Krippen-Notstand als Gleichberechtigungskiller

von Adele

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich würde mal behaupten, dass sich mein direktes soziales Umfeld in Hamburg nicht allzusehr in puncto Verdienst, Bildung und sozialem Status von meinen neuen Arbeitskollegen hier in NRW unterscheidet. Und doch gibt es einen ganz eklatanten Unterschied: In Hamburg kenne ich nur sehr wenige Familien, die das traditionelle Ein-Ernährer-Modell leben. So gut wie alle Frauen haben nach spätestens einem Jahr wieder angefangen in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.

Nicht so in meinem neuen Kollegenkreis. 80 % der befragten Kollegen antworteten auf die Frage, wie sie das Problem Kinderbetreuung gelöst hätten, dass ihre Frau zu Hause sei.

In Hamburg gibt es ausreichend Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren und selbst Tageseltern werden dort von der Stadt gefördert, so dass man maximal 517 Euro (einkommensabhängig) für die Vollzeitbetreuung eines Kindes bezahlen muss. Anders in NRW. Dort hängt es sehr stark davon ab, in welcher Stadt bzw. Gemeinde man wohnt, wie viel Betreuungsplätze und wie viel finanzielle Förderung zur Verfügung stehen. Und das hat massive Auswirkungen darauf, wie viele Frauen in ihren Beruf verhältnismäßig zeitnah nach der Geburt eines Kindes wieder zurückkehren.

Die Jugendämter scheinen sich auch schlicht und einfach diesem Missstand ergeben zu haben und verwalten lediglich die allzu knappen Krippenplätze auf eine sehr bürokratische und wenig menschliche Art und Weise, immer mit dem Verweis darauf, dass es ja immer noch die Möglichkeit der Tageseltern gebe.

Für die Kommunen ist aber die Tatsache, dass sich so viele Familien nach wie vor dazu entscheiden, ihr Kind mindestens drei Jahre lang zu Hause von der Mutter betreuen zu lassen, eine sehr bequeme Lösung. Und nicht nur für die Kommunen, sondern auch für diese Familien. Man muss sich nicht um einen Krippenplatz bemühen, was in einen extremen Psychostress ausarten kann, wenn man dringend einen solchen Platz braucht, aber keinerlei Unterstützung durch das zuständige Jugendamt erfährt. Man muss sich nicht täglich koordinieren, wer das Kind in die Krippe bringt und wer es wann wieder abholt, wer dafür sorgt, dass abends was zu Essen auf dem Tisch steht und noch genügend im Kühlschrank ist für das Frühstück. Und die Frau kann sich sicher sein, dass sie für die Erledigung ihres Jobs von ihrem Kind bedingungslos geliebt wird (was sie im übrigen genauso wird, wenn sie nicht pausenlos um es herum ist) und muss sich nicht mit einem/einer fordernden ChefIn herumschlagen, die/der einen durchaus auch mal kritisiert.

Als ich Lisa Ortgies Buch „Heimspiel“ las, dachte ich noch, dass sie bei der Beschreibung der Betreuungssituation in Deutschland arg dick aufträgt um deutlich auf die Missstände hinzuweisen, aber mittlerweile ist mir bewusst, dass sie kein bisschen übertrieben hat und dass ich bis vor ein paar Monaten mangels persönlicher Betroffenheit einfach nicht über den Tellerrand von Hamburg und seinen paradiesischen Zuständen hinaus geschaut habe. Welche krassen gesellschaftlichen Auswirkungen diese Situation hat, wird mir nun bewusst, wenn ich mich mit meinen Kollegen unterhalte und ich merke, wie wichtig es ist, an dieser Stelle laut und deutlich zu sagen: NEIN, Frauen haben nach wie vor NICHT die gleichen Möglichkeiten wie die Männer in dieser Gesellschaft!!!




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 19. Oktober 2010 um 10:35 Uhr unter Gewalt, Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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24 Kommentare

  1. Stimme aus dem Off sagt:

    Frauen hätten die Möglichkeit, sich Männer zu suchen, die zuhause auf die Kinder aufpassen wollen, statt Karriere zu machen. Warum findet das also nicht statt? Und sag‘ jetzt nicht, dass es an den Männern scheitert, denn von der Sorte gäb’s wirklich genug. Die wollt ihr nur nie haben…

  2. Thilde sagt:

    In meinem Umfeld gibts davon nur sehr wenige.
    Ein Indikator dafür könnte die Anzahl der Männer sein, die in Elternzeit gehen – immer noch sehr wenige.
    Und jetzt sag nicht, dass es an den Frauen scheitert. Begründung: gleiche wie deine oben, nur stichhaltiger ;-)

  3. Susanne sagt:

    @ Stimme aus dem Off: Weil ein Umkehren der Situation genausowenig den Wünschen der meisten jungen Paare entspricht. Heute wünscht sich doch fast jede_r einen erfüllenden Beruf und weder Frauen noch Männer sollten gezwungen sein, seine Wünsche aufzugeben, nur weil der Staat es nicht auf die Reihe kriegt, Betreuung anzubieten. (Das alles bezieht sich außerdem nur auf die Schicht, die von einem Einkommen leben könnte – in den meisten Familien sind zwei Einkommen nötig, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten.)

  4. Stimme aus dem Off sagt:

    Ich weiß nicht. Ich sehe halt sehr wenige Frauen, die sich für, sagenwirmal, weniger ehrgeizige Männer interessieren. Wenn frau sich aber schon einen erfolgsorientierten Mann gesucht hat, dann ist der Zug für die Umerziehung zum Hausmann meistens schon abgefahren.

    Insofern würde ich schon meinen, dass meine Beobachtung zumindest auch ein bisschen stichhaltig ist. :)

    Dass es zu wenig Betreuungsmöglichkeiten gibt, ist ja ansonsten unbestritten. Aber das Problem wäre für Frauen theoretisch auch individuell lösbar, indem sie den Partner zuhause lassen. So, wie die Männer es ja auch immer noch und in erheblichem Ausmaß machen. Dass das umgekehrt so gut wie gar nicht stattfindet, irritiert mich halt.

  5. klingonische oper sagt:

    deine beobachtung mag zutreffend sein, nur die konklusion ist es nicht: umerziehung zum hausmann wird nicht angestrebt!

  6. Susanne sagt:

    @ Stimme aus dem Off: Es irritiert dich, dass Frauen ihren Männern nicht ihren Willen aufzwingen, ihn zwingen, seine beruflichen Träume zu begraben? Mich irritiert das nicht, mich freut das. Klingt menschlich.

  7. Katharina sagt:

    Das ist doch großer Mist.
    Wir brauchen mehr Krippenplätze PUNKT.
    Natürlich ist es erstrebenswert, wenn Männer Vaterschaftsurlaub nehmen, aber ich will meinen Mann nicht jahrelang Zuhause sehen. Es kann jawohl nicht sein, dass wir jetzt ernsthaft darüber reden, Hausmänner anzuschaffen. Niemand sollte verpflichtet sein Zuhause zu bleiben und jedem sollte die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und Erwebsfähigkeit gegeben sein.

  8. Ich kann nur zustimmen. Wir leben auch in NRW und die Vereinbarkeit von 2 Kiga Kindern + 2 arbeitenden Eltern ist auch hier bei uns mit den Angeboten vom Jugendamt nicht möglich. Wobei wir dafür dass wir so ländlich und konservativ leben immerhin noch einige Tagesmütter haben und sogar der Kiga im Ort jetzt U3 Kids aufnimmt. War vor 3 Jahren noch anders. Dank 2 guter Jobs können wir unser „privates“ Betreuungsproblem dank eines AU-Pairs lösen. Aber auch hier übernimmt mal wieder eine Frau die Betreuung gegen geringe Bezahlung. Eigentlich nicht im sinne einer emanzipierten Frau.

    Daher bin Ich auch für eine qualitative und vor allem verfügbare Kita Betreuung. Denn nur so wird die Arbeit auch wirklich in Ansätzen vernüftig bezahlt.

  9. THX1138 sagt:

    Und ich denke, erst wenn beiden Geschlechtern dieselben Lebensoptionen offen stehen, können wir damit beginnen, von Gleichberechtigung zu sprechen, d. h. wenn Kinder auf der Welt sind, sollte beiden Partner der Weg offen stehen, zuhause zu bleiben. Ich kenne viele Männer, die bereit wären, zuhause zu bleiben. Aber auch viele Frauen. Das Zuhause als unproduktive, ja lebensverachtende und sämtliche Wünsche killende Sphäre zu betrachten, halte ich gelinde ausgedrückt für ziemlich übertrieben. Nicht alle Menschen haben das Glück, genau die Arbeit zu haben, die sie sich schon als Kind erträumt haben. Ich würde sogar soweit gehen, dass die allermeisten Mneschen lediglich einen Job ausführen, um damit die Rechnungen und die Miete bezahlen zu können- nebst einem Auto und ein paar Wochen Ferien im Jahr. Insofern halte ich die Glorifizierung der Arbeitswelt aus volkswirtschaftlicher Sicht für durchaus wünschenswert- aber aus Sicht des Lebenswirklichkeit der meisten Menschen bedeutet Arbeit vor allem Pflicht und nichts anderes. Ich denke, das sollte man bei allen Betrachtungen miteinbeziehen. Zudem ist der Begriff Arbeit bis dato noch viel zu stark an den Faktor Kapital gebunden- doch das wiederum steht auf einem ganz anderen Blatt Papier.

    Es gibt genug Männer, die vom Malochen unter immer prekäreren Bedingungen allmählich genug haben. Es könnte also durchaus sein, dass es in Zukunft auch Männer geben wird, die explizit auf ihr Recht, zuhause zu bleiben und den Haushalt zu schmeissen, pochen werden. Mit diesem Phänomen wird man in Zukunft vermehrt rechnen müssen.

  10. Adele sagt:

    @ THX1138:

    Es könnte also durchaus sein, dass es in Zukunft auch Männer geben wird, die explizit auf ihr Recht, zuhause zu bleiben und den Haushalt zu schmeissen, pochen werden. Mit diesem Phänomen wird man in Zukunft vermehrt rechnen müssen.

    Vielleicht lebe ich in einem anderen Deutschland als du… Sarkasmus beiseite: Ich würde das sehr begrüßen, nur leider sehe ich das nicht kommen. Keiner meiner Kollegen, deren Frau zu Hause ist, hat sich darüber beklagt, dass er malochen muss, während die Frau sich zu Hause eine schöne und erfüllte Zeit macht. Diese Arbeitsteilung wird von allen als einvernehmlich beschlossen geschildert. Trotzdem wundere ich mich ein bisschen, dass 400 km weiter nördlich eine andere Arbeitsteilung einvernehmlich üblich ist. Wieviel ist da wirklich individuell gewünscht und wieviel durch äußere Umsände erzwungen?

    Und was die Glorifizierung der Arbeitswelt betrifft: Das ist die eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite bekommt man als Mutter, die ihr Kind alleine lässt (ähm nee, das Kind ist nicht alleine, es ist beim Vater…) um ihrem Traumjob nachzugehen, ständig vermittelt, wie egoistisch das sei. Deshalb bleibe ich dabei: Freiwillig zuhause zu bleiben, ist (auch) egoistisch und hat nichts mit Selbstlosigkeit zu tun. Ich möchte mitnichten irgendjemandem vorschreiben, wie er oder sie sein/ihr Familienleben organisiert, aber der Mangel an Krippenplätzen tut genau dies. Ausbau von Kinderbetreuung hindert keinen einzigen Vater oder Mutter daran, das Kind bis zum Schuleintritt aussschließlich selbst zu betreuen. Aber er würde es mir und meinem Mann ermöglichen, gemeinsam in einer Stadt zu leben, und unser Kind gemeinsam zu versorgen (mit Hilfe der ErzieherInnen in der Krippe). Mir schreibt der Mangel an Krippenplätzen ziemlich stark vor, wie die Organisation meines Familienlebens auszusehen hat, ich sehe nicht, wieso ein ausreichendes Angebot an Krippenplätzen irgendwem vorschreiben sollte, arbeiten gehen zu müssen.

  11. THX1138 sagt:

    Vieleicht bewegen wir uns in verschiedenen sozialen Milieus, Adele. Meines ist dasjenige der einfachen Angestellten mit Beruflehre. Und in diesem Milieu kenne ich persönlich viele Männer, die bereit wären, auch langfristig zuhause zu bleiben. Ein Beispiel: Er Automechaniker, sie Marketingleiterin bei einer KMU. Marketingleiterin ist kein geschützter Titel in der Schweiz, man absoviert eine kaufmännische Lehre und hängt zwei je ein- bis eineinhalbjährige Berufsbildungskurse mit eidgenössichem Abschluss dran- fertig ist der Marketingspezialist. Sie ist fraglos besser bezahlt als er.

    „auf der anderen Seite bekommt man als Mutter, die ihr Kind alleine lässt (ähm nee, das Kind ist nicht alleine, es ist beim Vater…) um ihrem Traumjob nachzugehen, ständig vermittelt, wie egoistisch das sei.“ Da kenne ich wiederum niemanden, der das so sieht. ich denke, gerade diesbezüglich hat sich die Sicht der Allgemeinheit ganz beträchtlich geändert.

    Es ist sicher so, dass die Anzahl der Krippenplätze aufgestockt werden muss. Wie finanzieren sich die Krippenplätze in Deutschland? Hier in der Schweiz sind sie dermassen teuer, dass sie für einen Teil der Erwerbstätigen im von mir erwähnten Milieu von vornherein gar nicht in Frage kommen. 517 Euro pro Monat würde ich als deutscher Normalverdiener nicht gerade als günstig bezeichnen.

    Es gäbe noch viel zu sagen in diesem Bereich. Alle Fragen zu diesem Thema in dieser Antwort abschliessend zu klären, ist kaum möglich.

    Meiner Ansicht nach ist es unabdingbar, dass schlussendlich- wenn auch nur theoretisch (wer’s dann schlussendlich praktizieren will, soll das auch können)- dass beiden Partnern grundsätzlich die gleichen Lebensoptionen offenstehen. Natürlich gehen Frauen (nach Kindern) auch wieder einer Erwerbstätigkeit nach. Aber im Allgemeinen als Hinzuverdienerinnen. Die ganze Ernährerlast liegt immer noch auf den Schultern der Männer. Das Haupteinkommen in gemeinsamen Haushalten stammt in Deutschland immer noch von Männern, Tendenz glücklicherweise abnehmend: In einem Drittel aller Haushalte erweirtschaftet die Frau bereits die Hälfte des Haushaltseinkommens. Das ermöglicht beiden Partnern eine ungemeine Flexibilität. Zumindest Letzteres sollte das erklärte Ziel für die Zukunft sein, dann kommts gut.

  12. THX1138 sagt:

    Ergänzung erster Teil: „Sie ist fraglos besser bezahlt als er.“ Er sagte mir, dass er kein Problem damit gehabt hätte, zuhause zu bleiben. Trotzdem blieb sie freiwillig zuhause und hat den Job an den Nagel gehängt.

    Kommt noch hinzu.

  13. MimoD sagt:

    @ THX1138

    ein schöner Kommentar, dem ich nichts hinzuzufügen habe. Du sprichst mir wirklich aus der Seele.

  14. Neeva sagt:

    @THX1138
    Man sollte sich bei dieser Diskussion davor hüten, Themen zu vermischen, die überhaupt nicht in ursächlichem Zusammenhang stehen.

    – Es gibt vermutlich Männer, die gerne Hausmann und Vater sein möchten. Und solchen Männern werden fraglos mehr Steine in den Weg gelegt, als Frauen die Hausfrau und Mütter sein möchten. Das ist sicherlich ein Problem, aber was hat das mit dem Mangel an und der Forderung nach mehr Krippenplätzen zu tun? Niemand wird durch das Angebot eines Krippenplatzes am Zuhausebleiben gehindert.

    – Die Rollenzuschreibungen sind noch immer so stark, dass Paare gelegentlich unwirtschaftliche Entscheidungen treffen, z.B. dass eine Mutter permanent zuhausebleibt, obwohl sie einen besser bezahlten Job hatte als der dazugehörige Vater und obwohl der Vater ebenfalls bereit gewesen wäre zuhause zu bleiben.
    Hat wieder nichts mit Krippenplätzen zu tun, mit einem verfügbaren Krippenplatz hätte es höchstens noch die dritte Option gegeben, dass beide weiter arbeiten.

    – Viele Frauen sind „Hinzuverdienerinnen“, d.h. tragen weniger als die Hälfte zum Familienunterhalt bei. Das ist (noch) allgemein gesellschaftlich akzeptiert. Hier gibt es einen Zusammenhang: Zusätzliche Krippenplätze sorgen dafür, dass bei mehr Paaren beide arbeiten und eher beide Vollzeit arbeiten, womit sich bei vielen eine gleichmäßigere Aufteilung der Ernährerlast ergeben dürfte.

    – Es gibt viele Scheißjobs, die den Beruf Hausmann/frau als erstrebenswerte Alternative dastehen lassen. Ist zweifellos wahr, es wird aber immer Leute geben, die für ihren Lebensunterhalt malochen müssen. Einen Zusammenhang mit Krippenplätzen sehe ich nicht.
    Ich würde auch die Aussagen von Berufstätigen, sie würden gerne zuhausebleiben/ wären gerne zuhausegeblieben mit einiger Vorsicht betrachten. Als berufstätiger Mensch stellt man sich unter „Zuhausebleiben“ oft so etwas wie ein endloses Wochenende vor, selbst wenn man es objektiv eigentlich besser weiß. Sehr viele Hausfrauen (von Hausmännern weiß ich keine Beispiele) sagen schließlich auch, sie hätten gern weitergearbeitet.

  15. Noomi sagt:

    Also ich krieg ja immer einen ziemlichen Hals, wenn ich von Männern erzählt bekomme, dass wir Frauen uns ja nur andere Männer zu suchen bräuchten, und schon wären alle unsere Vorstellungen erfüllt…
    Wo sind denn diese ganzen Männer, die liebend gerne den Hausmann geben würden, und im Zweifelsfall sogar dafür den besser bezahlten Job ruhen oder eventuelle Karrieereschancen sausen lassen würden??? Ich sehe sie jedenfalls nicht! (Achso, doch einen kenne ich: Meinen Schwager, aber der hatte u.a. eine schlechtere Jobsituation als meine Schwester.)

    Und wenn sich dann ein Paar tatsächlich mal auf eine gleichmäßige Aufteilung der (auf Grund der mangelnden Kinderbetreuungsplätze längeren) Zuhause-Bleiben-Zeit geeinigt haben:
    Wo sind diese ganzen ArbeitgeberInnen, die kein Problem damit haben, dass ihre männlichen Angestellten plötzlich in Elternzeit (und zwar nicht ein paar Wochen sondern sogar 1 Jahr oder länger) gehen???
    Vielleicht lebe ich auch in einem anderen Deutschland, als diese Männer, die gerne mal sowas vorschlagen…

  16. Marcel sagt:

    @ Adele

    Wenn Du mit 400 Km weiter nördlich Dänemark gemeint hast, bist Du wohl noch nie dort gewesen oder einfach sehr schlecht informiert, denn dort nehmen nur ca. 5 % der Männer Erziehungsurlaub.
    Passt aber zu der skandinavischen Mythenbildung ;)
    Oder wusstest Du, dass seit der Einführung der Norwegischen Zwangsquote von 40% für Frauen in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen (Einzelheiten sind ja wohl bekannt, zB das familiengeführte/sich in Familienbesitz befindliche börsennotierte Unternehmen ausgenommen sind usw) sich die Anzahl der betroffenen Unternehmen fast halbiert hat, und damit auch die Anzahl der Frauen in Aufsichtsräten kontinuierlich ABNIMMT statt zu nimmt ?
    Es konnten auch nie alle geforderten Stellen besetzt werden, so dass einige Frauen mehrere Posten hatten, trotz staatlicher Weiterbildungsmassnahmen, Förderungsprogrammen usw.
    2002 gab es 640 Unternehmen, letzten Monat waren es nur noch 357.
    Ein Drittel gaben offen als Grund der Änderung die Zwangsquote an.
    Sieht so ein Erfolg aus ?
    Ich lebte 10 Jahre in Skandinavien, studierte dort und war mit einer Dänin verheiratet, von daher kann ich über diese feministischen Skandinavien-Mythen oftmals nur noch schmunzeln.

    Und falls Du Hamburg gemeint hast, nun, da sind die Grünen/GAL zusammen mit den Schwarzen ja gerade dabei, die vorhandenen Strukturen dermassen zu verteuern, dass Normalsterbliche diese eh kaum mehr nutzen können, da zu kostspielig.
    Sieht so Frauenpolitik aus, oder ähnelt es nicht mehr einer Klientelpolitik, der FDP nicht ganz unähnlich?
    Die eigene elitäre Klientel, zu denen man die Grünen ja mittlerweile zählen muss, ist natürlich kaum betroffen.
    Aber für die Elbphilharmonie sind hunderte von Millionen da…..oder der schicken neuen Hafencity, wo fast 30 % die FDP bei der letzten Wahl wählten, die Grünen bekamen fast 20%.
    Das sagt wohl so einiges aus!

    @ THX1138

    Dein erster Kommentar ist wahrlich treffend!

    Noch eine letzte Bemerkung.
    Im Trennungsfall ist die Mutter, fast immer gerichtlich bestätigt, die wichtigste Bezugsperson, was von den Frauen keinesfalls verneint wird.
    Ist die Paarbeziehung noch intakt, soll der Mann gefälligst mehr für die Kinder da sein, damit die Frau noch mehr Möglichkeiten hat, sich der schicken Orchideenkarrierre zu widmen.
    Das nenne ich ganz einfach scheinheillig, oder Rosinenpickerei.
    Gerade in den ersten Jahren ist die Mutter unglaublich wichtig, wer in dieser Zeit die Kinder abgeben möchte um schicke Karrierre zu machen( da stimme ich mit THX vollkommen überein, das mit der schicken Karrierre ist eine kapitalistische Chimäre), sollte doch lieber erst gar keine bekommen. Die Rolle des Vaters wird hingegen mit den Jahren umso wichtiger, als korrektiv sozusagen.
    Und da ist nichts sozial konstruiert, wie es einige Ideologen gerne hätten.

  17. Helga sagt:

    @marcel: Dass Feminist_innen alle annehmen, in Skandinavien sei alles Gold was glänzt, ist gerade auch nur eine Annahme. Es ist dort lediglich weniger beschissen als hier. Wäre ziemlich blöd, wenn wir hier für Verbesserungen kämpfen wollen, aber dann auf deren Problemen rumhacken. Die Probleme dort wollen wir auch nicht, die haben wir selbst schon lange, nur das was funktioniert…

  18. Adele sagt:

    Ja, Marcel, die Entwicklung in Hamburg ist bedenklich, aber wenn du aufmerksam gelesen hättest, dann wäre dir aufgefallen, dass ich mit den aktuellen Zahlen argumentiert habe. 517 Euro maximal gegen 1300 Euro minimal für eine Tagesmutter in Köln (Vollzeitbetreuung an 5 Tagen in der Woche). In Hamburg ist der Elternbeitrag ans Einkommen gekoppelt, und auch in Hamburg kenne ich Eltern, die sich die Betreuung nicht leisten können, weil sie „zuviel“ verdienen. Nicht toll, aber trotzdem ist die Situation noch immer deutlich besser, als in anderen westdeutschen Städten und Gemeinden. In Köln werden Tageseltern überhaupt nicht von der Stadt gefördert, da kann es auch passieren, dass man 1700 Euro für die Betreuung eines (!) Kindes bezahlt.

    Was hier die Sorgerechtsthematik zu suchen hat, ist mir vollkommen schleierhaft. Bleib bitte beim Thema!

    Hier geht es auch nicht um schicke Orchideenkarrieren (wer bist du, dass du dir das Recht herausnimmst, das zu beurteilen?) sondern um finanzielle Eigenständigkeit. Dieser ganze Beitrag fordert an keiner Stelle, dass der Mann zurückstecken soll zugunsten der Berufstätigkeit der Frau. Schon in der Überschrift kannst du lesen, dass es um Gleichberechtigung geht, nicht darum, die Männer zum Hausmanndasein zu zwingen. Ganz im Gegenteil geht es darum, beiden Elternteilen eine gleichberechtigte Teilhabe an beruflichen Chancen zu ermöglichen.

    Und jeder weitere Kommentar, der behauptet, dass Mütter als Bezugsperson in den ersten Jahren ungleich wichtiger für das Kind seien als Väter, werden konsequent gelöscht. Ebenso jeder Kommentar, der Frauen, die gerne berufstätig sein möchten, nahelegt, dann doch bitte keine Kinder zu bekommen. Nochmals: Wer bist du, dass du dir solche Statements anmaßt?!?

  19. Jules sagt:

    Puh. Wirklich hart solche Dinge immer wieder lesen zu müssen (@Marcel)! Die Frau die einzig Wahre für die Kinder, dann können wir uns die Diskussion, um die Krippenplätze ja direkt sparen, wenn doch eh die Mutti das am allerbesten kann!!!
    So, jetzt auch mein Sarkasmus mal bei Seite geschoben.

    Ich kann gerade ziemlich hautnah miterleben, wie es ist, wenn es um das Thema: Mütter und Kinderbetreuung geht!“

    Meine Schwester hat vor 5 Wochen ein Kind entbunden.
    Schon während der Schwangerschaft wurde das Thema, ob/wann sie wieder arbeiten gehen wolle, heiß diskutiert. So oft wie zu dieser Zeit habe ich noch nie gehört, dass sie das doch nicht machen könne, sie solle doch dem Kind die Mutter nicht nehmen, sie solle doch die schöne Zeit mit dem Kind genießen usw. Menschen von denen ich dachte zu wissen, dass sie eher für die Erwerbstätigkeit der Frau sind, wahren plötzlich absolut entrüstet, wie meine Schwester einen kleines Kind mit ca. einem Jahr in die Kita geben wolle. Von daher kann ich seitens der Männer, als auch der Frauen, zumindest in meinem Umfeld, keine Liberalisierung erkennen. Was mich persönlich wirklich schockiert hat.

    Zum Thema Krippenplätze: Meine Schwester (wohnt in NRW) zieht schon jetzt durch die Kitas, (privat, konfessionell, städtisch) stellt sich vor und hofft bei den 7 vorgesprochenen Einrichtungen evt. einen Platz zu bekommen. Die Betreuung von unter 3- jährigen ist ja ohnehin nicht so weit ausgebaut, daher wird es wohl sehr spannend werden. Von der Rückkehr in den Job ist eine Festanstellung abhängig und mit einer Absage der Kitas, diese dahin. Bleibt abzuwarten, wie es ausgeht. Für mich ist festzuhalten, dass ich an diesem Beispiel erschreckend feststellen muss, dass sowohl die schlechten Betreuungsmöglichkeiten, als auch die alten Muttermythen und -Ideologien wirklich noch sehr existent sind.

  20. profin sagt:

    Tja,
    die Männer, die aktiv in der Kinderbetreuung einsteigen bzw. Elternzeit nehmen, kriegen noch mehrheitlich in deutschen Unternehmen deswegen Druck.

    Einzelfallschilderung: Ein Arbeitgeberverband, der sich mal eben auf die Kleinbetriebsklausel berief, um einem jungen Vater (direkt zum Geburtstermin) den Teilzeitantrag abzulehnen.

    Und Frauen, die schnell wieder einsteigen wollen, werden in D zumindest gefordert, sich dauernd argumentativ zu verhalten – können also nicht einfach „sein wie sie sind“.

  21. THX1138 sagt:

    @Neeva: Wenn mehr Krippenplätze zur Verfügung stehen würden, hätten auch die Frauen mehr Zeit, im Beruf zu verbringen, anstatt zuhause. Und umgekehrt könnten sich deshalb auch mehr Männer auf den Haushalt konzentrieren. Das ergibt mehr Einkommen und auch mehr Möglichkeiten- für beide. Die Krippenplätze müssten allerdings bezahlbar sein. Über 500 Euro, das ist ja mehr als ein Hartz-IV Regelsatz für einen Erwachsenen!

  22. Bruno sagt:

    Zuwenig Krippen als Gleichberechtigungskiller dürfte angesichts der Geburtenraten kaum noch ein Argument sein.
    Außerdem: Hat sich schon mal jemand die Frage gestellt, warum jemand Kinder möchte, wenn diese dann umgehend in die Fremdbetreuung gegeben werden?

  23. Lori sagt:

    @Bruno: Weil diese doofen Karrierefrauen einfach total egoistisch sind, die armen Kinder werden ja total psychisch geschädigt, wenn man sie in den Kindergarten/Krippe gibt … [ironie off]
    Spaß beiseite: Es ist doch nicht so, dass Frauen UND Männer, die ihre Kinder in die Krippe/Kindergarten geben, nichts mehr mit ihren Kinder zu tun haben wollen, so nach dem Motto „Sollen sich mal andere drum kümmern“. Nein, aber sie wollen eben mehr sein als „nur“ Eltern, sie haben eine Beschäftigung, die ihnen wichtig ist NEBEN den Kindern – was auch bei jeder klassischen Hausfrau so ist, die vllt. zwar nicht wieder nach der Geburt arbeiten geht, sich dafür aber ein Hobby sucht. Es ist völlig irrelevant, wieviel Zeit man mit seinen Kindern verbringt, es kommt darauf an WIE man die Zeit mit seinen Kindern verbringt. Wenn Mutti oder Vatti zwangsweise zu Hause bleiben und sich langweiligen und frustiert sind, weil sie eig auch noch arbeiten wollen, ist das auch nicht gut fürs Kind – das verbringt dann seine Zeit mit schlecht gelaunten Eltern. Es ist vollkommen ok, lange zu hause zu bleiben, um sich um das Kind zu kümmern, genauso, wie es ok ist, schnell wieder arbeiten zu gehen – und das hat nichts damit zu tun, dass man sein Kind weniger liebt, sondern, dass es unterschiedliche Lebensmodelle gibt und DAS Patentrezept, wie man sein Kind am besten erzieht bzw. wieviel (Quality) Zeit man mit ihm verbringt, gibt es sowieso nicht. Aber die Menschen sollten nun mal die Wahl haben und dafür muss ein Angebot an Krippenplätze geschaffen werden – vllt. möchte das eigne Kind, die später auch mal nutzen?

  24. Bruno sagt:

    Es ist völlig irrelevant, wieviel Zeit man mit seinen Kindern verbringt?
    Na, das sehe ich aber ganz anders. Mein Kind übrigens auch.