In Diskussionen um Frauen um Führungspositionen wird denjenigen, die von der „Gläsernen Decke“ sprechen gerne mal unterstellt, diese Decke gäbe es nur in ihren Köpfen und in der Wirklichkeit würden es Frauen auch nach ganz oben schaffen – wenn sie nur gut genug seien.
An diesem Märchen wird eine neue Studie arg rütteln. Zeit Online sprach vor der Veröffentlichung der Ergebnisse schon mal mit dem Studienleiter und Soziologen Carsten Wippermann und erfuhr von ihm ganz Erstaunliches:
Zum einen sprachen die von uns befragten Männer sehr positiv über Frauen. Auf der Einstellungsebene haben diese Manager eine große Sympathie für Frauen in Führungspositionen. Aber man kann dies leicht als gender political correctness entlarven, wenn man in die Tiefe geht.
(…)
Wir haben ausgemacht, dass latent drei verschiedene Mentalitätsmuster mit ihrer je eigenen Logik laufen, die schwer zu enthebeln sind. Wird Frauen der Zugang zu Posten in Kontrollgremien geboten, schließen sich gleich wieder andere Türen. Die dominierenden Mentalitätsmuster wirken wie ein mehrfach abgeriegeltes System.
Das müssen Sie genauer erläutern. Wie funktioniert das?
Alle 30 von uns befragten Manager konnte man einem Typus zuordnen. Der eine ist sehr konservativ. Bei ihm kann man eine kulturelle und funktionale Ablehnung von Frauen qua Geschlecht ausmachen. Zitate aus den Interviews sind: Frauen seien eine Irritation im inner circle und unerwünscht im Vorstand. Der andere Typus hat eine emanzipierte Grundhaltung und geht davon aus, dass Frauen chancenlos gegen die Machtrituale seien. Das Topmanagement verlangt Härte und das steht im Widerspruch zum Frauenbild in unserer Gesellschaft. Es fielen Formulierungen wie: Ein Vorstandsposten ist eine andere Sportart – und Frauen hätten nicht die Härte dafür. Frauen, die entsprechend auftreten, wirken dann nicht mehr authentisch – und für diesen Typus ist aber Authentizität ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Der dritte Typus zeigt einen radikalen Individualismus. Diese Männer sagen, dass das Geschlecht eigentlich keine Rolle dabei spielt, wenn es um die Besetzung einer Führungsposition geht. Aber es gebe nicht genügend Frauen, die authentisch und flexibel genug dafür seien. Alle drei Haltungen kommen in einem Unternehmen vor. Das heißt: Erfüllt eine Frau eine der genannten Anforderungen, steht sie damit im Widerspruch zu den anderen beiden. Die gläserne Decke ist also dreifach gesichert.
Dabei mache es keinen Unterschied, wie alt die befragten Männer gewesen seien, alle Muster ließen sich in allen Altersklassen finden. Interessanterweise sagten dann aber alle Befragten, dass sie mehr oder weniger davon überzeugt seien, dass gemischte Führungsteams besser arbeiten würden als reine Männerteams. Auf der theoretischen Ebene kann man also durchaus Fortschritte zu sagen wir mal 1958 erkennen – Frauen werden nicht mehr per se als ungeeignet gesehen und man ist sich des Nutzens für ein Unternehmen bewusst – aber jeder Manager legt sich dann doch ein für ihn beruhigendes Konstrukt zurecht, warum es klar sei, dass auch in seinem Unternehmen nur so wenige Frauen Führungsrollen übernehmen.
Wippermann kündigt am Ende des Interviews an, dass es Handlungsempfehlungen nach der Veröffentlichung durch das Bundesfrauenministerium im Dezember geben wird. Worauf ich nach dem Ausgang der Bundestagswahl gleich doppelt gespannt bin. Denn jedes „Liebe Manager, jetzt lasst doch auch mal Frauen ran!“, das wir in den letzten vier Jahren so oft gehört haben, wäre ein Hohn angesichts der Ergebnisse der Studie.
Wir halten euch auf dem Laufenden.

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