Kurz notiert am Wochenausgang

von Katrin

Ihr glaubt ja gar nicht, was diese Woche alles los war! Here we go:

Sex tool of the day

Ein interessantes "Sexist tech tool of the day" fand sich am Mittwoch bei feministing.com.

Wie auch immer sie das macht: Angela Merkel punktet bei Frauen. Brigitte.de hat eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben und fand heraus, dass eine große Prozentzahl der Frauen äußerst zufrieden mit ihrer Kanzlerin ist. Franziska Wolffheim hat diese Studie kommentiert.

Viele sehen die Finanzkrise als eine Chance („die reinigende Kraft“): Was bisher – sagen wir es mal drastisch – scheiße lief, das könnte nun a) einfach mal wegsterben und durch Neues, Besseres ersetzt oder b) im Eilverfahren repariert werden.

Das DIW stellt eine neue Studie vor, derzufolge die Zahlen in den Top-Etagen deutscher Unternehmen weiterhin mies sind. Elke Holst vom DIW hofft nun, wie andere Frauen auch, dass sich die Situation endlich verbessert und der Wert von Diversity erkannt wird – wie die Taz berichtet.

Manche gehen in ihren Prognosen und Erwartungen noch weiter: Die Finanzkrise kostet Arbeitsplätze – aber das trifft Männer häufiger, als Frauen. ‚Wirtschaftsexperten‘ (die nicht näher spezifiziert werden) rechneten sogar damit, dass Frauen die Männer bald „überholen“ – wie bei ChannelPartner zu lesen ist.

Das BMFSFJ hat dagegen eher schlechte Nachrichten: Der Führungskräfte-Monitor wurde am 1. April veröffentlicht, ist aber leider kein April-Scherz. Denn:

„Frauen sind nicht nur weniger häufig unter den Führungskräften vertreten, auch ihr Verdienst ist geringer als der der Männer.“

Meine Meinung: Wehrpflicht gehört abgeschafft. Der Vorsitzende der bayerischen Jungen Union, Stefan Müller, sieht das anders. Er fordert eine Dienstpflicht auch für Frauen. Mehr dazu auf Charivari.

Mal wieder eine gute Nachricht aus Schweden: Hier sind jetzt gleichgeschlechtliche Ehen legal. Auch das Bitch Magazine freut sich sehr – wie man hier lesen kann.

Kinder sind cool! – Zweitklässler in Isreal haben eine Kampagne eingeleitet, mit der sie sich für Frauen auf israelischen Banknoten einsetzen – nachzulesen auf Isrealnetz.com.

Bei Neon.de hat sich eine Userin gefragt, warum Männer irgendwie nur auf Mädchen stehen und eine sehr kontroverse Diskussion ausgelöst.

Die Kirche kann also auch mal etwas sinnvolles tun (sorry, für die böse Polemik – aber in letzter Zeit häuften sich meine Wutausbrüche wegen diesem Verein einfach ein wenig): Zum Beispiel Krabbelstuben für Kleinkinder einrichten und damit einen Beitrag gegen den Betreuungsplätzemangel leisten. (Bleibt zu hoffen, dass dies nicht als riesen Chance für frühestmögliche Indoktrination erkannt wurde </böse Polemik>) – Bericht auf fr-online.de.

Und auch in den USA haben sich feministische Bloggerinnen diese Woche offenbar wunderbar vernetzt: Feministe.us berichtet recht euphorisch – passt gut zu meiner momentanen Post-Re:publica-Stimmung.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 3. April 2009 um 21:31 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Marcel Zufferey sagt:

    Zitat: „Was bisher – sagen wir es mal drastisch – scheiße lief, das könnte nun a) einfach mal wegsterben und durch Neues, Besseres ersetzt oder b) im Eilverfahren repariert.“ So, wie’s z. Z. gerade aussieht, Variante b (ein bisschen Kosmetik, mehr nicht, Brot und Spiele): Jaja, das G-20-Treffen… Die Rettung der Welt, wie Gordon Brown verkündet. Sehr vage, diese Formulierungen für die „Rettung der Welt“. Was genau wohl unter Welt verstanden wird? Informationspflicht für Hedge-Funds? Ja und dann? Weiter machen wie bisher? Und die amerikanischen Pensionskassen (die sich im völlig deregulierten Wettbewerb befinden und auf Teufel komm raus Traumrenditen erwirtschaften müssen)? Einzelne Finanzprodukte werden verboten, die ein zu grosses Systemrisiko darstellen? Welche denn? Optiönchen etwa? Oder wirklich CDO’s, CDS‘ und Swaps? Und was ist mit dem Umfang der Spekulation mittels Warenterminkontrakten? Darf der Ölpreis auch weiterhin innert weniger Monate um 300 Prozent steigen? Oder Soft Commodities wie Reis, Zucker und Mehl- dürfen deren Preise auch weiterhin hauptsächlich vom Handel an der CBOT in Chicago abhängen- und nicht mehr von den Ernteerträgen? Mir scheint da sehr viel Schaum geschlagen zu werden- was schaut am Ende wirklich raus? Warme Luft, angereichert mit sozialer Rethorik? Den Fritzen und FritzInnen muss man in Zukunft ganz genau auf die Finger schauen! Interessiert Dich das Thema? Analog zu Deinen Vortrag- es wäre wirklich schön, wenn sich mehr Frauen für diese Themen interessieren würden. Ich kenne da welche- sehr schön, sehr klar in der Gedankenführung… Zum Thema Geld und Geld und Geld und Geld und Geld und noch einmal Geld gäbe es noch so viel zu sagen: Und beim Thema Geld fängt es erst an!

    Alles was ich dazu noch sagen kann: Soviel Gestaltungsfreiraum wie jetzt hatte die Gesellschaft, die es nach Aussagen von Maggie Thatcher ja nie gab, in den letzten- sagen wir mal: Fünfzig Jahren noch nie. Meiner Ansicht nach haben wir es nämlich bei dieser Krise nicht mit einer herkömmlichen Wirtschaftskrise zu tun, sondern mit einer Kulturkrise; einer Krise des westlichen Gesellschaftsmodelles insgesamt. JETZT liesse sich endlich etwas verändern (bin kein Sozialromantiker, Romantiker schon, aber einfach kein Sozialromantiker): Und dafür wären jetzt auch die Frauen vermehrt gefragt- Stichwort soziales Kapital.

    Gut, mehr kann ich nicht schreiben- aber schön, dass dieses elementare Thema einmal von einer Frau in diesem Forum angesprochen wurde! Mehr davon, bitte!

  2. Matze sagt:

    Marcel: Halte mich für zynisch, aber ich glaube, im wesentlichen ging es Katrin darum, dass durch die Finanzkrise endlich mehr Frauen in die Führingsetage kommen.

    Finanzkrise als Chance für wenige (Frauen), als Katatstrophe für viele (Frauen).

    Katrin: Die Reihenfolge liest sich ein bisschen so, als empfindest du es als gute Nachricht, dass mehr Männer als Frauen vom Arbeitsplatzverlust getroffen werden. Das meinst du nicht wirklich, oder?

  3. Marcel Zufferey sagt:

    Matze: „Halte mich für zynisch, aber ich glaube, im wesentlichen ging es Katrin darum, dass durch die Finanzkrise endlich mehr Frauen in die Führingsetage kommen.“

    Und ich schrieb: „JETZT liesse sich endlich etwas verändern (bin kein Sozialromantiker, Romantiker schon, aber einfach kein Sozialromantiker): Und dafür wären jetzt auch die Frauen vermehrt gefragt“

    Wäre evtl. auch meine Meinung.

  4. Schnatterinchen sagt:

    Aus dem Brigitte-Kommentar von Franziska Wolffheim:

    „Trotz ihres Vorsprungs in den Meinungsumfragen nehmen die Attacken auf die Parteichefin aus den eigenen Reihen an Schärfe zu. Hallo? Geht’s noch? Könnte es sein, dass die Partei den Vorteil, mit Merkel eine Kanzlerin und eine Kandidatin zu haben, die bei Frauen ankommt, zu wenig nutzt? Könnte es sein, dass die Parteien noch immer nicht richtig verstanden haben, dass sie Frauen und deren Anliegen ernst nehmen müssen, wenn sie von ihnen gewählt werden wollen?“

    Wenn es danach ginge, müssten Frauen ja jetzt in Scharen zur SPD überlaufen, nachdem Müntefering und Scholz vollmundig ihren paternalistischen Gleichstellungsbürokratieaufbau für die deutsche Wirtschaft angekündigt haben. Gleichzeitig hatten Merkel und von der Leyen bestätigt, dass sie solche Pläne nicht gutheißen. Warum rücken Frauen dennoch nicht spürbar von Merkel & Co. ab, obwohl die SPD doch derzeit „Frauen und deren Anliegen“ so was von ernst nimmt?

    Das könnte einerseits daran liegen, dass die Brigitte-Umfrage eventuell noch vor den Gleichstellungsverlautbarungen der SPD stattfand und eine neuere Umfrage womöglich ein völlig anderes Meinungsbild bei Frauen zutage fördern würde.

    Andererseits könnte die SPD sich aber auch verschätzt und gar nicht gemerkt haben, dass Zwangsmaßnahmen zur Geschlechtergleichstellung kein kollektiver Frauenwunsch ist.

    Wenn „Frauen und deren Anliegen“ so einfach strukturiert wären, wie es Brigitte-Analysen auf Hallo-Gehts-noch-Niveau suggerieren, dann müssten 100% aller Frauen „Die Frauen“ wählen. Warum tun sich das nicht?

  5. Katrin sagt:

    @Matze und Marcel: Da ich mich das letzte halbe Jahr ein bisschen mit dem Kapitalismus und den politisch-ökonomischen Denkern der letzten – äh – 300 Jahre beschäftigt habe, bezog sich mein erster Absatz zur Finanzkrise schon auf die allgemeine Situation. Als ein Sonderfall dieser „Chance“-Perspektive auf die Finanzkrise, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass verkrustete und nicht gerade „gesunde“ Strukturen jetzt geändert werden könnten, führte ich dann eben die Zahl der Frauen in den Top-Etagen und die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt im Allgemeinen an.

    Und nein: Ich halte es nicht für „gut“, dass die Frauen weniger von Arbeitsplatz verlust betroffen sind. Was genau ich davon halte, weiß ich noch nicht. Es ist erstmal einfach nur eine weitere Nachricht im Zusammenhang mit der Finanzkrise und – das sollte auch herausgekommen sein – ich misstraue auch dem Wahrheitsgehalt des Inhaltes dieser Nachricht.

  6. flawed sagt:

    Schnatterinchen: Oder es könnte auch daran liegen, dass Personen für glaubwürdiger gehalten werden als Wahlprogramme und Wahlversprechen.

  7. barbara sagt:

    äh, vielleicht habe ich die diskussion hier falsch verstanden, aber der artikel, den katrin verlinkt hat, sagt doch ganz klar, warum frauen weniger vom jobverlust betroffen sind – weil sie überwiegend im frauendomierten teil des arbeitsmarktes beschäftigt sind; dabei handelt es sich auch um den teil, der weniger von der krise (direkt) betroffen ist und mehr in öffentlicher hand (also so sachen wie pflege, gesundheit, erziehung)

    das erscheint mir mit blick auf die geschlechtersegregierung des arbeitsmarktes auch sehr logisch und wahrscheinlich.

    warum das aber zu mehr frauen in chef(innen)sesseln führen sollte ist mir nicht ganz klar…

  8. ex-blond sagt:

    Zweitklässler machen eine feministische Kampagne?
    Ich habe nix gegen Frauen auf Geldscheinen, aber das scheint mir ein politischer Brainwash durch eine frauenbewegte Lehrerin zu sein *grusel*