Aktivistin, Autorin, Musikerin: NOISEAUX

NOISEAUX ist die musikalische Performance der deutsch-französischen Künstlerin, Autorin und Aktivistin Noah Sow. Im Inter­view erzählt sie über ihren inneren Macker, ihre Arbeit beim Rock and Hip Hop Camp und ihr neues Album. Wer sie gerne live erleben möchte, schaut bei unserer Jubiläumsfeier am kommenden Samstag in Berlin vorbei.

NOISEAUX by anatol kotte

Du machst schon seit vielen Jahren Musik, lange Zeit in einer fünf­köpfigen Band, dann als Duo mit einer Schlag­zeugerin. In letzter Zeit sehe ich dich öfter allein auf der Bühne. Liebst du die Ab­­wechslung oder sind das musikalische Ent­­scheidungen, ab und zu die Anzahl der Band­mitglieder zu wechseln? 

Das sind letztendlich Lebens­ent­scheidungen, die dann zu kreativen Ent­scheidungen werden, die wiederum in Konzeptions- und Besetzungs­ent­­scheidungen münden. Ich staune über diese Wirkungs­kette selber noch. Obwohl das eigent­lich alles ganz nahe­liegend ist, habe ich erst vor kurzem an­gefangen zu ver­stehen wie es funktioniert. Sehr auf­regend! In der Band­geschichte war ich sehr in touch with my inner Macker, durch die realen Macker aber doch eher ein­ge­schränkt.

Noah Sow ist nicht nur als Musikerin, sondern auch als Aktivistin und Autorin bekannt. In­wie­fern spiegeln sich deine politischen Inhalte auch in deiner Musik? 

Meine Themen, auch die, über die ich schreibe oder vor­trage, sind für mich nicht in erster Linie „politische“ Inhalte, worin ja immer auch eine theoretische, abstrakte Betrachtungs­weise mit­schwingt, sondern meine ganz un­mittelbare Lebens­realität. Politisch werden Dinge erst durch eine Deutung durch Dritte. Die brauche ich jedoch gar nicht dafür, mit meinem Umfeld in einen Aus­tausch zu treten. Mit Musik tue ich das auch.

Du bist in diesem Jahr beim Berliner Ruby Tuesday Rock und Hip Hop Camp auf­getreten. Wie waren deine Er­fahrungen? 

Die Kids waren gut drauf. Ich hatte zuerst Angst vor der in dem Alter doch weit ver­breiteten großen Cool­ness­wurschtigkeit, aber das Gegen­teil war der Fall. Viele haben ganz offen Fragen ge­stellt, ihre eigenen Sachen vor­gestellt, viele hatten auch Bock, sich mein Elektro Set-up genauer an­zuschauen, ich war sehr positiv über­rascht. Die Ruby Tuesday Gruppe sollte nur mal ein ordent­liches Einstiegs-Coaching machen, was sprach­liche Gewalt be­züglich Rassismus und Weißsein angeht, es nicht nur bei der Thematisierung von Gender be­lassen, denn da kamen einige unschöne Ahnungs­losig­keiten und Aus­drücke um die Ecke, die mich für das Jahr 2012 schon er­schrocken haben.

Welche anderen Künstler_innen kannst du empfehlen? 

Hunderte? Zum Beispiel Msoke für alle, die auf Bewegen, Tanzen, Abgehen stehen! Früher waren wir zusammen mit anderen Schwarzen Frauen in einem Projekt namens „Sisters“ – und heute gastiert er auf dem neuen NOISEAUX Album. Msoke ist der Toaster­könig, und das meine ich ganz ohne Weizen­brötchen!

Und natürlich meine geschätzte Kollegin DEM (Honeychild Coleman). Wir sind Freundinnen seitdem ich 2002 in Brooklyn auf­ge­schlagen bin, haben schwer Rock, Alternative und Punk gemacht, und nun ist sie zufällig gleich­zeitig mit mir ebenfalls vor kurzem vom Gitarren- ins Live-Loop-Analogsynthie-Lager über­gewechselt. Wir haben gerade im August Konzerte an der Ost­küste ge­spielt und touren ab Oktober zusammen durch Europa. Yay!

Wo kann mensch dich als nächstes auftreten sehen?

Im Oktober kommt auch mein neues Album „SPECTRUM“ raus, und ich freue mich schon sehr darauf, es allen live vor­zustellen. Und natürlich mit meiner Elektro-Loop-Sister DEM auf Tour zu gehen. Release­konzerte sind am 26. Oktober in Hamburg und am 3. November in Berlin. Neben vielen weiteren Tourterminen, die ihr auf der Homepage findet.

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