Hina Rabbani Khar – Pakistans kontroverse Außenministerin

von Helga

Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar in einem rosa Gewand

Bild über Wikimedia Commons

Vor zwei Wochen ging es in Kurz notiert bereits einmal um Pakistans neue Außen­ministerin, Hina Rabbani Khar, deren Ernennung von einer gehörigen Portion Sexismus begleitet wurde. Jung, hübsch und weiblich und damit nur gewählt, um das Image Pakistans aufzubessern. Im Ms. Blog zeigt sich Rafia Zakaria, die Direktorin von Amnesty International USA, nun ebenfalls nicht begeistert – aber aus anderen Gründen. Denn ähnlich wie bei Angela Merkel zeigt sich auch bei Khar, dass Geschlecht allein nichts bedeutet. Nur weil sie Politikerinnen sind, kümmern sie sich noch lange nicht um ihre Mitbürgerinnen.

So schwieg Khar jahrelang zum Fall Mukhtaran Mai. Im Frühjahr diesen Jahres waren fünf ihrer sechs ursprünglich zum Tode verurteilten Vergewaltiger freigesprochen worden. Den Mangel an Beweisen sah Mai in der schlampigen Arbeit der Polizei begründet, die sie stets nicht ernst genommen hätte. Ein Vorwurf, den viele Betroffene und Frauenrechtler_innen bereits erhoben haben. Khar war zu diesem Zeitpunkt bereits im Kabinett, äußerte sich aber nicht. Im Juni nun wurden Teile des Frauenschutzgesetzes (Women’s Protection Bill) außer Kraft gesetzt. Erst 2006 eingeführt, sollte es verhindern, dass Vergewaltigungsopfer bei einer Anzeige selbst verhaftet und wegen Unzucht oder Ehebruch angeklagt werden. Auch dazu hätte es keine Reaktion von Khar gegeben, beklagt Zakaria. Tatsächlich habe sie sich noch kein einziges Mal für die pakistanischen Bürgerinnen eingesetzt.

Weiterer Kritikpunkt: Khar entstammt einer Feudalfamilie, die den Süden der Provinz Punjab weiter fest im Griff hat und seine Entwicklung behindert. Am Ende aber, so Zakria, ist Khar nicht die schlechteste Wahl. Während sie sich einfach nicht um sie kümmert, gäbe es schließlich genügend Politiker_innen, die nach Art der Taliban Frauenrechte radikal einstampfen würden.




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Eintrag geschrieben: Montag, 8. August 2011 um 8:43 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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13 Kommentare

  1. Irene sagt:

    Die katholische Kirche beklagt übrigens Entführungen und Zwangsislamisierungen christlicher Mädchen in Pakistan:
    http://www.domradio.de/aktuell/75564/zum-islam-gezwungen.html

  2. Miriam sagt:

    @ Irene: Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein…

  3. Irene sagt:

    Wenn Du einen trockenen Hinweis, dass die Rechte christlicher und hinduistischer Minderheiten in Pakistan nicht gewahrt sind, als Aufruf zum Steinewerfen siehst, liegt der Fehler möglicherweise bei Dir.

  4. Julian sagt:

    Warum wird eigentlich immer erwartet, dass sich Frauen solidarisch für andere Frauen einsetzten? Ist bei Männern ja auch net zwingend der Fall. „Mächtige“ zeigen sich eher solidarisch gegenüber anderen „Mächtigen“.

  5. Miriam sagt:

    Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass ein Hinweis über Zwangskonvertierungen, der von der katholischen Kirche kommt, keinesfalls über den Zweifel an der Objektivität erhaben ist. Käme dieser Hinweis von einer religös unabhängigen Organisation, sähe das anders aus. Aber eine Organisation, die selbst jahrhundertelang Zwangskonvertierungen durchegführt hat, nach wie vor andere religöse Minderheiten mehr oder weniger subtil unterdrückt, Frauenrechte mit Füßen tritt,… erscheint mir als Advokat von Minderheiten dann doch eher unseriös…

  6. Helga sagt:

    @Julian: Ich weiß nicht, wer das immer erwartet. Oft genug werden Politikerinnen aber als Fortschritt für Frauen und Frauenrechte verkauft. So wie Angela Merkel als Kanzlerin oft der Beweis sei, dass Deutschland jetzt supi Gleichberechtigung hat. Ist nur halt nicht zwingend so. Außerdem ist es hier ein feministisches Weblog, d.h. es wäre schon sehr komisch, wenn wir Politiker_innen nicht auf ihren Einsatz für Gleichberechtigung und Frauenrechte abklopfen würden.

    @Irene Auch hier gilt, dass Derailing nicht erwünscht ist (vgl. Netiquette).

  7. Irene sagt:

    Niemand ist objektiv. Und wenn eine Religionsgemeinschaft auf die Verfolgung ihrer Mitglieder hinweist, ist das naturgemäß parteiisch. Geht ja gar nicht anders.

    Du kannst ja gern bei einer Dir vertrauenswürdig erscheinenden Organisation anfragen, wie es christlichen und hinduistischen Frauen in Pakistan geht. Ich habe den Link einfach gepostet, weil er mir auf einer Mailingliste vor die Füße gefallen ist und er zum Thema passt. Ich werde jetzt noch eine Runde arbeiten, anstatt mich dafür zu entschuldigen, dass ich hier das Domradio verlinkt habe.

  8. Irene sagt:

    Helga, ich verstehe nicht, wieso der Link Derailing sein soll, aber ich bin eh aus der Diskussion raus.

  9. Helga sagt:

    @Irene Derailing ist es, wenn man unter einem Text, der Kristina Schröder, ihren (Nicht-)Einsatz für Frauenrechte und sexistische Kritik an ihr behandelt, die Aktionen anderer Gruppen diskutieren will, die nur ihre Religion teilen.

  10. Irene sagt:

    Ich habe das verlinkt, weil für mich der Kampf um Frauen im Namen von Religionen auch ein frauenpolitisches Thema ist und nicht nur ein religionspolitisches.

  11. Julian sagt:

    @Helga
    Angela Merkel ist imho ein Zeichen für Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung. Immerhin zeigt es, dass es für Frauen möglich ist die gleichen Posten zu erreichen wie für Männer. Nur ob oder ob nicht sie dann „feministisch“ bzw. Aufgeschlossen gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen sind, ist halt wieder ein anders Thema.

  12. Miriam sagt:

    @Julian: Ach bitte, das ist jetzt aber wirklich nicht dein Ernst, oder? Weil es einmal eine Frau geschafft hat, Bundeskanzlerin zu werden, ist das noch lange kein Zeichen für Chancengleichheit in Deutschland. Das ist neoliberaler bullshit!

  13. Julian sagt:

    @Miriam.
    Natürlich ist das ein Zeichen für Gleichberechtigung. Es ist kein Zeichen dafür, dass diese abgeschlossen ist. Aber hätte sich vor 10-20 Jahren jemand das so vorstellen (nicht wünschen) können?
    Frauen können bei uns mittlerweile in fast allen Bereichen die selben Posten erreichen wie Männer. Dass das in vielen Firmen noch anders aussieht ist a) der Zeit geschuldet, da solche umgreifenden Veränderungen Zeit brauchen und b) auch von den Unternehmen abhängig ob sies wollen.
    Ich selber bin ja gegner von (starren) Quoten und sage dass das alles die Zeit und die Gesellschaft von selbst Regeln sollte auch ohne Quoten. Aber das schweift ja wieder vom Thema ab.