Wer bei youtube die Suchwörter „One Billion Rising“ (wahlweise mit der Stadt oder dem Land eurer Wahl) eingibt, findet hunderte Videos – Musikvideos, Sprachbotschaften, Tanzanleitungen – die sich an der Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* beteiligen, die auch in vielen Städten in Deutschland stattfinden wird. Für unseren Samstagabendbeat wollte ich ein paar schöne Video raussuchen, denn nächste Woche, am 14. Februar, findet One Billion Rising statt.
Etwas irritiert war ich über so manches unglaublich gewaltvolles Video, bei dem ich mich schon fragen muss, ob diese krasse Inszenierung von (sexualisierter) Gewalt wirklich sein muss… Um Menschen ‚wachzurütteln‘? Menschen, die betroffen sind von dieser Gewalt müssen bestimmt nicht ‚aufgeweckt‘ oder ‚wachgerüttelt‘ werden, sondern werden im schlimmsten Fall re-traumatisiert. Ein anderer Aspekt ist die teils problematische Bezugnahme auf Gewalt, die i.d.R. nicht in westlichen Ländern verortet wird. In einer Bewegung, die primär von Initiator_innen aus Ländern wie den USA oder Deutschland getragen wird, stellt sich die Frage, wer an der Konzeption mitgearbeitet hat und aus welcher Perspektive Geschichten von Frauen* und Mädchen* weltweit erzählt werden. In ihrer Stellungnahme (PDF) zu One Billion Rising kritisiert GLADT e.V., dass in dem Kampagnenvideo der Initiatorin Eve Ensler rassistische Stereotype reproduziert werden: sexualisierte Gewalt wird nur von Schwarzen Männern ausgebübt, Weiße Frauen sitzen ordentlich gekleidet im Großraum-Büro, während Women of Color ohne jegliche Tätigkeit in der Wüste laufen.
Auch Nadia hat auf ihrem Blog Shehadistan aufgeschrieben, was sie stört: der Fokus auf’s Tanzen. Rambling Rose stellt in ihrem Blog ewig unzufrieden ebenfalls fest, dass der rassismus- und heteronormativitätskritische Blick fehlt.
Da wir Samstagabend für gewöhnlich einen Samstagabendbeat veröffentlichen, habe ich zwei Videos rausgesucht, die ich hingegen ganz schön finde.
„Break the Chain“ von V-Day
… und die Rapperin Sookee mit ihrem eigens für One Billion Rising geschriebenen Song:
Bei dem Videodreh war ich übrigens dabei, wer genau hinschaut sieht mich ab und zu mal abdancen ;) Im Vorfeld hatten ein paar Freund_innen und ich uns übrigens Gedanken gemacht, wie in dem Video mehr Sichtbarkeit für Körper geschaffen werden kann, die nicht der schlanken Norm entsprechen. Außerdem wollten wir etwas machen, was nicht mit Sport oder viel Bewegung zu tun hat, denn auch das ist ja etwas, was nicht für alle gleich attraktiv oder einfach ausführbar ist. Dazu hatten wir uns eine Szene ausgedacht, die es leider nicht ins Video geschafft hat: Zwei weiblich sozialisierte Menschen, eine davon fett* sitzen gemütlich irgendwo, essen Muffins, necken sich und schmieren sich den Zuckerguss ins Gesicht. Leider, leider taucht es nicht im Video auf, aber nun ist es eurer Phantasie überlassen, euch das vorzustellen.
* Selbstbezeichnung

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.