Rund 44 Jahre nach seinem Einzug in die Kommune I und dem Beginn der Politisierung des Privaten kann man für Rainer Langhans nun feststellen: Alles bleibt wie es war. Denn mit seinen Einkünften aus dem RTL-Dschungel Camp will er Julian Assange unterstützen. Laut der Piratenpartei Bayern, die ebenfalls 20.000 Euro erhält, ginge es dabei um den Schutz von Whistleblowern und die Plattform WikiLeaks. Nur dass das Geld keinem dieser beiden Zwecke zu Gute kommt, sondern dem Julian Assange Verteidigungsfonds. Der eingerichetet wurde, um Assange in seinem privaten Verfahren wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu helfen.
Wie bereits vor einem Jahr Michael Moore übersieht nun Rainer Langhans das fatale Signal, das von seiner Stellungnahme ausgeht. Wer in einem Verfahren aufgrund sexueller Gewalt von einer Verschwörung ausgeht, stellt die Opfer als Lügner_innen dar. Er arbeitet fleißig an dem Mythos mit, Frauen benutzten den Vorwurf einer Vergewaltigung nur, um Männern zu schaden. Wer seine Spende an Assanges Verteidigungsfonds mit einer Spende für Whistleblowingschutz gleich setzt, hat sich entweder fahrlässiger Weise nicht mit dem Fonds beschäftigt oder nimmt die Implikationen billigend in Kauf.
Moore entschuldigte sich immerhin für das Verharmlosen der Gewalt gegen Frauen und den mangelnden Respekt gegenüber den Opfern – nach einer massiven Twitterkampagne, die ihn schließlich ins Fernsehen verfolgte. Dazu bedurfte es leider wieder einmal der Arbeit vieler Aktivist_innen, von alleine war er, als ansonsten progressiver Linker, darauf nicht gekommen. Auch Langhans ist theoretisch bestens informiert über „das Private ist politisch“ und die daraus resultierenden Konsequenzen. Gebracht hat es nichts. Auch 2011 kommt männliche Solidarität vor „Frauengedöns“.
Ähnlich sieht es bei den Piraten aus. Mehrere Kommentator_innen machten ihrem Ärger unter dem Eintrag Luft. Angekommen ist die Kritik zumindest teilweise:
Dass es speziell bei Assange um Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens geht, ist leider aufgrund eines Gedankensprung und durch vollkommene Mißachtung dieser Tatsache durchgerutscht. In keinster Weise sollten die publizierten Vorwürfe gegen Assange heruntergespielt, verharmlost oder gar Frauen in solchen Situationen verunglimpft werden. Zwar kann ich nicht für die Bayern-Presse sprechen, bitte als Mitverfasser der Mitteilung jedoch um Verzeihung, dass es hier zu dieser Möglichkeit einer Missdeutung gekommen ist.
Eine offizielle Stellungnahme der Piratenpartei Bayern steht weiter aus.

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