ZDF, ARD, Hallo, GEZ noch?

von Sabine

„Polittalk aus dem Herzen der Hauptstadt. Aktuell, relevant, bewegend“, so die Beschreibung zum Sonntagabendprogramm Günther Jauchs. Bei 45 Mal „Polittalk“ wurde sich in sechs Sendungen zu Wulff echauffiert. Zeitraum: Dezember bis März dieses Jahres. Lediglich zwei davon nehmen sich dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) an. Eine als es rauskommt, November und dann eine im Januar. Die Talkshow am vergangenen Sonntagabend wird zur Plattform für Verharmlosungen sexueller Gewalt. Den Gesprächsverlauf gibt Jauch schon bei der Anmoderation seines Studiogasts bekannt. Wer kennt ihn nicht, den „stets originellen Wetterfrosch“? Bühne frei für den einst Angeklagten, jetzt in dubio pro reo der Vergewaltigung freigesprochenen Jörg Kachelmann. Auf dem öffentlich-rechtlichen Sender wird über das vermeintliche „Opferabo von Frauen bei Vergewaltigungen“, das böse Mannheimer Gericht und die Lügen der Klägerin diskutiert. Angeführt von einem, dessen Leben sich als große Mär erwiesen hatte.

95 Prozent der Betroffenen sexueller Gewalt sind Frauen und Trans*Menschen. Viele zeigen nicht an (Dunkelziffer). Nur vier Prozent davon trauen sich ihre traumatische Geschichte in die Öffentlichkeit zu bringen und einen Prozess vor Gericht zu führen. Ein Kampf, der erniedrigend, qualvoll, zäh ist und dessen gerichtlicher Ausgang meist auch im Freispruch ihrer Vergewaltiger enden kann. Worte wie „Opferabo“ zu hören und dafür noch Gebühren zu bezahlen, von einem der sich als „Rehkitz auf dem Mittelstreifen“ bezeichnet und wohlgefällig auf Jauchs Sessel sitzt, ist Hohn.

Für was zahlen wir die GEZ? Bild: Realname/Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)Dazwischen liegt die ZDF-Sendung neoParadise, die sexuelle Übergriffe an Frauen als männliche Mutprobe labelt. Da wird gelacht, bei den Übergriffen, die eine Messehostess über sich ergehen lassen muss. „Sie wird unter der Dusche heulen“, klopft Macho-Joko dem Klaasen nach vollbrachter Tat auf die Schulter. Grenzen gibt es keine. Mal abgesehen davon, dass Sexismus und Rassismus großgeschrieben wird. Auf der Suche nach asiatischen Nasen „jetzt will ich eine asiatische Nase“ enden sie mit dem größten Kalauer ihrer Sendung als sie einen Mann mit Turban entdecken. Nein, da wird nicht gefragt, es wird einfach angefasst. Ganz egal, Nase, Brust, Arsch, Hauptsache Objekt. Eine Frage drängt sich auf: Für was werden da eigentlich Gebühren von der GEZ eingefordert?

Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen

Auf dem Blatt Papier unterliegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einem inhaltlichen Grundversorgungsauftrag, das hat 1986 das Bundesverfassungsgericht (viertes Rundfunkurteil) entschieden und soll heißen, dass sowohl Meinungsvielfalt als auch ein umfassendes Programm angeboten werden soll. Im §11 Rundfunkstaatsauftrag (RÄStV):

(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen.

Zwei wesentliche Funktionen sind zum einen die demokratische Ordnung, zum anderen das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Volker Lilienthal schreibt bei der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb), dass die Integration eine Verpflichtung des öffentlich-rechtlichen Programms ist, um einen gesellschaftlichen Zusammenhalt herzustellen, alle gesellschaftlichen Schichten anzusprechen und eine Teilhabe Aller zu ermöglichen.

Drei-Stufen-Test

In der Aufgabenbeschreibung des Rundfunkänderungsstaatsauftrags (§11 f 12. RÄStV) von 2008 steht Ähnliches, was auch als Drei-Stufen-Test für Online-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen Sender bekannt ist:

1. [Stufe:] inwieweit das Angebot den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht,

2. [Stufe:] in welchem Umfang durch das Angebot in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beigetragen wird und

3. [Stufe:] welcher finanzielle Aufwand für das Angebot erforderlich ist.

Dieser Drei-Stufen-Test ist leicht verständlich, zumindest wenn es um Sexismus, Entwürdigung, Gewaltverherrlichung oder Verharmlosungen oder um die Frage nach gesellschaftlichen Bedürfnissen geht, deren Aufgreifen eben auch Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Anstalten sind. Das kann sowohl für Unterhaltung als auch informative Sendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten gelten. Allein diese drei Stufen würden ausreichen, um zu vermeiden, dass diese Art von thematischen Sendungen nicht geführt und andere in die Öffentlichkeit auch online gebracht werden würden.

Ab 2013 zahlen wir noch mehr?

Für die vermeintliche “Integration” soll ab dem 1. Januar 2013 pro Haushalt und jedes Unternehmen pro Kopf 17,98 Euro zahlen. Das Bundesverfassungsgericht hat am 2. Oktober 2012 entschieden, dass zu den Rundfunkgeräten auch der internetfähige Computer gehört. Herzlichen Glückwunsch. Für die Öffentlichen-Rechtlichen bedeuten das, dass sie mit mehr Geld rechnen könnten, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen würden. ZDF und ARD tut es nicht, sie verweigern sich. Das macht wütend auch weil die Entschuldigung noch fehlt (mehr dazu auf riotmango‘s blog und eine Alternative zu Jauch’s Sonntag hier). Für Rassismus und rape culture bezahle ich nicht.

Nachtrag:
Das ZDF hat immer noch nichts verstanden.

 

 

Immerhin will sich Klaas, neoParadise, dazu noch äußern:

Wir warten.

Änderung: Der Drei-Stufen-Test wurde für die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender entwickelt. Dies war im vorherigen Text nicht kenntlich. Der Test veranschaulicht, dass es Kriterien gibt, die thematische Entscheidungen ermöglichen.

Nachtrag (18.10): ZDFneo hat am 16.10 eine Stellungnahme auf FB gepostet:

Hinweis in eigener Sache: Im Bezug auf die Rubrik “Wenn ich Sie wäre…!” aus der neoParadise-Sendung vom 4.Oktober, in der Joko von Klaas aufgefordert wird eine Hostess zu berühren, ist uns und unseren Moderatoren bewusst geworden, dass diese Aktion am guten Geschmack vorbeigegangen ist. Ebenso wie Joko und Klaas bedauern wir den Vorfall. Wegen der zahlreichen Proteste haben wir uns dazu entschieden, den besagten Clip von unseren Kanälen zu entfernen.

Eine Entschuldigung klingt anders. “Guter Geschmack” verharmlost den sexuellen Übergriff, den die Moderatoren der Sendung initiiert haben. Der Clip wurde nicht entfernt, sondern die Stelle. Die grenzüberschreitende Szene mit “ich will eine asiatische Nase” (sic!) ist noch einsehbar (02:45 Minuten).




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 16. Oktober 2012 um 11:55 Uhr unter Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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25 Kommentare

  1. anne sagt:

    immerhin: ein “ihr habt recht” hört man selten in solchen situationen, die an die öffentlichkeit geraten. meist wird zurückgerudert, derailt oder einfach nicht darauf eingegangen.
    das macht es natürlich nicht besser.

  2. Jacinta sagt:

    Ich habe nicht mal die mealy-mouthed halbehrzige Standardmailantwort bekommen…..I’m feeling left out. Es macht mich so wütend, das ist rape-culture pur.

  3. tinitussi sagt:

    ich gehe inhaltlich total mit, denke nur, dass das “gesättigte doppelkinn” von k. keine relevanz für die beschriebenen zusammenhänge hat/haben sollte.

  4. maria sagt:

    ich hab leider nur einen teil von jauch gesehen gestern. soweit ichs mitgekriegt hab, waren die kachelmanns nicht die gewinner der diskussion. und ich finde es wichtig, dass sie sich mit der (wohl stark verallgemeinernden) meinung, die in dem buch vertreten wird, auch mal der gegenseite und den harten fakten stellen müssen.
    keiner ist zufrieden aus dieser runde gegangen, aber die schwachen unbelegten argumente der kachelmann-seite schienen mir unterlegen. das buch hätte meiner meinung nach nicht geschrieben werden sollen, aber lieber wird es kritisch und mit fakten unterlegt diskutiert als unkommentiert auf die promi-leserschaft losgelassen zu werden.

  5. Sabine sagt:

    Liebe Tinitussi, Danke für Deine Anmerkung. Du hast da natürlich Recht, mir war das “wohlgefällige” so aufgestoßen. Ich habe es geändert.

  6. benni sagt:

    kannst du die kritik an der jauch-sendung nochmal genauer darlegen? ich fand nämlich auch, dass er viel contra bekommen hat und seine behauptungen eben nicht unwidersprochen blieben, im gegenteil (“Sagen Sie!”). Als er vom “Opfer-Abo” sprach, gab’s einen tollen Einspieler, in der eine Expertin ausführlich darlegen konnte, dass das totaler quatsch ist. verglichen mit dem spiegel-interview viel, viel kritischeres gespräch, dass ich von einer jauch-runde so nie erwartet hatte. ich war positiv überrascht.

  7. Sabine sagt:

    Liebe Maria, für mich war auch die Sendung von Jauch problematisch:
    a.) Vergewaltigung wurde zum ersten Mal seit Sendebeginn bei Jauch zum Thema gemacht. Ich finde es ist ein sehr wichtiges, sensibles Thema, weil es um Verletzbarkeiten geht, aber bei Jauch wurde sie aus Sicht eines Angeklagten, der freigesprochen wurde, nicht weil er unschuldig war, sondern weil es nicht nachweisbar war, geführt. b.) die Kachelmanns haben zur Prime Time eine öffentliche Bühne bekommen, die Betroffene/Opfer von Vergewaltigung nicht bekommen, um ihr “Buch” zu promoten, und Unwahrheiten zu verbreiten. c.) Kachelmann hat sich dort zum Opfer “Rehkitz” stilisiert (und alle anderen Männer wie er, weil es offenbar viele sind auch). Dabei hat er versucht die Fakten einfach umzukehren, indem er über das “Opferticket” sprechen durfte, nach dem ihn Jauch selbst gefragt hatte. Jauch hat kaum gekontert, mal abgesehen von dem Einspieler. Es blieb da einfach so im Raum. Auch wirkten Jauchs Interventionsanläufe meist etwas unbeholfen, unvorbereitet. Die Moderation hatte ja dann auch noch Miriam Kachelmann (Ehefrau) übernommen. Die Jauch-Ansage “Wetterfrosch” war unsäglich und daneben, wenn sich eine_r den Ernst des Themas vor Augen führt. Kritik klar, aber der Person eine Bühne für solche Märchen geben und dafür auch noch zu zahlen?

  8. Nadine sagt:

    ZDFneo hat auf Facebook ein Statement veröffentlicht:

    Hinweis in eigener Sache: Im Bezug auf die Rubrik “Wenn ich Sie wäre…!” aus der neoParadise-Sendung vom 4.Oktober, in der Joko von Klaas aufgefordert wird eine Hostess zu berühren, ist uns und unseren Moderatoren bewusst geworden, dass diese Aktion am guten Geschmack vorbeigegangen ist. Ebenso wie Joko und Klaas bedauern wir den Vorfall. Wegen der zahlreichen Proteste haben wir uns dazu entschieden, den besagten Clip von unseren Kanälen zu entfernen.

    Eine Entschuldigung und Verantwortungsübernahme sieht in meinen Augen anders aus.

  9. @Sabine: Warum gehst du in deinem Artikel auf den Drei-Stufen-Test ein? Der hat gar nichts mit dem Thema oder dem Fernsehprogramm zu tun. Beim Drei-Stufen-Test geht es ausschließlich darum, was die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet machen dürfen. Bei den “Angeboten” geht es um Online-Angebote. Sowohl Jauch als auch neo Paradise fallen demnach nicht darunter, weil es sich bei den Formaten um Fernsehshows handelt.

  10. Sabine sagt:

    @solet’shaveababy: Ich habe es geändert. Mein Fehler. Ich hatte es nicht kenntlich gemacht.Der Drei-Stufen-Test veranschaulicht meiner Meinung, dass es auch einfache Fragestellungen der Ö-R gibt, die diese Sendungen nicht in dieser Form zugelassen hätten.

  11. Dani sagt:

    Ich ärgere mich so sehr… unabhängig vom Humor, der jetzt nicht so meiner ist, habe ich von Klaas immer recht viel gehalten, weil er mal bei Anne Will so richtig gegen Barbara Scheels rassistische Äußerungen gewettert hat – als einziger. (http://textkrieg.de/2012/03/29/barbara-scheel-anne-will-und-rassismus-bei-den-piraten)

    Es ist vielleicht Derailing.., aber mich enttäuscht es immer am meisten, wenn Personen, von denen ich viel halte und die zB in einer Sitaution mal so richtig toll reagiert haben (was widerum viel über sie aussagt), dann in einer anderen Situation so richtig verkacken. Ich hoffe, das Statement wird ordentlich.

  12. Birgit sagt:

    Ich habe mich total aufgeregt über die Jauch-Sendung. Natürlich war der Einspieler mit der Beraterin hilfreich, aber so konnte sie gar nicht in die Diskussion eingreifen und stattdessen Frau Kachelmann die Studie, die im Einspieler genannt wurde, misinterpretieren.
    Aber das Thema Vergewaltigung ohne eine einzige Frau zu diskutieren, ohne die Fachkompetenz z.B. aus dem Frauenministerium, geht gar nicht. Ohne das Thematisieren von Rape Culture oder Slut Walks oder eine genderpolitische Einordnung, ohne die ganzen Freisprüche der letzten Zeit (die ja auch hier beschrieben wurden), ohne “ich hab nicht angezeigt”…
    Ich fühlte mich wie in den 50ern, auch wenn Herr Baum von der FDP sich bemüht hat, die Verhältnismäßígkeit herzustellen.
    Und dann sprach Frau Kachelmann mehrfach von “unserem Prozess” – ich wusste gar nicht, dass sie auch auf der Anklagebank saß.

  13. kraeuterzucker sagt:

    So sehr ich dein Anliegen unterstütze und mich auch oft die Wut packt wem alles in großen Talkshows ein Forum geboten wird, so sehr will ich vor der Konsequenz “für xyz bezahle ich nicht”. Natürlich muss inhaltlich Kritik geübt werden und sich besser heute als morgen eine Sensibilität bei den Sendungsmachern entwickeln. Aber ein solidarisches System dadurch in Frage zu stellen, das uns in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ein breites (teilweise auch kulturell wertvolles) Angebot sichert sollte man nicht zu schnell aufgeben. Den bei privaten Sendern gibt es so eine Selbstverpflichtung überhaupt nicht und ohne Gebühren wird es auch nur noch ein privates Angebot geben.

  14. michel sagt:

    ich halte den beitrag für sehr gelungen, eine thematisierung dieser in diesen fällen schon nicht mehr latenten, sondern konkreten rape culture ist absolut notwendig. mich wundert jedoch die prozentangabe, nach der 95% der opfer sexueller gewalt frauen und trans*menschen seien. was ist hierfür die quelle?

    ich halte diese angabe für falsch, denn sie blendet den anteil von jungen und männern aus, die von entsprechenden mißbrauchserfahrungen betroffen sind. nach meinen kenntnissen liegt der anteil der männlichen bevölkerung mit mißbrauchserlebnissen bei etwa 10 bis 20 prozent. hier ergibt sich zudem eine große unschärfe und dunkelziffer aufgrund des vorherrschenden männlichkeitsbildes, nach dem solcherart opfererfahrungen als schwäche ausgelegt und von den opfern selbst verschleiert werden. erfahrungen sexuellen mißbrauchs widersprechen grundlegend traditionellen, stereotypen männern zugeschriebenen eigenschaften, die vor allem auf kontrolle, dominanz und stärke aufbauen. männer, und besonders tragisch, jungen, werden in diesem falle opfer ihrer selbst, wenn sie das erlebnis niemandem anvertrauen und es unbearbeitet bleibt und möglicherweise auf ein trauma hinausläuft.

    keinesfalls soll dies darauf hinauslaufen zu negieren, dass frauen und trans*menschen in einem deutlich höherem maße opfer (männlicher) gewalt werden, wie es in den fernsehbeiträgen symptomatisch zu sehen ist. es ist aus meiner sicht allerdings kontraproduktiv hier möglicherweise die sachlage vereindeutigen zu wollen, denn somit werden geschlechterstereotype reproduziert, in denen männer als opfer nicht oder vernachlässigbar in erscheinung treten.

  15. lesbomat sagt:

    Ja, in dieser Woche war ich auch ziemlich entsetzt, was einem da an chauvinistischem Backlash geboten wurde. Wenn man dann die Kommentare liest unter den Artikeln in den großen Mainstream-Blättern wie SPON oder Süddeutsche, kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte. Das Gute daran: Ich merke in solchen Zeiten, dass ich doch noch ganz schön feministisch getaktet bin. ; )

  16. Erna sagt:

    Ich habe mir die Sendung gestern nachträglich angeschaut (eigentlich vermeide ich Günther Jauch, er unterstützt Leute wie Bernd Siggelkow).
    Ich fand es erschreckend wie dort aus Fällen, in denen nicht weiter ermittelt wurde und die daher nicht zur Anklage kamen oder die nicht zu einem Schuldspruch geführt haben, plötzlich Falschbeschuldigungen wurden. Nachdem was Jörg Kachelmann und seine Frau gesagt haben, muss ich mir das Buch wirklich nicht mehr durchlesen – das ist meine Brechreiz-Prävention. Ich sehe ihn schon von Maskulinisten durch die Gegend getragen werden… *schauder*
    Und zu behaupten, dass Frauen immer alles geglaubt würde und es jetzt Zeit würde sich mit “der anderen Seite” auseinander zu setzen (also nicht Herr und Frau Kachelmann, ganz privat für sich – sondern gesamtgesellschaftlich) zeugt für mich nur davon, dass der viel zitierte Theorie-Teil des Buches ja nur schlecht recherchiert sein kann.
    Bei dieser Diskussion spielt es nicht mal eine Rolle ob Kachelmann jetzt tatsächlich unschuldig ist oder nicht – mit dieser Aktion tut er jedenfalls allen Menschen Gewalt an, die jemals mit sexueller Gewalt konfrontiert wurden oder werden.

    Die Runde war völlig fehlbesetzt, mal von der Geschlechterdiskrepanz abgesehen. Keiner der Anwesenden Herren (auch Jauch nicht) haben sich vorbereitet/ bzw. waren vom Fach, was das Thema sexualisierte Gewalt angeht. Das es nur marginal um Kachelmann als “Opfer der Justiz” und als “Opfer der Presse” gehen würde, war ja nun wirklich abzusehen.

  17. No name sagt:

    Hallo,
    Mir fehlt bei der Aufregung über zdf neo paradise hier die Info, dass die Sendung gnaz prinzipiell nur auf (männlich-sexistischem) fäkalhumor baut. Es handelt sich nicht um einen Ausrutscher, sondern platter Humor gegen Nicht-Mainstream ist das Grundkonzept, dass auch bei anderen “joko-klaas-formaten” wie auch mtv home vorherrschte. (Wo die blonde Assistentin inzwischen zwar selbst Karriere gemacht hat, aber doch vor allem zum Degradieren da war.)
    Habe nur wegen der Diskussion ne aktuelle Folge neoparadise geguckt und auch bemerkt, dass Behindertenfeindlichkeit (“du spasti”) auch recht präsent ist.
    Man kann (und-soll) ausser dem zdf dafür übrigens auch die Sparkasse kritisieren, solche “Vorbilder” zu promoten.

  18. onyx sagt:

    “Wir warten.”

    Ich auch. Gibts schon was neues von der “wir werden uns noch ausführlicher dazu äußern”-joko & klaas-Front? Habe noch nichts vernommen außer den üblichen standardisierten Stellungnahmen vom ZDF.

  19. Sasha sagt:

    Ich habe vor ein paar Tagen eine Beschwerde-Mail an das ZDF geschickt und darum gebeten, mich von dieser Unverschämtheit von Standard-Antwort zu verschonen. Heute habe ich dann eine Antwort bekommen, ich vermute es handelt sich um eine Standard-Antwort die Zweite, auch inhaltlich kann ich keine Fortschritte erkennen:

    “In der Rubrik “Wenn ich Sie wäre” in der “neoParadise”-Ausgabe vom 04.10.2012 ist die von Ihnen kritisierte Aktion am guten Geschmack vorbeigegangen. Ebenso wie Joko und Klaas bedauern wir den Vorfall. Dafür können wir uns nur bei Ihnen entschuldigen. Auch unsere Moderatoren haben dies bereits öffentlich getan.

    Wegen der zahlreichen Proteste haben wir den in Rede stehenden Ausschnitt von unseren Online-Plattformen entfernt. Vor allem aber werden wir gemeinsam mit unserer Produktionsfirma und den beiden Moderatoren zukünftig noch sensibler als bisher auf mögliche kritische Inhalte achten, um zu verhindern, dass sich ein vergleichbarer Vorgang wiederholt.

    Wir danken Ihnen sehr für die kritische Begleitung unserer Sendung und hoffen, dass wir Ihre Bedenken mit unseren Ausführungen Rechnung tragen konnten.”

    Guter Geschmack? Noch sensibler als bisher? Das macht mich echt sprachlos. Ich bin so verdammt wütend!!

  20. illith sagt:

    95% – ziemlich gewagte these?

    in die jauch-sedung hab ich reingeschaltet, es mir nach 15sec aber anders überlegt. >.<

  21. Sabine sagt:

    @michel, @lillith, leider nein, die Polizeiliche Kriminalstatistik 2011 hat diese Zahl herausgegeben (http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2012/PKS2011.pdf?__blob=publicationFile). Das sind allein diejenigen, die es angezeigt haben, die Dunkelziffer ist vermutlich höher. Da kann ich zwei gute, informative Texte sehr empfehlen, es geht um die Auswertung der #ichhabnichtangezeigt-Kampagne: http://maedchenmannschaft.net/reden-ueber-die-dunkelziffer-die-auswertung-von-ichhabnichtangezeigt/
    und einen Redebeitrag von Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V. bei enter_the_gap: http://enterthegap.blogsport.de/redebeitraege/redebeitrag-notruf-fuer-vergewaltigte-frauen-und-maedchen-e-v/

  22. brigitte sagt:

    Ich kann es irgendwie nicht fassen, dass vom ZDF nur so müde Standard-Ausreden kommen… Und ich kann nicht aufhören, mich darüber aufzuregen!

  23. c3p sagt:

    Ich mag Neo gerne, aber die Aktion war mies. Ich hätte nicht gedacht, dass irgendjemand heutzutage das noch ernsthaft für eine gute Idee halten könnte.

    “Ein Kampf, der erniedrigend, qualvoll, zäh ist und dessen gerichtlicher Ausgang meist auch im Freispruch ihrer Vergewaltiger enden kann.”
    Wenn es nicht im Freispruch enden könnte, wäre es kein Prozess, sondern ein Schauprozess. Das es für ein echtes Opfer scheiße ist nicht recht zu kriegen ist mir klar, aber auch der/die Angeklagte könnte Opfer einer Falschbeschuldigung sein.

  24. Anna-Sarah sagt:

    @c3p: Zum Thema “Sorge vor Falschbeschuldigung” möchte ich diesen Text empfehlen, der anhand diverser Quellen nochmal sehr anschaulich die Gesamtsituation darstellt. Ins besondere der letzte Link zu diesem Interview ist da erhellend.

  25. […] Dass so ein Interview im Dezember 2012 geführt wird finde ich persönlich sehr erschreckend. Oder auch dass Konstantin Sakkas seinen unsäglichen und wehleidigen Artikel nur einen Monat früher im Cicero veröffentlichen darf – ich frage mich, was noch kommt. Wenn Zeitungen, die als seriös gelten, solche frauenfeindlichen Artikeln veröffentlichen?!? Von Sendungen wie NEOParadise im ZDFNeo mag ich gar nicht spreche, wo Frauen in Alt-Herren-Kegelclub… […]