Frauen und MINT: Die EU zeigt, wie mensch es lieber nicht machen sollte

von Helga

Zum Wochenende hin kursierte ein quietschrosa Video der Euro­päischen Kommission durchs Internet. Hinter all den Bubble Tea-Blubber­bläschen die durch das Bild hüpften war dabei nicht ganz klar, um was es eigentlich gehen sollte. Denn, Überraschung, dahinter steht die Kampagne Science: It’s a Girl Thing, mit der Mädchen für Natur­wissen­schaften begeistert werden sollten. Inzwischen ist das Video offiziell vom Netz (und inoffiziell hier), Astro­dicticum Simplex hat aber doku­mentiert, wie es aussah:

In dem knapp eine Minute langen Spot sah man einen ernsthaft am Mikroskop arbeitenden Klischeewissenschaftler (Brille, weißer Kittel), der sich plötzlich mit drei heranmarschierenden Models in High-Heels und kurzen Röcken konfrontiert sieht. Die drei Frauen entstammten allerdings nicht seiner Fantasie, sondern sollten wohl die neue Generation der weiblichen Wissenschaftlerinnen darstellen. Danach folgt jede Menge Rosa, Lippenstifte, Make-Up, bunte Kugeln und blubbernde Flüssigkeiten in Glaskolben. Das sollte wohl offensichtlich die Wissenschaft demonstrieren, die für Mädchen interessant ist.

Klar, was hilft auch besseres gegen einen Stereotyp, „Wissen­schaftler = Mann im weißen Kittel“, als ein anderer Stereotyp? Wenig begeistert zeigten sich daher auch die Geek Sisters:

[…] natürlich spricht nichts dagegen, dass man Wissenschaftlerin sein kann und sich hübsch anziehen. ABER dieser Clip kombiniert diese Dinge so ungeschickt, dass die eigentliche Botschaft kaum noch zu erkennen ist. Es werden die alten Klischees verwendet wie: Frauen müssen sexy sein, Frauen interessieren sich nur für Make-Up, Frauen müssen attraktiv für Männer sein und zufällig sind sie vielleicht auch schlau genug, um eine Formel zu berechnen.

Männer sind aktiv, Frauen sind Deko. Schade, dass auch bei der EU anscheinend niemand sitzt, der oder die sich schon etwas länger mit der Forschung zu Stereo­typen befasst. Oder irgend­jemand, der das Projekt Drawings of Scientists kannte. Da lernen Kinder „echte“ Wissen­schaftler­_innen kennen und lernen, dass sie „ganz normale“ Menschen sind. Immerhin: Inzwischen kommen sie auch zu Wort, wie Daniela Wolf, die Informatik­didaktik studiert.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 26. Juni 2012 um 19:32 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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21 Kommentare

  1. Zara sagt:

    Bei diesem Artikel ist mir direkt ein Statement von Sylvia Löhrmann und ein passender Blogeintrag von Gerd Buurmann in den Sinn gekommen:

    „“Lehrkräfte müssen darauf vorbereitet werden, dass Mädchen einen anderen Zugang brauchen, um anzubeißen”, sagt Sylvia Löhrmann. “Mädchen brauchen eher einen Anwendungsbezug, während viele Jungen Technik an sich fasziniert.” In Chemie etwa wollten Mädchen vor allem wissen: Wofür brauche ich das? “Wenn sie dann wissen, dass das zum Beispiel für Kosmetik interessant ist, haben sie einen eigenen Zugang.”“

    Ziemlich harter Tobak, aber Gerd Buurmann hat die passende Antwort gegeben:

    http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/06/04/der-grune-sexismus/

    ——-

    Off-Topic:

    Auf demselben Blog ist auch noch ein Artikel zu Judith Butler, passt zwar nicht zum Thema, aber ist dennoch lesenswert:

    http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/06/08/judith-butler-was-fur-eine-parodie/

  2. … beim ansehen des videos musste ich eben richtig lachen; ist ja unglaublich! …. funktioniert regelrecht als fiese satire über geschlechterklischees. war wohl bloß, dummerweise, nicht so gemeint.
    schade, als satire wäre es echt klasse.

    @zara: stimmt, dieses statement von frau löhrmann passt gut dazu. sehr enttäuschend war das, das muss ich schon sagen … wann wird „gender studies“ endlich in der schule unterrichtet?!

  3. Caro sagt:

    Ich habe gestern einen (internen) Fragebogen eines Verlags erhalten, der darüber nachdenkt eine Frauenzeitschrift für ITlerinnen herauszubringen und dafür diese ITlerinnen durch einige Fragen besser kennenzulernen. Mein erster Gedanke war: Bin ich als Informatikerin irgendwie keine „normale“ Frau und brauche darum etwas, das auf mich zugeschnitten ist? Die Fragen haben mir dann den Rest gegeben: Welchen Klamottenstil habe ich und ob ich auch Schmuck tragen würde. Ob ich viel Zeit am Computer verbringe. Was ich in meiner Freizeit machen würde (in Klammern war als Beispiel dann auch „Sport“ angegeben). Welche Bücher, Filme und Musik interessieren mich. Also Fragen, die auf ein bestimmtes Ziel zugeschnitten sind: Das Klischeebild einer Informatikerin zu bestätigen.
    Die abschließende Frage war übrigens, welches Vorurteil über ITlerinnen mich besonders nervt…

  4. Medusa sagt:

    @Zara. Schön, dass der von dir verlinkte Blog gegen Antisemitismus und Sexismus anschreibt.
    Schlecht, dass er islamophobe Blogs verlinkt (achgut, Broder), islamophobe Kommentare zulässt und wahrscheinlich islamophobe Blogposts enthält.

  5. H.D. sagt:

    In einer Sache hat Frau Löhrmann vielleicht Recht. Mir hätte es als Mädchen sicher geholfen, mehr über die Anwendungsbereiche von Physik und Chemie zu erfahren, um mich dafür zu interessieren. Aber warum ausgerechnet Kosmetik???

  6. Zara sagt:

    Darf ich fragen, warum mein letzter Beitrag gelöscht wurde. Ich habe sachlich auf die Kritik an dem Blog geantwortet. Wenn der Beitrag gelöscht wurde, weil er themenfremd ist, verstehe ich nicht, warum der Eintrag von Medusa nicht auch gelöscht wurde. Ich finde es nicht fair, dass mir nicht die Gelegenheit gegeben wird, auf die Kritik von Medusa einzugehen, wobei ich vor allem den Vorwurf der Autor Gerd Buurmann sei „islamophob“ als doch recht schwerwiegend empfinde.

  7. Helga sagt:

    @Medusa und Zara: Bitte beim Thema bleiben (und das ist hier nicht Islamophobie). -> http://maedchenmannschaft.net/netiquette/

  8. Anna-Sarah sagt:

    Hey Zara,
    ich bin zwar nicht Autorin des Blogposts, würde aber trotzdem gern kurz antworten, warum ich persönlich deinen letzten Kommentar nicht freischalten würde. Erstmal: Der „Vorwurf der Autor Gerd Buurmann sei ‚islamophob'“ wurde so nicht geäußert, in sofern ist es an dieser Stelle auch nicht erforderlich, zu versuchen ihn zu entkräften. Das von dir verlinkte Blog enthält einige Links zu Seiten, die wir als problematisch einstufen würden, und entsprechend unserer Netiquette ist es wichtig, darauf hinzuweisen, wie Medusa es aufmerksamerweise getan hat (danke dafür!). Darüber zu diskutieren, warum diese Links im einzelnen (nicht) problematisch sind, oder darüber, in welchem Verhältnis die Ablehnung von Religion und die Feindlichkeit gegenüber Religionsangehörigen zu einander stehen, führt an dieser Stelle tatsächlich zu weit vom Thema, nämlich Helgas Artikel, weg.

  9. Zara sagt:

    @Helga:

    Wenn es sich darum geht, dass es themenfremd ist, wieso wurde dann der Beitrag von Medusa freigeschaltet? Das ist inkonsequent und gibt mir nicht die Möglichkeit meine Sicht der Dinge darzulegen, wohl aber Medusa die ihre.

    @Anna Sarah:

    Das von dir verlinkte Blog enthält einige Links zu Seiten, die wir als problematisch einstufen würden, und entsprechend unserer Netiquette ist es wichtig, darauf hinzuweisen, wie Medusa es aufmerksamerweise getan hat (danke dafür!).
    —-
    Wenn der Blog so stört dann bittet doch Gerd Buurmann die Verlinkung von Mädchenmannschaft von seinem Blog zu löschen.

    Ich finde es auch problematisch die Ansichten eines Autors zu sperren, weil er nicht 100 % die eigene Meinung wieder gibt. Gerd Buurmann setzt sich gegen Sexismus, Antisemitismus und Moslemfeindlichkeit ein, er war einer der wenigen die auf das Schicksal von Shahin Najafi aufmerksam gemacht hat und arbeitet eng mit muslimischen Künstlern zusammen und hat bspw. schon auf Kabarettveranstaltung in Moscheen teilgenommen usw. usf., muss er 100 % die Meinung der Mädchenmannschaft-Autoren und Moderatoren teilen, damit er Verlinkungswürdig ist?

  10. Anna-Sarah sagt:

    @Zara: Bitte bleib beim Thema und bei dem, was wirklich gesagt wurde. Wie du siehst, sind die Links zu Gerd Buurmann, die du gesetzt hast, nach wie vor hier zu sehen – sie wurden lediglich durch den Hinweis auf das, was er sonst noch so verlinkt, kontextualisiert – niemand hat irgend etwas „gesperrt“. Ich möchte noch einmal auf die Netiquette hinweisen und bitte darum, von weiteren Diskussionen unserer Moderationspolitik in diesem Thread abzusehen.

  11. Zara sagt:

    Es gab den Vorwurf, dass tapferimnirgendwo „wahrscheinlich“ islamophobe Blogpost enthält und einen Vorwurf stehen zu lassen, der vollkommen unbegründet ist und nichtmal versucht zu argumentieren, gleichzeitig aber die Stellungnahme auf die Vorwürfe zu verweigern ist mMn schlechter Stil, wenn man das dann noch damit begründet, dass es „themenfremd“ ist, aber den Vorwurf stehen lässt, lässt sich kein roter Faden bei der Moderation finden, auch der Text von Judith Butler wurde ja freigeschaltet, obwohl er themenfremd ist.
    So könnte der unbedarfte Leser den Eindruck gewinnen Gerd Buurmann sei PI-News bzw. Pro NRW-Anhänger und das finde ich problematisch.

  12. Medusa sagt:

    @Zara: Kurz zur Erklärung: das „wahrscheinlich“ kam daher, dass ich einen Blogpost mit dem Titel „Mythos „Nakba““ sah, aber keine Lust hatte ihn mir anzugucken. Habe ich inzwischen getan: es ist ein Terminhinweis auf eine Veranstaltung, die offenbar Vertreibung und Massaker an den Palästinensern als Mythos entlarven will. Wie man solche Terminhinweise bewertet, darüber liesse sich natürlich streiten, muss aber hier nicht sein.

  13. Luna sagt:

    @Caro
    neiiiin, wie schön… *Augen verdreh*

    möchte mal wissen, was für eine Zeitschrift herausgegeben wird, wenn der Großteil total stereotyp „männliches Zeug“ ankreuzt oder schreibt.

    @H.D.
    Da gebe ich dir vollkommen recht, allerdings wird das ja dann auch wieder so gesehen- Männer (können) denken total abstrakt, Frauen brauchen Anwendungsbereiche.
    Was ich persönlich für Schwachsinn halte.

  14. Samia sagt:

    @Caro und Luna

    Ich würde bei sonem Fragebogen meine „weiblichen“ Interessen schlicht leugnen, um zu nem vernünftiges Resultat beizutragen. Wenn ich man „beauty“-Problem habe, befrag ich nämlich Youtube, nich son Glamourheft. Caro, haste ausgefüllt? Wenn ja, was haste bei der letzten Frage geschrieben?

    @ Medusa Danke für die Intervention! Und auch der MM fürs Löschen.

  15. Caro sagt:

    @Samia: Ich habe den Fragebogen nicht ausgefüllt, aber der Frau eine E-Mail geschrieben, die eben mit dieser letzten Frage anfing und angeführt, dass ihr Fragebogen alles enthält, was mich an Vorurteilen nervt. Vor allem habe ich auch überhaupt nicht verstanden was die ganze Aktion soll. Wollen die uns „weltfremden und anti-weiblichen“ Informatikerinnen das Leben erklären? Und vor allem: Wieso sollte ich Sachen von jemanden lesen, der eine total falsche Vorstellung von seiner Zielgruppe hat – will die mir was über IT erzählen. (Meine E-Mail war noch ein bisschen länger und ich habe versucht ihr zu erklären, warum ihre Fragen stereotyp und diskriminierend sind. Vermutlich wird sie darauf nicht antworten, aber falls ja, dann teile ich das gerne mit).

  16. Auralibby sagt:

    Ach ist das ekelhaft, wie sie sich da drehen und wenden, die Äuglein staunend aufreißen und süß mit den Lipgloss-Lippen schmollen… Könnte ein scheißnormales Fotoshooting für Qualitätsblätter wie „FHM“ sein, das Labor-Setting macht die Sache dann aber zur Werbung für Wissenschaft. Wenn DAS DA wirklich der Erkenntnisstand zur Wissenschaftsförderung in der EU ist, dann gute Nacht.
    (Wie würde so ein Clip dann eigentlich für Jungs aussehen? Heiße Erzieherinnen räkeln sich auf Kindergartentischen? Süße Krankenschwestern im kurzen Röckchen schmiegen sich an ihren Pfleger-Kollegen? Das interessiert Boys doch voll so, oder?)

  17. […] schreibt dir eine Frau aus der Zukunft. Es scheint ja zu deiner Zeit gerade sehr modern zu sein, Frauen mit Mode und Make-up zu stereotypisieren, um ihnen dann einen Berufsweg vorzuschlagen. Mit Bedauern muss ich feststellen, dass auch du auf diesen Zug aufgesprungen bist, denn leider […]

  18. physiker sagt:

    (Wie würde so ein Clip dann eigentlich für Jungs aussehen? Heiße Erzieherinnen räkeln sich auf Kindergartentischen? Süße Krankenschwestern im kurzen Röckchen schmiegen sich an ihren Pfleger-Kollegen? Das interessiert Boys doch voll so, oder?)

    Nee. Da kämen 5 Rugby-Boys mit Kinnschutz und voller Montur in den Kindergarten, stürmten in die Küche, würde sich mit harten Body-checks zum Essenmachen an den Ofen drägen, Gasofen natürlich, der beim Anmachen bis an die Decke lodert, das Essen wird von den Küche aus a la Frisbee-Scheibe in den Essensraum gebeamt, und nach dem Essen gehts mit Tempo 110 durch den Looping in der Rutschbahn …

  19. Laura sagt:

    Was wirklich stimmt ist, dass Jungs oft wenn sie gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern gute Noten mit nach Hause bringen, immer gelobt werden für ihre Fähigkeiten also auf ihre persönliche Seite, sie können das und sie sind gut und Mädchen oft für ihren Fleiß bei guten Noten gelobt werden. Das heißt nicht auf persönlicher, sondern auf situativer Ebene. Ist dann doch klar, dass Mädchen nicht unbedingt Selbstbewusstsein in dem Bereich sammeln und das Interesse verlieren. Ich habe über MINT hier auch gelesen http://www.grandresum.com/gender-berufe-frauen-in-maennerberufen/ und finde, dass es wenigstens einen Anfang, wenn auch verbersserungswürdig, darstellt…

  20. […] was einer bei „Frauen-Events“ leider zu oft vorgesetzt wird: keine Pinkifizierung, keine sexualisierten Bilder, keine hilflos zusammengetragenen […]

  21. Melanie sagt:

    habe den spot heute einer gruppe 8. und 9. klässlerinnen gezeigt. ich habe es nicht anmoderiert, sondern einfach gesagt: guckt mal was ihr seht…keins der mädchen hat den sinn/zweck des videos (ohne erläuterung) verstanden. sie beschrieben die mädchen, die wie models aussähen, aber nur eine der befragten mädchen sah auch, dass die frauen „experimente“ machten. die anderen sagten, die frauen „posen und stehen ja nur rum“. ein mädchen meinte, der typ in dem video mache experimente mit den frauen – er war ja der einzige, der mit kittel und brille was wissenschafts’typisches‘ hatte. richtig ansprechend fand es keins der mädchen.