„Männer waren schon immer so“

von Gastautor_in

Vanessa Tuttlies, Vollkornbäckerin und Wiwi-Studentin, hat an die Vorsitzende der ARD Monika Piel einen öffentlichen Brief geschrieben, in dem sie ihren Ärger über die sexistischen Werbespots für die ARD-Sportschau äußert. Diesen veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung.

Werbeplakat der Sportschau. Ein Neanderthalermann schaut einer Neanderthalerfrau auf die Brust, die mit einem BH mit Fußballmotiv bedeckt ist

Sehr geehrte Frau Intendantin Piel,

voller Entsetzen habe ich die aktuelle Werbung der Sportschau „Männer waren schon immer so“ für die kommende Bundesliga wahrgenommen. Danach stellt sich die Frage, weshalb mit „großem Trara“ der Frauenfußball vor allem während der Frauen-WM in Deutschland promotet und Mädchen als Spielerinnen beworben werden, wenn dann in einem Werbespot für die ARD-Sportschau Frauen (wieder einmal) in einer verobjektivierenden Art dargestellt werden, die man schlicht und einfach nur als sexistisch bezeichnen kann. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Bildungsauftrag, der oft genug an anderer Stelle ausfällt. Das ist eine Form der Ausladung an Mädchen und Frauen aus dem Fußball, die ihren „Zweck“ nicht verfehlen dürfte. Da hilft es auch nicht, dass das Männerbild ebenfalls von vorgestern ist – auch eine Form von Sexismus.

Noch einmal: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Grundversorgungs- und Bildungsauftrag, der Dank Quotendiktat bestenfalls noch in der Nacht realisiert wird. Was solche Frauen- und Männerbilder zur „demokratischen Ordnung ebenso wie für das kulturelle Leben“ beizutragen haben, wird das Geheimnis der MacherInnen der Werbung für die Bundesliga bleiben.

Es bleibt zu hoffen, dass es der ARD in Zukunft gelingen wird, Männer und Frauen im Fußball angemessen darzustellen. Es kann eigentlich nicht so schwer sein, mehr als nur sexistische Sehgewohnheiten zu bedienen. Und: Es handelt sich nicht um eine witzige Anekdote, dass viele Frauen gerne und begeistert Bundesligaspiele anschauen. Es ist die Realität, und die ARD sollte langsam aus der Steinzeit in die Gegenwart ankommen.

Mit freundlichen Grüßen,

Vanessa Tuttlies




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Eintrag geschrieben: Montag, 27. August 2012 um 9:11 Uhr unter Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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26 Kommentare

  1. Ninia sagt:

    Top! Vielen Dank, Vanessa!

  2. Niklas sagt:

    Habe ich gestern auch schon gesehen; die Reduktionen von Frauen und Männern, die da vorgenommen werden, sind wirklich unsäglich. Ich befürchte nur, dass das ARD das Anschreiben ignorieren wird :(

  3. Lenek sagt:

    Ich weiß schon, wie die Antwort ausfallen wird: nein, natürlich sind wir nicht sexistisch und ganz bestimmt wollten wir niemanden angreifen, nein, das ist doch alles nur Spaß, Witz, Ironie, ja darf man denn heutzutage nicht mehr witzig sein?

  4. Alana sagt:

    Prima Brief! Gratulation.
    Hab die Werbung letzte Woche auch gesehen und mich furchtbar geärgert. Hab das der „Emma“ für ihre „NoGo“-Werbeplakate vorgeschlagen.

  5. BrummelBrot sagt:

    Werbeplakate wie diese machen mich einfach nur traurig. Ich bin auch eine dieser Frauen, die eigentlich gerne Fußball gucken. Auch im Stadion.
    Aber sowas?! Nein danke :(

  6. Luna sagt:

    Ekelhafte Werbung, super Brief!

  7. Andrea Krug sagt:

    Oberärgerlich, der Spot! Danke für den Brief und Eure Verbreitung!

  8. Fraulenzen sagt:

    Gut, dass auf diese Art von Werbung mit einem Protestschreiben reagiert wurde. Die Initiatoren sollen unseren Unmut zu spüren bekommen.

  9. sophiea sagt:

    danke für den brief, vanessa.
    mir hat die werbung, mit der hier jede haltestelle zugepflaster ist, auch shcon übel aufgestoßen.

  10. Laura sagt:

    Tja, ich hatte mich letzte Woche auch schon beschwert und diese Antwort erhalten:

    Liebe Frau xxx,

    vielen Dank für Ihre Zeilen. Wir sind immer froh über ein Feedback – egal, ob positiv oder negativ.

    Unsere aktuelle Knetmännchen-Sportschau-Kampagne betrachtet unseres Erachtens augenzwinkernd die vielleicht manchmal unterschiedlichen Vorstellungen von Mann und Frau hinsichtlich ihrer Freizeitgestaltung.

    Sport, und dabei insbesondere der Fußball, ist ein Spiegel der Gesellschaft. Uns geht es in unserer Kampagne, um archaische Muster in der Gesellschaft, die natürlich deutlich ironisch überhöht dargestellt werden. Wir amüsieren uns über das nach wie vor – und nicht nur beim Fußball – verbreitete Machogehabe mancher Männer. Denn uns geht es in der Kampagne um den Spaß am Spiel. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, aber über nichts wird in Deutschland mit größerer Ernsthaftigkeit diskutiert. Deshalb haben wir uns auch seit vielen Jahren über Männer/Frauen-Verhaltensmuster lustig gemacht und dafür Unmengen positive und belustigte Kommentare geschickt bekommen – und eine Einladung ins Neandertaler-Museum, in der Nähe von Düsseldorf, wo Sie seit vielen Jahren einige unser Knet-Herren treffen können. Übrigens nebenbei bemerkt – fast alle Mitwirkenden an der Kampagne sind Frauen!

    Wir hoffen, dass Sie dem Ersten – trotz der unterschiedlichen Ansicht in diesem Punkt – weiterhin gewogen sein werden.

    Herzliche Grüße,

    Andrea Baur

    … mal wieder die „Aber das haben doch auch Frauen produziert“-Keule.
    Als ob das irgendetwas ändert, im Gegenteil.
    Aber schön, dass sich auch andere aufgeregt haben.

  11. Florian sagt:

    Toller Brief!

  12. Lini sagt:

    Mich macht’s auch immer traurig, was das bei Kindern bewirkt, die da tagtäglich in Scharen an solchen Haltestellen stehen. Die haben gar nicht die Chance, ihr Hirn von solcher Sch***e freizuhalten…

  13. Michael F. sagt:

    Danke für den Brief! Ärgere mich auch jedesmal wenn ich an den momentan überall ausgehängten Plakaten vorbeilaufe. Die Antwort wird wahrscheinlich die gleiche sein wie bei Laura. „Archaische Muster ironisch überhöhen“ – so ein BS…

  14. Ragnar sagt:

    Super brief! Ich finde die Werbung auch bescheuert, muss aber gestehen, dass ich nicht mal wirklich den Sinn dahinter verstehe…bzw. mir nicht sicher bin?
    Männer schauen Frauen auf die Brüste und vor allem bei der Sportschau??…

  15. Miriam sagt:

    Gestern auf Twitter sah ich folgendes: https://twitter.com/miss_leelah/status/240183356397088770

    Und da ich selbst auch eine ganze Reihe Männer kenne, die „GAR NICHT so“ sind, frage ich mich, ob es sinnvoll wäre, wenn sich auch diese Männer lauthals bei der ARD beschweren sollten, denn das grenzt ja fast schon an üble Nachrede ;-) Aber vor allem, um diesem beknackten Einwand, die Kampagne sei von Frauen gemacht, mal was entgegen zu setzen, wäre es ja vielleicht mal hilfreich, wenn die Kritik (von männlicher Seite) das ziemlich beschränkte Männerbild deutlicher thematisieren würde. Ich könnte mir vorstellen, dass dann die fast schon reflexhafte Erwiderung, die Frauen sollten sich mal locker machen, sei doch lustig und könne überhaupt nicht böse gemeint sein, weil von Frauen gemacht, so einfach dann nicht zu geben ist und stattdessen vielleicht wirklich mal über die Kritik nachgedacht wird.

  16. […] gibt auch schon erste Initiativen gegen das Video. So schrieb die Studentin Vanessa Tuttlies einen offenen Brief an WDR-Intendantin Monika Piel, den das feministische Blog “Mädchenmannschaft&#… (der WDR verantwortet für die ARD die “Sportschau”). Man darf jetzt gespannt auf […]

  17. Angelika sagt:

    Wie wär’s, wenn alle diesen Brief kopieren, eventuell abändern und an die Sportschau schicken? Man kann gleich noch dazu schreiben, dass übrigens auch Frauen sexistisch gegenüber Frauen sein können (und Männern! Das ist der Spot ja auch.), um diesem „Argument“ gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich für meinen Teil werd das jetzt gleich mal machen (auf fb kommentiert hab ich auch schon, auch eine super Möglichkeit, seine Meinung kundzutun: https://www.facebook.com/sportschau).

  18. Iris sagt:

    Ich hatte denen auch geschrieben, allerdings erst gestern, und da war die Antwort schon deutlich vorsichtiger. Immerhin.

    Sehr geehrte Frau XXX,

    vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen.

    Wir bedauern, dass Sie unsere Werbekampagne zum Bundesliga-Auftakt so kritisch bewerten.

    Ihre Anmerkungen protokollieren wir zur Kenntnisnahme der Marketingabteilung. Wir würden uns freuen, wenn andere Werbebotschaften wieder mehr Ihren Erwartungen entsprechen können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Barbara Niemann

  19. Mel sagt:

    „Mich macht’s auch immer traurig, was das bei Kindern bewirkt, die da tagtäglich in Scharen an solchen Haltestellen stehen. Die haben gar nicht die Chance, ihr Hirn von solcher Sch***e freizuhalten…“

    Hm, stimmt.
    Mir verärgert das sehr.

    Ist das denn nicht schon psychische Gewalt?
    Mal ganz ernst gefragt?

    Wer weiss um die zukünftigen Konsequenzen dieser Bilder bei unseren Kindern?
    Frauenbild, Bulimie & Co.

    Hier wird sich unangebracht in mein Erziehungsrecht eingemischt, mit meinen Steuergeldern!

  20. Johannes sagt:

    Die Gestaltung und Botschaft dieser Plakate hat mich tatsächlich so wütend gemacht, dass mir erst nach einer Woche die Frage ins Bewusstsein gestiegen ist, wieso _die Sportschau_ überhaupt von Zwangsgebühren in diesem Maßstab Werbung für sich machen muss. Die Finanzierung steht ohnehin unerschütterlich sicher, wenn sie nicht geguckt wird, liegts sicher nicht an einem Mangel an Bewusstsein über die Existenz und Sendezeit der Sportschau, und selbst wenn sie kein Mensch mehr ansähe, würde so eine Institution nicht abgesetzt.

    Wenn aber schon alles mit Sportschau-Plakaten zugekleistert werden muss, dann bitte nicht plump und sexistisch. Und dass die Werbekampagne von Frauen gemacht worden ist, ändert, wie Laura schon schreibt, nichts daran. Ich werde auch nen Brief schreiben.

  21. zoe sagt:

    Nebenbei bemerkt:
    Die Antwort, die Laura bekommen hat, ist eine riesige Unverschämtheit.

    Ich weiß ja nicht, was du geschrieben hast, Laura, und die Antwort „wir freuen uns über positives wie negatives Feedback“ ist vielleicht höflich gemeint, aber grundbescheuert. Damit wird jede Kritik zu einem willkommenen (wenn auch negativen) Feedback abgewertet, und der Sinn der Werbung gleich ganz offen mittransportiert, im Sinne von: „Wir freuen uns auch, wenn wir Leute angreifen, da kriegen wir nämlich auch Öffentlichkeit mit“

    Und dann: „Unsere aktuelle Knetmännchen-Sportschau-Kampagne betrachtet unseres Erachtens augenzwinkernd die vielleicht manchmal unterschiedlichen Vorstellungen von Mann und Frau hinsichtlich ihrer Freizeitgestaltung. “

    — wie bitte? Was sind denn das für Vorstellungen von Freizeitgestaltung? Männer: Fernseh gucken, okay. Aber was sind die in dem Plakat transportierten Vorstellungen von Freizeitgestaltung bei Frauen? Sexy sein? Lasziv rumstehen? Hände an die Hüfte und den Kopf legen? – ?

    Ich find’s total ärgerlich, wenn auch nicht so ärgerlich wie die Plakate selbst.

    Lieben Gruß

  22. Cordula sagt:

    Liebe Mel,

    aufgrund Zeitmangels gerade nur ein Link zu deiner Frage, ob das nicht psychische Gewalt sei: Ich habe ja Probleme mit Pierre Bourdieu (linker französischer Soziologe), vor allem wegen seines deterministisches Konzepts und der Reduktion der Geschlechterverhältnisse auf primär kulturelle Phänomene, aber das hier halte ich wirklich für brauchbar:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Symbolische_Gewalt

    Mit Bourdieu also geantwortet: Ja, das ist Gewalt.
    Und diese als solche aufzuzeigen, zum Beispiel im Mädchenmannschaftblog, sogar eine Gegenstrategie in Bourdieus Sinne. (Auch) insofern: Besten Dank!

  23. ich habe ebenfalls beschwerde eingelegt, direkt bei der sportschau, weil für den werberat ja klare vorgaben bestehen, worüber man sich beschweren darf und weil ich genauer darauf eingehen wollte, wie diese werbung auf bisher aktive sportschau-zuschauer_innen wirkt. außerdem habe ich schon die bisherige (alte) standardantwort berücksichtigt, die argumentiert, dass die werbung von frauen gemacht wurde:

    sehr geehrte marketingverantworliche der sportschau,

    bisher habe ich als ehemals aktive fußballerin gemeinsam mit meinen freundinnen und meinem freund die sportschau geguckt. dass die werbung in den pausen auf ein rein männliches publikum zugeschnitten ist, hielt ich bisher für ein versagen der jeweiligen unternehmen (autohersteller, baumärkte, hasseröder bier), an denen die realität vorbeigegangen ist. die neue kampagne der sportschau, in der sich eine vermeintliche steinzeitfrau auszieht, um ihren freund vom fußballschauen abzuhalten, lässt mich diese meinung allerdings revidieren.

    an dieser werbung stimmt so vieles nicht, dass ich im folgenden sicher einiges übersehen haben werde, aber lassen Sie mich einige dinge aufzählen und fragen stellen:

    die frau interessiert sich NICHT für fußball, möchte dies aber ihren freund auch nicht schauen lassen. WARUM? weil im universum jeder frau ein mann die sonne darstellt und nur die totale synchronizität erstrebenswert ist? warum kann sich die frau – falls sie sich anders als ich nicht für fußball interessiert, in der sendezeit der sportschau nicht mit anderen freunden und freundinnen treffen, ein buch lesen, spazierengehen oder wenigstens stricken, falls dies eine beschäftigung ist, die den frauen zugestanden würde? stattdessen erwacht pünktlich jeden samstag 18:00 uhr die libido der frau und sie kann nicht anders, als ihren freund zu verführen (ich gehe jetzt mal nicht näher darauf ein, dass eine rein heterosexuelle gesellschaft, auf die diese werbung irgendwie zutreffen könnte, NICHT der realität entspricht.)

    der steinzeitmann gibt dann – stellvertretend für alle männer – NATÜRLICH seinen trieben nach. warum werden hier den männern tatsächliches fußballinteresse (er könnte ja tatsächlich einfach die sportschau gucken) und gehirn (er kann seinen trieben nicht widerstehen) einfach abgesprochen? die zuschauer_innen (männlich, weiblich und alles dazuwischen) der sportschau als komplett gehirnamputiert bzw. triebgesteuert darzustellen – was für eine form der werbung soll das denn sein? falls Sie allerdings überzeugt sind, dass Ihre zuschauer_Innen komplette idioten sind, dann glückwunsch! Sie werden mir sicher zustimmen, dass wir in einer häufig sexistischen gesellschaft leben. mithilfe einer werbung aber mindestens die komplette heterosexuelle bevölkerung (andere lebensformen kommen ja im clip nicht vor) sexistisch zu beleidigen, ist schon eine leistung, die man erstmal nachmachen können muss.

    ganz offensichtlich haben die mit der werbung beauftragten keine ahnung von fußball, die auftraggeber der kampagne (Ihr sender) offensichtlich auch nicht. dass es sich dabei (wenn man medienberichten und Ihrer standardisierten antwort auf kritik an der kampagne glauben darf) überwiegend um frauen handelt, die diese werbung entwickelt haben, macht es nicht besser. eine kampagne sollte von leuten gemacht werden, die sich mit dem objekt dieser auskennen.
    wenn diese nämlich nicht wissen, dass jedes wochenende tausende von frauen in den stadien sind, dass der deutsche fußballbund weibliche mitglieder hat (lt. dfb statistik aktuell ca. 1.3 mio. frauen, da fehlen noch die, die nichtorganisiert spielen) und noch mehr frauen jede woche die bundesliga verfolgen, und zwar, weil sie sich – überraschung! – für fußball interessieren und dies nicht ihrem freund zuliebe tun, dann kann nur solch ein offensichtlicher schwachsinn, der frauen und männer und alle anderen gleichermaßen beleidigt, dabei herauskommen.
    falls die fakten bekannt sein sollten, dann bleiben eine riesengroße arroganz oder totaler realitätsverlust übrig, die allerdings auch nicht zu positiven werbeeffekten führen dürften.

    davon abgesehen stellt diese form der werbung eine geschichtsschreibung dar, die einigen menschen offensichtlich genehm, die aber durch nichts außer durch die vorurteile und imaginationen gestützt werden kann.
    ach so, wahrscheinlich war es auch (zwinker zwinker) ein bisschen lustig gemeint, aber auch hier – surprise! fußballfan (egal welchen geschlechts) zu sein heißt eigentlich immer, genau diesen ernst zu nehmen.

    ich nehme an, dass Ihnen der bildungsauftrag ihres senders entfallen sein muss. leider kann ich nichts gegen die zwangsabgabe der gez unternehmen, die durch diese werbung auch wieder mehr hinterfragt werden wird, wenn damit schon solcher blödsinn produziert wurde.

    da ich Ihre sendung nicht mehr verfolgen werde, bleibe ich zukünftig von den werbeclips wenigstens verschont. die printkampagne wird hoffentlich bald eingestellt. lassen Sie mich mit dem hinweis schließen, dass es am ende schlauer gewesen wäre, ihre zuschauer_innen nicht zu unterschätzen. einer abwanderung an andere sender und medien haben Sie damit erfolgreich vorschub geleistet.

    natürlich hätte ich gern eine antwort auf die von mir gestellten fragen. wenn Sie allerdings nicht mehr als die bereits hinlänglich im internet dokumentierte standardantwort verschicken können, weil Sie nur mit dieser auf konkrete kritik reagieren können, möchte ich Sie bitten, auf eine antwort zu verzichten.

    grüße,
    irmgard lumpini

  24. Jane sagt:

    vielen Dank für diesen offenen Brief. Ich habe mir mal die facebook-Kommentare angesehen, und auch die Antwortbriefe des Senders machen mich eigentlich nur traurig. Besonders aufgestoßen ist mir, dass Sexismus immernoch anscheinend als eine Art Kavaliersdelikt gesehen wird. Ein facebook-Kommentar wies darauf hin, dass zb das Lachen über rassistische Klischees längst (natürlich zu recht!) nicht mehr so toleriert wird, und auch der Sender würde wahrscheinlich bei solchen Vorwürfen viel empfindlicher reagieren. Bei Sexismus „lacht man aber einafch über sich selber“. Ich denke jetzt an alle Geschichten von Frauen im Fußball, die heute jeder gern medial nutzt, und die sich unter widrigsten Umständen behaupten mussten, heimlich in Männerteams spielen o.Ä, immer in der Sorge, nicht gut genug zu sein. Und an die schon erwähnten Kinder, bei denen die ARD dafür sorgt, dass sie auch ja früh genug mit Klischees versorgt werden (die sollen sich jetzt denken: „aha, so war das früher“ oder was??). Ich will nur sagen, dass ich das Weltbild, das hier so niedlich gefunden wird, auf einer Stufe sehe mit allen anderen menschenverachtenden Weltbildern, deshalb habe ich Rassismus erwähnt. Ich glaube, die Verantwortlichen sehen einach nicht die Ersthaftigkeit des Problems, und das Leid, das Sexismus verursacht! Für die ist Sexismus wahrscheinlich nur ab und an ein dummer Spruch, den man ja weglachen kann..

  25. Angelika sagt:

    Oh mein Gott ich fass es nicht. Ich habe die E-Mail so übernommen, mit einigen Abänderungen, z.B.: „Übrigens kann eine Werbung sexistisch gegenüber Frauen (und Männern! – ist hier ja auch der Fall) sein, auch wenn sie von Frauen produziert wurde. Also bitte bringen sie nicht dieses Argument. Und nein, an Humor mangelt es mir gewöhnlich nicht, hier jedoch kann ich nichts Witziges finden, wie übrigens mein gesamter Freundeskreis.“

    Was kommt zurück? Die übliche Standardantwort, nämlich: “

    Sehr geehrte Frau x,

    vielen Dank für Ihre e-mail, die die ARD-Vorsitzende Monika Piel mit der Bitte um direkte Beantwortung an uns weitergeleitet hat.

    Es tut uns sehr leid, dass Sie die Knetmännchen-Kampagne der Bundesliga-Sportschau im Ersten als sexistisch empfinden. Wir können Ihnen versichern, dass sie ein ganz anderes Ziel verfolgt: Wir wollten damit nur auf augenzwinkernde Art und Weise die manchmal doch sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Mann und Frau hinsichtlich der gemeinsamen Freizeitgestaltung darstellen.

    Sport, und dabei insbesondere der Fußball, ist ein Spiegel der Gesellschaft. Die Knetmännchen-Kampagne will archaische Muster herausarbeiten und deutlich ironisch überhöht thematisieren. Dabei amüsieren wir uns über das nach wie vor und nicht nur beim Fußball“ verbreitete Machogehabe mancher Männer. Denn uns geht es in der Kampagne um den Spaß am Spiel. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, aber über nichts wird in Deutschland mit größerer Ernsthaftigkeit diskutiert. Deshalb beschäftigen wir uns auch seit vielen Jahren in unseren Sportschaukampagnen mit Männer/Frauen-Verhaltensmustern und haben dafür schon unzählige positive Rückmeldungen bekommen. Darunter auch eine Einladung ins Neandertaler-Museum bei Düsseldorf, wo Sie seit vielen Jahren einige unser Knet-Herren treffen können. Übrigens nebenbei bemerkt – fast alle Mitwirkenden an der Kampagne sind Frauen!“

    Ähm, die lesen die E-mails, die sie bekommen, nicht wirklich, oder? Peinlich, sowas.