Auf Sexismus schlagfertig antworten!

„Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…“ oder „Ich brauch‘ mal zwei starke Männer“ oder „Ist die Person ein Mann oder eine Frau?“ oder oder oder. Die Liste der sex­is­tischen, homophoben, transphoben, kurz: dis­kriminierenden Sprüchen ist lang. Und wie bei den meisten blöden Sprüchen fällt einer oder einem im ent­schei­den­den Moment zu oft nichts Schlagfertiges ein. Das will alltagsalternativen ändern. Das Projekt sammelt Antworten und bietet diese auch als Postkartenmotive an – zum Ausdrucken und Verteilen (auch auf Facebook).

Flyer von alltagsalternativen: Oben eine Sprechblase mit dem Text „…wie ein Mädchen“ – darunter „Warum benutzt du die Bezeichnung ‚Mädchen‘ als Beleidigung?“

13 Kommentare zu „Auf Sexismus schlagfertig antworten!

  1. Was den Spruch „Ich brauch mal zwei starke Männer“ betrifft, erinnert mich das an etwas, was ich während meines neuerlichen Lateinamerikaaufenthalts erlebt habe.

    Ich bin mit dem Bus von Santiago de Chile nach Lima gefahren (57 Stunden reine Fahrt), und da mußten wir an der peruanischen Grenze aussteigen, um uns paßrechtlich und zollmäßig untersuchen zu lassen. Das ganze aufgegebene Gepäck mußte von der Senasa (Nationale Agrarinspektion) mit dem Röntgengerät auf mögliche Schädlingsquellen untersucht werden, was der Menge nach etwa 300 Koffern entsprach.

    Nach der Paßkontrolle habe ich mich mit ein paar anderen Frauen auf der anderen Straßenseite hingesetzt, um ein bißchen zu schreiben, ein paar Zigaretten zu rauchen, und ein bißchen frische Luft zu schnappen, denn wir waren schließlich schon etwa 30 Stunden im Bus gewesen. Das Verfahren zog sich in die Länge, also konnten wir die Beton-Liegewiese ein paar Stunden lang genießen.

    Irgendwann kam dann der Fahrer raus und kündigte an: „Wenn die Herren bereit sind, ein bißchen mit dem Verladen des Gepäcks zu helfen, könnten wir die Sache um einiges beschleunigen.“

    Das hat mich schon ein bißchen irritiert, und fragte fast: „Und wenn wir gerne mit anfassen möchten?“, entschied mich aber im letzten Augenblick dagegen. Zwar fand ich es ziemlich daneben, vom Verladen des Gepäcks kategorisch ausgeschlossen zu werden, als ob ich gar nichts beitragen könnte, andererseits – merkte ich gleich im darauffolgenden Atemzug – hatte ich ein bißchen Angst, daß der Fahrer dann sagt „Ja gerne, wenn Sie meinen“, denn mir war nämlich gerade klargeworden, daß mein ganze Körper gerade wehtat und ich eigentlich nicht die geringste Lust verspürte, wieder einmal schwere Sachen rumzuschleppen, wo ich bereits davon furchtbare Rückenschmerzen abbekommen hatte, daß ich in den letzten Wochen fast dauernd mit etwa 60 Kg Gepäck unterwegs war.

    Den Konflikt habe ich derart gelöst, daß ich dann meiner Nachbarin im weißen Baumwollkleid sottovoce sagte: „Auch uns hätt er doch ruhig fragen können.“

    „Scheiß drauf!“ erwiderte sie, „Auf gar keinen Fall!“

    „Ich hätte da kein Problem mit,“ meinte ich, was – ungeachtet des oben Ausgeführten – eigentlich stimmt. Hätte man mich dazu aufgefordert, hätte ich’s – zum unendlichen Leidwesen meines Körpers – auch tatsächlich getan (nicht zuletzt deshalb wollte ich’s ja nicht drauf ankommen lassen).

    „Also ich schon“, kam die Antwort.

    „Wenn ich so ein Kleid anhätte, würde ich das bestimmt auch so sehen. Das wäre dann auch ein bißchen umständlich.“

    „Nein, das mein ich eben nicht“, fuhr sie mit unerwarteter Vehemenz fort. „Ich bin eine Frau. Für sowas bin ich nicht geschaffen. Da gibt’s meinen Ehemann für.“

    Mit solchen Sprüchen hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, saß ein paar Augenblicke lang sprachlos da, und fing wieder an zu schreiben.

  2. Schönes Projekt. Nur wie bitte soll eine das handhaben? Zwei Dutzend in der Handtasche haben, 100 Stück im Rucksack? Und dann verteilen bei Bedarf? Oder sind das Spickzettel für Antworten? Ich habe es nicht kapiert.

    Da waren die abfärbenden pinkenen lila Karten von früher, die jede_n Sexist_in vermeintlich an den Fingern markieren besser.
    Allerdings muss eine auch so eine Karte im richtigen Moment zur Hand haben.

  3. @GwenDragon: Ich glaube, es hilft schon, einmal bewußt mögliche Antworten gelesen zu haben. Und manchmal weiß ich auch schon, auf welchen Veranstaltungen oder in welchen Zusammenhängen solche Sprüche kommen, da kann mensch die Postkarten dann gut anbringen.

  4. @Helga
    Als pädagogisches Mittel in bestimmten Zusammenhängen ist so eine Karte für Sexist_innen gut angebracht. kann ja sein, dass sowas das Bewusstsein bei denen und anderen öffnen kann.
    Vielleicht hilft die Kartenaktion auch, besser auf Sexismus durch andere reagieren zu können.

    Es wäre interessant das mal über länger zeit zu verfolgen und abzuwarten, wie diese Aktion wirkt.

  5. Männer haben biologisch gesehen mehr Muskelmasse da finde ich es arg übertrieben sich über den Spruch „Ich brauch’ mal zwei starke Männer“ zu ärgern. Aber jeder wie er möchte.

  6. @Suda: Nicht jeder Mann ist stark und nicht jede Frau ist schwach. Nicht jeder Mann hat mehr Muskelmasse als jede Frau. Also suche ich entweder starke Menschen oder ich suche Männer und will keine starke Frau dabei haben.

  7. @Sarina
    Ja, schlagfertig ist in meinen Augen auch was anderes.
    Aber ich finde es zumindest für „Einsteiger_innen“ gut, ein paar Sätze parat zu haben, auch wenn sie mMn eher sachlich sind…

  8. die Grundidee ist ja ganz gut und lobenswert, die sprachliche Umsetzung leider arg lahmarschig geraten und sehr erhobener Zeigefinger. Als ich vor einigen Jahren mein Brot noch als Tresenkraft erwarb, hab ich Männer, die mich Fräulein genannt haben penetrant mit Männlein angesprochen, das hat relativ schnell gewirkt. Ich hätte aber gern eine noch bessere Idee entwickelt, mir ist leider keine eingefallen. Inzwischen ist Fräulein ja quasi abgeschafft, in der Gastronomie kommt der Begriff aber immer noch vor. Im Gegensatz dazu klingt das Stramme „Herr Ober“ doch fast wie ein militärischer Rang.
    Noch ne Anekdote: Kürzlich hab ich einer Freundin beim Umzug geholfen, dabei war auch ein Transmann, der mir fünfmal anbot, wenn ich das nicht schaffe, mir doch beizustehen. Und „Mädels, lasst das mal stehen, ich mach das gleich“ (wohlgemerkt mit knallrotem Kopf und kurz vorm Infarkt stehend, da die Testo-Gaben ihren Effekt noch nicht in vollem Umfang entfaltet hatten) Nach sieben solchen Sprüchen war ich kurz vorm Platzen und bot ihm freundlich Prügel an.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Männer nicht automatisch kräftiger sind als Frauen. Meine Freundinnen haben sich früher häufig einen Spaß gemacht, und auf Partys Kerle dazu angestachelt, mich im Armdrücken besiegen zu wollen. 85% haben gegen mich verloren, ich bin nicht besonders groß, hab aber früher Leistungsschwimmen und Taekwondo trainiert.

  9. @ lesbomat
    „Als ich vor einigen Jahren mein Brot noch als Tresenkraft erwarb, hab ich Männer, die mich Fräulein genannt haben penetrant mit Männlein angesprochen, das hat relativ schnell gewirkt. Ich hätte aber gern eine noch bessere Idee entwickelt, mir ist leider keine eingefallen.“

    Wieso, das war doch offenbar schon gut und wirksam. Manche Absurdität wird eben leider erst dann deutlich, wenn man einen Überraschungsmoment einbaut und einfach mal die Vorzeichen umdreht, um Sexismus erkennbar zu machen.

Kommentare sind geschlossen.

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