Seit einigen Tagen wird Ariane Friedrichs Umgang mit einem Fall sexueller Belästigung im Social Web heftig diskutiert. Mehr noch: Friedrich wird von einigen Medien zur „Täterin“ stilisiert. Sie hatte auf Ihrer Facebook-Seite ein Posting veröffentlicht, in dem sie einen User, der sie via Nachricht (inkl. Bilddatei) derb belästigt hatte, mit Namen und Wohnort nennt. Sie sei es leid, ständig solche Vorfälle zu erleben und dann darüber zu schweigen, und sie habe mit dieser Aktion beschlossen, sich zu wehren: „Es ist Zeit zu handeln, es ist Zeit, mich zu wehren. Und das tue ich. Nicht mehr und nicht weniger.“ Eine kleine Medienrezeption zeigt allerdings, wo wir im Umgang mit sexueller Belästigung von Frauen stehen.
Die Diskussion ist erhitzt: Neben der Problematik, dass der betreffende User mit seinem Namen nicht der Einzige in seiner Region ist, wird der „Pranger-Effekt“ angemäkelt. Interessant ist, wie in manchen Berichten aber auch gefordert wird, Frauen sollten die Situation mit dem Belästiger doch bitte erstmal selbst „aufklären“ – heißt: Zum Beispiel in Kommunikation mit ihm treten.
Auch die „Nachhilfelektionen“ lesen sich interessant – vor allem, da sie teilweise die sexuelle Belästigung komplett bagatellisieren oder verleugnen. Zudem haben wir eine Verschiebung des Fokus, da nicht mehr die Belästigung Friedrichs im Vordergrund steht, sondern ihre Reaktion im Nachgang, die von nicht wenigen als komplettes „Fehlverhalten“ bezeichnet wird, und die an mancher Stelle sogar in an Beleidigung grenzende Richtungen weist. Eine kleine Auswahl dazu:
- „Was hat dagegen gesprochen, diesen Mann direkt anzuschreiben, sich das zu verbieten, auch unter Hinweis, dies sonst notfalls öffentlich zu machen oder einfacher noch: das einem Anwalt zur weiteren Behandlung zu übergeben?“ (Quelle: xtranews)
- „Sportlerin Ariane Friedrich stellt Unschuldige an den Pranger.“ (Quelle: basicthinking)
- „So eine Privataktion ist deshalb schlichtweg unzulässig, und zwar unabhängig davon, ob der Betreffende tatsächlich so ein Bild an Frau Friedrich geschickt hat.“ (Quelle: STERN)
- „Aus meiner Sicht beweist das alles nur, dass Friedrich in der Polizeischule nicht richtig aufgepasst hat. Ein gutes Vorbild ist sie damit sicher nicht.“ (Udo Vetters Lawblog – wundert`s?)
Das sind nur meine ersten Eindrücke, und vielleicht habt Ihr Interesse über diesen Fall zu diskutieren. Vor einigen Wochen habe ich übrigens selbst mal über einen Intruder, der mich bei Facebook belästigt hatte, berichtet – und auch ich habe auf das Facebook-Profil der Belästigers verlinkt, und zwar guten Gewissens muss ich sagen.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.