Endlich da: der Gleichstellungsbericht

von Helga

2008 wurde er von der damaligen Frauenministerin Ursula von der Leyen mit den Worten „wir wollen eine Gleichstellungspolitik mit klaren Zielsetzungen“ in Auftrag gegeben. Die Frankfurter Rundschau hat sich die Ergebnisse bereits genauer angesehen und sieht auf die neue Frauenministerin große Herausforderungen zukommen.

Die Schlussfolgerungen der Gutachter dürften für Kristina Schröder schwer verdaulich sein: Frauenquote, Abschaffung des Ehegattensplittings und Mindestlöhne sind allesamt sozialdemokratische Forderungen.

Denn eines ist die bisherige Politik nicht: Sinnvoll.

So stellt die Kommission fest, dass das fehlende Leitbild der Gleichstellungspolitik dazu führe, dass sie gleichzeitig Anreize für ganz unterschiedliche Lebensmodelle gebe. Sie gewähre Unterstützung in einer Lebensphase, die in der nächsten abbrächen oder in eine andere Richtung führten, kritisiert das Gutachten. Eine Politik, die auf eine wirkliche Chancengleichheit abziele, müsse Fehlanreize vermeiden.

Schröder hat dazu bisher nur ihren Staatssekretär losgeschickt, um den Bericht abzuholen und zu kommentieren.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 26. Januar 2011 um 14:42 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Piratenweib sagt:

    Da bin ich mal gespannt, ob der Bericht auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das wird eine interessante Lektüre …

  2. Thomas sagt:

    Wie ich in Prof. Hollstein, „Geschlechterdemokratie“ las, ist in den skandinavischen Ländern die Gleichstellungsthematik im Wirtschaftsministerium aufgehängt – mit wesentlich größerem Erfolg als bisher hierzulande.

    Vielleicht wäre das Analogon denkbar, eine ernstgemeinte Gleichstellungspolitik für Frauen und Männer im Arbeitsministerium aufzuhängen. Fr. Dr. von der Leyen verfügt ja über jahrelange Erfahrungen und Kompetenzen auf dem Gebiet und hat ja auch den Vorstoß „Vätermonate“ mit Erfolg gewagt.

    Ich persönlich halte im Falle des BMFSFJ Schnittstellen der Ministerin mit Evangelikalen (SELK) für eine progressive Geschlechterpolitik nicht unbedingt für günstig.

  3. Antje sagt:

    @Piratenweib und an alle:
    Der Bericht bzw. das Gutachten sowie eine Zusammenfassung können hier abgerufen werden:

    http://www.fraunhofer.de/ueber-fraunhofer/geschaeftsstelle-gleichstellungsbericht/index.jsp

    Ich wüsste ja gern, wo ich eine Druckfassung her bekomme…

    Es grüßt,
    Antje

  4. Piratenweib sagt:

    Danke, Antje, hab´s auch gerade gesehen. Ganz schön dickes Ding. Ich druck´s mir evtl. aus, immer hüsch 2 Seiten auf eine Druckseite. Mal sehen.

  5. Thomas sagt:

    Es gibt nueste Entwicklungen hierzu :

    http://www.tagesschau.de/inland/frauenquote108.html

    „Von der Leyen fordert gesetzliche Frauenquote
    Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sich in die Debatte um die Frauenquote eingeschaltet: Die Regierung werde noch in diesem Jahr einen Vorschlag für eine gesetzliche Regelung des Geschlechteraufteilung in den Führungsgremien deutscher Unternehmen vorlegen, kündigte die CDU-Politikerin im Magazin „Der Spiegel“ an.

    Laut von der Leyen soll es einen 30-Prozent-Schlüssel geben, der…Dieser müsse sowohl für die Vorstände als AUCH Aufsichtsräte vor allem von börsennotierten Unternehmen gelten.“

    „Freiwillige Vereinbarung „krachend gescheitert“

    „..Sanktionsmöglichkeiten an,…Denkbar sei, dass Mitglieder von Aufsichtsräten, die die Quote nicht erfüllten, kein Sitzungsgeld erhielten. Zudem könnten deren Beschlüsse zwar gelten, aber die Wahl des Gremiums für ungültig erklärt werden.“

    „Schröder ist „selbst eine Quotenfrau“

    „DIW: „Freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht“
    Zuvor hatte eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt, dass im vergangenen Jahr der Frauenanteil in den Vorständen der größten 200 Unternehmen bei lediglich 3,2 Prozent lag.“

    Die ktuelle Ausgabe der „Kompakt“ wählte die 3,2 zur „Zahl des Monats“.

    Auch FrauTV berichtete:

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2011/0127/thema_2.jsp

    „…Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin. Sie führt seit Jahren Studien rund um das Thema durch:
    „In anderen Ländern wie zum Beispiel Norwegen oder den Niederlanden wurden die Quoten eingeführt – und wir sehen, dass innerhalb relativ kurzer Zeit erreicht worden ist, dass sich die KULTUR IN DIESEN UNTERNEHMEN GEÄBDERT hat. Und das hat hauptsächlich mit der Diversität zu tun, gar nicht unbedingt damit, dass Frauen so anders führen, sondern das man sich mit anderen Vorstellungen reibt, dass man ein anderes Brainstorming machen kann – diesen Unternehmen geht es ausgesprochen gut.“

    M.E.ein sehr guter Standpunkt wie auch hier:

    „Wir reden jetzt nicht über Führungspositionen, die 120 Prozent der Arbeitszeit umfassen; das ist in der Tat etwas, das alle Frauen nicht anstreben. Wir sehen, dass Männer in Führungspositionen sehr viel arbeiten. Das heißt aber nicht, dass diese Führungspositionen so geschnitten sein müssten, dass diese Arbeitszeit notwendig ist. Wir können uns durchaus Führungspositionen vorstellen, die mit anderthalb Positionen besetzt sind, wo es geteilte Führungspositionen gibt. Auch das sind Mechanismen, die wir in anderen Ländern haben, mit großem Erfolg haben. Das probieren wir hier überhaupt nicht aus, das heißt, wir gehen über den Status Quo überhaupt nicht weg, wir zweifeln ihn auch gar nicht an. Diese Anwesenheitskultur und auch dieses Brüsten…“

    Ich würde zwar „Männer“ durch „manche Männer“ oder „gewisse Männer“ ersetzen, aber sie hat Recht.

    Viel anwesend sein heißt ja auch nicht automatisch viel leisten, sondern manchmal leider auch „Wichtigkeit“ und „Unentbehrlichkeit“ inszenieren.