Nachdem Anne Roth vor zwei Wochen in ihrem Blog und beim Freitag die Frage nach der Wahrnehmung weiblicher Macherinnen in der Blogosphäre stellte, habe ich mir zahllose Klicks lang Gedanken gemacht. Genauso wie vor und neben mir schon Teresa Bücker beim Freitag oder Nikola Richter in der Blogmacherei.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Statt uns gegenseitig die Abkotz-Tüten zu reichen, überlegte ich, warum eigentlich konfrontieren wir die selbsternannten Alpha-Blogger nicht mit unserer Kritik und zeigen Präsenz in der Diskussion: Hey, wir sind auch noch da! Philip Banse, der seine Interviewserie ausschließlich mit meinungsmachenden Männern besetzt hat, muss vielleicht einfach sehr deutlich darauf hingewiesen werden, dass auch Bloggerinnen Meinungen haben und machen.
Wir haben schließlich Argumente, oder? Aber ach, wahrscheinlich würden diese schulterzuckend abgetan. Wir kennen das ja, oft entgleiten uns in Diskussionen unsere Argumente wie ein glitschiger Holzhammer, der die Richtung wechselt und uns mit dem einen Totschlagargument zum Schweigen bringt: „Mädchen komm mal runter“ – will sagen: „Sei nicht albern, hysterisch, zickig, dumm, aggressiv…“ – Alles beliebte Rückhandschläge, je nach Wahl und Grad unserer Argumentation. Wenn wir wild werden heißt es, wir seien hysterisch, wenn wir ruhig bleiben, sind wir zickig, wenn wir nicht nachgeben, sind wir uneinsichtig. Man knebelt uns mit Attributen und versucht dadurch Offensichtlichkeiten zurück in die Ecke zu stellen. Ein Erfahrung, die auch vomHonig neulich gemacht hat.
Vermutlich ist es unsere Schuld, wenn wir den Mund aufmachen – wir kennen einfach unsere Grenzen nicht:
Im Sommer saß ich in einer Veranstaltung, in der ein selbstgefälliger Referent über seinen Job bei einem Magazin berichtete, dessen Marketing sich ausschließlich an einer männlichen Zielgruppe orientiere. Ob sie von Frauen nicht gelesen würden, fragte ich. Doch, doch, sogar zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz, aber das Marketing auf Frauen abzustimmen vergraule ihnen die männlichen Leser. Ach was, dachte ich und brachte sachlich noch einige Argumente vor, auf die der Referent keine rechten Antworten wußte, außer: Wenn ich weniger aggressiv wäre, ließe sich die Unterhaltung ja fortsetzen. Herrje, ich hatte wohl vergessen, meine Fragen mit einem zuckrigen Lächeln zu pudern. Das irritiert männliche Gegenüber erstaunlicherweise immer wieder. Aber auch einige Frauen, die mit in der Veranstaltung saßen, reagierten genervt – wieso musste ich bloß auf den „süßen“ Typen so einsticheln…
Abends hatte ich eine ähnlich unangenehme Begegnung, in der ein Typ mir wirklich blöd kam und ich – jetzt tatsächlich – aggressiv reagierte. Sehr zum Erstaunen aller Anwesenden. Es ist eben immer noch so, dass wir Frauen uns zwar bitte nicht alles gefallen lassen brauchen, aber dieses Missfallen adrett verpacken sollen. Ich weiß nicht, wie oft ich meine 1,58 Meter auf den Tanzflächen dieser Welt vor Typen aufbauen musste, die ein demonstratives Weggucken nicht akzeptieren wollten. Aber das ist schon fast ein anderes Thema.
Aber nur ‚fast‘ – denn egal, ob wir im beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld unseren Standpunkt vertreten wollen oder einfach nur nachts auf der Straße, Argumente und Sachlichkeit helfen oft genauso wenig wie Freundlichkeit. An erster Stelle benötigen wie ein dickes Fell, an dem Ignoranz und sexistische Querschläge abprallen. Das gilt besonders im Web 2.0; ob auch in der Diskussion zwischen Alpha-Bloggern und Beta-Bloggerinnen – das gilt es noch heraus zu finden…

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