Einträge mit dem Tag ‘Caster Semenya’


Bist Du eine echte Frau? Find’s raus bei den Olympischen Spielen

8. April 2011 von Helga

Jetzt ist es offiziell: Ab 2012 werden wieder „verdächtige“ Athletinnen getestet werden, ob sie „richtige“ Frauen sind. Nach der fast ein Jahr andauernden Kontro­verse um Caster Semenya (immerhin hat man ihre Weiblichkeit offiziell bestätigt), sind nun die neuen Richtlinien verabschiedet worden und sie klingen so frag­würdig, wie bereits vermutet, so die taz. Von der Frage, wann eine Frau eine Frau ist, hat man sich auch schon verabschiedet:

Athletinnen mit einem übernatürlich hohen Level an Androgenen, männlichen Sexualhormonen, das ihnen sportliche Vorteile gegenüber der Konkurrenz ermöglicht, werden von Wettkämpfen ausgeschlossen.

Vom Bild der verzweifelten Männer, die sich als Frauen verkleiden, um endlich einmal Erfolg zu haben, ist nichts mehr zu sehen. Dass es tatsächlich Frauen sein könnten, die sich auch als solche verstehen, wird angenommen. Dennoch wird getestet, was bedeutet: Künftig beschützt man die „normalen“ Sportlerinnen vor „Freakfrauen mit biologischen Abnormitäten“ und bittet diese, sich doch dringend mal behandeln zu lassen, auch wenn es medizinisch nicht nötig ist. Männer mit auffallenden Leistungen werden aber nicht auf deutlich erhöhte Level an Androgenen getestet, oder auf andere Genmutationen, die ihnen weitere Vorteile erlauben könnten. Würde man jemals einen Athleten ausschließen, der durch eine Laune der Natur deutliche sportliche Vorteile hat, aber keine Kinder zeugen kann?

Immerhin sollen die Tests künftig nicht mehr in aller Öffentlichkeit stattfinden – ein Garant, dass den Betroffenen ihre Würde bleibt ist es aber nicht. Denn die unbequemen Fragen gehen nicht weg, nur weil man die Scheinwerfer ausmacht.


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Kurz notiert: Männergesundheitsbericht, Ehegattensplitting und der Fall Caster Semenya

3. Dezember 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 64 von 153 der Serie Kurz notiert

Bereits im Sommer hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das lediglich für heterosexuell lebende Ehepartner_innen geltende Ehegattensplitting gegen die Grundrechte verstößt, solange Lebenspartnerschaften von dieser Regelung ausgeschlossen werden. Nun musste die schwarz-gelbe Koalition eine erneute Niederlage ihrer steuerrechtlichen Diskriminierung gegen homosexuell lebende Verpartnerte hinnehmen, berichtet der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. Am Donnerstag waren die so genannten ehebezogenen Gesetzesregelungen und deren Erweiterungen auf Lebenspartnerschaften auch Thema im Bundestag.

Mit Sexismus für Tierrechte! Die neue Kampagne der Tierschutzorganisation PETA ist ein Fall vor die Klospülung, befindet bitchmagazine.org.

Eine Studie des Deutschen Juristinnenbundes zu Frauen in Führungsebenen hat herausgefunden, dass Männer  nach wie vor lieber unter sich bleiben wollen und Frauen den Zugang in ihre Netzwerke versperren. Nicht die oft unterstellte fachlich unzureichende Qualifikation oder das “weibliche Verhalten” sei schuld, dass elitäre Männerzirkel weiterhin bestehen bleiben, sondern Mentalitätsmuster und Ignoranz unter Managern, schreibt die taz.

Im Fall Caster Semenya (wir berichteten) gibt es Neues: Der internationale Leichtathletikverband hat eine Regelung für „Störungen der sexuellen Entwicklung“ beschlossen. Wie die aussehen soll und ob das Betroffenen hilft, ist aber noch unklar.

Einen sehr schönen Kurzfilm zum Thema Homophobie im Amateurfußball drehten Niko Schleicher und Dino Bernabeo.

Aus dem Abseits – Ein Film über Homosexualität im Amateurfußball from Dino B on Vimeo.

Die FAZ erläutert noch einmal den Männergesundheitsbericht und erklärt, warum es heute nicht mehr ausreicht, bei Männerkrankheiten an die Prostata zu denken.

Bei der neuen Telefonhotline zu sexuellem Missbrauch haben sich in kurzer Zeit über 5.000 Betroffene gemeldet, berichtet die taz. Diese zweifeln auch an dem Engagement des ebenfalls von der Bundesregierung neu ins Leben gerufenen Runden Tisches Kindesmissbrauch – zu einer Betroffenenanhörung erschien nur die Hälfte der Mitglieder, einen festen Platz für die Betroffenen gibt es außerdem nicht.

Krankenkassen müssen Menschen mit Zisidentität nur Eingriffe zahlen, die einen „regelhaften Zustand“ herstellen, berichtet die Ärztezeitung. Zisidentität ist eine Ausprägung von Transsexualität bzw. Transgender, bei der nur teilweise geschlechtsangleichende Operationen gewünscht sind. Aus diesem Grund handelte es sich bei der von einem_r Kläger_in gewünschten Klitorisvergrößerung nicht um die „Anpassung an das andere Geschlecht“, sondern um die Herstellung eines „subjektiven Idealbildes“, die nicht übernommen werden muss.


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Hormone dekonstruieren: Gender Trouble im Sport

23. Juli 2010 von Nicole

Vergangene Woche entschied der Internationale Leichtathletikverband IAAF nach fast einem Jahr endlich über die Startberechtigung der südafrikanischen 800-m-Läuferin Caster Semenya und darüber, dass es sich bei ihr tatsächlich um eine Läuferin handelt, sie also weiterhin bei den Frauen als Frau starten darf. (Wir berichteten kurz hier und ausführlicher zum Thema der Geschlechterdefinition im Leistungssport auch schon im Februar.)

Für die taz kommentierte Andrea Rödig die Entscheidung des IAAF (der Text ist in Teilen identisch mit einem früheren Beitrag für den Freitag). Rödig begrüßt die Entscheidung und macht darauf aufmerksam, dass diese selbst – wenn wohl auch unfreiwillig – die Theorien von Geschlecht als sozialer Konstruktion bestätigt, indem sie nämlich das doing gender innerhalb des eigenen Sportkosmos selbst vorführt:

Das Urteil zeigt in seinem trockenen Gestus besser als jede theoretische Abhandlung, dass Geschlecht unter anderem ein „performativer Sprechakt“ ist, das heißt ein Satz, der Tatsachen schafft. Das IAAF lässt Semenya zu, also gilt sie als Frau.

Interessant ist der Text von Rödig jedoch auch deswegen, weil sie der Geschlechtertheorie unbequeme Fragen stellen möchte, zum Beispiel die nach den Hormonen und ihrer Wirkung. Dabei gehe es, so Rödig, nicht darum, hinter die Dekonstruktion einer „natürlichen“ Zweigeschlechtlichkeit zurückzufallen, sondern vielmehr sich deren Erkenntnisse zunutze zu machen, um sich

jenseits der eingeschliffenen Denkmuster noch einmal mit der Bedeutung von physiologischen Bedingungen für Geschlechtlichkeit zu beschäftigen. Eigentümlicherweise wächst gerade im Herzen der queeren Bewegung derzeit eine Vorliebe für die Evidenz physiologischer Manipulation: In wachsender Zahl zeigen Transpeople beeindruckend, wie viel man mit Hormonen anstellen kann. Die Biologie hat die Gender bender längst eingeholt.


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Militär, Google, Elterngeld, Caster Semenya, Rosa Taxis, UN Women, Bäuche und Anne Frank als Comic

8. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 85 von 153 der Serie Kurz notiert

In Österreich haben die Hälfte der Frauen, die seit 1998 im Bundesheer aufgenommen wurden, den Dienst quittiert. DieStandard.at berichtet

Mögliche Gründe dafür sind das dreifach höhere Mobbingrisiko, dem Soldatinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen ausgesetzt sind und die “maskulinen” Werte beim Militär, die (unbewusst) die Ablehnung von Frauen fördern.

Der Jahreszeitenverlag strukturiert seine Redaktionen um, berichtet die taz. Dabei müssen vor allem Alleinerziehende, Mütter in Elternzeit und Behinderte gehen – dabei richten sich die meisten der Zeitschriften an Frauen und Familien.

Partner_innen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften haben in den USA eine Steuer zu tragen, die für verheiratete heterosexuelle Personen nicht anfällt. Laut FAZ zahlt Google diese Steuer für seine homosexuellen Mitarbeiter_innen.

Spiegel berichtet, wie Besserverdienende das Elterngeld für Langzeiturlaube nutzen, während das Elterngeld Hartz-IV-Familien vom schwarz-gelben Sparpaket künftig gestrichen wird.

Die United Nations Vollversammlung beschloss am Freitagabend in New York, ein neues Ressort zur Unterstützung von Frauenpolitik einzurichten. Die neue Einheit, die aus vier kleineren Organisationen zusammengschloßen wird, heißt UN Women.

Wie der internationale Leichtathletikverband IAAF entschied, darf die Weltmeisterin über 800 m, Caster Semenya, nach einjähriger Sperre nun wieder starten – “als Frau” bei den Frauen.

Die Anne-Frank-Stiftung reagiert auf “veränderte Lesegewohnheiten bei Kindern und Jugendlichen” und veröffentlicht die Lebensgeschichte von Anne Frank nun auch als Comic.

Jessica Valenti von feministing ist schwanger und genervt von “gut gemeinten” Ratschlägen und Bauchgrabscher_innen.

Eine interessante Dokumentation namens “Die Rosa Taxis von Dubai” findet ihr auf ARTE.

Auf Dubais Straßen sieht man immer häufiger rosafarbene Taxis mit weiblichen Fahrern. Dass Frauen hinter dem Steuer von nicht für rein private Fahrten genutzten Fahrzeugen sitzen, ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine echte Revolution – und gleichzeitig eine große Errungenschaft für islamische Frauen.


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Neue Regeln für Sportlerinnen?

16. Februar 2010 von Helga

Bei diesem Olympischen Spielen ist es gerade keine Thema: Nach der Kontroverse um das Geschlecht von Caster Semenya ist das Internationale Olympische Kommitee trotzdem auf der Suche nach neuen Regeln, so die Falls Post. Doch schon das Fazit des Kommitees klingt wenig vielversprechend. Statt den Fokus auf die Fairness der Wettkämpfe zu legen, werden medizinische Bedenken künftig in den Vordergrund gerückt. Athletinnen, deren Geschlecht uneindeutig ist, sollten künftig eine Diagnose und Behandlung bekommen. Die weiteren Vorschläge sind bestenfalls vage, wie die “Fall-zu-Fall”-Entscheidungen oder Einrichtung spezieller Behandlungszentren und im schlimmsten Fall furchterregend:

Sports authorities would send photographs of athletes to experts […]. If the expert thinks the athlete might have a sexual-development disorder, the expert would order further testing and suggest treatment.

Auf Deutsch: Sportbehörden würden Fotos von Athleten an Experten senden. Wenn der Experte eine mögliche Störung der sexuellen Entwicklung sieht, würde der Experte weitere Tests anordnen und Behandlungen vorschlagen.

Falls da tatsächlich keine Aufnahmen von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen gemeint sein sollten, bin ich ja schon gespannt, wie man das umsetzen will. Schminke, gezupfte Augenbrauen und erkennbar lange Haare verbieten auf solchen Fotos, damit das “eigentliche” Gesicht zu sehen ist? Oder genau anders herum jede Athletin weiteren Tests unterziehen, die sich konventionellen Schönheitsidealen verweigert?
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In den Blogs: Körper, Körperlichkeit und Körperkult

16. Januar 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 18 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Der Genderblog berichtet von einem Call for Papers für ein Aufklärungsbuch. Bis zum 20. März werden Autor_innen gesucht, die über Sexualität schreiben, die auch Menschen mit Behinderungen und abseits der Heteronormativität umfasst.

Dass Aufklärungsbücher auch heute noch dringend not tun, zeigt eine Geschichte von der honigsüßen Welt. Lori über den (nicht-)erteilten Sexualkunde-Unterricht.

In Wien haben sich engagierte dicke Frauen und Lesben zusammengeschlossen um gemeinsam auf die zunehmende Gewichts-Diskriminierung hinzuweisen. Die selbstorganisierte Initiative ARGE Dicke Weiber will dicke Frauen und Mädchen stärken, sich politisch mit dem Thema auseinandersetzen und Aktionen durchführen. Mehr Informationen gibt es auf ihrem Blog oder auf ihrer Facebook Seite.

Auf dieStandard.at wird über die erste Geschlechtsanpassung einer Minderjährigen in Spanien berichtet.

Antje Schrupp schreibt über ihre Erinnerungen an die kürzliche verstorbene radikalfeministische Philosophin und Theologin Mary Dali.

Allen Gesetzen und Initiativen zum Trotz gibt es auch in Deutschland immer noch Diskriminierung. Medienelite berichtet von einem Forschungsprojekt der FU Berlin, an dem sich Opfer von Diskriminierung beteiligen können.

Auf zwischengeschlecht.info wird berichtet, dass laut aktuellen Meldungen aus südafrikanischen Medien das südafrikanische Olympische Komitee “SA Sports Confederation and Olympic Committee (Sascoc)” durchgegriffen habe und unter Berufung auf den Athletikweltverband IAAF ein absolutes Startverbot für Caster Semenya verkündet hätte. (Die Jungle World thematisiert den Fall Caster Semenya übrigens in der aktuellen Ausgabe).

Der frischgebackene Verein Zwischengeschlecht.org lädt in Zürich ein:

Zwischengeschlecht.org Soliparty - Film 21 h *Das verordnete Geschlecht* - Ab 22 h BANDS & DJs: Sarna, Blade, Zodiak, Homosadicus (I), Disharmonic Anorkestra (ZH) + INFO: Kampf der Zwitter gegen Zwangsoperationen - Fr 22.01.2010 @Kalkbreite 4, ZH

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Blog zurück in die letzte Woche, garantiert Weihnachtsmänner_innen-frei

26. Dezember 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 22 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Frauenkörper, Mädchengesichter, Puppen bei Tessa.

Lass es einfach, sagt Fräulein Zucker mit einer überaus charmanten, nonchalanten neuen Illu.

Bei Indymedia gibt es einen Bericht zu der Demonstration für den iranischen Crossdressing Studentenführer Majid Tabakoli in Berlin. (Danke auch an Leser Leo für den Hinweis.)

leonie plädiert für mehr Feminismus in der Klimabewegung und hat damit völlig Recht. Außerdem bringt sie einen interessanten Hinweis zum Thema Gewalttaten von Mädchen: Nämlich, dass deren Zahl nicht so sehr ansteigt, wie die Bereitschaft, sie zur Anzeige zu bringen und gibt dem Papst auch noch schnell aufs Maul. Der hat sich in seiner Weihnachtspredigt einmal wieder für den Schutz ungeborenen Lebens stark gemacht, aber den Schutz von Frauenleben dabei unerwähnt gelassen.

DFB-Präsident kann nicht empfehlen, sich als Profifußballer zu outen, meldet queernews. Für Fußballerinnen gilt das vermutlich nicht. Da is’ wurscht, geht ja auch nicht um Millionenverträge.

die.Standard findet die Tina Fey-Sendung “30 Rock” so gut wie alle anderen auch. Mich würde interessieren, warum diese Sendung diesen Titel hat.

Und Mademoiselle Nocturne mag das neue ANAIS-Buch “Der Gedanke”.

Ich weiß nicht, wer von euch den Militärputsch in Honduras bewusst mitbekommen hat – ich habe es schändlicherweise nicht. Und bin entsetzt zu lesen, dass seit dem 28. Juni (der Tag des Putsches) in dem mittelamerikanischen Land bereits 17 Mitglieder der LBGT-Gemeinschaft dort teilweise brutal ermordet worden sind, zuletzt der 27-jährige Aktivist Walter Tróchez, wie auf dem 1.000 Kreuze in die Spree-Blog gemeldet wird.

Angeblich verklagt die Läuferin Caster Semenya den internationalen Leichtathletikverband IAFF auf 120 Millionen Dollar, und den südafrikanischen Verband ASA auf 18 Millionen Dollar. Was die Begründung für dieses Summe ist, wird aber nicht ganz klar; klar ist nur, dass ASA das Geld nicht aufbringen könnte.


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Kurz und knapp zum Wochenende

4. Dezember 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 12 von 153 der Serie Kurz notiert

Was war sonst noch los in dieser Woche?

Wie wir auch schon ausführlicher berichtet haben, hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Sorgerecht für Väter gestärkt. Ein längerer und informativer Artikel dazu findet sich auf tagesschau.de, sowie ein Kommentar auf Spiegel Online.

Einen Streifzug durch die Filmgeschichte der Geschlechterstereotype kann man auf derStandard.at nachlesen: Wie werden Wissenschaftlerinnen in Filmen dargestellt? Antwort: Als Mannweib, alte Jungfer, naive Expertin oder einsame Heldin.

Simone Schmollack untersucht in der taz, welche Auswirkungen es für Frauen haben wird, dass das Schonvermögen von Hartz-IV-Empfänger_innen angehoben werden soll. Ergebnis: Es wird ihnen wenig nützen, da sie kaum Geld zum Sparen haben.

Der “Fall Semenya” sollte eigentlich Ende November entschieden werden – besser gesagt: Es sollte entschieden werden, was sie denn nun ist: Mann oder Frau. Dazu bedurfte es aber so vieler medizinischer Tests, dass das Ergebnis nun doch noch nicht vorlag. Das berichtet und kommentiert Andrea Roeding im freitag.

Sharon Adler macht AVIVA, ein Berliner Online-Magazin, eines der erfolgreichsten Frauen-Portale deutschlandweit. Diese Woche war sie im Montagsinterview der taz. Kleiner Ausschnitt gefällig?

“Als das Buch “Alphamädchen” im letzten Jahr rauskam, war ich superglücklich, dass die Feminismusdebatte von einer neuen Seite angestoßen wird. Ich fands auch gut, ein paar Seitenhiebe loszulassen auf etablierte Feministinnen.”

Die Schweizer haben sich gegen Minarette ausgesprochen. Und damit Europa in eine große Debatte gestürzt. Interessant für uns ist dabei vor allem die Tatsache, dass laut Forschern vor allem die Stimmen linksgerichteter Frauen für den Erfolg der Verbotsabstimmung gesorgt haben könnten, wie die taz berichtet. Ebenso interessant ist, was Alice Schwarzer zu dieser Entscheidung des Schweizer Volkes zu sagen hat: dieStandard.at fasst die Äußerungen der islamkritischen Feministin zusammen. Diese findet es zum Beispiel selbstverständlich, dass Burkas verboten werden sollten.

Wie es Frauen in der Türkei geht, das untersuchte u.a. der Gleichstellungsbericht des Weltwirtschaftsforums und kam zu keinem sehr erfreulichen Ergebnis: Inpunkto Gleichberechtigung rangiert das Land ganz weit hinten unter den untersuchten 134 Ländern: auf Platz 129. Eine Analyse dazu findet ihr auf Quantara.de.


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Caster Semenya: Sportler oder Sportlerin

21. August 2009 von der Mädchenmannschaft

Die Aufregung um das Geschlecht der Sportlerin Caster Semenya: Zwei Autorinnen haben sich Gedanken zu einem Thema gemacht.

Ist sie eine Frau? Oder ist sie ein als Frau getarnter Mann? Oder ist sie ein Mann, der denkt, er wäre eine Frau? Das denkt sich Barbara.

Die südafrikanische Sportlerin Caster Semenya hat am Mittwoch den 800-Meter-Lauf bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin gewonnen. Es kann jedoch passieren, dass ihr der Sieg aberkannt wird: Wenn sich nach mehreren Tests, die in den nächsten Tagen abgeschlossen werden, herausstellt, dass sie keine Frau ist. Sondern ein Mann. Geschaut wird überall, wo es nachweisliche Unterschiede gibt, also zwischen den Beinen und im Chromosomensatz der 18-Jährigen. In der Presse werden Beispiele angeführt (z. B. auf SPIEGEL online oder bei sueddeutsche.de, wie sich Sportlerinnen bei genauerem Hinsehen als Sportler entpuppten: ein trauriges Kapitel der Sportgeschichte, gleich neben dem mit dem Doping.

Intersexualität fern des privaten, intimen Bereichs empfinde ich als verstörend und erstaunend zugleich: In welcher Situation gibt eine Frau vor, ein Mann zu sein? Mir fällt beispielsweise der Streisand-Film “Yentl” ein, in dem es um Bildung und Religion, den Talmud, die jüdische Religionsgeschichte geht, etwas, wozu nur Männer Zugang haben. Und viele Kriegsszenen, in denen Frauen sich in Uniformen zwängen, Haare und Brüste wegbinden, um mitkämpfen zu können, Seite an Seite mit ihren Männern, für das Land, die Ehre, die Zukunft und was sonst noch wichtig ist. Umgekehrt, wann gibt ein Mann vor, eine Frau zu sein? Von der Transvestie abgesehen denke ich vor allem an so Faschings-Klamauk à la “Some like it hot”, “Charley’s Tante”, oder Filme wie “Tootsie”. Hier geht es um Jobs (Männer im Frauenorchester, Männer besetzen Frauenrollen), oder um Anstandsdamen, die aufpassen, dass niemand etwas anbrennen lässt.

Zurück zu Caster Semenya. Sollte sich herausstellen, dass sie einen männlichen Chromosomensatz hat, dass ihre Geschlechtsorgane in Wahrheit doch männlich sind, dass ihrem Sieg ein Betrug zugrunde liegt, kann sie, die dann ein Er ist, Mitleid sicher gut gebrauchen. Ebenso, wenn sich herausstellt, dass sie einen weiblichen Chromosomensatz hat. Denn als “Nicht-Frau” ist sie längst gebrandmarkt, durch Bemerkungen anderer Sportlerinnen, durch die Beteuerung ihrer Mutter, durch das Bereden ihres Aussehens, das mit straffem Bauch, flacher Brust und breiten Schulter nicht der weiblichen Norm entspricht. Was auch immer darunter zu verstehen ist – denn längst ist das, was als Norm verkauft wird, nicht mehr das, was natürlich ist.

Wo also liegt die Grenze: Die eine Frau lässt die Brüste vergrößern, die Vagina glätten, die Wangenknochen hervorheben, die Haut an den Armen straffen und die Taille verschlanken – und bleibt eine Frau. Die andere lässt all das auch machen – bleibt aber aufgrund des Chromosomensatzes ein Mann. Wer bestimmt, wie lange oder ab wann eine Frau eine Frau ist?

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Wann ist eine Frau eine Frau? Das fragt sich Helga beim selben Thema:

Ein Sprinter steigert sich zu unglaublichen Bestleistungen, seine Dopingtests sind negativ, er ist der neue Held.

Eine Sprinterin steigert sich zu unglaublichen Bestleistungen, ihre Dopingtests sind negativ, sie muss zum Geschlechtstest.

Caster Semenya siegte bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin beim 800 Meter-Lauf. Wie Usain Bolt im letzten Jahr, steigerte sie dabei ihre eigene Bestleistung enorm, die Dopingtests waren negativ. Doch Semenya muss nun eine Reihe weiterer Tests über sich ergehen lassen, die sie am Ende den Titel wieder kosten könnten. Denn die IAAF, Ausrichterin der Leichtathletik-WM, vermutet, sie sei in Wirklichkeit ein er.

Tests zur Bestimmung des Geschlechts wurden früher routinemäßig durchgeführt, vor einigen Jahren jedoch wieder abgeschafft. Sie werden in strittigen Fällen weiter angewendet. 2006 wurde der indischen Leichatlethin Santhi Soundarajan die Silbermedaille aberkannt, die sie bei den Asienspielen über 800 Meter errungen hatte. Ihr wurde ein männlicher Chromosomensatz trotz äußerlich weiblicher Geschlechtsorgane nachgewiesen. Später versuchte Soundarajan Selbstmord zu begehen, die Kontroverse um ihr Geschlecht war einer der Gründe.

Wie bei Soundarajan vermutet man auch bei Semenya eine Androgenresistenz. Dabei besitzt der Körper den (männlichen) XY-Chromosomensatz, die gebildeten männlichen Hormone werden aber nur teilweise, bzw. gar nicht verarbeitet. Bei einer vollständigen Resistenz sehen die äußeren Geschlechtsorgane weiblich aus, die Hoden sind im Körperinneren verborgen. Meist werden sie im Erwachsenenalter entfernt, um Krebs zu vermeiden. Die Betroffenen werden meist ihr Leben lang als Frauen betrachtet. Neben der Androgenresistenz gibt es noch weitere Variationen von Hormonen und Chromosomen, heute zusammgenfasst als Intersexualität oder Sexualdifferenzierungsstörung.

Hinter allem steht die Frage, was den Mann und die Frau ausmacht. Chromosomen? Erscheinungsbild? Hormonlevel? Wo genau verläuft die Grenze? Wieviel Hormone dürfen es sein, bevor die Chromosomen den Ausschlag geben?

Auffällig ist auch, dass lediglich Frauen beweisen müssen, “wirkliche” Frauen zu sein. Unter den Athleten können sich auch Athletinnen verbergen, doch kein er hat sein Geschlecht bisher beweisen müssen.


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