Deutschland gehen die Ingenieure aus! Fachkräftemangel! Die Schlagzeilen sind genauso bekannt, wie die Forderungen an die Frauen, endlich mal was „Richtiges“ zu studieren. Maschinenbau statt Sozialwissenschaft, Chemietechnik statt Neuer deutscher Literatur.
Lohnen tut sich das allerdings nicht unbedingt auf dem Gehaltscheck, wie eine neue Erhebung im WSI-Lohnspiegel zeigt (die ganze Studie als PDF). Danach gibt es den altbekannten Gender Pay Gap auch in den verschiedenen Ingenieurwissenschaften – Ingenieurinnen bringen rund 17 Prozent weniger Gehalt nach Haus.
Während es für Elektronikingenieurinnen fast gleiche Löhne gibt, sieht es im Bauingenieurwesen deutlich schlechter aus, über 18 Prozent Unterschied. Letzteres ist dabei ein Feld, in dem noch überdurchschnittlich viele Frauen zu finden sind. Je geringer der Frauenanteil in einem Fachgebiet, umso geringer auch der Pay Gap.
Vor zwei Jahren untersuchte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) die Einkommenslücke schon einmal genauer. In der allgemeinen Untersuchung wurden damals für die Ingenieurberufe etwas über 14,3 Prozent Unterschied veranschlagt, die Schere scheint sich also noch zu öffnen. Zu den Hintergründen hieß es damals bereits:
Die Einkommensrückstände von Frauen lassen sich nur zum Teil erklären mit unterschiedlichen beruflichen Präferenzen, Unterschieden in der Ausbildung und beruflichen Unterbrechungen wegen Kindererziehung. Mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten spielen ebenfalls eine Rolle. All dies sind jedoch nur Teilerklärungen. Die Analysen des WSI bestätigen den auch aus anderen Studien bekannten Befund, dass ein wichtiger Teil des geschlechtsspezifischen Lohnrückstandes sich weder durch personenbezogene oder strukturelle Faktoren erklären lässt. Vielmehr geht er auch zurück auf die unterschiedliche, leider oft immer noch diskriminierende Behandlung von Frauen im Berufsleben.
Immerhin hat in den letzten Jahren die Arbeitslosigkeitsquote der Ingenieurinnen deutlich abgenommen, ist aber weiterhin doppelt so hoch wie unter Ingenieuren. Für Ausländer_innen sind die Zahlen ähnlich schlecht.

Ingenieurin zu werden, lohnt sich für Frauen nur, solange es kaum Geschlechtsgenossinnen in ihrem Bereich gibt. Danach öffnet sich wieder einmal die Einkommensschere, wenn frau überhaupt eingestellt wird. Am Ende scheint der Ruf von Industrie und Politik nach Zuwanderung und mehr Ingenieurinnen auch nach dem Versuch, mehr Auswahl und vor allem billigere Arbeitskräfte zu bekommen. Das überrascht natürlich niemanden, es sollte aber zum Anlass werden, frühere Versäumnisse deutlich anzusprechen. Und den Ingenieurinnen als Erinnerung dienen, ihre Gefragtheit zu nutzen und auf gleichen Chancen und gleicher Bezahlung zu bestehen.

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