Jetzt hat der Feminismus auch noch Kachelmann auf dem Gewissen

Über Schuld oder Unschuld zu spekulieren, ohne das endgültige Urteil abzuwarten, das tun die Medien seit Wochen über den TV-Metereologen Jörg Kachelmann. Auch die ZEIT kaut den Vorwurf der Vergewaltigung ordentlich durch und spült ihn mit ein paar Schlucken Feminismus-Kritik runter.

Dabei steht für ZEIT-Autorin Sabine Rückert fest, dass Kachelmann auch bei einem Freispruch nicht länger den lustigen Wetteransager mimen könne, denn

Wer könnte dabei vergessen, dass der Mann vor der Wetterkarte mit dem Vorwurf einer Vergewaltigung kontaminiert ist? Oder dass er durch Gefühlskälte und Gewissenlosigkeit eine Frau in die äußerste Verzweiflung getrieben hat?

Interessant, dass die Journalistin die Motive der Anklägerin so genau zu beurteilen vermag. Auch wenn sie sich auf Aussageprotokolle und psychologische Gutachten bezieht, ihr Bericht zeichnet in erster Linie das Bild einer Frau, die auf den „Luftikus“ Kachelmann emotional reingefallen ist.

Dort wartete auch die blonde Simone aus Schwetzingen. Elf Jahre auf Stand-by, sich an Versprechungen klammernd, auf bessere Zeiten hoffend. Sie war 26 Jahre alt, als sie Kachelmann nach einem Interview ihre Visitenkarte gab, knapp 37 Jahre, als sie ihn anzeigte. Andere Frauen heiraten in dieser Lebensspanne, bekommen Kinder, bauen Häuser, gehen ins Ausland, machen Karriere. Bei Simone tat sich nicht viel. Sie saß in Schwetzingen und blieb ihm treu. Reduzierte sogar ihre Arbeitszeit bei dem Privatradio deutlich, um noch einfacher abrufbar zu sein.

Und sie ist nicht die Einzige, nein ganze Wagenladungen an sich-in-seinem-Glanz-sonnender Damen habe er geblendet. Was natürlich nicht seine Schuld ist, sondern die der Frauen:

Wartete Aschenputtel früher auf den Märchenprinzen, so verzehrt es sich heute nach dem Mann vor der Kamera. So manche Kachelmann-Freundin, die sich jetzt als sein Opfer fühlt, wird mindestens ebenso Opfer ihrer eigenen Sucht geworden sein, von seinem Glanz zu profitieren. Wer schönen Schein wollte, hat ihn von Kachelmann bekommen. Viel mehr gab es nicht.

Plötzlich kommt die „Liebesrache“ zur Sprache, die Verfolgung Kachelmanns durch „enttäuschte Frauen“ und schwupps wird noch die Bibel herbeigeholt, mit der Geschichte von der „Vergeltungssucht der zurückgewiesenen Frau“ aus dem 1. Buch Mose. Aber den Knaller bringt Rückert mit dem letzten Absatz ihres Artikels, in dem es doch eigentlich um die Frage ging, inwiefern es Kachelmann – den Nachweis seiner Unschuld vorausgesetzt – gelingen kann, seinen Ruf wiederherzustellen.

Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, dass 50 Jahre Feminismus zwar bewirkt haben, dass Männer sich heute bei Delikten gegen die weibliche Selbstbestimmung als wütende Strafverfolger betätigen, dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.

Ja, also echt, sollen sich mal nicht so anstellen die Frauen…

25 Kommentare zu „Jetzt hat der Feminismus auch noch Kachelmann auf dem Gewissen

  1. Danke, dieser Artikel ist mir auch übel aufgestoßen. Der erste Teil analysiert noch ganz gut die Beweislage, die Gutachteraussagen und den Medienrummel. Auch gebe ich Rückert in soweit Recht, dass die betrogenen Frauen eine Mitverantwortung tragen indem sie sich nur allzuleicht blenden ließen. Doch diese Mitverantwortung betrifft nur den Betrug, niemals eine Vergewaltigung.

    Rückert schießt den Vogel ab, indem sie im letzten Teil, den Vorwurf der Vergewaltigung als übliches und weit verbreitetes Racheinstrument verletzter Frauen darstellt.

  2. „Auch gebe ich Rückert in soweit Recht, dass die betrogenen Frauen eine Mitverantwortung tragen indem sie sich nur allzuleicht blenden ließen.“

    Wenn ein Blender gut blendet, kann es jedem passieren, dass er sich blenden lässt, ohne es wissen, geschweige denn, zu wollen. Manche Menschen sind einfach so gute Schauspieler, dass es keiner merkt. Das Argument „selbst schuld, wenn du dich blenden lässt“ greift also nur, wenn das Blenden nach außen zu offensichtlich ist. Wenn es aber einer jahrelang schafft, ein von allen unentdecktes Doppeleben zu führen, woran sollen die Geblendeten denn Schuld sein? Dass sie keine hellseherischen Fähigkeiten haben?

  3. Entschuldigung, onyx, aber: 11 Jahre auf jemanden warten, der nicht mal eine Zahnbürste zu seinen sporadischen Besuchen mitbringt? Da tue ich mich schon schwer, die Verantwortung noch allein beim Mann zu sehen…

  4. Danke, hab mich nach dem Lesen dieses Artikels schon gefragt ob ihr etwas dazu schreibt..
    auch bei mir hat das letzte Drittel nur Kopfschütteln vorgerufen (und ich war irgendwie überzeugt, dass das wohl ein männlicher Autor geschrieben hat… als ich dann am Anfang des Artikels den Namen gesehn hab war ich doch recht erstaunt)

  5. Wartete Aschenputtel früher auf den Märchenprinzen, so verzehrt es sich heute nach dem Mann vor der Kamera. So manche Kachelmann-Freundin, die sich jetzt als sein Opfer fühlt, wird mindestens ebenso Opfer ihrer eigenen Sucht geworden sein, von seinem Glanz zu profitieren. Wer schönen Schein wollte, hat ihn von Kachelmann bekommen. Viel mehr gab es nicht.

    Da ist viel Wahres dran.

  6. In Anbetracht der Tatsache, dass Kachelmann seine diversen Freundinnen jahrelang vor einander und vor der Öffentlichkeit geheim hielt, haben die Damen nicht von seinem Glanz profitiert. Da auch noch von einer Sucht zu sprechen, finde ich schon dreist.

    Und: Warum muss frau eigentlich irgendwas „erreichen”, ein Haus bauen, heiraten oder Karriere machen? Was ist so schlimm daran, wenn jemand einfach nur sein Leben lebt und wenn es jahrelang total unspannend ist?

  7. Habe den Artikel nicht gelesen. Ich hatte mich nur gewundert, dass vor ein oder zwei Wochen die Medien bereits zu wissen glaubten, dass Kachelmann wohl unschuldig sei. Dann lese ich gestern oder vorgestern, dass vom Gericht die Nachricht kam, von einer Unschuld Kachelmanns könne noch längst nicht die Rede sein. Journalisten müssen sich gerade in diesem Fall davor hüten, zu meinen, das Urteil vorab fällen zu können.

  8. „Journalisten müssen sich gerade in diesem Fall davor hüten, zu meinen, das Urteil vorab fällen zu können.“

    Das sehe ich aehnlich. Es hat mich ehrlich gesagt erstaunt, dass dieser Artikel in Deutschland so gedruckt werden konnte. Ich kenne das Medienrecht im vereinigten Koenigreich etwas besser als das deutsche und dort fiele der ZEIT Artikel vermutlich unter „contempt of court“: http://www.bbc.co.uk/guidelines/editorialguidelines/edguide/thelaw/contempt.shtml

  9. Man sollte sich aber genaus davor hüten, den Mann einfach mal vorab als schuldig zu betrachten. Was die Presse damit bezweckt, wenn sie gegen die Staatsanwälte schreibt, hin oder her, aber ich habe auch nicht gesehen, dass die Ankläger überzeugend dargelegt haben, warum Kachelmann noch immer im Knast sitzt…

  10. @Stimme aus dem Off Ja, aber ebenso sollte man verdammt vorsichtig damit sein, der Frau pauschal Lügen zu unterstellen. Wir wissen lediglich das, was man in der Presse lesen konnte – und was z. T. vermutl. von der Verteidigung selbst ‚in die Medien eingespeist‘ wurde. Das „Blatt“ hat sich ja mit schöner Regelmässigkeit ständig in den Medien gewendet. Erst war der ‚Sündenbock‘ Herr K., dann fing man plötzlich an, auf das mutmaßl. Opfer zu schimpfen, dann auf die Justiz. Auf welcher Grundlage kann man sich hier überhaupt eine Meinung bilden, ohne die Akten zu kennen?

  11. @Stimme aus dem off: „überzeugend“ – ähm – glücklicherweise sind Richter_innen Staatsanwält_innen eben auch nicht verpflichtet, dich davon zu überzeugen, dass jemand noch in U-Haft bleiben muss. Da haben sich die Medien in vielen, vielen tausend anderen Fällen, in denen Menschen zu Unrecht in U-Haft saßen, definitiv weniger reingehängt.

    Worum es der Presse doch geht, ist nicht die Frage, ob jemand in U-Haft bleibt oder nicht, sondern darum, es im „Fall Kachelmann“ schon vorher gewusst zu haben. Also war er vorher schuld – und vorher unschuldig, je nachdem, wie gerade der Wind wehte.

    Worum es auf einem feministischen Blog geht, ist in diesem Fall (meiner Meinung nach, ja) festzustellen, wann die Argumentationsweisen der Medien sexistisch waren.

    Danke für den Blogeintrag, ich hatte mich schon über den Titel geärgert und dann aus Selbstschutz nicht weiter gelesen.

  12. Was man nicht mit Sicherheit sagen kann, ist, wer ein Verbrechen begangen hat: die Frau oder Kachelmann. Was aber sicher ist, ist, dass an einigen Frauen die Emanzipation vorbeigegangen ist. Und dass das angesprochen wird, darüber muss sich hier ja keiner aufregen, weil das Problem alle kennen.

    Der Zeit-Artikel ist gut und was darin steht richtig. Und wenn man ihn liest und sich über das Thema informiert, versteht man auch, dass er als (kleines) Gegengewicht zur Berichterstattung gedacht ist, die sich nur mit der Person Kachelmann beschäftigt.

  13. @JesperL

    Ich lese in dem Artikel, dass Kachelmann viele Beziehungen hatte, die er voreinander geheim hielt. Weiterhin lese ich in diesem Artikel, dass die Frau, die mutmaßlich vergewaltigt worden sein soll, sehr lange an diesem Menschen hing (das war auch schon mal anders zu lesen, nämlich von flüchtiger Affäre) – wahrscheinlich, weil sie ihn liebte. Kommt ja vor. Was daran ist jetzt bitte emanzipationsfrei?

    Weiterhin unterstellt die Autorin diesen Frauen, sie wollten sich an Kachelmanns Ruhm laben und deswegen hätten sie Beziehungen mit ihm geführt. Das ist ein beschissenes Klischee über Frauen und hochgradig sexistisch. Die einzig emanzipationsbefreite Frau hier ist vielleicht die Autorin.

    Was aber sicher ist, ist, dass an einigen Frauen die Emanzipation vorbeigegangen ist. Und dass das angesprochen wird, darüber muss sich hier ja keiner aufregen, weil das Problem alle kennen.

    Achso? Ich nicht. An keiner Frau „ist die Emanzipation vorbeigangen“, es sei denn, sie hat seit 100 Jahren keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt. Vielleicht solltest du dich eher von deinen Stereotypen emanzipieren, als Pauschalurteile über Frauen zu treffen.

    Der Zeit-Artikel ist gut und was darin steht richtig. Und wenn man ihn liest und sich über das Thema informiert, versteht man auch, dass er als (kleines) Gegengewicht zur Berichterstattung gedacht ist, die sich nur mit der Person Kachelmann beschäftigt.

    Na mensch, wie hast du das denn geschafft, den Wahrheitsgehalt aus dem Text zu kombinieren? Hast du daneben gestanden, als Kachelmann vielleicht seine Ex vergewaltigt hat? Ist Kachelmann ein guter Freund von dir?
    Ich brauch kein journalistisches Gegengewicht, das mit nichts weiter auskommt, als einem Klischeegehudel über „die“ und Kachelmanns Freundinnen und den Feminismus mehr als schräg verargumentiert, um intellektuell zu wirken. Und vielen Dank für dein Mansplaining. Darauf haben wir alle gewartet.

  14. Ich fand den Artikel rhetorisch sehr gut aufgebaut. Frau Rückert hat mir aus der Seele gesprochen und provokant aber treffend formuliert. Frauen, die sich mit solchen Beziehungen (eines ab und an vorbeikommenden Mannes, ob er nun berühmt ist oder nicht) zufrieden geben, obwohl sie eigentlich mehr wollen, sind m.E. wirklich nicht emanzipiert. Dieses Beziehungsmodell existiert ja durchaus auch auch selbstgewählt – verlässliche Sexpartner haben ohne Verpflichtungen eingehen zu müssen (vgl. Up in the air).

    Allein die Tatsache, dass sie Beweise fälscht (den belastenden Brief selbst schreibt) finde ich erbärmlich. Dadurch hat diese Frau sich für mich völlig disqualifiziert und muss sich in der Konsequenz zurecht den Vorwurf gefallen lassen, eventuell den „Vergewaltigungsvorwurf“ als Racheinstrument benutzt zu haben.

    Wenn es stimmt, dass am Verfahren beteiligte Juristen nun Verzögerungen hervorrufen und Halbwahrheiten verbreiten, um ihren eigenen A… zu retten, dann finde ich eine Positionierung der Journalisten auch vor einer Urteilsfällung angebracht. Dazu sind Medien da, denn auch das Rechtssystem ist nicht immun gegen kritische Berichterstattung. Eine Meinungsbildung im Volk ist nur möglich, wenn es auch hier keine Tabus gibt.

  15. @frauscharff

    die Frage ist doch, ob sie wirklich mehr wollten – oder ob ihnen diese Affäre genügt hat. Das wissen wir doch gar nicht? Wieso legen wir uns da fest? Und warum treffen wir Urteile über Beziehungsformen und deren Emanzipationsgrad? Ich verstehe diese Sichtweise nicht. Ein Mann (in diesem Fall Kachelmann) kann Affären am laufenden Band haben, ohne als unemanzipiert zu gelten, Frauen nicht. Und dann schreibt Rückert noch, dass solche Frauen nicht feministisch seien. Also bitte. So ein Unsinn.

    Ein gefälschter Brief entlastet Kachelmann noch lange nicht vom Vorwurf der Vergewaltigung. Ein gefälschter Brief macht eine Frau noch lange nicht zum unemanzipierten Racheteufel. Die Causa Kachelmann ist noch lange kein Maßstab für den Emanzipationsgrad von Frauen.

  16. Wieso legen wir uns da fest? Und warum treffen wir Urteile über Beziehungsformen und deren Emanzipationsgrad?

    Wer sind denn „wir“?
    frauscharff kann sich doch ihre Meinung bilden. Sie schreibt eindeutig aus ihrer ganz eigenen Perspektive „Ich fand“, „hat mir aus der Seele …“. Wenn sie es so sieht, ist das genauso ok, wie wenn du es anders siehst.

    Und warum treffen wir Urteile über Beziehungsformen und deren Emanzipationsgrad?

    Vielleicht, weil dieser Artikel die Beziehungsform zur Diskussion stellt?
    Oder weil Beziehungsformen ein ganz wichtiger Bestandteil des feministischen Diskurses darstellen?
    Das Private ist politisch?
    Vielleicht weil es in der Tat nicht sonderlich unabhängig aussieht, wenn eine sich eine Frau jahrelang hinhalten lässt?

    Ich verstehe diese Sichtweise nicht.

    Musst du doch auch nicht.

    Ein Mann (in diesem Fall Kachelmann) kann Affären am laufenden Band haben, ohne als unemanzipiert zu gelten, Frauen nicht.

    Nee, das „kann“ er auch nicht einfach, ohne dass es seinem Image schadet. Emanzipiert oder nicht ist nun mal eine Frage, die sich bezgl. K. nicht bzw. hier nur im Zusammenhang mit der Frau stellt. Sollte irgendwann der Fall bekannt werden, dass eine Frau mehrere Männer gleichzeitig jahrelang veräppelt hat, wird man sicher auch die Rolle der Männer in diesem Spiel hinterfragen.

    Und dann schreibt Rückert noch, dass solche Frauen nicht feministisch seien. Also bitte. So ein Unsinn.

    Nein, das schreibt sie nicht. Sie schreibt:
    „Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, (…) dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.“

    Und damit hat sie Recht. Wir können nämlich in keinster Weise behaupten, der „aufrechte Gang“ wäre bereits bei allen Frauen angekommen und Selbsterniedrigung wäre Schnee von gestern.

    Und dann schreibt Rückert noch, dass solche Frauen nicht feministisch seien. Also bitte. So ein Unsinn.

    Ok, nehmen wir mal an, sie hätte das so geschrieben und es wäre Unsinn. Machen wir also die Gegenprobe: Was ist an dieser Beziehungsform und an Frauen, die sie praktizieren, feministisch? An welcher Stelle (in der Beziehung) setzen sich diese Frauen (oder speziell diese Frau) für ihre Rechte und Interessen im Sinne von faktischer Gleichstellung ein?

  17. @fragezeichen

    ich denke andere kommentator_innen brauchen keine schützenhilfe. jeder kann, darf und sollte hier im blog seine eigene meinung vertreten, von pauschalisierungen über geschlechter bitte ich allerdings abzusehen. das bringt uns kein stück weiter.

    ich glaube, du missverstehst mich: ich habe bereits mehrfach dargestellt, dass es mir missfällt, dass hier offensichtlich freiwillig gewählte beziehungsformen, von wem sie auch immer ausgingen, wer an ihnen festhielt und wer an ihnen wie scheiterte, als grund herangezogen werden, über geschlechter und ihren emanzipationsgrad zu urteilen, zumal der mann nicht in den fokus der betrachtung rückt, höchstens als opfer. das ist einseitig, sexistisch und hat rein gar nichts mit dem fall kachelmann zu tun. die autorin zieht dieses argument an den haaren herbei, um einen opferdiskurs um kachelmann herumzustricken (dabei wissen wir und die autorin eigentlich gar nichts darüber) und frauen als rachesüchtige, unemanzipierte furien hinzustellen, die vom feminismus noch nichts mitbekommen hätten. völlig absurd. der artikel wurde lediglich verfasst, um das thema wieder hochzukochen, obwohl keine fakten auf dem tisch liegen, die offenbar ausreichen, um kachelmann aus der u-haft zu lassen. nun kann mensch über die art der ermittlung und beweisführung, über ein versagen der anwälte auf beiden seiten usw. spekulieren, es bleiben allerdings spekulationen, die jedoch näher am thema dran sind als dieses geschlechterparitätische täter_innen/opfer-ping pong. um dann letztlich auch noch „den“ feminismus zu bemühen, der angeblich solche frauen längst überholt hat.

    natürlich ist auch partnerschaft ein thema diverser feminismen, aber davon auszugehen, dass es sich bei kachelmann und seinen freundinnen um unemanzipierte beziehungsformen (wie gesagt: natürlich nur von seiten der frauen) und -enden gehandelt hat, ist unredlich und hilft niemandem, schon gar nicht ihm, der weiterhin in u-haft schmort. hier werden geschlechter gegeneinander ausgespielt und frauen zu hilflosen und doch berechnenden wesen degradiert, die den schuss scheinbar noch nicht gehört haben. wie anmaßend, rückschrittlich und objektivierend ist das bitte? und was hat das vor allen dingen mit diesem fall zu tun?

    ich habe im übrigen diesen frauen keine feministische denke zugeschrieben, sondern kritisiere, dass die autorin ihnen emanzipative gedanken abspricht. wissen wir wie kachelmann diese beziehungen geführt hat? und wer hat diese frauen je angehört? wie sah die gefühlslage bei allen beteiligten aus? wie waren die rahmenbedingungen? das wissen wir alle nicht. insofern können das spekulationen sein, aber keine fundierten meinungen und erst recht keine universalisierbaren aussagen über „die“ oder „diese“ oder „solche“ frauen und den kachelmann-fall im speziellen. es bleibt zu hoffen, dass der fall endlich schnell aufgeklärt wird und ohne weitergehenden schaden für alle beteiligten endet – ohne, dass sich diverse medien im vorfeld das maul zerreißen und zum geschlechterkampf blasen.

  18. Möchte eigentlich sehr gerne abwarten, bis das ganze Verfahren abgeschlossen ist, jedoch finde ich solche Vorkommnisse mal wieder bezeichnend :

    http://vaeter-und-karriere.de/blog/index.php/2010/07/04/wenn-falsche-vorwurfe-ein-leben-ruinieren/comment-page-1/#comment-100174

    “Seit Kachelmanns Verhaftung soll Werner, so Insider, immer wieder versucht haben, seinen Partner aus der Firma zu drängen.” (Quelle : Bild)

    Das einzige, was ich derzeit bewerten will ist der Umstand, hier mehreren Frauen wohl scheinbar die Ehe versprochen zu haben. Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn jemand ein freies und abwechslungsreiches Leben führen will. Ich war/bin auch nicht immer nur ein Waisenknabe. Wenn es auch so ehrlich zwischen den Beteiligten besprochen wird. Manche Frauen sind da offener und aufgeschlossener als von Manchen vermutet und wollen auch nicht immer sofort die Ehe. Das „Vorspielen“ von ernsten Absichten mit Aussichten auf Ehe und Kindern finde ich verletzend.

    Was ich einem Kumpel damals zu verstehen gegeben habe, sei ehrlich und spiel nicht mit Gefühlen.

  19. „Was ihre eigene Beziehung zu dem Wettermann angeht, so behauptete Simone, seit elf Jahren dessen »Lebensgefährtin« zu sein, konnte der Polizei allerdings weder die Anschrift von Kachelmanns Schweizer Firma nennen noch die Frage beantworten, ob er einen Wohnsitz in Deutschland habe. In der Gesamtschau aller Aussagen und Tatsachen stellt sich das Verhältnis der beiden weniger als ein reales und beständiges Miteinander dar denn als ein aus bürgerlichen Illusionen, utopischen Theorien und erotischen Fantasien zusammengefügtes Gedankengebäude. Ein Luftschloss, in dem niemand haust.“

    Soviel zu „blenden“ – Luftschloss ist das Stichwort.

    „Den anonymen Brief, der die Tat ausgelöst haben soll, hatte sie sich selbst geschrieben. Und die Beziehung Kachelmanns zu jener Mitreisenden hatte sie auch schon Wochen zuvor gründlich ausspioniert. Unter falschem Namen hatte sie sich im Internet via Facebook als vermeintliche alte Bekannte an die Konkurrentin herangepirscht, hatte sich deren Bild schicken lassen und die Bestätigung erschlichen, dass diese ebenfalls mit Kachelmann zusammen sei.“

    Luftschloss plus biblische Vergeltungssucht ist allerdings eine allzu explosive Mischung. Die alternde Gewitterhexe hat die Windhose anprobiert. Dies Unwetter war vorhersehbar. Und der Wettermann mag`s eben stürmisch.

  20. Dass die Medien hier bereits eigene „Präjudizierungen“ vorgenommen haben, sehe ich auch aus diesem Grunde bedenklich :

    http://www.focus.de/panorama/vermischtes/prozess-kachelmann-kachelmanns-gutachter-bernd-brinkmann-wegen-befangenheit-ausgeschlossen_aid_561055.html

    „Vergangene Woche hatte der Vorsitzende Michael Seidling überraschend verkündet, Brinkmann werde wegen Besorgnis der Befangenheit nicht als Gutachter zugelassen. Damit hatte der Antrag der Staatsanwaltschaft Erfolg und die Verteidigung einen ihrer wichtigsten Gutachter verloren. Darin ist von selbst zugefügten Blutergüssen des angeblichen Vergewaltigungsopfers die Rede.“

    So überraschend können sich neue Aspekte ergeben, die vorher noch nicht so gesehen wurden.

    Mal abwarten, wie es weiter geht.

  21. http://www.stern.de/panorama/kachelmann-prozess-verteidiger-johann-schwenn-attackiert-gutachterin-1633667.html

    M.E. erwartungsgemäß diese Kerbe :

    „Jörg Kachelmanns Verteidiger hat einer Gutachterin vorgeworfen, sie übernehme unkritisch Thesen „radikalfeministischer Autorinnen“. Verteidiger Johann Schwenn bezog sich dabei auf Passagen aus dem Gutachten der Psychologin Luise Greuel, die …“

    Ohne jetzt selbst eine Vorjudizierung vornehmen zu wollen, kenne ich es losgelöst vom hier verhandelten konkreten Fall eigentlich aus
    der Praxis so, wenn sich Rechtsanwälte auf verlorenem Posten sehen, wild unterhalb der Gürtellinie zu schlagen beginnen.

    „Die Hubert Burda Media Gruppe dementierte die Vorwürfe. „Diese Verdächtigungen sind Teil der Strategie des Strafverteidigers Schwenn, das Verfahren vor dem Landgericht zu destabilisieren“, sagte Verlagsvorstand Philipp Welte. “

    Ich persönlich glaube, Hr. Philipp Welte kennt diese Praxis.

    Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf, neue Erkenntnisse und das Ende des Verfahrens.

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