen zu erlauben oder es handle sich um einen Eingriff auf Wunsch der Frau unabhängig von deren Lage. Man wollte diesen Zustand verändern.
Heute ist es eben anders. Erstens wirksame Verhütungsmittel für alle und nicht nur für verheiratete Frauen. Zweitens die Möglichkeit ein Kind “ohne Mann” zu bekommen, in städtischen Gebieten normal. Zusätzliche soziale Absicherung und die zunehmende Vereinbarkeit von Kind und Berufstätigkeit. Es ist nicht alles perfekt, zugegeben. Aber viele Horroszenarien, die Frauen auf den Küchentisch zur stümperhaften Abtreibung getrieben haben, sind weggefallen. Und da hat sich der Weizen vom Spreu zu trennen begonnen. Die einen sagen, Abtreibung sei, wie es der Fall ist, nur unter Einschränkungen zu erlauben – Beratung und enge Frist -, andere beharren immer noch auf der alleinigen Entscheidungshoheit der Frau über ihren Körper.
Es sind eben nicht die noch vorhandenen AnhängerInnen konservativer Lebenseinstellungen, welche einer Frau, die sagt, sie will abtreiben, fragen, “weshalb?”. Es sind moderne Frauen, gleichberechtig, eigentlich fern jeglicher verknorkster Weltanschauung. “Ich will abtreiben” ist kein Grund. “Ich muss abtreiben” sagen die meisten Frauen, um sich zu verteidigen. Jedesmal wenn ich im Freundeskreis das Thema anspreche, kommen die bekannten “wenn-Sätze”:
Ich bin für Abtreibung, meistens als ich halte Abtreibung für vertretbar, wenn
- die Frau noch sehr jung ist
- keinen festen Partner hat
- sie nicht Schuld an der Verhütungspanne ist
- sie in Ausbildung ist
- sie Schulden hat
- sie schon viele Kinder hat
In allen möglichen Variationen kommen diese vielen “wenn”. Und ich habe eins gemerkt: Man kann über Abtreibung nur diskutieren, wenn man zu Beginn darlegt, wie man persönlich zu diesem Thema steht. Und das spricht hier in der Diskussion niemand direkt an.
Selbst stehe ich zu dieser Thematik so:
- Abtreibung soll ohne Rechtfertigungsdruck erlaubt sein. Auch eine Frau, welche zum 3. Mal abtreibt, weil sie bei einem ONS nicht verhütet hat, braucht sich nicht zu rechtfertigen. Medizinische Aufklärung ist in Ordnung, aber keine moralischen Einwände. Abtreibung ist wertneutral zu verstehen.
- Abtreibung soll ohne jeglichen Zwang zur Beratung möglich sein.
- Bis zu der Frist, ab der ein Kind mit Hilfe intensivmedizinischer Mittel überlebensfähig ist. Diese Frist wäre noch festzusetzen.
- Freie Wahl der Methode. Abbrüche nach der heutigen Frist werden in Deutschland mittels Geburtseinleitung gemacht. Das kann sehr belastend sein. Es soll angeboten werden, die auch operativ zu machen. Dafür sind entsprechende Einrichtungen zu schaffen. Aufgrund der geringen Zahl die Spätabtreibungen überhaupt ausmachen würden, ist eine Konzentration auf die wichtigsten Ballungsgebiete vertretbar.
- Im Gegensatz zu Arianne glaube ich weniger an den Markt. Vorzuziehen wäre die Pflicht eines jeden Krankenhauses mit gynäkologischer Einrichtungen Abbrüche, Spätabtreibungen ausgenommen, die Abtreibungspille zu verschreiben und Abbrüche mittels Absaugung bis zur 15. Woche vorzunehmen.
Zu dieser Meinung komme ich, weil ich den Embryo/Fötus als einen Teil des Körpers der Frau sehe, über den sie volle Verfügungsgewalt besitzt. Diesem Embryo dürfen keinerlei Rechte zugestanden werden, weil damit das Recht der Frauen tangiert wird.
@ Chrissy
Ein wohl zu langer Beitrag. Aber du hast Recht, wenn du meinst, die individuellen Gründe die zu einem Abbruch führen gehehn nur die Frau etwas an. Aber du wirst hier auch andere Meinungen vorfinden, weil viele unter dem Deckmantel des “Lebensschutzes” die Rechte der Frauen einschränken wollen.
Ich sage es etwas provokant, aber macht es in ethischer Hinsicht tatsächlich einen Unterschied, ob eine Frau täglich ihre Pille schluckt, oder eben nicht und wenn sie, sobald die Schwangerschaft feststeht, die Abtreibungspille schluckt? Ich sehe sehr wohl einen medizinischen Unterschied, weshalb natürlich Verhütung zu bevorzugen ist. Aber es ist der gleiche Akt. Man nimmt ein Mittel zu sich, um die Entstehung eines Kindes zu verhindern. Im ersten Fall eben indem man die Verschmelzung von Samen- und Eizelle oder die Nidation der befruchteten Eizelle verhindert, im zweiten Fall indem man die Entwicklung des Embryos stoppt. In beiden Fällen hindert die Frau ihren Körper daran, ein Kind entstehen zu lassen, in beiden Fällen handelt es sich um einen Eingriff in den Körper der Frau. Und welcher Eingriff geschieht, hat nur die Frau zu sagen.
Damit ist es keiner Frau verboten, persönlich Vorbehalte zu haben, indem sie etwa den Embryo anders bewertet, aber eben nur für sich selbst. Die Gesellschaft hat kein Recht, dazu Vorschriften zu machen.
Hm, ich glaube micht, daß irgendeine Frau aus Spaß an der Freud Abtreibung Nr. 9 auf sich nimmt. Schließlich ist das kein paziergang.
In Japan, wo Abtreibung ein ganz normales Mittel zur Familienplanung ist, haben Frauen lange dafür gekämpft und protestiert, um die Zulassung für die Pille als Verhütungsmittel durchzusetzen.
Die kam übrigens kurz nach der für Viagra; bis dahin gab es die Pille nur als Behandlung bei “hormonellen Störungen”.
Und @ Alpenglühen:
Ich finde nicht, daß es eine Lösung sein kann, Ärzte – also Menschen, die sich bereits für ein Medizinstudium entschlossen und es durchgezogen haben – im Nachhinein aussuchen zu lassen, welche Prozeduren sie duchführen wollen und welche nicht.
Ich verstehe aber absolut Deinen Ansatz, einen Eingriff bei jemandem machen lassen zu wollen, der auch hundertprozentig dahintersteht.
Ich selber bin von einem Chirurgen sterilisiert worden, der das “in meinem Alter” nur unter Protest und Zähneknirschen durchgeführt hat. Der schüttelte mir im Aufwachraum nach der OP die Hand und sagte “Na dann, ich hoffe Sie bereuen das später nicht” nun habe ich in dieser Hinsicht ein ziemlich dickes Fell, aber das war natürlich der Krönende Abschluss zu einem monatelangen Verhandlungsmarathon, in dem ich hart darum kämpfen musste, überhaupt ernstgenommen zu werden.
Ich träume auch manchmal von diesem fantastisch toleranten Zentrum, wo ich ohne große Moralpredigten die Risiken und Sicherheitsmaßnahmen mit mehrfachen Partnern diskutieren kann, ernsthaft unvoreingenommene Infos zu Verhütung kriege (und nicht nur die Wahl zwischen Pille und Implantat) und im Notfall abtreiben lassen kann, ohne daß jemand mit der Wimper zuckt. Aber ich glaube halt auch, daß dieser Standard schwer zu erreichen uind noch schwerer flächendeckend zu halten sein wird.
»Und @ Alpenglühen:
Ich finde nicht, daß es eine Lösung sein kann, Ärzte – also Menschen, die sich bereits für ein Medizinstudium entschlossen und es durchgezogen haben – im Nachhinein aussuchen zu lassen, welche Prozeduren sie duchführen wollen und welche nicht.«
dazu hab ich mich gar nicht geäußert …
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