Am vergangenen Samstag hob der US-amerikanische Senat die Richtlinie „Don’t ask, don’t tell“ (kurz: DADT, „Frage nichts, sage nichts“) auf, morgen wird Barack Obama die Aufhebung unterzeichnen. Die Richtlinie, die 1993 unter Bill Clinton in Kraft trat, zwang schwule und lesbische Soldat_innen zum Stillschweigen über ihre sexuelle Orientierung, denn tatsächlichen ist es Homosexuellen heute immer noch nicht gestattet, offen in der US-amerikanischen Armee zu dienen. DADT führte in den letzten 17 Jahren zu Tausenden von unehrenhaften Entlassungen. Bereits der bloße Verdacht auf Homosexualität konnte einen erzwungenen Austritt zur Folge haben.
Im Vorfeld der Aufhebung von DADT bekamen rund 400.000 Soldat_innen eine vom Pentagon in Auftrag gegebene Umfrage zugeschickt, dessen Ergebnisse ein Bild der Einstellungen von Soldat_innen zu ihren potenziell lesbischen und schwulen Kolleg_innen zeichnen soll. Neben einem ganzen Katalog an Fragen zu Moralvorstellungen und den eigenen Karriereplanungen (und wie diese durch eine mögliche Aufhebung von DADT beeinflusst werden könnten), wurden fiktive Szenarien mit homosexuellen Kollegen und Kolleginnen kreiert, in denen u.a. zum Dusch- und Schlafverhalten befragt wurde. Die ausgiebige Thematisierung intimer Situationen zeigt: Im eigenen Zimmer und unter der Dusche werden Homosexuelle wohl besonders gefährlich – watch out!
Ungefähr ein Viertel der Fragebögen wurde ausgefüllt. Die Resultate* sind gemischt: Obwohl die Mehrheit aller Befragten Schwulen und Lesben im Militär positiv oder neutral gegenüber stehen, offenbart die Umfrage ernstzunehmende homophobe Tendenzen im US-amerikanischen Militär: Rund 25% aller Soldat_innen glaubt, dass Kampfhandlungen negativ beeinflusst werden könnten, wenn homosexuelle Soldat_innen offen dienten. Knapp 30% aller Befragten würde ihr Zimmer oder Zelt lieber nicht mit einem Schwulen oder einer Lesbe teilen.
Keine Überraschung: Wo hegemoniale Männlichkeit in Ritualen und Hierarchien so selten hinterfragt, gar zelebriert wird, ist Homophobie institutionalisierte Praxis. Die Aufhebung von DADT wirkt einigen Ausschlussmechanismen entgegen, krempelt die Institution Militär aber gewiss nicht um. So fragte ich bereits vor Monaten, welche Interessen hinter der Aufhebung von „Don’t ask, don’t tell“ stünden. Diskriminierung bekämpfen? Eine umfassende Antidiskriminierungspolitik sähe anders aus. Vielmehr scheinen sinkende Rekrutierungszahlen und die aktuellen Kriege eine tragende Rolle zu spielen. Die Aufhebung von DADT ist eine gute Neuigkeit. Aber ein fader Beigeschmack bleibt.
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*Den vollständigen Report und die Ergebnisse der Umfrage zu DADT findet ihr als PDF auf der Seite des Verteidigungsministeriums.

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