Immer wieder der Griff in die Klischeekiste

In der neuen Serie „Einfach nur anders“ stellt die Süddeutsche seit kurzem Menschen, die aus verschiedenen Gründen am Rand der Gesellschaft stehen. So auch Transfrau Rebecca, Münchner Aktivistin bei Viva TS. Vermutlich um noch einmal zu betonen, dass „aus einem Mann eine Frau wurde“ greift der Artikel leider tief in die Klischeekiste:

Nur ihr Beruf ist eher männlich: Rebecca repariert Computer und Drucker. Aber zurück zu Wolfgang. Beim Schulanfang beneidet er als kleiner Junge die Cousine um das hübsche Kleid. Er spielt lieber mit Puppen als mit Bauklötzen.

Mädchen spielen mit Puppen, Männer reparieren Computer. Scheinbar muss jeder einzelne Artikel über Transgender und Transsexualität die „typischen Verhaltensweisen“ aufzählen und dabei ignorieren, dass zunächst viele Cismenschen/Biofrauen/Biomänner Stereotypen nicht entsprechen. Aber auch Transgender geraten so unter Rechtfertigungsdruck und sehen sich manchmal gezwungen, Geschlechterklischees 150% zu erfüllen. Wer als Transfrau noch weite Hosen und Hemden trägt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht eigentlich doch ein Mann ist. Daneben wird wieder einmal die Geschlechtsidentität mit der sexuellen Orientierung verwechselt.

Später, als Teenager, interessiert er sich nicht für Mädchen. Trotzdem geht er eineinhalb Jahre eine Beziehung ein. Als seine Freundin mehr will als nur Händchenhalten, kann er ihr das nicht geben.

Dabei hat die Frage, von welchem Geschlecht sich eine Person angezogen fühlt, nichts damit zu tun, welchem Geschlecht sie selbst sich zugehörig fühlt. Oder genauer: Es gibt auch schwule Transmänner und nicht jede Transfrau ist heterosexuell. Schließlich klingt die „Verwandlung“ selbst in diesem Artikel fast wie eine märchenhafte Reise.

Eineinhalb Jahre Probezeit als Frau also, das sah die Therapie vor. Danach ist es dann so weit. Wolfgang darf Hormone nehmen: Er erlebt Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre gleichzeitig.

Schwangerschaft? Vielleicht noch Wiedergeburt? Dabei ist die Realität wenig märchenhaft. Bis heute müssen Transgender in Deutschland ihrer Fortpflanzungsfähigkeit adieu sagen, wollen sie nicht nur ihren Vornamen, sondern auch den Geschlechtseintrag ändern lassen. Ein Problem mit System: Weite Teile des deutschen Transsexuellengesetzes sind inzwischen als verfassungswidrig eingestuft worden, vieles verstößt gegen die Menschenwürde. Vor über einem Jahr sollten etwa laut Bundesverfassungsgericht schon die Zwangsscheidung gestrichen werden – passiert ist bis heute gar nichts. Wann, liebe Süddeutsche, berichtet ihr darüber?

(Vielen Dank an Leserin Christina für den Link.)

39 Kommentare zu „Immer wieder der Griff in die Klischeekiste

  1. Kleine Nachfrage zum Verständnis zur folgenden Passage:

    „Bis heute müssen Transgender in Deutschland ihrer Fortpflanzungsfähigkeit adieu sagen, wollen sie nicht nur ihren Vornamen, sondern auch den Geschlechtseintrag ändern lassen.“

    Das klingt so, als ob der Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit allein gesetzlich normiert ist und es aber dennoch im Bereich des medizinisch möglichen wäre, diese Fähigkeit bei einer Operation zu erhalten. Das wußte ich bislang nicht. Ist das möglich?

  2. @Don Gomez: In Deutschland muss man beides machen lassen – sich sterilisieren lassen und (nicht zwingend aber meistens) auch eine geschlechtsangleichende Op vornehmen lassen. Dass wollen einerseits nicht alle Transgender, OPs sind schließlich immer mit Risiken behaftet, gerade an derart sensiblen Gewebe (Probleme mit dem Schließmuskel, der Blase, Orgasmusfähigkeit). Inwieweit nun beide Sachen voneinander getrennt vorgenommen werden, kann ich nicht beurteilen, den Zwang beides durchführen zu lassen finde ich auf jeden Fall abstrus.

  3. Also ist es nach wie vor medizinisch nicht möglich, bei einer Geschlechtsumwandlung eine Fortpflanzungsfähigkeit zu erhalten oder gar in neuem Gewand auferstehen zu lassen…?

  4. @ don gomez:
    defniere „geschlechtsumwandlung“.
    das eine sind die OPs „untenrum“, die nicht jede trans*person vornehmen lassen will.
    das andere ist die offizielle personenstandsänderung, die notwendig ist um im pass den entsprechenden geschlechtseintrag zu haben und alle anderen bisher im leben erworbenen dokumente (z.b. arbeitszeugnisse etc) umschreiben zu lassen (auf entsprechenden namen und geschlecht). letzteres kriegt mensch in deutschland nicht ohne ersteres, wobei hier das gesetz die sterilisation verlangt! :(

    ansonsten siehe link von captain zu thomas beatie.

  5. @ Der Link erklärt nicht meine Frage.
    Wenn ich von der medizinischen Umwandlung spreche, sollte klar sein, worauf sich meine Frage zur Geschlechtsumwandlung bezieht.
    Was Du ansonsten zur rechtlichen Dimension des Problems schreibst, ist redundant, weil es schon von Helga kam.
    Deinen Ton verstehe ich nicht. Ich stelle eine Frage, mehr nicht. Danke für den benefit of doubt, den auch Du mir sicher freundlich gewähren wirst.

  6. @pika Ich denke, Don Gomez meint die Möglichkeit, bei einer genitalen Rekonstruktion die Fortpflanzungsfähigkeit zu erhalten. Ich bin wie gesagt keine Ärztin und weiß es nicht genau, aber es müsste eigentlich möglich sein, z.B. die Gebärmutter und die Eierstöcke zu erhalten – wenn es keine Vagina mehr gibt, könnte man einen Kaiserschnitt oder künstliche Befruchtung und Austragen über eine Leihmutter erwägen. Oft wird das Entfernen der Geschlechtsorgane mit dem erhöhten Krebsrisiko durch die anderen Hormongaben begründet, aber das ist auch kontrovers.

  7. es wird kein geschlecht „angeglichen“, denn dann wäre das ergebnis ein angeglichenes, also genau das „gleiche“ weibliche geschlecht von frauen. es werden aber nur optische korrekturen vorgenommen. in jeder hinsicht funktionstüchtige weibliche (ggf. männliche) geschlechtsorgane entstehen dabei nicht.

  8. @klingonische oper:
    Hä? Angleichen ist doch nicht das Gleiche wie „gleich“ oder „gleichen“. Es bedeutet viel mehr soviel wie „annähern“.

  9. Das Problem bei Transgender & Sterotypen ist aber auch, dass (insb. Transfrauen) gezwungen werden, sich an gewisse Stereotype zu halten, sonst werden sie nicht akzeptiert z.B. hat eine Transfrau die sich zu „männlich“/butch kleidet sehr schlechter Chancen darauf offiziell anerkannt zu werden. Da müssen schon Pumps und Blümchenkleider aufgefahren werden.

  10. Hä? Angleichen ist doch nicht das Gleiche wie “gleich” oder “gleichen”. Es bedeutet viel mehr soviel wie “annähern”.

    angleichen und gleich besitzen den selben wortstamm. sicher kann man unter angleichen verschiedenes verstehen, aber sinngemäß bedeutet es, dem original nicht nur grob ähnlich, sondern möglichst „gleich“ zu werden.

  11. Äh. Also ich bin mit einem „amtlich anerkannten“ Transmann befreundet, der also mittlerweile offiziell einen männlichen Namen und entsprechenden Perso usw hat. Er hat auch einige Jahre Hormone genommen, plant aber im Moment eine Schwangerschaft. Und er kennt auch einige andere Transmänner mit Kinderplänen. Von Zwangssterilisierung und -operation hat er noch nie was erzählt. Das wäre ja auch ganz schön krass.

  12. Eine Kultur und ein Staat, welche solchen repressiven Druck auf Geschlechter ausüben, in dem sie Menschen in solche (samt stereotyper Darstellung) zwingen oder sie bei Unwillen für körperlich und/oder seelisch krankhaft erklären, zeigt für mich, dass Geschlecht als Herrschaftsinstrument benutzt wird.
    Bislang kann ich nicht erkennen, was daran für jemand und andere schädlich wäre, wenn eine Person Vornamen oder das Geschlecht wechselt.
    Aber der Staat braucht ein Rechtsinstrument, um solch gefährliche und moralschädliche Bestrebungen zu unterbinden oder erheblich zu erschweren. Menschenrechte sind da irrelevant.
    Also, klammert er sich weiter ängstlich und kontrollsüchtig an die anerzogenen Vorstellungen und Lebensweisen und erzwingen sie bei anderen. Normgerechtes. Eine deutsche Macke, die so manchen Menschen das Leben schwer machte oder zerstörte.
    Solche menschenfeindlichen Gesetze wie das TSG und Bestimmungen zu Intersexualismus (Zwitter) gehören abgeschafft.

  13. „Immer wieder der Griff in die Klischeekiste“. Die Frage ist nur, wer da hinein gegriffen hat. Die Zeitung oder doch die Interviewte? Ich finde es ist zu einfach hier einseitig Medien anzugreifen, wo doch die Paradoxien in der Selbstsicht bei transsexuellen Menschen und transgender Personen doch sehr weit verbreitet sind. So glauben die einen ernsthaft, dass eine genitale Operation aus einen „Mann“ eine „Frau“ machen kann (Stichwort: Phallozentristisches Geschlechterbild) und die anderen feiern die Geschlechterklischees und glauben, dass ein Wechsel des Kleiderschrankinhaltes eine geschlechtliche Veränderung bedeuten würde (Stichwort: Genderperformances). Wann wird endlich einmal denen zugehört, die laut sagen „Nein, da wechselt sich gar nichts, weder das gender noch das sex des Menschen“ und die gleichzeitig äussern, dass es dennoch eine grosse geschlechtliche Bandbreite gibt zu der auch die Menschen gehören, deren körperliches Geschlecht stellenweise anders ausgeprägt ist als das geistige/seelischs/Gehirn/Kopf-Geschlecht? Ich bin transsexuell. Ja. Aber auch ich bin eine Bio-Frau :-)

  14. Da gibts für mich so viel zu zu sagen, dass die Kommentarsektion für mich dazu wohl zu klein wird.

    Auf jeden Fall möchte ich Mädchenmannschaft erstmal danken das Thema aufgegriffen zu haben und sensibel dazu berichtet zu haben.

    Dann eine Anektode aus meiner „Laufbahn“. Ich war schon lange auf selbstbestimmter Hormonersatztherapie, als ich mir eine Therapeutin suchte. Ohne grosses Psychoprzedere erhält niemand die Erlaubnis für eine Genitaltransformierende Operation. Die war zwar keine Ärztin aber etwas besorgt darum, dass ich selbst Medikamente nehme, die in der Schweiz (wie im gesamten deutschsprachigen Bereich) nicht frei Verkäuflich sind und schickte mich ins sogenannte Kompetenzzentrum, in der Hoffnung, dass ich dort „offiziell“ Hormone bekommen könne…
    … pustekuchen. Der verantwortliche Psychiater war zutiefst schockiert über meine Aussage, dass ich Unisexkleidung bevorzuge, nie in Rock usw. ausgegangen bin oder mich unter Transvestiten gemischt hatte. Er machte mir schwere Vorwürfe, dass mich in Unisex Kleidung niemand als Frau wahrnehmen würde (trotz gegenteiliger Anektoden meinerseits) und sagte meiner Therapeutin, ich müsse einen _andere_ Persönlichkeitsstörung haben, mich selbst verabschiedete er mit den Worten: „Auf Wiedersehen, HERR ….“

    Da ich nicht auf ihn angewiesen war, spielte ich das Spiel auch nicht mit.

    Die Person war eine jener Schule, die schon verhindert hat, dass ich Hilfe bekomme, als ich noch 15 war und zum erstem mal Kontakt zu „Spezialisten“ aufnahm, nachdem ich herausgefunden hatte, was doch geht. Ich geriet ausgerechnet an Volkmar Sigusch, der Geschlechtsidentität und Geschlechtsrolle genausowenig auseinanderhalten kann (eigentlich hat er die Grundlagen der TS Behandlung geschaffen) und mir sagte, unter 25 geht eh nichts. Ich hab letztlich fast alles selbst gemacht, mit vielen medizinischen Fehlern und es hat 20 Jahre gedauert, bis endlich alles in die richigen Bahnen kam.

    Auf Sigusch komme ich noch mal zurück, wenn ich gleich etwas aus den aktuellen Leitlinien zur Behandlung zitiere.

  15. Auf Sigusch folgte Sophinette Becker. Sigusch arbeitete noch am Transsexuellengesetz mit, Sophinette Becker leitete die erstellung der deutschen Behandlungsstandards. In diesen liest mann dann folgendes:

    # Der Therapeut ist zu dem klinisch begründeten Urteil gekommen, daß bei dem Patienten die drei genannten Kriterien der Psychotherapie (die innere Stimmigkeit und Konstanz des Identitätsgeschlechts und seiner individuellen Ausgestaltung, die Lebbarkeit der gewünschten Geschlechtsrolle und die realistische Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen somatischer Behandlungen) gegeben sind.
    # Der Patient hat das Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle mindestens ein Jahr lang kontinuierlich erprobt (sogenannter Alltagstest).

    Man sieht also die extreme Betonung von Rollenerwartungen in dem ganzen.

  16. Man sieht also die extreme Betonung von Rollenerwartungen in dem ganzen.

    was ich bisher von transsexuellen gehört habe, ging es diesen auch immer um betonung von rollenerwartungen. ich hab noch nie gehört oder gelesen, dass z.b. ein mann sich „als frau“ gefühlt hätte, aber auf äußerliche attribute und weibliches rollenverhalten hätte verzichten wollen. im gegenteil, das war meistens eines der kernanliegen.

  17. @Lena: Den Vornamen kann man relativ einfach ändern lassen. Eine richtige Personenstandsänderung (in Geburtsurkunde und Geburtsregister) ist das aber nicht und führt etwa bei Reisepässen zu Problemen, die ein Geschlechtskennzeichen enthalten. Bei Transmännern wird auch öfter auf die geschlechtsangleichenden Maßnahmen verzichtet, da sie noch deutlich schwieriger und potentiell wenig erfolgreicher ist als bei Transfrauen.

  18. @bumsfallera: Nun kennst Du die erste Transfrau, die eben nicht allen Rollenerwartungen entsprechen will. Eine Tatsache, die bis heute leider viel zu selten respektiert wird.

  19. > was ich bisher von transsexuellen gehört habe, ging es diesen auch immer um betonung von rollenerwartungen. ich hab noch nie gehört oder gelesen, dass z.b. ein mann sich “als frau” gefühlt hätte, aber auf äußerliche attribute und weibliches rollenverhalten hätte verzichten wollen

    Was meinst du mit äusserlichen Attributen? Wenn es dir um körperliche geht, liegt es auf der Hand. Ich möchte dich mal sehen, wenn dein Körper sich plötzlich in die geschlechtlich entgegengesetzte Richtung entwickelt.

    Zum Anderen. Am besten zitiere ich mich mal selbst aus einer anderen Diskussion ( ):

    „> Zeigt die Aussage „Ich war nie eine Frau“ nicht gerade, dass Balian Buschbaum nicht den körperlichen Aspekt betont?

    natürlich. Als Mann hatte er einen Körper mit primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, die Falsch waren. Das ist der körperliche Aspekt.

    Transsexualität besteht im wesentlichen aus zwei Elementen die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.
    Dem oben angesprochenem körperlichen und der Geschlechtsidentität. Letztere haben auch die meisten nicht Betroffenen, nur eben passend zum sichtbaren Körper.

    Wie tomboy2010 mit ihre selbst als Beispiel im ersten Kommentar geschrieben hat, gibt es genügend Menschen, die nicht Transsexuell sind, und deren Verhalten nicht zur sozialen Rolle passt.

    Aber Geschlechtsidentität als solche kann sich so auswirken. Man orientiert sich schon als Kleinstkind an Menschen mit dem Geschlecht, dem man sich zugehörig fühlt und da will man sich auch Abgrenzen. Es gibt kein Gen für Pink, und doch kann man die meisten Mädchen nicht davon abhalten, die Farbe zu bevorzugen.

    Gerade bei transsexuellen Frauen kommt es nach dem sozialen Rollenwechsel oft zu einer Ueberbetonung solcher Stereotypen, auf die sie sich regelrecht stürzen wie ein Drogenabhängiger auf Entzug. Bei Jugendlichen findet man das normal, aber wenn Erwachsene plötzlich nochmal in die Pubertät kommen, wirkt das Befremdlich und schafft leider auch nach Aussen oft das Bild, es ginge Betroffenen nur darum.“

    Das Problem ist auch, dass es einen unglaublichen Drang zu geben scheint, Betroffene nur auf eine von zwei Arten zu Protraitieren (und darum geht es ja auch im Blog). Dazu würde ich allgemein das Buch „Whipping Girl“ von Julia Serano empfehlen.
    In Medienberichten tauchen fast ausschliesslich betroffene Frauen auf. Diese werden entweder als Täuschend oder als Pathetisch dargestellt.
    Die täuschenden werden mit viel nackter Haut protraitiert, gerne mit dem Ätsch-Effekt. Und jetzt guck, die hat noch ein Anhängsel oder „Die war mal ein Kerl“,
    die Pathetischen dagegen sind meist Postoperativ, man sieht ihnen ihre falsche Pubertät deutlich an und sie kleiden sich meist Hyperstereotyp. Ich habe schon bemerkt, dass Fernsehseender diese mittlerweile gar nicht von Betroffenen, sondern in angeblichen Dokus und Realitysoaps von Schauspielern dargestellt werden.
    Fast immer wird in der Portraitierung einer transsexuellen Frau deren Feminität als künstlich hingestellt. Man spricht von Brustimplantaten, fast kein Bericht, der sie nicht vor dem Schminkspiegel zeigt und eines ist ganz wichtig: Möglichst immer Bilder von Früher oder wie im kritisierten Text die häufige Betonung des alten Namens.

    Wo sind nun die ganzen einfach normalen, transsexuellen Frauen? Am Rennen, wenn irgendwo eine Kamera oder ein Mikrofon ist. Sie sind unauffällig und wollen es auch bleiben. Auch an den „Stammtischen“ von SHGs wird man ihnen kaum begegnen.

  20. @bumsfallera: Derart passiv-aggressive Kommentare sind überflüssig.

    Dein Argument war „ich kenne niemanden der so ist“, als ob es Transgender mit Abneigung gegen Klischees nicht gäbe – direkt nach jemandem, die sich als genau so dargestellt hat, ohne Bock auf Stereotyp. Ist sie dann eine Lügnerin? Vernachlässigenswert, weil Einzelperson und nicht-repräsentativ? Oder verdient sie es, dass wir ihre Entscheidungen und Wünsche einfach respektieren?

  21. helga, deine paternalistisch belehrenden kommentare sind auch überflüssig. ich behauptete nämlich nicht, dass es keine transgender gibt, die klischees ablehnen, sondern dass sie in meiner wahrnehmung bisher nicht vorkamen. und das zu konstatieren, ist mein gutes recht. dafür möchte ich von dir keine pseudo-komischen einlassungen lesen, dass ich ja NUN ein anderes beispiel kennen gelernt hätte. denn. liebe helga, wenn es einige trangender gibt, die klischees für sich ablehnen, so spricht auch das wiederum nicht für das in der öffentlichkeit wahrnehmbare, das – leider – auch ein klischee ist, aber als solches halt existiert.

  22. @bumsfallera: Ja, das du nur Leute kennst, die Klischees entsprechen, hast du geschrieben, aber warum? Um zu demonstrieren, dass an denen ja was dran sein muss? Wo hilft denn das in einer Debatte weiter? Ich will hier nicht belehren, sondern zum Nachdenken über Stereotype anregen. Wenn du das als „pseudo-komische Einlassungen“ auffasst, die du nicht lesen möchtest, dann zwinge ich dich sicher nicht, das zu lesen.

  23. > so spricht auch das wiederum nicht für das in der öffentlichkeit wahrnehmbare, das – leider – auch ein klischee ist, aber als solches halt existiert.

    Das Klischeé wird extrem gepflegt. Mädchenmannschaft berichtete ja über den Vorfall am Strand von Deleware. Hier eine Analyse von mir: http://badhairdaysandmore.blogspot.com/2010/06/vollig-verruckte-berichterstattung-dank.html

    Da wurden aus Transmännern Transfauen gemacht und über Silikonbrüste geschrieben. So stark ist das Klischeé.

  24. @ klingonische oper: Die Definition eines vermeintlichen „Originals“ erweist sich als durchaus schwierig bzw. sogar unmöglich. „Funktionstüchtigkeit“ als Kriterium ist unter Berücksichtigung von (nicht nur) Frauen, denen der Uterus entfernt wurde/werden musste oder unfruchtbaren/impotenten Männern ebenfalls problematisch.

  25. Die Definition eines vermeintlichen “Originals” erweist sich als durchaus schwierig bzw. sogar unmöglich. “Funktionstüchtigkeit” als Kriterium ist unter Berücksichtigung von (nicht nur) Frauen, denen der Uterus entfernt wurde/werden musste oder unfruchtbaren/impotenten Männern ebenfalls problematisch.

    so schwierig ist das gar nicht. dafür gibt es mehrere kriterien: sind die organe bereits bei der geburt vorhanden gewesen, oder handelt es sich um nachbildungen? entsprechen sie dem mehrheitlichen erscheinungsbild dieser organe? das bedeutet, auch eine frau ohne uterus ist natürlich eine frau, denn sie besaß dieses organ. auch ein impotenter mann ist ein solcher, denn die funktionsfähigkeit stellt sich eh erst im erwachsenenalter heraus. wäre er – impotent oder nicht zeugungsfähig – kein mann, was wäre er dann also kind gewesen? hätte er – impotent oder nicht zeugungsfähig – gar kein geschlecht? denn eine frau ist er ja durch impotenz nicht geworden. ebenso wie die frau ohne uterus / ovarien kein mann geworden ist und auch nach dem klimakterium weitehin eine frau ist.

    wenn man z.b. jemanden fragt: wie viele beine hat ein mensch? werden die meisten sagen: 2. obwohl es menschen mit 1,5 oder 1 oder gar keinen beinen gibt, die natürlich nicht wegen ihrer beinanzahl diskriminiert werden dürfen. dennoch besitzt das „original“ 2 beine von geburt an vorhandene beine, egal, ob ausnahmslos jeder mit seinen 2 beinen laufen kann. und so gibts auch eindeutige hinweise auf das biologische geschlecht. der umstand, dass es auch intersexualität gibt, hat auf die bestimmbarkeit des geschlechtes der nicht intersexuellen keine derartige auswirkung, dass deren geschlecht nun plötzlich nicht mehr eindeutig feststellbar ist. jedenfalls würde sich der frauen- / männerarzt sehr wundern, wenn patient ihn fragte, was für ein geschlecht sie/er habe, weil das ja auf grund von intersex nicht feststellbar sei. und umgekehrt ist das im grunde das gleiche: eine frau, die anlagebedingt keinen busen hat, ist trotzdem eine frau, denn der busen ist nur ein sekundäres geschlechtsmerkmal. brustimplantate machen niemanden zur frau. ein angehähter gewebeschlauch macht aber auch niemanden zum mann.

  26. „brustimplantate machen niemanden zur frau“

    Dergleichen habe ich nirgends behauptet. Solche Annahmen werden auch eher durch Begriffe wie „Geschlechtsumwandlung“ impliziert.

    Ansonsten: auch in biologischer Hinsicht ist Geschlecht komplexer als einfach nur „XX“ oder „XY“, wie gemeinhin gern angenommen wird. Das hat nicht zwingend etwas mit Intersexualität zu tun – so haben z.B. auch vermeintlich „eindeutige“ Frauen teils mehr Testosteron als das, was für „normal“ gehalten wird, usw. usf.

  27. haben z.B. auch vermeintlich “eindeutige” Frauen teils mehr Testosteron als das, was für “normal” gehalten wird

    hormonspiegel schwanken im laufe des lebens. sie sind kein indikator für das geschlecht. frauen nach der menopause haben einen ganz anderen hormonstatus, als frauen vor der menopause und diese wiederum haben einen anderen als mädchen vor der pubertät. dennoch wechseln frauen nicht das geschecht. die gabe von hormonen beeinflusst zwar sekundäre geschlechtsmekrmale wie bartwuchs oder wachsen der brust, aber soweit waren wir ja bereits, dass das vorhandensein bzw. nichtvorhandensein von bart oder brust nicht „das geschlecht“ ausmacht. ein mann ohne bart ist ein mann, eine frau ohne brust ist eine frau.

  28. Zitat, DON GOMEZ: „Don Gomez sagt:
    Kleine Nachfrage zum Verständnis zur folgenden Passage:

    „Bis heute müssen Transgender in Deutschland ihrer Fortpflanzungsfähigkeit adieu sagen, wollen sie nicht nur ihren Vornamen, sondern auch den Geschlechtseintrag ändern lassen.“

    1. Diese Diskussion um §8, TSG ist absolut unnötig. Die Forderung nach dauerhafter Fortpflanzungsunfähigkeit ist eugenisch und damit ein Verstoss gegen die Menschenwürde. (z.B.: EU Resolution 1728)
    2. Im zweiten folgt diese Forderung dem Anspruch der 1934’er Gesetze zur Rassehygiene des NS-Staates, ergo, in vollem Umfang verfassungsfeindlich.
    3. Wie zu recht indem Beitrag erwähnt wurde ist das ganze Gesetz voller Unverträglichkeiten, jedoch verabredeten noch im April 2009, CDU und SPD nicht daran zu rütteln. Frage welchen wert hat unsere Verfassung und das BVG in Karlsruhe ?
    4. Weitere Folgen und Ungleichstellungen vor dem Gesetz siehe unter folgendem Link:
    http://dreckschleuder.info/blog/?p=1009 sowie
    http://dreckschleuder.info/blog/?p=830

    Marie

  29. klingonische oper: Es ist wenig plausibel, dass biologische Merkmale völlig abstufungslos in zwei Schubladen kategorisierbar sein sollen. Das ständige Pochen darauf, wer denn nun „Frau“ und wer „Mann“ ist, ist eigentlich auch unnütz – es sei denn, man möchte irgendeine Wertigkeit daraus ableiten. Das ist dann aber keine Basis, auf der ich weiter diskutieren möchte.

  30. capitain:

    Es ist wenig plausibel, dass biologische Merkmale völlig abstufungslos in zwei Schubladen kategorisierbar sein sollen.

    abstufungslosigkeit ist gar nicht deklariert worden!
    das biologische merkmal der geschlechtlichkeit exisitert nun allerdings bereits seit einigen hundert mio jahren. seit dem gibts derer 2, die sich im wesentlichen miteinander fortpflanzen. es gibt parallel auch ungeschlechtliche fortpflanzung und parthogenese. das wissen wir ja alles. am grundprinzip 2er geschlechter ändert das nix.

    Das ständige Pochen darauf, wer denn nun “Frau” und wer “Mann” ist, ist eigentlich auch unnütz

    was sollt daran unnütz sein? die biologie des körpers ist ein teil jeder identität, mit der sich jeder auseinandersetzen muss. wüssten wir nicht, wer mann und frau ist, hätten wir z.b. bei der partnerwahl ziemliche probleme. bisher, seit einigen millionen jahren, hat das aber recht gut funktioniert. es gibt keinen grund, die biologie des körpers aus falsch verstandener politischer korrektheit heraus für „abgeschafft“ oder konstruiert zu erklären. konstruiert sind die zuschreibungen und interpretationen des menschen. die gehören hinterfragt und ggf. abgeschafft.

    es sei denn, man möchte irgendeine Wertigkeit daraus ableiten.

    ich glaube kaum, dass die natur wertgikeiten ableiten wollte. das könnte sie gar nicht, denn sie ist kein planvoll handelndes subjekt. wenn menschen daraus wertigkeiten ableiten wollen, muss man sich mit dieser ideologie auseinandersetzen, nicht aber die biologie dafür schuldig sprechen oder zum nonsens erklären. rein praktisch ginge das überdies an den bedürfnissen der meisten menschen vorbei, die sehr wohl eine geschlechtsidentität besitzen wollen.

    egal, mit dem totschlagargument, dass du das auf dieser basis, die du dir selbst strohmann aufgestellt hast, nicht diskutieren möchtest, ist die sache dann erledigt.

  31. @klingonische oper:

    ähm, ich weiß nicht, was bspw. „parthogenese“ mit trans* und transsexualität zu tun hat und möchte dich bitten, am thema zu diskutieren. zu einer wertschätzenden kommunikation, auf die wir hier wert legen, gehört es, lebensentwürfe und ansichten jenseits biologismus und heteronormativität zu respektieren und nicht vorzuschreiben, was jede_r muss und wessen identität sich wie definiert. vielen dank.

  32. ich weiß nicht, was bspw. “parthogenese” mit trans* und transsexualität zu tun hat

    wenn es sich thematisch ergibt, erkläre ich es dir gern ausführlich.

  33. Klingonische Oper, ich muss Dich leider korrigieren. Es ist zwar einerseits richtig, dass es in der Biologie Polaritäten gibt, diese sind aber nicht eindimensional auf wenige Faktoren (oder sogar ein einziges Merkmal) reduzierbar. Ein Mensch besteht in der Regel aus verschiedenen Geschlechtsfacetten, die alle voneinander abweichen können und sich auch nicht immer eindeutig einwickeln. Das liegt daran, dass jeder Mensch (auch Du) in den ersten Wochen der Schwangerschaft noch alle Möglichkeiten hat sich in alle denkbaren Richtungen zu entwickeln. Oft gibt es bei dieser embryonalen Geschlechterdifferenzierung „Abweichungen“ (in geschlechter-stereotypen Gesellschaften wird sowas gerne als „krank“, „abartig“, „geisteskrank“, usw. bezeichnet)… d.h. es entwickelt sich z.B. eine Vagina, obwohl da XY-Chromosomen sind, oder das Gehirn entwickelt sich „weiblich“, obwohl da Penis und Hoden vorhanden sind, oder, oder, oder… so müssen Chromosomen, Genitalien, Gehirn, Körperbau, Hormonwerte usw. einerseits nicht alle auf „einer Seite“ liegen, sie können sich andererseits sogar (wie oben schon angedeutet) auch uneindeutig ausbilden.

    Der Übergang zwischen dem, was als geschlechtliche Abweichung und als „normal“ erachtet wird ist gesellschaftlich gemacht – in Wirklichkeit wirst du nämlich kaum Ken und Barbie antreffen, sondern feststellen, dass die Abweichungen vom Ideal(?) eigentlich die Regel sind (was ja auch gut so ist). Damit hast Du zwar Recht, dass die Natur für die Fortpflanzung das biologische Prinzip der Vereinigung zweier Gegensatzpärchen vorgesehen hat (was damit zu tun hat, dass dieses Prinzip so eine breite biologische Variationsmöglichkeit ermöglicht hat), es ist aber andererseits so, dass die Abweichungen vom Ideal(?) auch hier in der Realität ziemlich hoch sind…

    Natürlich bleibt es dir hier offen, diese geschlechtlichen Variationen aus der Realität auszublenden. Damit würdest du Dich aber genauso anlügen, wie diejenigen, die durch die Gegend ziehen und meinen, es gäbe gar keine Geschlechter. Beides ist falsch. Es gibt sowohl das binäre Prinzip – aber nicht als absolutes Prinzip (also 100-Prozent Ken vs. 100-Prozent Barbie) – sondern in der Wirklichkeit sind es ganz, ganz viele unabhängige binär-Prinzipchen, die alle für sich nichts mit dem anderen zu tun haben müssen (wie schon oben geschrieben können ja Hormone, Chromosomen, Genitalien, Körperbau, usw. alle voneinander abweichen). Da es hier biologisch gesehen auch nicht nur wenige Geschlechtsfacetten gibt, sondern ganz schön viele, führt das dann dazu, dass jeder Mensch eine eigene Geschlechtlichkeit besitzt und, will man sich dann doch mal auf ein einziges Geschlechtsmerkmal beschränken, zugleich(!) Angehöriger eines der beiden Geschlechter (bezogen auf dieses eine willkürlich herausgepickte Merkmal) ist. Die Frage ist aber nur, welches Merkmal dann im Einzelfall gemeint ist. Die Geschlechtsrolle(gender)? Die Genitalien? Die Chromosomen? Die sexuelle Orientierung? Die Geschlechtsidentität? …

  34. Pingback: Marie Karsten

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